Der Kurztest der Canon PowerShot G15
hat mir Spass gemacht, da habe ich überlegt, da liegt noch die Leica X2
im Schrank, originalverpackt und wohlbehütet. Irgendwie habe ich mich noch nicht an das edle Teil herangetraut, es mehr als Schmuckstück denn als Werkzeug wahrgenommen. Aber was solls, eine Kamera ist zum Fotografieren da und nicht für die Vitrine.
Leica hat sich alle Mühe gegeben, die Wertigkeit der X2 zu unterstreichen und betont, dass sie handgefertigt Made in Germany ist. Schon das Auspacken weicht von dem Gewohnten ab. Die Kamera wird in einem silberfarbenen Karton geliefert. Beim Öffnen klappen die Seiten wie eine sich öffnende Blüte nach außen weg und geben eine Art schwarzes Kabinett frei. Unter dessen magnetfixierten Klappen finden sich zwei Schubladen mit dem Zubehör und den Anleitungen, und obenauf eine weitere schwarze Box, in der die Kamera in ihrem Schaumstoffbett ruht.

Leica X2 Verpackung

Leica X2 Frontansicht
Beim Test der Canon G15 habe ich den Schwerpunkt auf einfache Bedienbarkeit für den fotografischen Laien gelegt. Dagegen ist die Leica X2 primär für erfahrenere Fotografen konzipiert und sollte auch entsprechend geprüft werden.
Der professionelle Anspruch fällt schon beim Durchlesen der ausführlichen Bedienungsanleitung auf. Ein paar Beispiele:
- Alle Belichtungsparameter und die Entfernung lassen sich auch manuell einstellen
- Zwei für benutzerdefinierte Weißabgleich-Einstellungen lassen sich speichern
- Unter den Blitzfunktionen gibt es eine Studioblitz-Auslösefunktion
- Die Bildergebnisse werden kaum geschärft und auch nicht rauschreduziert
Der letzte Punkt ist der Wichtigste, weil dabei die Bilder frisch aus der Kamera nicht immer das mögliche Optimum darstellen. Hier darf der Fotograf hinterher noch Hand anlegen. Für diesen Fall bietet die Leica das DNG (Digital Negative)-Format, für dessen Bearbeitung liegt eine Voll-Lizenz von Adobe Lightroom 5 dabei.
Allerdings dürfte dies nur unter schwierigen Lichtbedingungen nötig sein, dann hat man aber die Möglichkeit, selbst das Maximum an Bildqualität herauszuholen, unter Berücksichtigung der persönlichen Präferenzen.
Natürlich ist die Leica X2 auch als Schnappschusskamera einsetzbar, wenn es mal schnell gehen muss. Vollautomatik (Zeit- und Blendenwählrad jeweils auf A-Position), Auto-ISO, Auto-Weißabgleich und Blitzautomatiken, lassen auch unbeschwertes Fotografieren zu. Zusätzlich ist das alles noch individuell konfigurierbar.

Die Leica X2 von oben
Jetzt geht es ans Fotografieren. Leider ist es draußen neblig, trüb und grau, ein typischer Mitt-Dezember-Tag eben. Mal sehen was sich machen lässt.
Zuvor gehe ich das Menü durch, die meisten Einstellung betreffen die Bildqualität. Für Schärfe, Kontrast, Farbsättigung, Farbraum, Messmethoden und Auflösung lasse ich vorerst die Standardwerte bestehen, die Testerei würde sonst ausufern.
Ergonomie
Die Kamera wirkt solide, wie aus einem Metallblock herausgefräst. Alles ist sorgfältig und penibel verarbeitet. Durch den Lederbezug fühlt sie sich angenehm an, und riecht auch gut. Die Leica hat keinen Handgriffwulst, den habe ich auch nicht vermisst. Einen ausgeprägten Handgriff mit Bodenplatte gibt es als Zubehör.
Die Funktionen der wenigen Bedienelemente sind ohne Handbuch klar ersichtlich. Auf der Oberseite gibt es ein Wählrad für die Zeiten und eins für die Blenden. Der Ein-Ausschalter ist um den Auslöser angeordnet und wählt Einzel- oder Serienbildfunktion. Alles wirkt langlebig und läuft spielfrei.
Auf der Rückseite finden sich links neben dem Display fünf Einstelltasten, rechts neben dem Display liegt der Multicontroller. Alle Tasten sind klar beschriftet und mit je einer Funktion. Das ist übersichtlich, schnell und simpel.
Die Einstellungen des Menüs sind in einer einzigen durchgehenden Liste angeordnet. Die wichtigsten sind oben, seltener benötigte weiter unten zu finden. Das alles macht einen durchdachten Eindruck. Spielereien, wie Motivprogramme und Effektfilter gibt es nicht.

