Wieder auf der RV 17, eine traumhafte Fährfahrt, Grimstad im Regen

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Um 6:00 Uhr nervte wie immer der Wecker. Draußen war blauer Himmel, und wir sprangen direkt aus dem Bett. Nach dem Regen der letzten Tage fiel das wunderbar leicht. Wir dürsteten nach guten Motiven. Feine, schmale Wolkenbänder umschlangen die hohen Berge. In der Ferne verschwand gerade ein Hurtigrutenschiff unter einem Bogen aus Wolken. Wir hatten es um fünf Minuten verpasst. Die Berge und Wolken blieben wenigstens stehen, glücklich fingen wir die Eindrücke ein. Ein kleines Boot zog seine Bahn über das stille Wasser, der Bootsmotor brummte gemütlich in der ansonsten ruhigen Natur. Anfangs blies eine eiskalte Brise, ich war fast geneigt, wieder den Hügel hinunter zu laufen um die warme Jacke zu holen, da legte sich der Wind.

Wolkensteifen und Berge

Wolkensteifen und Berge

Der Schatten der Bergspitze

Der Schatten der Bergspitze

Wir hatten noch etwas Zeit vor der Fährfahrt und machten einen Abstecher nach Tonnes. Eine 60 m hohe und 180 m lange Grotte ist dort eine der Sehenswürdigkeiten. Schon vom Hafen aus sahen wir das gigantische Loch hoch oben im Berg finster gähnen. Anfangs wanderten, später kletterten wir den steilen schlüpfrigen Felspfad hinauf, wir hielten uns an Büschen und Bäumen fest. Kaum angekommen, waren die Jungs schon auf dem Weg ins Höhleninnere. Ich stieg ihnen nach und bat sie nach einem kurzen Ständchen für ein Video. Da rülpsten sie allerdings nur laut und lachten sich eins. Halbstarke sollte man nicht nach sowas fragen. Amy ängstigte sich um die gröhlenden Jungs. Große Felsen lagen wild verstreut auf dem Boden des Höllenlochs. So lange schienen sie noch nicht da zu liegen. Kaum vorstellbar, dass hier Konzerte und Musikaufführungen gegeben werden.
Am Ende der Grotte entdeckten wir ein in eine Plastiktüte gehülltes Gästebuch, Esra trug uns darin ein.
Auf dem matschigen Weg zurück, stellten wir uns bildlich vor, welche Instrumente die Musiker wohl in der Höhle spielten. Flöte, Geige, Cello, Klavier, Orgel…

Die Grotte vom Hafen aus gesehen

Die Grotte vom Hafen aus gesehen

Im Eingang der Grotte

Im Eingang der Grotte – unsere Kids als Größenvergleich!

Das Licht am Ende der Grotte

Das Licht am Ende der Grotte

 

Die wunderbare Fährfahrt von Kilboghamn nach Jektvik

Zufrieden und gut gelaunt stellten wir uns in die Schlange an der Fähre von Kilboghamn nach Jektvik, deren Route den Polarkreis überquert. Auf dem Schiff gingen wir uns sofort aufs Außendeck der Fähre, mit kalten Wind und Sonnenschein. Jetzt war die Gelegenheit, die Zeitraffer-Aufnahmfunktion der GoPro zu testen. Wir klemmten dazu den GorillaPod ans Schiffsgeländer, stellten die automatische Bildfolge auf alle 5 Sekunden ein und los gings.

(Hier nochmal das 30 Sekunden lange Filmchen der einstündigen Fährfahrt)

Beim Kapitän auf der Brücke

Die kleine Kamera konnte sich selbst überlassen werden. Ich fragte mich derweil zum Kapitän durch. Wie sieht es wohl auf der Brücke der Fähre aus? Vor allem groß und geräumig. Im Gegensatz zu einem Straßenfahrzeug ist auf dem Schiff massig Platz. Ich traf oben auf zwei uniformierte Männer, der eine saß konzentriert am Steuer. Ich löcherte sie mit Fragen und sie gaben bereitwillig Antwort.

