Als Fotografen suchen wir die Schönheit der Natur. Unser scharfer Blick streift über die Landschaft. Selbst ohne Kamera gestalten wir ständig Bilder in unseren Gedanken. Der allgegenwärtige Müll sticht uns unangenehm ins Auge.
Wir kennen alle die Bilder von Vögeln die an Plastikmüll in ihren Mägen veendeten, Robben mit Netzen, welche tief in die Haut eingewachsen sind. Nur: was kann man, was können die 5reicherts, schon dagegen tun?
Die Müllberge an manchen Stränden sind so gewaltig, die angespülten Plastikteile so schwer, dass wir uns machtlos fühlen. So lassen wir den Müll liegen, fotografieren ihn aber, um darauf aufmerksam zu machen. Hmm, das kann aber nicht alles sein!
Müll am Strand, Isle of Lewis, Schottland
Noah und der Müll am Strand
Esra schleppt schwere Seile
Esra schleppt schwere Seile
Wenn aber jeder so denkt, ändert sich nie etwas! In Facebook sah ich vor einigen Tagen das Bild einer Robbe auf Shetland, mit Nylonhalsband. Es verfolgte mich die ganze Nacht. In meinem inneren Auge sah ich den Kleinkram am Strand unweit „unseres“ Hauses, die Unmengen an Seil und Fischnetzfragmenten. Wenigstens den Kleinkram könnten wir doch einsammeln? Wenigstens an diesem einen, kleinen Strand? Meine Familie wußte nichts von meinen Plänen, die Kids stimmten jedoch sofort begeistert zu. Mit Tüten bewaffnet und Handschuhen an den Händen zogen wir los.
Leider hatten wir uns einen ziemlich stürmischen Tag ausgesucht, denn es erschwerte unsere Arbeit. Ständig zerrte der Wind an den leichten Seilen, wir mußten aufpassen, das sie nicht ins Meer wehten. Unsere Säcke waren schnell gefüllt und der Strand sah bereits besser aus, doch noch war er nicht komplett sauber. Esra schleppte Kiloweise Seil zum Haus. Im Sturm ein kräftezehrendes Unternehmen. Ich befragte die Nachbarn, wo wir den Müll am besten entsorgen könnten. Anne half mal wieder! Sie rief in der Gemeinde an. Wir sollten den Müll vor den Kontainer, der leider nur zwei Stunden pro Woche geöffnet ist, legen. Glücklicherweise haben wir viel Platz im Bus.
Gunter wartete mit eine heißen Mahlzeit auf uns – wir hatten sie nötig.
Vor ein paar Tagen hatten wir über diese Hütte in den Felsen berichtet! Von Neugier getrieben und dem Traum dort eine Nacht zu verbringen, suchten Esra und ich das Ehepaar auf. Die Adresse hatte auf einem kleinen Zettel in der kleinen Hütte gehangen, so war es nicht schwer John und Lorna zu finden. Wir wurden spontan auf einen Tee eingeladen und erzählten bis spät am Abend. Warum bringe ich das jetzt hier unter diesem Müllartikel?
Die beiden haben jahrelang Aktionen zur Reinigung der Strände gestartet. Es sei schwer, Leute für diese Projekte zu finden. Wenn zu einer Säuberung 10 Leute auftauchen würden, wäre das viel. Lorne erzählte: „Allein am Strand hier in der Nähe sammelten wir zwei dieser großen Müllkontainer! Wir machten das einige Jahre und merkten, dass der Müll tatsächlich jedes Jahr weniger wurde. Also waren diese Aktionen sehr sinnvoll. Über Sponsoren sammelten wir Geld, welches dann für Wasserprojekte nach Afrika geschickt wurde. Es fühlte sich gut an, so zwei völlig unterschiedliche Umweltprojekte zu kombinieren. Leider hatten wir in den letzten Jahren keine Zeit dafür und der Müll sammelt sich wieder an!“.
