Wie gelingen gute Wellenfotos? Live von der Belle île en Mer

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Die Wellenfotografie ist ein wichtiges Thema für Meeresfotografen. Wellen sind dynamisch, kraftvoll, wunderschön, meditativ und eine große Herausforderung an einen Fotografen. Denn sie halten nicht still, was ja einen Teil der Faszination ausmacht. Aber das erschwert es auch, richtig scharfe Fotos von den Wellen hinzubekommen.

ISO 320, 1/800, f 8, Canon 7d, 400mm, sehr hohe Wellen, Fels im Hintergrund

ISO 320, 1/800, f 8, Canon 7d, 100-400mm, sehr hohe Wellen, Fels im Hintergrund

Klick dich heute am besten durch alle Fotos durch – ich habe sie etwas größer als sonst hochgeladen und die Verkleinerung wirkt hier im Blog immer etwas unscharf!

Unscharfe Wellenfotos

Ist es Dir auch schon passiert, dass du voller Begeisterung das Meer fotografiert hast, eine Speicherkarte mit hunderten Fotos gefüllt hast, und dann beim Betrachten am Bildschirm kam die Ernüchterung: hmm, die Wellen waren doch schöner und größer, als sie auf den Fotos wirken. Und viele sind unscharf, oder die Schärfe liegt nicht da, wo sie sollte.

Telezoom oder Festbrennweite?

Ich hatte in meiner Fototasche gewöhnlich das 100-400 mm Tele von Canon dabei. Bei der Analyse meiner Fotos merkte ich schnell, dass ich fast aussschließlich mit der 400 mm Endbrennweite fotografiert hatte. Und genau bei dieser Brennweite schwächelt das Telezoom in der Abbildungsleistung.

Vor einigen Jahren waren wir auf einer Halbjahresreise, da quittierte mein treues Canon 100-400er ausgerechnet in Nordnorwegen den Dienst. Wir schickten es nach Oslo zum Service und warteten wochenlang. Nach einer extrem teuren Reparatur kam die Linse zurück, nur war sie nicht zentriert, die Bilder waren unscharf und nicht brauchbar.

In Schottland, unserer nächsten Station dieser Reise, fiel mir ein super günstiges Angebot für – für das 400mm, 5.6 Tele von Canon ins Auge, und kaufte es sofort, weil ich die lange Brennweite brauchte.

Mein Lieblingstele

Diesen Kauf bereute ich nie! Das Canon EF 400mm 5.6 L USM Objektiv ist mittlerweile mein Lieblingstele, auch wenn es keinen Bildstabilisator hat. Die Schärfeleistung ist einfach überragend. Bei der Wellenfotografie ist mir aufgefallen, dass das Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS USM mit eingeschaltetem Stabilisator nicht gut mit Wellen klarkommt. Die Fotos sehen „unsauber“ aus. Der Stabilisator versucht wahrscheinlich, die Wellenbewegungen zu kompensieren. Und so scharf wie meine Festbrennweite ist das Zoom lange nicht. Wahrscheinlich kannst du den Unterschied an den hier gezeigten Fotos nicht erkennen!

ISO 400, 1/15, f 8, Canon 6d, 24-105mm, nach Sonnenuntergang bei extrem hohem Wellengang

ISO 400, 1/15, f 8, Canon 6d, 24-105mm, nach Sonnenuntergang bei extrem hohem Wellengang. Es regnete, stürmte und war saukalt. Da waren keine Wanderer mehr unterwegs, nur zwei verrückte Fotografen, die sich den A.. abfroren!

Wir sind gerade auf der Belle Île, einem wahren Hotspot für die Wellenfotografie. Vor allem am Surferstrand von Donnant rauschen fast bei jedem Wetter mächtige Wellen in die Bucht. Die Sonne scheint nachmittags von hinten in die Wellen. Das bringt ihre Farbe perfekt zur Geltung. Aber nicht nur Donnant, die gesamte Cote Sauvage der Belle île macht ihrem Namen doppelt Ehre. Sie ist wild zerklüftet, und der offene Atlantik wirft sich mit aller Macht gegen ihre Klippen. Das bietet fast überall Gelegenheit, eindrucksvolle Wellen und Brandung zu fotografieren.

