Das Meer

Ebbe und Flut

Das Meer ist besser als der größte Spielplatz. Hier kann man nicht nur im Sand spielen, nein, das Wasser ist so nah, man kann sogar mit Matschesand eine richtige Sandburg bauen. Ist die Burg erst mal im Rohbau, wird sie noch mit Muscheln und Stöckchen verziert und sieht dann wie ein Kunstwerk aus.

Esra im Sand
Hier fange ich erst an!

sandburg zusammen mit Marvin

Hier baue ich zusammen mit Marvin (der hat auch mal in Bubenheim gewohnt) und Noah eine richtig große Burg

Aber, das Meer ist tückisch. Es gibt Ebbe und Flut. Wenn ich eine Burg bei Ebbe zu nahe am Wasser baue wird mein Bauwerk bei Flut weggespült und ich bin sehr traurig. Das erste Mal war ich richtig sauer - stinkesauer! Aber Mama konnte mir nicht helfen. Gegen die Flut kann niemand etwas tun. Bei Ebbe ist das Wasser etwas weiter weg vom Strand, d.h. man kann weiter hinaus laufen. Es gibt viel naßen Sand, eben Sandburgsand. Wenn es Felsen gibt, kann man die erkunden, denn sie liegen im Trockenen. Bei Flut steigt das Wasser an. Dort, wo gerade noch meine Sandburg war, ist plötzliche eine Welle, dann noch eine und noch eine. Und meine Sandburg ist ganz platt, die Stöckchen schwimmen weg. Auch die Felsen, die vorher ohne Wasser drum herum im Sand lagen, sind nun von Wasser umgeben. Was meint ihr, ist für Ebbe und Flut verantwortlich? Die Sonne und der Mond! Sowas! Obwohl die so weit weg sind, ziehen sie am Wasser im Meer und heben und drücken es dadurch! Was die Flut mit meiner kleinen Sandburg gemacht hat, das macht sie viel langsamer auch mit den Felsen und der Erdkruste. So verändert das Wasser die Küste immer wieder. Aus Felsen, werden kleinere Steine, aus kleinen Steinen werden Kieselsteine und aus den Kieselsteinen werden ganz kleine Kieselsteine und immer so weiter, bis Sand da ist. Ganz einfach, es dauert nur seeeeeehr lang. Viel länger als wir es uns vorstellen können. Die Ebbe und die Flut wechseln sich übrigens immer im 6 Stunden Rhythmus ab, also ein Kommen und Gehen.

Die Wellen

Aber auch wenn man keine Lust auf Sandburgen hat, gibt es eine Menge zu tun. Wir versuchen oft die Wellen wegzuscheuchen. Das klappt sogar, wenn man es zur rechten Zeit macht. Man rennt hin, tritt auf die flache Welle und sagt "HUUUH", und schon rennt die Welle weg! Was für ein Spaß! Oder wir spielen Wellen ärgern. Wir werfen Steine auf die Wellen und dann kommt meist eine ganz große und scheucht uns vom Strand weg. Aber warum gibt es eigentlich Wellen? Im Fluss und am See gibt es keine so großen, schönen, lauten Wellen, nur ganz Kleine. Meine Eltern sagen, dass kommt vom Wind. Der Wind weht fast immer am Meer, denn das viele Wasser hat eine andere Temperatur als das Land. Wenn es zwei verschiedene Temperaturen gibt, entseht der Wind. Der Wind schiebt das Wasser von oben und es fängt an sich zu drehen.Wenn die Welle dann schön gedreht ans Land "rennt", wird sie gequetscht und das Wasser knallt an den Strand, der "Wellenkreis" ist kaputt. Das ist laut. Das Wasser sprüht, und wenn der Wind ganz stark ist, ist man nass, ohne gebadet zu haben. Das ist die Gischt, viele ganz kleine Tropfen Meerwasser in der Luft. Wenn man dann an den Lippen leckt ist es salzig. Das Meer ist richtig salzig, anders als ein Fluss oder See. Dort sagt man es ist Süßwasser - das stimmt aber nicht, es schmeckt einfach nach Wasser, nicht süß!

Wenn der Strand schön flach und nicht so felsig ist, können wir Kinder mit den Füßen ins Wasser. Das macht einen sehr großen Spaß. Bleibt man stehen und die Welle geht zurück fühlt man sich als würde man fahren, obwohl man sich nicht bewegt. Wenn ich versuche trotzdem an den Strand zu laufen werde ich schwindelig und bleibe lieber stehen, denn sonst falle ich hin. Amy ruft dann immer: "wir fahren schnell"

Sandwellen

Die Wasserwellen hinterlaßen dieses schöne Muster im Sand, das nennen wir dann "Sandwellen" Die sieht man nur an flachen Sandstränden.

