Hirtshals und Rubjerg Knude – ruppige Fährfahrt nach Norwegen

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Ich hatte gar nicht viel geschlafen, wurde trotzdem ohne Wecker wach als mir schon fast die Sonne in Gesicht schien. Da dauerte keine Minute und ich war in den Klamotten und vor der Tür. Es war kurz nach 6:00 Uhr und der Tag würde ein langer werden….

Fotografische Arbeit am frühen Morgen

Nach einem regnerischen Tag ist Sonnenschein frühmorgens umso schöner. Ich genoss die ruhige fotografische Arbeit. Für diese Reise hatte ich mir vorgenommen, mich endlich in das Tilt/Shift Objektiv einzuarbeiten. Ich hatte letztens das Buch von Rainer Mirau dazu gelesen, brauche aber dringend praktische Erfahrung mit der Linse. Beim Leuchtturm Rubjerg Knude hatte ich es im Sturm bereits ausprobiert. Es ist super scharf und es hat den Vorteil, dass ich weniger, dafür bedachter fotografiere, weil ich Schärfe und Belichtungszeit per Hand einstellen muss. Ich denke, dass es mir daheim die Nacharbeit am Computer erleichtern wird. Außerdem ist es immer gut, von einer gewohnten Routine abzuweichen.

Die Bunker rund um den Leuchtturm von Hirtshals waren geöffnet, so informierten wir uns und lasen alle Informationstafeln. Esra und ich besichtigten den Leuchtturm und nutzten die Gelegenheit, die GoPro weiter zu testen. Da wir nicht die Actiontypen sind, müssen wir uns für das Gerät was Interessantes ausdenken. Was können wir aus diesem kleinen Ding an Kreativität und vor allem Spaß wohl herausholen?

Esra rennt mit GoPro auf dem Helm

Esra rennt , die GoPro auf dem Helm

Rubjerg Knude und Sand

Rubjerg Knude und Sand

Leuchtturm in Hirtshals

Leuchtturm in Hirtshals

Leuchtturm in Hirtshals

Leuchtturm in Hirtshals

Da die Sonne strahlte, fuhren wir nach dem Entleeren der Toilette – kostenlos an der Tankstelle östlich von Hirtshals – nach Rubjerg Knude zurück. Jetzt sah die Düne völlig verwandelt aus: überall Fussspuren im nassen, klebrigen und gar nicht mehr rieselfreudigen Sand. Es sah nicht wirklich besser aus! So ist das halt! Zwar war das Wetter nun heiter, aber der Sand zertrampelt. Es gab keinen Zentimeter Düne ohne Spuren. Wir hinterließen dann auch noch welche.

Hüpften, rannten und genossen den riesigen Sandspielplatz. Wir redeten mit anderen Reisenden, und fotografierten weniger als am Tag zuvor. Weiches Abendlicht präsentierte die Sonne leider wieder nicht.  Wie gestern verschwand sie in einer Wolkenwand bevor es interessant hätte werden können. Wir warteten nicht ab, bis die Beleuchtung des Turms angeschaltet wurde, sondern gingen früher zurück zum Mobil.

