13. April, Camaret

Wir hatten oben auf dem Stellplatz geschlafen, und da der Himmel sehr klar war, schauten wir schon früh immer wieder aus dem Fenster, damit wir das schönste Licht nicht verschlafen würden. Um 7:30 Uhr sah es so vielversprechend aus, daß wir die Kinder weckten, anschnallten und die paar hundert Meter ins Dorf hinunterfuhren. Etwas früher hätten wir da sein müssen - wir waren aber zu müde. Unten am Hafen konnten die Drei noch im bisher nicht umgebauten Bett kuscheln, langsam wach werden und frühstücken. Ich wollte Gunter losschicken zum Photographieren, da ich Kopfschmerzen hatte, aber als er anfing von umziehen und waschen (vielleicht sogar rasieren) zu reden, da schnappte ich kurzerhand den Rucksack und zog los, mit zotteliger Nachtfrisur und nur halbwach. Die Sonne zauberte ein genial photogen weiches Licht. Super! Leider kam eine Wolkenwand heraufgezogen, ich würde wenig Zeit haben - und so war es dann auch. Nach 15 Minuten war der Spuk rum. Ich hatte aber ein paar ganz gute Aufnahmen. Ich kann mich wesentlich besser konzentrieren, wenn keine Kamera auf mich gerichtet ist, wahrscheinlich liegt das an meiner Wahrnehmung - ich kann nicht, wie Gunter, alles um mich ausblenden, sondern nehme immer alles wahr, was um mich herum passiert. An diesem Tag genoß ich die morgendliche Ruhe, unterhielt mich mit einem Bretonen, der ein wenig Englisch redete.

Pano - Camaret

der Hafen von Camaret im Morgenlicht

Steine

Moosbedeckte Steine gegenüber vom Hafen

alte Boote

warum reizen diese alten, im Verfall befindlichen Boote nur die juckenden Photofinger so sehr?

Denkmal

ein Denkmal vor der Kapelle Notre-Dame-de-Rocamandour

Die Kids beobachteten derweil einen großen Radlader, der die Strandzufahrt, die voller Kieselsteine lag, wieder freiräumte. Sie waren begeistert und erzählten mir sogleich alles ganz genau. Dann fühstückten wir - ich hatte ja noch gar nichts gegessen - die Kinder leisteten mir malend Gesellschaft. Wir standen "etwas verboten", aber nicht störend im Weg, genossen den Blick auf den Strand, als ein rundlicher Taucher urplötzlich den Wellen entstieg. Es sah lustig aus, wie er so aus dem "Nichts" mit einer Harpune in der Hand und dem Fang im Netz aus dem Meer heraus maschierte. Ira trafen wir dann erst gegen 10:00 Uhr, mit Andrea und Thomas hatten wir schon vorher geredet. Ira fand es hier so schön, daß er gerne noch einen weiteren Tag bleiben wollte. Diese Idee fanden wir auch gut, denn Camaret hat wirklich einiges zu bieten, und wir haben die schlechte Angewohnheit immer weiter zu wollen, damit wir nichts verpassen - gerade deshalb verpassen wir wahrscheinlich viel. So fuhren wir zusammen zur anderen Hafenseite, denn wir wollten endlich eine Gezeitentabelle holen und dort befand sich das Touristenbüro. Meine Kopfschmerzen verwandelten sich unaufhaltsam in eine Migräne, Übelkeit und starke Nackenschmerzen machten sich bemerkbar und ich war entsprechend genervt. Ira wollte mir mit einem leckeren Salat mit vielen gesunden, anregenden Kräutern helfen, die Zutaten besorgten wir im örtlichen Supermarkt. Zur Zubereitung des Mittagessens fuhren wir zum Pointe de Pen Hir, damit wir aus dem Trubel des Stadtverkehrs raus waren. Unsere Köche bereiteten den Gaumengenuß dann mit viel Aufwand zu, während ich mich liegend von der Migräne zu erholen versuchte. Eine Migränetablette hatte ich genommen und hinterher weiß ich dann nie, von was es mir so schlecht geht - von der Migräne oder der Tablette. Nach einer Stunde Ruhe und dem Salat mit vielen Kräutern und gerösteten Nüssen, ging es mir besser, was nicht heißt, daß ich kopfwehfrei war, mehr geradeso transportfähig, und wir liefen am Pointe du Pen Hir herum. Die Kids, vor allem Noah, hatten wenig Lust dazu, denn hier müssen sie sehr aufpassen, weil es so steil ist. Und wir lassen sie nicht allein an den steilen Hängen klettern, was sie als Kletterfans zuallerliebst machen würden; und dann kommen 4-jährige Mädchen mit ihren Eltern in offenen Sandalen vorbeigeklettert. Dann ist unsere kleine Sippe mächtig sauer!

