Die Stabkirche in Roldal und der Leuchtturm in Lindesnes

Das Tal sah verzaubert aus im Morgenlicht. Ständig wurden Wolken nach oben geschickt, die sich die Berge entlangschlichen, sich lösten und gen Himmel schwebten. Dann kam wieder Nachschub von unten. Die regennasse, enge, gewundene Fahrbahn schlängelte sich durch Alles hindurch und wir brummten im 2. Gang runter. In Roldal sah ich die letzte Stabkirche für uns auf dieser Reise. Gunter blieb mit den Kindern im Wohnmobil, ich machte Bilder. Da hier, im Gegensatz zu den anderen Kirchen, kein Fotoverbot war (man durfte nur nicht blitzen), zahlte ich das Eintrittsgeld von 20 Kronen und machte mit der Coolpix ein paar Aufnahmen. Diese alten Holzkirchen haben eine sehr gemütliche Stimmung im Innenraum. Im Gegensatz zu den Kirchen, die ich bisher in vielen Ländern gesehen habe, wirkte diese Kirche warm und gemütlich, ein bischen beengend, weil die Decke recht niedrig war im Eingangsbereich.

Kirche innen

ohne Stativ, ich habe die Kamera angelehnt

kruzifix

das berühmte Kruzifix, man beachte den friedlich Geschichtsausdruck

Kirche

Die Roldal Stabkirche mit den nebelverhangenen Berge

Wir folgen der E 136 über das Haukelfjell, welches nicht mehr so beeindruckend war, wahrscheinlich, weil wir schon einige Fjelle gesehen haben und auch, weil das Wetter nicht so toll war und die Farben nicht leuchten konnten. Bei ein paar Seen machte wir Fotos und dann ging es ständig bergauf und -ab. Danach fuhren wir auf der 9 in Richtung Kristiansand, von wo aus wir dei Fähre nehmen wollen. Es war weiterhin bedeckt, regnete aber nur kurzzeitig, dafür aber sehr heftig. Ich überlegte sogar anzuhalten um den Regen abzuwarten, da schwächte er wieder ab. Ich hatte die ganze Nacht ziemlich heftig und wild von Griesbrei geträumt, welchen ich zubereiten mußte, um eine Stelle als Journalistin zu bekommen. Der brannte aber immer wieder an und ich wurde hektisch. Aus diesem Grunde bereiteten wir Michreis, welchen die Kinder eigentlich sehr mögen, die Fertigpackung, die nur in kochender Milch ziehen muß, verschmähten sie jedoch. Einen schönen Rastplatz zu finden war gar nicht einfach gewesen. Es ist frustrierend, wenn man ständig am Bach entlang führt, über all sind Schären zu sehen - diese schönen abgeschliffenen, glatten Felsen, und an den Rastplätzen kommt man nicht in die Nähe des plätschernden Wassers. Die Strecke war ansonsten ganz anders, als das, was wir bisher gesehen hatten. Zwar immer noch bergig, aber nicht mehr so hoch und eng. Die Staße verläuft halbwegs eben, d.h. man muß micht dauernd über Pässe. Zeitweise kann man 80 km/h fahren, was nicht unbedingt möglich ist im Fjordland. Bilder, von vielen sehr klaren, glatten, spiegelnden Seen haben wir nicht gemacht. 2 größere Wasserfälle sollten sich an der Route befinden, doch trotz Adleraugen fanden wir sie nicht. Vielleicht ist in diesem Tal das Wasser knapp, die Bäche waren recht spärlich bestückt. Eine größere Strecke war under construction. Das bedeutete Nerven bewahren, denn die Bagger sind sehr breit, die Straße sehr eng und wir auch nicht die Dünnsten. Was wir da an Bauarbeiten gesehen haben, macht deutlich, wie schwierig es ist überhaupt Strassen zu bauen in diesem urgewaltigen Land. In Evje buchte ich eine Fähre für morgen, damit wir auch sicher mitkommen, das war anstrengend, die Fähre kostet nämlich mehr, als angenommen - nämlich ca. 500 Euro einfach und wir mußten eine passende Zeit für uns finden. Das war unmöglich, denn die erste Fähre geht morgens 9:00 Uhr, was uns zu früh war. Einen Campingplatz ganz in der Nähe wollten wir nicht, wissen auch nicht, ob es einen gibt, und mit den kleinen Reicherts ist es nicht einfach so früh fertig zu sein. Man muß nämlich mindestens eine Stunde vorher da sein, bedenkt man die Fahrzeit zur Fähre, müßten wir so gegen 6:00 Uhr austehen, was schwer möglich ist, wenn die Kinder so spät schlafen. Die 19:15 Uhr Fähre, welche wir dann genommen haben, hat den Nachteil, daß sie erst um 23:45 Uhr ankommt. Das ist eigentlich etwas zu spät, denn wir müssen dann im dunkeln eine Platz zum Übernachten finden.

