Kalt und windig begann der Tag. Wie immer zog es mich trotzdem in die Natur hinaus. Es könnten sich die Wellen ja ohne mich und meinen Fotoapparat vergnügen. Gegen Mittag fuhren wir Richtung Norden los. Wir erlebten so viel, dass ich mein Geschreibsel für die bessere Übersicht auf zwei Beiträge verteile.
Harris Tweed Schneiderei
Beginnen wir mit dem Harris Tweed. Das auffällig lustige Logo von Rarebird, Harris Tweed Design war mir beim bereits vor ein paar Tagen beim Vorbeifahren aufgefallen. Neugierig parkte ich den Wagen und schaute im Laden hinein. Ein netter Herr begrüßte mich sehr freundlich und stellte sich als Charles Brough, Miteigentümer des Ladens vor. Ich betrachtete in aller Ruhe die ausgestellten Tweed Sachen. Strahlende Farben, modernes Design, außergewöhnliche Accessoires. Das hatte ich – den üblichen, eher braunen Tweed mit den gedeckten Farben im Hinterkopf – nicht erwartet. Eher so die Sachen, die Prinz Charles zum Jagen tragen würde.
Farbenfrohe Harris Tweeds
Vor allem die Farben fingen meinen fotografischen Blick ein. Wir kamen ins Gespräch. Charles Brough gab mir sehr geduldig und ausführlich Auskunft, erklärte vor allem, wie die wunderschönen, kräftigen Farben zustande kommen. Er rollte seinen speziellen Farbtweed aus, um es zu verdeutlichen. Nur die querlaufende Farbe wird gewechselt und all diese völlig verschiedenen Farben entstehen. Ich zeige Euch das besser in den Bildern:

Harris Tweed Farbmischung – diese Tweed Bahn wird nur hergestellt um die Farbmischungen beurteilen zu können. Einige Farben harmonieren nicht, man kann das nur durch ausprobieren herausfinden und so Fehlproduktionen verhindern.

Steven und die Harris Tweed Farbmischung

Steven und die Harris Tweed Farbmischung
So kommt der Harris Tweed auf die Laufstege der Welt
„Wir kaufen den gesamten Bedarf an Tweed bei der Carloway Weberei. Sie ist nur ein paar hundert Meter von hier“ erklärte Steve. „Dieses helle Blau ist unsere ganz eigene Farbe. Wir kaufen die gesamte Charge und die Weberei gibt diese Farbe dann nicht andere Nähereien weiter“, meint Steve. Eigentlich ist das Rarebird, Harris Tweed Design, kein Laden, sondern eine Art Großhandel. Der Großteil der Ware geht an die Museen in Edinburgh und Glasgow und auch in die Geschäfte von Japan! Dorthin fährt seine Frau, die für das Entwerfen der Mode zuständig ist, zu Messen und Modeschauen und bringt so den Harris Tweed auf die Laufstege der Welt.
Steve schneidet den Stoff zu, nebenan in der Halle würde alles zusammengenäht. „Wir können da auch rüber gehen, dann kannst Du da noch ein paar Fotos machen“ Jetzt erwartete ich eine große Halle mit einigen Beschäftigten. Wieder war ich überrascht. Steves Frau machte am Computer die Steuer und eine Angestellte fügte Broschen zusammen. Das wars! Klasse!

Fertigung der modischen Tweed Ware
Wir plauderten noch eine ganze Weile über ganz andere Themen, über Nordlichter und die Insel.
Esra’s Jeans hatte sich an den Knien in Wohlgefallen aufgelöst, ich fragte nach ein paar Stoffresten zum Flicken. Ist doch das beste Souvenir: ein Flicken aus Haris Tweed direkt von der Insel!
Hier findet Ihr die Website von Rarebird Harris Tweed Design.
Fotografieren im eiskalten Wind
Draußen blies der Wind munter weiter. Ich fotografierte eine Weile am Strand Doch die Finger froren mir beim Schrauben der Filter fast ein. Gunter fand es entschieden zu kalt, er fühlte sich nicht ganz so wohl und verbrachte die Zeit musikhörend im Auto.
Auf dem Rückweg kamen wir an der Weberei vorbei. Das mußte ich jetzt natürlich sehen. Steve sagte ich solle es mir nicht entgehen lassen; Norman wäre sehr nett und würde sich immer über Besucher freuen. Es könne sein, dass er nicht da ist, denn er wäre auch Crofter.
Zu Besuch beim Harris Tweed Weber Norman MacKenzie
Nach kurzem Suchen fand ich Norman MacKenzie. Der Schuppen, indem sich der ca. 80 Jahre alte Webstuhl befand, war sehr klein und unscheinbar. Auch hier hatte ich eine große Fabrik erwartet! Nein, ein kleiner Raum und ein einziger Mann reichen aus. Das Weben des Tweeds ist keine Handarbeit, der Webstuhl wird nämlich mit den Füßen betrieben. Strom braucht Norman dazu nicht. „Ich bin in Rente, habe mein ganzes Leben auf dem schottischen Festland gearbeitet. Hier auf der Insel fühle ich mich wohl. Es reicht mir, so ca. 6 Stunden am Tag zu weben. Außer Sonntags natürlich. Ich schaffe so etwa 6-7m in einer Stunde“ erzählte er am Webstuhl sitzend.

