Mit dem Fahrrad nach Schottland – Wie die Reise begann

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Diesen ersten Teil des Reiseberichts schreibe ich bei meinen Freunden in Schweden, wo ich direkt nach meiner Schottland-Reise hingeradelt bin.

Von Amsterdam nach Newcastle

Die Reise begann am ersten Juni in Amsterdam, wo ich aus Zeitgründen mit dem Zug hingefahren war. Die Fähre von Amsterdam nach Newcastle, die von DFDS betrieben wird, ist perfekt für eine Schottlandreise – ich muss nicht erst durch ganz England fahren, um nach Schottland zu kommen. Von Newcastle aus ist man in ein oder zwei Tagen mit dem Rad in Schottland.

Da meine Fähre aber erst am nächsten Tag ging, fuhr ich in der Gegend herum und suchte einen Campingplatz. Radfahren ist in Amsterdam und Umgebung so einfach wie kaum an einem anderen Ort, überall gibt es Radwege und alles ist perfekt ausgeschildert.

Einen billigen Campingplatz zu finden ist allerdings bei weitem nicht so leicht. Ich fand zwei, die beide über 20 € für eine Nacht wollten, also suchte ich weiter. Es wurde langsam dunkel und ich hatte immer noch nichts gefunden, da kam eine nette alte Dame vorbeigeradelt. ”Na, suchst du einen Platz zum Übernachten?” Ich erklärte ihr meine Situation und wir unterhielten uns eine Weile lang. ”Ach weißt du was”, meinte sie schliesslich, ”warum schläfst du nicht einfach in meinem Gästezimmer?”

Joke mit ihrem Fahrrad. Es ist toll, wie man so spontan Leute kennen lernen kann!

Joke mit ihrem Fahrrad. Es ist toll, wie man so spontan Leute kennen lernen kann!

Dieses Angebot nahm ich natürlich gerne an! Joke (das war ihr Name) erzählte selbst andauernd von Radtouren und Wanderungen, die sie in der letzten Zeit unternommen hatte – sie konnte sich also leicht in meine Situation hineinversetzen. Ich finde es cool, wie leicht man vom Rad aus andere Leute trifft. Man muss nicht erst anhalten und das Fenster herunterkurbeln, und als Alleinreisender wird man sowieso viel öfter angesprochen.

Am nächsten Tag schickte mich Joke auf einem schönen Radweg die Küste entlang, ich hatte nämlich noch ein wenig Zeit bevor die Fähre abfuhr.

Ich fand den Fährhafen schließlich ohne Weiteres und stellte mich vorne in die Schlange, wo man sich als Radfahrer einordnen soll. Mit einem anderen Fahrrad-Tourer fachsimpelte ich über Fahrradtechnik und wir tauschten Storys von unseren Reisen aus, während wir warteten. Wir waren die ersten auf dem Schiff, der King Seaways. In der leeren Fähre mussten wir uns nicht mit dem restlichen Verkehr abgeben, allerdings ist der Erste auf dem Schiff auch der Letzte, der wieder herunter fährt.

Warten vor der Fähre

Warten vor der Fähre

Die Taü sorgten für einige interessante geometrische Formen

Die Taü sorgten für einige interessante geometrische Formen

Details auf dem Schiff

Details auf dem Schiff

Das Wetter war anfangs etwas wild!

Das Wetter war anfangs etwas wild!

Die King Seaways war ein recht gemütliches Schiff, und das Essen war gut (wenn auch etwas teür). Ich schlief wie ein Stein und genoss am Morgen die Hafeneinfahrt in Newcastle vom Deck aus. Ich würde ein paar Tage bei einer Freundin in der Stadt verbringen, und sie wartete bereits auf mich, als ich endlich aus dem Bauch des Schiffes gerollt kam.

Hafeneinfahrt in newcastle am nächsten Morgen.

Hafeneinfahrt in newcastle am nächsten Morgen.

Die Fähre ist auch mit dem Rad kein Problem

Die Fähre ist auch mit dem Rad kein Problem

Die King Seaways wartet auf die nächste Fuhre

Die King Seaways wartet auf die nächste Fuhre

Ein paar Tage in Newcastle, dann geht es los!

Newcastle ist eine schöne Stadt mit vielen alten, eindrucksvollen Gebäuden. Es fühlt sich aber ganz und gar nicht wie ein Museum an, ganz im Gegenteil – die Stadt wimmelt nur so vor Leben, Tag und Nacht. Wir zogen viel in der Innenstadt herum, gingen ins Kino, und ich bekam alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gezeigt. Es ist gut, wenn man Freunde in einer großen Stadt hat, denn die wissen meist genau, was man dort so unternehmen kann.

Newcastle ist gleichzeitig eine alte und eine lebendige Stadt

Newcastle ist gleichzeitig eine alte und eine lebendige Stadt

Mit dem Doppeldeckerbus hat man einen besseren Überblick über die Strassen

Mit dem Doppeldeckerbus hat man einen besseren Überblick über die Strassen

Ich war aber nicht nach Großbritannien gefahren, um mir nur die Städte anzuschauen. Nach ein paar Tagen zog es mich nach Norden, ich verabschiedete mich also und machte mich auf den Weg. Ich fuhr an der Küste entlang, vorbei an uralten Burgen, farbenfrohen Feldern, und kleinen Küstenorten. Englische Radwege sind so eine Sache – ihre Qualität schwankt ständig zwischen traumhaft und unzumutbar. Es kann sein, dass man eine Stunde lang auf glattem, autofreiem Asphalt rollt – ich musste mich aber auch teilweise durch Schlammlöcher und kleine Bäche quälen.

