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15. Juli 2012

Speichern der Fotos unterwegs

Neue technische Entwicklungen und immer stärkere Internetbindung lassen die klassische Datenspeicherung auf Reisen fast schon obsolet wirken. Mit Smartphones werden Schnappschüsse in nullkommanix in soziale Netzwerke, wie facebook hochgeladen und an alle Freunde verteilt. Andere legen ihre Fotoausbeute auf Online-Speichern, wie Googles Picasa ab, wo sie von überall zugänglich sind.
Wir haben auch etliche Reisende gesprochen, die mit ein paar größer dimensionierten Speicherkarten über etliche Wochen auskommen, indem sie immer wieder ihre Ausbeute sichten, durchsortieren und Teile löschen.

Kabelwirrwarr im Mobil - das ist oft recht anstrengend, weil die Sicherung lange dauert und wir zu fünft reisen!!

Kabelwirrwarr im Mobil – das ist oft recht anstrengend, weil die Sicherung lange dauert und wir zu fünft reisen!!

Das ist alles gut und unkompliziert, funktioniert aber nur bis zu einem gewissen Grad mit Smartphones und Kompaktkameras. Wer als engagierter Fotograf mit Spiegelreflex-Kameras im RAW-Format arbeitet, hat ein ungleich höheres Datenaufkommen (etwa 10-fach mehr als im JPEG-Format), für das eine mobile Internetanbindung nicht mehr ausreicht, oder unverhältnismäßig teuer wird. Auf unseren Reisen kommen da leicht einige hundert Gigabytes an Daten zusammen. Ein weiterer wichtiger Tatbestand ist, dass in vielen Regionen nur recht langsames oder sogar kein mobiles Internet verfügbar ist.

Wir fotografieren nun schon seit fast zehn Jahren schwerpunktmäßig digital, und wollen hier einmal unsere Erfahrungen und Speicherstrategien vorstellen.

Die erste und wichtigste Anschaffung ist natürlich ein Notebook und ein Kartelesegerät. Das Notebook hat viel Speicherkapazität, über den großen Bildschirm lässt sich die Qualtität der Tagesausbeute qualifiziert beurteilen, und ausgewählte Bilder können für Online-Berichte bearbeitet und optimiert werden.
Bei der Notebookwahl sollte man besonders auf die Festplattenkapazität und die Bildschirmqualität achten, ansonsten hat man recht freie Wahl. Bildbearbeitung und -betrachtung stellt keine hohen Anforderungen an Grafikkarte und Prozessor.
Als Kartenleser haben wir seit Jahren die USB-Card-Reader von HAMA im Einsatz. Die sind sehr preiswert, mit die schnellsten und arbeiten recht zuverlässig mit fast allen Kartenformaten. Im Gegensatz zum Download direkt von der Kamera, schont dieser Weg die Kamerabatterien und vermeidet Komplikationen, falls beim Herunterladen von der Kamera dieser der Saft ausgeht.

Als Backup-Lösung haben wir einen Image-Tank dabei, in den man den Speicherkarteninhalt direkt einlesen kann. Unser erster war das DIP-Wiesel (Modell PD 70X) mit 80 GB Kapazität, und lief mit vier AA Akkus als Stromversorgung. (das war sehr praktisch, weil ich dieses Gerät auch als Ladegerät für die Blitzakkus nutzen konnte und kein Extraladegerät mitnehmen mußte!) Das Wiesel hatte zwar kein nennenswertes Display, war aber das schnellste Gerät am Markt und dazu recht preiswert.

Irgendwann wurde es abgelöst von einem NEXTO eXtreme ND 2700, dem noch flotteren Nachfolger aus der gleichen Ecke. Dieses bestückten wir mit einer 400 GB Festplatte, ein Li-Ionen-Akku war schon an Bord. Inzwischen hat das NEXTO einen Nachfolger, das NEXTO eXtreme ND 2730. Wahrscheinlich werden wir uns das in Zukunft zulegen und mit einer 1000GB-Festplatte bestücken.
Diese Image-Tanks sind auch ideal, wenn kein Notebook mitgenommen werden kann oder will. Volle Speicherkarte rein und Knopf drücken, fertig. Das NEXTO merkt, ob die Kartendaten schon vorhanden sind und lädt bei Bedarf nur die neu hinzugekommenen Bilder runter. Eine Akkuladung reicht zum Herunterladen von ungefähr 30 GB Bildmaterial, danach muss das NEXTO ans Stromnetz, Auto oder Steckdose.

das Nexto bei der Arbeit (Achtung, Akku ist leer!)

das Nexto bei der Arbeit (Achtung, Akku ist leer!)

