27.7. Ganz im Süden vom Norden

Wie schon auf der letzten Seite angefangen geht es hier gleich weiter. Gunter ging mit Amy und Noah einkaufen. Er besorgte Wurst und Käse und gab für den kläglichen Inhalt einer kleinen Plastiktüte etwa 30 Euro aus! Die Kinder haben weiterhin einen Wahnsinnshunger! Das heißt diesmal nur Esra und Noah, Amy war warm und bekam Fieber. Ich lief mit Esra und Amy los und besorgte am Hafen Brot - dummerweise bedachte ich den gewaltigen Hunger nicht und kaufte nur eines, welches dann eine Stunde später den neuen, vorläufigen Verweilungsplatz in unseren Mägen gefunden hatte. Amy legte sich direkt wieder ins Bett, sie klagte zwar nicht, aber man sah, daß es ihr nicht gut ging. Während der Fahrt schlief sie. Wir wollten ans Meer, ja immer noch und fanden eine sehr einsame Halbinsel bei Florenes, die scheinbar direkt ans offene Meer führte. Der Weg war eng, neuseeländisch eng, jedoch war der Frust groß, denn in der tiefen Einsamkeit des kleinen Fischerdörfchens gab es weniger Parkplätze für uns als in einer Großstadt - nämlich keinen und ich fuhr bis aufs Äußerste angespannt den engen Schotterweg wieder zurück, ohne die Meerluft geschnuppert zu haben.

weg

Das Wetter war super, wir wollten raus und fanden weiterhin keinen Platz zum Parken! Mist! Die schönen Strände waren von Wohnwagenburgen belagert. Parken und nur an den Strand, der sowieso viel zu voll war, ging nicht, denn es gab keine Parkplätze! Schon gar nicht für uns mit unseren 6,3m.-( Bei Lillesand fanden wir schließlich ein schönes Plätzchen, ideal zum Baden, mit wunderbar klarem Wasser und seichter Sandbucht UND einem Platz zum Parken eines Wohnmobils. NUR Amy war sehr malad. Das Fieber fühlte sich nicht so hoch an (habe das Thermometer vergessen) aber sie war sehr schwindelig. Das machte uns große Angst, denn sie konnte kaum noch laufen, war aber trotzdem vom Wasser begeistert - was für uns wiederrum um so schwieriger war. Wir verweilten also nur sehr kurz und legten Amy dann im Wohnmobil ins Bett. Das Fieber stieg sehr hoch, Amy kochte und ich wechselte das homöopathische Mittel. Die Jungs fuhren die Batterien von Noah`s ferngesteuerten Auto leer während wir lasen oder Bericht schrieben.

baden

mit wackeliger, fiebriger Amy auf einem Felsen im super klaren, jedoch ziemlich kalten Wasser

Als Amy ausgeschlafen hatte, fuhren wir weiter an Kristiansand vorbei und an eine Dreiviertlinsel, oder besser einen kleinen Fjord Farestad. Auch da waren wir zuerst genervt, denn Sackgassen sind nicht ausgeschildert und das führte zu anstrengenden Wendemanövern. Einen Parkplatz an der Kirche übersahen wir fast, weil er recht tief und versteckt dalag. Dort stellten wir unseren sperrigen Kasten ab und versuchten es mit einem kurzen Spaziergang durch das Dorf. Ich nahm Amy ins Tragetuch, verzichte daher auf die Kameraausrüstung und wir liefen los. Eine Hängebrücke mußten wir bezwingen, ziemlich wackelig, um Amy machte ich mir große Sorgen, weil sie sich fest anklammerte und dachte, sie fällt. Oft hat Amy eine andere Wahrnehmung als wir: sie denkt Inseln bewegen sich im Wasser, oder wenn wir stehen: wir bewegen uns und nicht das Auto neben uns. Wäre es nicht Samstag gewesen (wie immer, wenn eines unserer Kinder krank ist), wären wir zum Arzt gefahren, denn der Schwindel war sehr ausgeprägt.