Leica X2 Rückansicht
Handhabung
Beim Einschalten weist die Leica höflich darauf hin, doch den Objektivdeckel abzunehmen, falls er noch drauf ist, dann kanns aber los gehen. Ich mache ein paar Innenaufnahmen, dann schaue ich draußen, ob es bei dem trüben Wetter was aufzunehmen lohnt. Nicht wirklich, zumindest muss ich bei dem Dämmerlicht die ISO-Werte hochdrehen. Die Belichtungsautomatiken und die ISO sind blitzschnell gewechselt. Die Wählräder auf der Oberseite haben A-Stellungen für Zeit- und Blendenautomatik. Stehen beide Räder auf A, bedeutet das Programmautomatik. Mit der Option des Programmshifts kann man auch hier seine Zeit-Blendenpaare selbst bestimmen. Eine Einschränkung besteht bei den Belichtungsautomatiken: als längste Zeit wird die 1/2 Sekunde eingestellt, mit entsprechender Warnung. Der erweiterte Zeitenbereich bis 30 Sekunden ist aber manuell einstellbar.
Der eingebaute Blitz klappt auf Hebeldruck heraus. Er ist nicht übermäßig kräftig, hellt aber harmonisch auf, ohne zu überblitzen und bietet eine ganze Reihe von Einstellmöglichkeiten. In Verbindung mit höheren ISO-Werten lässt sich auch ein komplettes Zimmer ausleuchten. Wer mehr Leistung braucht, kann externe Blitzgeräte anschließen.
Was ich bei meinem Gartenausflug vermisst habe, ist eine Makroeinstellung. Die Leica geht bis auf 30 cm an das Motiv heran, das ist nicht sehr viel . Anscheinend ist die Naheinstellung auch dem hohen Anspruch an die Abbildungsqualität zum Opfer gefallen.
Alles in allem ist die Leica X2 sehr einfach zu verstehen und zu bedienen, vorausgesetzt man ist kein absoluter Fotografie-Neuling. Ich habe bei diesem Test vorwiegend die Belichtungsautomatiken benutzt, die Leica lädt aber förmlich dazu ein, es mit den manuellen Einstellungen zu versuchen.

Tristesse: Blick über den Zaun. 1/160 sec. Blende 5.6 ISO 1600

Ausschnitt 1 in Originalauflösung Bildmitte: Blick über den Zaun. 1/160 sec. Blende 5.6 ISO 1600. Bitte aufs Bild klicken!

