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Canon G 15, ein Kurz-Test

Letzte Woche hat sich eine Freundin unsere Canon SX 20 Superzoom-Kamera ausgeliehen, um ein paar Schnappschüsse auf einem Event zu machen. Sie hat nicht so viel Ahnung von Digitalkameras und von Fotografie allgemein, und war gleich hellauf begeistert von der Canon, auch wenn sie die ersten Aufnahmen noch mit aufgesetztem Objektivdeckel gemacht hatte.

Einmal Feuer gefangen, kam logischerweise der nächste Schritt: „Zu Weihnachten will ich eine eigene Digitalkamera, kannst du mir was Passendes empfehlen? – Und kannst du mir das auch gleich bestellen und sie mir richtig einstellen?  So, dass ich die Kamera ohne viel Einstellerei bedienen kann?“

Was machen? Natürlich versprach ich ihr, mein Möglichstes zu tun und machte mich auf die Suche nach der perfekten Kamera für fotografische Laien. In meinem Hinterkopf saß heimlich die Vorfreude auf das Herumprobieren mit einem mir noch nicht vertrautem Kameramodell.

Die Auswahl

Zuerst habe ich mit ihr alle möglichen Kriterien festgelegt. Was soll die Kamera leisten?
– Kompakt soll sie sein, und nicht zu schwer
– Robust und solide gebaut
– Einfach und sicher zu bedienen
– Gute Bildqualität
– Schneller Autofokus
– Großer Zoombereich
– Rauscharm auch bei schlechten Lichtbedingungen (high ISO)
– Gute Nahaufnahmefähigkeiten (für die Meerschweinchen der Töchter)

Die Liste klingt ein bißchen so wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau. Alles wird sich sicher nicht exakt 1:1 in der Wunschkamera umsetzen lassen.
Also haben wir die Kriterien nochmal sortiert und gewichtet: Die Kamera soll robust, reaktionsschnell und leicht bedienbar sein und bei wenig Licht noch brauchbare Ergebnisse liefern. Und zuviel sollte sie auch nicht kosten.

Die Suche unter den Tausenden von verfügbaren Kameramodellen gestaltete sich erstaunlich kurz. Auf der einen Seite das Meer der günstigen Kompaktkameras mit kleinem Sensor, die nicht sonderlich High-ISO-fähig sind, auf der anderen die Edelkompakten und spiegellosen Systemkameras, die preislich nicht in den Rahmen passen wollen. Unter DPreview.com waren schnell die kompakten Modelle mit hoher ISO-Einstellmöglichkeit herausgefiltert, ein weiterer Blick auf die Tests und die Bestenlisten liess faktisch nur zwei Kameras übrig, die Canon PowerShot G15 und die Canon Powershot G16.  Die G 16 unterscheidet sich äußerlich kaum von ihrm Vorgänger, der G 15. Im Inneren sieht es schon anders aus: die G 16 hat den schnelleren Autofokus und die wesentlich schnellere Serienbildfunktion, und der Videomodus ist verbessert und bietet mehr Möglichkeiten. WLAN ist eingebaut und GPS eine Option.  Die Entscheidung war bald getroffen: Die Canon G 15 wird bestellt! Und warum? Unsere Freundin interessierte sich nicht sonderlich für WLAN, GPS, Video und schnelle Bildserien, der günstigere Preis der G 15 hat auch eine Rolle gespielt.

Aber ausgerechnet die Canon Powershot G 15? Die Canon G-Modelle sind eher bekannt als Kameras für erfahrene Fotografen, die was Kompaktes für immer dabei suchen und volle Kontrolle über die Einstellungen wollen. Richtig! Das heißt aber nicht, dass es keine fähige Schnappschusskameras für den Anfänger sein können. Der kann die vielen Einstellmöglichkeiten getrost ignorieren. Für ihn kommt es allein auf brauchbare Bilder an.  Die technischen Daten der Canon G 15 könnt ihr hier nachschlagen.

