18.8. Eggum und heftiger Unfall - Ende der Reise :-(

Ich war ganz wild darauf mehr zu wandern. Wir frühstückten also, erzählten noch etwas mit der Familie mit den 4 Kindern aus Deutschland, dann liefen wir los, denn diesem Weg Richtung Unstadt waren wir noch nie gelaufen. Vom Stellplatz aus kann man sich auch gar nicht vorstellen, wie da ein Wanderweg langführen kann, läuft man erst mal los, sieht man, daß es sehr wohl geht. Wir sahen Wasserfälle, einen wunderschönen See in den Bergen liegen und das Meer zur Rechten. Traumhaft.

Skulptur

die Skulptur bei Eggum

Dann sahen wir auch diese tolle Skulptur eines Kopfes, die sich "dreht" wenn man rundläuft. Das Wetter war nicht so toll, es war bedeckt aber noch trocken. Immer weiter liefen wir, je weiter wir wegkamen, desto besser gefiel es mir und den Kindern. Gunter war etwas hektisch, er wollte lieber nach Henningsvær, denn wir wollten heute Rolf treffen und mit dem Zodiac rausfahren und ich wollte mit dem Trockenanzug tauchen gehen. Darauf freute ich mich sehr. Noch war es früh, wir sahen viele Wiesel, wie sie die Jungen hin und her trugen. Die Kinder fanden das ganz toll, dann sah ich um die nächste Biegung ein großes weißes Stück Knochen in der Ferne - nun, es sah genau aus, wie ein Unterkiefer eines Pottwals, das wollten wir natürlich sehen, der Strand war sehr unaufgeräumt, überall Geröll, das Vorrankommen war sehr anstrengend, man mußte sehr gut aufpassen. Gunter war zurückgeblieben, denn er photographierte einen Bach, der vom Wasserfall ins Meer floß, die Kinder waren nun ganz aus dem Häuschen, denn wir fanden einen ganzen Walschädel, wohl von einem Pottwal, dann noch andere sehr große Teile von Walskeletten und das, was so ausgesehen hatte, wie ein Pottwalkiefer, war tatsächlich einer, sehr groß, zwar schon angebrochen und unheimlich schwer. Faszinierend war das alles. Amy sagte nur noch, wie toll es doch wäre, Tierforscher zu sein.

Walknochen

Wow, so was hatten wir bisher nur im Museum gesehen, aber Knochen selbst am Strand aufzuspüren machte sehr großen Spaß. Vor allem, weil so viele davon am Strand lagen! im Hintergrund die hohen Berge. Ich nehme an, daß dieses Teil der Oberkiefer war, bin mir aber nicht sicher!

Schädel

der Schädel, vorne sieht man Abbruchstellen

Unterkiefer

der war an meinem Unfall Schuld:-( Ich hatte diesen Knochen von der Ferne gesehen und wollte unbedingt wissen, ob es tatsächlich ein Unterkieferknochen ist! Mein Forschergeist war geweckt!