Ausschnitt 2 in Originalauflösung rechts oben: Blick über den Zaun. 1/160 sec. Blende 5.6 ISO 1600. Bitte aufs Bild klicken!
Autofokus und manuelle Entfernungseinstellung
Der 11-Punkt-Autofokus scannt den Bildbereich und zeigt, wo er scharfgestellt hat. Aus diesen Informationen ermittelt er die einzustellende Entfernung. Das ist bei Schnappschüssen schon komfortabel. Wenn ich aber bei offender Blende die Schärfe auf ein ganz bestimmtes Detail legen will, schalte ich lieber auf Einzelfeld-, oder sogar auf Spot-Autofokus um. Die Entfernung lässt sich entweder speichern und der Bildausschnitt verändern, oder man verschiebt den Autofokus-Rahmen auf dem Monitor. Schwierig wirds unter extremen Lichtbedingungen, wie Silhouetten von Personen vor hell erleuchteten Fenstern, oder bei schnell bewegten Objekten. Da kann es zu Fehlmessungen kommen, oder der Autofokus ist einfach nicht schnell genug. Das Problem haben aber viele Kameras. Hier schlägt die Stunde der manuellen Entfernungseinstellung. Zum Einen kann ich über das hintere Wählrad die Entfernung stufenlos verstellen und mit einem fünffach vergrößerten Ausschnitt genau beurteilen, zum Anderen kann ich bei Blende 5.6 oder 8 eine mittlere Entfernung von sagen wir mal 3 bis 4 m einstellen und habe so die klassische Reporter- und Schnappschusskamera, die verzögerungsfrei auslöst.
Die Bildqualität
Das ist das zentrale Thema der Leica X2. Alle Bedienelemente, das Objektiv und die Einstellungen sollen die bestmögliche Abbildungsqualität ermöglichen. Kompromisse werden keine gemacht.
Das ist auch hervorragend gelungen. Schon die ersten Bilder, die ich bei der Preisverleihung geschossen habe, haben eindrucksvoll gezeigt, was ein Spitzenobjektiv in Verbindung mit einem Sensor im APS-C-Format zu leisten vermag. Hier gibt es absolut nichts zu bemäkeln. Das einzige, was die Schärfe ruinieren kann, sind zu lange oder unangepasste Verschlusszeiten, besonders bei bewegten Objekten.
Bis 800 ISO sind Detailauflösung und Rauschen absolut unkritisch, darüber hinaus nimmt das Rauschen stetig zu und die Auflösung ab. Ab 6400 ISO wirken die JPGs der Leica schon ziemlich körnig, in der DNG-Datei lässt sich das aber am PC mit Lightroom effektiv entrauschen. So sind selbst die Bilder mit 12500 ISO zwar etwas weich, aber noch gut zu gebrauchen. Ich finde sie sogar in Verbindung mit der fließenden Unschärfe durch die offene Blende ausgesprochen aussagestark.
Der automatische Weißabgleich leistet gute Arbeit. Egal ob Glühlampen, LED-Leuchten oder Leuchtstoffröhren, das Ergebnis ist mal kälter, mal wärmer, aber nie störend farbverschoben. Für kritische Fälle jenseits der verfügbaren Settings gibt es ja noch die individuelle Messung und Speicherung. Dafür ist nur ein weißes Blatt oder eine Graukarte nötig.

Lucky Beagle, JPG aus der Leica X2. 1/125 sec. Blende 4.0, ISO 12500.

Lucky Beagle, DNG in Lightroom entrauscht. 1/125 sec. Blende 4.0, ISO 12500.

Ausschnitt in Originalauflösung aus dem mit Lightroom entrauschten Bild „Lucky Beagle“. Bitte aufs Bild klicken!