Harris Tweed, Norman MacKenzie

Norman MacKenzie am Webstuhl
Dann legte Norman los, flink schoss das Garn hin und her. Ziemlich laut war es auch. Wie bei einer Spieluhr gibt es ein Band, welches in die Machine eingelegt wird, damit die farbigen Fäden automatisch wechseln und das Muster entsteht. Auch Norman bekommt Bestellungen aus aller Welt. Der letzte große Auftrag kam aus Deutschland. Er verschickt sie per Post, eine Webpage hat er nicht.
Eine Frage hätte ich noch: „Warum heisst es „Harris Tweed“? Wir sind doch auf Lewis?“ Norman lachte.“ Ja, der Tweed begann auf Harris und wurde deswegen so genannt. Dann reichte der dort hergestellte nicht mehr aus und auch auf Lewis wurde gewebt. Für kurze Zeit wurde der Name Harris & Lewis Tweed verwendet. Die Leute waren verwirrt, also ging man zum unrsprünglichen Namen zurück. Echter Harris Tweed kann nur auf den Äußeren Hebriden hergestellt werden. Schon die Isle of Skye, die zu den Inneren Hebriden zählt, ist zu weit weg.“ Das erinnerte mich an den Scotch Whisky, der diesen Namen nur tragen darf, wenn er in Schottland hergestellt wird und mindestens 3 Jahre in Schottland reift!
Die Wolle von der Isle of Lewis reiche nicht aus. So wird sie von Schottland (!) geholt.
Fasziniert betrachtete ich das solide, zuverlässige Gerät. Wie effektiv das Ganze doch ist! Je mehr ich über diesen wunderbaren Stoff erfuhr, desto mehr zuckte meine Hand Richtung Portmonee Ich hätte da auch gern ein Kleidungsstück! Aber ein Schal tut es nicht. Es muss schon mehr sein.
Also: wem sollen wir Stoff besorgen??
[yellow_box]Harris Tweed
Hier sind ein paar Links zum Harris Tweed bei Wikipedia und The Harris Tweed Authority nach.
Tom Hanks trägt ihn als Robert Langdon im DaVinci Code, Miss Marple ist damit kostümiert, Nike schmückt seine Sportschuh-Sonderserien damit, Vivianne Westwood ist ein großer Fan.
Die Rede ist vom Harris Tweed einem handgewebten, widerstandsfähigen Wollstoff mit dezenter Optik, der exklusiv auf den Äußeren Hebriden hergestellt wird.
Die Ursprünge des Harris Tweed reichen in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Die Einwohner der Hebriden webten einen dichten Wollstoff für den Eigengebrauch, um sich gegen das rauhe Klima zu schützen. Gefärbt wurde die Wolle mit Naturfarben aus Flechten.
Daran hat sich bis heute nicht sehr viel geändert. Handgewebt wird noch immer, nur die Webstühle sind breiter, um den Vorgaben der Modeindustrie Rechnung zu tragen. Und neue Farbstoffe und Designs sind dazugekommen.
Echter Harris Tweed ist am Etikett mit dem malteserkreuzgekrönten Reichsapfel zu erkennen. Er darf ausschließlich auf den Äußeren Hebriden gesponnen, gefärbt und im typischen Webstil handegewebt werden. Die Wolle allerdings kann auch vom schottischen Festland stammen.
Wer sich kein Jacket oder Kostüm aus Harris Tweed zulegen möchte, kann ihn auch als Krawatte, Schal, Mütze, Handtasche und Schuhe (danke Nemi!) erwerben.[/yellow_box]
Harris Tweed – Weberei und Design
Kalt und windig begann der Tag. Wie immer zog es mich trotzdem in die Natur hinaus. Es könnten sich die Wellen ja ohne mich und meinen Fotoapparat vergnügen. Gegen Mittag fuhren wir Richtung Norden los. Wir erlebten so viel, dass ich mein Geschreibsel für die bessere Übersicht auf zwei Beiträge verteile.
Harris Tweed Schneiderei
Beginnen wir mit dem Harris Tweed. Das auffällig lustige Logo von Rarebird, Harris Tweed Design war mir beim bereits vor ein paar Tagen beim Vorbeifahren aufgefallen. Neugierig parkte ich den Wagen und schaute im Laden hinein. Ein netter Herr begrüßte mich sehr freundlich und stellte sich als Charles Brough, Miteigentümer des Ladens vor. Ich betrachtete in aller Ruhe die ausgestellten Tweed Sachen. Strahlende Farben, modernes Design, außergewöhnliche Accessoires. Das hatte ich – den üblichen, eher braunen Tweed mit den gedeckten Farben im Hinterkopf – nicht erwartet. Eher so die Sachen, die Prinz Charles zum Jagen tragen würde.
Farbenfrohe Harris Tweeds
Vor allem die Farben fingen meinen fotografischen Blick ein. Wir kamen ins Gespräch. Charles Brough gab mir sehr geduldig und ausführlich Auskunft, erklärte vor allem, wie die wunderschönen, kräftigen Farben zustande kommen. Er rollte seinen speziellen Farbtweed aus, um es zu verdeutlichen. Nur die querlaufende Farbe wird gewechselt und all diese völlig verschiedenen Farben entstehen. Ich zeige Euch das besser in den Bildern:
Harris Tweed Farbmischung – diese Tweed Bahn wird nur hergestellt um die Farbmischungen beurteilen zu können. Einige Farben harmonieren nicht, man kann das nur durch ausprobieren herausfinden und so Fehlproduktionen verhindern.