John und Lorna
Da ich mich sehr für Flschenpost interessiere, bisher jedoch noch niemanden traf, der auch einmal eine Flaschenpost gefunden hatte, fragte ich die beiden Strandputzer! Hier müßte die Chancen für eine postive Antwort sehr groß sein! Und tatsächlich kam die erwartete Rückmeldung: „Ja, wir haben hie und da Post gefunden. Das ist immer sehr aufregend. Eine kam aus Nova Scotia!“
https://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2013/03/MG_2528.jpg467700Gabihttps://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2025/07/logo-5reicherts.webpGabi2013-03-12 13:11:312015-12-27 00:11:29Müll an den Stränden
Heute Abend schreibe ich nur einen kurzen Blogbeitrag.
Bei der Recherche zu unserer Unterkunft auf der Isle of Lewis hatte ich im Internet die unten verlinkte Seite gefunden. Eine Blackhouse Ferienwohnung! Das Dort reizte mich, auch wegen der schönen Lage direkt am Strand. Nachdem wir vor kurzem das Arnol Blackhouse besucht hatten, war es natürlich ein Muss auch zum Blackhouse Village zu fahren.
Blackhouse Village, Isle of Lewis
Der Wind blies biestig kalt an diesem Tag. Das Handhaben der Kamera auf Stativ nicht einfach. Beim bedeckten, grauen Himmel reizten uns ernsthafte Landschaftsaufnahmen nicht. Das war ein guter Tag für diesen Ort und den Harris Tweed, über den ich bereits berichtete.
Ich war extrem neugierig, die Ferienwohnungen zu sehen, am besten natürlich auch innen. Ob mir das gelingen würde? Im Dorf war es sehr geschäftig, ein Dach wurde repariert, irgendwo hörten wir einen Staubsauger, eine Tür stand offen :-) Ich schaute rein. Eine Frau putzte die Küche. Ich sprach sie an. Zuerst verstand ich die Antwort nicht, so sagte ich noch einmal guten Tag. Jetzt verstand ich: sie signalisierte, dass sie taub sei. Wir sollten ruhig reinkommen und uns alles anschauen. Freundlich führte uns die Dame herum. Sie winkte uns hier hin und dahin, und noch ein Stück weiter. Die Kommunikation funktionierte super gut, ich schaute ihr ins Gesicht, sprach langsam und deutlich und ein wenig mit den Händen und sie gab genauso Antwort.
Ferienwohnung, Blackhouse Village – ohne Torffeuer!
„Kommt mit!“, sie lief zum Museum, holte noch den Schlüssel. Mir war nicht bewusst gewesen, dass es auch hier ein Museum gibt. Ohne Stativ machten wir ein paar Fotos. Ich genieße es immer noch, dass die digitalen Kameras so flexibel sind. Schnell die Iso auf 1600 eingestellt und schon sind Innenaufnahmen ohne großen Aufwand möglich. Innerhalb weniger Minuten waren wir fertig!
Das Haus war etwas moderner als das Arnol Blackhouse, es gab einen Kamin (!) und mehr Möbel. Der Kalender von 1955 hing an der Wand; in diesem Jahr hatten die Bewohner das Haus verlassen. Der extrem schräge Fußboden war sehr auffällig. Im Nebenraum stand ein Webstuhl. Und wieder sind wir beim Harris Tweed :-)
Blackhouse Village, Isle of Lewis
Webstuhl, Blackhouse Village, Isle of Lewis
Wohnraum, Blackhouse Village, Isle of Lewis
Wohnraum, mit Kamin!
Das war eine Führung, die mir große Freude bereitet hatte. Die nette Angestellte sprühte vor Begeisterung und Enthusiasmus, es war unkompliziert, schnell und effektiv :-) Das Museum und Kaffee würden erst Mitte April öffnen. Bis jetzt sind uns tatsächlich noch KEINE Touristen begegnet. Das ist schade, denn die Isle of Lewis ist auch im Winter eine Reise wert!
Um einen Überblick über das Dorf zu bekommen, kletterten wir auf den Hügel. Ich lief zum Strand, der von großen Steinen und Müll bevölkert aber ansonsten sehr einsam war. Eine Flaschenpost fand ich nicht!