Kaesekauf

der Käsespezialist - mich hat Ira von guten Käse überzeugen können, seine Auswahl war super, vor allem den Ziegenkäse mag ich sehr

Ira mit Kamera

Ira filmt mal ohne Stativ, sonst hat er fast immer mit gearbeitet

Pen Hir

Pointe de Pen Hir im diesigen Mittaglicht als Langzeit mit 1000 fach Graufilter

Detail Pen Hir

ein Felsendetail - das gelb-rote, verwischte links im Bild sind Esra und Noah

Pointe de Pen Hir

ein Panorama aus zwei Aufnahmen zusammengesetzt - ich hätte nicht gedacht, daß sich das Licht eignen würde - es funktionierte nur mit Polfilter und Graufilter, weil die Spiegelungen ausgeblendet werden mußten.

St Mathieu

Qualitäsmäßig nicht gut weil es sehr diesig war - eine Aufnahme mit dem 100-400mm Tele des Phare de St Mathieu vom Poite du Pen Hir aus!

Poitne de Toulinguet

Pointe de Toulinguet mit einem kleinen Ausflugsboot welches wahrscheinlich in Morgat startet und zu den Grotten fährt!

Wir wollten die Stelle eigentlich nur Ira zeigen, und hielten uns deshalb auch nicht so lange auf, . Ira interessierte sich aber mehr für die Weltkriegs- Bunker weiter östlich vom Pointe und da ging er mit Esra zusammen hin - ich und Amy hatten absolut keine Lust und Gunter kam mit Noah recht früh wieder zurück. Esra fand die ganze Sache jedoch sehr interessant - vor allem, da Ira von seiner Familie und der Vergangenheit erzählte. Beide Jungs waren traurig zu hören, daß sogar Kinder von den Nazis umgebracht worden waren, nur weil sie Juden waren. Glücklicherweise konnte Esra mit Ira darüber reden, denn mein Kopf war einfach nicht klar genug für solche Themen.

Wir wollten alle nochmal nach Morgat, denn dort ist der Strand sehr von Meerestieren bevölkert und man kann fast alles finden - man konnte es jedenfalls als wir das letzte Mal hier gewesen waren. Die Kinder forderten jedoch immer noch das versprochene "richtige" Eis, und Ira brauchte blutdruckmäßig einen Espresso. So suchten wir ein Cafe, fanden aber kein gutes. Das, in welchem wir landeten, war unter aller Sau, die Bedienung lustlos, der Tee schmeckte nach Chlor und die Kinder wurden eismäßig nicht befriedigt. Nun, der Strand zog mich magisch an, die Sonne schien, die Ebbe hatte große Flächen freigegeben - ich konnte die Vielfalt des Strandgutes schon vor Augen sehen. Die Kids wollten auch nicht mehr stillsitzen, im schattigen Cafe war es richtiggehend kalt. Ira mochte Morgat nicht, ist auch rein architektonisch besehen unschön, so fuhr er wieder nach Camaret. Wir machten Treffpunkt und Zeit aus, und schon kam wieder Hektik auf. Der Strand hielt viele Motive bereit, für Photos brauchen wir jedoch Ruhe, Zeit und einen halbwegs klaren Kopf. So machten wir, unkonzentriert, einige Makroaufnahmen, die Kinder sammelten derweil getrocknete, haarlose Sandigelgehäuse, sodann fuhren wir nach recht kurzer Zeit wieder zurück nach Camaret.

Meersalat

Meersalat

Muschel

flache Sandmuschel

Schnecke

glänzende Nabelschnecke

Herzigel

Detail eines Sand- oder Herzigels (ich bin mir nicht sicher welcher?)