Steven und die Harris Tweed Farbmischung
Steven und die Harris Tweed Farbmischung
So kommt der Harris Tweed auf die Laufstege der Welt
„Wir kaufen den gesamten Bedarf an Tweed bei der Carloway Weberei. Sie ist nur ein paar hundert Meter von hier“ erklärte Steve. „Dieses helle Blau ist unsere ganz eigene Farbe. Wir kaufen die gesamte Charge und die Weberei gibt diese Farbe dann nicht andere Nähereien weiter“, meint Steve. Eigentlich ist das Rarebird, Harris Tweed Design, kein Laden, sondern eine Art Großhandel. Der Großteil der Ware geht an die Museen in Edinburgh und Glasgow und auch in die Geschäfte von Japan! Dorthin fährt seine Frau, die für das Entwerfen der Mode zuständig ist, zu Messen und Modeschauen und bringt so den Harris Tweed auf die Laufstege der Welt.
Steve schneidet den Stoff zu, nebenan in der Halle würde alles zusammengenäht. „Wir können da auch rüber gehen, dann kannst Du da noch ein paar Fotos machen“ Jetzt erwartete ich eine große Halle mit einigen Beschäftigten. Wieder war ich überrascht. Steves Frau machte am Computer die Steuer und eine Angestellte fügte Broschen zusammen. Das wars! Klasse!
Fertigung der modischen Tweed Ware
Wir plauderten noch eine ganze Weile über ganz andere Themen, über Nordlichter und die Insel.
Esra’s Jeans hatte sich an den Knien in Wohlgefallen aufgelöst, ich fragte nach ein paar Stoffresten zum Flicken. Ist doch das beste Souvenir: ein Flicken aus Haris Tweed direkt von der Insel!
Hier findet Ihr die Website von Rarebird Harris Tweed Design.
Fotografieren im eiskalten Wind
Draußen blies der Wind munter weiter. Ich fotografierte eine Weile am Strand Doch die Finger froren mir beim Schrauben der Filter fast ein. Gunter fand es entschieden zu kalt, er fühlte sich nicht ganz so wohl und verbrachte die Zeit musikhörend im Auto.
Auf dem Rückweg kamen wir an der Weberei vorbei. Das mußte ich jetzt natürlich sehen. Steve sagte ich solle es mir nicht entgehen lassen; Norman wäre sehr nett und würde sich immer über Besucher freuen. Es könne sein, dass er nicht da ist, denn er wäre auch Crofter.
Zu Besuch beim Harris Tweed Weber Norman MacKenzie
Nach kurzem Suchen fand ich Norman MacKenzie. Der Schuppen, indem sich der ca. 80 Jahre alte Webstuhl befand, war sehr klein und unscheinbar. Auch hier hatte ich eine große Fabrik erwartet! Nein, ein kleiner Raum und ein einziger Mann reichen aus. Das Weben des Tweeds ist keine Handarbeit, der Webstuhl wird nämlich mit den Füßen betrieben. Strom braucht Norman dazu nicht. „Ich bin in Rente, habe mein ganzes Leben auf dem schottischen Festland gearbeitet. Hier auf der Insel fühle ich mich wohl. Es reicht mir, so ca. 6 Stunden am Tag zu weben. Außer Sonntags natürlich. Ich schaffe so etwa 6-7m in einer Stunde“ erzählte er am Webstuhl sitzend.
Harris Tweed, Norman MacKenzie
Norman MacKenzie am Webstuhl
Dann legte Norman los, flink schoss das Garn hin und her. Ziemlich laut war es auch. Wie bei einer Spieluhr gibt es ein Band, welches in die Machine eingelegt wird, damit die farbigen Fäden automatisch wechseln und das Muster entsteht. Auch Norman bekommt Bestellungen aus aller Welt. Der letzte große Auftrag kam aus Deutschland. Er verschickt sie per Post, eine Webpage hat er nicht.
Eine Frage hätte ich noch: „Warum heisst es „Harris Tweed“? Wir sind doch auf Lewis?“ Norman lachte.“ Ja, der Tweed begann auf Harris und wurde deswegen so genannt. Dann reichte der dort hergestellte nicht mehr aus und auch auf Lewis wurde gewebt. Für kurze Zeit wurde der Name Harris & Lewis Tweed verwendet. Die Leute waren verwirrt, also ging man zum unrsprünglichen Namen zurück. Echter Harris Tweed kann nur auf den Äußeren Hebriden hergestellt werden. Schon die Isle of Skye, die zu den Inneren Hebriden zählt, ist zu weit weg.“ Das erinnerte mich an den Scotch Whisky, der diesen Namen nur tragen darf, wenn er in Schottland hergestellt wird und mindestens 3 Jahre in Schottland reift!
Die Wolle von der Isle of Lewis reiche nicht aus. So wird sie von Schottland (!) geholt.
Fasziniert betrachtete ich das solide, zuverlässige Gerät. Wie effektiv das Ganze doch ist! Je mehr ich über diesen wunderbaren Stoff erfuhr, desto mehr zuckte meine Hand Richtung Portmonee Ich hätte da auch gern ein Kleidungsstück! Aber ein Schal tut es nicht. Es muss schon mehr sein.
Also: wem sollen wir Stoff besorgen??
[yellow_box]Harris Tweed
Hier sind ein paar Links zum Harris Tweed bei Wikipedia und The Harris Tweed Authority nach.