Wir sicher jedoch nicht nur auf diesem Speichergerät, da ist uns zu unsicher.  Auf dem NEXTO liegen nur die Original-Speicherkarteninhalte. Wir arbeiten aber abends noch mit den Bilddaten, sichten und bearbeiten schon einen Teil der Bilder. Das ist dann alles auf dem Notebook gespeichert. Wir sichern das je nach Datenaufkommen alle paar Tage parallel auf zwei externe 2.5″-Festplatten. Diese Festplatten lagere ich an unterschiedlichen Orten im Wohnmobil, eine habe ich ständig im Fotorucksack dabei. Damit dürften wir hoffentlich ausreichend gegen technische Defekte und Diebstahl gefeit sein.

Das ist jetzt keine Paranoia, auf unseren Reisen ist uns tatsächlich schon einiges an Hardware kaputtgegangen: Ein Notebook hatte sich vor nicht all zu langer Zeit ins Nirwana verabschiedet, eine externe Festplatte hat ihren Geist aufgegeben, und einmal hat ein Kartenlesegerät mit defektem Controller die Speicherkartendaten korrumpiert.
Deswegen haben wir immer mehrere Kartenlesegeräte dabei. Und zum Glück hatten wir die Daten schon sicher auf dem NEXTO, bevor sie in die Fänge des Lesegerätes gerieten.

Hama Lesegerät

Hama Lesegerät

Was ist aber zu tun, wenn die Speicherkarte Fehler meldet, und die Bilddaten darauf unauffindbar sind? Hierbei ist Zusammenhang zwischen der Anzahl und Häufigkeit von auf der Kamera gelöschten Bildern und dem Auftreten eines Datendefekts nicht ganz von der Hand zu weisen, um es vorsichtig auszudrücken.
Uns ist gerade auf der letzten Schottlandreise jemand begegnet, dem genau das passiert ist. Zum Glück hatte Robert, der Unglücksrabe, die besagte SD-Karte unangetastet beiseite gelegt, und wir konnten die Bilder retten. Für eine erfolgreiche Wiederherstellung darf allerdings die defekte Karte weder weiter beschrieben noch formatiert worden sein.
Normale Datenrettungsprogramme wie Rescue-Disk oder Recuva retten gelöschte oder formatierte Daten, funktionieren aber nicht, wenn die Master-File-Table (MFT) zerschossen ist, das Inhaltsverzeichnis des Laufwerks. Es ist einfach nichts mehr Erkennbares da! Was dann noch helfen kann, ist die Fehlerüberprüfung von Windows. Im Explorer das Speicherkartenlaufwerk suchen, mit Rechtsklick darauf unter Eigenschaften-Extras die Fehlerüberprüfung aufrufen. “Dateisystemfehler automatisch korrigieren” wählen und starten. Checkdisk schafft es oft, die zerschossene MFT wiederherzustellen. Die vormals korrupten Dateien sind wieder zusammengesetzt, befinden sich aber unter neuem Namen in einem separaten Ordner.

Speicherkarten - die nich nicht gesicherten Karten lagern wir "andersherum"

Speicherkarten – die nich nicht gesicherten Karten lagern wir “andersherum”

Unsere Packliste fürs Speichern unterwegs

Neben des obligatorischen Ladegeräten für die Kamerabatterien ist noch ein ganzer Haufen Krimskrams nötig, damit nichts an Verbindungsproblemen scheitert:

Eingesetzte Software:

Adobe Photoshop Lightroom 4

Ideal für die Bildoptimierung, ersetzt mit seinen Möglichkeiten und der einfacheren Bedienbarkeit fast schon Photoshop. Schnell, günstig und leistungsstark.

