Magnus der Fischer und Betty das Strickwunder

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Das Leben in den Leuchttürmen war ruhig. Wir trafen kaum andere Reisende. In Bressay noch weniger als in Eshaness. Der Bressay Leuchtturm ist ja auch nur durch die kurze Bressay Fähre ereichbar, das tun sich dann viele „Hektiktouristen“ nicht an. Wir sahen in der Woche, die wir im Leuchtturmwärterhaus wohnten, keine Touristen! In Eshaness parkten immer wieder mal Leihwagen und auch Wohnmobile auf dem Parkplatz unweit des Leuchtturms. Ich sprach immer wieder andere Reisende an, oder ich wurde nach einer Toilette oder einer Besichtigung gefragt. Die nächsten „richtigen“ Nachbarn waren Schafe etwa ein Kilometer entlang der Straße.
Das Cottage in Hamnavoe war dagegen dann ein Kontrast. Wir wohnten in einem kleinen Fischerdorf, mit richtigen, zweibeinigen Nachbarn. Es dauerte nicht lange, bis ich sie kennenlernte.
Wir schauten auf ein kleine Haus unterhalb unseres Cottages. Dort stapelten sich alte Hummereusen. Ein Fischer? Oder nur Hobbyfischer?

Magnus und sein kleines Boot

Magnus und sein kleines Boot

Magnus der Fischer

Morgens parkte ein Wagen mit Anhänger, die Hummerfallen wurden eingeladen. Ich lief natürlich raus, um zu schauen was los war. Ein älterer, weisshaariger Herr begrüßte mich freundlich. Wie immer begann das Gespräch mit dem Thema Wetter. „Was für ein toller Tag!“ Ich fand heraus, dass Magnus ein „echter“ Fischer war. Viele Jahre lang war er mit einem etwa 25 m langen Boot zur See gefahren. Er hatte eine Crew von sechs Männern gehabt.

Oft fuhren sie mit dem kleinen, vollbeladenen Boot sogar nach Aberdeen, weil sie da einen besseren Preis für den Fisch bekamen. Ich versuchte es mir vorzustellen! So ein kleines Boot, tief im Wasser liegend und dann diese lange Fahrt in der rauhen See. Wie anstrengend muss das gewesen sein? „Wir brauchten etwa 24 Stunden um nach Aberdeen zu fahren. Ich wurde nie seekrank! Meist schafften wir es, am Wochenende zu Hause zu sein. Es gab Januare, da schafften wir es nur an einem Tag rauszufahren, so wild war das Wetter“ lachte er, als er meinen Blick sah.

Hummerreusen für die Krebse

Mit den Hummereusen will man eigentlich eher die helleren großen Krebse fangen. Sie werden nach Spanien exportiert. Ab und zu sind aber auch die Hummer drin. Es gäbe noch viel Fisch in der Region, aber die Vorschriften und Beschränkungen würden immer strenger und schwieriger. Er hatte sein Fischerboot verkauft. Hielt es aber so ganz ohne seetüchtiges Fahrzeug nicht aus. So teilt sich Magnus ein kleines Boot mit seinen Söhnen.

Shetländisch

Magnus versucht mit seinen Enkeln Shetländisch zu sprechen. Es freut ihn, wenn die jungen Leute, Shetländisch sprechen. Früher. meinte auch seine Frau Betty, verboten sie uns in der Schule, Shetlädnisch zu sprechen. Heute bieten sie sogar Kurse dafür an. Wir hatten in den letzten Wochen immer mal wieder Menschen getroffen, die ziemlich schwer zu verstehen waren. Jetzt im Nachhinein erkannten wir, dass das wohl Shetländisch gewesen war. Und es ist erstaunlich, wie viele wir trotzdem noch verstanden hatten 🙂

 