Tom Hanks trägt ihn als Robert Langdon im DaVinci Code, Miss Marple ist damit kostümiert, Nike schmückt seine Sportschuh-Sonderserien damit, Vivianne Westwood ist ein großer Fan.
Die Rede ist vom Harris Tweed einem handgewebten, widerstandsfähigen Wollstoff mit dezenter Optik, der exklusiv auf den Äußeren Hebriden hergestellt wird.
Die Ursprünge des Harris Tweed reichen in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Die Einwohner der Hebriden webten einen dichten Wollstoff für den Eigengebrauch, um sich gegen das rauhe Klima zu schützen. Gefärbt wurde die Wolle mit Naturfarben aus Flechten.
Daran hat sich bis heute nicht sehr viel geändert. Handgewebt wird noch immer, nur die Webstühle sind breiter, um den Vorgaben der Modeindustrie Rechnung zu tragen. Und neue Farbstoffe und Designs sind dazugekommen.
Echter Harris Tweed ist am Etikett mit dem malteserkreuzgekrönten Reichsapfel zu erkennen. Er darf ausschließlich auf den Äußeren Hebriden gesponnen, gefärbt und im typischen Webstil handegewebt werden. Die Wolle allerdings kann auch vom schottischen Festland stammen.
Wer sich kein Jacket oder Kostüm aus Harris Tweed zulegen möchte, kann ihn auch als Krawatte, Schal, Mütze, Handtasche und Schuhe (danke Nemi!) erwerben.[/yellow_box]
Lewis Chessman von Uisoean
von Esra
Als wir vorige Woche bei einer Wanderung auf „unserer“ Insel, Great Bernera, dem Schreiner Uisoean Paterson über den Weg gelaufen sind, erzählte er uns unter anderem davon, dass der den König der berühmten Lewis-Schachfiguren in nahezu Lebensgröße repliziert hätte. Fasziniert von dieser Vorstellung ließen wir uns also seiner Handynummer geben, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal kontaktieren zu können; wir wollen seine Schachfigur unbedingt zu Gesicht bekommen.
Lewis Chessman
Dieser spätere Zeitpunkt war vorgestern gekommen, nachdem wir unsere Einkäufe erledigt hatten. Uisoean wartete vor dem Co-op auf uns und nahm uns mit zu sich nach Hause, wo auch sein Arbeitschuppen stand (welcher im Stil einer norwegischen Fischerhütte gebaut war). Hinter den beiden Holztüren empfing uns eine wohlige, von einem winzigen Holzofen ausgehende Wärme und der Geruch von Holz. Überall lagen Werkzeuge herum, an den Wänden hingen Landkarten und inspirierende Bilder, und unter der Decke warteten Angelruten und andere Utensilien auf ihren Einsatz. In der Mitte des Raumes aber stand der eigentliche Blickfang: Ein fast lebensgroßer Schach-König, der finster blickend auf seinem Stuhl saß, mit dem Schwert auf dem Schoss. Ich hatte zuvor schon Bilder von den Lewis-Schachfiguren gesehen und erkannte diese auf Anhieb; Uisoean hatte eine fast perfekte Kopie hergestellt.
Werkzeug
Lasst mich mal kurz ein paar Fakten einwerfen: Bei den Lewis-Schachfiguren handelt es sich um 78 Schachfiguren aus dem 12. Jahrhundert, welche mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit aus Norwegen stammen. Größtenteils sind sie aus Walroß-Stoßzähnen gefertigt, ein paar von ihnen bestehen aber auch aus Pottwalzahn. Sie sind 1831 hier auf Lewis entdeckt worden und befinden sich nun, nachdem sie ein paar mal die Besitzer gewechselt haben, zum größten Teil im British Museum in London; nur ein paar wenige werden im Museum of Scotland aufbewahrt. Sie werden allgemein als einer der wertvollsten kulturellen Schätze Großbritanniens gehandelt, und vor allem auf Lewis stößt man oft auf Bilder und kleine Replikate von ihnen.
Allerdings haben wir noch kaum ein anderes Replikat zu Gesicht bekommen, welches dem von Uisoean Konkurrenz machen könnte. Etwas unter 200 Arbeitsstunden hat er darin investiert, sich mit einem Detail nach dem anderen an das Original heranzutasten.
Lewis Chessman
Esra und der König
Größenvergleich
schachspielen mit dieser Figur wäre keine gute Idee!
Uisoean in seiner Werkstatt
Das Interessante ist, erklärte er uns, dass die Schöpfer der originalen Figuren auch solch große Holzblöcke in ihren Werkstätten hatten. Wenn sie eine neue Figur herstellen wollten, mussten sie immer zuerst ein übergroßes Musterexemplar bauen, welches sie dann kopierten. Man konnte es sich nicht leisten, an so einem wertvollen Material wie Elfenbein herum zu experiementieren, also tat man dies zuerst an einem Holzblock. Elfenbein war bei den Wikingern sogar noch wertvoller als Gold…
Damit wir bessere Bilder hinbekommen konnten, hievte Uisoean den zentnerschweren König nach draußen, wo Gabi und Gunter ihn mit blitzenden Kameras umkreisten. Die Figur bestand aus einem einzigen, sehr großen Block Eichenholz. Zu Beginn könne man Eiche noch mit Leichtigkeit bearbeiten, sagte Uisoean. Er verglich das frische Holz mit Käse, fügte aber hinzu, dass es nach einiger Zeit hart wie Stahl wird. Seine Figur wäre also extrem robust (wenn auch recht schwer), und mit ihrem dicken Schutzanstrich könne man sie auch problemlos in Wind und Wetter stehen lassen.
