1.8. Voringsfossen und die Hochebene Hardangervidda
Wir trödelten morgens, es war so schön an
diesem breiten Fjord. Ich ging mit den Kindern Steine werfen. Ein älterer,
deutscher Fischer war etwas beleidig, weil Kinder ständig Steine in seinen
flachen Eingang zum Fjord werfen würden. Genau das hatte ich meinen Kids
vorher erklärt und gebeten, nur kleine Steinchen zu werfen. Beim
rückweg bat ich Noah darum, seine Schuhe mitzunehmen, dann machten wir
noch ein Bild mit einem geschitzten Angler. 
Esra hat seine Schuhe in der Hand, und Noah? Der Angler ist drollig, was?

wir fühlten uns eigentlich den ganzen Tag wie in Yosemite, wegen der hohen, abgeschliffenen Granitfelsen, nur wenn dann der nach Meer duftende Fjord mit den Kreuzfahrtschiffen kommt, ist man irritiert:-) Hier eine Spiegelung der Felsen im Fjord
Wir beschlossen, nocheinmal den Berg hochzufahren und es mit dem Wasserfall zu versuchen. Von unten kam man nicht heran, zumindest gab es keinen ausgeschilderten Wanderweg. Die vielen muffigen Tunnel waren anstrengend, noch dazu mit der 8%igen Steigung. Auf dem Parkplatz oben beim Hotel mußte man zahlen - 20 Kronen, dann durften wir die Kiste abstellen. Beim Anziehen merkten wir, daß Noah`s Schuhe immer noch am Fjord standen. Die Laune sank! Mensch! Den langen Weg, etwa eine dreiviertelstunde den Berg wieder runter, dann eine dreiviertelstunde wieder hoch? Schuhe stehen lassen? Wir entschieden uns gefrustet für zweites. Dann strömten wir mit vielen anderen Touristen zu den Aussichtspunkten. Die Sonne brannte, der Berg ist hoch! Ähm, ich meine es ging meist ganz ohne Geländer ganz tief nach unten. Spannung für die Eltern. Ich konnte mich kaum auf das Fotografieren konzentrieren. Hinter unseren Rücken saßen unsere Drei im Gras, ein junger Mann fotografierte sie - das hatten wir schon öfters:-)

der Vöringsfoss, besser war er leider nicht aufzunehmen

diese schönen Blumen stehen überall am Wegrand und verzaubern die Landschaft vollends
Weiter ging es den Berg hinauf. Die Strecke ist jedoch sehr gut zu bewältigen. Die 7 ist gut und breit ausgebaut. Je höher wir kamen, desto schöner wurde es. Wir bekommen schon seit ein paar Tagen den Mund beim Fahren nicht mehr zu. Staunden betrachten wir die an uns vorüberziehende Landschaft. Wahnsinn! Wir haben ja schon viel gesehen - aber sowas noch nie! Dieser Kontrast nun zu Gletschertal mit Fjord, wo es sehr warm und windstill war und dann die Hochebene, ohne Bäume, mit vielen Seen, Resten von Schnee, kaltem Wind und vielen Millionen Felsen. Wow!

Die Stöcke am Straßenrand lassen erahnen, wie hoch hier der Schnee fällt

unsere Kinder hoch droben

direkt beim Schneefeld, welches täglich wahrscheinlich tausende von Touristen aushalten muß, baute Gunter mit den Kindern einen Steinturm - das soll Glück bringen und Steine gibt es hier wahrlich genug.
An einer wunderschönen Stelle mit Seen, Bächen und viel Himmer und dem dazugehärigen Wind, bereiteten wir unser Mittagessen. Ich ging mit meinem Wurstbrot nach draußen und schups war sie weg, die Wurst. Der Wind hatte sie sich genommen. Sowas ist mir noch nie passiert.
Das Tal dahinter, entlang der 50 war gemäßigter. Es gab Weideland und auch ein paar kleine Siedlungen, einige Skidörfer. An zwei schönen Kirchen kamen wir vorbei, die seht ihr gleich hier:

