Nordamerika – drei Monate, drei Kleinkinder

Fotografie auf dem Mt Diabolo, USA

Fotografieren auf dem Mount Diabolo, USA

Unsere erste lange Reise mit Kindern im Jahr 2000 – Mit drei Kleinkindern im Wohnmobil durch die USA und Kanada

Wir arbeiten im Moment am Blog. Auch, wenn es nach außen nicht direkt sichtbar ist, es tut sich was. Prinzipiell sortieren wir unsere Reiseberichte und Fototipps, damit die Navigation einfacher ist. Die uralten Live Reiseberichte liegen noch auf html-Seiten. Das möchten wir nun ändern. Wir holen sie wieder aus den Tiefen des Internets hoch und bringen sie in Form. Diesen Reisebericht über unsere erste lange Reise mit den Kindern schieb ich für das Buch: Mit Kindern die Welt entdecken: Ein Reisehandbuch von Christine Sinterhauf.

Die beiden langen Live Berichte USA folgen morgen. Ich finde den Vergleich sehr schön: zum einen der Bericht, der Jahre nach der Tour verfasst wurde, zum anderen die täglichen Reiseeindrücke, die die Realität direkt wiedergeben.

Abenteuer Roadtrip mit drei Kleinkindern

In jungen Jahren nutzten wir jeden sich bietenden, längeren Urlaub um den Westen der USA zu bereisen. Doch irgendwann war die Zeit für Kinder gekommen, und wir beschäftigten uns mehr mit Windel wechseln und ähnlichen Dingen. Lange Zeit kam nicht einmal der Gedanke an eine Reise auf. Wir waren einfach zu sehr beschäftigt. Nach dem dritten Kind war unsere Familienplanung soweit abgeschlossen. Endlich einmal keine Schwangerschaft, die die Sache erschweren würde, und dann der Glücksfall, dass mein Mann seinen Job verlor. (Ja, richtig gelesen – man sollte Gelegenheiten nutzen, wenn sie kommen). Unser Ältester war zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alt, der Schulbesuch abzusehen – also die Freiheit noch schnell nutzen.  So kam es, dass wir volle drei Monate mit drei Kleinkindern durch die USA und Kanada reisten.

Leuchtturm in Oregon, USA

Leuchtturm in Oregon, USA – die meisten der Bilder dieses Artikes sind gescannten Dias

Zum ersten Mal mit dem Wohnmobil unterwegs

Bei unseren früheren Reisen in den USA waren wir mit dem Auto unterwegs gewesen. Das ständige Ein- und Auspacken war mir in negativer Erinnerung geblieben, vor allem, wenn wir mit dem Zelt unterwegs gereist waren. Mit dem Gepäck einer 5-köpfigen Familie im Hinterkopf, stellte ich den Erholungswert einer Autoreise sehr in Frage. Mein Bruder war kurz zuvor mit einem Miet-Wohnmobil in Kanada unterwegs gewesen, und schwärmte von den Vorteilen dieser Reiseart. Einmal die Koffer auspacken, immer auf die Sachen in den Schränken Zugriff haben, immer im gleichen Bett schlafen, egal wo man ist: und allezeit eine Toilette in Reichweite haben – ein sehr überzeugendes Argument, war doch Noah gerade aus dem Windelalter heraus und Amy noch voll drin. Wir buchten für die Vorsaison und bekamen ein supergünstiges Mietangebot über die gesamten drei Monate.

Reisegepäck für eine Familie

Beim Packen realisierte ich zum ersten Mal, was wir da vorhatten. Noch nie waren wir länger mit den Kindern unterwegs gewesen. Entsprechend chaotisch und unsicher gestalteten sich die Vorbereitungen. Es gab viel Gepäck: Spielzeug und Windeln, extra Klamotten für alle möglichen Witterungsverhältnisse, Bücher für die Kinder und die Rückentrage für Amy, unsere Jüngste.Ganz zu schweigen von unserer Fotoausrüstung und den Stativen.

