Neugierige Möwe nimmt Fotografin unter die Lupe – Gatteville, Normandie
Das erste Foto unserer kurzen Bretagne-Reise war anders als gedacht. Gleich am ersten Abend machte mir eine unachtsame Hundebesitzerin einen Strich durch die gesamte Reiseplanung – und damit auch durch mein geplantes fotografisches Arbeitspensum.
Endlich ein Dome für die Split-Level-Fotografie
Dabei hatte ich mich bestens vorbereitet und endlich in neues Kamerazubehör für die Unterwasserfotografie investiert. Jahrelang hatte ich mit einem Dome geliebäugelt, einer Art Glaskuppel für die Split-Level-Fotografie, bei der gleichzeitig die Unterwasserwelt und die Landschaft darüber zu sehen sind. Jetzt war es endlich so weit!
Den Dome musste ich in den USA bestellen. Im Jahr zuvor hatte das mit dem dazu passenden Silikongehäuse bereits wunderbar geklappt. Doch die Politik ist derzeit unberechenbar, und so fiel der Zoll unerwartet hoch aus. Dummerweise wurde er auch noch für ein Teil berechnet, das gar nicht geliefert worden war. Schwupps, hatte ich fast den doppelten Preis bezahlt.
Aber jetzt sollte es endlich losgehen: ab ans Meer und experimentieren! Einige wichtige Termine ließen uns nur drei Wochen Zeit für diese Reise, was wir normalerweise vermeiden. Dieses Mal machten wir eine Ausnahme, denn die Arbeit mit dem neuen Equipment ist ein wichtiger Bestandteil meines neuen Buchprojekts.
Dann stieg auch noch der Dieselpreis in schwindelerregende Höhen. Trotzdem brannte ich darauf, endlich wieder in der Gezeitenzone zu fotografieren.
Es gab noch einen zweiten Grund für die Reise: Daheim leide ich unter massiven Nervenschmerzen im Gesicht, sogenannte Cluster-Kopfschmerzen, die sehr wahrscheinlich durch den Fluglärm getriggert werden. Unterwegs kann ich dagegen knirschfrei schlafen. Auch das sprach dafür, die Gelegenheit zu nutzen und für einige Wochen ans Meer zu fahren. Übrigens ging dieser Plan auf – ich hatte keine Kopfschmerzen!
Unser erster Halt war Dieppe in der Normandie. An der Kreideküste findet man ein großes Gebiet mit Felstümpeln, die voller Anemonen sind. So viele Anemonen habe ich übrigens sonst nirgends gefunden. Dort wollte ich Split-Aufnahmen mit Anemonen und der Kreideküste machen.
Es kam anders…
Doch leider war das erste Foto unserer Reise diesmal kein stimmungsvolles Küstenbild, sondern ein Röntgenbild.
Eine Frau mit zwei Hunden hatte ihre superdünne Zugleine quer über den Radweg gespannt. Ich sah sie viel zu spät und legte eine Vollbremsung hin. Gunter fuhr direkt neben mir. Als die Frau auch noch einen Schritt auf den Radweg machte, wich er ihr aus – und krachte mir dabei hinten ins Fahrrad.
Ich war nicht zu schnell unterwegs gewesen, vielleicht zehn, fünfzehn Stundenkilometer. Trotzdem war der Aufprall heftig. Mein Fahrradsattel schlug mir mit voller Wucht gegen Kreuzbein und Steißbein. So stark, dass es dabei sogar den Sattel zerlegte.
Der Schmerz war sofort extrem stark. Ich konnte kaum noch stehen oder atmen. Nette Leute sahen mein Dilemma und riefen einen Rettungswagen, der mich in nahe gelegene Krankenhaus fuhr. Was für ein Aufwand und was für eine Aufregung. Auf dem Röntgenbild konnte man am Steißbein keine Verletzung erkennen, ich soll mich daheim nochmal dem Arzt vorstellen, Schmerzmittel nehmen und kühlen.
Zwei Wochen lang konnte ich ohne Schmerzmittel weder sitzen noch liegen. Wenigstens laufen konnte ich.
Nur eingeschränkt fototauglich
Doch so schnell wollte ich meine fotografischen Pläne nicht aufgeben. Auch wenn ich nicht schmerzfrei sitzen oder liegen konnte, war ich immerhin noch beweglich. Laufen ging, und vorsichtig kam ich auch in die Hocke. Das reichte, um meinen neuen Dome tatsächlich auszuprobieren!
Nach circa einer Woche stundenlangem Laufen durch Dieppe, fuhren wir weiter zum Leuchtturm nach Gatteville.
Bewegende Begegnung mit einer jungen Möwe
In Gatteville, am zweithöchsten Leuchtturm Frankreichs, wartete dann eine ganz besondere Begegnung auf mich. Ich erkundete die Gezeitentümpel, suchte nach Seesternchen und Schnecken.
Und plötzlich saß eine junge Möwe direkt neben mir.
Sie beobachtete mich genau so, wie ich die Unterwasserwelt anschaute und studierte. Da mir das Fahren mit dem Mobil doch noch sehr weh tat, blieben wir auch länger in Gatteville. Das war sehr gut, denn diese Möwe gesellte sich jedes Mal zu mir und begleitete mich stundenlang.
Eine ganz besondere Begegnung, die mich tief berührte.
Sie kam jeden Abend so nah an mich heran, dass ich in der Lage war, ganz außergewöhnliche Split-Level-Aufnahmen von ihr und dem Leuchtturm machen konnte.
Solche Begegnungen sind einfach Geschenke der Natur. Unplanbar und gerade deswegen so besonders.
Nach diesem anstrengendem, stressigen Start hatte ich also doch noch die Gelegenheit, mit meinem neuen Equipment zu experimentieren. Und die Möwe sorgte dann sogar dafür, dass ich mit ganz anderen Bildern nach Hause kam, als ich ursprünglich geplant hatte.
Und ich konnte trotz Einschränkungen die Chance auch nutzen. Was für eine Freude.
Möwe – Split-Level-Fotos mit dem Leuchtturm Gatteville
Wohnmobil in Gatteville
Wir schafften es sogar noch für eine Woche in die Bretagne, wo ich gewaltigen Seehasen begegnete. Aber das ist dann eine andere Geschichte!
Schau dir unbedingt unsere beiden Kalender für 2027 an. Küstenlandschaften der Bretagne und Unterwasserwelt in der Gezeitenzone.


















Mal wieder ganz außergewöhnlich gute Bilder. Kompliment. Phantastisch.