Canon Powershot G 15 mit Tragegurt und Tasche

Canon Powershot G 15 mit Tragegurt und Tasche

Erster Eindruck

Drei Tage später fühlte ich mich fast wie eine Hebamme, als ich das gute Stück vorsichtig aus seiner Verpackung heraushob. Für einen DSLR-Nutzer erscheint sie sehr klein, aus der Perspektive eines Handyfotografen ist sie wahrscheinlich schon ein ziemlicher Brocken. Jetzt noch Batterie und SD-Karte rein und gleich kann sie zum ersten mal ausprobiert werden.
Der Zoomhebel um den Auslöser ist zierlich geraten, spricht aber gut an. In den Programm-Modi kann zusätzlich die Zoom-Funktion auf das vordere Wahlrad gelegt werden. Damit können die gebräuchlichsten Brennweiten direkt angewählt werden. Die Autofokus-Geschwindigkeit ist wesentlich flotter, als ich es von anderen Kompakten gewohnt bin, und ausreichend für gelungene Schnappschüsse. Ich testete natürlich sofort die hohen ISO-Einstellungen, im dämmrigen Wohnzimmer musste unser Hund als Fotomodel herhalten.

Lucky im Wohnzimmer

Lucky im Wohnzimmer 1/60 sec, f 2.8, 1600 ISO,52 mm Vollautomatik

Bis 1600 ISO sind die Bilder absolut O.K. 3200 ISO ist noch als brauchbar anzusehen, aber 6400 ISO rauscht schon fast grenzwertig und mehr für den Notfall gedacht. Von 12800 ISO würde ich abraten, da bleiben doch zu wenig Details im Rauschen des Sensors übrig. Alles in Allem ist das Ergebnis für eine Kompaktkamera durchaus beeindruckend.

Die Tauglichkeit bei wenig Licht wird zusätzlich durch die hohe Lichtstärke des Objektivs unterstützt. Von  28-140mm Brennweite (KB) hat das Objektiv eine größte Öffnung von f 1.8 bis f 2.8. Das sind etwa zwei Blenden, oder eine vierfach kürzere Verschlusszeit mehr, als von der Masse der Kompaktkameras gewohnt. Das heißt, man kann länger bei niedrigen ISO-Werten bleiben, um ausreichend schnelle Verschlusszeiten bei wenig Licht zu erhalten.

Die Grundeinstellungen

Nach der Beurteilung der erste Bilder klickte ich mich durch das Konfigurationsmenü und stellte die Kamera in etwa so ein, dass sie mit möglichst wenig Einstellerei bedienbar ist und gute Bildqualität liefert.
Also überall die Automatiken drinlassen, wo sie nützen, und Unerwünschtes abschalten.
Sehr unerwünscht ist zum Beispiel die standardmässige Rauschreduzierung bei höheren ISO-Zahlen. Die gehört auf „Niedrig“ eingestellt, sonst werden feine Strukturen gnadenlos durch den Weichzeichner zermatscht. Auch die Pieptöne fielen bei mir dem Ausschalter zum Opfer. Sachen wie Auto-ISO im Vollautomatik-Modus sind nützlich, weil Auto-ISO nur bis 1600 ISO reicht und damit eine noch vernünftige Bildqualität gewährleistet ist.
Dazu gibts noch Dutzende anderer Einstellmöglichkeiten wie Gesichtserkennung, Graufilter und Blinzelmodus; zum Glück gibt es zu jeder eine Kurzbeschreibung auf dem Display. Das meiste habe ich fürs Erste deaktiviert.
Die wichtigsten fotografischen Einstellungen sind leicht über das Controllerrad und dessen zentrale Funktionstaste auf der Rückseite der Kamera erreichbar. Je nach Programmwahl sind unterschiedliche viele Parameter einstellbar, das meiste davon ist selbsterklärend.

