15. April 2003, von Kerouziel nach Trèbeurden

Gut geschlafen hatte ich nicht - ich war, wie auch Esra und Amy, ziemlich erkältet. Meine Nase war die ganze Nacht verstopft und ich hatte Alpträume. Zudem war die Nacht viel zu kurz gewesen, denn ich war bis 1:30 Uhr mit Bildern und Schreiben beschäftigt und brannte dann noch die cd!

Morgens rannten die Kids an den Strand, um das abendliche Werk zu vollenden und siehe da - Ebbe! Es war weit, von den Steinen zum Wasser:-) Amy war die Schlaueste - sie nahm sogleich Steine mit. Die Jungs warfen auch so Steine, ohne Wasser:-) Mit der ohne Unterlaß plappernden Amy lief ich am Wasser entlang und photographierte Wattwurmkacker und gelegentliche Muscheln mit der Coolpix. Erst zu spät entdeckte ich die Felsen an der einen Seite der Bucht - dort fanden sich zahlreiche Muscheln und Tidepools. Zurück am Wohnmobil sahen wir, daß Gunter die Ruhe für seine ausgiebige Morgentoilette genutzt hatte. Er war frisch rasiert und fein gestriegelt. Wir hingegen eher das Gegenteil - Noah hatte wieder ganze Arbeit geleistet, nämlich erst ins Wasser, dann in den feinen Sand auf dem Spielplatz, zudem hatte er sich heftig den Kopf gestoßen und benötigte einen kalten Lappen zwecks Kühlung, was er lauthals kund tat.

sandalen

Ahhhh - das halbwegs gesäuberte Wohnmobil wartet nur auf Ihn:-)

Wir erledigten das Dumping und da Amy ganz begeistert kehrte, Noah in einen Clever und Smart vertieft war und Esra beim Dumping immer helfen will, entschloß ich mich, nochmal zu den Felsen zu laufen, denn es war nicht weit. Ich nahm jede Menge Muscheln und Anemonen auf. Genoß die frische, warme Luft und die Geräusche im Wattgebiet - es gluckert, knackt und kracht überall. Nicht laut, so dezent und die Wellen kommen und gehen, der nasse Sand quatscht unter den Füßen, es riecht so gut! Und es plappert mal keiner. Nur die Coolpix, die Muscheln und ich! Als ich zurückkam waren die Herren noch im Gange, dann frisch mit Wasser gefüllt und die Toilette mit voller Kapazität gings los.

Wir hatten sogar einen Plan: wollten zum Cosmopolis und zum gallischen Dorf und dann den Phare (Leuchtturm) bei Ploumanac`h nochmal im Abendlicht fotografieren. Aber, ich hatte die Idee, weil wir bisher keine Muscheln gefunden hatten und das muschelreichste Gebiet hinter uns gelassen hatten, nochmal in den Hafen von Bugueles einen Blick zu werfen. Hier hatte ich im Frühjahr 2002 viele wunderschöne, rosa und gelbe Jakobsmuscheln gefunden. Im Oktober gab es gar keine, aber, wie wir herausgefunden hatten, wird die Jakobsmuschelsaison im April beendet und sie beginnt im Oktober. Also müssen, wenn Muscheln da sein sollen - sie jetzt da sein! Und das waren sie auch, Hurra. Gunter hatte Hunger, ich zog mit den Kindern los, mit 2 Eimern bestückt. Weit laufen mußten wir ja nicht, nur aufsammeln. Amy fragte lauthals nach bei jeder Muschel und auch Noah überschlug sich vor Begeiterung. Was für ein Spaß. Die Eimer waren schnell gefüllt. Wir luden aus, und gingen nochmal los, mit drei Eimern:-) Und auch die füllten wir ohne Probleme. Wieder ein Höllenlärm der Begeisterung. Wieder zurück war das Essen fertig - es gab Hühnchen. Lecker. Mit Blick auf das weite Watt und die schräg liegenden Boote. Danach ging ich gefolgt von drei Kindern nochmal Wattwurmkacker photografieren. Dabei entdeckten wir weitere große Jakobsmuschelentsorgungsstätten. Wir könnten ja schnell, bevor die Flut die kostbaren Teile überdeckte, nochmal mit Eimern losziehen. Gesagt, getan. Diesmal nur mit Esra und Noah, weil die Flut schnell stieg und wir über große Felsen klettern mußten. Amy war ziemlich müde und entsprechen anhänglich - aber nur die Mama tut's. Wir sortierten dann alle zusammen in der Sonne, die war wunderbar angenehm warm, das Wasser kam immer weiter herein, stellte die Boote wieder auf, wir alle waren glücklich und satt. Hätte Gunter nicht immer mal wieder Hunger, ich würde das Essen völlig vergessen - alles ist so aufregend. Ich könnte den ganzen Tag im Watt rum watscheln, Photos machen und zufrieden auf das Wasser schauen. Mit Sicherheit würde ich das Essen vergessen und erst merken, daß der Hunger da war, wenn es zu spät wäre. In diesem moment habe ich beschlossen, zukünftig nicht mehr über Gunters Feinkostgewölbe zu meckern. Das gehört wohl so:-) (bin mal gespannt, ob er das irgendwann liest:-)

Jakobsmuscheln

beim Sammeln der Jakobsmuscheln - nur ein Schnappschuß, ich mußte auch sogleich sammeln!

