Stratford upon Avon – Shakespeares Heimatstadt

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 In Eastbourne hatten wir einen T-Mobile Laden herausgesucht, natürlich mitten in der Stadt. Da wollten wir einen Internet Stick kaufen, damit wir günstig surfen können. Es gibt einen Traif für 3 Monate und 30 Pfund. Den kauften wir dann auch, nachdem wir wieder 30 Minuten lang zusehen mußten, wie ein etwa 9 jähriges Mädchen ein funkelnagelneues Iphone gekauft bekam! War am Tag zuvor genauso, da betonte die Mutter mehrmals, dass die Tocher ja schon 9 sei!
Die Stadt wuselte nur so von Touristen – sind wir ja auch – der strahlenden Sonnenschein, der Blick zum glitzernden Meer und auf das Pier versetzten uns in Urlaubsstimmung.
Mit dem Internet in der Hosentasche stürzten wir uns im Wohnmobil sitzend wieder in die falsch herum drehendenden Kreisel. Erstmal aus der Stadt rauskommen, gar nicht so einfach. Zwischen Brighton und Portsmouth nervte der Verkehr gewaltig, die Kreisel standen gepackt voller Autos, ohne drängeln kam man da gar nicht vorran. Doch irgendwann verwandelte die Straße sich in eine Schnellstraße und von da an kamen wir vorran:-) Bei einem Tesco hielten wir um heiße Hähnchen zu kaufen und Diesel zu tanken – ist viel billiger dort als an der Schnellstraße. Wir hatten sowieso eine Pause nötig, denn die Sonne bretzelte gewaltig vom Himmel herunter. Relativ spät erreichten wir Stratford upon Avon, Shaekespeares Geburtsort, und fanden einen Campingplatz am Fluß. Dort bewunderten wir abends die Vogelwelt. Es gibt sehr viele Kanadagänse, die mit ihren Jungen auf dem Campingplatz verweilen, Blesshühner, Teichhühner, Enten und Schwäne. Der Campingplatz war nicht sehr voll, sehr, sehr ruhig.

Morgens hatten wir es erstmal nicht wirklich eilig. Und die Ruhe war längst dahin. Der perfekte englische Rasen wurden auf der ganzen Fläche um zwei weitere mm gekürzt, die Hecken geschnitten, die Angestellten sausten nur so in den Golfwägelchen um den Platz, in einer Ecke wurde gebaut. Ins Städtchen wollten wir, aber erst gegen Nachmittag, weil wir im Abendlicht Fotos machen wollten und nicht den ganzen Tag im Trubel verbringen mochten. Amy und Noah fotografierten den ganzen Morgen die Vögel. Ich überarbeitete die Blogberichte und schrieb was Neues, sichtete die Fotos. Gunter schaute die Landkarte an, studierte die Campingführer. Selbst für unsere Rommee Runde hatten wir keine Zeit. Um 14:00 Uhr sollte ein Wassertaxi loslegen, doch weil wir schon fünf Leute sind und das Taxi nur 7 transportieren kann, kamen wir nicht mehr mit. So nahmen wir das nächste, haben ja keine Termine:-) Es kostet 7,5 Pfund, und die Fahrt war wunderschön. Vom Fluß aus sahen wir die Gärten der sehr teuren Anwesen der Stadt, Parkähnlich mit großen, schnellen Booten davor. Und dabei darf man auf dem Fluß nicht schnell fahren! Die Rapsfelder betörten uns mit Duft und Farbe, überall Schwäne, Gänse und anderes Flattervieh mit niedlichen Küken. Auf den Flüssen ist selbst in England der Verkehr wieder „richtig rum“. Wir liefen durch die Stadt, eine Weile folgen wir einer fanzösischen Schulklasse, verstanden zwar nicht viel, doch so kamen wir an allen Shaekespeare Gebäuden vorbei. Hinein gingen wir nicht, der Eintritt summiert sich zu sehr mit uns Fünfen. Da waren wir in den Buchläden auch gut aufgehoben, Gunter und Amy schlugen zu und schleppten von da an schwere Tüten.

das Wassertaxi auf dem Campingplatz

das Wassertaxi auf dem Campingplatz

wir im Wassertaxi. Stratford, England

wir im Wassertaxi. Stratford, England

Die Kids denken: "To be or not to be", Stratford, England

Die Kids denken: „To be or not to be“, Stratford, England

der Rentner in seinem selbstgebauten Narrowboat, Stratford, England

der Rentner in seinem selbstgebauten Narrowboat, Stratford, England

der Rentnder Rentner in seinem selbstgebauten Narrowboat, die Teilnahmeplaketten an der Seite, Stratford, Englander in seinem selbstgebauten Narrowboat, die Teilnahmeplaketten an der Seite

der Rentner in seinem selbstgebauten Narrowboat, die Teilnahmeplaketten an der Seite, Stratford, England

