2. Oktober, von Honfleur nach Grandcamp Maisy
Ich brannte die cd's doch noch nach dem Schreiben des Berichtes, damit fühlte ich mich wohler. Es regnete die ganze Nacht über immer wieder. Ich wachte davon auf, habe wohl im Wohnmobil einen leichteren Schlaf. Am morgen was es sehr diesig, der Regen hatte aufggehört, es sah aus, als gäbe es einen sehr trüben Tag. Ich fotografierte den Stellplatz und dann fuhren wir los. Im Dorf ärgerte ich mich, daß wir nicht zuerst dorthin gelaufen waren, Fotomotive hätte es an jeder Ecke gegeben. Das dachten auch einige Künstler, die an den verschiedenen Stellen malten. Außerdem hätten wir in dieser Künstlerstadt Küstlerbedarf anschauen und für unsere drei Künstler kaufen können. Gunter meinte, es kämen noch ein paar so schöne Städchen und so fuhren wir weiter. Es kamen aber keine *so* schönen Dörfchen mehr, Trouville und Deauville waren auch nett, aber eine Nummer zu groß für uns. Auf diese städtischen Strände wollte ich nicht, und ins Getummel wollten die Kinder auf keinen Fall!! Also zogen wir weiter und kamen immer wieder durch enge Gassen. Nur hie und da warfen wir einen kurzen Blick auf die Strände, fuhren jedoch weiter.
In Merville gingen wir schließlich um die frühe Mittagszeit alle an den Strand. Ich besorgte eine Gezeitentabelle und stellte erleichtert fest, daß die Ebbe gerade Einzug , oder besser das Meer gerade Auszug hielt. Ideal für Muscheln. Und dieser Strand in Merville war bestens geeignet. Als ich von der Touristeninformation kam, freute sich sogar Gunter über die Muschelvielfalt. Das will was heißen! Die Kinder waren völlig aus dem Häuschen. Da es recht warm war, befanden wir es besser, die Kinder ohne Stiefel laufen zu lassen, es nutzt eh nichts, wenn das Wasser oben hineinläuft. Die kleinen Eimer reichten nicht. Wir liefen also immer mal wieder über den weitläufigen Strand zurück zum Wohnmobil. Heute juckte also wieder der Muschelsammelfinger. Ich machte kaum Bilder und wenn nur mit der Coolpix. Ach, wie schön. Und so große Muscheln. Aber, ich hätte sie heute abend nochmal waschen und sortieren müssen:-( Wenn Amy mitsammelt, kann es passieren, daß noch was drin sitzt, außerdem sind die Dinger dann dreckig:-) Ha, nächstes Jahr wird unser Garten hübsch!

Noah und Amy, in der Tüte nur die von mir gewaschenen Muscheln.

Nach lange "Muschelbückodysee" erreichten wir schließlich das offene Meer und wuschen unsere Füße, um dann wieder durch den nassen Sand zurückzustapfen:-) die Füße und auch Hosen sahen danach nicht unbedingt besser aus.