Der Kapitän der Fähre

Der Kapitän der Fähre

Esra & ich als Spiegelung in der Tür

Esra & ich als Spiegelung in der Tür

Zehnmal täglich fahren die beiden im Sommer immer diese gleiche Tour, je fünf mal hin und fünf mal her. Langweilig ist das aber nicht, es ist eine der eindrucksvollsten Strecken und sieht bei jedem Wetter anders aus.
„Ist es denn sehr schwierig, so eine große Fähre zu fahren?“ frage ich, wahrscheinlich etwas naiv, denn ich kenne mich überhaupt nicht aus. „Nein, bei ruhigen Bedingungen wie heute ist es ein Kinderspiel. Bei Wind wird es allerdings schwierig, da brauchen wir die volle Konzentration“ antwortet der Kapitän während er nach vorne auf den ruhigen Fjord schaut.
Die Fähre ist symetrisch aufgebaut und die Brücke hat zwei Steuerplätze,  einen vorn und einen hinten. Für die Rückfahrt wechselt der Kapitän einfach auf den anderen Platz. So muss die Fähre nicht wenden.
Er erzählt mir noch über einen Grindwal, der seit Jahren im gleichen Fjord ganz allein in der Nähe einer Lachsfarm lebt. Ich schaue mir seine Bilder auf dem Smartphone an und bin begeistert, wie zahm dieser Wal ist. Auf dem Foto scheint er sich am kleinen Boot  zu reiben und schaut direkt in die Handykamera.
Nach dem Plausch geselle ich mit wieder zu meinen Männern, Amy und Noah sitzen im Salon der Fähre, in ihre Bücher vertieft, wir schauen uns die Berge und Wolken an. Und natürlich die metallene Weltkugel auf dem Felsen, welche den Verlauf des Polarkreises markiert.

Gunter fotografiert - von Esra aufgenommen

Gunter fotografiert – von Esra aufgenommen

Ein Wolkenband um den Berg

Ein Wolkenband um den Berg

auf der Fähre

auf der Fähre

 

Wir überqueren den Polarkreis

Wir überqueren den Polarkreis

Objektiv kaputt

Mein Objektiv muckt gerade, als es besonders schön ist. Die Blende flackert, die Kamera meldet Error 01. Das Gleiche hatte ich schon mal mit einem Teleobjektiv. Damals war die Reperatur sehr teuer und dauerte ewig. Hmm, schlecht. Das 24-105 mm ist mein meist genutztes Objektiv. Wie viele Fotos ich wohl damit gemacht habe? Einige Hunderttausend bestimmt, an mehreren Kameragenerationen!
Ob unsere technischen Probleme mit der Sonnenaktivität zu tun haben? Sind die Geräte so empfänglich dafür wie wir für das Nordlicht? Später brummte das Handy, der Navi knarzte selbsttätig ohne Grund, der Akku der GoPro war obwohl gerade geladen und unbenutzt, wieder leer, das Licht am Mobil….
Nun, wir bilden uns das wohl nur ein. Was intensiv genutzt wird, stirbt hie und da auch mal.

Grandiose Aussichten auf den Gletscher

Nach dieser Fährfahrt wird die RV17 immer grandioser. Die Berge erheben sich jetzt bis über 1300 m. Das hört sich nicht sonderlich viel an? Doch wir sind ja am Meer, da geht es direkt von 0 au 1300! Wir näherten uns dem Svartisen Gletscher. Hoch oben zwischen den Gipfeln hängt das blaue Eis fast bis in die Täler hinunter. Mit einem Boot kann man zum anderen Ufer des grünblauen Fjords übersetzen und dann zum Gletscher laufen. Wir hatten das vor ein paar Jahren schon mal gemacht und können die Wanderung zum Engabreen unbedingt empfehlen. Dieses Mal verzichteten wir darauf, denn es ist bereits später Nachmittag ist.
Die hohen Berge bieten wenig Möglichkeit für Pässe, so durchqueren wir sie durch zahlreiche, lange Tunnels. Es ist jedesmal spannend zu sehen, was sich am anderen Ende zeigen wird. Das Aussehen der Landschaft und das Wetter wechseln ständig. In einen acht Kilometer langen Tunnel fahren wir bei sonnigem Wetter hinein, bei der Ausfahrt erwarten uns tiefe, schwere, graue Wolken. Das sonnige Wetter war von kurzer, aber intensiver Dauer. Wir haben es aber  bewußt und in vollen Zügen genossen.
Lebensmittel müssen besorgt werden, dabei entdeckte Gunter in einem der Läden wieder meine Lieblingswollsocken. Wunderbar! Wir hatten vor vier Jahren im Fühling mehrere Packs davon erstanden und sie seither mit Vorliebe beim Wandern und auch sonst getragen. Inzwischen waren jedoch alle so löchrig geworden, dass wir sie aussortieren mussten.
An einem Rastplatz mit Toilette und Grillmöglichkeiten richteten wir uns für die Nacht ein. Fette Wolken bedeckten den Himmel, dass wir nicht mehr auf Nordlichter zu hoffen brauchten. So schnell kann sich das Wetter drehen.