Faststone Image Viewer 4.6
Sehr schneller, für private Zwecke kostenloser Bildbetrachter mit vielen Funktionen, wie Umbenennen, Konvertieren, Diashow erstellen, Basis-Bildbearbeitung und vieles mehr. Liest auch fast alle RAW-Formate.

FreeCommander 2009.2b
Kostenloser, leistungsstärkerer Ersatz für den Windows-Explorer. Mit Zweifenstertechnik, Ordnergrößenanzeige, Screenshots, batchweises Umbenennen und tausend anderen Funktionen. Extrem anpassbar auf die persönlichen Bedürfnisse.

PureSync 3.5 Personal Edition
Für Privatanwender kostensoses Backup- und Synchronisationsprogramm fürs sichere Backup auf externe Festplatten.

Wir haben in unserem Wohnmobil noch einen Spannungswandler, an dem alles angeschlossen werden kann. Wenn zwei Notebooks und gleichzeitig Datensicherung in Betrieb ist, kann das Kabelgewirr schon ziemlich chaotisch und abschreckend wirken. Und es geht viel Zeit fürs Herunterladen, Sichten, Bearbeiten und das Backup drauf, das sollte nicht unterschätzt werden. Aber was tut man nicht alles, um sein wertvolles Bildmaterial sicher nach Hause zu bringen.

Noch ein paar allgemeine Tipps  für Speichern

1. Zuallererst: Sichert die frischen Bilddaten umgehend (Notebook, Festplatte, Online-Speicher, IPad etc.). Dann sind sie auch vor einem selbst sicher. Wir haben schon oft mitbekommen, dass Fotos für’s Web verkleinert und unter dem Originalnamen gespeichert wurden. Das Original war weg!

2. Nachdem der Inhalt der Speicherkarte heruntergeladen wurde, ist die einfachste und gleichzeitig sicherste Löschmethode, die Karte in der Kamera zu formatieren.

3. Beim Kopieren und bei Backups immer für ausreichend Stromzufuhr sorgen!!! Die USB-Geräte entweder unter Eigenschaften für schnelles Entfernen optimieren, oder unbedingt über “Hardware sicher entfernen” im Info-Bereich der Taskleiste deaktivieren.

 

6 Kommentare

  1. Schöner Einblick in eure Arbeitsweise. Ich denke, das wird für viele hilfreich sein, die auch gern auf lange Tour gehen möchten. Was mir noch fehlt ist die Info, wieviele Speicherkarten ingesamt ihr denn mithabt. Nur die vier, die oben abgebildet sind?

  2. hm, lass mich mal überlegen:
    eine 16 GB
    drei 8 GB
    vier 4 GB
    und noch ein paar ältere, kleinere….
    Und – wenn es zum Beospiel viele Wellen gibt haben wir es tatsächlich einmal geschafft alle Karten an einem Tag zweimal! zu füllen!!
    Ricarda:
    wie speicherst Du unterwegs?
    liebe Grüße

    Gabi

  3. Ein interessanter Beitrag über eure Speichertechnik. Mit welchen Kameras arbeitet Ihr? Ich hatte mal was über eine Störung an der 5D gelesen, aber leider nicht mitbekommen wie das ganze aus ging. Wie lange halten die Kamera Bodys bei der intensiven Nutzung?
    Viele Grüße, Gerhard

  4. Was bei fehlerhafter (Windows) MFT auch helfen kann: Booten des PCs mit einer Live-Unix-CD (z.B. Knoppix) und dann das Teil anstecken
    Ich rettete so meine Bilder-USB-Platte, die Windows nicht mehr erkennen konnte. Knoppix aber ohne Probleme. Und so konnte ich alle Bilder retten!
    Seitdem setze ich zwei 1TB Platten ein … von der Kamera direkt auf eine Platte kopieren, dann Platte zu Platte kopieren (und überprüfen), und dann erst wird die Speicherkarte in der Kamera gelöscht …

  5. Bin vor einiger Zeit auf Macbook umgestiegen, seitdem nachvollziehbar weniger Stress mit Speicherkarten und Festplatten. Kann ich für unterwegs nur empfehlen!

    Viele Grüße

    Ulrich

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