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Pont Aven in der Vorsaison

Das Klo über dem Aven, im Hintergrund die Galerie des berühmten bretonischen Fotografen Plisson

Wie immer, bei Live Reiseberichten, schaffen wir es ein paar Wochen von unterwegs auch Blogbeiträge zu schreiben aber nicht bis zum Ende der Reise. Das liegt am großen Arbeitspensum, welches wir bewältigen. Mein Wecker sagte mir jeden Abend, dass er in sechs Stunden klingeln wird. Zudem hatten wir Probleme mit der Geschwindigkeit des Internets. Aber, alles nicht so schlimm. Wir haben bereits unterwegs geschrieben, die Berichte folgen nun zügig. Vorweg kann ich versprechen, dass wir auf dieser Reise die unterschiedlichsten und zahlreichen Facetten der Bretagne betrachteten. Das Meer mit Langzeitaufnahmen kam fast zu kurz.

Das Klo auf Stelzen über dem Aven im Abendlicht

Immer wichtig für Fotografen: das Wetter.

Wie es die Wolken am Abend angekündigt hatten, eine ergiebige Regenfront zieht langsam aber unaufhaltsam auf die Bretagne zu. Die Sonne hat an diesem Morgen noch Erbarmen mit uns und lässt sich eine Weile blicken, dann verdichtet sich die Bewölkung.

Seltsame nächtliche Figuren am Aven

Zwei Tage Regen sind vorhergesagt, bei der Mitte April herrschenden Kälte ist das mehr als ungemütlich im Wohnmobil. Wir suchen nach einem Stellplatz mit Stromversorgung, auf dem wir die Regenperiode aussitzen können, und werden in Pont-Aven fündig. Pont Aven steht sowieso auf unserer Reiseliste. Es passt also alles.

Der Stellplatz in Pont Aven

Es fallen bereits ein paar fetter Regentropfen vom Himmel, als wir vor der Schranke des Stellplatzes stehen und herausfinden wollen, wie man denn da hinein kommt. Der Platz wird von einer Gesellschaft namens „Camping Car Park“ betrieben, die ein uns neues Bezahlsystem benutzt. Wir müssen einen scheckkartengroßen PASS’ÉTAPES für vier Euro erwerben, den mit dem Betrag der Übernachtungsgebühr aufladen, dann können wir rein. Zum Glück geht das auch mit unserer deutschen Bankcard. Es ist allerdings sehr lästig und unangenehm, dass wir Email Adresse, Handynummer und unsere Adresse eingeben müssen. Kaum stehen wir auf dem Platz, da kündigt mein Smartphone mit einem Piepsen bereits die erste SMS ein. Das futuristisch wirkende Bezahlterminal schafft es auch nicht, einen Beleg für uns auszudrucken, den muss man sich im Internet runterladen.

Fisch- und Jakobsmuschelkonserven aller Coleur

Magnolienblüte über dem Aven

Einige Häuser haben ein recht schmales Profil

Faulenzen oder besser im Wohnmobil arbeiten

Inzwischen hat es sich eingeregnet und wir dürfen endlich mal faulenzen. Naja, nicht wirklich. Faulenzen heißt Bilder herunterladen und sichern, Berichte schreiben und nach sehenswerten Orten Ausschau halten, die weitere Route planen. Wir sind beschäftigt, aber der stundenlange Regen schlägt uns aufs Gemüt. Wir sind jetzt auf Bewegung eingestellt und wollen raus. Wir laufen schließlich auch im Regen in das Städtchen.

Pont-Aven ist ein kleines, schnuckeliges Städtchen am Mündungstrichter der Aven und den meisten Lesern wahrscheinlich bekannt durch die Komissar Dupin Filme. „Bretonische Verhältnisse“ wurde hier gedreht.