Magnus zeigt zwei Hummer, Insel Burra

Magnus zeigt zwei Hummer, Insel Burra

Betty, das Strickwunder

Abends besuchte ich Magnus, um ihn zu fragen, wann ich ihn und sein kleines Boot fotografieren dürfe. Betty sass in der warmen Stube und strickte! Sie arbeitete gerade am Ärmel des Pullovers! Der Pullover hing aber bereits am Ärmel dran. „Kann man den mit dem schwierigen Fair Isle Muster den Pullover in einem Stück stricken?“ fragte ich. „Ach, das ist doch nicht schwer. Das Muster steht doch in meinem Heft. Hier habe ich einen Strickgürtel, eine Nadel steht fest. Dann habe ich hier die zwei verschieden farbigen Fäden und die zwei beweglichen Nadeln.“ Sie strickte flott und ohne Mühe! Hörte wieder auf, wenn ich was fragte und legte gleich wieder geschwind los. Wahnsinn! Spätestens bei der zweiten Unterbrechung hätte ich mich im Muster vertan! „Hast Du da einen Strickcomputer im Kopf? Das ist ja Wahnsinn!“, rief ich begeistert. Früher hatte Betty auch im Auftrag gestrickt, das mache sie heute nicht mehr. Die Leute kaufen die Sachen einfach nicht mehr. Magnus sass uns im selbstgestrickten Pullover gegenüber und schmunzelte. „Hier, das ist nicht die echte Shetlandwolle“, er zog am Pullover, der sich weit ausdehnte, „der wird immer weiter statt enger!“ Die Pullover müssen nicht so oft gewaschen werden, aber wenn, dann natürlich nur mit der Hand. Danach werden die guten Stücke auf ein spezielles Brett aufgezogen, damit sie die Form behalten. Wir erfuhren in den nächsten Tage noch von diesen speziellen Pullovern, die teilweise auch nach 40 Jahren noch getragen werden! Kein Wunder, dass Wendy, die daraus dann Bären herstellt, gut davon leben kann! Das sind alles kleine Schätze!

„Wollt ihr mal Hummer versuchen?“

Einen Tag später fuhr ich dann mit Magnus in den Hafen von Scalloway, wo sein Boot liegt. Ich fotografierte ihn vor dem kleinen, blauen Boot, mit dem er immer noch gern aufs Meer hinausfährt. „Mögt ihr Hummer?“ fragte er, als wir ein paar Bilder auf der Speicherkarte hatten. „Hmm, ich habe noch keinen probiert, könnte es auch nicht, weil ich nicht wüßte, wie er zubereitet wird!“ gab ich zur Antwort. Magnus beugte sich über die Reling, zog an einer Schnur und hob eine Hummerfalle aus dem Wasser. Drinnen befanden sich zwei Hummer. „Wollt ihr den denn mal versuchen?“ fragte er. „ja, klar!“ Er zog noch einen weiteren Hummer aus dem Wasser, legte die drei in den bereitsstehenden Eimer. „Wir werden Euch den Hummer zubereiten!“ meinte der Fischer freundlich.
So setzten wir uns abends auf einen Tee und frischen Hummer zusammen. Die Jungs fanden es klasse, Amy mochte das helle Fleisch nicht mehr versuchen, nachdem sie gehört hatte, dass die Schalentiere bei lebendigem Leib ins kochende Wasser geschmissen werden. Nun, der Gedanke ist nicht erbaulich, da stimme ich ihr zu. Der Hummer schmeckte aber lecker. Etwas zäh vielleicht, was auch Magnus meinte, er würde lieber die helle Krebse essen.

Betty strickt einen Shetland Pullover mit Fair Isle Muster
Betty strickt einen Shetland Pullover mit Fair Isle Muster
Und auf dieser Knitting Seite von Hazel Tindall könnt ihr euch die Strick Gürtel ansehen. Ich hatte kein Foto davon gemacht.

 

Hummer, Shetland

Hummer, Shetland

Shetländischer Insel Dialekt

Der Shetländische Dialekt ist geprägt von der Nordgermanischen Sprache Norn. So findet man einige norddeutsch klingende Wörter im ansonsten sehr schottischen English. Für uns klang das in etwa so, wie ein Norddeutscher mit norwegischem Redefluss Schottisch spricht.

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

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10 Kommentare

  1. Aber HALLO! Stricken tue ich ja auch, aber was Betty da zaubert, ist der Wahnsinn!

    Schön wieder von euch zu hören! geht es also gut?!

    LG aus dem fast schneefreinen Norden Gabi

    • Hi Gabi,
      gell, ich fand das so fantastisch, weil es für mich unmöglich wäre sowas zu schaffen!

