Der Tag der Leuchttürme – vom Süden Gotlands bis zur Mitte

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Das Leuchtturmbuch

Natürlich statten wir dem Leuchtturm von Hoburg am nächsten Morgen einen weiteren Besuch ab. Dicke weiße Wolken hängen tief am Horizont. Die hingen gestern da noch nicht. Ist das nicht schön. Wir fotografieren wie am Tag zuvor und ich unterhalte mich wieder mit Barbro. Sie liebt das Meer und ist selbst auf einer langen Tour entlang der schwedischen Küste. Sollte ich vielleicht auch mal ein paar Wochen einen Leuchtturm betreuen? Irgendwo habe ich gelesen, dass hin und wieder Voluntäre gesucht werden.

Barbro zeigt mir einen Bildband über Gotlands Leuchttürme. Und nach Leuchttürmen mag ich Bücher über Leuchttürme am zweitliebsten. Ich würde es gern kaufen, aber es ist nicht mehr im Druck und nur schwer zu finden. Wie cool, dass ich mich an mein neues Smartphone in meiner Hosentasche erinnere. Ich fotografiere schnell die englischsprachigen Seiten über den Hoburg Leuchtturm und speichere sie in mein digitales Notizbuch.

Jedenfalls steht zum Hoburg Leuchtturm interessantes Zeugs drin. 1741 bereiste Karl von Linne die Inseln Öland und Gotland. Er vermerkte in seinem auf schwedisch verfassten Reisebericht, dass es sinnvoll wäre, im Süden Gotlands einen Leuchtturm zu errichten. Erst einhundert Jahre später wird der Bau des Leuchtturms bewilligt.

Bei Nebel gab es ein Detonationssignal mit TNT

In Zeiten vor der Elektrizität wurde bei Nebel alle fünf Minuten TNT gezündet, um die Schiffe zu warnen. Das nannte sich Detonationssignal. Der Leuchtturmwärter konnte immer zwei Geschosse laden und schoss sie dann nacheinander ab. Wenn es mal hektisch wurde, weil der Wärter im Wetterbericht hinterherhinkte, klappte das Befüllen mit TNT nicht so exakt, dann passierte es auch einmal, dass die Fenster bei einer zu starken Explosion zerbarsten. Das scheint ja ein richtig aufregender Job gewesen zu sein. Ab den fünfziger Jahren wurde das TNT von einem elektrischen Nautophon abgelöst.

Neben dem Leuchtturm wohnt ein »Wetterbeobachter«, der auch nach dem Leuchtturm schaut. Leider fand ich niemanden für ein Interview vor. Ich werde also die Augen aufhalten, das Gotländer Leuchtturmbuch möchte ich unbedingt haben.

Valar Leuchtturm an der Südwestküste Gotlands

Wir wählen für die Weiterfahrt eine Route entlang der westlichen Küste. Dabei halten wir bei einem kleinen Sandsteinmuseum. Bei der Fahrt entlang des Meeres erfreuen wir uns am tiefen strahlenden Blau des Wassers und des Himmels.

Den nächsten Leuchtturm Valar finden wir nicht auf Anhieb. Er hat sich gut versteckt. Die Straßen sind enge Feldwege. Vom Womo aus sehen wir keinen Leuchtturm, nicht mal bis zu Wasser können wir wegen dem niedrigen Baumbestand schauen. Wir finden aber einen Trampelpfad und wandern in der grellen Sonne los. Es ist extrem trocken. Das Gras knirscht unter unseren Schuhen. Wir schwitzen. Aber Grindel freut sich. Sie hüpft und springt im Gebüsch herum, rennt permanent vor uns zurück. Ein glücklicher Dackel ist ein erhebender Anblick.

Immer am Meer entlanggehend müsste der kleine 1889 erbaute Leuchtturm  doch zu finden sein. Und siehe da, bald steht er vor uns, integriert in eine Baumreihe. Grandios ist das weiße Türmchen nicht, aber der Himmel ist es. Wolken hängen massig und trotzdem luftig leicht am blauen Himmel. Durch die Bäume hindurch glitzert die klare Ostsee. In der Ferne dreht eine Horde von Windmühlen gemächlich ihre Rotoren. Wir sind allein und fotografieren ausgiebig. Auch Grindel muss hier wieder als Model herhalten.