Hier auf der Insel haben wir noch kein „kleines“ Lewis Schachset gesehen, schade eigentlich. In Amazon habe ich aber das Lewis Schach-Setgefunden.
Hier geht es zur Seite über das Lewis Schachset beim British Museum.
Ten things you didn’t know about the Lewis Chessmen
Uig – Mangersta Strand
In Uig, was in relativer Nähe unserer Unterkunft liegt (immer noch 40 km!) suchten wir bereits mehrmals den Strand Mangersta, weil er sehr abwechslungsreich aussah, d.h. Sand und Felsnadeln.
Der Blick aus dem Fenster reichte, raus aus dem Bett und ohne Frühstück rein ins Auto. Gunter musste nicht überredet werden, so gut sah’s aus. Ich ziehe ja auch bei Nieselregen los, will raus, raus, raus immer, nur draußen sein :-) Der Tag war sehr vielversprechend. Nieselregen und Sonne hingen in der Luft. Das bescherte uns außergewöhnliche Stimmungen. Selbst die Regenbögen konnten sich nicht entscheiden, ob sie wirklich bunt oder lieber nur ein Nebelbogen sein wollten. Wir fanden endlich den Strand! Tatsächlich bietet er zahlreiche Fotomotive, und dies sogar in alle Himmelsrichtungen! Mit schwerem Gepäck liefen wir die Hügel rauf, nah entlang der Klippen und wieder runter. Einmal hetzte ich zu schnell hinauf, weil gerade die Sonne raus kam und ich eine Übersicht fotografieren wollte. Uff, im kalten Wind ins Schwitzen kommen ist nicht empfehlenswert. Traumhaft war es, die Aussichten grandios.
Regenbogen über weitem Strand, Uig, Isle of Lewis
Stacks, Uig, Isle of Lewis
Nebelbogen, Mangersta, Uig, Isle of Lewis
Stunden später, mit müden Knochen, machten wir uns auf den Heimweg. Die Kids waren mittlerweile munter, die Küche schön aufgeräumt :-) Wir futterten ausgiebig.
Unsere Nachbarin Anne besuchte uns auf einen Kaffee. Von ihr erfahren wir immer, was wir bei den Wanderungen übersehen haben. Sehr interessant, was diese Insel zu bieten hat. So viel Natur und Geschichte! Anne informiert uns auch, wenn hier in der Region etwas los ist. Leider habe ich gestern einen Termin, eine Kunstausstellung verpasst. Ich verliere den Überblick: was macht es mir, ob es Samstag oder Montag oder was auch immer ist? Wenn das Wetter gut ist – und das ist es meistens – dann ziehen wir los. Und arbeiten auch bis in die Nacht.
Die Wolken und das Licht waren absolut perfekt! Es zog uns raus, keine Ruhe im Hintern…
Jetzt fuhren wir alle zusammen nochmal los. Leider war es etwas zu spät schon wieder…. Es dauert halt immer eine Stunde um an die Strände zu kommen. Wir fuhren nach Dalmore, den Strand kannten wir noch nicht. UND es haute mich komplett aus den Socken! Das war zu viel des Guten! Wie soll ich das denn alles aufnehmen. Ich sah tausend geniale Motive, die alle auf einmal aufgenommen werden wollten. Rauschende, sich staffelnde Wellen im Licht, die Gischt hinter sich herziehend! Spiegelnder, nasser Sand, feine Wölkchen am Himmel, Schaumige Wellen, die Linien hinter sich her ziehen. Der arme Esra stand mit dem Rucksack neben mir und bekam die Hektik zu spüren. Esra, ich brauch das Tele, und das Weitwinkel, fahr doch schon mal das Stativ raus, schneller, und halt doch mal die Kamera, wo ist der Drahtauslöser…… Er assistierte so gut er konnte. Ich hätte gern hunderte von Armen und Köpfen gehabt. Oder am besten die Gabi geklont :-) Das ist diese Art „schneller“, überwältigender Fotografie. Ich mag es lieber ruhig und gemächlich, wenn das Licht ewig anhält. Doch hier hatten wir nur ein paar Minuten an einem „unbekannten“ Strand und dann gleich perfektes Licht! Ich hoffe, es kommt auf den Bildern gut rüber?
Wolkenspiegelung am Strand
hier kommt die Welle!
In der Welle stehen, ein Muß!
Arnol Blackhouse
von Esra
In den schottischen Highlands sowie auf den vielen Inseln darum herum lebten die Menschen bis vor wenigen Jahrzehnten noch in sehr, sehr traditionellen Behausungen. Sehr traditionell, weil das Konzept der Blackhouses viele Jahrhunderte alt ist: Doppelte Steinwände mit Erde in den Zwischenräumen zum Isolieren, ein Dach aus Stroh und Gras, und ein offenes Torffeuer in der Mitte. Ein Schornstein war nicht vorgesehen, der Rauch zog einfach durch das lose Dach ab, und das Vieh lebte in den selben vier Wänden wie die Menschen.