Tang, Felsen und tiefhängende Wolken

Tang, Felsen und tiefhängende Wolken

Wolken, Berge und Fjord

Wolken, Berge und Fjord


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Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

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8 Kommentare

  1. Hallo gabi,
    ich glaube, mit der Fähre könnte ich stundenlang mitfahren.Der Kapitän kann sich glücklich schätzen, jeden Tag eine solche tolle Landschaft zu genießen…
    und wir,weil wir deinen Berichten folgen können.Minutenlang kann man sich dann einbilden,vor Ort zu sein.
    Ich bin schwer begeistert von dieser tollen Landschaft und hoffe,dass ich sie in diesem Leben noch erleben darf.Man/frau wird ja nicht jünger.
    LG Maria

  2. Wieder so herrliche Bilder mit denen ihr uns verwöhnt, vor allem das letzte Bild hat’s mir diesmal angetan !

    Und ich glaube auch, daß so ein Kapitänsleben gar nicht langweilig werden kann selbst wenn es sich immer um die gleiche Strecke handelt. Doch allein die verschiedenen Wetter- und Lichtstimmungen am Fjord würden mich wohl immer wieder auf’s Neue faszinieren.

    Schön, daß ihr Eure Lieblings-Wollsocken gefunden habt – finde auch, es gibt nichts Besseres als richtige Wollsocken im Winter !

    Schönen Tag noch !

  3. Hallo Ihr Nordlandfahrer,
    Ab jetzt werde ich Eure Reise auch verfolgen. Mein Fernweh ist sofort angesprungen, eure Fotos sind wirklich einmalig.
    Die Fährfahrten, auch wenn sie viel Geld verschlingen, habe ich auch immer als Highlight erlebt … Die beschriebene konnte ich 2011 auch bei Superwetter erleben, ein Höhepunkt unserer Reise zu den Lofoten … Das mit dem teilweise sehr regnerischen Wetter muss man wohl in Kauf nehmen, schließlich wird man ja danach wieder durch dieses einmalige Licht entschädigt!
    Viel Glück und weitere interessante Erlebnisse!
    Manfred

  4. Hallo !
    Tolle Fotos, besonders die vom „schlechtem“ Wetter .
    Regen und Wind gehört eben zu Skandinavien – da wird es doch erst interessant !
    Falls mal klarer Himmel aber kein Polarlicht ist, so könnt ihr euch die Zeit mit Satellitenbeobachten vertreiben. Auf dieser Seite http://www.heavens-above.com/ gebt ihr euren Standort ein z.B. Svolvaer ( http://www.heavens-above.com/LocationFromGoogleMaps.aspx?lat=68.23326&lng=14.56512&loc=Svolv%e4r&alt=0&tz=CET ) und anschließend guckt ihr was da gerade vorbei geflogen kommt. (http://www.heavens-above.com/allsats.aspx?lat=68.23326&lng=14.56512&loc=Svolv%e4r&alt=0&tz=CET). Die Satelliten sind um so besser zu sehen, je niedriger die Mag ist. (http://www.heavens-above.com/glossary.aspx?term=magnitude&lat=49.49667&lng=8.78906&loc=Svolv%e4r&alt=0&tz=CET).

    Ein tolles Programm zur Himmelsbeobachtung ist http://www.stellarium.org/de/. Da kann man z.B. den Sonnenstand schon im Vorraus berechnen. Wenn man einen Kompass dabei hat, so kann man sich entsprechend positionieren und den Sonnenaufgang genau an der richtigen Stelle fotografieren 🙂 .

    Gute Reise !
    Lutz

  5. Ach ja , was Viele sich wünschen, Gabi macht es : ein Besuch beim Käpt’n auf der Brücke, herrlich !
    Mein Fernweh ist wieder stärker geworden bei diesem Bildern

  6. Wir sind diese Strecke. auch schon Gefahren. Die Grotte kenne ich allerdings nicht.
    Das Fährfahrt-Video ist Super gelungen.
    Weiterhin alles Gute!
    LG Ursula

  7. Die Höhle war gigantisch. Erst dachte ich „naja, ne Höhle halt, ganz nett“ und dann kam Deine Anmerkung mit dem Größenvergleich. Ich musste die Kids erst suchen auf dem Bild. Das Teil ist ja absolut gigantisch!

    Das Gefühl mit den technischen Sachen kenne ich. Ich hatte mal einen Steinkreis in England’s Lake District fotografiert und während ich dort war begann mein Foto rumzuzicken. Die blende bewegte sich nicht mehr. Nada! Nach etwas rumprobieren gings wieder, aber nur noch für ein paar Tage. In London musste ich mir dann ne Einwegkamera kaufen… Das war bestimmt die „Rache des Steinkreises“ LOL
    Könnte aber auch daran liegen, dass die Mechanik den Temperaturwechsel im Urlaub vorher (Quebec, Wintercarnaval, – 18 Grad draußen und +25 Grad drinnen) nicht so gut weggesteckt hat?! Ich hab zwar versucht langsam zu machen, aber… Wie lief das bei euren Kameras im Winter?

    Klasse Wolkenbilder!
    Noch viel positive Erlebnisse auf der Reise!

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