Windpocken kurz vor der Abreise

Drei Wochen vor der Reise fingen sich Esra und Noah die Windpocken ein. Jetzt begann das Zittern: würde Amy sie auch noch bekommen? Natürlich! Zehn Tage vor dem Flug sah Amy wie ein Streuselkuchen aus. Kurz vor Reisebeginn besorgten wir uns vom Arzt ein Gesundheitszeugnis, denn Amy war zwar wieder halbwegs munter und nicht mehr ansteckend, hatte aber noch alle Pusteln, vor allem im Gesicht. Dass das auch Vorteile haben kann merkten wir bald. Am Flughafen und im Flugzeug hatten wir relativ viel Freiraum, da die Leute Abstand hielten.

Kleinkinder und Flug – müde Eltern vorprogrammiert

Der Flug war anstrengend, weniger für die Kinder, denn die schliefen, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. Wir waren als umsorgende Betreuungspersonen die ganze Zeit gefragt, und doch selbst auch hundemüde. Trotzdem erreichten wir ohne Probleme San Francisco. Herrlich, im Sonnenschein in dieser wunderschönen Stadt anzukommen.

Das Wohnmobil hatten wir direkt in der Stadt für die erste Nacht gemietet. Wir durften also drinnen schlafen und uns eingewöhnen, aber versicherungsbedingt erst am nächsten Tag damit fahren. Der Service des Vermieters versorgte uns nicht, wie im Prospekt angekündigt, mit den nötigen Lebensmitteln. Der nächste Supermarkt viel zu weit weg. Selbst kann man ja mal Hunger leiden, aber mit kleinen Kindern funktioniert das nicht. Glücklicherweise haben wir Freunde in der Stadt, und die brachten uns spätabends noch Hamburger und Pommes frites.

Fenster in Fort Ross, einem ehemals russischen Handels-Stützpunkt in Kalifornien

Fünfmal Jetlag Disharmonie

Aufgrund der Erfahrungen früherer Reisen waren wir auf Jetlag eingestellt. Diesmal gestaltete sich die Sache aber ausgesprochen hartnäckig. Fünf Jetlags, die nicht harmonierten. Die Kleinen schliefen in Schichten, einer war immer wach. Wir waren nahe dran, nach zwei Wochen Schlafentzug die Reise hinzuschmeißen, als sich endlich der normale Schlafrhythmus wieder einstellte. Die Kinder hatten in dieser Eingewöhnungszeit überhaupt keine Probleme. Sie konnten, dank Wohnmobil, ja fast immer schlafen. Wir Eltern krochen dafür auf dem Zahnfleisch. Und wir stellten uns arme Eltern vor, die nach drei Wochen Urlaub völlig erschöpft nach Hause zurück müssen. Ha, wir hatten es gut. Nach diesen anstrengenden 14 Tagen fing die Reise ja erst richtig an.

Alltag mit dem Wohnmobil in USA

Wohnmobilreisealltag

Wir hatten uns schnell an das Wohnmobilleben gewöhnt und unsere Routine gefunden. All unser Gepäck hatte seinen Platz eingenommen, so dass es auch wiederauffindbar war. Das Fahren mit dem knapp acht Meter langen Vehikel ging erstaunlich leicht von der Hand, zumindest wenn man sich von Innenstädten fernhielt.

In Städten war es mit den Kindern sowieso zu stressig. Zu viele Autos, Geschäfte in denen man ruhig sein musste, zu viel Trubel. Wir lernten das alle schnell, und besuchten Städte später nur noch sehr sporadisch und relativ kurz; wenn es denn sein musste. Die Natur tat den Kindern und der Familie am besten. Und so konnte ich mich auf meine Fotografie ebenfalls ausgezeichnet konzentrieren.

Von San Francisco nach San Diego

Von San Francisco aus starteten wir Richtung Norden. Zum ersten Mal kamen die Kinder mit dem Meer in Berührung. Sie liebten es – die Strände waren weit, und so viel Sand hatten die begeisterten Drei noch nie auf einmal gesehen. Wir machten Abends meist mit selbst gesammelten Strandgut Feuer. Was für ein Abenteuer!