Die Fakten liefern wir nach, auf Englisch könnt ihr selbst unter Blackhouse Village nachlesen.
https://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2013/03/Blackhouse_Panorama1.jpg4601400Gabihttps://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2025/07/logo-5reicherts.webpGabi2013-03-10 01:00:012016-01-22 09:56:22Blackhouse Village
Wir besuchten in den letzten beiden Wochen mehrfach die Strände in Uig. Die Küste dort gefällt uns ausgesporchen gut. Sie bieten unglaublich abwechslungsreiche fotografische Möglichkeiten. Der Himmel war bewölkt, die Sonne zeigte sich nicht. Es passte perfekt zur dramatischen Steilküste.
Küste bei Mangersta, Uig, Isle of Lewis
Vor einem Parkplatz fanden wir den König der Lewis Chessmen überlebensgross wieder. An diesem Strand wurden die Figuren damals gefunden. wir verweilten lange an diesem weiten, hellen Strand – es war Ebbe, die Sandfläche enorm! Auf der Surfer Internetseite wurden für ein paar Strände sehr hohe Surfwellen vorhergesagt. Das hatte uns neugierig gemacht. Am weitläufigen Sandstrand sahen wir keinen nennenswerten Wellen. An den Klippen würde wir sicher welche finden.
Felsen am Sandstrand, Uig, Isle of Lewis
die 5 Reicherts in der Hütte
Hütte in den Felsen, Uig, Isle of Lewis
Je weiter wir Richtung Ende der Straße kamen, desto diesiger wurde es. Über den Bergen hingen schwere, dicke Wolken. Sie regneten in der Ferne ab. Wir blieben verschont. Wir wanderten vom gleichen Startpunkt wie beim letzten Besuch, liefen diesmal jedoch in die andere Richtung. Dort fanden wir weit und breit keinen Sandstrand, dafür Klippen mit abwechslungsreicher Aussicht und natürlich Fotomöglichkeiten. Fotografisch war nur eine Blickrichtung ergiebig, nur dort hingen die dunklen Regenwolken, die sich für die Bildgestaltung eignenten. Wir konnten nicht in die andere Richtung fotografieren, da dort die Sonne zu stark durch die dünne Wolkendecke schien und der Himmel auf dem Foto weiß gewesen wäre. Dieser Umstand schränkte unsere Fotografie jedoch nur wenig ein. Wir machten aufgrund fast fehlender Wellen – ja wo waren die denn jetzt? – Langzeitaufnahmen. Da lag die Wellenvorhersage aber voll daneben! Machte aber nichts!
Unsere Nachbarin Anne hatte uns von einer kleinen Hütte zwischen den Felsen erzählt. Fast hätten wir die kleine Unterkunft übersehen, so gut ist sie in die Felslandschaft integriert. Innen machten wir ein paar Fotos von der ganzen Familie. Es ist erlaubt in der Hütte zu übernachten. Dazu soll man sich vorher bei den Erbauern die Erlaubnis mit genauer Anleitung für den Ofen holen. Ich fand das Klasse und kam ins Träumen. Das wäre doch der perfekte Ort für die sternklaren Nächte gewesen! Keine Lichtverschmutzung, Felsen und das Meer! Jetzt fand ich es zu nass und stürmisch, da würde mir das Schalfen in der hoch auf den Klippen stehenden Hütte wahrscheinlich Angst machen.
Komischerweise war es an diesem Tag fast unangenehm warm. Obwohl wir die warmen Wollpullover im Auto gelassen hatten, kamen wir mächtig ins Schwitzen. Ich lies deswegen der Tag mit einem warmen Bad ausklingen und wusch dabei meinen müden Körper wieder rein.
An dieser Stelle habe ich ausnahmsweise mal ein PS!
PS Als wir vor einigen Tagen mit Uisoean noch zum Tolsta Strand gefahren waren, trafen wir einen „alten“ Bekannten: Roy mit seinem Hund Siggi. Wieder unterhielten wir uns lange. Siggi forderte unsere Kinder ununterbrochen zum Spielen auf. Ich nutzte die Gelegenheit um ein paar Fotos zu machen.
typischer wirf mir das Stöckchen Blick
PPS Es gibt eine neue Funktion im Blog: Die Kommentare können abonniert werden. Ihr bekommt dann eine E-Mail, wenn jemand auf den Kommentar antwortet! Ist vielleicht einfacher als immer wieder nach zu schauen?
Und hier habe ich ein Bild in höherer Auflösung abgelegt, als Bildschirmschoner.