      Ich hänge mit dem Beantworten der Kommentare hinterher…
      wie das wohl kommt 🙂
      liebe Grüße,
      Gabi

  2. Hallo zusammen!

    Schliesse mich Gabi gleich an: schön wieder von euch zu lesen!

    Dass Amy keinen Hummer versuchen mochte, kann ich sehr gut verstehen, mir geht das genauso! „Verbrühen“ muss grausam sein…..

    Leider bleibt mir zu Stricken keine Zeit, sieht aber toll aus, was aus der Wolle alles „gezaubert“ wird! Mir gefallen die Bears gaaaaaaanz gut! Hoffe, ihr habt euch ein Souvenier mit eingepackt?

    Gönnt euch auch mal etwas Ruhe und geniesst alles, was es zu geniessen gibt!

    Bis bald und liebe Grüsse
    Sandra

    • Hi Sandra,

      nein, wir haben keine Bär gekauft und auch sonst keine „normalen“ Souvenirs. Das ist nicht mehr drin in der Reisekasse 🙂
      Wir haben ja die Erlebnisse.
      Ich bin dabei das Genießen zu lernen! Nur das Ruhe-finden klappt noch nicht.
      Die Bewegung und das ständige Unterwegssein scheinen mir aber trotz Anstrengung sehr gut zu tun!
      liebe Grüße

      Gabi

  3. Toll. Den Hummer hätte ich auch gern mal probiert. Ich hab da ja nicht so die Berühungsängste. Interessant, dass man immer wieder aus verschiedenen Ländern hört, dass sie ihre uralten Sprachen fast ausgerottet haben, um irgendwann auf den Trichter zu kommen, dass dies doch vielleicht der falsche Weg ist.

    • Ja, mit den Sprachen gibt es überall auf der Welt Paralellen. Mir machte das Spaß zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich für den Erhalt einsetzen!
      Die Shetlands habens überhaupt viel mit Tradition. Liegt wahrscheinlich an der Lage. Soweit im Norden. Nur mit einer Nachtfähre oder dem Flugzeug erreichbar…

      liebe Grüße

      Gabi

    • Echt! Du könntest das? Unglaublich!
      Kennst Du solche Strickgürtel? Die scheinen die Arbeit sehr zu erleichtern, denn die Last des Pullovers steckt da etwas fest und man muß den nicht ständig hochhalten.

      liebe Grüße

      Gabi

  4. Also solche Strickgürtel hab ich auch noch nie gesehen, geschweige denn davon gehört. Dass man Pullis samt Ärmel in einem Teil stricken kann war mir ja bekannt (bin selber schon öfter am Überlegen ob ich mal so einen echten Islandpulli probieren soll), doch wie das mit so einem Gürtel funktioniert…..?…..und dann noch mit dem tollen Muster !
    Echt klasse !

    Ach ja, bin mir nicht sicher, ob ich den Hummer hätte probieren können. Kann Amy schon irgendwie verstehen….

    War auf jeden Fall mal wieder eine total interessante Geschichte !

    Gruß, Ricarda

    • Probiers doch mal mit einem Pulli. Ich wünschte ich könnte das auch bin aber nicht geduldig genug. Der Grütel sah interessant aus. Er scheint zu helfen, das schwere Strickwerk zu halten.
      Ich versuche außergewöhnliche Speisen immer. Auch, wenn ich nicht dahinter stehe. Nur, wenn man den Geschmack wenigstens einmal getestet hat, kann man ja nachvollziehen, ob es wirklich lohnt oder nur sowas ist, was reizt, weil es teuer ist!
      Mir ging es damals mit den Abalones so. Ich mag diese Schnecke ja, und würde sie lieber lebendig im Meer sehen. Dann habe ich sie einmal versucht! Sie schmeckt tatsächlich fantastisch. Jetzt kann ich die Franzosen wenigstens ein wenig verstehen!
      Abalones werde ich in Zukunft trotzdem nicht essen – die Schnecken sind im Meer besser aufgehoben als in meinem Bauch 🙂

      liebe Grüße
      Gabi

      PS hier gehts zum Artikel über die Abalonezucht in Lilia, Bretagne:
      http://www.5reicherts.com/2011/06/abalonezucht-in-lilia-dann-nach-camaret/

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