Der Fischer Kaj Lundberg


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Ich stand pünktlich um 5:15 Uhr vor der Wohnmobiltür und schaute hinauf zu den Sternen. Ein paar waren am dunkelblauen Nachthimmel noch zu sehen. In der Ruhe des frühen Morgens hörte ich das Boot von Kaj brummen. Er glitt auf dem glatten Wasser heran. Ich stieg ein und wir holten noch warme Sachen zum Drüberzeihen aus dem Bootshaus.
Kaj hatte ein kleineres Boot als gestern. Er gab Gas und wir fuhren hinaus aufs offenere Meer. Das dauert in dieser Region etwas, denn zahlreiche kleine Inseln liegen vor Jurmo. In der Ferne sah ich das Licht eines Leuchtturms. Ach, den würde ich ja gerne fotografieren. Die Leuchttürme fehlen mir!

Nachts auf der Ostsee, unterwegs mit Kaj dem Fischer

Nachts auf der Ostsee, unterwegs mit Kaj dem Fischer

Wir redeten kaum, das Boot brummte durch das Morgengrauen, vielleicht waren wir auch einfach nur müde? Die Sterne verschwanden vom Himmel, doch die Sonne zeigte sich noch nicht. Wir fuhren etwa 45 Minuten bis Kaj die Stelle erreichte, wo er seine Netze auswerfen wollte. Auf der Insel vor der wir nun lagen stand eine kleine Holzhütte – sie gehört Kajs Familie und manchmal übernachtet er dort, wenn er die Netze über Nacht liegen läßt. Kaj warf 9 Netze ins Wasser, eines nach dem anderen. Wir konnten den Boden des Meeres sehen, das Wasser war höchstens einen Meter tief. So lagen die leichten Nylonnetze schnell am Boden. Kaj steuerte das Boot auf die Insel zu. „Lauf mal hoch und schau Dir die Insel an. Es ist schön dort“ meinte er und schon war er wieder weg. Er fuhr mehrmal schnell entlang der Netze und klopfte dabei mit einem Holzstock auf den Boden des Bootes.

Kaj wirft die Netze raus

Kaj wirft die Netze raus

morgens um 6:00 allein auf einer unbewohnten Insel

morgens um 6:00 allein auf einer unbewohnten Insel

Kaj arbeitet in Händen, Füßen und den Zähnen

Kaj arbeitet in Händen, Füßen und den Zähnen

Ich stieg wieder ein und Kaj fing an, die Netze einzuholen. Sie hatten höchstens 20 Minuten im Wasser gelegen. Es waren nur zwei, drei Fische drinnen. Kaj arbeitet mit den Händen, wenn der die Netze rauswirft oder sie einholt, er steuert das Boot stehend mit einem Fuß und hält die Netze mit den Zähnen, wenn er die Fische rauspfiemelt.
Der erfahrene Fischer kramte in seinem Kopf – ich merkte es ihm an. Er sortierte all seine Erfahrung und Information. Er schätzte alle Bedingungen: nach einem Sturm, Wasser noch relativ warm, an der ersten Stelle kein Fisch – ratter, ratter, ratter…..
Kaj hatte jetzt eine andere Region im Kopf, die vielversprechend war. Wir fuhren hin und wieder warf er nach und nach die kleinen Netze hinaus ins Wasser. Wieder fuhr er zweimal hinter den Netzen her und wieder klopfte er. Die Sonne lugte gerade über den Horizont. Noch blinkte der Leuchtturm in der Ferne. Erst kam ein silbriger Fisch zum Vorschein, dann noch einer und dann immer mehr. Kaj grinste über beide Ohren. Das Netz leuchtete in der aufgehenden Sonne, ich sondierte meine ISO, die Belichtungstzeit, den Blitz – ratter, ratter, ratter… dann klickte ich munter vor mich hin. Das rote, weiche Licht der aufgehenden Sonne stand perfekt zum Fischer und den Fischen. Ich grinste über beide Ohren.
Kaj meinte nur: „Jetzt siehst Du einen glücklichen Fischer“, ich antwortete: „und hier siehst Du gerade eine glückliche Fotografin“ Wir machten gerade beide fette Beute 🙂