Kalt und windig begann der Tag. Wie immer zog es mich trotzdem in die Natur hinaus. Es könnten sich die Wellen ja ohne mich und meinen Fotoapparat vergnügen. Gegen Mittag fuhren wir Richtung Norden los. Wir erlebten so viel, dass ich mein Geschreibsel für die bessere Übersicht auf zwei Beiträge verteile.
Harris Tweed Schneiderei
Beginnen wir mit dem Harris Tweed. Das auffällig lustige Logo von Rarebird, Harris Tweed Design war mir beim bereits vor ein paar Tagen beim Vorbeifahren aufgefallen. Neugierig parkte ich den Wagen und schaute im Laden hinein. Ein netter Herr begrüßte mich sehr freundlich und stellte sich als Charles Brough, Miteigentümer des Ladens vor. Ich betrachtete in aller Ruhe die ausgestellten Tweed Sachen. Strahlende Farben, modernes Design, außergewöhnliche Accessoires. Das hatte ich – den üblichen, eher braunen Tweed mit den gedeckten Farben im Hinterkopf – nicht erwartet. Eher so die Sachen, die Prinz Charles zum Jagen tragen würde.
Farbenfrohe Harris Tweeds
Vor allem die Farben fingen meinen fotografischen Blick ein. Wir kamen ins Gespräch. Charles Brough gab mir sehr geduldig und ausführlich Auskunft, erklärte vor allem, wie die wunderschönen, kräftigen Farben zustande kommen. Er rollte seinen speziellen Farbtweed aus, um es zu verdeutlichen. Nur die querlaufende Farbe wird gewechselt und all diese völlig verschiedenen Farben entstehen. Ich zeige Euch das besser in den Bildern:
Harris Tweed Farbmischung – diese Tweed Bahn wird nur hergestellt um die Farbmischungen beurteilen zu können. Einige Farben harmonieren nicht, man kann das nur durch ausprobieren herausfinden und so Fehlproduktionen verhindern.
Steven und die Harris Tweed Farbmischung
Steven und die Harris Tweed Farbmischung
So kommt der Harris Tweed auf die Laufstege der Welt
„Wir kaufen den gesamten Bedarf an Tweed bei der Carloway Weberei. Sie ist nur ein paar hundert Meter von hier“ erklärte Steve. „Dieses helle Blau ist unsere ganz eigene Farbe. Wir kaufen die gesamte Charge und die Weberei gibt diese Farbe dann nicht andere Nähereien weiter“, meint Steve. Eigentlich ist das Rarebird, Harris Tweed Design, kein Laden, sondern eine Art Großhandel. Der Großteil der Ware geht an die Museen in Edinburgh und Glasgow und auch in die Geschäfte von Japan! Dorthin fährt seine Frau, die für das Entwerfen der Mode zuständig ist, zu Messen und Modeschauen und bringt so den Harris Tweed auf die Laufstege der Welt.
Steve schneidet den Stoff zu, nebenan in der Halle würde alles zusammengenäht. „Wir können da auch rüber gehen, dann kannst Du da noch ein paar Fotos machen“ Jetzt erwartete ich eine große Halle mit einigen Beschäftigten. Wieder war ich überrascht. Steves Frau machte am Computer die Steuer und eine Angestellte fügte Broschen zusammen. Das wars! Klasse!
Fertigung der modischen Tweed Ware
Wir plauderten noch eine ganze Weile über ganz andere Themen, über Nordlichter und die Insel.
Esra’s Jeans hatte sich an den Knien in Wohlgefallen aufgelöst, ich fragte nach ein paar Stoffresten zum Flicken. Ist doch das beste Souvenir: ein Flicken aus Haris Tweed direkt von der Insel!
Hier findet Ihr die Website von Rarebird Harris Tweed Design.
Fotografieren im eiskalten Wind
Draußen blies der Wind munter weiter. Ich fotografierte eine Weile am Strand Doch die Finger froren mir beim Schrauben der Filter fast ein. Gunter fand es entschieden zu kalt, er fühlte sich nicht ganz so wohl und verbrachte die Zeit musikhörend im Auto.