Gunter war mittlerweile nachgekommen, wir diskutierten über den Plan des weiteren Tages. Es hatte zu nieseln angefangen, ich fühlte mich auf den Felsen nicht mehr wohl und sicher, wir machten uns also auf den Rückweg und da rutschte ich ab! Scheiße! Ich merkte gleich, daß ich mir das Bein gebrochen hatte, jetzt sahen wir das Dilemma: der Fuß stand in die falsche Richtung! Mist, Mist, Mist! Tranportabel war ich nicht. Gunter meinte, er trage mich zu Womo, aber das ließen wir gleich sein. So zog er mir nur den Wanderschuh aus und ich legte mich auf die Felsen, mit dem Schmerz kämpfend, Gunter lief mit Amy los, Hilfe holen. Esra und Noah hockten bei mir und machten sehr traurige Gesichter. Dann, mir kam es schon nach einer Ewigkeit vor, sah ich Wanderer kommen. Die rief ich, um zu fragen, ob sie ein Handy hätten. Eine Norwegerin und ihre beiden Kinder waren das, sie hatten sogar ein Handy aber es funktionierte nicht:-( Da sah ich auch Gunter noch, mir schien es, er wäre noch gar nicht weitergekommen und die Schmerzen im Fuß wurden schlimmer. Ich hatte Aspirin in der Tasche und nahm zwei, mit wenig bis Null Wirkung! Die Norwegerin fragte, was sie tun könne, sie half mir dann, mit einer Isomatte, die wir unter mich legten, und sie polsterte das Bein ab. Das Meer war absolut faszinierend, ich war stinksauer, daß ich nun hierlag und nichts machen konnte. Am schönsten Strand der Welt, Knochen überall, die Wiesel um uns herum, nette Menschen - und ich liege da, habe Angst, nie wieder richtig laufen zu können, der Schmerz wurde immer intensiver. Irgendwann kamen zwei nette Damen, die hatten auch ein Handy, auch das funktioniert nicht. Wir reden miteinander, ich halte mich wacker, das abgeknickte Bein gefällt mir gar nicht, ich habe Angst. Noah fängt schließlich an, mit den anderen Kindern zu spielen, sie fangen Krabben, dann kann Esra sich auch nicht mehr halten. Ich liege da, habe Angst, daß von den Beiden auch noch einer fällt. Denke, nun, Hilfe wir ja jetzt unterwegs sein?! Nach 2 Stunden kommen noch zwei Frauen, die geben mir Paracetamol, ich nehme sie gerne an, aber auch 4 Tabletten helfen mir nicht mehr, der Schmerz wird fast unerträglich, das Bein ist jetzt schon tierisch geschwollen. Aua, aua! Schließlich kommt Gunter wieder, er hatte in Eggum vom ersten Haus aus telefoniert, die würden einen Helikopter schicken. Uff, ich konnte nicht mehr, die Schmerzen wurden so intensiv, ich dachte, das Bein fällt ab! Der Fuß pochte und brannte. Ich dachte, es wäre einfacher noch 5 Kinder zu bekommen, denn zwischen den Wehen gibt es eine Pause: hier nicht. SCHMERZ - ohne Gnade, pausenlos und immer schlimmer werdend. Trotzdem hätte ich gerne ein Bild gemacht vom Bein, doch Gunter hatte den Photoapparat im Womo gelassen. Irgenwann stöhnte ich nur noch, ich versuchte den Schmerz "wegzutönen", es klappte nicht. Die Frauen merkten, daß ich mit meinen Kräften am Ende war, sie machten sich gerade auf den Weg, nochmal nachzufragen, da kam der Helikopter um die Ecke geflogen. Ah - endlich! Der Pilot verbrachte eine Heldentat an diesem Ort zu landen: steile Berge, dicke Felsen und das Meer. Einige Minuten dauerte die Landung, dann kam endlich Hilfe! Ah, ich war so dankbar! Drei Stunden waren seit dem Unfall vergangen, mein Bein war die Hölle! Ich bekam Morphium, dann konnte ich locker lassen, was für eine Wohltat. Die hielt nicht lange, denn das Bein sollte nicht in dieser Position verbleiben. So zog der Arzt es in die richtige Position, was nochmal einen Schmerz draufsetzte und sich nicht gut anfühlte, so die losen Knochen im Bein zu spüren macht die Sache so real! Die Kids hatten Angst und Neugier in den Augen. Gunter sprach ab, in welches Krankenhaus ich käme, er konnte nicht mitfliegen wegen der Kinder und dem Womo, ich fragte, ob vielleicht wenigstens Esra mitkommen könne? Dann hätte Gunter nur zwei und ich wäre nicht so allein! Der Transport über die Felsen in den Helikoter war dann mit dem Morphium auszuhalten. Ich bekam Kopfhörer gegen den Lärm auf, verständigen konnte man sich über Funk. Uff, jetzt lag ich weicher, wir flogen durch die Berge, die Männer waren sehr nett, beruhigten mich, ich konnte etwas aufatmen, schmerzmäßig! Die Rettungssanitäter waren baff, denn mein dürftiges Nowegisch brachte ich auch hier an den Mann. Außerdem mußte ich mich sowieso zusammenreißen - ich muß ja fragen, was jetzt ist, und sagen daß ich Tramal nicht vertrage....