Ich war unleidlich, mein Kopf schmerzte, mir war magenmäßig sehr übel, die Kinder waren ungeduldig, wollten uns wieder mehr für sich haben - besonders Amy. (zu viele Erwachsenengespräche in den letzten Tagen) Wir photographierten im Hafen von Camaret, das Licht war ganz gut, aber nicht aufregend. Ira filmte wieder und diesmal ging es mir richtig auf den Nerv - vielleicht, weil ich denke, mir läuft die Zeit davon? Vielleicht weil die Kinder Quatsch machten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? Und dann wurde diese schlechte Stimmung auch noch gefilmt. Wir hätten einfach sagen sollen - heute besser nicht. Hätten das Photographieren und Filmen einfach sein lassen sollen. Ich habe es aber nicht getan und mich über mich selbst geärgert. Ira hat es gemerkt und ich hoffe, er kann verstehen, daß es solche Stimmungsschwankungen gibt (vor allem bei Frauen kurz vor der Periode). Er zog sich rücksichtsvoll nach kurzer Zeit zurück und ließ uns bis zum Abendessen allein.

Pano

ein Langzeitpanorama der beiden großen Boote, rechts davon der Turm Vauban, links die Kapelle Notre-Dame-de-Rocamandour

Holzboot

das Holzbootwrack vor dem Hotel frustrierte mich bisher photographisch nur - mit diesem Bild bin ich jedoch sehr zufrieden

Holz

Holz und rostige Nägel

Phare von Camaret

der grüne Leuchtturm auf der Sillon - dem schmalen Naturdamm Camarets

Vogel

ein Strandläufer - ich weiß nicht welcher?

Gegen 21:00 Uhr wollten wir zum Abschied nochmal gut Essen gehen - Ira hatte uns eingeladen; unser Familienreisebudget gibt so was nicht her, außerdem kennen wir uns nicht aus und sind schon öfters auf schlechte Restaurants reingefallen. (Siehe Bericht Rarotonga - Lebensmittelvergiftung!) Das empfohlene Restaurant war ausgebucht, so gingen wir in das Nachbarrestaurant von Iras Hotel. Hier standen die Tische für meinen Geschmack viel zu eng und die Stühle waren unbequem und wacklig. Die Kinder, vor allem Amy, wuselten herum. Wir unterhielten uns angeregt, Ira stellte sehr interessante Fragen, die mir beim Beantworten einiges klar werden ließen. Gunter, Ira und ich aßen Jakobsmuscheln als Vorspeise - erstmals in ihrer natürlichen Form (bisher habe ich sie nur als Pastete versucht) und die waren im Speck eingewickelt - den mag ich nun gar nicht. Die Hauptspeise war besser aber lange nicht so gut wie im Restaurant in Brignogan. Nun, bei mir war die Hauptspeise OK, Ira erzählte später, daß er von seinem Menü nach Tagen noch Magen-Darm-Probleme gehabt hatte und Gunter merkte an, daß sein Kalbsschnitzel jeder Schuhsohle in punkto Haltbarkeit Konkurrenz machen könnte. Amy wollte nur Pommes, sie traut sich nicht an Neues ran. Die Jungs ließen den bestellten Hackbraten liegen, denn der war innen noch total roh, hatten dafür aber weniger Pommes, was sie später mit Eis auszugleichen versuchten. Es war schon nach 23:00 Uhr als wir das Lokal verließen, wir waren ja wegen des Abendlichtes erst um 21:00 Uhr eingetroffen; die Kinder waren hundemüde, wir trugen Noah zum Mobil. Dann fuhren wir wieder die paar hundert Meter zum Stellplatz (einige Wohnmobilisten übernachteten auf dem Stadtparkplatz, was ich nicht gut finde) und gingen alle sofort ins Bett. Ich habe erstmals - seit wir reisen! die Bilder nicht mehr runtergeladen. Es war mir mit meinem Matschschädel einfach zu viel. Ein wenig lesen mußte ich jedoch, dann schlief ich sehr schlecht durch die Nacht, da Amy und Noah bei mir schliefen. Sie versuchten, die in den letzten Tagen verminderte Aufmerksamkeit mit heftigem Kuscheln nachzuholen. Gunter schlief ungestört im hinteren Einzelbett, weil die beiden auf meiner Anwesenheit bestanden hatten! Das kommt auch sehr selten vor.

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