Weinberge im Winterfrost

Weinberge im Winterfrost, 1/250 sec, f 5.0, ISO 100, 140 mm, Zeitautomatik

Die Canon G 15 in der fotografischen Praxis

1. Einstellungen und Gehäuse

Im Vollautomatik-Modus ist die G 15 eine einfache Point-and-Shoot-Kamera. Draufhalten und abdrücken. Nur die Entscheidung „Blitz oder nicht“ trifft man, indem man den kleinen eingebauten Blitz ausploppt oder drinlässt. In der Vollautomatik brauchte ich auch nicht den Makromodus umzuschalten, die G 15 erledigt das selbsttätig für mich.
Mehr Einflussmöglichkeiten, auch die ISO-Einstellung über 1600 ISO hinaus, gibt es in den Programmen P, Tv, Av und M.

Für mich sind Gewicht und Ausmaße der G 15 eher nachteilig, weil niedrig. Ich bin schwereres Gerät gewohnt, und muss aufpassen, damit ich die Kamera beim Auslösen nicht verreisse und die Aufnahme trotz eingebautem Stabilisator verwackle. Erst recht, wenn ich die Kamera von mir weghalte und das Display als Sucher benutze. Mit dem eingebauten Sucher geht das besser, da ruht die Kamera an meiner Stirn. Der optische Sucher ist spartanisch und mehr als Notlösung zu sehen. Er ist klein und ohne jegliche Informationen, nur die Autofokus- und die Blitzbereitschaftsleuchte blenden etwas beim Aufleuchten.

Die Kamera liegt trotz ihrer kompakten Maße gut in der Hand und macht einen wertigen Eindruck. Die Bedienelemente lassen sich blind erreichen. Die Oberfläche ist rauh aber hart, ein bißchen wie Sandpapier. Ich finde das gut, denn das ist enorm griffig und gibt Sicherheit!

Weinlaub im Rauhreif

Weinlaub im Rauhreif, 1/60 sec, f 5.0, ISO 100, 66 mm, Zeitautomatik

2. Die Fotopraxis

Für den Transport im Freien habe ich noch eine Kunstledertasche im 60er-Jahre-Stil
dazu bestellt. Darin sieht die G 15 total retro und cool aus, ist trotzdem schnell aufgeklappt und schussbereit.

Das Fotografieren mit der G 15 ist kinderleicht und macht Spaß. Auslöser zum Fokussieren leicht antippen, dann durchdrücken, fertig. Landschaften, Straßenszenen, Nahaufnahmen, Gegenlicht und Leute machen keine Probleme. Das Objektiv ist weitgehend blendfrei, die große Blendenöffnung erlaubt sogar kreative Unschärfe.

Ranken im Gartenzaun

Ranken im Gartenzaun, 1/500 sec, f 2.8, 200 ISO, 68 mm, Vollautomatik. Bei offener Blende hebt sich das Motiv gut vom unscharfen Hintergrund ab.

Nahbereich

Gerade im Makrobereich lässt sich das Spiel mit der Schärfentiefe wunderbar einsetzen. Mein Sohn hat sich die G 15 kurz geliehen und hat damit seine Warhammer-Miniaturen fotografiert. Er war von der Einfachheit der Bedienung und den Makrofähigkeiten begeistert.

Warhammer-Kampfmaschine im Bau

Warhammer-Kampfmaschine im Bau 1/400 sec, f 2.8, 1000 ISO, 107 mm, Vollautomatik

Schnelle Bewegungen

Nur schnell bewegte Objekte sind nicht so einfach einzufangen. Unser Beagle Lucky war wieder mein Testobjekt.  Im Gegensatz zum trägen Herumhängen im Wohnzimmer rennt sie in der freien Natur dauernd im Zickzack, unberechenbar vor und zurück, immer ihrer Nase nach. Es war nicht einfach, ein scharfes Bild von meinem herumwuselnden Hund hinzukriegen. Ich muss allerdings zugeben, da habe ich es auch mit meiner Spiegelreflex nicht leicht.
In der Kürze der Zeit habe ich leider nicht alle Autofokus-Feinheiten ausprobiert, da gibt es noch Servo-AF und Tracking-Hilfen für bewegte Motive, das hätte wahrscheinlich geholfen. Lucky hatte auch keine Lust mehr, fotografiert zu werden. Aber ihr könnt mir gerne über eure Erfahrungen mit der G 15 schreiben.