Scallop

eines der schönen Stücke

im Watt

im Watt

Also zogen wir wieder weiter - 7 Eimer voller Muscheln im Kofferraum! (Nein, so viele Eimer haben wir nicht. Wir mußten in Kisten umräumen). In Treguier photographierten wir die alten Häuser und ich fragte nach einer Gezeitentabelle. Im Touristenbüro sagte man mir, die gäbe es nur im Sommer, ansonsten muß man sie im Buchladen kaufen. Aha! Im Oktober hatte ich wohl Überbleibsel bekommen. Ich fühle mich mit einer solchen Tabelle wesentlich wohler, denn die Flut ist gefährlich. Vom Wasser abgeschnitten zu werden möchte ich mit drei Kindern nicht riskieren. Wir kauften Brot, endlich hatten die Geschäfte wieder geöffnet - in der Mittagspause von 12:00 - 14:15 Uhr geht gar nichts hier. Und ich fand die Gezeitentabelle an der Kasse.

Über kleine Sträßchen ging es weiter, immer wieder Traktoren vor uns, denn die Landwirtschaft ist hier allgegenwärtig. Schließlich erreichten wir Ploumanac`h. Es war zu spät für die Parks, die wir besuchen wollten, also versuchten wir einen Parkplatz zu finden, damit wir nochmal auf den Zöllnerspfad gehen konnten. Die Parkplatzsuche erwies sich als äußerst schwierig, es war voll, die Parkplätze zu eng. Wir stellten uns schließlich auf einen Busparkplatz. Eigentlich wollten wir den Leuchtturm im Abendlich aufnehmen, aber dafür war es noch zu früh. Draußen am Meer war es kühl, die Kinder waren wild und wollten auf den Felsen klettern. Ich fand das jedoch zu gefährlich, denn es ging teilweise sehr weit nach unten und die Felsen waren sehr rauh und verziehen keinen Fehler. Amy rutschte nur einen halben Meter ab und schürfte sich beide Hände blutig. Ich hatte meine Mühe, die Drei zu bremsen. Gunter fand es gut, daß die Sippe loslegen wollte - ich war dagegen, die Kinder merkten unsere Uneinigkeit und nutzten es aus. Und ich hatten heftigen Schnupfen, nießte an einem Stück, mir tropfte die Nase in den Wind (iehhh) und ich wollte mal richtig konzentriert photographieren. Zur Zeit denke ich nur in Panoramen. Seltsam. Wenn man digital photographiert mancht man das eher. Na, ja ich sehne mich schon so lange nach einer Panoramakamera - man kann nicht alles haben. Und mit den wilden dreien ist es ja auch nicht unbedingt leicht, sich auf mehrere Kamera's zu konzentrieren. Zumindest nicht für mich. Ein paar Aufnahmen machten wir - mit den Langzeitaufnahmen komme ich sehr gut zurecht, die werden alle scharf, wenn ich bestimmte Dinge beachte, der Fernauslöser, denn wir extra am letzten Tag zuhause noch in Bad Kreuznach besorgt hatten, leistete sehr große Dienste. Mir gelangen sogar Langzeitpanoramen:-) Hier zu sehen:

Phare

zusammengesetzt aus drei Langzeitaufnahmen von 44 Sekunden, der Phare de Meen Ruz und das Eiffelhaus

Phare

und noch eins, etwas weitwinkliger, aus zwei Bildern zusammengesetzt

kids

unsere Kids an der gleichen Stelle wie letztes Jahr

Park

Der Eingang zum Leuchtturm und Eifel Haus

Phare

der Leuchtturm aus der Nähe

detail

ein Drache am Haus nebenan

Auf dem Rückweg zum Womo gab es am Souvenirladen das obligatorische Plüschtier, auf jeder Reise gibt es etwas Landestypisches - einen Papgeitaucher, von dem Noah sehr begeistert war, aber auch Amy Ansprüche stellte. Beide taten das lauthals kund - immer was los bei den chaotischen Reichert's.

Wir wühlten uns aus dem Verkehr, und suchten den nahen Stellplatz, auf dem wir auch im Oktober standen. Der kleine Stellplatz war wie schon erwartet voll, aber ein kleines Stück weiter standen drei Franzosen und wir gesellten uns dazu. Leider recht nah an der Straße. Aber an einem Schild, welches erklärt, daß wir an einem Naturschutzgebiet stehen. Zigtausende Frösche quaken hier durch die Nacht, es gibt viele Vögel und Insekten. Wunderbar! Würde ich jetzt nicht so lange schreiben, käme ich morgen auch raus, um noch ein paar Vögel aufzunehen, oder Frösche. Vielleicht klappt es ja, trotz meiner triefenden Nase?

Gunter scheint auch eine Erkältung auszubrüten, außer Noah schniefen wir alle. Daher gingen wir allein zum Meer, um Steine zu werfen - nein, es wird ihnen nicht langweilig - und zu photographieren - nein, es wird auch mir nicht langweilig:-) Ich nahm mein Tele mit und lichtete die nicht so kugelrunde Sonne beim Untergehen ab und machte noch Makros von Muscheln, wobei es mich ärgerte, daß die Kamera nicht fokusierte. War wohl müde? Die Kamera!

Sonne
die untergehende Sonne
Amy wirft Steine
und Amy ist immer noch munter - Steine werfen ist viel zu interessant

Mond

Die Sonne geht unter, der Mond geht auf!

Und ich bin's nun auch - kann hoffentlich mit der verstopften Nase schlafen, denn ich habe mich so auf diese Reise gefreut, möchte jetzt nicht krank sein, es gibt so viel zu sehen und photographieren!

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