11. April, Die Anfahrt

Eigentlich muß ich es gar nicht mehr schreiben - es ist hektisch bei uns, 2 Wochen vor einer Reise. Man denkt, jetzt kann nichts schief gehen, wir wissen es ja, daß man viel vorbereiten muß und trotzdem kommt immer von irgendwoher Ärger, den wir nicht einschätzen können.

Wir hatten uns fest vorgenommen, Französisch zu lernen. Das klappte nicht, denn wir machten uns Monate lang Kummer und Gedanken, weil wir nicht wissen, warum unser mittlerer Sohn so klein, zierlich und zudem recht schwach ist. Selbst die Diagnoseklinik konnte kein Licht an den Tag bringen. Wir wissen jedoch, was es nicht ist und das ist sehr beruhigend.

Mit unserem Wohnmobil haben wir bisher nur böse Überraschungen gehabt und dabei soll es wohl auch bleiben. Warum nur, bereitet es uns vor jeder Reise so eine sinnlose Rennerei. Wir fuhren zum TÜV, hatten auch keine Bedenken, diese Plakette nicht zu bekommen, waren wir doch nach der Nrowegenreise in der Werkstatt. Die hatte uns versichert, daß nun endlich alles OK ist - auch die Bremsscheiben, nach denen wir extra gefragt hatten. Nun, dem TÜV Menschen gefielen die Dinger nicht, ich als Laie konnte es selbst sehen (war neugierigerweise mit in der Grube:-)). Die bremsten höchstens auf einem Drittel der Fläche:-( Wenn ich mir vorstelle, daß wir damit in Norwegen rumgefahren sind, bergauf und vor allem bergab, durch steile Tunnels! Ansonsten gab es gewaltigen Ärger mit der Anhängerkupplung, die, wie sich herausstellte, von der Zulassungsstelle vergessen wurde in den KFZ Schein einzutragen. Und mit der Luftfederung, zu der wir keinerlei Anleitung oder Unterlagen in irgendeinem Sinne hatten. hmm, Schulterzucken unsererseits. So ärgerlich! Wir riefen beim Händler an, der Herr war in einer Besprechung. Unser Womo, oder wahrscheinlich auch wir, sind mittlerweile so unbeliebt, daß die Leute dort jedesmal, wenn wir anrufen in einer wichtigen Besprechung sind! Ja, Händler sind nur nett, solange das Geld noch in der Kundentasche steckt - danach wirds anstrengend:-( Und da wir viel zu friedliebende Menschen sind, müssen wir viel einstecken, bevor wir mal bestimmend werden. Nun, es ist herausgekommen, nach einem halben Jahr der Fragerei, daß unser Womo einen Unfall hatte. Davon steht nichts im Vertrag! Hinzu kommt, daß der Schaden anscheinend nicht zu beheben ist, es zieht so stark nach rechts, daß man den Lenker nicht mal für 2 Sekunden loslassen kann. Es ist anstrengend und macht einem bei der Fahrt große Gedanken - man weiss ja nicht, was sonst noch ist! Wir gaben nach dem TÜV, der keine Idee hatte, warum es so zieht, denn die Lenkung sähe gut aus, einer weiteren Werkstatt die Möglichkeit, den Fehler aufzuspüren. Die riefen dann auch abends an und sagten, es gäbe gute Nachrichten, das Fahrzeug zieht nun nicht mehr. Ha, schön wär's! Es zieht munter weiter nach rechts, uns kann man's eben nicht recht machen:-)