Lucky sucht lieber Mäuse

Lucky sucht lieber Mäuse, 1/250 sec, f 2.8, 100 ISO, 140 mm, Programmautomatik

Rostige Konservendose

Rostige Konservendose, 1/125 sec, f 5.0, 100 ISO, 56 mm, Zeitautomatik

Rostige Konservendose, Ausschnitt in Originalgröße

Rostige Konservendose, Ausschnitt in Originalgröße

Nachtaufnahmen

Gabi schlug abends noch vor, die Kamera auch in der Nacht auszuprobieren, bevor wir sie weitergeben. Daraus wurde leider nichts. Die nötigen Einstellungen fehlen einfach bei der Canon G 15. Ihr Nachtmodus ist speziell dafür ausgelegt, möglichst kurze, handhaltbare Zeiten zu ermöglichen. Maximal lassen sich 15 Sekunden Belichtungszeit einstellen, aber bei Zeiten über 1,4 Sekunden ist die Empfindlichkeit auf 80 ISO fixiert. Mal eben Sternbahnen oder Nordlichter fotografieren ist nicht drin. Schade!

3. Die Bildqualität

Das Qualitätsniveau der Canon G 15 liegt über dem der meisten Kompaktkameras. Selbst bei voll geöffneter Blende verliert das Objektiv kaum an Schärfe und Kontrast. Spiegelreflexbesitzer werden bei niedrigen ISO-Werten kaum etwas an den Bildergebnissen auszusetzen haben.
Aber auch die hohen Empfindlichkeitsstufen bis 1600 ISO und bedingt darüber hinaus, bringen noch gute, für eine Kompaktkamera exzellente Ergebnisse. Nur die 12800 ISO hätte sich Canon schenken können, das wäre ehrlicher gewesen.

Weintraube im Winter

Weintraube im Winter, 1/100 sec, f 5.0, 100 ISO, 43 mm, Aufhellblitz, Zeitautomatik. Der eingebaute Blitz hellt schattige Objekte harmonisch auf. Die Blitzleistung lässt sich auch anpassen.

Video-Aufnahmen

Die Video-Fähigkeiten habe ich nur kurz angetestet. Die Kamera macht Full-HD-Videos und die Aufnahme lässt sich direkt über einen versenkten, rückseitigen Knopf aktivieren. Ich habe während der Videoaufzeichnung ein Bild fotografiert, das hat die Filmaufnahme gestoppt. Die Filme wirken generell scharf und brillant, der über die eingebauten Stereomikrofone aufgenommene Ton ist klar und gut zu verstehen. Der Autofokus zieht beim Schwenken etwas träge nach, und beim Zoomen kommt ein leise schnarrendes Geräusch mit auf die Tonspur. Damit kann man aber leben, denke ich.

Fazit

Am liebsten würde ich die Canon PowerShot G15 als Immer-dabei-Kamera behalten. Sie ist ein ernstzunehmendes Fotografier- und Filmgerät und liefert hochwertige Bildergebnisse. Trotz ihrer klassischen Bauweise und dem gewissen Retro-Chic (gesteigert durch die Tasche) bietet sie hochmoderne Technik, ein sehr lichtstarkes Zoomobjektiv und eine Menge Einstellmöglichkeiten. Der einzige Wermutstropfen ist die fehlende Langzeittauglichkeit. Längere Nachtaufnahmen sind damit leider nicht umsetzbar. Sie ist, wie ich denke, als Reise- und Reportagekamera konsequent für hochwertige Schnappschüsse aus der Hand ausgelegt.

Frost auf den Erdbeeren

Frost auf den Erdbeeren, 1/160 sec, f 2.8, 100 ISO, 65 mm, Programmautomatik

Autor: Gunter

Gunter testet gerne neue Geräte wie Kameras, Zubehör, Stative

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