24.7. Ein stürmischer, nasser Tag an Südschwedens Westküste

In der Nachts stürmte und schüttete es. Die Leute in den Zelten taten mir Leid, wir hatten es ja sehr gemütlich. Gegen morgen wurde es kühl, da schaltete ich lässig die Heizung an, und schlief noch ein Stündchen. Die Kinder haben weiterhin einen Wahnsinnshunger. Wie weit wir so mit den Vorräten kommen ist ungewiss. Zukünftig werden wir wohl unsere Anhängerkupplung nutzen müssen und einen Vorräteanhänger hinterherziehen:-) Wir dehnten das Frühstück genüßlich aus, denn das Mittagessen wurde somit zum kleinen Imbiß herabgestuft.

Alkoven

Die Drei hatten viel Spaß im Alkoven, hier demonstriert Esra, wie man dünner werden kann, ohne weniger zu essen. Es spart auch Platz im Alkoven:-)

Ursprümglich wollten wir nur kurz fahren um dann Strände zu genießen. Es gab da eine Landzunge, Mölle, die auf der Karte interessant aussah. Ganz spitz und so einsam - auf der Karte meine ich! In Wirklichkeit reihte sich ein Dorf ans nächste, plötzlich wurde die Straße immer enger - zu eng für uns und den Gegenverkehr. Und dann stand da ein Schlagbaum, man soll 30 Kronen bezahlen. Es handelte sich um ein Naturschutzgebiet mit über 200 m hohen Felsen. Wir hatten jedoch die Steilklippen in Frankreich als zu stressig für Eltern mit kleinen wuseligen Kindern in Erinnerung und wollten dafür dann doch keinen Eintritt zahlen. Der Herr sprach Englisch, aber recht wenig, als er erfuhr, daß ich nur wenden wollte. Zurück in den engen Gassen, fanden wir schließlich einen Platz für unseren Kasten und liefen zum Strand - der eigentlich keiner war. Hier wächst das Gras bis zum Wasser. Ich habe sowas bisher nicht gesehen und bin verwundert! Ich brauche doch mal ein ordentliches Meereskundebuch! Fragen über Fragen, sobald die Landratte Gabi mit Meer zusammentrift. Ich habe anscheinend Meereswasser in meinen Adern, oder warum fühle ich mich am Meer und im Sturm so wohl??? Warum würde man sich sonst 10 Stunden deutsche Autobahnen antun? Die Boote im Hafen und die kleinen Buden, bei denen wir noch nichts kauften, strahlten jedoch so viel Meerstimmung aus, daß wir uns wohlfühlten. Ach, der Geruch von Fisch und Meerwasser. Ok, ich höre ja schon auf:-)

Moelle

ein schwieriges Panorama, denn die Boote wackelten im Strum, was beim Zusammenfügen größere Probleme brachte

Steine

Solche Bilder kennt ihr schon von USA, Kanada, Neuseeland, der Südsee und Frankreich! Ja, es macht immer noch Spaß, Steine ins Wasser zu werfen! Wer kann das erklären?? Welche Kinder mögen das nicht? Bei den großen, heftigen Platschern muß Papa oder Mama ran. Und auch uns machts Spaß!

Wir fuhren weiter in Richtung - na ihr wisst schon - Norden! Wir mögen es etwas einsamer! Noch sind es uns viel zu viele Leute und das Meer könnte etwas "offener" sein. Vielleicht wird es "oben" blauer?? Das müssen wir nachschauen. Wir suchten auf der Karte eine weitere Stelle - Tyloesand, die einsam aussah, aber genau das Gegenteil war! Nämlich Touristengebiet in der Hochsaison. Ich möchte gar nicht wissen, wie es hier aussieht, wenn das Wetter gut ist. Selbst bei diesem heftigen Sturm (für Landratten jedenfalls heftig, vielleicht ist das ja für Meerratten nur eine leichte Brise) waren Leute baden. Ich fror mit dem Rolli und dem Fleece. Jedenfalls roch es hier noch "meeriger", es gab viel Seetang, hunderte von Quallen, und an einigen Stellen Unmengen von Muscheln. Kleine zwar, aber immerhin! Amy befand den Sturm zu heftig - sie wollte heim ins Wohnmobil. Noah paßte nicht auf und sackte im weichen, durchweichten Gras ein, samt Hose und Sandale. Esra fiel und landete mit einem Ärmel in einem Wasserloch. Ich stand beim ersten "richtigen" Foto (Dia) in Schafkacke! Wow, was für eine Familie! An ein paar Stellen wuchs auch hier das Gras bis ins Meer - diesmal habe ich ein Foto gemacht!