Nun gut - zurück zur Reise. Also, der Stress, den man vor einer Reise hat, lohnt sich meiner Meinung nach für zwei Wochen gar nicht. Ich werde also einen Weg suchen, mal wieder länger unterwegs zu sein:-) Wir wußten nicht, daß man für den TÜV einen Termin braucht, aber wir dachten, Ende März reicht's ja. Daß wir so viele Dinge erledigen müßten, wußten wir natürlich vorher nicht. In der Werkstatt muß man nämlich auch Termine machen - und den bekamen wir erst am ersten Ferientag, da wollten wir doch schon unterwegs sein! Das Gutachten für die Luftfederung bekamen wir nach einigen Telefonaten dann per email, doch wir hatten uns zu früh gefreut - wir brauchten eine amtlich bestätigtes Gutachten, was wir natürlich nicht hatten. Also noch mehr Telefonate. Schießlich hatten wir auch die Anleitung und Einbauanleitung per Fax bekommen und ich fuhr zur KFZ-zulassungsstelle, um die Anhängerkupplung nachtragen zu lassen und gleich danach zum TÜV, um zu fragen, ob unsere Unterlagen denn genügen. Der netter Herr meinte nur, wir müßten die Luftfederung schnellstmöchlich auch eintragen lassen - und ich hatte vorher überall bestätigt bekommen, daß wir das nicht müssen:-( Also, Alles unklar! Keiner weiß Bescheid! Eigentlich hätte ich meine Zeit auch so gut herumbekommen. Es standen viele Fotos, Webpages und Projekte an. Wie immer, wenn Leute merken, wir wollen weg! Eigentlich ist eine Reise gut für die Auftragslage:-) Wir sollten uns öfters absetzen:-)

Letztendlich klappte fast alles, die Werkstatt erledigte den TÜV gleich mit, was uns eine weitere Fahrt sparte, wir bekamen das Womo aber erst um 17:00Uhr am Donnerstag und fuhren dann an diesem Tag nicht mehr, was wir ursprünglich vor gehabt hatten. Irgendwie kam mir der Gedanke, daß es keine gute Idee ist, die Reise so hektisch zu beginnen, den verlorenen Tagen trauerten wir trotzdem nach. Auf der Heimfahrt zog unser Womo tatsächlich mal nicht ganz so stark nach rechts, aber das gab sich gleich wieder! Die Werkstatt dachte den Fehler in der nicht eingestellten Spur gefunden zu haben - das wäre ja schön gewesen!

Ich schlief am Freitag lange aus, stieg erst nach 9:00Uhr aus den Federn, wenn schon blöd gelaufen, warum sollen wir uns dann hetzen? Gegen 12:30 Uhr hatten wir alles soweit fertig - das Telefon klingelte. Heike hatte Probleme mit einer CD und da war so viel Arbeit drin. Es ging um die Festschrift des TTC. OK, nochmal das Notebook aus dem Womo holen und CD's brennen, den Computer einstöpseln und zur Sicherheit die Daten draufziehen. Mensch, das dauerte, die Kids saßen schon seit einer Stunde im Wohnmobil und wollten endlich weg. Trotzdem, war das vielleicht der Grund, warum wir so apät fahren mußten? Die Festschrift wäre, wenn Alles nach Plan gelaufen wäre, nicht rechtszeitig in der Druckerei gelandet!

OK, um 14:00 Uhr packten wir es endlich - wir hatten uns bei der Schwiegermutter noch die Mägen mit Pellkartoffeln vollgeschlagen. Der Diesel brummt - es riecht nach Freiheit, auf geht's!

Mit einigen Unterbrechungen fuhren wir bis ca. 22:00Uhr, diesmal fuhr auch Gunter, ich war irgendwie ziemlich fertig und hatte Kreuzweh bekommen. Auf der Autobahn etwa 40 Minuten vor Aminens übernachteten wir. Es wurde uns ziemlich kühl, die Nacht brachte keine Erholung, ich schlafe schlecht auf Raststätten, die Heizung sprang nicht an, Gegen 6:00 Uhr morgens war es uns so kalt, daß Gunter nach dem Problem forschte. Später versuchte auch ich zu helfen, es waren höchstens 4 ° im Womo. brrrrrr.

abendessen

Das Abendessen unterwegs - wer hat wohl den größten Hunger?

karten lesen

Karten lese ich sehr ungern!

peage

da kann auch Gunter mal das Portemonaie zücken - Straßengebühren (etwas über 40 Euro insgesamt)

auf der Autobahn

auf der Autobahn

12. April, Le Treport nach Honfleur

Es stellte sich heraus, daß die Pumpe funktionierte, das Wasser warm war, das Wasser des Heizkreislaufs jedoch nicht. Ich dachte ans Entlüften, die Bedienungsanleitung mit den Problemlösungen hatten wir durch und nur das war übrig geblieben - und siehe da, nach einer Weile sprang die Heizung tatsächlich an. Was ein Glück!