Es ist wohl kaum verwunderlich, dass diese Art der Behausung mittlerweile gänzlich ausgestorben ist… allerdings war sie vor nicht allzu langer Zeit auf Lewis noch Gang und Gäbe: Bis in die Siebziger hinein lebten einige Familien noch in den fast mittelalterlich anmutenden Hütten!
Amy und Noah am Torffeuer
das Torffeuer im Blackhouse, Isle of Lewis
Arnol Blackhouse, Isle of Lewis
Dieser Umstand aber ermöglichte es auch, dass man eines dieser Häuser bis zum heutigen Tag in seinem originalen Zustand belassen konnte, sodass es nun besichtigt werden kann… und das haben wir auch vorgestern getan.
Es kam einem schon fast wie eine Zeitreise vor, durch die viel zu kleine und enge Tür des Blackhouses zu treten und sich in einem finsteren, spartanisch eingerichteten Raum voller Torfqualm wiederzufinden. Die Wände bestanden aus rauen, unkompliziert aufgehäuften Steinbrocken, die Böden waren entweder aus Steinplatten oder einfach aus festgetretener Erde, und vom Dach hing Stroh herab. Atmen war, vor allem im Wohnzimmer, wo das Feuer gemächlich aber beständig vor sich hinqualmte, nur bedingt möglich. Das Gefühl, das von dieser vormittelalterlich anmutenden Behausung vermittelt wurde, war tatsächlich so aus einer anderen Ära, dass ein altes und vergilbtes Buch, welches wohl schon seit Jahrzehnten auf einem Schrank sein Dasein fristete, selbst zu einem mysteriösen und unpassenden Artefakt aus ferner Zukunft zu werden schien.
Es bedurfte nicht allzu viel Vorstellungsvermögens um sich klarzuwerden darüber, dass die Bewohner dieser Hütten wohl wirklich von morgens bis abends, tagein tagaus, Woche für Woche und Jahr für Jahr nur damit beschäftigt waren, für ihr Überleben zu arbeiten. Die Schafe, Hühner und Kühe mussten versorgt werden, man musste die Felder bestellen, Essbares herstellen, Torf musste gestochen und das Dach musste jedes Jahr neu gebaut werden. Viel Freizeit kann da nicht abgefallen sein…
Doch trotz all der Unannehmlichkeiten schien diese Art des Lebens zu funktionieren; immerhin war sie viele Jahrhunderte lang gängig in den ländlichen Gegenden Schottlands. Irgendwie schien alles seinen Sinn oder Zweck zu haben: Klar, wenn das Vieh im Nebenzimmer haust und die Hühner einem zwischen den Füßen herumrennen, ist das ein signifikanter Abstrich am Komfort… es hatte aber auch den Vorteil, dass es in dem Blackhouse gleich viel wärmer wurde, und dass man sich das Errichten und Heizen eines weiteren Gebäudes sparte.
Arnol Blackhouse, Isle of Lewis
Auch der dichte Qualm von übelster Geruchsklasse diente nicht lediglich der Verpestung der Atemluft: Stechmücken, Käfer und anderes Ungeziefer hielten es nicht in ihm aus und mussten türmen, die Bewohner blieben von Mückenwolken und den daraus resultierenden Stichen am ganzen Körper verschont. Außerdem gab das Stroh auf dem Dach ein erstklassiges Düngemittel ab, wenn es ein Jahr lang durchgehend mit Torfqualm behandelt worden war.
So lief das Leben für die „Arbeitsklasse“ der schottischen Gesellschaft mehr oder weniger rund und ohne viel Hungerleiden, wenn auch recht rau und ohne Komfort.
Das von uns besuchte Blackhouse gilt übrigens weithin als eines der bei weitem gemütlichsten und angenehmsten Hütten dieser Art… und das will etwas heißen. Die rauen Betten, die wir dort vorfanden, waren keineswegs in jedem solchen Haus eine Normalität; oft wurde einfach auf dem Boden geschlafen, um das Feuer herum.
Als die Bewohner der Blackhouses irgendwann überdrüssig wurden von ihren spartanischen Hütten, zogen sie im Laufe der 50er, 60er, manche sogar erst in den 70ern aus und richteten sich in weitaus wohnlicheren Gebäuden ein, solchen, wie wir sie e heute selbst kennen. Etwas unkreativ in der Namensgebung wurden die neuen Häuser mit der Bezeichnung „White-houses“ bedacht, vielleicht, um ihre Gegensätzlichkeit zu den Blackhouses herauszukehren. (Sehr weiß sind all diese Häuser aber bei weitem nicht… die gängige Farbe eine Gebäudes auf den Hebriden ist Braun oder Grau, ein bunter Anstrich würde bei den hiesigen Witterungsverhältnissen innerhalb kürzester Zeit ruiniert sein, erklärte man uns. Farbe hält auf Lewis nicht)
Ich persönlich fand es höchst interessant, einmal einen Einblick in die Leben der Menschen von Lewis der vorletzten Generation zu bekommen. Die Tatsache, dass das Haus noch in genau dem Zustand ist, in dem es verlassen wurde (nun ja, es standen in jeder Ecke ein paar Feuerlöscher, für alle Fälle…) gab der Sache eine fast greifbare Authentizität.