Alte Mühle am Aven

Das Chaos, wie der felsenbestückte Teil des Aven genannt wird

Paul Gaugin wirkt wie versteinert und ist nicht bester Laune

Künstler in Pont Aven

Kunstinteressierte kennen Pont-Aven als Künstlerkolonie. Etliche Impressionisten um Paul Gaugin und Emile Bernard bildeten hier die Schule von Pont-Aven. Auf diesem Ruf baut die heutige Popularität Pont-Aven auf.

Am frühen Abend lässt der Regen nach. Es nieselt noch, als wir die 800 Meter runter ins Ortszentrum gehen, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Sehr viel können wir nicht erkunden, der Dauerregen wird wieder kräftiger. Wir suchen Zuflucht in einigen Geschäften und Galerien und ziehen uns bald wieder in unser Wohnmobil zurück.

Der Hafen von Pont-Aven

Reetgedecktes Hotel in Pont-Aven

Am nächsten Morgen starten wir in der Regenpause eine auführlichere Erkundungstour. Nur wenige andere Touristen sind unterwegs. Die Saison hat hier Anfang April noch nicht wirklich angefangen. Davon zeugen auch die noch leeren Blumencontainer-Halter an den Brücken. Der üppige Blumenschmuck, wie er in Touristenprospekten zu sehen ist, wird wahrscheinlich erst im Mai zu bewundern sein. Diese Regenstimmung lang vor der Saison hat aber auch etwas Authentisches. Hier leben ganz normale Leute, Pont Aven kommt wie eine typische bretonische Stadt rüber. Ich denke im Sommer fühlt es sich eher wie eine für Touristen gemachte Stadt an. Wir genießen die Vorsaison. Kämpfen allerdings sehr mit dem tristen Licht.

Der berühmte Baumstamm über den Aven – zum Glück kam kurz die Sonne raus! Die roten Wolken spiegeln sich so wunderbar im Wasser.

Blick von der Brücke über den Aven, ganz rechts im Bild, das berühmte Klohäuschen

Das berühmte Klohäuschen

Das bekannteste Gebäude Pont-Avens ist sicher das Klohäuschen am Place Paul Gaugin, welches auf Stelzen direkt über dem Fluss balanciert. Wahrscheinlich fotografiert jeder Tourist erst einmal dieses Klohäuschen, wir machen das auch. Allerdings sind unsere ersten Fotos sehr langweilig. Alles ist grau in grau.
Die Damen in der Touristeninfo sind sehr nett. Ich habe das Gefühl, sie freuen sich Englisch reden zu können. Wir bekommen eine Karte der Stadt und eine Warnung, dass es nach dem Regen, vor allem im Wald sehr rutschig sein kann. Die kleinen Gärten der Stadt verstecken sich hinter schmalen Pfaden. Der Fluß Aven fließt laut gurgelnd mitten durch die Stadt. Über schmale Holzstege können wir Restaurants und andere Straßen erreichen. Cool, oder?

Fußgängerbrücke über den Aven

Bois d’Amour – der Wald der Liebe

Von der Stadtmitte aus geht es flussaufwärts durch einen verträumten Garten, an Stromschnellen vorbei, in den Bois d’Amour, den Wald der Liebe. Tatsächlich ist der Pfad matschig aber rutschig ist es nicht, es gibt keine Steigungen. Hier am Fluß ist es ruhig, selbst das Wasser fließt gemächlich und leise. Die Vögel zwitschern munter, der Straßenlärm ist nur sehr weit entfernt ganz dezent wahrnehmbar. Außer uns sind keine Menschen unterwegs.

Der Bois d’Amour im ersten Frühlingserwachen

Flussabwärts liegt der Flusshafen, in dessen Wasser sich die Häuser des gegenüberliegenden Ufers malerisch spiegeln. Selbst hier, circa sechs Kilometer vom Meer entfernt, liegen hier die Boote bei Ebbe traurig im Matsch herum. Die Stimmung ist Maritim, aber auch nicht. Eine sehr interessante Mischung.