Im Norden Jütlands wandert die größte Düne Europas an der Küste von Rubjerg herum. Auf dem 50 m hohen eiszeitlichen Küstenablagerungen liegt nochmal über 20 m Flugsand, die höchste Erhebung ragt 100 m über den Meeresspiegel.
Im Jahr 1900 baute man hinter der damals nur 3 m hohen Dünen einen Leuchtturm mit vier Wärterhäuschen, dessen Feuer anfangs mit Gas, ab 1906 mit Petroleum und von 1934 an elektrisch betrieben wurde.
Die Probleme mit dem Sand begannen schon einige Jahre nach der Einweihung. Der Wind blies riesige Sandmassen die Steilküste herauf und die Düne vor dem Leuchtturm wuchs unaufhörlich. Zeitweise wurde versucht, den Sand mit LKWs abzufahren, ein vergebliches Unterfangen. Schließlich war der Leuchtturm von einer 50 m hohen Düne vom Meer abgeschnitten. Notgedrungen musste man ihn 1968 abschalten.
Weitere Versuche, das Dünenwachstum aufzuhalten, scheiterten. Die Anpflanzung von Standhafer und der Versuch, die Sandwanderung mit Kiefernzweigwällen zu bremsen, ließen die Düne nur noch mehr wachsen. So taten die dänischen Offiziellen das einzig Vernünftige und erklärten den Sandhaufen zum Naturschutzgebiet.
Zur Zeit wandert die knapp 2 km lange und 400 m breite Düne Richtung Nordosten und wird langsam flacher. Der Leuchtturm liegt wieder frei am Meer, die Wanderdüne ist daran vorbeigezogen, und die Backsteine der ehemaligen Wärterhäuschen liegen weit verstreut um den Turm herum. Touristen bauen daraus kleine Türme und Mauern, deren Kinder legen damit ihre Namen in den Sand.
Lange wird dieser Zustand leider nicht anhalten. Die ständige Erosion durch Wind und Wasser untergräbt die Steilküste und nimmt dem Leuchtturm das Fundament. Irgendwann wird er sich dem Meer entgegenneigen und sich von der Welt verabschieden.

Hirtshals und Warten auf die Fähre

Auf dem Weg nach Hirtshals starteten wir ein neues Hörbuch: Herr aller Dinge von Andreas Eschbach. Im örtlichen Supermarkt kauften wir noch schnell ein: Brote, Obst und Lakritz. Dann stellten wir uns für die Fähre an. Und was war das für ein Chaos. Die Autoschlange vor dem Check-In bei Fjordline war lang. Immer wieder überholten uns Autos, andere parkten gemütlich in der Reihe, die Insassen gingen spazieren. Seltsam. Sollen wir jetzt reinfahren oder nicht? Esra lief nach vorne, um die Lage zu checken. Er kam schulterzuckend zurück. Schlauer waren wir nicht. Also sprang ich aus dem Mobil und fragte mich durch, was Esra nicht getan hatte. Wer will denn wo hin? Warten oder nicht warten?
Es stellte sich heraus, dass die Leute, die nach Stavanger wollten, zuerst einchecken mussten, die, die nach Kristiansand wollten, erst danach. Nur gaben die Hinweistafeln über dem Terminal keinerlei Hinweise preis. Um uns herum standen greifbar viele Fragezeichen in der Luft. Keiner wußte wohin und wann? Etwa 1,5 Stunden vor der geplanten Abfahrt fuhr ich auch einfach vor. Da leuchtete über den Schaltern in grellen orangenen Lettern der Name KRISTIANSAND auf. Warum erst jetzt?

Wir wurden in Reihe 1 geschickt und warteten weiterhin. Neben uns in Reihe 2 stand ein erschöpft dreinschauendes älteres norwegisches Ehepaar. Ich lud die beiden zum Tee ein, meine Kanne war noch voll. Wir kamen ins Gespräch. Die beiden wollten nach Stavanger, das wunderte mich doch, denn standen wir nicht in der Schlange für Kristiansand? Nach dem Tee lief ich zu den Mobilen vor uns und erkundigte mich, ob die auch nach Stavanger wollten. Ob wir vielleicht im Chaos in die falsche Reihe gefahren wären? Nein, wir waren richtig, das müde Ehepaar war es nicht. Ich schickte die beiden schnell zu einem der Angestellten der Fährgesellschaft, denn die Fähre nach Stavanger war bereits dabei, die Luken zu schließen. Die beiden schafften es gerade noch so in buchstäblich letzter Sekunde.

Reihe 1 war für die extra hohen Fahrzeuge. Und wir waren die höchsten, die es gab. Keine Lastwagen, nur PKW und ein paar Wohnmobile. Das Chaos ging hier weiter. So kurzweilig war bisher keine unserer wahrlich zahlreichen Fährfahrten gewesen. Es gab offensichtlich zu wenige Angestellte. Die wenigen, die da waren, schafften es einfach nicht, die Autos in Zaum zu halten. Nun, vielleicht nahmen die Reisenden die Fähre auch nicht als solche wahr. Sie war sehr flach und klein,  und sah ziemlich unscheinbar aus. Fast, wie ein flaches Gebäude des Hafengeländes. Noch fuhren die Autos von der Fähre hinunter, da wurden auf der zweiten Spur bereits Fahrzeuge eingeladen. Wir lachten herzlich, als ein Auto auf die Fähre zufuhr, dann weg lenkte und Richtung abfahrender Stavanger-Fähre davonschoss. Einer der Männer mit den neonleuchtenden Westen rannte wie der Blitz hinter her, um den Irrläufer wieder einzufangen.