Der Leuchtturm Valar schaut über die Ostsee, Gotland

Der Leuchtturm Valar schaut über die Ostsee, Gotland

Auf dem Rückweg achten wir mehr auf Details in der Landschaft. Wilde Apfelbäume hängen voller gelber Früchte, Beeren in den Hecken laden zum Naschen ein, und überall drumherum trockenes Gras und Dornengestrüpp.

Den Leuchtturm Faludden verlassen wir ohne Foto

Und weiter geht unsere Tour Richtung Nordwesten nach Faludden. Wir haben den nächsten Leuchtturm auf der Karte gefunden, werden aber mächtig enttäuscht. Der Turm ist recht klein, aber ästhetisch geformt. Dummerweise steht er in militärischem Sperrgebiet und der hohe Stacheldrahtzaun ist nur so mit Fotografierverbotssschildern bestückt. Ich traue mich so nicht, zu fotografieren, finde auch keinen Ansprechpartner, den ich um Erlaubnis fragen könnte. So trinken wir einen Kaffee, spielen eine Runde Romee und fahren unverrichteter Dinge wieder weg. Merke, der Faludden Leuchtturm lohnt sich nicht.

weiter Blick - kleine Windmühle

weiter Blick – kleine Windmühle

Die Wolken kommen

Die Wolken kommen

Der Leuchtturm När

Die Sonne lacht noch immer vom Himmel, und unsere Tour geht direkt weiter. Zum schönsten Leuchtturm Gotlands, dem rot-weißen Leuchtturm bei När. Das ist tatsächlich ein richtiger Bilderbuchleuchtturm. Die Anfahrt dahin ist schon ein Erlebnis. Plötzlich wird das Land so karg, die Bäume so klein, dass wir uns in ein völlig anderes Land versetzt fühlen. Wäre eine Giraffe vorüber gelaufen, hätte ich mich nicht gewundert. Die Weite dieser Steppe ist Balsam für die Augen. Der Feldweg ist mit Kalkstein geschottert, weiß und grell schlängelt er sich auf den Leuchtturm zu. Wir entdecken schon Fotomotive, lange bevor wir den Leuchtturm erreichen.

Steppe beim Leuchtturm När

Steppe beim Leuchtturm När

Der weiße Feldweg führt zum Leuchtturm När

Der weiße Feldweg führt zum Leuchtturm När

Noch sind einige Leute am Leuchtturm, aber die verziehen sich bald. Jetzt sind wir allein und können ohne störende Menschen fotografieren. Das Licht ist perfekt, sanft mit hellen Wolken. Doch schon zieht von Norden her eine dichte Wolkendecke zu uns rüber. Noch schnell ein paar Bilder, dann können wir ohne schlechtes Fotogewissen unser Abendessen kochen.

Nach dem Essen spielen wir wieder Karten. Ich bin wie immer nervös und aufgekratzt, und laufe trotz dichter werdender Wolkendecke mit der Kamera über das karge Gras. Am Horizont spannt sich ein heller Streifen, da könnte die Sonne später unter den Wolken durch scheinen. Ich bin darauf vorbereitet und das ist auch gut so. Plötzlich glüht der Himmel feurig für ein paar Minuten grell rot-orange auf. Perfekt!

So schnell wie das Feuerwerk begonnen hat, ist es vorbei. Es wird trist und dunkel, und es fängt an zu nieseln. Wir parken hinter dem Leuchtturm und ich würde gerne Nachtaufnahmen machen. So aber wird das nichts. Es regnet sich ein, was eigentlich auch gut ist, denn ich bin müde. Ich schlafe mit Blick auf das Leuchtturmlicht ein .

Übrigens gibt es zu diesem Leuchtturm auch eine Menge spannende Stories. Das erzähle ich im nächsten Blogpost.

Sonnenuntergang am Leuchtturm När

Sonnenuntergang am Leuchtturm När

Die Sonne war schnell weg, graue Wolken blieben übrig

Die Sonne war schnell weg, graue Wolken blieben übrig

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

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6 Kommentare

  1. Der Sonnenuntergang ist auch mein Favorit 🙂
    Eure Bilder sind so einladend. Gotland steht schon lange auf unserer Wunschliste.

    Liebe Grüße
    Ursula

    • Würde euch ganz sicher gefallen. So ruhig, so viel Natur und super für Wohnmobiltouren. Bei nächsten Mal werden wir zum Mittelalterfest dort sein. Das ist sicher super schön.
      liebe Grüße
      Gabi

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