kranker Schwan, Stratford, England

kranker Schwan, Stratford, England

von mir gibts Nix!, Stratford, England

von mir gibts Nix!, Stratford, England

vier müde Reicherts, Stratford, England

vier müde Reicherts, Stratford, England

Blumen und Norrowboats, Stratford, England

Blumen und Norrowboats, Stratford, England

Narrowboats im Hafen von Stratford

Narrowboats im Hafen von Stratford

alte Häuser, Stratford, England

alte Häuser, Stratford, England

angreifender Schwan, Stratford, England

angreifender Schwan, Stratford, England

Gänsejunge, fotografiert von Amy

Gänsejunge, fotografiert von Amy

Gänsejunges, fotografiert von Amy

Gänsejunges, fotografiert von Amy

Ja, die Tüten die errinnern mich an ein Thema, welches ich unbedingt ansprechen wollte:
Das Füttern der Vögel. Auf dem Campingplatz bekamen wir einen Zettel mit Informationen dazu. Vor allem Schwäne und Gänse dürfen kein Weissbrot essen. Zu viel davon verursacht bei ihnen ein zu schnelles Wachstum der Federn. Die Krankeit nennt man „Angel Wings“ (weiß nicht, wie das auf Deutsch heißt). Die Flügel stehen seitlich ab, die Vögel können dann nicht mehr fliegen, sich somit nicht von Feinden entfernen, oft sterben sie. In den 70er Jahren nahm die Anzahl der Schwäne in Stratford drastisch ab. Forschungen ergaben, dass sie sich am Anglerblei vergiftet hatten. Die Bestände erholten sich, nachdem bestimmte Bleigewichte für das Angeln verboten wurden, wieder. Die Gänse auf der anderen Seite nehmen Überhand in Stratford. Die Fütterung durch Touristen zieht die Vögel in großer Zahl in den Ort. Normalerweise leben weniger als 100 Tiere in der Stadt, doch im Sommer kommen über 700 zusammen. Sie sind sehr agressive Fresser, machen somit den anderen Vögeln alles streitig, zudem essen sie auch die Blumen der Beete! Und verhindern eine Teilnahme am „Stratford in bloom“ contest! Jede Gans produziert 1kg Kacke pro Tag, hochgerechnet deponieren sie also jeden Tag eine halbe Tonne und verschmutzen nicht nur den Ort, sondern vor allem den Fluß. Und jetzt zur Tüte: die Gänse gewöhnen sich so an das Futter, dass sie jede Scheu verlieren und schließlich jede Tüte verfolgen. Das konnten wir schon selbst erleben.

Mich faszinierten die Boote, die hier im Hafen lagen. Fragte mich, ob die Leute auch drin wohnen? Nun, mir blieb nichts anderes übrig, ich fragte mich einfach durch und wir führten ein paar sehr interessante und vor allem informative Gespräche. Es gibt etwas 2000 Meilen befahrbares Gewässer in GB. Die Boote heißen „Narrowboat“, weil sie im Vergleich zu Länge sehr schmal sind. Etwa 2m breit und 14m lang.
Ein älterer Herr erzählte, nachdem ich gefragt hatte, ob ich ein paar Fotos machen dürfte, sehr ausführlich. Er lebt nicht auf dem Boot, sondern fährt im Sommer zu Narrowboat Veranstaltungen. Bei jeder Veranstaltung gibt es solche Plaketten. Sein Boot war über und über damit verziert. Er sei seit 29 Jahren in Rente und hätte danach das Boot eigenhändig gebaut. Ein anderer Herr liebte das Reisen auf den Flüssen und Kanälen, es wäre so schön entschleunigt. Nur 6km/h, also so schnell wie ein Fußgänger. Da es zwischen dem nahen Birmingham und Stratfort 53 Schleußen gibt, dauert eine Reise von dort etwa 4-5 Tage!  Es wäre sehr günstig auf diese Weise zu reisen. Er wolle nicht zu viel Gutes drüber erzählen, sonst würden das noch zu viele Menschen merken, wie schön diese Art der Fortbewegung ist:-) Er kam übrigens aus Neuseeland und war vor drei Jahren mit dem Segelboot in Dover angekommen. Noch wolle er nicht nach Hause, weil seine Heimatstadt Christchurch im Erdbeben letztes Jahr schwer beschäfigt wurde.

Wir liefen schließlich zurück, denn das Licht wurde erst nach dem letzten Wassertaxi gut. Entlang der Straße mußten wir etwa 2km weit laufen, denn wie schon gesagt, der Fluß wird hier von sehr reichen Leuten „belagert“. Von der anderen Seite sahen wir, dass nicht nur das schnelle Boot am Fluß stand sondern auch zwei, meist drei dicke Autos vor der Tür. Das mußte wirklich eine sehr, sehr reiche Gegend sein.
Wir machten nicht mehr viel, liesen den Abend erzählend mit netten Campern am Fluß ausklingen. Nun, die Fotos sicherte ich natürlich noch. Aber für einen „Big Bang“ reichte uns die Energie nicht mehr. (Die The Big Bang Theory Serie lieben wir zur Zeit – wenn man sie ohne Synchonisation bestellt kostet sie auch nur 1/3!)