Wie komme ich zu scharfen Wellenbildern?

Wenn das Licht gegen Abend schwach wird, ist es schwierig, die bewegten Wassermassen ordentlich abzulichten. Aufgrund der langen Telebrennweite von 400 mm ist die Tiefenschärfe extrem gering. Gerade bei sich staffelnden Wellen muss ich mich in Sekundenbruchteilen entscheiden, wohin ich den Fokus legen möchte.

Ich wähle eine relativ geschlossene Blende, zwischen f/11 und f/16, und gehe auch an sonnigen Tagen mit der ISO-Einstellung so weit hoch, dass ich auf etwa 1/500 Sekunde Belichtungszeit komme, gern auch noch kürzer. Kurze Zeiten sind wichtiger als geringes Rauschverhalten. Zeigt das Bild Verwacklungsunschärfe, oder ist es nur leicht verwischt, dann ist das Foto für den Papierkorb.

Der Autofokus bei der Wellenfotografie

Ich schalte den Autofokus aus und stelle manuell scharf, wenn ich nicht den mittleren, schnellen Kreuzsensor meiner Canon 6D benutzen kann. Ansonsten wähle ich den Ai Servo Modus und folge den Wellen mit der Kamera. Dabei steht die Kamera auf dem Stativ, den Kugelkopf habe ich nicht arretiert. So entlaste ich meine Schultern bei den teils langen Sessions und verringere die Verwacklungsgefahr.

Ideal ist, wenn das Sonnenlicht die Welle von hinten durchleuchtet. Ein paar dunkle Wolken am Horizont steigern nochmals den Kontrast und die Farbwirkung. Für so ein Szenario brauchst du aber viel Glück.

Du solltest auch die Serienbildfunktion deiner Kamera einschalten. Mit ganzen Bildsequenzen hast du nicht nur eine bessere Chance auf den idealen Zeitpunkt, du vermeidest auch die Verwacklungsgefahr durch das dauernde Durchdrücken des Auslösers.

Ich komme mit der automatischen Belichtungseinstellung gut zurecht. Wenn ich feststelle, dass das Weiße der Wellen ausfrisst, korrigiere ich nach Minus. Sind die Lichtbedingungen stabil, es ziehen also nicht dauernd Wolken vor die Sonne, kannst du auch die manuelle Belichtung verwenden. Das bewahrt dich vor Belichtungsausreißern.

Welle mit Möwe, Pointe de Poulains, Belle île

Welle mit Möwe, Pointe de Poulains, Belle île

Wenn ich die Größe der Wellen im Bild andeuten möchte, sehe ich zu, dass ich entweder eine Möwe mit aufs Foto bekomme, oder einen Surfer, oder wenigsten einen Wanderer auf den Klippen.

ISO 50, 1/6, f11, Canon 6d, 400mm, mitgezogen

ISO 50, 1/6, f11, Canon 6d, 400mm, mitgezogen

Ja, und alle diese beschriebenen Regeln kannst du auch missachten.

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Zu guter letzt ein paar Fragen an dich:

Wann und wo hast du dich an Wellenfotos versucht?

Warst du zufrieden mit den Ergebnissen?

Hast du Locationtipps für uns?

 

PS Unsere Newsletterleser bekommen die Tage ein paar Wellenfotos mit 1920 px Kantenlänge. Zum genaueren Betrachten oder auch als Bildschirmhintergrund!

In der Naturfoto vom November 2014 schrieb ich über die Wellenfotografie: „Wellen, Pulsschlag der Meere“. Dort schreibe ich übrigens vor allem über die eher kleinen, unscheinbaren Wellen, die im richtigen Licht unglaublich fotogen sind.

Einige der Wellenfotos vom letzten Besuch zur Belle Île schafften es in großformatige Kalender.