Ausschnitt in Originalauflösung aus der JPG-Datei der Leica X2 „Lucky Beagle“. Bitte aufs Bild klicken!
BITTE BEACHTEN: Die Beispielbilder in diesem Artikel sind fürs Internet in der Größe heruntergerechnet und komprimiert worden. Deswegen zeigen sie nicht die ursprüngliche Schärfe und Detailtreue.
Zubehör
Neben Tasche, Lederprotetktor und Handschlaufe gibt es einen Handgriff (ob die Leica damit in die Tasche passt?), ein Blitzgerät, einen aufsteckbaren optischen und einen elektronischen Sucher. In den Zubehörschuh passt auch Zubehör anderer Hersteller, Blitz, Sucher etc. Anscheinend funktioniert auch der elektronische Sucher der Olympus Pen Modelle an der Leica.
Fazit
Eigentlich ist schon alles gesagt. Die Leica X2 ist eine perfekt gebaute klassische Reportagekamera, die im Design eng an die ersten M-Modelle angelehnt ist. Ihre Ausstattung ist auf das Wesentliche beschränkt und auf das Erreichen der optimalen Bildqualität ausgelegt. Da hält sie locker mit den meisten DSLRs und Systemkameras mit.
Auf der Soll-Seite fehlt mir der Nahbereich. Die Videofunktion habe ich nicht vermisst, da ich eh seltener filme. Und da ist natürlich noch der Preis: Mit über 1700 Euro ist er für die Meisten weit jenseits von Gut und Böse angesiedelt. Da braucht es schon eine gute Portion Begeisterung für die Marke mit dem roten Punkt. Laut Leica rechtfertigt sich der Preis durch die arbeitsintensive Kleinserienfertigung in Deutschland, edelste Materialien und dutzendweise Fertigungs- und Qualitätskontrollen.
Man kann es natürlich auch von der anderen Seite aus betrachten. Ein Leica M9 Gehäuse kostet neu über 6000 Euro, dazu kommen noch mal ein paar Tausend Euro für Wechselobjektive. So herum gesehen ist die Leica X2 ein Schnäppchen.
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Bildschirmhintergünde für Dich
Noch ist es nicht zu spät! Wir wünschen Dir ein frohes Fest!
Als Weihnachtsgeschenk gibt es von den 5reicherts Bildschirmhintergründe. Die Hintergrundbilder haben eine Größe von 1600×900 Pixel. Das 16:9-Verhältnis sollte für die aktuellen Breitbild-Monitore passen, bei 16:10-Monitoren dürfte etwas Verzerrung nicht auffallen.
Viel Spaß damit!
Nordlicht in Stø, Vesterålen 1
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Scurdie Ness, Montrose, Schottland
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Nordlicht in Stø, Vesterålen 2
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Leuchtturm in Kabelvåg, Lofoten
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stürmischer Tag in Brignogan, Bretagne
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Mitternachtssonne in Utakleiv, Lofoten
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Alle Bilder © G.& G. Reichert. Für Privatgebrauch kostenlos.
#6 – Polarlicht-Fotografie, In welchem Bettchen soll ich schlafen?
Für deine Nordlicht Reise bieten sich unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten an. Die richten sich sehr nach deinen üblichen Reisearten. Es ist möglich, mit dem Wohemobil zu den Nordlichtern zu fahren. Aber auch Ferienwohnungen und Unterkünfte bei privaten Gastgebern, wie zum Beispiel Servas, bieten sich an.
1. Wohnmobil und Auto
2. Ferienhäuser und Apartements mit Selbstversorgung
Ich schätze mal, das ist die bevorzugte Art, einen Winterurlaub im Norden zu verbringen. Ferienwohnungen in Norwegen stehen oft einsam in freier Natur, oder sind Teil kleiner Siedlungen. Im Winter sind sie aber knapp und teuer. Es empfiehlt sich also, früh zu buchen. Der Preis relativiert sich, wenn man die Kosten auf vier bis sechs Personen verteilen kann. Die Selbstversorgung macht zeitlich unabhängig und ist viel preiswerter als Restaurantbesuche. Vor allem sind geöffnete Restaurants außerhalb der wenigen Städte sehr dünn gesät und generell teuer.
Informationen zu Ferienhäusern, Hotels und Sehenswürdigkeiten findest du bei Visit Norway.
