Nordlichtfotografie Teil 2 – warme Kleidung muss nicht teuer sein!

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Fotografieren in der Polarregion. Warten auf das Nordlicht in langen, kalten Nächten. Wer denkt da nicht an Berge von warmen Klamotten, die beim besten Willen nicht in den Koffer passen wollen. An massiv hohe Kosten für Kleidung, die wir ansonsten nur noch im Winter im Hochgebirge gebrauchen können.

Natürlich können wir leicht 2000 Euro pro Person ausgeben, wenn wir meinen, nur das Teuerste (nicht zwanghaft gleichbedeutend mit „das Beste“) käme für so eine Unternehmung in Frage. Dass es auch günstig geht, haben wir schon mehrfach erfolgreich ausprobiert. Wir könnten es uns sonst zu fünft nicht leisten.

Auf unserem Halbjahres-Winteraufenhalt in Skandinavien hatten wir nur unsere normale Deutschland-Mitte-Flachland-Winterbekleidung mitgenommen und das Zwiebel System angewendet! Unsere Extrakosten waren kaum der Rede wert.

Eine winddichte Mütze, die immer hochrutscht

Eine winddichte Mütze, die immer hochrutscht – kalte Ohren sind vorprogrammiert!

 

Mehrere  komplette Sätze Wäsche sind auch unnötig, wenn man es macht wie die Norweger: immer langsam und bedächtig bewegen, damit man nicht zu sehr ins Schwitzen kommt! Gunter kennt sich da gut aus, Gabi flitzt immer schnell los und schwitzt auch bei Minusgraden.

  • Gunter, friert eher wenig
    Gunter, friert eher wenig

Unsere Packliste:

  • 1 Winterjacke, mit oder ohne auszippbare Innenjacke
  • 1 Fleecejacke, falls ohne Innenjacke
  • 1Thermohose
  • 1 Paar Winterstiefel
  • Schuhkrallen
  • 1 Freizeit- oder Jogginghose
  • 1 warmes Hemd oder Pullover
  • 2 T-Shirts
  • 1 Satz lange, wollene Unterwäsche
  • 4 Paar Wollsocken
  • Unterwäsche
  • Handschuhe – Gabi kombinierte immer fingerlose Strickhandschuhe mit winddichten griffigen Winterhandschuhen
  • Wintermütze mit Ohrenklappen
  • 2 Multifunktionstücher
  • Gesichtscreme
  • Sonnenbrille
  • warme Hausschuhe

 

Unsere Erfahrungen

  • Schuhwerk – Winterstiefel, das wichtigste Kleidungsstück

Preisspanne von 50 bis 500 Euro, geeignete Schuhe gibt es schon ab ca. 60 Euro. GoreTex muss nicht sein, die gefütterten „Gummistiefel“ sind uns sogar lieber. Der Schnee überdeckt oft kleine Bäche, die noch nicht komplett zugefroren sind. Wir sind öfters mal in eine dieser Wasserpfützen getreten und waren froh über wasserdichte, hohe Schuhe.

Gabi hatte damals zum Whalewatching ein paar superwarme Kamik Damen Schneestiefel gekauft. In Schweden kauften wir sehr günstig noch drei Paar dick gefütterte wasserdichte Stiefel für die Kinder.

Diese Fußwärmer habe ich nur einmal gebraucht, als ich im November zu den Orcas gefahren bin. Wir standen zig Stunden bei minus 10°C auf dem Boot. Als Sicherheit sind sie aber auch für Nordlichttouren sicherlich empfehlenswert. Eiskalte Füße tun richtig weh und halten lange an – da kann man sich nicht mehr auf die Fotografie konzentrieren!

Schuh-Spikes, auch Eiskrallen oder Schuhschneeketten genannt, sind in Deutschland billiger.

  • Oberbekleidung

Wir empfehlen Thermo-, oder Skihosen und eine Doppeljacke mit ausknöpfbarer Fleecejacke.
Oft haben die großen Outdoorläden günstige und gute Eigenmarken. Auch Discounter können ausreichende Qualität anbieten. Wir haben zum Beispiel Skihosen von Tchibo.

  • Noch ein Tipp für Verfrorene:

Falls Ihr unsicher seid, ob Eure Kleidung den Ansprüchen genügt. In jedem norwegischen Haushalt hängen dick gefütterte Overalls im Eingangsbereich des Hauses. Die gibt es im Europris – so eine Art Laden für Alles. Der Schneeanzug heißt auf norwegisch: Varmedress und  kostet noch keine 80 Euro (549 NOK). Der hält wunderbar warm. Ein großer Vorteil daran ist: im Haus zieht man sich „normal“ an, d.h. Jeans und Pulli. Lässt sich dann das Nordlicht blicken, springt man schnell in den Anzug und los gehts. Im Europris gibt es zudem günstig Wollsocken und Merinounterwäsche!

  • Handschuhe

Am besten sind winddichte Handschuhe. Winddicht können sie dünner sein, um noch warm zu halten. Ich habe die Handschuhe von Hestra, die sehen so ähnlich aus: Handschuh Windstopper Die sind mit ca. 30 Euro mein teuerstes Accessoire.