Ja, und dann verging mir das Lachen schnell wieder. Wir mußten rückwärts einparken, weil wir über drei Meter hoch waren. In der Dunkelheit eine Rampe rückwärts hochfahren war nicht das, was ich nach einem langen Tag machen wollte. Und eng war es noch dazu. Wir passten gerade so hinein in den dunklen Bauch des Schiffes.
Den Ausgang fanden wir mangels Beschilderung fast nicht. Nach etwas Herumgeirre konnten wir endlich unsere Sitzplätze einnehm. Gunter hatte die Spielkarten nicht mitgenommen und ich hatte kein Buch dabei. Naja, die anderen hörten alsbald  auf, zu lesen. Die schnelle Fähre, ein Katamaran, hüpfte auf den Wellen und die Fahrt war extrem ruppig. Nach kurzer Zeit roch es überall nach Erbrochenem. Wir torkelten wie betrunken zum Shop und gönnten uns eine Flasche zollfreien Whisky – vielleicht würden wir die in den kalten Lofotennächten noch gut brauchen können. Amy war irgendwann ganz blass, Gunter wurde richtig grün um die Nase, wir schafften es aber alle, die Fahrt ohne Kotzbeutelnutzung zu überstehen.

Völlig geschlaucht kamen wir gegen 2:00 Uhr nachts in Kristiansand an. Ich hatte gelesen, dass man im Hafen übernachten könne. Aber, wir waren schneller aus der Stadt raus, als es mir lieb war. Kein Platz weit und breit. Dafür eine Baustelle nach der anderen. Wir fuhren müde und mit durchgeschüttelten Mägen im strömenden Regen durch das stockdunkle südliche Norwegen. Nach etwa 30 Minuten hielten wir am Straßenrand auf einem Rastplatz, bauten hurtig das Bett um und fielen direkt in einen tiefen Schlaf. Ich war seit 6:00 Uhr auf den Beinen gewesen. Ruhig war diese Nacht nicht, der Verkehr war laut, die nebenan parkenden LKWs liessen immer wieder die Motoren warm laufen. Wir blieben trotzdem bis nach 10:00 Uhr liegen, denn es schüttete immer noch.

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

6 Kommentare

  1. .. oh weh…. ich habe doch gleich mitgelitten, die sehr unangenehmen Gefühle bei einer rauhen Überfahrt ist mir noch seeeehr gut im Sinn! Ich hoffe, es geht nun allen wieder viel besser, bei mir jedenfalls dauerte es 2 Tage, bis mein Magen wieder alles vertragen hat… Für unsere Norwegenreise im nächsten Jahr werden wir ganz bestimmt eine andere Fährroute wählen, soviel ist bereits jetzt klar und der Ticker der betreffenden Fährgesellschaft gestellt…

    Liebe Grüsse
    Sandra

  2. Nach so einer turbulenten Überfahrt und einem verregneten Start in Norwegen – da konnte es doch nur noch besser werden, oder ?! Der Aufenthalt in Lindesnes dürfte Euch entschädigt haben…..

  3. Die Reise, die abenteuerlicher begann als euch lieb war geht ja turbulent weiter. Es war richtig spannend zu lesen. Gute Weiterfahrt…

  4. Ach herrje, ihr Ärmsten! Also doch wieder Cammin-Gedser-Helsingborg?? Dann wünsche ich euch also bessere Wege.
    In Kristiansand kann man wirklich ganz gut im Hafen stehen, das ist hinter der Tankstelle wenn du die E18 – E39 zum Fährhafen fährst. Vielleicht auf der Rückfahrt?

    LG Gabi

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