Dann fuhren wir auf eine kleinere Seitenstraße, um nochmal zum Leuchtturm von Lindesness zu kommen, von dem ich Bilder gesehen hatte. Diese Strecke hatten wir nämlich als wir das erste Mal in der Gegend waren ausgelassen, weil wir dachten, wir kämen sowieso wieder nicht ans Meer.Die Strecke zum Leuchtturm war anstrengend, denn wir waren schon viel zu lang auf kleinen Seitenstraßen gefahren. Wenn man das Mobil über längere Zeit durch enge Kurven bewegt, ist es sogar körperlich anstrengend. Der Parkplatz war schön und groß und es stand kein Campingverbots Schild. Super, da können wir uns am Leuchturm Zeit lassen. Es kostete Eintritt, 30 Kronen pro Person, die Kinder waren kostenlos. Eine kleine Klettertour war nötig, um hoch zu kommen, oben wehte der Wind nicht mehr, dort war es ein ausgewachsener Sturm. Wow. Auf die Kinder muß man aufpassen, vor allem auf so leichte wie Noah. Vom 2. Weltkrieg waren Gräben und Bunker übriggeblieben. Dort fühlten sich die Kinder wohl, denn es gab viel zu erforschen und der Wind war unten drinnen nicht so kalt. Wir fotografierten im besten Abendlicht. Der Sturm erschwerte die Sache etwas, da die Kameras selbst auf den Stativen nicht stillhalten wollten. Das Eintrittsgeld lohnte sich, denn man konnte noch zwei Ausstellungen - eine Fotoausstellung und ein Museum - besuchen. Das tat gut, man konnte sich vom Sturm und der Kälte erholen. Die Fotos waren interessant, es wurde dokumentiert, was ein richtiger Sturm anrichten kann. Mich wunderte es, daß es trotz Sturm fast keine Wellen gab. Das Beste kommt jetzt: man durfte bis hoch in den Leuchtturm rein. Super! Das wollte ich immer schon mal. Auch das alte Gebäude, welches durch richtige Kohlefeuer beleuchtet wurde, war in gutem Zustand und man konnte hineinklettern, um halbwegs windstille Fotos zu machen.

Ausstellung

Die Fotoausstellung

Kinder

die Kinder im alten Turm

Leuchtturm

die Kids im Leuchtturm

Lampe

oben drin war es heftig heiß, ich war klatschnaß geschwitzt und mußte zurück in den kalten Wind

Nachts

der strahlende Leuchtturm

Um den Sonnenuntergang und den Leuchtturm von der Ferne sehen zu können, erkletterten wir einen Hügel in der Nähe, wow, was für eine Anstrengung im immer noch heftigen Wind. Die Kinder waren begeistert, sie lieben Felsklettertouren sehr. Wir waren gerade rechtzeitig dran und machten ein paar Fotos. Richtig durchkühlt, freuten wir uns auf eine heiße Suppe. Da, der Leuchtturm strahlt und sieht noch schöner aus. Gunter wollte nicht mehr raus, ich auch nicht. Aber sowas kann man doch nicht unfotografiert lassen, oder? Also zog ich, warm eingepackt und etwas fertig, nochmal den steilen Berg hoch. Neue Filme hatte ich mal wieder vergessen. Das merkte ich aber erst oben. Eine Frau, Petra, mit der ich mich schon früher im Leuchtturm unterhalten hatte, war auch oben, denn sie wollte wissen, was es mit dem Nebelhorn auf sich hat, welches gerade lauthals erklungen war. Sie fragte, ob ich ihr ein Bild schicken könnte. Ich meinte, sie könnte es ja selbst versuchen, ein Stativ könnte sie haben. Da hatte ich nicht angenommen, daß sie nochmal ganz nach unten muß. Als ich es realisierte, rief ich hinterher, daß ich auch noch 2 Fime brauche:-) Ich saß im windgeschützten alten Leuchtturm, das letzte Licht verblasste gerade, als Petra wieder hochkam. Hoffentlich hat es bei ihr noch für ein paar schöne Aufnahmen gereicht. Ich hatte Gunter`s andere Kamera, die RTS II und kam in Dunkeln nicht klar. Nie zuvor hatte ich die Kamera auf B stellen müssen, das war nun aber nötig, ich konnte die Angaben nicht lesen und öffnte so dann immer weiter die Blende, aber auch das ging dann nicht mehr, schließlich war es eh zu dunkel. Warum die andere Contax bei mir streikt, weiss ich nicht. Es ist schwierig, sich immer wieder auf andere Kamera`s einstellen zu müssen. Mit meiner Olympus hätte ich in diesem Falle gar keine Probleme gehabt.

Als es schon zu dunkel für Bilder war, genossen Petra und ich zusammen die Nacht. Auf den Felsen hüpfte ein Frosch langsam dahin, eine schöne Sternschnuppe fiel direkt vor unseren Augen vom Himmel, dann zogen mindestens 100 Gänse über uns hinweg. Ach, was für eine Belohnung für das nächtliche Herausklettern aus dem warmen Wohnmobil. Petra schaute sich noch den Reisebericht an, denn sie beginnen ihre Tour erst. Ich war dann viel zu geschafft für den Bericht und bereitete nur die Bilder vor.

Das Wohnmobil bebte die ganze Nacht. Gunter machte den Fehler und errinnerte mich an die Fähre, die wir für morgen bebucht haben. Ich habe sowieso Angst auf Fähren, aber in einem solchen Sturm bekomme ich wahrscheinlich Panik, ich schlief jedenfalls gar nicht, beobachtete die ganze Nacht den sternklaren Himmel, denn ich hatte das Glück noch ein paar Sternschnuppen zu sehen. Bisher war der Himmel in Norwegen, auch auf den Bergen, immer etwas diesig. Aus diesem Grund gibt es diesesmal leider keine Nachtaufnahmen, denn die Nächte sind hier im Sommer zudem sehr kurz.

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