Für die Fotografie sind warme Finger mit relativ dünnen Handschuhen  essentiell. An stürmischen Tagen werden die Finger extrem schnell kalt. Die Finger dann wieder zu wärmen ist fast unmöglich! Ich hatte deshalb immer fingerlose Strickhandschuhe unter den winddichten Handschuhen. Für den Filter- oder Speicherkartenwechsel konnte ich die Ober-Handschuhe ausziehen, die fingerlosen Handschuhe hielten mir so lange die Hände warm.

Außerdem haben wir für Notfälle diese Handwärmer mit. Am besten sind die rechteckigen, die passen nämlich in die Handschuhe hinein. Herzform, oder Pinguin und sowas ist nur nervig. Wir haben auch so einen Handwärmer + 12 Brennstäbe. Wir finden ihn unpraktisch, weil er nur im Freien verwendbar ist und im Auto unbedingt gelöscht werden muss. Der stinkt schon innerhalb weniger Minuten ziemlich unangenehm.

  • Warme, winddichte Wintermütze mit Ohrenklappen

Die Mütze muss gut passen, sonst rutscht sie dauernd in das Sichtfeld des Fotografen, was nervig ist. Mich kitzelten die Fellmützen immer zu sehr und oft war die sogar viel zu warm. Jetzt bin ich dazu übergegangen, eine winddichte Mütze zu nutzen und bei Sturm noch eines dieser Buff Multifunktionstücher drüber zu ziehen.

  •  Unterbekleidung

Langes Unterhemd, lange Unterhose und Strümpfe. Gabi bevorzugt Wolle oder Wollmischgewebe, Gunter reicht das Baumwollunterzeugs.

  • Zubehör

Sonnenbrille – Schnee bei Sonnenschein ist sehr grell! Das tut fast schon weh. In Norwegen gibt es zahlreiche Tunnels. Beim Rein- und Rausfahren ist der Wechsel von Tiefdunkel zu Weiß und umgekehrt so extrem, dass man erst mal gar nichts sieht. Die Sonnenbrille vermindert den Unterschied.

Fettcreme für den Schutz der Gesichtshaut

Lippenbalsam

Buff Multifunktionstuch Original oder eine andere Marke, nur elastisch sollen sie sein. Die sind hervorragend als Halstuch, Ohrenschutz, Stirnband oder Gesichtsschutz einzusetzen.

Pleiten, Pech und Pannen

Der Overall ist super warm und praktisch, man kann sich sogar damit auch mal länger in den Schnee legen. Doch gerade für Frauen kann der auch seine Tücken haben….

Wir waren eine längere Strecke mit dem Auto unterwegs. Ich trank heißen Tee, um mich innerlich warmzuhalten. An unserem Ziel türmte sich der Schnee meterhoch! Wir stapften los, es war grandios. Aber ich war hibbelig. Denn ich mußte dringend mal pinkeln! Die hohen Winterschuhe waren gut und fest geschnürt, und der Versuch, den Overall über die Schuhe auszuziehen, scheiterte. Von einem Bein aufs andere hüpfend, begleitet vom gröhlenden Gelächter meiner Familie, versuchte ich, erst die Schuhe, dann den Overall auszuziehen. Gunter musste mir dann helfen. An meinen Socken klebte hinterher Schnee. Der schmolz anschließend in meinen Schuhen! Es war saukalt. Alle hatten Spaß nur ich nicht!

Nur so als Warnung für die Frauen unter Euch! Ich überlege, es bei nächsten Mal mit so einer Pinkelhilfe Pipi Pappe zu versuchen, bin mir aber nicht sicher, ob das mit dem Overall kompatibel ist? Maria empfiehlt diese hier: LADYP lila Wegen dem Umweltaspekt wollte ich diese Plastikteile nicht empfehlen. ABER: frau kann sie immer wieder benutzen. Sie sparen also Müll! Einen ausführlichen Test der Pipihilfen habe ich bei Bravebird gefunden.

Gabi fotografiert im warmen Overall
Gabi fotografiert im warmen Overall
Kennt ihr die Mützenfrisur? Im Norden wird man nicht drum herum kommen!

Esra mit Mütze

Esra mit Mütze

Esra mit Mützenfrisur

Esra mit Mützenfrisur

Teil 1 Nordlichtfotografie – Autofahren auf Eis und Schnee

Juliana und Andreas waren vor Kurzem im Norden. Unser Nordlichttutorial hat ihnen wertvolle fotografische Hilfestellung gegeben!

 

Dein Weg zum Nordlichtbuch, Gabi & Gunter Reichert

„Dein Weg zum Nordlichtfoto“, Gabi & Gunter Reichert

Weitere Infos im umfangreichen Ebook im Buchladen.

