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Das Polfilter – ein unverzichtbares Filter in der Landschaftsfotografie

Welche Filter würde ich zum Fotografieren mit auf eine einsame Insel nehmen? Das Polfilter, ganz klar! Für uns ist das Polfilter, neben dem Graufilter und dem Grauverlaufsfilter, unser wichtigstes Kamerazubehör ist. Schon in den Zeiten der Analog-Fotografie war das Polfilter unser „Immer Drauf“-Filter.  Schau Dir die Bildbeispiele an, die werden Dich überzeugen.

Ist die digitale Bildbearbeitung einfacher als die Arbeit mit einem Filter?

Für die klassischen Anwendungsgebiete ist in der digitalen Fotografie das Polfilter nicht mehr nötig – sagen einige Leute. Verstärkung des Himmelsblaus und höhere Sättigung der Farben kann man ja am Computer mit dem Verschieben von ein paar Reglern komfortabel vornehmen. Ich bin da ganz anderer Meinung.

Mit und ohne Polfilter in Bleik, Vesteralen. Schau auf auf das Grün im Gras und auf die Wasseroberfläche. Die Reflektionen des Abendlichts sind fast vollständig eliminiert und lassen die Farben des Wassers und des Grases voll zur Geltung kommen.

Typisch englische Landschaft mit Schafen und Wolken – wenn das Polfilter drauf ist, heben sich die Wolken erst richtig vom Himmelsblau ab. Diese Kontrastverstärkung wäre mit Bildbearbeitung unmöglich, zumindest extrem aufwändig.

  • Ohne Polfilter
    Ohne Polfilter - schwedischer See

Das Polfilter ist unser Standardfiler

Warum benutzen wir es dann als Standardfilter? Immerhin klaut es auch eineinhalb Blenden Licht.
Das Polfilter besitzt die unschätzbare Eigenschaft, Reflektionen zu unterdrücken. Auf allen nichtmetallischen Oberflächen, ganz besonders in Verbindung mit Wasser. Das  lässt sich so gut wie gar nicht mit digitaler Nachbearbeitung bewerkstelligen.
Auf Standard-Zooms, Tele- und Makroobjektiv ist das Polfilter ständig aufgeschraube. Beim Superweitwinkelobjektiv verwenden wir es nur bei Bedarf, wenn nicht zu viel blauer Himmel im Bild ist.

Warum sehen ich manchmal den Effekt und manchmal nicht?

Weil der Polfiltereffekt von der Richtung des einfallenden Lichts abhängig ist, ist der Filtereffekt in verschiedenen Bereichten des Himmels unterschiedlich stark. Das sieht nicht immer gut aus. Der Himmel wirkt fleckig. Verwende ich längere Brennweiten, fällt das nicht auf, weil ich nur einen kleinen Teil des Himmels im Bild habe.
Am stärksten ist die Löschung von reflektiertem Licht, wenn ich im rechten Winkel zur Lichteinstrahlrichtung fotografiere. Das heißt, mit der Sonne im Rücken oder gegen die Sonne habe ich relativ wenig Polfilterwirkung. Seitlich rechts und links von der Sonne ist der Blaueffekt im Himmel am stärksten.

Bei diffusem Licht, wie an bewölkten Tagen, gibt es keine eindeutige Lichtrichtung. Da ist die Polarisationswirkung allgemein sehr gering. Trotzdem lohnt es, auch hier zu probieren. Reflektionen in Fenstern, auf glänzenden Pflanzen oder auf nassen Oberflächen kann man auch an trüben Tagen noch steuern.

Das Polfilter klaut Licht

Die rund eineinhalb Blenden, die das Filter an Lichtverlust mitbringt, nutzen wir auch gerne für unsere beliebten Langzeitaufnahmen – manchmal reicht dieser geringe Verlängerungsfaktor schon aus, um Bewegung durch Verwischung zu verdeutlichen und kreativ einzufangen. Als Landschaftsfotografen haben wir immer das Stativ dabei, da ist die Verwacklungssicherheit sowieso gegeben. Den Verlängerungs-Effekt nutzen wir hauptsächlich bei Bächen, Seen und am Meer.
Außerdem ist es keine Sache den Lichtverlust mit einer leichten Erhöhung der ISO-Einstellung zu kompensieren. Wenn ich anstatt 100 ISO auf 320 ISO, bzw. von 200 ISO auf 640 ISO hochgehe, habe ich die Belichtungsverlängerung wieder egalisiert.