Auf dem Rückweg kamen wir an der Weberei vorbei. Das mußte ich jetzt natürlich sehen. Steve sagte ich solle es mir nicht entgehen lassen; Norman wäre sehr nett und würde sich immer über Besucher freuen. Es könne sein, dass er nicht da ist, denn er wäre auch Crofter.
Zu Besuch beim Harris Tweed Weber Norman MacKenzie
Nach kurzem Suchen fand ich Norman MacKenzie. Der Schuppen, indem sich der ca. 80 Jahre alte Webstuhl befand, war sehr klein und unscheinbar. Auch hier hatte ich eine große Fabrik erwartet! Nein, ein kleiner Raum und ein einziger Mann reichen aus. Das Weben des Tweeds ist keine Handarbeit, der Webstuhl wird nämlich mit den Füßen betrieben. Strom braucht Norman dazu nicht. „Ich bin in Rente, habe mein ganzes Leben auf dem schottischen Festland gearbeitet. Hier auf der Insel fühle ich mich wohl. Es reicht mir, so ca. 6 Stunden am Tag zu weben. Außer Sonntags natürlich. Ich schaffe so etwa 6-7m in einer Stunde“ erzählte er am Webstuhl sitzend.
Harris Tweed, Norman MacKenzie
Norman MacKenzie am Webstuhl
Dann legte Norman los, flink schoss das Garn hin und her. Ziemlich laut war es auch. Wie bei einer Spieluhr gibt es ein Band, welches in die Machine eingelegt wird, damit die farbigen Fäden automatisch wechseln und das Muster entsteht. Auch Norman bekommt Bestellungen aus aller Welt. Der letzte große Auftrag kam aus Deutschland. Er verschickt sie per Post, eine Webpage hat er nicht.
Eine Frage hätte ich noch: „Warum heisst es „Harris Tweed“? Wir sind doch auf Lewis?“ Norman lachte.“ Ja, der Tweed begann auf Harris und wurde deswegen so genannt. Dann reichte der dort hergestellte nicht mehr aus und auch auf Lewis wurde gewebt. Für kurze Zeit wurde der Name Harris & Lewis Tweed verwendet. Die Leute waren verwirrt, also ging man zum unrsprünglichen Namen zurück. Echter Harris Tweed kann nur auf den Äußeren Hebriden hergestellt werden. Schon die Isle of Skye, die zu den Inneren Hebriden zählt, ist zu weit weg.“ Das erinnerte mich an den Scotch Whisky, der diesen Namen nur tragen darf, wenn er in Schottland hergestellt wird und mindestens 3 Jahre in Schottland reift!
Die Wolle von der Isle of Lewis reiche nicht aus. So wird sie von Schottland (!) geholt.
Fasziniert betrachtete ich das solide, zuverlässige Gerät. Wie effektiv das Ganze doch ist! Je mehr ich über diesen wunderbaren Stoff erfuhr, desto mehr zuckte meine Hand Richtung Portmonee Ich hätte da auch gern ein Kleidungsstück! Aber ein Schal tut es nicht. Es muss schon mehr sein.
Tom Hanks trägt ihn als Robert Langdon im DaVinci Code, Miss Marple ist damit kostümiert, Nike schmückt seine Sportschuh-Sonderserien damit, Vivianne Westwood ist ein großer Fan.
Die Rede ist vom Harris Tweed einem handgewebten, widerstandsfähigen Wollstoff mit dezenter Optik, der exklusiv auf den Äußeren Hebriden hergestellt wird.
Die Ursprünge des Harris Tweed reichen in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Die Einwohner der Hebriden webten einen dichten Wollstoff für den Eigengebrauch, um sich gegen das rauhe Klima zu schützen. Gefärbt wurde die Wolle mit Naturfarben aus Flechten.
Daran hat sich bis heute nicht sehr viel geändert. Handgewebt wird noch immer, nur die Webstühle sind breiter, um den Vorgaben der Modeindustrie Rechnung zu tragen. Und neue Farbstoffe und Designs sind dazugekommen.
Echter Harris Tweed ist am Etikett mit dem malteserkreuzgekrönten Reichsapfel zu erkennen. Er darf ausschließlich auf den Äußeren Hebriden gesponnen, gefärbt und im typischen Webstil handegewebt werden. Die Wolle allerdings kann auch vom schottischen Festland stammen.