Alle Unfall Bilder wurden von Eva und Brit aufgenommen. Die Beiden waren so freunlich mir die Bilder zu schicken! Tusen Takk Eva og Brit!

Leute beim Unfall

es waren schließlich recht viele Menschen um mich herum zusammengekommen! Einen ganz großen Dank an alle, die bei mir blieben und mir Mut gemacht haben! Das hat mir sehr geholfen. Hier auf dem Bild sind zu sehen: (von links: Gunter, Esra, Eva, Sandra Tochter von Anne, Amy und Noah, ich liegend!) Das Bild hat Eva's Schwester Brit aufgenommen!

Helikopter

Der Helikopter landet - eine Meisterleistung bei diesem Untergrund

Schmerz

enlich ein wirksames Schmerzmittel, Dr. W. hilft mir. Er hat mich durch seine ruhige, freundliche Art sehr beruhigt

Der Helikopter landete, Esra hatte viel Spaß gehabt, denn er durfte vorne sitzen, er hatte ein leckeres Kaffeestückchen bekommen und einen Aufkleber vom Helikopter. So warteten wir mit laufenden Rotoren auf den Krankenwagen, sogar eine ganze Weile. Das Fahren war für das Bein nicht so angenehm, es rüttelte und tat sehr weg. Im Krankenhaus bekam ich dann ein genütliches Bett - das war schön, so weich, sauber und warm, vom Morphium etwas benommen kann man sogar sowas Schlichtes genießen. Leider dauerte es eine Weile, bis das Bein geröngt wurde, schade, der Fuß stand ja immer noch schlecht, obwohl der Rettungsarzt ihn schon gerichtet hatte, dann kam ein Arzt und schaute sich das geschwollene Ding an - nun: der sei mit Sicherheit gebrochen und müsse operiert werden! Ja, das hatte ich mir schon mit Grauen gedacht. Als er das Röntgenbild gesehen hatte, kam der Arzt und zog ohne Vorwarnung dran - ahhhh! Schmerz laß nach. Das Bein war also nicht nur gebrochen sondern auch ausgerenkt. Uff! Der Arzt meinte, wir sollten besser gleich operieren, man hat nur 8 Stunden, dann ist die Schwellung so stark, daß man Tage warten muß. OK, dann besser gleich. Ich mußte mich ausziehen, bekam Hemdchen und Unterhose und schon wurde ich in den OP geschoben, Esra war nun allein. Er bekam Maluntensilien. Gunter war noch nicht da. Mir war's nicht wohl:-(

Roentgenbild

das Roentgenbild nach dem Richten des Beins:-(

schrauben

das Roentgenbild nach der OP - mit lofotischen Souveniers!

