Frühstück bei Jenny und Gerry, Fraserburgh Leuchtturm Museum

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Das Wetter blieb bedeckt, wir schliefen etwas länger als sonst. Es nieselte schließlich, und zwar auf eine tspisch schottische Art. Die nennt sich Smirr. d.h. es nieselt nur leicht, doch nach nur wenigen Minuten geht die Nässe bis auf die Haut. Klatschnass! Hmm, wir hatten noch viel nasse Kleidung vom Tag zuvor, Esra und Noah hatten am Pool ein unfreiwilliges Bad genommen. Ohne Heizung trocknet hier nichts.
Wir verabschiedeten uns von Nigel und Caroline. Ich lies den Motor warm laufen. Der kleine Weg vom Strand zum Ort ist steil, mit kaltem Motor schaffen wir das nicht. Jenny holte uns zu Fuß ab, sie hatten gedacht, wir würden laufen. Doch aufgrund der nassen Sachen und der Tatsache, dass wir danach eh weiterziehen würden, fuhren wir alle zusammen ins Ort und fanden glücklicherweise gleich einen Parkplatz.
Dann saßen wir gemeinsam am Frühstück, erzählten über verschiedene Reisen und hatten Spaß. Ein paar Stunden später machten wir uns, noch immer im Smirr auf nach Fraserburgh. Nach dem Tesco Besuch zum Auffüllen des zu kleinen Kühlschranks, fuhren wir direkt zum Leuchtturmmuseum. Und gerade noch rechtzeitig. Wir buchten einen Tour zum Leuchtturm um 16:00 Uhr und hatten zuvor gerade noch Zeit, durch das Museum zu gehen.

 

Jenny, Gerry und Karen nach dem gemeinsamen Frühstück

Jenny, Gerry und Karen nach dem gemeinsamen Frühstück

im Museum - auf den Plaketten oben die Namen aller schottischen Leuchttürme

im Museum – auf den Plaketten oben die Namen aller schottischen Leuchttürme

Esra, Noah und eine der Linsen

Esra, Noah und eine der Linsen

eine Fresnellinse

eine Fresnellinse

bei der Führung

bei der Führung

das Treppenhaus

das Treppenhaus

vier Reicherts im Treppenhaus

vier Reicherts im Treppenhaus

der neue Leuchtturm, der von Edinnburgh gesteuert wird

der neue Leuchtturm, der von Edinnburgh gesteuert wird

auf dem Leuchtturm - ich machte leider von außen kein Bild mehr, weil ich schnell noch ein Buch kaufen wollte bevor das Museum schloß.

auf dem Leuchtturm – ich machte leider von außen kein Bild mehr, weil ich schnell noch ein Buch kaufen wollte bevor das Museum schloß.