Welle

Das ist eine Welle, die meine Mama vom Meer photographiert hat

Treibholz

Es gibt Strände, hier in Neuseeland besonders im Westen (die Himmelsrichtungen kommen später noch), da wird wahnsinnig viel Holz angespült. Nicht nur kleine Ästchen, nein, ganze, große Bäume!! Es verwundert mich doch sehr, dass ein so großer Baumstamm schwimmt und nicht untergeht, wo er doch so schwer ist. Meine Eltern sagen, das liegt an der Dichte. Ein Meter Holz wiegt weniger als ein Meter Wasser und daher schwimmt es. Ich kann es troztdem nicht hochheben und nehme daher die Stämme, die ich tragen kann. Damit baue ich Häuser! Diese sehen aus, wie die Zelte von den Indianern in Nordamerika, nur fehlen die Felle, die normalerweise darübergespannt werden damit es nicht reinregnet. Wenn flache große Steine am Strand liegen, bauen wir diese zwischen dem Holz auf und es sieht aus wie ein richtiges Haus. Auch die großen Leute haben am Hausbauen Spaß, denn oft steht da schon so ein ganz tolles, wenn wir an den Strand kommen.

Hausbau

Unser Zelthaus mit Steinen - da habe ich viele Muskeln bekommen beim Arbeiten

Sonnenschutz

stellt man viele kleinere Stöcke in einer Reihe auf, gibt das einen Sonneschutz für heiße Sommertage - extra weit hinten gebaut, damit die Flut nicht kommt!

Das Holz hat noch einen Vorteil. Man kann im naßen Sand Bilder malen. Rießengroße, denn so ein Strand ist oft sehr lang. Außerdem ist hier in Neuseeland so viel Platz, dass man niemandem ins Gehege kommt.

Labyrinth

Hier haben wir ein großes Labyrinth in den Sand geritzt

Das Treibholz hat aber auch noch einen weiteren Zweck. Manchmal werden Bäume vom wilden Meer aus dem Boden gerissen - ja, so stark ist das Meer - und dann an einer anderen Stelle wieder an den Strand gespült, wo sie lange Zeit liegen bleiben. Manche Bäume treiben irgendwann neu aus und es bildet sich ein Wald an der Stelle, wo das viele Treibhold gelegen hat. Die Erde wächst also an dieser Stelle wieder und an der anderen hat das Meer gewonnen. Noah und ich haben nun schon öfters gehört, dass alles ein Kreislauf ist. An einer Stelle wird genommen, oder geht etwas kaputt, und an einer anderen Stelle fängt alles wieder neu an.

Die Muscheln

Noah mit Muscheln

Unsere Mama liebt es Muscheln zu sammeln und Noah hilft immer fleißig mit. Er nennt unsere Mama nur noch die Muschelsammlerin! Mir macht es auch viel Spaß, aber manchmal muss ich halt unbedingt Hauser oder Sandburgen bauen. Vor ein paar Tagen waren wir an einem Strand, der ganz flach war und wo es viel Sand gab. Dort fanden wir Scallops. Das sind wunderschöne, sehr große Muscheln.

Scallops

Hier haben wir die großen Scallops

Shell  

Da die ziemlich dünn sind und wahrscheinlich leicht zerbrechen, haben wir ein paar als Reserve mitgenommen. Damit ihr alle im Kindergarten auch welche zum Anschauen bekommt:-) Wir hatten die Scallops abends noch mit heißem Wasser gewaschen und getrocknet und am morgen sind wir zur Tankstelle gefahren. Eine Shell Tankstelle. Und stellt Euch vor, was da auf dem Schild war! Eine Scallop! Dabei ist Shell Englisch und heißt Muschel. Die Tankstelle müßte aber in Wirklichkeit Scallop heißen. Scallops heißen bei mir nun Tankstellenmuscheln.

Aber es gibt noch viele andere Muscheln. Die schönsten sind die Paua's. Die sind noch größer als die Scallops und glänzen super toll in allen Blautönen. Paua's findet man nur sehr selten und auch nur an Küsten, wo es Felsen gibt. Wir fanden unsere in Kaikoura, und das war ein ganz tolles Erlebniss!! Wir hatten einen ganzen Campingplatz für uns allein, na ja, eigentlich stimmt das nicht, denn es gab etwa 20 Seehunde und hunderte von Seevögeln. Morgens, gleich nachdem die Flut sich wieder zurückgezogen und die Ebbe gekommen war, gingen wir die Seehunde begrüßen. Und dabei fand meine Mama die wunderbar glitzernden Paua's.

Paua
Die Paua hat Löcher und glitzert schön
Esra und Noah
Hier seht ihr, wie groß die Paua's sind, einen Golfball hat Mama auch gefunden

Jeder hier sagt, Paua's sind Muscheln, das stimmt aber nicht! Paua's sind Schnecken, die im Meer leben. Die halten sich unter Wasser an Felsen fest und manchmal werden die von Tauchern abgelöst. Dann wird die Schnecke darin gekocht und gegesssen und aus der Hülle wir etwas Schönes gebastelt - etwa Knöpfe, oder Schmuck. Die Maori's, die Neuseeland als erste bevölkert hatten, benuzten diese Paua's um ihre Schnitzereien zu verzieren.

Dann gibt es Miesmuscheln, die kann man auch essen und wir finden oft beide Teile der Schale. Das macht Spaß, denn wir können etwas darin verstecken. Wir nennen diese Muscheln Klappmuscheln, weil sie zusammengeklappt werden können.