Zurück zu unserer Wanderung: Über der Hängebrücke, von der aus man viele kleine Boote und auch Quallen beobachten konnte, ging der Weg durch ein Gatter und dann in die Landschaft. Erstmals, seit wir unterwegs sind mal richtig Natur pur! Aber Amy wurde mir schwerer und schwerer, Noah dagegen immer langsamer. Das Klettern auf den Felsen und durch die Büsche tat gut. Zu allen Seiten gab es Wasser. Gunter fing eine Zecke, die sich in seinem Beindschungel aus Haaren verfangen hatte. Da wird einem ganz krabbelig. Wir nahmen uns vor, die Kinde gründlich abzusuchen. An einem Hinweisschild und einer Toilette angekommen, beschlossen wir doch umzudrehen, denn der Rundweg war noch weiter als die Rückkehr. Leider war das Wetter für Fotos ungeeignet, sehr trüb mit hellem, weißem Himmel.

haengebruecke

Esra auf der Wackelbrücke

Wanderung

Die Jungs umarmen das Hinweisschild

Haus

diese Wohn/Ferienhäuser sind nur noch per boot oder längere Wanderungen zu erreichen

schild

Ausnahmsweise mal ein Schild in drei Sprachen - zum Deutsch: wenn ich das lese, scheine ich gar kein Legastheniker zu sein, sondern ein verkappter Norweger:-) Viele norwegische Wörter könnten aus meiner früheren Zeit stammen, ich finde die Sprache sehr schön, beim Lesen versteht man auch ohne Vorkenntnisse schon Einiges.

Die Ruhe, die in den Fjorden herrscht ist erstaunlich. Stimmen, werden über das Wasser getragen und klingen seltsam. Ganz typisch eben für das große, sehr stille Wasser. Alles geht gemächlich, auch die kleinen Boote, die hie und da vorbeituckern oder rudern. Da Tuckern ist übrigens zusammen mit dem Geschrei der Möwen auch ein typisches Fjordgeräusch. Erschöpft kamen wir wieder am Wohnmobil an. Es stand verdeckt auf dem Kirchenparkplatz und da der Gottesdienst am nächsten Tag, einem Sonntag, erst um 18:00 Uhr begann, blieben wir für die Nacht stehen. Amy ging es plötzlich viel besser. Sie hüpfte auf einem Bein durchs Mobil, von Schwindel keine Spur mehr. Das Fieber war weg und der Hunger da. Sie aß: eine 5 Minuten Terrine Kartoffelbrei, eine Hipp Babybrei, und Suppe mit Croutons! Also, alles wieder Bestens! Wir wüßten nur gerne, was es mit dem Schwindel bei Ihr zu bedeuten hat.

Die Kinder schauten sich -auch wenn es schon nach 22:00 Uhr war, eine DVD an, ich ging spazieren und machte noch Fotos mit der Digitalkamera. Es macht mir sehr zu schaffen, daß ich erst einen einzigen Film belichtet habe! Das Land ist wunderschön, aber die Motive sehe ich alle während der Fahrt und Parkplätze sind sooo schwierig zu finden. Außerdem ist es anstrengend, wenn es den Kindern nicht so gut geht. Ich hoffe jedenfalls sehr, noch in eine heftige Fotostimmung zu kommen. Zwischen unseren Reisen liegt einfach zu viel Zeit und die kurze Ferienzeit reicht mir kaum für`s Einstimmen. Bei dreimonatigen Reisen ist alles einfacher, vor allem auch, weil die Tagesstrecken wesentlich kleiner sind. Und hat man sich erstmal eingestimmt, klickt es fast von selbst. Ich kann gar nicht sagen, wie oft es schon bei mir im Kopf geklickt hat, wenn ich wunderschöne Motive während der Fahrt sehe. Schade, daß mir den Film niemand entwickeln kann! Jedenfalls steht fest, Norwegen und auch Schweden sind einzigartig (wäre da nicht das Parkproblem:-))

Hier nun ein paar Impressionen vom Abendspaziergang:

Garten

Ein Garten zwischen den großen Felsbrocken

Gartenhäuschen

ein Gartenhäuschen

haeuser

Häuser im ruhigen Fjord

Im Hafen konnte ich wieder Quallen, und diesmal auch Krebse und Seesterne beobachten. Ach, das Meer!

Amy war auch nach dem Film noch munter - sie hatte tagsüber sehr viel Schlaf getankt. Munter plaudernd verlangte sie mit mir zu schlafen. Das hintere Bett ist eng, zu zweit eigentlich zu eng, vor allem für mich, denn meine Tochter nahm mindestens 2/3 des Platzes ein und schlief tief und fest. Ich dagegen fand gar keine Ruhe. Wie schon in der Nacht zuvor und das zehrt an meinen Kräften. Gegen 4:00 Uhr brachte ich Amy zu Gunter in die Alkove. Dabei sah ich aus dem Fenster und sah ein Reh auf dem Vorplatz der Kirche stehen. Wow - die Morgendämmerung hat was, vor allem, wenn man eines dieser grazilen, perfekten Geschöpfe sehen kann. 3 Stunden Ruhe waren mir nur vergönnt, dann war die Rasselande wieder komplett eine Rasselbande und Amy plapperte munter mit! Schön sie wieder zu hören.

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