Redwoodbäume im Küstennebel, Nordkalifornien

Wir waren schon immer sehr spontan, das kam uns nun sehr entgegen, denn gerade mit kleinen Kindern sollte man nicht so viel vorausplanen. Es ist besser, zu sehen, was geht und was zu viel ist. Zwei Ziele hatten wir uns trotzdem vorgenommen: San Diego und Vancouver. Wir bewegten uns nach der kleinen Nordschleife an der Küste entlang Richtung Süden, wobei wir an Orten, die uns gefielen, verweilten. Zurückblickend hätten wir noch öfter und länger verweilen können. Viel Zeit zu haben ist gewöhnungsbedürftig.

Die Kinder verpassten oft schlafend die schönsten Straßen, so z.B. die Küstenstraße nach Big Sur. Wir legten die Fahrten immer absichtlich auf die Mittagsschlafenszeit der Kinder, so waren sie morgens und abends für kleinere Wanderungen ausgeruht. In Big Sur erkundeten wir die faszinierenden Redwood-Wälder. Das Wohnmobil hat den großen Vorteil, dass wir in den allerschönsten Gegenden übernachten konnten. Morgens und abends befanden wir uns mitten in der Natur, und nicht wie bei Motelreisen an großen Straßen. Die Ruhe zwischen den Mammutbäumen war Balsam für die Seele.

Küste nach Sonnenuntergang, südlich von San Francisco

Gefahren der wilden Natur

Im Gegensatz zu den meisten Vätern haben Mütter immer die Gefahren, die auf kleine Kinder lauern, im Blick. Nie zuvor war mir bewußt geworden, wie gefährlich es in den USA, vor allem für Kinder, sein kann. Es gab Warnschilder vor dem Cougar, dem Berglöwen, der ohne Vorwarnung die Kleinsten in der Gruppe angreift. Man sollte während einer Wanderung auf Kinder aufpassen, und geräuschvoll unterwegs sein. Bisher hatten wir die Kinder immer darum gebeten ruhig zu sein im Wald, damit wir Tiere sehen und hören können. Jetzt baten wir sie darum etwas lauter zu sein. Wir ernteten leichte Verwunderung von Seiten der Kinder, sie meisterten jedoch diese Aufgabe mit Bravour. Es stellte sich ein Abenteurergefühl bei uns allen ein, und wir arbeiteten als Familie perfekt zusammen. Den Cougar sahen wir dann schließlich doch noch, leider nur ausgestopft im Museum.

Esra, Gunter und Amy treffen einen Puma – im Visitor Center

In den USA gibt es auch allerlei giftige Pflanzen, Krabbel- und Kriechgetier, was einem erwachsenen Reisenden keine Probleme bereitet, wenn man weiß was man meiden soll. Für Kinder müssen die Eltern mit aufpassen, was bei uns relativ gut funktionierte. Dummerweise hatte ich ein Buch über die giftige Fauna und Flora des Südwestens dabei, nach dessen Lektüre man überall Gefahren lauern sah. Später auf der Reise fiel mir auf, dass selbst Amerikaner, die ihr Leben lang mit ihren Kindern unfallfrei Campingurlaub gemacht hatten, nicht alle Gefahren kannten. Man sollte sich also von Büchern nicht zu sehr verunsichern lassen.

Bachlauf bei Sol Duc im Olympic National Park, Washington. Ideal zum Spielen

Kinder brauchen Spielplätze, Parks und Bewegung

Die Küste wurde immer bevölkerungsreicher, je weiter wir Richtung San Diego kamen. So suchten wir zeitweise lange nach schönen Stränden, und am Wochenende kam uns unsere Spontaneität in die Quere. Küstennahe Campingplätze erforderten eine Reservierungen. Alternativ suchten wir dann Familiencampingplätze in den Bergen, und die Kinder tobten ausgiebig auf den Spielplätzen herum, die es in den USA nur in XXL-Größe gibt. Die Kinder waren absolut begeistert auf echten Dampf-Loks und „richtigem“ Gerät zu spielen.

