16. April, Sept Iles und erster Teil der Rückreise - nach Honfleur
Der Wecker klingelte, ich hörte ihn nicht, denn Esra hatte uns Nachts geweckt, weil sich die Jungs wohl im Bett in die Quere gekommen waren. Dann lag ich eine Weile wach, dachte, es wäre schon Ausstehenszeit, schlief dann erst wieder ein, kurz bevor wir austehen mußten. Gunter weckte mich glücklicherweise rechtzeitig, denn um 8:45 Uhr wollten Andrea und Thomas da sein. Und wir wollten dann auch fix und fertig gefrühstückt und gezähneputzt sein:-) Die Toilette mußte geleert werden, das hielt auch noch auf und wir hatten am Tag zuvor vergessen frisches Brot zu kaufen, das Kauen des alten, von dem glücklicherweise noch ein Rest da war, machte Mühe und dauerte lange, so daß ich mein Frühstück auf die Fahrt verlegte. Andrea und Thomas meinten, wir könnten noch einen christianisierten Menhir anschauen, denn der lag fast auf dem Weg. In der weichen, nach Frühling riechenden Luft und dem frühen, weichen Licht sah es schön aus. Wir machten ein paar Aufnahmen, ich war in Gedanken schon auf dem Boot - endlich! Ich will/muß auf's Meer hinaus. Wir folgten den beiden, so findet sich der Hafen leichter, und wir fanden dann dort sogar recht nah einen Parkplatz für's Mobil und konnten so ziemlich direkt auf's Boot. Es sah sehr touristisch aus (ja, ich weiss, sowas sollte ich nicht schreiben, denn was erwarte ich denn?), ziemlich viele Touristen passen auf das Boot, die Sitzreihen begeiserten uns gar nicht. Was sieht man denn, wenn man auf der unteren Ebene auf dem 4. Platz sitzt? Ich kann mir nicht vorstellen, das es möglich ist, von dort unten, hinter Plexiglasscheiben, einen guten Eindruck zu bekommen. Wir fanden die letzten drei Plätze auf dem oberen, offenen Deck, jeder nahm ein Kind auf den Schoß. Andrea und Thomas mußten leider unten bleiben, sie kamen später hoch.

ein Menhir am Morgen

der Menhir von hinten

auf dem Boot

der Felsen von der Ferne, schade, daß es die Sonne noch nicht packte, durch den Nebel zu scheinen

etwas näher ran man kann sehen, wieviele Taue in den Nestern verarbeitet werden

Sammeln von Nistmaterial


im Gleitflug

der "Jungesellenfelsen"

Tölpel

Papageitaucher

Tordalke - die sehen fast aus wie Pinguine

Seehunde
Das Wetter sah nicht so toll aus, Nebel hing über dem Meer. Es war recht kalt aber mit Stirnbändern und Schals gut auszuhalten.Die Basstölpelkolonie war super! Diese Vögel sehen so schön aus, wenn sie über das Wasser gleiten. Ich mußte mich erst an das schaukelnde Boot gewöhnen, die Kinder hatten Ferngläser und schauten sich so alles gut an. Nun, da wir das erste Ziel erreicht hatten, gab es Informationen über einen Lautsprecher, der genau über uns hing. Der Lärm war kaum auszuhalten - ich wurde unruhig, denn wenn man so ein Naturschauspiel sieht, möchte man es in Ruhe genießen. Für uns war es besonders schlimm, weil wir sowieso nichts davon verstanden. Auch Esra klagte nach kurzer Zeit über diesen dröhnenden Lärm und erst als Andrea später den Führer aufforderte, es etwas leider zu stellen, war es angenehmer - dann schauten wir jedoch die Felsen, die mich zwar interessieren, aber nicht so begeistern wie Vögel. Wir sahen auch Papageitaucher, ich denke jedoch, daß es eine andere Art ist als die, die wir in Norwegen gesehen hatten. Ich muß mal nachlesen. Dann gab es noch pinguinähnliche Vögel, die Tordalken. Das Füttern der Möwen wurde erlaubt, als sich das Boot von der Tölpelkolonie entfernte, und die Kinder fanden das ganz toll. Noah versuchte auch, sie das Brot aus der Hand schnappen zu lassen, aber sein Arm reichte nicht weit genug für den Mut der Vögel. So stellte sich Andrea mutig in den Wind und das Brot fand den Weg in viele Möwenmägen. Die Sonne kam raus - schade, jetzt müßte man nochmal an der Tölpelkolonie sein:-( Jedenfalls machte ich nun unter besseren Bedingungen Photos der fliegenden Möwen. Nach ca. 2 h waren wir zurück schon wieder zurück - ich hätte stundenlang auf dem Boot fahren können.

Ahh - leckeres Baguette

vielleicht gibt es noch was?

mit dickem Bauch fliegt sie davon

Hier eine Zusammenfassung des Textes - von Thomas und Andrea notiert. Vielen Dank dafür!!
Zur Bootstour gibts hier noch eine kurze Zusammenfassung dessen, was da so aus den Lautsprechern auf uns einhämmerte: Die Tölpel futtern pro Schnabel täglich so etwa 500 g Fisch - was bei 15.000 Paaren schlappe 15 Tonnen ergibt! Und hierbei ist der anstehende Nachwuchs noch nichteinmal einberechnet ... Allerdings sind Tölpel so effiziente Segelflieger, dass sie bei der Futtersuche ohne Probleme täglich Entfernungen von 500 km zurücklegen können. Bei der Jagd selbst stürzen sie dann aus bis zu 40 m Höhe senkrecht ins Wasser um mit einer Geschwindigkeit von rund 100 km/h einzutauchen. Da sie dabei fast immer schon unter Wasser den Fisch soweit runterschlucken, dass er nicht mehr in ihrem Schnabel zu sehen ist und somit ihre halsbrecherische Jagdmethode sehr uneffizient erscheint, wurden sie früher für ungeschickt bzw in der französischen Namensgebung für verückt (FOU de Bassan) gehalten. Die jungen werden übringens solange gefüttert, bis sie mit etwa 4,5 kg ein gutes Kilo schwerer sind als ihre Eltern. Dann treten sie den gefährlichen Weg die Klippe hinunter zum Wasser an. Erst auf dem Wasser nämlich - nach ungefähr einer Woche Schwimm-Abmagerungskur - werden die ersten Flugversuche unternommen. Zwar reicht allein der Anblick ihres Schnabels, um die grossen Raubmöwen auf Distanz zu halten, aber die noch flugunfähigen, übergewichtig-plumpen Jungtölpel purzeln oft derart die steilen Klippen herunter, dass nur weniger als die Hälfte von ihnen sich jemals in die Lüfte erhebt. Die anderen landen als Unfallopfer dann doch auf dem Speiseplan der Möwenn oder verhungern in der ersten Lebenswochen, wenn sie nicht schnell genug lernen erfolgreich zu fischen. Der Vergleich der Tölpel mit Segelfliegern ist übrigens auch jenseits der ähnlichen Bauform gar nicht so weit hergeholt: Da sie keine Seilwinden kennen, brauchen sie wie die Pioniere unter den letzteren sozusagen auch immer ihre "Wasserkuppe". An Land können sie nämlich nur von steilen Klippen aus starten - auf ebener Erde würden sie sich die Flügelspitzen brechen!
Da es zu viele Bilder gibt, geht es hier weiter!