bei der Führung

bei der Führung

 Kinnaird Head Lighthouse – ein Bericht von Esra

Schottland zieht nicht nur Reisende an, sondern auch gigantische Mengen an verdunstetem Wasser, welches sich meistens in Form von Regenwolken oder Nebel sehen lässt. Irgendwann innerhalb der letzten Tage hat dann einmal wieder die Reisesaison der Naturgewalten begonnen, und der Norden Großbritanniens wird wie so oft von Wolken nur so überrannt.
Wolken sind leider notorisch rücksichtslos wenn sie auf Urlaub sind, sie besudeln ganze Landstriche mit ihrem Wasser, vernebeln die Sicht und versauen die Stimmung der anderen Urlaubsgäste. Leider sind die Autoritäten machtlos, und die Bevölkerung ist gezwungen den Unfug der rüpelhaften grauen Rowdys wehrlos zu ertragen.
So auch wir. Draußen vergnügen sich Regen und Nebel, und machen Strandbesuche und Wanderungen weniger als reizlos. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als nach einer überdachten Unternehmung Ausschau zu halten.
Glücklicherweise finden wir eine Solche beim Kinnaird Head Lighthouse, in Form des Scottish Lighthouse Museums. Schnellen Schrittes eilen wir zu den Pforten, und nach kurzer Preisberechnung und -bezahlung wird es uns erlaubt, die Ausstellung zu erkunden. Eine Vielzahl verschiedener Linsen und Gläser der Schwergewichtsklasse erwartet uns im Erdgeschoss, zusammen mit einer Sammlung an obskuren Leuchtturm-Artefakten. Werkzeuge, eine vollgestopfte Schlüsselbox, ein prähistorisches Radio und weitere Dinge, die schon seit langen Jahren außer Dienst sind, werden hinter Glasscheiben ausgestellt. Auch ein Schrank voll mit Glühbirnen jeder Größenordnung steht zur Schau, genau wie verrostete Bojen und einige Zahnräder. Der Sinn einer ausgestellten kleinen Kanone bleibt uns schleierhaft.
Nachdem wir den Ausstellungsbereich zur Genüge erkundet hatten, gesellte sich eine junge Frau zu uns, die uns über das Gelände zum eigentlichen Leuchtturm führen würde.
Zuerst erklärte sie uns Wissenswertes über das Nebelhorn, welches in Form einer übergroßen Tuba mit Betonsockel auf die See gerichtet war. Es wurde von zwei antiken Dieselmotoren aus dem Jahre 1902 betrieben, aber sein Dienst hatte schon in den 80ern geendet. Die Motoren, noch mit einer Kurbel zum Anschmeißen ausgestattet, mussten wie zu Uropas Lebzeiten üblich vor dem Start an dutzenden Einfüllventilen mit Öl und Diesel befüllt werden, bevor man sie zum Laufen bringen konnte. Wenn die klobigen 48ps Maschinen endlich Abgase husteten, konnte das Nebelhorn lärmen und Schiffe vor der Küste warnen.
Nach dem akustischen Warnsystem betraten wir das optische, den eigentlichen Leuchtturm. Das viereckige Bauwerk hatte schon etwas über 500 Jahre auf dem Buckel, und hatte die ersten Jahrhunderte seines Daseins als Residenz der adligen Familie Fraserburgh gedient. Diese hatte es in die damals menschenleere Region gestellt, wo sich erst Jahre später die Stadt Fraserburgh (gespr: „Frese-bra“) ansiedelte.
Es lebten eine handvoll Generationen der adligen Familie dort, doch schließlich suchten sie sich ein anderes Heim und überließen ihr stabiles Wohnhaus einer Spinnen- und Mäuse- Dynastie.
In der Zwischenzeit hatte sich aus dem kleinen Fraserburgh eine ansehnliche Stadt gebildet, mit einem lebhaften Hafen. Doch auch damals schon machte das schlechte Wetter gerne in Schottland Urlaub, und etwa ein Viertel der Schiffe auf diesen Gewässern fielen seinen Stürmen zum Opfer. Schnell war klar: ein Leuchtturm musste her. Wie passend, dass genau an der richtigen Stelle ein hohes und leeres Steinhaus in der Landschaft herumstand! Es dauerte weniger als ein Jahr, da hatte man einen Turm in das Innere der ehemaligen Residenz gebaut und eine Lampe obendrauf gesetzt. Das war im 18ten Jahrhundert.
Über unzählige Jahrzehnte hinweg herrschte nun die Routine der Leuchtturmwärter. Es gab Zeiten, als nur ein einziger Mann die zahllosen Aufgaben dort übernehmen musste. Die Museumsmitarbeiterin die uns herumführte (wir waren die einzigen Besucher) erklärte uns, dass er über 15 Stunden am Tag arbeitete. Da bleibt wenig Freizeit übrig!
Doch meistens waren drei Wärter im Turm beschäftigt. Es gab auch genug zu tun: Das Paraffin der Leuchte musste jeden Tag die Treppen hoch geschleppt werden, und oben musste man es mit einer Handpumpe unter Druck bringen. Die Gewichte, welche die Linse drehten, mussten alle halbe Stunde nach oben gekurbelt werden, und alle zwei Stunden musste einer hinunter ins Gebäude rennen und die aktuellen Wetterdaten eintragen. Wenn man auch nur einmal seine Pflicht vergaß, konnte man gefeuert werden. Das wollte aber keiner der Mitarbeiter, denn die Bezahlung war herausragend: Behausung für die ganze Familie, Essen, Kleidung und Bücher wurden umsonst zur Verfügung gestellt, und dazu gab es noch etwas Geld. Leider wurde seit 1991 niemand mehr bezahlt außer dem Ingenieur, der eine automatische Leuchte auf den Hügel pflanzte…
Der letzte Teil der Führung brachte uns zur Spitze des Turms wo die Leuchte war, zusammen mit einen Getriebe, welches das Herz eines jeden Steampunk-fans höher schlagen lässt. Auf Knopfdruck begann sich das schwere Gewicht in der Mitte des Turms herabzusenken, und das Linsenwerk drehte sich majestätisch. Obwohl es über drei Tonnen wiegt, konnte man es mit Leichtigkeit drehen, denn es ruhte auf einem Walzenlager. Wir gingen noch einmal kurz nach draußen und beobachteten die Landschaft von oben, bevor die Tour vorüber war. Es war allerdings immer noch windig und es nieselte, also verweilten wir nicht allzu lange. Wir bedankten uns für den tollen Rundgang und eilten zurück zur nächsten Überdachung.