hier mit "Muschelmama" und großer Beute
Die Sonne kam raus und brachte die Welt zum Leuchten. Wow - wunderschön die Farben. Die Luft so rein und frisch. Mein Kopf war klar! Hurrahhh! Noah fand eine kleine, besonders schöne Schnecke, auf die er ganz stolz ist. Wir schlugen sogleich in meinem Muschelbestimmungsbuch nach: es ist eine *unechte Wendeltreppe*. Das gefiel ihm besonders!
Nachdem wir alle fast am Wohnmobil angelangt waren, und Gunter mit Esra ganz zrück ging, lief ich mit den "restlichen" Kindern nochmal zum Meer um den Franzosen bei der Muschelernte (oder wie man das nennt) zuzusehen. Die Leute sind alle sehr nett hier, das hatten wir beim letzten Mal ja schon festgestellt. Ich habe nun auch keine Hemmungen mehr, ohne Sprachkenntnisse auf die Leute zuzugehen und es macht einfach viel Spaß!
Zum Mittagessen gab es Beanburritos, welche die Kinder nicht mögen. Nein, nur Esra mag sie nicht. Dann fuhren wir weiter und hielten uns diesmal ziemlich nahe an der Küste, was immer wieder schöne Ausblicke brachte. Während Amy den Schlaf der Erschöpften schlief, besorgte Gunter unser täglich frisches Weisbrot und ich verrsuchte mit meiner Mutter zu telefonieren. Das Handy wollte aber nicht und meckerte über einen leeren Akku, dabei hatten wir gestern aufgeladen? Je weiter wir kamen, desto mehr Kriegsdenkmäler gab es zu sehen. Wir besuchten ein Museum am Omaha Beach und ich muß sagen, daß ich mir als "Deutsche" ziemlich komisch vorkam. Warum gab es die Beschreibungen nur auf Englisch und Französisch? Glauben die, daß keine Deutschen kommen würden. Klar habe ich auch ein "schlechtes Gewissen", wenn ich davon sprechen kann, denn meine Mutter war zu dieser Zeit noch nicht mal auf der Welt. Die Kinder stellten unzählige Fragen. Amy war entsetzt und konnte es nicht fassen, daß Menschen, die sich gar nicht kennen gegenseitig umbringen! "Warum denn, Mama?" Wir hatten überlegt, ob sie für diese Art der Reiseinformation noch zu jung waren und hatten uns dann doch für das Museum entschieden. Außerdem stehen hier überall an den Strandpromenaden und in den Dörfen Panzer, Kanonen, Denkmäler. Hier kann Keiner der Geschichte entrinnen. Ich konnte dann nach dem Besuch des Museums auch keine Strände mit Englischen Namen mehr genießen und war zutiefst betrübt.

Unser Wohnmobil in "schlechter" Gesellschaft

Im Museum, welches für unsere Familie 10 Euro gekostet hatte

Eine Strandszene
Damit hatten wir nicht genug, wir machten auch am Pointe du Hoc Halt und sahen die Krater, die durch Bomben entstanden waren. Auch hier wieder viele Fragen von Seiten der Kinder. Wir fotografierten eine Weile.

Ein grausiger Ort. Hier versuchte ich erstmals, die Leute, die auf dem Gelände herumliefen mit Hilfe des Graufilters zu eliminieren. Es würde richtig gut klappen, wenn ich das 10000fach Filter einsetzen würde.

Ein Panorama aus 10 Bildern (habe eine extra große Überlappung gewählt), der Eingang zum Denkmal
Die Kinder verzehrten nach dem Ausflug unzählige Äpfel, Gunter fotografierte etwas länger, so hatten wir genügend Zeit. Dann fuhren wir nach Grandcamp Maisy, wo wir schon im Frühjahr übernachtet hatten. Eine Vielzahl von Wohmobilen stand schon am Hafen mit Sicht aufs offene Meer und wir gesellten uns dazu. Auf einem Schild stand übrigens "Camping", dort, wo die Wohnmobile standen, stand dann ein Schild Parkverbot für Wohnmobile und Anhhänger?? Ob sich hier der Gemeinderat nicht einig ist und jeder sein Schild hinstellt? Vielleicht haben wir auch was falsch gedeutet. Abends, gegen 12:00 Uhr kam jedenfalls eine Gendarmerie vorbei, die jedoch auch wieder wegfuhr. Was mir diesmal sehr negativ auffällt: Dauernd fahren Autos oder laut dröhnende Motorräder um die Wohnmobile herum und das anscheinend völlig ohne Grund. Wenden könnte man auch auf dem Platz vor den Mobilen und die Fahrzeuge halten nicht im Hafen um etwas zu erledigen, sondern fahren nur herum. Seltsam, oder?
Bevor wir uns jedoch zum Abendessen zurückzogen, zogen wir los, um die Fotofinger zu beruhigen. Gunter war nicht angetan. Er hatte im Grunde recht, denn das Licht war eigentlich langweilig, aber was soll man machen, wenn man nur die paar Tage hat. Warten kommt nicht in Frage, also: Experimentieren. Das macht natürlich besonders Digital Spaß!!

eine Langzeit am Abend