23. März von Paimpol nach Ploumanac, Sept Iles und Phare de Men Ruz
Ich hatte morgens meinen Wecker gehört, aber es war noch sehr dunkel. Den Stellplatz hatten wir in der Nacht angefahren, so war ich nicht damit vertraut, daß wir unter Bäumen standen und die Sonne gar nicht sehen konnten. Den Wecker klickte ich also aus, und schlief weiter. Dumm, wir hätten doch am Fähranleger nach Brehat übernachten sollen, denn der Blick hinunter auf die vielen kleinen Felsen imm Meer wäre sicher wundervoll in der aufgehenden Sonne gewesen. So kamen wir zu spät, sahen die Sonne nur ein klein wenig durch die Äste scheinen, ich wusch mir nur ganz schnell die Haare mit leider noch kaltem Wasser, dann fuhren wir los, es war gerade 7:30 Uhr, aber schon zu spät für stimmungsvolle Bilder, zudem war die Sonne just in dem Moment weg, als wir am Aussichtspunkt ankamen. Alles war wieder grau in grau:-( Schade. Hier haben wir immer Pech mit dem Wetter!
Schon wieder fühle ich mich etwas gehetzt, will Bilder machen, aber das Licht stimmt nicht und wir haben doch nur die 14 Tage. Schade, daß es so früh ist dieses Jahr, zu gerne würde ich hier mal im Mai sein, wenn das Wetter beständiger und es mal warm ist. Aber, ich hatte mir fest vorgenommen, auch das Verweilen zu lernen - da bin ich jetzt noch dran, an der Lektion. Mein Bein hilft schon mal mit, ich muß mich sehr auf das Laufen konzentrieren, sonst tut es mir zu weh, und langsamer bin ich auch. Heute wollte ich den Rucksack mal alleine tragen und wurde schließlich immer langsamer, denn ich bin völlig außer Form. Die letzten 8 Monate konnte ich mich durch den Beinbruch nur wenig bewegen, das merke ich nun gewaltig. Komme sofort außer Atem. Ich denke aber, daß es mir hilft, die müden, schlappen Beinmuskeln zu trainieren.
Wir hatten uns beim letzten Mal schon vorgenommen, eine Bootstour rund um die Insel zu unternehmen. Leider sagten wir das vor einem Jahr "sturmmäßig" ab. Heute klappte es nicht, weil die Fahrt erst gegen 14:30 Uhr stattfinden würde, wenn mindestens 15 Leute zusammenkommen würden. Es war gerade 9:00 Uhr. Wir hatten auf der Wiese, die als Parkpatz dient, gefrühstückt. Im letzten April waren wir hier, als die Flut Höchststand hatte. Wir hatten damals viele Jakobsmuscheln gesammelt. Jetzt sahen, wir, daß hier ähnlich viele Jakobsmuscheln lagen wie im Hafen von Bugueles. Toll, wenn wir schon nicht mit dem Boot fahren würden, dann sammeln wir halt schöne Muscheln. Ich habe Ute im Kindergarten eine ganze Kiste versprochen und Noah möchte welche verkaufen. Eine große Kiste wanderte in den Kofferraum, diesmal hatte die ganze Familie, samt Gunter, mitgeholfen.
Nochmal zurück zur geplanten Bootstour: ich würde diese Insel gerne mal anschauen, aber heute war es sehr kalt und ich kann nicht so gut laufen. Das Boot zur Insel fährt etwa alle halbe Stunde, auf Brehat muß man sich dann zu Fuß bewegen. Wir heben uns das auf, bis wir wieder besser auf den Beinen sind.
Auf dem Weg nach Perros Guirec liegt Treguier, auch hier halten wir eigentlich immer. Diesmal hatten wir Glück, es war Markttag. Ich checkte ganz kurz emails im Touristenbüro (15 Minuten für 1 Euro) dann gingen wir durch die Marktstände. An einem Stand gab es wunderschöne geflochtene Korbtaschen, wir haben keine richtige Einkaufstasche, so gönnten wir uns eine. Es sah sicher lustig aus, wie die ganze Familie debattiert und testet, welche denn nun die Beste ich. Amy war am Ende unendlich traurig, weil wir eine Naturfarbene genommen hatten und keine bunte!

unsere Kinder in Treguier

Jetzt war es nicht mehr weit zu den "Sieben Inseln", den Sept Iles. So buchte ich kurzer Hand eine Bootsfahrt dort, und wir hatten gerade mal 10 Minuten Zeit, uns eine Kleinigkeit zum Mittagessen zu gönnen. Die Tour dauerte 2 Stunden, man wurde, je nachdem, wo man saß, sehr naß und es war wie letztes Jahr, recht laut. Ich mag zu viele Erklärungen über Lautsprecher nicht sonderlich, vor allem, wenn man gar keine Zeit und Ruhe bekommt, einfach nur zu schauen. Wir verstehen sowieso nichts und ich finde es schade, daß es keine Infos auf Deutsch gab (wenigstens gedruckt), oder vielleicht auf Englisch? Amy fing zu früh an, Brot zu werfen, das ist bei den Tölpeln natürlich verboten. Das war sehr schlecht. Später warf weiter vorne nochmal jemand Brot und der Tourleiter schimpfte sogleich auf Deutsch - also kann er es auch! Nur, dieser Junge war Franzose, was dann zu Gelächter führte. Wir sahen heute wesentlich weniger als letztes Mal, obgleich diesmal Licht und Kamera besser waren. Trotzdem sind viele meiner Bilder unscharf, so gut ist der Autofocus doch nicht! Die schnell fliegenden Tölpel und der relativ ungünstige Standort auf dem Boot. Leider sah ich diesmal auch keine Basstölpel im Wasser und konnte nur Flugaufnahmen machen. Papageitaucher und Robben sahen wir gar keine, auch keine Tordalken. Und nur 4-5 Kormorane. Trotzdem war es wieder schön diesen Vogeltrubel zu sehen! Faszinierend! (Als ich so im Boot saß, dachte ich darüber nach, ob die Norweger sich dessen bewußt sind, was sie noch an Wildlife haben?!) Hier soll es so etwa 100 brütende Papageitaucher geben! Und man sieht überall Postkarten mit den Vögeln! Poster, Tassen, Tischunterlagen... Im Norwegen brüten an einem Felsen teilweise 100000 Tiere! Nur mal so als Vergleich!