In San Diego besuchten wir Sea World. Sammelt man die Rabatt-Coupons, die überall auf Campingplätzen herumliegen, kann man beim Eintritt viel Geld sparen. Trotz der Ersparnis war der Park für uns, mit drei Kindern, immer noch teuer. Und leider waren Amy und Noah noch so klein, dass sie die meisten Attraktionen gar nicht benutzen durften. Es gab einige Shows, Vorführungen mit Tieren, mal lustig, mal lehrreich. Und Delfine konnten wir füttern, was das Highlight für die ganze Familie war.

Küstenabschnitt in Oregon, ein riesiger Abenteuerspielplatz

In Stadtnähe fanden wir oft Campingplätze mit Schwimmbädern. Nach ausgiebigem Plantschen in denselben wurden die Kinder richtig müde und schliefen nachher immer gut. Pools waren auch immer dann äußerst beliebt, wenn die Fahrt länger als die angestrebten drei Stunden dauerte, um die eingerosteten Knochen wieder auf Trab zu bringen.

Joshua Trees im gleichnamigen National Monument

Wüsten und Klapperschlangen

Nach dem Aufenthalt in San Diego fuhren wir Richtung Osten ins Landesinnere. Die Hitze in der Wüste war im April gerade noch erträglich, aber ohne Klimaanlage wären wir in unserem Wohnmobil dennoch des öfteren gewaltig ins Schwitzen gekommen.

Was die berühmt-berüchtigten Klapperschlangen betraf, vertraute ich darauf, dass die Schlangen noch ihren Winterschlaf hielten. Nur einmal hörten wir eine Klapperschlange klappern. Zu Gesicht bekamen wir sie aber nicht.

 In Joshua Tree National Park campierten wir inmitten der außergewöhnlichen Wälder. Die Joshua Trees sehen so ganz anders aus als die Redwoods, mehr wie verbogene Kerzenhalter, doch diese Bäume werden auch bis zu 1000 Jahre alt.

Sternenhimmel über dem Joshua Tree National Monument

Las Vegas durchquerten wir auf der kürzestmöglichen Route, die Kinder waren für Casinos definitiv zu jung. Und auf Stadt hatte sowieso keiner Lust. Wir fuhren weiter, bis die öde Wüste plötzlich von roten Felsformationen abgelöst wurde. Grauer Kalkstein und roter Sandstein ergaben wunderbare und abwechslungsreiche Muster und vor allem Abends sah es aus, als stünde das Tal in Flammen, daher auch der Name. Wir waren im „Valley of Fire“ angelangt.

Auf dem Stellplatz des Stateparks hatte Amy nichts besseres zu tun, als ihre Ärmchen in alle möglichen Felslöcher zu stecken. Der Ranger vor Ort erzählte uns später, dass die Wüste im Grunde recht ungefährlich sei. Nur vor den Felslöchern sollte man sich hüten, darin würden oft Klapperschlangen hausen.

Die Reicherts im Bryce Canyon

Die großen Nationalparks der Rocky Mountains

In Utah erwanderten wir mit den mittlerweile gut lauf-trainierten Kindern den Zion National Park und genossen dort die Canyons und das frische Grün der Bäume.

Weiter ging es zum Grand Canyon. Es war ja noch sehr früh im Jahr und kaum Touristen unterwegs, aber es lag auch noch teilweise Schnee und es war kalt. Wir waren beeindruckt von der Weite und Tiefe des Canyons mit seinen unterschiedlichen Rottönen im weichen Abendlicht. Amy saß in der Rückentrage, die beiden Jungs hielten wir fest an den Händen. Gemeinsam erfreuten wir uns an der Stille, die uns umgab, und wurde selbst ganz ruhig.

 Richtung Süden in Arizona besuchten wir wieder wärmere Gegenden. Viele Amerikaner hatten uns Sedona empfohlen, weswegen wir einen Umweg fuhren über eine enge, gewundene Straße in das Tal. Wir merkten jedoch schnell, dass das nichts für Familien mit Kindern ist. Hier gab es richtiges Touristenabenteuer: Hubschrauberflüge und Ausflüge mit Allradfahrzeugen in die Wüste waren nicht nur zu teuer, drei Fünftel der Reicherts waren für solche Sachen in jedem Fall noch zu jung. Wir begnügten uns mit Abenteuern in XS-Format.