Dezentes Licht am frühen Morgen und Häuserfront am Hafen von Pont-Aven

Die katholische Kirche nach dem Regen

Blühender Baum

Auffällig ist die Anzahl von Galerien in Pont-Aven. Gefühlte zwei von drei Häusern beherbergen Ausstellungen von Künstlern aller Stilrichtungen. Die Galeriendichte ist ähnlich, wie in Honfleur über das wir schon berichteten. Das könnte man auch als das späte Erbe von Paul Gaugin sehen, dem es allerdings zu seiner Zeit nicht gelang, aus seinem Ruf als talentiertem Maler Kapital zu schlagen.

Häuser auf dem Weg zum Bois d’Amour

Es regnet sich wieder ein. Wir machen einen kurzen Ausflug mit unserem Womo zum Einkaufen und kehren wir für eine zweite Übernachtung nach Pont-Aven zurück. Das Wetter soll nach wie vor nass bleiben, wir sind froh über den Komfort des Stromanschlusses. Damit können wir auf niedrigem Level heizen, die Bordbatterien voll laden und unsere Notebooks intensiv nutzen.

Fototipp:Kurze Sonnenscheinzeiten unbedingt nutzen!

Die Sonne lässt sich fast gar nicht blicken. Fast! Am zweiten Abend, es nieselt noch, da scheint die Sonne kurz vor Sonnenuntergang unter den Wolken hervor. Ich schreibe gerade am Reisebericht, bin von technischen Geräten belagert. Mich hält nichts im Mobil. Die Straße zum Ort hinunter ist recht steil und ungefähr einen Kilometer weit. Nicht sonderlich weit also. Ich renne fast den Hang hinunter. Und zum ersten Mal tut mir mein frisch operiertes Knie sauweh. Aber dieses Licht! Dunkle Wolken, Regenbogen, Nieselregen. Und endlich kommen die Farben zum Vorschein. Hach, herrlich. Innerhalb der zwanzig Minuten Nieselregen und Sonnenschein im Sonnenuntergang schieße ich die besten Fotos der letzten beiden Tage. Fast alle Fotos in diesem Blogbeitrag sind da entstanden. Es lohnt sich, rauszuspringen, wenn das Licht stimmt. Selbst, wenn es unangenehm ist, selbst dann, wenn dann eventuell doch nichts draus wird! Als Fotograf lebt man auf Reisen mit dem Wetter. Alles andere ist Nebensache!

 

Der nächste Morgen ist wieder trüb, grau und trist.

Die katholische Kirche von Pont-Aven

Detail am Wegesrand

Vorsicht bei der Stellplatzabrechnung!

Eine ganz eigene Story beginnt, als wir am dritten Tag den Stellplatz verlassen wollen. Der Automat an der Schranke ist der Meinung, wir hätten die Standzeit von zwei Tagen überschritten und sollten noch eine Übernachtung zahlen. Zähneknirschend zahlen wir, sonst kommen wir nicht vom Platz. So kosten uns die zwei Nächte ungefähr 35 Euro, was wir doch mächtig zu teuer finden. Wie diese Geschichte weitergeht, davon werden wir später mehr erzählen. Nur soviel vorweg: nach längerem Hin und Her bekamen wir das Geld zurück. Als Tipp: wenn ungerechtfertigt etwas abgerechnet wird: Beschwer dich, sonst geht so etwas häufiger durch zum Leid der Kunden.

Der nächste Stopp unserer Rundreise ist Concarneau.

Wir nutzen diese beiden Reiseführer:

Bretagne Reiseführer von Michael Müller

Mit dem Wohnmobil in die Bretagne

In unserem Leuchtturm Kalender 2019 sind übrigens vier Leuchttürme aus der Bretagne.

 

Übersichtsseite Bretagne Wohnmobiltour 2019

 

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

1 Kommentar

  1. Und schon wieder ein so bezaubender Ort ! Echt klasse, daß ihr uns an den vielen tollen Eindrücken teilhaben lasst :-)

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