Gras

So sieht es aus und ist recht tückisch, denn es gibt viele sehr tiefe, verdeckte Löcher mit abgestandener, brauner Brühe in welche die Kinder reinplumpsen können und unsere taten es auch.

Muscheln

Ach, Muschlen! Mein Herz schlägt höher:-)

Noah im Wind

Noah im Wind - diesmal nicht so stark, wie in Glückburg, dort wäre er fast weggeflogen

Qualle

Eine der vielen Quallen, denen Esra den Namen Glasquallen gegeben hat. Warum sind Quallen "durchsichtig"? Diese Frage konnte ich nicht (kindgerecht) beantworten.

Da es hier noch touristischer war, entschlossen wir uns weiter zu fahren. Ihr wißt schon wohin? Nach Norden! Wir gerieten in eine schlecht Wetterfront, was auf der Autobahn wenig Spaß bereitet. Da ich mich an meine 80 km/h halte, werden wir häufig von Lastern überholt, was bei schlechtem Wetter noch weniger Spaß macht. Der Schock mit dem Reifen sitzt tief und ich traue dem Fahrzeug nicht mehr, leider haben wir heute zusätzlich festgestellt, daß wir auf der rechten Seite einige Zentimeter nach unten hängen. Das trägt nicht zum besseren Fahrgefühl bei. Eine Feder (oder was auch immer) scheint zu hängen. Ich hoffe sehr, daß für uns keine Gefahr besteht. Gunter meint nein! Ich, traue dem Fahrzeug, wie gesagt nicht mehr.

Da wir nicht wieder auf einem Campingplatz mit einer speziellen Campingkarte landen wollten, suchte Gunter einen Stellplatz aus dem Wohnmobilreiseführer raus. An der Einfahrt zum Schloß Tjolöholm stand zwar, man solle nicht campieren, Gunter und der Autor des Buches meinen aber, eine Nacht zu parken wäre was anderes. Ich mag sowas nicht! Bin immer sehr korrekt und wäre wieder gefahren. Da kam noch ein deutscher Camper, und kurz drauf noch einer. Wahrscheinlich alle mit dem gleichen Buch! Wir blieben also, ich hatte keine Lust auf eine lange Diskussion. Das Gebiet ist wunderschön, was leider auch die Stechmücken meinen, die verfolgten uns nämlich trotz Regen. Wie es hier mit den Blutsaugern bei Sonnenschein aussieht, möchte ich nicht erleben. Da ist mir der Regen gerade recht. Einen Nachteil hat die Sache jedoch: Kinder lieben Pfützen. Wir machten einen Spaziergang zum Wasser hin und nach wenigen Metern waren drei Kinder bis zu den Oberschenkeln naß. Amy`s Stiefel mußten wir innen auswaschen, denn sie waren voller Matsch! Esra war am wildesten, was ich so nicht akzeptiere, denn er ist als Ältester ein sehr schlechtes Vorbild, wenn er Fontänen vor sich hertreibend die Wassermassen teilt! Gunter und ich waren sauer bei so viel Unverständniss.

Aber zurück zum Gebiet hier! Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, in welchem es viele Wasservögel gibt. Einen Aussichtspunkt dafür konnten wir nicht erreichen, denn das klatschnasse Schilf lag quer und wir wären alle bis zu 2m klatschnass gewesen. Auf unserem Spaziergang fing es noch an zu regnen und die Bereiche, die von den Kindern durch Spritzen nicht erreicht worden waren, bekamen das Wasser ohne weiteren Aufwand von oben. Der Wald, der bis zum Wasser reicht ist traumhaft. Viele alte, mit Flechten und Moosen bewachsene Eichen. Dazwischen große Felsen und kleine Farne. Man könnte Dolmen hier erwarten, oder einen Typen wie Merlin mit langem Gewand und Bart. Ja, ich weiss, wir sind nicht in der Bretagne. Aber trotzdem, es hat was mystisches!

Baum

einer der schönen Bäume

Wasserkinder

drei Wasserratten

So, jetzt bin ich bettschwer! Die Kinder schlafen schon eine Weile, wir haben uns heute mal durchgesetzt, sonst turnen sie nämlich bis 23:00 Uhr hier rum, obwohl sie müde sind. Noah hat gleich Geburtstag und ich habe ihn geärgert und gesagt, dann käme vielleicht auch Hagrid (Harry Potter, Band 1) und hole ihn zur Schule ab, wie Harry! Noah freut sich auf Morgen - mal sehen, wie wir ihm einen schönen Geburtstag bereiten können!

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