diese Kirche ist etwa 80 Jahre alt und steht in Hagarfoss

das ist eine mittelalterliche Kirche in Hol

Eine Klettertour war nötig, um hier hin zu kommen und dann war es leider für die Kinder zu steil zum Steine werfen.
Nach diesem kleinen Bach, der trotzallem kräftig rauschte rannte Noah um das Wohnmobil herum, er fühlte sich von Amy verfolgt und lieferte sich eine Verfolgungsjagt, bei der er sich selbst besiegte, er rannte nämlich in voller Fahrt gegen die Leiter am Wohnmobil. Die Beule war heftig, fast wie im Comic. Er litt den ganzen Abend unter Kopfschmerzen und ich leistete ihm solidarischer Weise auch ohne Headbanger Gesellschaft.
Kurz darauf fuhren wir wieder auf eine Hochebene. Traumhaft schön, mit noch mehr Seen, und unzählbaren Wasserfällen. An einer Stelle hätten wir gerne übernachtet, aber dort standen schon 3 Autos und ein kleines Wohnmobil, außerdem war der Weg dorthin steil, holprig und eng. Wir fuhren gefrustet weiter, ach an einem Wasserfall, der traumhafter nicht sein könnte, einem Gebirgsbach mit terassenförmigen Stromschnellen, mitten in der von Wasserrauschen abgesehen, völlig ruhigen Hochebene. Na, ja, auf das was jetzt kam, war ich nicht vorbereitet. Wir hätten gedacht, daß es eine Möglichkeit zum Campen geben würde da oben, gab es aber nicht.

da wollten wir wieder runter - die Hälfte der Tunnel hatten wir bereits überstanden
Straße 50, Fjord Aurlandsfjord
Wir mußten aber runter und so gemächlich, wie wir hoch gekommen waren, kamen wir nicht davon. Die Tunnel begangen, ich müßte mich ja daran gewöhnt haben, aber bisher waren die Tunnel zwar lang und eng, aber halbwegs hell. Jetzt waren sie enger denn je - wären wir einem Wohnmobil oder gar einem Lastwagen begegnet hätte das Folgen gehabt und zwar im Dunklen:-( Zum Glück kam uns im Tunnel keiner entgegen. Zu allem Übel waren es viiiiiieeeele Tunnels. Man, war ich fertig. Es kommt trotzdem noch schlimmer - einer der Tunnel, die kamen, als meine Haare schon vollständig ergraut waren, hatte gar kein Licht! Null! Auch das Licht von unserem Wohnmobil verschluckte die dunkle, nasse Gesteinswand total. Fernlicht beeindruckte dieses Bauwerk überhaupt nicht. Und dann war der noch der Tunnel, der in Serpentinen durchs Gestein gehauen war und der, der sogar eine Ampel hatte, weil er so eng war, daß kaum ein Auto durchpaßte. Und wo kamen wir raus? Am Eingang des längsten Tunnels der Welt! NEIN!!! Ich will nicht mehr. Ich riß das Lenkrad rum, steuerte auf den ersten Campingplatz und zog die Handbremse. Und ich hatte tatsächlich angenommen, ich wäre schon an anstrengenden Straßen unterwegs gewesen! Ja, die Bretagne war eng, aber nicht steil, auch Neuseeland hat reichlich Schotterstraßen, aber auch wenn sie an Hängen langführen, wir waren immer sicher. Die Norweger scheinen die Touristen nicht warnen zu wollen. Es stehen keine Schilder da, wenn es eng wird. Wer nicht gut fahren kann ist verloren. Nun, ich hatte es gepackt, war abends nicht mehr in der Lage den Bericht zu schreiben, deshalt schreibe ich ihn einen Tag später, wieder auf einer Hochebene. Der Campingplatz war mir eigentlich zu voll, außerdem recht teuer - 126 Kronen. Das dumme an der Sache ist: wir brauchen eigentlich keinen Campingplatz. Auf denen gibt es keine, oder nur sehr kleine Küchen, sie sind viel zu voll - Hochsaison, und beim Duschen steht man entweder an oder guckt in die wasserlose Röhre. Auf diesem Platz waren etwa 200 Leute - und EINE Dusche für Männer, eine für Damen! Am Abend war ich fix und fertig: mein Knie schmerzte sehr vom Klettern auf den Felsen, der Wind dort oben war kalt und stark, außerdem ist meine Erkältung nicht ausgestanden. Ich schlief den Schlaf der Erschöpften!
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