10. August, höchster Paß Norwegens, kalt und bedeckt

Auf den "einsamen" Berg hoch droben gab es viel Leben morgens, eigentlich gestern auch bis spät in die Nacht. Wir waren unschlüssig, ob wir noch hoch fahren sollten oder nicht. Taten es dann nicht, weil wir eine Straße weiter, die von den holländischen Fotografen empfohlen, noch einmal den Berg "erklimmen" wollten. An der Abzweigung angekommen, sahen wir, daß, erstens: das Wetter sehr schlecht im Tal hing, zweitens: die Straße schon von Beginn an sehr eng und schlecht war. Die Abfahrt vom gestrigen Hügel hatte uns sehr zu schaffen gemacht, denn der Wagen knirschte nun dauernd beim Abwärtsfahren. Irgendetwas scheint an der rechten Seite mit der Federung nicht zu stimmen. Eine weitere enge, ungewiss steile Straße machte und aus diesem Grunde Angst und wir bedauerten es sehr, nicht doch heute früh die letzten paar Kilometer bis zum Schnee gefahren zu sein. Ein hoher Paß stand uns eh bevor, also machten wir uns auf den Weg. Die Paßstraße über den Sognefjell geht auf 1400 m hoch und ist somit der höchste Paß Norwegens. Gleich zu Beginn sahen wir faszinierende Wasserfälle. Es war jedoch so kalt und bedeckt und nieselig, daß die Kinder nicht raus wollten. Noah braucht sowieso immer am längsten, bis er fertig ist und so dauert auch ein sehr kurzer Ausflug ewig. Seit er seine Sandalen am Eidsfjord vergessen hat, dauert es umso länger, denn er muß in Turnschuhe rein. Da ich mich also nicht so weit vom Wohnmobil mit den malenden Kindern entfernen wollte, machte ich auf keine guten Fotos, denn ich war zu weit weg. Das Fotografieren fiel mir schwer, ich konzentrierte mich kaum, hatte schon mit dem Frieren genug zu tun. Ich denke, man kann nicht immer in Fotostimmung sein. Hoffentlich sind Gunters Aufnahmen der Wasserfälle gut, sie sahen absolut perfekt aus.

Wasserfall

einer der Wasserfälle, von der Ferne aufgenommen, mit 64 fach Graufilter im eisigen Wind

Die Straße war eng, wie üblich, aber es paßte überall. Manche Halteplätze waren überfüllt, wir packten es jedoch an guten Fotoplätzen zu halten. Während die Kinder dick eingepackt einen Steinhaufen bauten, fotografierten wir beide. Meine Füße waren danach fast taub vor Kälte, ich war dummerweise mit Sandalen rausgegangen. Ich bedauere es sehr, keine Panoramakamera zu haben, die hätte sich schon für diese Reise gelohnt. Ich neige immer wieder dazu diesen Dreh der Kamera einzustellen, was mir abends dann viel Arbeit einbringt. Hier das erste Panorama des Tages:

Gletscher

Das ist der eine Gletscher auf dem Sognefjell, auf der linken Seite kam noch ein weiterer

Strasse

die gut befahrbare Straße auf dem Fjell, gestern war es sehr holprig

Die Abfahrt war wieder beschwerlich, ich muß im niedrigen Gang fahren, damit ich die Bremsen nicht überhitze. Die Kurven benötigen auch jedesmal die volle Aufmerksamkeit. Diese Strecke ging über zweimal 10 km 10% abwärts, ich war geschafft danach. Einen 280m Wasserfall hätten wir laut Informationstafen sehen müssen, das taten wir leider nicht. Ich vermisse sehr meinen gewohnten Lonley Planet, in dem man fast alles nachlesen kann. Unser Reiseführer ist was für individuelle Entdecker, die selbst noch was rausfinden wollen. Die meisten von uns gefahrenen Strecken sind nämlich gar nicht besprochen!

Es ist Samstag, also haben die Geschäfte heute nur bis ca. 14:00 Uhr auf und morgen gar nicht. Wir besorgten einen Brötchenvorrat für morgen, denn das ungesalzene Brot schmeckt nicht sonderlich gut. Auch das Mittagessen kaufen wir lieber frisch, nämlich Fisch! Gunter wollte Lachssteaks, die ich wegen der Gräten nicht mag, also nahm ich ein Fischfilet (weiss nicht von welchem Fisch, denn mein norwegisch läßt zu wünschen übrig). Die Kinder hörten zu oft Käptain Blaubär, also verlangten sie nach Fischstäbchen. Wir verputzten dann auch restlos alles, den teuren Salat (kleine Packung für 3 Euro), den Fisch und einen Pott Reis.