 

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

13 Kommentare

  1. Also nach so einer ausführlichen Erklärung sollte ja nun nichts mehr schief gehen, nun brauch ich nur noch grooooße Wellen 🙂
    Werde also den nächsten Sturm abwarten……

    Wünsch Euch noch einen schönen Tag !

  2. hallo, auch hier wieder perfekt die Anleitung zu den Wellenfotos.
    Leider habe ich das Problem die kleinen Fotos nicht vergrößert anschauen zu können.
    Ja die Gewalt des Wasser und der Wellen ist schon faszination pur.
    Man kann auch einfach nur stundenlang zusehen wie sich die Wellen immer wieder aufbauen.
    Es wird nie langweilig.
    lg edeltraud

    • Hi Edeltraud,

      danke für den Hinweis – ich habs repariert. Jetzt kannst Du alle Fotos anklicken!

      Ich könnte auch stundenlang den Wellen zuschauen. Das macht hier auf der Insel wirklich viel Spaß!
      Würde Dir auch gefallen

      liebe Grüße

      Gabi

  3. Hi Gabi,

    unsere letzten Wellenfotos und die dazugehörende Location kennt ihr ja;-)
    Mit einer neueren Kamera und mehr Chancen zum Testen bekämen wir sicher bessere Bilder, aber wenn ich ein richtig tolles Foto für an die Wand brauche, weiß ich ja, wo ich es kaufen kann – siehe: deine berühmte Welle auf den Lofoten 🙂
    Hoffe jetzt, dass wir uns an der Nordlichtfotografie versuchen können. Laut Vorhersage steigt der KP-Index wieder, wenn wir Heim kommen 🙁 , so wir denn wegfahren.

    Habt noch eine gute Zeit!

    LG Ursula

  4. Hallo, ich nochmal,

    wollte mir das E-book Nordlichtfotografie downloaden, ging aber nicht. Auf der „Bonus“-Seite wird angezeigt, dass ich erst den Newsletter abonnieren soll, aber den bekomme ich doch bereits.

    LG Ursula

  5. Liebe Gabi,

    vielen Dank für die schönen Bretagnefotos!

    Du fragtest, ob wir auch Wellenfotoerfahrung haben (ja, und wie; leider, ohne Deine Tipps vorher gekannt zu haben…) – daher habe ich hunderte von Wasserfotos und 2-3 ganz nette Wellenfotos, allerdings auch nicht Eure Ausrüstung. Seitdem ich mir die Canon EOS 60D gekauft habe, ist das Hobby deutlich günstiger geworden 😉

    Wir lieben die Île-Grande (bei Pleumeur-Bodou (Département Côtes-d’Armor), vom Festland über eine kleine Brücke mit Auto zu erreichen.

    Wenn man zu der Vogelstation auf der Insel fährt, ist links davon eine Bucht mit wunderschönen runden Steinen in allen Größen, noch weiter links eine schroffe Küste, wo bei Ebbe lauter kleine „Aquarien“ überbleiben mit allerlei Getier und Pflanzen. Bei Interesse kann ich Dir ein paar Fotos schicken, damit Du einen ersten Eindruck bekommst.

    Besonders schön ist es, wenn es die grandes marées gibt (bis zu 12m Gezeitenhub) und/oder viel Wind. (Gezeitenkalender: http://de.wisuki.com/tide/1279/ile-grande)

    Liebe Grüße!

  6. Hallo Gabi !
    Ich liebe das tiefe Blau und das Grün des Atlantiks! Deine Fotos sind klasse! Letztes Jahr im September habe ich auch auf Belle-Ile fotografiert, vor allem auf der Plage de Donnant,La Pointe des Poulains, beim Sonnenaufgang und zur blauen Stunde in Sauzon und in Port Coton. Bis auf einen Tag war das Meer sehr,sehr ruhig und der Himmel wolkenlos. An meinem letzten Tag konnte ich die grünen Wellen bewundern

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