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

10 Kommentare

  1. Hallo Gabi,
    wieder eine super Zusammenstellung.
    Da kann ich doch gleich mal ergänzen:
    Für Frauen unterwegs sind ideal: http://www.roadbag.de/ladybag/ und
    http://www.amazon.de/LADYP-lila-kleines-P%C3%A4ckchen-500/dp/B004EZK110/ref=pd_sim_dr_6 letzteres aber nicht bei Kälte.
    Die Fuß-und Handwärmer kenne ich auch,sie haben mir in Vilhelmina gute Dienste geleistet.
    Dann gibt es für Frostköttel wie mich noch eine tolle Wärmeweste,der Preis ist hoch,aber es lohnt sich.
    LG Maria

  2. Hi Maria,

    was ist das denn für eine Wärmeweste? Hört sich ja interessant an.
    Ich bin meist an den Extremitäten sehr kalt und am Körper recht warm.

    Deine Pinkelhilfe habe ich im Beitrag mal verlinkt. Ich habe selbst noch nie eine ausprobiert. Deswegen freue ich mich über Deinen Tipp!

    liebe Grüße
    Gabi

  3. Also das Handschuhproblem konnte ich bis heute nicht lösen……hab schon so viele verschiedene Varianten ausprobiert…..aber die Finger werden einfach nach einer Weile eisig kalt. Aber da müssen Hobbyfotografen wohl durch…..

    Und ansonsten kann ich nur WOLLE wärmstens empfehlen. Vor allem die unterste Schicht die direkt auf der Haut liegt muß unbedingt aus Wolle sein. Also Woll-Unterwäsche und Wollsocken müssen sein, und ja kein Woll-Mix, da wird’s sonst gleich wieder kalt.

    Doch ich denke, ihr seid ja mittlerweile wirklich bestens ausgerüstet !
    Gruß aus dem immer noch grünen Norden ! (zweifle schön langsam, daß wir weiße Weihnacht bekommen)

    • Hi Ricarda,
      das Handschuhproblem hatte ich auch ewig!
      Bei mir geht es am besten mit fingerlosen Wollhandschuhen, darüber winddichte, relativ dünne Handschuhe.
      Ich hatte die in Abisko gefunden und war super glücklich damit! Klar bei extremen Wind wird es immer noch kalt, dazu dann die Fingerwärmer.
      Leider verlor ich den rechten Handschuh – und da die Dinger 30 Euro gekostet hatten, ersetzte ich sie nicht. UND litt während des gesamten Schottlandaufenthalts im Winter!
      Jetzt hat Amy mir genau die Handschuhe zum Geburtstag geschenkt und ich bin glücklich!
      vielleicht hilft Dir das auch?
      Ja, Wolle muss es sein, bei der Unterwäsche!
      liebe Grüße

      Gabi

  4. Hallo Gabi,
    ich habe gerade einmal nach dem VARMEDRESS geschaut. Kannst du eine Empfehlung geben, welche Größe bei 178 Körpergröße passend wäre: M oder eher L? Leider verstehe ich auf der Website nicht besonders viel : ) Der Preis ist ja wirklich toll und wenn der Anzug im Schnee tatsächlich warm hält eine super Investition.
    Danke schon mal,
    Viele Grüße
    Jutta

    • Hi Jutta,

      ich bin 1,74 und das ist OK, ich bin mir nicht sicher, ob die 4cm größer viel ausmachen. Wenn Du den eh in Norwegen kaufen wirst, kannst Du ihn ja anprobieren! Das Ding ist absolut genial. Super warm. Es hat den Vorteil, dass Du normale Klamotten unten drunter hast – wenn Du Leute besuchst, oder was auch immer – dann ziehst Du das Ding gerade aus! Mit anderen Ski Sachen habe ich immer das Problem, dass sich im Haus zu sehr ins Schwitzen komme…
      liebe Grüße

      Gabi

  5. Hallo zusammen,

    in 5 Wochen geht’s endlich auf die Lofoten und nach Spitzbergen :-), und als Ergänzung für meine schon vorhandene Bekleidung scheint der Varmedress echt interessant (ein Daunensuit wäre zwar toll, aber die 1000 Euro nehme ich lieber fürs Reisen).

    Frage: Habt ihr auch noch andere als die aus dem Europris gesehen? (im Netz gibt noch div weitere wo zum Teil auch Arktis drauf steht, kosten dann etwas über 200, sind die mehr gefüttert?). Und gibt es die in Svolvaer oder woanders auf den Lofoten?

    Besten Dank und allseits gute Reise!

    Michel.

    • ja, klar, da gibt es natürlich ein größeres Angebot. Wir wollten den Leuten einfach mal Mut machen, sich nicht allzuviele Gedanken zu machen. Wenn es zu kalt ist, findet sich da immer was. Die Fischer brauchen ja auch warme Kleidung.
      In Svolvaer wirst du das finden, in Leknes aber auch. Es gibt diesen Europris, der recht günstig ist, dann noch Outdoorläden und Fischereibedarf.

      Viel Spaß auf der Tour. Nach Spitzbergen käme ich gern mit.

      herzliche Grüße
      Gabi

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