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

5 Kommentare

  1. Hallo Ihr Reisende !

    Also es macht immer wieder Spass hier mitzulesen und vor allem die schönen Fotos zu bewundern ! Eure Erzählungen sind super – man fühlt sich fast, als wäre man dabei…..!
    Macht weiter so….auch wenn der Laptop manchmal nicht so will wie ihr ! Eure Bemühungen
    lohnen sich auf alle Fälle !

    Weiterhin Gute Fahrt und schöne Erlebnisse !
    Gruß, Ricarda

  2. Hallo Gabi,
    da habt ihr ja wieder so Einiges erlebt.
    Füttern von Enten ist so ein Thema.ich kopier mal das Wichtigste rein:
    „Bei einer längeren ausschließlichen Ernährung mit Brot kann es bei einigen Vogelarten zu massivem Nährstoffmangel kommen, der zum Beispiel in der bevorstehenden Brutzeit zu dünnschaligen Eiern oder gar zu einer tödlichen Legenot bei den Weibchen führen kann. Hinzu kommt, dass Brotreste, die nach der Fütterung übrig bleiben, für eine Verschlechterung der Wasserqualität sorgen. Die Gewässer können dann eutrophieren, das heißt, sie werden überdüngt und somit zu einer stinkenden, bräunlich-grünlichen Brühe. Dies gilt insbesondere für Gewässer ohne natürlichen Zu- und Abfluss.“
    Quelle:http://www.wildvogelhilfe.org/winterfuetterung/wasservoegelwinterfutter.html
    Trotzdem werden in jedem Winter auch am Steinhuder Meer die Enten gefüttert.Und sagt man was,denkt jeder, dass seine eigene kleine Ration ja nicht schaden kann.Dass es sich aber summiert,darüber denkt keiner nach.
    LG Maria

  3. Hallo und liebe Grüße!

    Das war ja mal wieder sehr lesenswert und lehrreich! Danke dafür und Dank auch für die Ergänzung durch Maria …. in Warnemünde durfte ich neulich erleben, wie ein Möwe einem älteren Herren sein gerade teuer erstandenes Heringsbrötchen aus der Hand klaute. Um es dann ohne Fisch fallen zu lassen. Nun, einen Spatz hat es gefreut. Aber das kommt halt bei jahrelanger Fütterung raus, mal abgesehen von der Tiergesundheit kann es auch zum Fast-Herzinfarkt bei älteren Herrschaften führen.
    Zu den Fotos: schön, schön, schön (besonders 9 und 10). Wer war denn da so mutig am Schwaan dran? Hat Shakespeare eigentlich aus dem alten Haus geschaut? Könnte man fast meinen ….
    Und wer hat die Kästchen-Beiträge geschrieben? Meist kann man am Schreibstil und am Inhalt erkennen, wer geschrieben hat. Heute stehe ich auf dem Schlauch.
    Aber ich freu mich auf morgen und schau wieder bei euch vorbei. LG Gabi und Familie
    PS: Gabi, denk dran, morgen ist Kindertag (grins)

  4. [MARKED AS SPAM BY ANTISPAM BEE | Empty Data]
    Hallo !
    Da ihr ja viel weiter im Lande fahrt als ich angenommen hatte, möchte ich euch noch einen Tipp geben. Wir waren 1991 für eine Nacht auch dem Campingplatz in Laugharne. Für uns war es zu erst nur eine Station auf dem Weg nach Irland. Bei einem abendlichen Bummel durch die Stadt, haben wir festgestellt, es ist auch der Ort wo Dylan Thomas gelebt hat. Sehr beeindruckt hat mich seine Schreibstube in der Nähe des „D. Thomas Bootshauses“.
    Koordinaten (für Google Earth) Campingplatz: 51.77900 -4.467000
    Koordinaten Schreibstube: 51.77210 -4.45690
    Schreibhaus :

    Gute Reise !!!
    Lutz

  5. Danke, Gabi, für deinen Hinweis auf diesen Eintrag in google+. Ich war ja selbst schon mal in Stratford, aber sowohl das Wassertaxi als auch die Hamlet-Statue sind mir entgangen. Dafür hab ich Anne Hathaways Cottage gesehen: http://skl-team.de/ClaoWue/wp-content/uploads/2013/05/Shakespeare-Previous-History.pdf
    Und da ich recht erkältet war und die Nebenhöhlen dicht ging ich ins Schmetterlingshaus. Warm, hohe Luftfeuchtigkeit – ein paar Stunden frei durchatmen können war klasse 😉
    Na, dann weiß ich ja was ich im Juli noch suchen muss.
    Grüße aus Bayern

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