Die Sonne kommt und Fisch wandert in die Fischkiste

Die Sonne kommt und Fisch wandert in die Fischkiste

der Fischer Kaj und die Fische der Ostsee

der Fischer Kaj und die Fische der Ostsee

Ein glücklicher Fischer

Ein glücklicher Fischer

Der Fisch wird direkt auf Eis gelegt

Der Fisch wird direkt auf Eis gelegt

Auf zum nächsten guten Platz

Auf zum nächsten guten Platz

Einholen der Netze

Einholen der Netze

Die Fischkiste an Bord hatte noch etwas Platz. Kaj steuerte eine weitere Stelle an, doch da gab es nur zwei Fische. Die Sonne schien nun kräftig, jetzt hätte es keinen Sinn mehr, meinte Kaj, denn die Fisch könnten das Netz sehen. Er war zufrieden mit seinem Fang. So machten wir uns gegen 8:30 Uhr auf den Rückweg. Die Fahrt war wunderbar, ich konnte mich kaum sattsehen an all den kleinen Inselchen, den Bäumen darauf und den Vögeln, wie sie im frühen Licht des Tages über das Wasser flogen. Zwei Kormorane waren so sattgefuttert, dass sie nicht vor dem Boot wegfliegen konnten. Kaj zeigte mir die Fische, die sie ausgespuckt hatten um endlich wieder in die Luft zu kommen. Dicke Fische waren das.
Es war immer noch früh als wir nach Stunden wieder in Jurmo ankamen. Im Bootshaus entlud Kaj zu allererst die Fischkiste, dann erst stieg er aus, ich kletterte hinterher. 63 Fische hatte er gefangen, das wäre ein stolzer Fang. Er würde etwa 180 Euro dafür bekommen. Der einzige Beifang waren drei baltische Heringe, die Kaj für seine Katzen mitnahm.
Der Fisch lag schon im Boot auf Eis, Kaj hatte beim Lösen der Fische aus dem Netz die Halsschlagader durchtrennt und die Fische ausbluten lassen. So bleiben sie länger frisch. Jetzt begann der Fischer direkt mit dem Ausnehmen der Fische. Es ging ihm flott von der Hand. Kajs Vater war auch Fischer, der die Arbeit des Putzens aber gar nicht mochte. Hatte er einen guten Fang, meinte er nur: „Jetzt muss ich durch die Hölle!“ Kaj nahm ihm diese Arbeit gerne ab, ihm machte sie nichts aus. Innerhalb kurzer Zeit waren die 63 Fische geputzt und lagen wieder auf frischem Eis, fertig zum Versenden. Ich bekam eine großen Fisch zum Abschied geschenkt. Lecker, das Essen für diesen Tag war gesichert. Es war nicht mal 9:00 Uhr als ich zu meiner Familie ins Mobil kam. Was für ein genialer Morgen das gewesen war! Ein toller Start in den Tag.

Kaj ist übrigens einer der wenigen komerziellen Fischer, der mit einem so kleinen Boot aufs Meer fährt.

Kaj zählt die Fische

Kaj zählt die Fische

Eine der beiden Kisten, der Fang des Tages

Eine der beiden Kisten, der Fang des Tages

Kaj beim Putzen der Fische, vorne das Kaviar

Kaj beim Putzen der Fische, vorne das Kaviar

Als Kajs Töchter kleiner waren und zum Reitunterricht gingen, nahmen sie immer Brot mit Kaviar mit. Damals konnte Kaj das Kaviar nicht gut verkaufen und verwertete es selbst. Der Reitlehrer staunte jeden Tage, bis er es irgendwann nicht mehr aushielt und neugierig fragte, ob die Familie denn superreich wäre. Kaj mußte herzlich lachen, nein, nur Fischer!

Hier geht es zur Webpage der Insel Jurmo!

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

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3 Kommentare

  1. Hallo Gabi,

    was für ein schöner Bericht. Begeisterung pur – zu merken bei dir, bei Kaj. Die Bilder sind sooo toll! Und wieder machst du mir großen Appetit – diesmal auf Kaviarbrot. Ach wie gemein ;-). Auf Öland haben wir bei einem Fischer auch dunkles Brot mit gebratenem Dorschrogen gegessen, Zitronenpfeffer und Salz als Gewürz – ein Gedicht!
    Wie hast du euch denn den Fisch zubereitet?
    LG Gabi

  2. Wenn ich unseren Jungs von dieser Tour erzähle werden sie bestimmt gleich blass vor Neid…..(momentan sind meine Männer zwar auch alle beim Angeln, aber eben leider nur vom Ufer aus).
    Auf alle Fälle hast Du einen wundervollen Start in den Tag gehabt ! Und wir wieder schöne Bilder die uns Lust auf mehr/Meer machen….

    Euch allen ein schönes Wochenende und noch mehr so tolle Erlebnisse !

  3. Hi Gabi – wir haben den Fisch filetiert – ein paar Gräten waren leider noch drinnen und einfach in der Pfanne gebraten. War sehr, sehr lecker! Kaj meint ja, dass man Fisch innerhalb von vier Stunden essen soll, dann merkt das Fleisch noch nicht, dass es tot ist 🙂
    Ricarda,
    das war echt eine tolle Tour, ich genoss es ungemein, so weit auf dem Meer zu sein und das so früh morgens. Ich kann Kaj verstehen, dass er sich da morgens im Einklang mit der Natur fühlt!
    herzliche Grüße

    Gabi

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