3. Hotels, Jugendherbergen und Gästehäuser
Damit haben wir nur begrenzt Erfahrung, weil es nicht zu unserem bevorzugten Reisestil passt. Hotels und Jugendherbergen sind nur in den größeren Ansiedlungen zu finden, Gästehäuser auch in kleineren Ortschaften. Ich war einmal im Winter in Henningsvaer im Hotel und fühlte mich sehr wohl. Zu bedenken ist, dass viele Hotels im Januar und Februar noch geschlossen haben! Das Hotel auf den Vesterålen, wo wir auf die Reperatur unseres Mobils gewartet hatten, war weniger gut, als Pension für 50 Euro die Nacht hätte ich es O.K. gefunden, für 250 Euro war es einfach für das Gebotene zu teuer.
Für Hotelgäste beginnt die Nordlichtjagd mit Fahrerei. Raus aus der Stadt und geguckt, wo kein künstliches Licht mehr stört. Gästehäuser in landschaftlich schöner Lage, wie der Friisgarden in Ramberg, bieten auf Nordlichtinteressierte zugeschnittenes Wochenprogramm mit Halbpension an.
UND das Essen ist ein enorm wichtiger Faktor! Es gibt keine nennenswerte Auswahl an Restaurants, die auch im Winter geöffnet sind. Nun, auch im Sommer ist das Angebot noch sehr überschaubar im Vergleich zu belebteren Regionen. Aber, und das ist das Hauptargument für eine Unterkunft mit Verpflegung: im Winter ist es kalt! Klare Ansage, was? Die Nordlichtfotografie ist eine sehr anstrengende Unternehmung. Mit Fotogepäck stapft man durch hohen Schnee, setzt sich kaltem Wind aus, wartet teilweise stundenlang mitten in der Nacht. Das kostet Kalorien. Ich schaffte es bei unserem langen Winteraufenthalt nicht, genügend Nahrung in mich hinein zu stopfen. Ich verlor massiv an Gewicht und war hinterher rappeldürr! Viel zu dünn! Jetzt denke nicht: gut, ich brauch eh eine Diät :-) Schaufel rein, was geht, du brauchst es.
4. Couchsurfing
Das ist die unter jüngeren Alleinreisenden eine beliebte Methode. Im Internet findet man die entsprechenden Seiten, allgemeine Infos gibt es unter Couchsurfing.de. Wir haben bisher keine Erfahrung mit Couchsurfing gemacht, deswegen fragten wir Timo der das Blog „Bruder Leichtfuß“ betreibt. Er war erst im Oktober auf den Vesterålen als Couchsurfer unterwegs.
Couchsurfing gehört für mich zu den schönsten Dingen, die man auf Reisen überhaupt tun kann!
Text & Fotos von Timo Peters, Bruder Leichtfuß
Ihr kennt das Prinzip nicht? Dann wird es sich für euch vielleicht erst einmal komisch anhören: Menschen stellen Reisenden, die in ihrer Gegend unterwegs sind, Schlafplätze in ihrer Wohnung zur Verfügung, und zwar umsonst, ohne jede verpflichtende Gegenleistung, und ohne sich vorher jemals getroffen zu haben.
Surfer lernen ihre Hosts nur online kennen, Vertrauen wird durch ein öffentliches Bewertungssystem hergestellt: Nachdem eine Couch gesurft wurde, bewerten sich Surfer und Host gegenseitig und die Bewertungen sind öffentlich für jedes Couchsurfing-Mitglied zu sehen. Das war’s, und es funktioniert.
Ich bin auf meinen Reisen schon oft bei Couchsurfern untergekommen, und habe ähnlich vielen Surfern den Platz auf meiner Couch in Hamburg überlassen – und habe bislang ausschließlich unglaublich tolle Erfahrungen gemacht. Als Host genieße ich es, mir mit den Reisenden ein bisschen Reiseatmosphäre zu mir nach Hause zu holen – plötzlich stoßen spannende Menschen, die oft gerade echte Abenteuer erleben, in meinen Alltag.
Außerdem bringen Surfer immer irgendeine Art von „Gegenleistung“: Oft kochen sie ein typisches Gericht aus der Heimat für mich, meistens haben sie spannende Geschichten auf Lager und immer sind sie eines: tierisch dankbar für meine Gastfreundschaft.
Wenn ich die Couchs der Welt besurfe, beeindruckt mich immer wieder die Gastfreundschaft und das Vertrauen, die Couchsurfer fremden Menschen entgegen bringen. Ich habe schon oft nach wenigen Minuten einen eigenen Wohnungsschlüssel in die Hand gedrückt bekommen, viele Partys erlebt und Orte gesehen, auf die ich als Tourist vom Hostel aus niemals gestoßen wäre. Dazu gibt es Stadtführungen aus allererster Hand und die besten Tipps, was ich in meinem Reiseland nicht verpassen darf.