Im nächsten Nationalpark, dem Bryce Canyon, wanderten wir sofort nach der Ankunft los. Es war ein großartiges Gefühl zwischen diesen riesigen Hoodoos (Pfeiler aus Stein) hindurch zu laufen. In den Canyon kamen wir schnell hinein, auf dem Rückweg zum Mobil machte sich jedoch die Höhenlage des Bryce Canyons deutlich bemerkbar. Bei 3000 Metern über dem Meeresspiegel kamen wir ganz schön außer Atem, speziell mit Amy in der Rückentrage.

Unten im Antelope Canyon, Page, Arizona

Im Bauch der Erde – der Antelope Canyon

Ein absolutes Highlight war es, den Antelope Canyon im Navajo Gebiet bei Page zu besuchen. Wir sind da eher zufällig draufgestoßen, was ein Glück. Jeder Fotograf hat davon schon Fotos gesehen, und so etwas will man dann auch gerne selbst erleben und fotografieren. Ein Führer brachte uns zum kaum zu erkennenden Eingang des langen Canyons. Wir quetschten uns durch den engen Spalt. Auf Leitern ging es nach unten und es blieb eng. Man quetscht sich sozusagen durch, und eine faszinierende unwirkliche Welt eröffnet sich einem. Vom Antelope Canyon geht etwas ehrfürchtiges aus. Er ist am ehesten mit einer Kathedrale vergleichbar. Die wenigen Lichtstrahlen, die es bis zum Canyonboden schaffen, lassen sich durch Staubwerfen sichtbar machen. Das ließen sich die Kinder nicht zweimal sagen. Nur mit dem Aufhören der Staubwerferei gab es Probleme.

Familienverpflegung unterwegs

Da wir zu Beginn der Reise das Kochen auf engem Raum im Wohnmobil noch nicht gewohnt waren, gingen wir des öfteren in Restaurants essen. Nach einer Weile war das nervig: es kostete viel, die Kinder aßen ihnen unbekanntes Essen ungern oder gar nicht, es dauerte oft lange, bis wir ein Restaurant fanden, bestellt und gegessen hatten. Die Auswahl an Restaurants, welche uns zugesagt hätten, war zudem dürftig: in den ganz billigen schmeckte das Essen nicht, und in den besseren, feineren Restaurants waren wir als Familie, mit den sehr kleinen Kindern oft nicht unbedingt gern gesehen. Da lächelten die Bedienungen erst, wenn wir das Gebäude wieder verließen, obwohl die Kids sich ruhig verhalten hatten.

Das Reh im Zion National Park sieht durch den Fellwechsel etwas gerupft aus

Deshalb gingen wir nach ein paar Wochen dazu über unsere Mahlzeiten fast ausschließlich selbst zu kochen. Da es günstiger war, stiegen wir nach einer Weile auf mexikanische Küche um, denn Bean-Burritos, Tortillas und Chili con Carne sind nahrhaft und schnell zuzubereiten. Als Tipp kann ich Eltern raten, neue Gerichte dann auszuprobieren, wenn die Kinder wirklich hungrig sind. Das klappt immer gut.

Brot war auch problematisch. In den USA gibt es kaum gutes Brot. Im Wohnmobil hatten wir keinen Toaster, und ungetoastet schmeckte es uns nicht. Wir rösteten das Brot schließlich mit Butter in der Pfanne. Das ging schnell und das Brot wurde dabei schön knusprig. Nur der Feueralarm ging dabei regelmäßig los. Wir gewöhnten uns sehr schnell daran, beim Kochen und Toasten den Feuermelder ins Bett unter die Decke zu stecken. Somit hatten wir oft abends noch mal unseren Spaß, wenn Gunter sich wieder einmal zum Schlafen auf dem Feuermelder niedergelassen hatte.