Vogelfelsen und Tölpel im Anflug

ein Basstölpel im Flug

frontal

dieser schüttelt im Flug das Wasser aus den Federn!

Kormorane, einer landet gerade, die taten sich nichts, auch, wenn es so aussieht

auf dem Boot

der Leuchtturm auf der Insel

nochmal ein "Übersichtsbild" - wer hinter diesen Fenstern wohnt hat sicher seine Ruhe und einen tollen Meerblick

der Leuchtturm vom Meer aus
Draußen auf dem Meer war es recht kühl, vor allem, wenn man vorher naß gespritzt wurde! Trotz der schlechten Bedingungen blieben bis auf 1-2 Ausnahmen alle Leute im Freien sitzen. Die Innenkabine eignet sich nicht so gut zur Vogelbeobachtung, denn die Scheiben werden dauernd bespritzt und man sieht nicht so viel. Vor allem nicht nach oben. Heute konnten wir, weil Ebbe war, auch in den Hafen von Ploumanac'h fahren, so sahen wir das Schloß von Hallerforden, da wollte Amy gerne drin wohnen. Die hat Geschmack:-)
Wieder festen Boden unter Füßen, über was vor allem Esra sich freute, weil es ihm heute schlecht geworden war, genossen wir den Strand. Wir holten das Mittagessen nach und zwar im Sand, denn die Sonne schien, das Meer war blau und die Kinder wollten rennen nach 2 Stunden auf dem Boot. Das tat gut, mal die Sonne zu spüren. Noah wurde heftig naß und sandig, ihm stand der Schalk im Gesicht.

Noah beim beliebten Tangspiel

Amy hilft mit:-)
Da die Sonne so schön schien und die Wolken über den Himmel zogen, dachte ich, wir könnten auch Langzeitaufnahmen machen, am Leuchtturm, den wir schon viel zu oft abgelichtet haben. Nun, da gibt es auch schöne Felsen und Strukturen. Den Platz zum Halten fanden wir schnell, nur war die Sonne weg, als wir ankamen. Wir riefen nochmal Andrea und Thomas an, die hatte ich am Morgen schon versucht. (Die Beiden haben wir letztes Jahr in Camaret kennengelernt). Diesmal klappte es, aber das Handy streikte, der Akku war leer. So kauften wir eine Telefonkarte und suchten eine Telefonzelle, um das Gespräch zu Ende zu führen. Wir besprachen, wann wir uns wo, wie treffen können, aber erst mal grob und gingen dann an die Felsenküste. Ich hatte mittlerweile große Probleme mit dem Laufen, das Bein schmerzt doch noch sehr, ich kann aber auch nicht ruhig da sitzen und nichts machen. Leider vertrat sich mich trotz großer Vorsicht zweimal. Danach trieb mir der Schmerz Tränen in die Augen, nein, ich hatte KEINE Klettertouren veranstaltet. Die Kinder waren beleidigt, weil ich nicht wollte, daß sie die höchsten Felsen hochkletterten, mir war das zu gefährlich. Irgendwann fanden sie aber eine Ecke zum Spielen und wir machten Aufnahmen, bis beide Leuchttürme zu Leuchten begannen.

unser erstes Familienbild mit Leuchtturm, dem Selbstauslöser sei Dank:-)
Mir war aufgefallen, daß wir gar kein Familienbild haben. Das Magazin "Tours de France" veröffentlichete ein Familienportrait über unsere Bretagnereise im April 03 und ich hatte kein einziges Familienbild! Es ging auch so, der Bericht ist schön geworden. Das Heft kann man anfordern unter: www.franceguide.com

Gunter und Kinder und Phare als Langzeit, die haben gut stillgehalten, gell?

Abendlicht

mächtige Felsen überall - leider konnte ich nicht weit vom Weg ab, daher mal etwas andere Bilder.

blaue Stunden, wie unterschiedlich doch die Farben wirken!
Diesmal nutzten wir erstmals nicht den Stellplatz bei den Fröschen (siehe Berichte weiter vorn), sondern blieben in der Stadt. Ich konnte kaum noch fahren, die Kinder wollten einen Film schauen und wir hatte noch nichts gegessen. So taten wir erst das Letztere, dann das Erstere:-)
Jetzt schlafen wieder alle außer mir und ich klettere nun auch müde in mein Bett.