7.8. Trollstigen und Küste bei Goksoeyr

Heute fuhren wir etwas früher los, der Campingplatz war doch zu trostlos. Beim Wasserfüllen fiel mir auf, daß unsere Anzeigen bezgl des Wassers (Frisch- und Abwasser) nicht mehr funktionieren. Ob noch was kaputtgehen kann? Es nervt! Landschaftlich war die 136 sehr schön. Wir näherten uns dem Trollstigen (auf der 63), den wir vor ein paar Tagen nicht gefahren waren. Unterwegs versuchten wir Stromschnellen fotografisch auf Film zu bannen, was extrem schwierig war, weil das weiße, strahlende Wasser noch von der Sonne beschienen wurde, während das dunkle Gestein drum herum im Schatten lag. Wir konnte aber viele, viele Touristen treffen, ganze Busladungen voll. Jedenfalls eingen sich solche kurzen Spaziergänge dazu, die Fahrt aufzulockern und die Kinder hatten wieder Spaß beim Steinewerfen, obwohl man bein Getöse keine Plumpser hörte.

Wasser Getöse

Der Wasserfall, oder besser die Stromschnellen lagen im grellen Sonnenlich, daher eine solche Wasserimpression.

Wasserfall

Da schießt das Wasser durch die Felsen

Trolle

vorm Souveniershop

Diesmal hielten wir vorm Trollstiegen nicht an, mich hätte vielleicht der Mut verlassen. So schlimm war die Straße dann gar nicht, die Kurven packten wir ohne Mühe und Geknirsche vom Fahrzeug. Der Wasserfall, über den man führt sah wunderschön aus - im Bild festzuhalten war er nicht - zu grandios für ein simples Bild. Wir waren begeistert, nur machen mir die Höhen, und vor allem die Urgewalt der Berge auch immer Angst. An einer Stelle war ich aus dem Wohnmobil ausgestiegen, um den Wasserfall zu fotografieren, da bekam ich fast die Krise, denn die Busse, die ja um einiges länger sind als wir, müssen ganz nach vorne in die Kurve fahren, um hinten nicht hängen zu bleiben. Ich stand aber in der Kurve und es erschreckte mich, daß der Bus einfach auf mich zufuhr, um dann im letzten Moment abzudrehen. Ich stand wohlgemerkt am ABHANG. Unter mir das rauschende Wasser des Wasserfalls und Tiefe. Kurz - ich fühlte mich unwohl, konnte mich nicht auf die Bilder konzentrieren, also erwarte ich mal nicht so viel davon.

Stigfossen

ein kleiner Teil des Stigfossen, über den man fährt, wann man sich die Serpentinen hochquält

Trollstigen

ein kleiner Teil des Trollstigen, im Bild der kleinere Wasserfall

Die Straße über Hochplateau war die 63 und hieß Trollstigveien. Die Hochebenen, auch Fjell genannt, gefallen uns bisher am Besten. Die Weite und Einsamkeit mit den vielen Seen und Wasserfällen und dem kargen Bewuchs, der den Blick sehr in die Weite zuläßt. Außerdem scheint dieses Land niemandem zu gehören. Es grasen zwar Schafe, aber es ist nichts eingezäunt. Weiter unten, in den Tälern ist es schwierig eine Stelle zu finden, die frei zugänglich ist. Alles, vor allem in Küstennähe ist Privatbesitz. Diese Hochebene war jedoch zu Beginn, direkt am Anschluß an den Trollstigen von Touristen nur so überschwemmt. Erstaunlich, wieviel Geld die hier lassen müssen, bei teurem Eis am Stil, und Plüschelchen. Vor allem bei deutschen Wohnmobilen sieht man diese Plüschtiere auf der Ablage vorn und die Elchaufkleber hintendran. Die Norweger machen sowas nicht:-) Für die Kinder würde ich auch gerne einen Elch kaufen, denn wir haben bisher auch einen Waschbären aus dem USA und Kiwis aus Neuseeland. Die Kinder lieben diese Erinnerungen an die bereisten Länder. T-shirts für die Kids sind sehr teuer und man sieht sie kaum, ich hätte in Bergen welche kaufen sollen.

jungs

die Jungs auf dem Fjell, die Sonnenbrille, die Esra trägt haben wir gefunden

Wollgras

typischer Hochebenen Bewuchs

Bei Langdal sahen wir für 50 Kronen die Nacht einen Stellplatz in der Natur speziell für Wohnmobile ausgelegt. Wir waren etwas früh dran, aber der einzige Zugang zum Bach war von 5 Italienern besetzt, also zogen wir weiter. An dem gleichen Bach etwa 3 km weiter im Tal sahen wir ein Motiv, daß wie eine Postkarte aussah. Wir verausgabten uns fotografisch, die Kinder "steinisch" und alle bekamen nasse Füße.

postkarte

Na, sieht es nicht aus wie eine Postkarte? Aufgenommen wie immer bei fließenden Gewässern mit 64 fach Grafilter