In den frühen Abendstunden grillten wir häufig über offenem Lagerfeuer. Was sich so idyllisch anhört gestaltete sich oft chaotisch. Nach einer Wanderung haben Kinder Hunger, und zwar sofort. Hektisch grillen kann man aber nicht. Diese kritische Situation hatte jedoch auch ihre Vorteile: wir kamen leicht mit unseren Campingnachbarn ins Gespräch, durften über deren Feuer grillen, oder wurden von den äußerst kinderlieben Amerikanern zu verschmorten Marshmallows eingeladen.

Bemooste und flechtenbehangene Bäume im Rockport Statepark, Washington

Yellowstone und danach ein mystischer Regenwald

Auf unserem weiteren Weg in den Norden besuchten wir Freunde in Idaho. Unsere Kinder nutzten das üppige Platzangebot und tobten die ganze Zeit in Haus und Garten herum.

Auf unserem Weg zum Yellowstone Nationalpark lagen noch einige interessante Stateparks, wie Craters of the Moon, wo wir einen Vulkan hinauf wanderten.

Wir sahen imposante Wasserfälle, und fuhren im Schnee über Bergpässe. Kurz vor Yellowstone dann eine ganz neue Erfahrung. Wir fuhren über ein Metallteil auf der Straße und es machte laut pffffffff. Ein Hinterreifen war platt. So waren wir gezwungen in dieser Nacht irgendwo mitten im „Nichts“ zu übernachten. Am nächsten Morgen fanden wir glücklicherweise schnell eine kleine Tankstelle, die den Reifen wechseln konnte. Für die Kinder war sogar das hochinteressant. Danach besuchten wir schneebedingt auf großen Umwegen, den ältesten Nationalpark der USA: Yellowstone! Ende April hatten wir den Park noch fast für uns alleine. Abgesehen von den vielen Tieren, die uns andauernd über den Weg liefen. Wir sahen Bisons, Kojoten, Rehe, viele Vögel, natürlich auch die Geysire, Schlammvulkane, Sinterterrassen und viele weitere Naturattraktionen. Auch hier trafen wir beim Wandern und auf dem Campingplatz auf nette, naturliebende Menschen und führten sehr interessante Gespräche.

Weiter gegen Norden erlebten wir ganz unerwartet das absolute Highlight unserer Reise: der Regenwald bei Rockport in Washington. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Wir fuhren von der Hauptstraße ab in den kleinen Statepark und plötzlich war alles grün, aber richtig! Jeder Zentimeter in diesem Wald war GRÜN, und die Bäume gigantisch in ihren Ausmaßen. Wir fühlten uns wie in einem Märchenwald. Die einzige leichte Unannehmlichkeit war, es regnete in diesem Statepark im Durchschnitt 16 Stunden pro Tag, und die Statistik tat zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts ihr bestes, um diesen Wert noch zu übertreffen.

Kalter Regenwald im Rockport State Park, Washington

Abstecher nach Kanada: Victoria und Vancouver Island

Langsam wurde es dann Zeit sich wieder Richtung Küste zu orientieren, wir sehnten uns nach dem Meer. In Viktoria auf Vancouver Island besuchten wir Freunde. Es tat richtig gut sich für eine Weile bekochen und Sehenswürdigkeiten zeigen zu lassen. Aber die Kinder vermissten nach wenigen Tagen die Ruhe und den Schlaf, den sie im Wohnmobil gewohnt waren. So eine Reiseroutine, ist sie erst mal gefunden, kann richtig entspannend sein! Wir erkundeten noch die Insel und gingen in Tofino auf Waltour, was mit so jungen Kindern nicht einfach war. Wir sahen zwar keine Wale aber Bären, die am Strand nach Krebsen suchten.

Jetzt führte uns der Weg entlang der Westküste der USA wieder Richtung San Francisco. In Oregon hatten wir an der Küste leider nur Regen, aber dafür ist die Gegend ja berühmt.