Nicht immer den vollen Polfilter-Effekt nutzen

In vielen Situationen ist das Drehen des Polfilters auf die maximale Wirkung etwas zu viel des Guten. Der blaue Himmel ist vielleicht viel zu dunkel oder wirkt fleckig, die Farben von Objekten wirken zu krass. Dann nehme ich wieder etwas von der Wirkung weg, bis mein Bild harmonischer wirkt.

Dabei gibt es kein richtig oder falsch. Beim Drehen des Polfilters verändern sich die Kontrastverhältnisse fließend, die Farben und die Helligkeit der einzelnen Bildobjekte wechseln.
Wie das aussieht, lässt sich am Besten an den folgenden Beispielen demonstrieren.

Polarisationsfilter und spiegellose Systemkameras

Im Sucher einer Spiegelreflex ist der Polarisationseffekkt am Besten zu erkennen und die  Veränderung des Bildes beim Drehen des Filters am deutlichsten zu sehen. Mit einem elektronischen Sucher oder dem rückseitigen Display von spiegellosen Systemkameras und Kompaktkameras ist der Effekt schwieriger auszumachen.

Sobald die Polfilterwirkung einsetzt (zum Beispiel am blauen Himmel), kompensiert die automatische Belichtungssteuerung der Kamera den geringeren Lichteinfall und belichtet länger. Im Sucher wird der Himmel nicht mehr dunkel, sondern wird entsprechend aufgehellt. Die Helligkeitswerte von Landschaft und Himmel verschieben sich. Diese subtile Änderung ist schwieriger zu erkennen.

Positiv daran ist, dass das Sucherbild (bei entsprechender Kameraeinstellung) in etwa das Aussehen des fertigen Bildes anzeigt. Und du kannst mit der Belichtungskorrektur gegensteuern, um dein Bild richtig zu belichten und das Himmelsblau wieder zum saftigen Blau hinzukriegen.

Wir nutzen aus Gründen der Qualität B+W Polarisationsfilter-77mm oder die Slim-Filter von Haida, in Kombination mit Filterhalter oder als Einschraubfilter.

  • Polfilter - unterschiedliche Einstellung
    Polfilter - unterschiedliche Einstellung

Artikel über die Funktion und Anwendung von Polfiltern gibt es wie Sand am Meer, und wir wollten auch nicht die 3800ste Version davon schreiben. Hier aus diesem Grund dieser Linktipp:
Das Polfilter,  kurz und präzise in der Wikipedia.

Eine weitere Gegenüberstellung: Bovbjerg Fyr. Mit Kompaktkamera ohne Filter und mit Spiegelreflex mit Polfilter.

Foto mit einer Kompaktkamera aufgenommen

Foto mit einer Kompaktkamera aufgenommen

Spiegelreflexkamera mit Polfilter

Spiegelreflexkamera mit Polfilter

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

6 Kommentare

  1. Bei den beiden letzten Bildern (Bovbjerg Fyr) finde ich die Aufnahme mit Polfilter sehr unnatürlich, die Farben sind m.E. nach sehr ins kitschig Überbetonte gerutscht. Die norwegische Flagge hat doch eher das Rot, das das erste Bild wiedergibt.

    • Vielleicht hängt das auch ein wenig davon ab, an welchem Bildschirm man die Fotos betrachtet? Ansonsten ist es eben auch Geschmacksache.
      Liebe Grüße
      Gabi

  2. Danke Gabi, dieser Artikel hat mir den Anstoß dafür gegeben, dass ich mir jetzt mal einen solchen Filter zulegen werde. Bislang habe ich den nie vermisst, aber die Beispielbilder machen doch neugierig …

  3. Immer wieder schön, solche Anregungen zu bekommen. Ich habe zwar Polfilter für meine Objektive, nutze sie aber scheinbar viel zu selten. Ich schraube gleich mal einen vor.
    Ganz beonders gefällt mir aber die Botschaft am Ende. Stimmt auffallend!
    Wenn ich das nächste Mal etwas bei Amazon bestelle, gehe ich über Euren Link rein, versprochen!
    LG Antje

    • Hi Antje,
      wenn Du sowieso die Filter hast, solltest Du sie auch nutzen :-)
      Im 90° Winkel zur Sonne polarisiert es am besten.
      Denke auch daran, das Filter zum kreativen Spiel mit der Zeit zu nutzen. Für mich fangen Langzeitbelichtungen bereits relativ früh an…

      liebe Grüße
      Gabi

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