Wasser

ein Teil des Baches

In Valldal hielten wir an um die weitere Route anzusehen, Informationen auf dem Tourist Center zu holen und zu telefonieren. Telefone sind sehr selten, daher wollte ich die Chance nutzen. Ein älterer deutscher Herr machte einen "komptenten" Eindruck. Ich fragte, wohin er fährt und woher er kommt, mit seiner Frau zusammen berieten wir, was man noch alles ansehen könnten. Die beiden kannten sich sehr gut aus, denn sie fahren schon seit 27 Jahren nach Norwegen. Ein Laden um die Ecke sah aus, als ob er Trampoline verkaufen könnte. Daher ging ich rein und schaute nach. Wir kamen auf die Idee, weil hier überall Trampoline stehen. In Deutschland kosten die über 1000 DM. Ich lag richtig, denn obwohl sonst fast alles wesentlich teurer ist, sind Trampoline billiger. Der Herr im Laden machte Gunter später sogar noch ein Angebot und wir hätten das große vom 4m Durchmesser für umgerechnet 350 Euro bekommen können, zögerten jedoch zu lange und der Laden war dann zu. Das oben gezeigte Motiv sahen wir dann tatsächlich fast genauso im Touristenprospekt, welches ich an diesem Platz im Touristcenter geholt hatte:-)

Es gibt zwei Routen, die wir nehmen können. Eine zum offenen Meer hin, das reizt mich immer noch ungemein! Ich hatte Bilder in den Prospekten gesehen, die ich gerade beim Visior Center geholt hatte. Mir gefallen die Fjorde sehr, aber ich bin ein "Meermensch", ich brauche die Brandung und Wellen und Muscheln und die Weite des Wassers. Oder wir könnten zum Geriranger, DEM Fjord Norwegens fahren. Beiden Routen waren mit Fährfahrten verbunden. Wir entschieden uns für die Meerstrecke , weil der Tunnel in das Tal, welches Gunter rausgescht hatte, genau die Höhe, unseres Mobils hatte, was mir zu gewagt war. Wir hätten in der Mitte fahen müssen - was ist jedoch, wenn uns bei dem 1 km Tunnel jemand entgegen kommt. Im Anschluß an diesen Tunnel kamen weitere, und die könnte noch enger und niediger sein! Nein! Dazu hatte ich keine Lust.Wir fuhren also gleich los Richtung Meer. Natürlich war die Entscheidung sehr spät gefallen und es dauerte, bis wir hinkamen. Zuerst ging es eine ganze Weile Richtung Alesund, und dann mit der Fähre, die diesmal billiger war, weil wir nur als 6m eingestuft wurden und Amy, rechtmäßigerweise Nichts zahlen mußte, weil sie noch 3 Jahre alt ist. Bisher hatten wir immer auch für Amy gezahlt, niemand hatte mich darauf hingewiesen, daß Amy nichts kostet. Irgendwie kommt es mir ein bischen nach Abzocke vor.

Faehre

zusammen mit Esra fror ich mir den Hintern ab um diese Aussicht genießen zu können. Auch das hier wäre mit einer Panorama Kamera viel besser festzuhalten, denn diese schönen Hügel erstrecken sich soweit das Auge reicht.

Dann arbeiteten wir uns in wunderbarer Nebelstimmung bis zur Insel Runde vor, es ging über kostenlose Brücken, die immer exotischer und enger wurden, je weiter wir uns dem offenen Meer näherten. Der Nebel, der vom Meer reinzog verstömte eine magische Stimmung, vor allem, wenn man den "Herr der Ringe" hört, wie wir es gerade tun.

Nebelbruecke

eine der größeren Brücken im Sonnenuntergangsnebel

Auf der Insel Runde ging es dann Richtung Goksöyr, da wo die Straße aufhört, weil nur noch Meer vor uns liegt. Der Campingplatz war wieder ganz anders, als wir ihn uns vorgestellt hatten. Nämlich sehr eng (vielleicht sollten wir uns endlich damit abfinden?) und einen Ausflug ans Meer womöglich mit Tidepools konnten wir uns gleich abschminken. Die Brühe, die sich hier Atlantik nennt, ist tot!! Sie stinkt so starkt, daß das Abendessen fast auch den Weg zum schleimigen Salzwasser findet. Nur mit Mühe schaffte ich es idyllische, verlogene Fotos zu machen. Langzeit hatte wenig Sinn, denn es gibt fast gar keine Wellen. Wenn ich mir doch nur erklären könnte, was hier nicht stimmt??

Abendlicht

das sieht eigentlich schön aus, wäre da nicht der Gestank und das Wissen, daß hier mit dem Leben im Wasser was überhaupt nicht stimmt. Alle Pflanzen waren abgestorben und schwammen gärend vor sich dahin, die Schicht des "Schmodders" war sehr hoch, wenn da eines der Kinder reinfallen würde, man könnte es nicht mal mehr sehen. Leben gab es in den Tidepools gar nicht. Außer Fischkadavern, Skeletten und Müll gab es nichts zu entdecken. Nichts, was noch Leben in sich hat. Was mich sehr wundert, ist, daß die Touristen das nicht merken (wollen?). Oder nichts dazu sagen. Nun ich tue es ja auch nur hier in meinem Bericht. Es gab einige Langzeitcamper, die wahrscheinlich jeden Tag zu den Vogelbrutstätten gehen. Aber man kann doch nicht einen Teil genießen, wenn`s am anderen Ende gen Himmel stinkt! Zutiefst gefrustet schlich ich ins Bett! Wo werden wir enden, wenn es so weitergeht? Werden die Kinder noch "unberührte" Natur finden können, wenn sie mit ihren Kindern durch die Weilt ziehen? Wir schlossen die Fenster, es war nicht auszuhalten und ich träumte die ganze Nacht von Neuseeland. (Ich weiss, auch da liegt Einiges im argen, aber es gibt noch etwas mehr Platz und die Menschen geben sich Mühe im Umgang mit ihrer Umwelt)

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