Suche nach dem Mangersta Strand
Heute war es ziemlich trüb, aber halbwegs trocken. Mir gefällt der Blick aus dem Fenster trotzdem immer! Auch, wenn Nieselregen im Wind über die Hügel zieht. Morgens zog ich in der Region umher. Lief den felsigen Strand entlang. Traf wieder den netten Schafhirten Malcom. Die Unterhaltungen mit ihm sind sehr informativ und angenehm.
felsiger Strand, Bernera
Malcom untersucht den Knöchel des Schafs
glückliche Schafe bei der Fütterung, es nieselt
Gegen Mittag fuhren wir über diese engen, kurvigen, hügeligen Straßen los. Gerade hier auf Bernera ist das Fahren sehr anstrengend. Und diese „schlimmsten“ 16 km, fahren wir jeden Tag mindestens zweimal. In einer Kurve kam uns plötzlich ein großer, silberner SUV, eine junge Frau am Steuer, Kinder im Wagen, auf UNSERER Spur entgegen. Sie schaffte es nicht, den Wagen unter Kontrolle zu bringen und wieder auf ihre Seite zu ziehen! Mir blieb in den unendlich langen Sekunden nur eine Wahl: der Graben. Ich bremste ab, steuerte unseren Bus ins Gras am Rand, zum Glück gerade breit genug für uns, und kam mit Herzklopfen zum Stehen! Das war knapp! So knapp wie noch nie in meiner 30 jährigen Fahrpraxis! UFF.
Die Dame kam einige hundert Meter hinter uns auch zum Stehen. Ich wollte aussteigen und mit ihr reden. Nicht mal geschimpft hätte ich, so froh war ich, dass es gut gegangen war! Meine erste Frage war übrigens: bin ich auf der richtigen Straßenseite! War ich. Sie war es nicht! Gunter drängelte, fahr einfach weiter. Nun gut. Der Schrecken saß!
Auf dem Weg nach Uig hatten wir beim letzten Mal zwei Highland Rinder gesehen. Vor dem Zaun hielt ein Defender, hinten schauten mindestens drei der hier so typischen Border Collies raus. Die Kühe wurden mit frischen Heu versorgt. Im Gespräch erfuhren wir, dass die beiden trächtig seinen und deswegen das gute Futter brauchten. Für uns war das ein Geschenk des Himmels, die beiden Kühe waren so nah und beschäftigt. Zuerst wechselte ich das Objektiv gegen ein Weitwinkel, dann noch den Blitz drauf und jetzt hatte ich SPAß! Und was für einen. Knie und Ellenbogen wie immer nass und matschig, aber das ist mir ein gutes Foto immer wert. Mit den großen Hörnern musste ich enorm aufpassen, die waren immer nur wenige Zentimeter von meiner Linse entfernt. Ich war zufrieden und glücklich. Die Bilder habt ihr ja bereits hier gesehen :-)
Wir fuhren diesmal entlang einer Straße, die mit Blick über den weiten Atlantik ausgestattet ist. Ich schrie vor Freude auf. Das Licht, die Wellen, die Gischt und Sicht! Mensch, wie schön die Welt doch ist! Doch was sehe ich da: Hirsche!
Die hatte ich mir gewünscht! Kaum war das 400 mm Tele drauf, kam die Abendsonne raus. Wow! Die Hirsche positionierten sich perfekt vor den Bergen. Das Licht, wie von magischer Hand optimal gesetzt, klickten wir munter, grinsend vor uns hin!
Hirsche im Abendlicht
Wellen in der Nacht
Wir fuhren nochmal zur Kuhweide, wo Gunter letztens von fluchtgefährdeten Kühen belauert wurde. Diesmal hatten wir einen schönen Blick auf die Felsen. Doch das war nicht die Stelle gewesen, die wir gesucht hatten. Schön war es trotzdem. Wir werden in den nächsten Tagen einen weiteren Versuch starten.
Jetzt, erst vom Schrecken gebeutelt, dann vom Glück umspült, fuhren wir weiter entlang dieser engen Straße zum Ende der traumhaften Welt! Es wurde schöner und schöner. Ja, hier könnte ich wohnen! Ein Fest für die Augen!
Nachts lag ich noch lange wach. Was wäre passiert, wenn wir ein paar Sekunden später losgefahren wären? Hätte ich dann noch ausweichen können? Wie schnell kann es vorbei sein? Das war ein aufregender Tag gewesen! Ich fahre jetzt noch langsamer und vorsichtiger – doch immer mit dem rücksichtslosen Verhalten der Anderen zu rechnen ist anstrengend!!
Strände der Isle of Lewis, Dalbeg und Garry Beach
Noch kennen wir nicht alle Strände der Insel. Es war bedeckt, aber trocken. Diesmal starteten wir mit einem Strand an der Westküste von Lewis – Dalbeg. Dieser Strand ist unweit der Standing Stones, er liegt nahe der Hauptsstraße, mit einem bequemen Parkplatz, er ist also ohne Wanderung zu erreichen. Kaum waren wir aus dem Auto raus, begrüßten uns wohlgenährte weisse Gänse, sie fühlten sich am idyllischen, windgeschützten Loch sehr wohl. Dalbeg ist bei Surfern sehr beliebt. Für Fotografen eignet er sich also ebenso gut. Nach und nach rollten die Wellen auf den Sand. Amy und Noah versuchten am Bach einen Damm zu bauen, was nicht funktionieren wollte. Von Dalbeg führt eine Wanderung zu weiter südlich gelegenen Surfstrand von Dalmore, diesen liefen wir nur zur Hälfte, die Fotografie der Felsen bremste unsere Wanderung aus.