Wer sich kein Jacket oder Kostüm aus Harris Tweed zulegen möchte, kann ihn auch als Krawatte, Schal, Mütze, Handtasche und Schuhe (danke Nemi!) erwerben.[/yellow_box]
Als wir vorige Woche bei einer Wanderung auf „unserer“ Insel, Great Bernera, dem Schreiner Uisoean Paterson über den Weg gelaufen sind, erzählte er uns unter anderem davon, dass der den König der berühmten Lewis-Schachfiguren in nahezu Lebensgröße repliziert hätte. Fasziniert von dieser Vorstellung ließen wir uns also seiner Handynummer geben, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal kontaktieren zu können; wir wollen seine Schachfigur unbedingt zu Gesicht bekommen.
Lewis Chessman
Dieser spätere Zeitpunkt war vorgestern gekommen, nachdem wir unsere Einkäufe erledigt hatten. Uisoean wartete vor dem Co-op auf uns und nahm uns mit zu sich nach Hause, wo auch sein Arbeitschuppen stand (welcher im Stil einer norwegischen Fischerhütte gebaut war). Hinter den beiden Holztüren empfing uns eine wohlige, von einem winzigen Holzofen ausgehende Wärme und der Geruch von Holz. Überall lagen Werkzeuge herum, an den Wänden hingen Landkarten und inspirierende Bilder, und unter der Decke warteten Angelruten und andere Utensilien auf ihren Einsatz. In der Mitte des Raumes aber stand der eigentliche Blickfang: Ein fast lebensgroßer Schach-König, der finster blickend auf seinem Stuhl saß, mit dem Schwert auf dem Schoss. Ich hatte zuvor schon Bilder von den Lewis-Schachfiguren gesehen und erkannte diese auf Anhieb; Uisoean hatte eine fast perfekte Kopie hergestellt.
Werkzeug
Lasst mich mal kurz ein paar Fakten einwerfen: Bei den Lewis-Schachfiguren handelt es sich um 78 Schachfiguren aus dem 12. Jahrhundert, welche mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit aus Norwegen stammen. Größtenteils sind sie aus Walroß-Stoßzähnen gefertigt, ein paar von ihnen bestehen aber auch aus Pottwalzahn. Sie sind 1831 hier auf Lewis entdeckt worden und befinden sich nun, nachdem sie ein paar mal die Besitzer gewechselt haben, zum größten Teil im British Museum in London; nur ein paar wenige werden im Museum of Scotland aufbewahrt. Sie werden allgemein als einer der wertvollsten kulturellen Schätze Großbritanniens gehandelt, und vor allem auf Lewis stößt man oft auf Bilder und kleine Replikate von ihnen.
Allerdings haben wir noch kaum ein anderes Replikat zu Gesicht bekommen, welches dem von Uisoean Konkurrenz machen könnte. Etwas unter 200 Arbeitsstunden hat er darin investiert, sich mit einem Detail nach dem anderen an das Original heranzutasten.
Lewis Chessman
Esra und der König
Größenvergleich
schachspielen mit dieser Figur wäre keine gute Idee!
Uisoean in seiner Werkstatt
Das Interessante ist, erklärte er uns, dass die Schöpfer der originalen Figuren auch solch große Holzblöcke in ihren Werkstätten hatten. Wenn sie eine neue Figur herstellen wollten, mussten sie immer zuerst ein übergroßes Musterexemplar bauen, welches sie dann kopierten. Man konnte es sich nicht leisten, an so einem wertvollen Material wie Elfenbein herum zu experiementieren, also tat man dies zuerst an einem Holzblock. Elfenbein war bei den Wikingern sogar noch wertvoller als Gold…
Damit wir bessere Bilder hinbekommen konnten, hievte Uisoean den zentnerschweren König nach draußen, wo Gabi und Gunter ihn mit blitzenden Kameras umkreisten. Die Figur bestand aus einem einzigen, sehr großen Block Eichenholz. Zu Beginn könne man Eiche noch mit Leichtigkeit bearbeiten, sagte Uisoean. Er verglich das frische Holz mit Käse, fügte aber hinzu, dass es nach einiger Zeit hart wie Stahl wird. Seine Figur wäre also extrem robust (wenn auch recht schwer), und mit ihrem dicken Schutzanstrich könne man sie auch problemlos in Wind und Wetter stehen lassen.