Die Narkoseschwester war aus Dänemark und sehr nett! Se redete viel mit mir beruhigte mich. Ich bekam eine PDA, konnte also während der ganze OP, die mehr als 3 Stunden dauerte, die Aussicht genießen und die war fantastisch. Ich dachte nur, blöd hier zu liegen, wenn bestes Photowetter ist! Die Operation war anstrengend für mich, das Morphium machte mich schläfrig, ich wollte eigentlich nur meine Ruhe haben, aber die hantierten dauernd am Bein rum, das lag unter einem Röntgengerät und ich verfolgte so, jede Schraube und Platte, die reinkam. Letztendlich waren es 9 Schrauben und eine Platte! Das Bein war an drei Stellen gebrochen, zudem war das ganze Gewebe des Beins schwer geschädigt durch die unglückliche Lage des Beins und das über fast 6 Stunden. Die OP war so gegen 20:00 Uhr beendet, ich war froh endlich aus dem OP Saal rauszukommen, das Abschnüren des Beines hatte mir am meisten Schmerzen bereitet. Ich mußte die Nacht über auf die Überwachungsstation, das war schon heftig, Ruhe und Schlaf, die ich sehr nötig gehabt hätte fand ich natürlich nicht! Ich war noch ziemlich verkabelt, redete trotzdem schon wieder über Photos und schwärmte vom Land. Die Schwester war begeistert, so verschenkte ich Bilder, die gut ankamen. Irgendwann kam ein weiterer Notfall rein, da hatte die Schwester keine Zeit mehr für mich, mir ging es gar nicht gut, denn die Narkose lies langsam nach und mit dem Gefühl kam auch der Schmerz. Uff, jetzt war es richtig heftig, ich bekam das Schmerzmittel nun 2 stündig aber es half nicht mehr.Gegen Morgen wurde ich dann auf die Station gebracht.

Blumen

ich hatte sogar Blumen bekommen:-) Von Jörg aus Stockmarknes, den ich von der FC her kenne und vom Team der Waltouren in Sto! WOW, hab ich mich gefreut! Vielen Dank. Tusen Takk!!

die Narbe

so sah der Fuß dann nach ein paar Tagen aus, die andere Seite ist übrigens schlimmer, denn der Fuß war nach außen hin abgeknickt gewesen!

Maria

hier die andere Seite - Maria aus Schweden reinigt die Wunde. Mit Maria habe ich viel geredet.

Anne Marie

mit Anne Marie konnte ich zwar nicht viel reden, aber wir haben uns auch ohne viele Worte sehr gut verstanden! Sie ist so herzlich - eine richtig gute Freundin! Danke Anne Marie!

Über den Krankenhausaufenthalt in Norwegen werde ich noch berichten, es ist zwar nicht viel passiert - ich konnte nur zur Toilette humpeln - aber gefühlsmäßig wurde mir doch sehr viel klar! Gunter war Samstags früh mit den Kindern aufgebrochen und gen Heimat gefahren. Wir kamen fast zeitgleich Donnerstagsabends in Deutschland an. In den Tagen nach der OP las ich Frank Schätzings "Der Schwarm", das war ideal, denn das Buch ist dick, spannend und sehr informativ! Ich war sehr gut abgelenkt und bin Marion unendlich dankbar, daß sie es mir so knapp vor der Reise extra gebracht hat. Ich hatte also 8 Tage im norwegischen Krankenhaus verbraucht, dazu kamen dann nochmal 8 Tage im deutschen Krankenhaus.

26.8. Rückflug mit Hilfe des ADAC

So, den Rest gibts später - ich bin mittlerweile in Deutschland, jedoch nicht zuhause sondern im Krankenhaus, der Rücktransport mit dem ADAC funktionierte auch! Diese Reise war also sehr aprupt zu Ende und mit den "Souveniers" werde ich hier wohl eine ganze Weile zu kämpfen haben:-(

Hier kurz ein paar Bilder von meiner Rückreise mit Herrn Kluge, den der ADAC nach Leknes schickte. Ich bedanke mich bei Herrn Haas vom ADAC, der es trotz widriger Umstände packte, mich nach Deutschland zu bringen!

Flug

von Oben sind die Lofoten noch schöner - Schade, daß ich nicht fit war, der Kreislauf macht nach einer Woche Krankenhaus nicht so gut mit, zudem mußte ich die Schmerzen im Bein immer noch mit Schmerzmitteln runterdrücken!

Flug

noch ein Lofotenbild!

Sven Kluge

Sven Kluge am Flughafen Olso - Danke Sven! Es war sehr schön, Dich kennenzulernen:-)

Flug

Die Landschaft in der Gegend von Olso - schon sehr verändert im Vergleich zu dem Norden!

Oslo

der Flughafen in Oslo

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