Klippen bei Dalbeg
Windzerzaust, mit sandigen Füßen und einigen Wellen und Landschaften auf der Speicherkarte zogen wir weiter entlang der Küste. Wir besichtigten und fotografierten das Anold Blackhouse. Innen brannte das für diese Art Häuser typische Torffeuer, es nahm uns den Atem. Schon im Haus merkte ich einen Kopfschmerz aufkommen, nein, die frische, salzige, windige Luft am Strand ist mir da wesentlich lieber. Esra wird noch einen ausführlichen Text über dieses Museum schreiben – mal sehen, wann er das schaffen wird!
Stundenlang hatten wir diesen verbrannten torfigen Geschmack im Mund und lange hing der Qualm trotz Sturm in unseren Jacken. Kaum vorstellbar, wie Menschen, vor nicht allzulanger Zeit, so wohnen konnten. Wir waren froh, das Haus nach ca. 30 Minuten wieder verlassen zu können.
Arnol Blackhouse
Wir versuchten mit belegten Broten und Berlinern aus dem Stornoway Supermarkt den trofigen Geschmack zu neutralisieren. Das half auch gegen den Hunger :-)
Jugendliche kosten mehr beim B & B
Gestern fanden wir übrigens eine Homepage von einem B & B, und staunten nicht schlecht über die Preise für mitreisende Kinder. Sie kosteten zwischen 30 und 130 % der Erwachsenen. Teenager würden aufgrund des großen Essbedürfnisses teurer! Da wir mit drei hungrigen Jugendlichen reisen, ist die Fahrt zum Supermarkt alle paar Tage nötig. Die Wanderungen im kühlen Winterwind steigern den Kalorienbedarf wahrscheinlich sogar auf 200%!
Die Strände nördlich von Stornoway sahen auf der Landkarten interessant aus. Ganz im Norden, wo die Straße mit der Bridge to Nowhere endet, war ein Wasserfall eingezeichnet. Wir fuhren natürlich auf die Brücke drauf, doch der Weg endet da. Sie heißt nicht umsonst die Brücke nach Nirgendwo :-) Sie wurde ca. 1920 gebaut, die geplante Straße nie vollendet.
Ein verlassenes Auto im Moor
Wir verliefen uns im matschigen Moor. Das war ein großes Glück, denn wir fanden einen uralten Suzuki Geländewagen. Der bot ein lustiges Fotomotiv mit den Kids und regte unsere Fantasie an – was war hier wohl passiert? Wie lange der schon da gestanden hat? Wie lange würde es noch dauern, bis man ihn fast nicht mehr sehen würde?
Amy im Suzuki Auto, Isle of Lewis
Suzuki Auto. Isle of Lewis Esra fängt an an seinem Führerschein zu arbeiten
Der Wasserfall hat wenig Wasser
Der Wasserfall, wo, mochte der sein? Wir drehten um, liefen in die andere Richtung, wieder über die Brücke. Die Aussicht auf die weiten Strände, mit fabklecksigen Schafen um uns herum, das glitzernde, eher ruhige Meer, die ach so frische Luft! Es war schön! Ein Mann lief mit seinem Golden Retriever entlang des Weges. Der Hund bellte, wollte spielen und Steinchen geworfen bekommen – Stöckchen gibt es nicht sie wären besser für die Zähne. Die Kids beschäftigten den Hund, oder war es umgekehrt, wir erzählten mit Roy. Er war LKW Fahrer gewesen, hat ganz Europa bereist. Ihm fehlt das manchmal, doch insgesamt genießt er, der früher in Manchester gelebt hatte, das ruhige Inselleben. Roy meinte, wir sollten unbedingt eine fotobegeisterte Freundin von ihm besuchen. Einfach anklopfen, sie würde sich ganz bestimmt freuen und auf einen Tee einladen :-) Wir trauten uns nicht. Ich werde die Frau aber mal anrufen!
Torfstechen ist ein Knochenjob
Roy erklärte uns, wie das Torfstechen funktioniert. Im Frühjahr, wenn der Torf noch feucht ist, sticht man mit einem speziellen Spaten erstmal Vierecke. Erst wenn es etwas abgetrocknet ist, geht man wieder los, am besten zusammen mit Nachbarn, sticht er den Torf dann aus und schichtet ihn zu Stapeln auf. Über den Sommer trocknet er und kann im Winter verbrannt werden. Die Arbeit wäre sehr schwer und der gesamte Wintervorrat muß gestochen werden, weil es später nicht mehr möglich ist, Stücke aus dem zu trockenen Boden heraus zu lösen.
Wellen nach Sonnenuntergang
Schaf und Strand
Garry Beach
Der Wasserfall war dürftig mit Wasser bestückt – wieder mal war das Wetter viel zu gut für ein solches Motiv. Wir waren hin und her gerissen: Strand oder Wasserfall. Der Strand gewann. Wir drehten um und liefen zurück. Die Felsnadeln standen trocken im Sand, kein wirklich gutes Motiv. Da müssen wir bei Flut nochmal her :-) Die Wolken verhinderten einen spektakülaren Sonnenuntergang – wir waren sowieso auf der „falschen“ Seite. Erst als es dunkel und der Wind bissig wurde zogen wir zum Auto zurück. Die Fahrt zurück in der tiefen Schwärze der Nacht war mal wieder zu lange, so ist das, wenn einen Insel viel bietet und groß ist!