Hier auf der Insel haben wir noch kein „kleines“ Lewis Schachset gesehen, schade eigentlich. In Amazon habe ich aber das Lewis Schach-Setgefunden.
In Uig, was in relativer Nähe unserer Unterkunft liegt (immer noch 40 km!) suchten wir bereits mehrmals den Strand Mangersta, weil er sehr abwechslungsreich aussah, d.h. Sand und Felsnadeln.
Der Blick aus dem Fenster reichte, raus aus dem Bett und ohne Frühstück rein ins Auto. Gunter musste nicht überredet werden, so gut sah’s aus. Ich ziehe ja auch bei Nieselregen los, will raus, raus, raus immer, nur draußen sein :-) Der Tag war sehr vielversprechend. Nieselregen und Sonne hingen in der Luft. Das bescherte uns außergewöhnliche Stimmungen. Selbst die Regenbögen konnten sich nicht entscheiden, ob sie wirklich bunt oder lieber nur ein Nebelbogen sein wollten. Wir fanden endlich den Strand! Tatsächlich bietet er zahlreiche Fotomotive, und dies sogar in alle Himmelsrichtungen! Mit schwerem Gepäck liefen wir die Hügel rauf, nah entlang der Klippen und wieder runter. Einmal hetzte ich zu schnell hinauf, weil gerade die Sonne raus kam und ich eine Übersicht fotografieren wollte. Uff, im kalten Wind ins Schwitzen kommen ist nicht empfehlenswert. Traumhaft war es, die Aussichten grandios.
Regenbogen über weitem Strand, Uig, Isle of Lewis
Stacks, Uig, Isle of Lewis
Nebelbogen, Mangersta, Uig, Isle of Lewis
Stunden später, mit müden Knochen, machten wir uns auf den Heimweg. Die Kids waren mittlerweile munter, die Küche schön aufgeräumt :-) Wir futterten ausgiebig.
Unsere Nachbarin Anne besuchte uns auf einen Kaffee. Von ihr erfahren wir immer, was wir bei den Wanderungen übersehen haben. Sehr interessant, was diese Insel zu bieten hat. So viel Natur und Geschichte! Anne informiert uns auch, wenn hier in der Region etwas los ist. Leider habe ich gestern einen Termin, eine Kunstausstellung verpasst. Ich verliere den Überblick: was macht es mir, ob es Samstag oder Montag oder was auch immer ist? Wenn das Wetter gut ist – und das ist es meistens – dann ziehen wir los. Und arbeiten auch bis in die Nacht.
Die Wolken und das Licht waren absolut perfekt! Es zog uns raus, keine Ruhe im Hintern…
Jetzt fuhren wir alle zusammen nochmal los. Leider war es etwas zu spät schon wieder…. Es dauert halt immer eine Stunde um an die Strände zu kommen. Wir fuhren nach Dalmore, den Strand kannten wir noch nicht. UND es haute mich komplett aus den Socken! Das war zu viel des Guten! Wie soll ich das denn alles aufnehmen. Ich sah tausend geniale Motive, die alle auf einmal aufgenommen werden wollten. Rauschende, sich staffelnde Wellen im Licht, die Gischt hinter sich herziehend! Spiegelnder, nasser Sand, feine Wölkchen am Himmel, Schaumige Wellen, die Linien hinter sich her ziehen. Der arme Esra stand mit dem Rucksack neben mir und bekam die Hektik zu spüren. Esra, ich brauch das Tele, und das Weitwinkel, fahr doch schon mal das Stativ raus, schneller, und halt doch mal die Kamera, wo ist der Drahtauslöser…… Er assistierte so gut er konnte. Ich hätte gern hunderte von Armen und Köpfen gehabt. Oder am besten die Gabi geklont :-) Das ist diese Art „schneller“, überwältigender Fotografie. Ich mag es lieber ruhig und gemächlich, wenn das Licht ewig anhält. Doch hier hatten wir nur ein paar Minuten an einem „unbekannten“ Strand und dann gleich perfektes Licht! Ich hoffe, es kommt auf den Bildern gut rüber?