Es gibt Muscheln, die sehen aus wie ein Schneckenhaus. Die findet man nur sehr selten, denn sie sind so zerbrechlich, dass die schon kaputt sind, bevor wir sie überhaupt aufheben können. Aber jetzt haben wir schon ein paar schöne, noch intakte gefunden.

Spiralmuscheln sind auch sehr interessant, nur muss man aufpaßen, dass nicht noch ein kleiner Krebs drin wohnt. Die ziehen dort nämlich ein, wenn die Schnecke schon wieder ausgezogen ist. Einmal haben wir versehentlich einen solchen kleinen Krebs mitgenommen und der ist dann gestorben, weil ihm das Meerwasser gefehlt hat. Traurig war das!

Muscheln

Hier hat die Flut viele verschiedene Muscheln angespült

Manchmal finden wir Teile von Krebsen oder Hummern, die sehen toll aus und man kann die Greifzangen auch noch bewegen. Nur mitnehmen dürfen wir die grö├čeren nicht, denn die stinken. Manche Muscheln übrigens auch. Die Hummer haben wir in einem chinesischen Restaurant in einem Aquarium gesehen. Die kann man bestellen und dann essen. Meine Eltern mögen das nicht, denn die armen Tiere werden lebendig ins heiße Wasser geworfen und das ist sehr unfair.

Hummer

hier habe ich ein Hummerteil auf dem Stock

Kleine Fische können wir in den Tidepools schwimmen sehen. Ab und zu liegt auch einer am Strand im Sand.

Fisch

der war ganz klein

Kugelfisch

ein ausgetrockneter Kugelfisch - der sieht toll aus, was?

Tidepools

Manche Felsen bilden kleine Becken und dort bleibt das Meerwasser stehen, auch wenn es Ebbe ist. Manchmal kann man dort Muscheln, Krebse und Seesterne drin sehen. Die leben aber noch und wir dürfen sie nicht in unserem Eimer sammeln. Wenn nichts drin herumkrabbelt, können wir rein und das ist super, denn es gibt keine großen Wellen und das Wasser ist von der Sonne schön warm. Es gibt jedoch auch solche Flutbecken, die tief sind. In so eines ist Amy reingefallen und sie war sogar mit dem Kopf untergetaucht.

Tidepool

Am Tidepool kann man Wasserlatschen - nur Amy übertreibt und wir fast immer klatsch nass

Säugetiere im Meer

Wir haben aber auch viele lebendige Tiere am Meer gesehen. Da fanden wir vor allem die Seehunde interessant. Die tarnen sich meist als Felsen und man erkennt sie, wenn sie wegwatscheln, das machen Felsen dann doch nicht. Die Seehunde watscheln so, weil sie keine richtigen Füße zum laufen haben, sondern Flossen. Im Wasser sind sie wahnsinnig flink und wendig, an Land sieht es lustig aus. Diese Hunde sind recht groß und sie knurren auch wie unser Hund, nur noch lauter. Meine Mama hatte mal nur eine Paua Muschel im Kopf und ist fast über einen Seehund gestolpert. Uff, der war laut und die Mama hoch gesprungen vor Schreck. Ja, ja und uns sagt sie geht bloss nicht zu nah an die Seehunde, besonders nicht zwischen den Seehund und das Meer, das mögen sie gar nicht. Und dann macht sie's selbst. Soll sie sich mal erschrecken. :-) Glücklicherweise schlief der Seehund dann gleich wieder weiter. Meine Mama meckert manchmal, wenn mein Papa zu lange im Bad braucht. Der sagte dann nur, sie solle sich doch mal die Seehunde ansehen. Die brauchen erst mal eine Stunde, bis sie wach sind und ein Bad im Meer nehmen, dann nach einer Weile kommen sie raus und putzen sich mindestens nochmal eine Stunden lang. Was für eine Ausdauer! Ich bin morgens immer am schnellsten fertig.

Seehund

Sieht doch ganz aus wie ein Hund mit einem ganz kleinen Ohr

Seehund

Hier wird er so ganz langsam wach, seht ihr die Flossen?

Hier in Neuseeland kann man oft Seehunde sehen. Wir haben sie daher schon öfters beobachtet. Die jungen Seehunde trinken auch an der Brust von ihrer Mama und sie müßen schwimmen lernen! Wer hätte das gedacht? Es gibt also Seehundschwimmschulen. Das sieht ziemlich lustig aus, wie die kleinen ihre Köpfe aus dem Wasser strecken. Aber um gute Photos zu machen, kamen wir nicht nah genug ran.

Seehundschwimmschule

Ganz vorne, zwischen den beiden Felsen, da gab es keine Wellen und dort übten die Seehundkinder das Schwimmen, in den großen Wellen ist es gefährlich

Damit die Seehunde im kalten Wasser nicht frieren haben sie ein Fell, welches Wasser abweist, also von der Haut fern hält. Aber das reicht noch nicht für das richtig kalte Wasser, daher haben sie noch eine dicke Fettschicht.