Ich kam Schottland immer näher, doch am zweiten Tag nach meiner Abfahrt entschied sich der Wind, es mir ein wenig schwerer zu machen. Es war nicht nur ein räudiges Lüftchen, das mir da um die Ohren blies, sondern nahezu ein ausgewachsener Sturm – auf der Beaufort-Skala brachte der Wind eine 7 auf die Waage. Die Stromleitungen bogen sich nicht nach unten, sondern seitwärts, und ich hatte zuweilen Probleme, auf dem Rad zu bleiben.

Die Nordenglische Landschaft besteht zu einem grossen Teil aus Feldern

Die Nordenglische Landschaft besteht zu einem grossen Teil aus Feldern

...und enorm vielen Schlössern!

…und enorm vielen Schlössern!

Eine neugierige Kuh

Eine neugierige Kuh

Auf einmal war es keine Solo-Tour mehr!

Vor Holy Island machte ich Rast. Ein ebener Damm führte bei Ebbe auf die Insel, doch bei diesem Wind hatte ich absolut kein Bedürftnis, auf offenliegenden Strecken zu radeln. Zwei andere Radreise hatten genau das getan und kamen gerade von der Insel, sie sahen ziemlich kaputt aus und schienen es zu bereuen. Ich redete sie an, als sie neben mir Rast machten. Wir plauderten ein wenig, sie boten mir einen Keks an, ich warf ihnen zwei Twix zu, und auf einmal hatten wir uns stillschweigend geeinigt, zusammen weiter zu fahren. Sie hießen Joey und Chris, waren nicht viel älter als ich und kamen aus Notthingham. Ihr Ziel war Edinburgh, was immerhin die selbe Richtung war, in die ich fuhr.

Wir kamen also zu dritt in Berwick upon Tweed an, einer kleinen Stadt an der Grenze zu Schottland. Dort wurde im Supermarkt das Abendessen gekauft, bevor wir noch schnell die Grenze überquerten, um in Schottland zu campen. Dort ist nämlich das Zelten auf fast allen öffentlichen Flächen erlaubt, und noch dazu auf allen privaten, solange sie groß genug sind und nicht eingezäunt. Ein paar Minuten hinter der Grenze fanden wir dann auch einen Park, der recht gemütlich aussah. In seiner Mitte fanden wir ein bildhübsches Steinhaus, dessen Bewohnerin wir fragen, wo man hier am besten zelten könne. Sie überlegte kurz und entschied sich dann, uns in ihrem Hintergarten schlafen zu lassen, schön windgeschützt und sogar mit Wasserhahn!

Das sind Joey und Chris, meine spontan gefundenen Reisekameraden

Das sind Joey und Chris, meine spontan gefundenen Reisekameraden

Auf der Suche nach einem schönen Fleck zum campen

Auf der Suche nach einem schönen Fleck zum campen

Wir machten uns einen schönen Abend, schlugen uns die Mägen voll, und Joey und Chris erklärten mir, wie man Go spielt. Das ist ein asiatisches Brettspiel, welches mir leider als Anfänger ein wenig zu kompliziert schien, um mit einzusteigen.

Abends wird Go gespielt!

Abends wird Go gespielt!

Ich war erst seit ein paar Tagen unterwegs, hatte aber schon so viel erlebt, dass es mir wie Wochen vorkam. Und das würde in den nächsten Monaten nicht besser werden!

Teil zwei folgt bald!

Autor: Esra

Ist der älteste Sohn seiner Eltern und hinterlässt überall Fahrradspuren.

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Kategorien 2015 Radreise Schottland, Fotografie

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4 Kommentare

  1. Lieber Esra,
    das hört sich ja alles sehr spannend an! Scheint wirklich eine traumhaft schöne Gegend zu sein. Dass Joke so einfach Leute bei sich übernachten läßt … ich hab wohl zu viele Krimis gesehen….
    Grüß mir Schweden und erzähl den Wäldern von meiner Sehnsucht nach ihnen ;-).
    LG Gabi

    • Es ist wirklich sehr schön, doch im Norden wird es nochmal grandioser!
      Ach was! Wir haben uns ne Weile unterherhalten, und da sie selbst viel mit dem Rad unterwegs ist, wusste sie, dass ich dafuer sehr dankbar sein wuerde.
      Apropos bei Leuten uebernachten, die man vorher nicht kannte: ich komm ja auf dem Rueckweg in Rostock vorbei… 🙂
      Die Wälder vermissen dich auch, haben sie gesagt!
      Liebe Gruesse,
      Esra

      • Na, dann! Freu ich mich auf dich! Und ich bestell den Ostseewellen heute Abend Grüße von dir, okay? Adjö och ha kul.

  2. Hallo Esra,

    schön, dass es endlich einen Bericht von Dir gibt. Du bist so viel unterwegs, da hast Du kaum Zeit zum Schreiben 😉
    Freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Viele Grüße nach Schweden, ich wäre sooooo gerne dort………

    Ursula

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