Am frühen Mittag erreichten wir Le Treport, welches uns beim letzten Mal so gut gefallen hatte. Ich besorgte in einem großen Supermarkt frischen Fisch, zum Mittagessen, Tee und Brot. Sobald man die französischen Supermärkte sieht bekommt man Lust auf Weissbrot:-) Wir stellten unser Womo am Aussichtspunkt weit über dem Meer ab und beobachteten die Möwen, nach einer Weile lagen jedoch meine Nerven blank, denn Amy ging mir zu dicht an die Steilklippen und die Jungs rauften, was ich in der Höhe nicht als Gut befand. Also schickte ich die Kids zu Gunter ins Mobil. Der brutzelte dort das Mittagessen. Ich machte noch ein paar Aufnahmen von Möwen, wobei ich mein neues Bauchwehobjektiv - ich hatte heftig Bauchweh nach dem Kauf, weil das Konto nun geplündert war - einsetzte. Es stellte sich heraus, daß das Ding nicht nur zu Bauchweh führt, nein, mir taten auch die Handgelenke weh, denn das Gerät ist schwer und wenn man es in der Beckentasche trägt, bekommt man Kreuzweh - oh weh! Warum kauft man so was denn? Ach, es macht ganz gute Bilder, wenn man mal geübt hat und dann damit klar kommt! Hier nun ein paar Aufnahmen mit dem 100-400mm Canon Objektiv:

Steilküste

Im Flug, im Hintergrund, die wunderschöne helle Steilküste

Möwe

Das war schon viel einfacher, die hielt lange still - nur Amy nicht!

Möwen

Da würde ich mich nicht hinsetzen:-)

Das Essen war super, nur eine Schüssel für den Salat hatten wir vergessen. Mit ein wenig Erfindergeist kommt man trotzallem zum Ziel. Der Fisch war razeputz weg, das Erleichtert das Spülen ungemein. Ich testete noch das 50 mm und machte ein Panorama vom diesmal sehr diesigen Le Treport. Schade, diese Lichtsstimmung war nicht fotogen. Wir hielten auf dem sehr vollen Stellplatz von Dieppe an und verschnauften ein wenig. Mit den Jungs schaute ich den Hafen an, aber Amy war wach geworden und rief schon nach mir. Kurz hinter Dieppe, in einem sehr kleinen Dörfchen gingen wir an den Strand, wie üblich in diesem Teil der Normandie mit Steilküste. Und tatsächlich lugte die Sonne für wenige Momente aus den Wolken hervor, wunderbares weiches Licht erhellte die hellen Kreidesteilküste. Wieder übte ich mich in Panoramen. Aber das rächt sich abends - diese Arbeit. Und das Programm, daß mir Herr Rehm vom Oehling empfohlen hatte, ist zu Hause auf dem Rechner. So neugierig, wie ich es bin, mußte ich abends natürlich pfriemeln.

Le Treport

mit dem langen Tele von oben herab "verdichtet" - so sieht man die typischen Kreidefelsen und die typischen Häuser auf einen Blick, ein Panorama aus 2 übereinandergelegten Querformatbildern

Küste

mein erste Panorama, die wunderschöne Felsküste mit den "Sonnenflecken"

Die Kinder wurden währenddessen naß und glücklich - diese normanischen Kieselstrände sind ideal für Kids:-) Steine werfen ohne Ende! Es muß nicht immer feiner Sand sein.

Bunker

gleich noch ein Panorama - überall präsent: die Relikte des II. WK's

Esra und Noah machten erste Napfschneckenfunde!