Um weitere Wasserfälle zu sehen fuhren wir die Jostedalen Straße rein. Die erstreckt sich über etwa 30 km und führt an drei Wasserfällen (Fossen) vorbei und ziemlich dicht an Gletscherzungen heran. Die Wasserfälle fanden wir nicht, erst auf dem Rückweg sahen wir welche auf der anderen Seite des Flusses, wissen aber nicht, ob es auch die Eingetragenen sind. Glücklicherweise sahen wir noch einen schönen Gletscher, den Nigardsbreen, auf dem Seilschaften herumliefen, welche uns gut ins Foto paßten, als Größenvergleich. Leider streikte die Contax 167 und wollte partout den Film nicht mehr weiter befördern, obwohl erst 20 Bilder belichtet waren. Das hat sie nun schon einmal gemacht, ich hoffe, die Kamera ist ansonsten OK.

nigardsbreen

der Nigardsbreen, ganz unten auf dem Gletscher, auf der linken Seite die Seilschaft - sooo klein sind die Menschen, daß man sie auf diesem Bild eigentlich nicht sehen kann.

Wohnmobil

und nochmal Gletscher mit unserem Wohnmobil

>Um näher zum Gletscher zu kommen, kann man eine Bootsfahrt unternehmen, die war gar nicht mal teuer, 20 Kronen pro Erwachsenem und 10 Kronen pro Kind. Wir waren mal wieder hin und her gerissen, wollten gerne fahren, sahen aber eine Schlechtwetterfront von der anderen Seite des Tals herannahen. Das Boot kam nicht zurück, also liefen wir zum Wohnmobil, und landeten gerade rechtzeitig vor den ersten schweren Regentropfen. Auch die Leute auf dem Gletscher wurden naß. Es war sonderbar, daß der Gletscherbach nach dem Regen dampfte und dichten Nebel bildete. Mystisch sah es aus, schwer im Bild festzuhalten. Im Nationalparkcenter gab es Informationen und eine Ausstellung. Der Weg zum Parkplatz hatte übrigens 25 Kronen gekostet.

Die 30 km aus dem Tal zurück zur Hauptstraße zogen sich dahin. Wir wollten recht früh auf einen Campingplatz, denn unsere Toilette ist wieder voll. Wie immer, sehen wir die besten Campingplätze mittags, wenn wir noch weiterwollen. Abends verdünnen sich die Guten dann und wir suchen zu lange. Wir besprachen heute unsere weitere Zeitplanung: die nächsten Tage bewegen wir uns nach Süden, um die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals in Dänemark zu nehmen, falls wir sie bekommen, denn wir haben nicht gebucht. So sparen wir uns die lange Fahrt durch Schweden und über die teuren Brücken in Dänemark. Unsere schwedischen Freunde besuchen wir dann leider nicht, der Umweg von ca. 1000 km ist zu weit. Wenn alles klappt, werden wir in Dänemark oder auch in Deutschland noch ein oder zwei Tage am Meer verbringen um die lange Fahrt aufzulockern. Am Samstag wollen wir zu Hause sein, denn Esra muß Montag wieder in die Schule und wir wollen uns noch "sammeln".

Blau

eine Stimmung in Blau von der Fähre aus gemacht

Aber zurück zum heutigen Campingplatzfrust: wir fanden einen der voll war. Die Besitzer hätten uns sicher noch dazwischengequetscht, aber das wollten wir nicht. Allein das Herauskommen war schon eine große Mühe. Dann gab es noch Plätze nur für Zelte. Wir legten also unfreiwillig eine größere Strecke nach Süden als geplant. Eine Fähre mußten wir auch noch nehmen, die Wartezeit verbrachten wir mit dem Abendessen und nach nur wenigen Kilometern nahmen wir den erstbesten Campingplatz. Die Kinder waren glücklich, denn es gibt Spielplatz und Fjord. Sie spielten so spät also noch ausgiebig, dann ließen wir alle am Strand vorhandenen flachen Steine hüpfen und ich sitze mal wieder noch zu spät am Notebook.

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