Esra und Noah am Strand on Oregon

Esra und Noah am Neptun Beach in Oregon

Das bißchen Haushalt: Duschen und Wäschewaschen

Nach einer langen Zeit im Mobil und auf Campingplätzen sehnt man sich dann doch nach einer Dusche in einem warmen Haus. Wir machten unterwegs die unterschiedlichsten Duscherfahrungen, über die man sich hinterher amüsiert. In den USA gibt es leider sehr oft Klimaanlagen, die auch dann laufen, wenn es gar nicht warm ist. Brrr. Es ist sehr unangenehm in einer kleinen Duschkabine zu stehen, wenn die Klimaanlage von oben auf die nasse Haut bläst. Oftmals kam nur ein kleiner Wasserstrahl aus dem Duschkopf, und man hatte Mühe, die Seife auf der Haut wieder los zu werden. Aber die Duschen mit den Gummivorhängen waren die schlimmsten. Öffnete jemand die Tür des Gebäudes, drückte der Luftzug den nicht ganz hygienischen Vorhang auf ganzer Körperlänge auf die frischgewaschene Haut. Sehr angenehm! Steigern lässt sich der Spaß noch, indem man die Kinder mit zum Duschen nimmt. Eine besonders komische Situation ergab sich einmal als ich mit meiner eineinhalbjährigen Tochter Amy duschte, sie mit dem Handtuch Richtung Klo lief und es in die Schüssel stopfte, während ich noch splitternackt und nass in der engen Kabine stand. Im prüden Amerika stand Nachrennen außer Frage….

Große Campingplätze besuchten wir mindestens einmal pro Woche. Eine fünfköpfige Familie mit Kindern unter einem Meter produziert einen wahnsinnig großen Wäscheberg, wenn sie täglich in der Natur und an Stränden unterwegs ist. Damit die nasse Kleidung im engen Mobil nicht irgendwann anfing zu gammeln, suchten wir regelmäßig eine Waschgelegenheit auf. Aber auch bei dieser eher langweiligen aber notwendigen Tätigkeit trafen wir nette Menschen, führten gute Gespräche und lernten so interessantes über Land und Leute kennen.

Redwoodbäume und Farne in Nordkalifornien

Kinder sind von Natur aus neugierig

Wir erforschten die atemberaubenden Strände und Landschaften entlang der Küste und trafen unterwegs noch Freunde, die wir per Email kennen gelernt hatten. Im Norden von Kalifornien waren wir am meisten von den Redwood-Wäldern beeindruckt. Die riesigen Bäume werden uns für immer in Erinnerung bleiben. Für die Kinder war jeder noch so kleine Bach ein Erlebnis. Dort konnten wir fotografieren und die Kinder Steine werfen. Mein Sohn Esra befand sich damals im „Wieso-Weshalb-Warum-Alter“ und es erstaunte mich selbst, wie anregend seinen Fragen für mich waren: „Wer hat denn die Steine so schlecht hierher gelegt? (Weil er manchmal nicht weiter kam) Wie hat die Natur die Steine hingelegt? Warum geht der Wasserläufer nicht unter? Schläft er unter oder über Wasser? Wo kommt das Wasser her, und wie lange ist es schon da?“

Multnomah Falls in Oregon

Und immer zogen wir weiter, auch als alle Schuhe und Hosen schon nass waren, was auch bei ganz winzigen Bächen mit ganz wenig Wasser, und immerzu funktionierte.

Jean Liedloff und Gabi Reichert im Gespräch

Ganz entspannt verbrachten wir die letzte Woche der langen Reise bei Freunden in San Francisco. Erschöpft von den Erlebnisse waren wir glücklich damit, Filme im Fernsehen anzusehen, auf dem Sofa zu liegen und keine Besichtigungen mehr zu unternehmen.

Blick vom Mount Diabolo Richtung San Francisco in die Nachmittagssonne

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

1 Kommentar

  1. Hallo Gabi,
    danke für den spannenden Bericht eurer ersten langen Reise.
    Tolle Bilder entstanden schon damals und sie machen mich, die ich nie in die USA reisen wollte, neugierig auf diese Landschaften dort. Im Bauch des Antelope Canyons muss es sagenhaft sein.
    Deine praktischen Tips zum Reisen mit kleinen Kindern sind interessant und hilfreich und du bist in der Lage so zu schreiben, dass man sich gut vorstellen kann, wie die Reise ablief.
    Mich würde noch interessieren, wie es zu der Begegnung mit Jean Liedloff kam?
    Liebe Grüße
    Michaela

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