Steine werfen

Noah's LIeblingsbeschäftigung - hier in Yport

Wir fuhren nach Yport, denn das Dörfchen hat einen Stell-/Parkplatz für Wohnmobile und ist im Gegensatz zu Etretat einsamer. Wir parkten also hinter der Kirche und liefen zum Strand. Auch hier Kieselsteine vom Feinsten - bunt gemustert und gestreift. UND ideal zum Werfen. Ich versuchte Möwen und Fischer abzulichten, Gunter machte Langzeitaufnahmen. Später machte auch ich mal Langzeits. Hier gibt's zwei zu sehen.

yport

30 Sekunden belichtet - diesmal mit 1000 fach Graufilter (der am Tag der Abreise per Post kam)

yport

und noch die andere Richtung

Möwen

ein Flugphoto aufgenommen in Yport - ich gewöhne mich an das Objektiv!

enge gassen

enge Gassen für starke Nerven - aber wenn man sich dran gewöhnt hat ist Alles kein Problem!

Wir hatten schon eine Weile am Strand verbracht, den Fischern zugesehen, Photos gemacht, Steine geworfen, in Hundekacke getreten, da wurde es von oben herab ziemlich naß. Gunter wollte den zwei Kleinen noch die Füße im Wasser sauber machen, denn die waren in die Kackerlies getreten, da passierte das kleine Unglück. Ich mußte mit den Beiden ans Wasser und es kamen gar keine Wellen. Also standen wir so an der steilen Wassergrenze und schwubs - da war sie - die große Welle. Wie heißt es doch so schön? Jede 12 Welle ist 'ne Große. Nun waren die Stiefel auch innen ganz sauber. Nur die Kacke hing unten noch dran. Das Ärgerliche ist: meine besten Laufschuhe wurden unfreiwilig auch gespült und zwar komplett:-( Nun, es regnete immer stärker, die Füße quatschten eh bei jedem Schritt, da kam's nicht mehr so drauf an! Bis wir das Womo erreichten waren wir allesamt patschnaß, die Kamerataschen trieften, die Objektive, die ich in der Weste hatte, brauchten dringend die Aufmerksamkeit eines trockenen, weichen, fusselfreien Lappens. Auch die Stiefel der Kids sehnten sich nach trockenen Tüchern und wir mußte 5 Reichert'sche Köpfe trockenrubbeln.

Fischer

die gefangenen Fische werden direkt vor Ort verarbeitet

Das Wohnmobil, welches vorher mit uns hier geparkt hatte, war weitergezogen - also zog es mich auch weg. So ganz allein stehe ich nicht gerne. Das Licht war nach dem Regen mehr als fotogen, die Felsenformation bei Etretat lag sehr nahe, also lag es nahe, dorthin zu fahren. Doch schon im Oktober hatten wir Bekanntschaft mit diesen doch sehr außergewöhnlichen Gassen in dieser Gegend gemacht. Man kommt nicht dahin, wo man hin will! Und es dauert viel länger als man denkt. Etwa 45 Minuten später waren wir also unverrichteter Dinge wieder in Yport - aber es war eine schöne Fahrt, die die Kinder mal wieder Harry Potter hörend genossen. (für Amy machen wir zwischendrin Kinderlieder von Detlev Jöcker an - Mensch ist sie begeistert). Also beschlossen wir, den Regenbogen und die grünen Wiesen auf dem Weg nach Honfleur weiter zu geniessen. Aber auch diese Fahrt zog sich dahin - irgendwann war von Genuß keine Rede mehr, aber man wird nicht gefragt, gell? Da muß man dann durch. Erst kurz vor 22:00 Uhr kamen wir auf dem Stellplatz dort an, bezahlten unsere Gebühr von 7 Euro und versuchten, die ausgeruhten Kinder ins Bett zu bekommen. Das klappte natürlich nicht - unsere nächtliche Unterhaltung war gesichert. Ich beschäftigte mich dan bis 1:00 Uhr mit dem Notebook - sonst könnte hier jetzt Keiner was lesen:-)

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