Wir waren müde und wollten nicht mehr so viel unternehmen, ein Campingplatz zum Trocknen der Kleidung wäre nicht schlecht. So fuhren wir nach Peterhead, denn da kannten wir ja einen Platz direkt am Meer mit Blick auf den Hafen. Es war niemand mehr da, eine schottische Handynummer wollten wir nicht anrufen, wir hatten gerade entschieden, weiter zu fahren, da kam der Platzwart und bemühte sich, uns zum bleiben zu überreden. Na ja, dann machten wir das einfach. Im Nieselregen redetet es sich nicht. Wir hatten also keine Gesprächsparter, schauten auf den Hafen hinaus und lauschten den geschäftigen Geräuschen. Später am Abend gesellte sich dann noch ein Nebelhorn dazu, welches die ganze Nacht über jede Minute tönte. Wir hatten sowas von San Francisco romantischer in Erinnerung. Da war es damals weiter weg gewesen.

Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

3 Kommentare

  1. Hallo,
    ihr seid ja wieder in den Genuß einiger interessanter Gespräche und Erlebnisse gekommen.So ein Wohnmobil-Leben hat also wohl schon so einige Vorteile….man lernt immer wieder viele nette Leute unterwegs kennen.
    Macht Spaß Eure „Abenteuer“ mitzuverfolgen……..und wieder herrliche Fotos zu bewundern.
    Gruß, Ricarda

  2. Hallo ihr Reicherts,

    bei unserem Darßausflug von Freitag zu heute musste ich viel an euch denken – Leuchtturm, Stahlbrücke, Sturm, Strand, jede Menge Wohnmobile, Fish&Chips (!!!), Motive ohne Ende – und mein Fotoapparat, der LEIDER den Geist aufgegeben hat. Ich hatte dann nur noch das Handy, Gabi. Stell es dir vor. Einfach so kaputt. Heul.

    Das Esra-Noah-Linsen-Foto ist cool. Und Esra, gibt es deine Hände noch? Oder sind das in deinen Hosentaschen Attrappen? 🙂 Witzig sind auch nach wie vor die leuchtenden Crocks im schottischen Grün-Grau. Ich muss sagen, meine Laune hat sich gerade gebessert. Wenn schon selbst keine Fotos, dann immerhin eure wunderbaren. Danke dafür. Und nun ab an die Arbeit, ich hier und ihr dort …. Liebe Grüße Gabi

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