Genauso ging es mir auch, als ich kürzlich eine Couch in Stokmarknes auf den Vesterålen in Nord-Norwegen surfen durfte. Zunächst bekam ich nicht nur eine Couch, sondern sogar mein eigenes Zimmer. Wie so oft verstand ich mich mit der jungen Familie, die mich in ihr Zuhause einlud, auf Anhieb spitzenmäßig – kaum hatte ich erzählt, dass ich gerne mal die Nordlichter sehen würde, boten David und Linda mir ihre Polarcampingausrüstung an, um auch jetzt im Winter campen gehen zu können. Obendrauf gab es ihr Auto – schließlich müsse ich ja auch an den perfekten Ort gelangen und das Bussystem auf den Vesterålen sei nicht wirklich gut.
Zwei Tage lang war ich also mit dem Auto meiner Hosts auf den Vesterålen unterwegs, habe in ihrem Zelt übernachtet und in ihrem Schlafsack geschlafen – da kannten wir uns gerade mal 24 Stunden! Als Krönung meines Vesterålen-Trips gab es am letzen Tag noch eine Inselrundfahrt zu Davids Lieblingsplätzen – inklusive seinem Lieblingsstrand Taen, den ich sonst niemals entdeckt hätte.
Fast jede meiner Couchsurfing-Erfahrungen hinterließ bei mir ein fast euphorisches Gefühl: Die Menschen sind gut! Ich freue mich riesig darauf, wenn David und Linda mich irgendwann in Hamburg besuchen kommen – sie bekommen dann auf jeden Fall das volle Couchsurfing-Programm von mir!
So wird es beim Couchsurfing fast zur Nebensache, was gerade in teueren Ländern wie Norwegen dennoch eine große Hilfe für Low-Budget-Reisende ist: Eine Übernachtung „bezahle“ ich meist mit einem Bauernfrühstück nach Omas Art. Auch, wenn meinen Hosts meist auch ein einfaches Lächeln und ein „Dankeschön!“ reichen würde.
Couchsurfing
Taen, Vesteralen – Foto Timo, Bruder Leichtfuß
Timo Vesteralen – Foto Timo, Bruder Leichtfuß
Wir selbst sind schon seit Jahren Mitglieder bei Servas, was so ähnlich wie Couchsurfing ist. Allerdings muss man da zuerst zu einem Interview und die Gastgeberlisten gibt es als gedruckte Hefte. Es war schwierig Gastgeber zu finden, die fünf Reisende auf einmal beherbergen können. Deswegen machen wir es nicht mehr. Trotzallem erlebten wir ähnlich herzliche Gastfreundschaft wie Timo und wir werden diese Reiseart in Zukunft garantiert nicht aus den Augen verlieren.
5. Woofing
Über das Woofen hatten wir bereits ausführlich geschrieben, als wir diese Reiseart eher durch Zufall und unfreiwillig auf Elenas Leuchtturminsel ausprobieren durften. Das war der absolute Höhepunkt unserer letzten Reise! Ein ganz besonderes Erlebnis besonders für die Kinder.
Für Norwegen gibt es eine Woofing Seite im Internet: http://www.wwoofnorway.org/
6. Housesitting
Wir hatten bei unserem langen Winteraufenthalt auf das Haus einer Freundin aufgepasst. Es gibt sicher Agenturen, die Häuser vermitteln, damit haben wir leider keine Erfahrung. Diese Seite listet ein paar Häuser: http://www.sabbaticalhomes.com/Home-Exchange-Country-Norway
Hat jemand Erfahrung damit?
Du träumst davon wenigstens einmal im Leben Polarlicht zu sehen? Jetzt hast du keine Ausrede mehr! Alles ist möglich! Auf gehts!
Polarlichter fotografieren
Das Buch: Dein Weg zum Nordlichtfoto
#5 – Unterkünfte: Wohnmobil oder Auto
Es gibt etliche Möglichkeiten, in Norwegen zu Reisen und dabei Polarlicht zu fotografieren.
1. Mit dem Wohnmobil
Wir mögen den September als Reisemonat besonders gern, weil wir noch mit dem Wohnmobil unterwegs sein können. Damit sind wir flexibel und können dorthin fahren, wo die Landschaft und das Wetter die beste Sicht auf das Nordlicht ermöglichen.In letzten live Bericht konntet ihr ja ausführlich lesen, wie wir das machen! Deswegen gibt es hier nur ein Foto von Wohnmobil und Nordlicht.
Unser Wohnmobil unter dem Polarlicht
Doch es muss nicht unbedingt ein Wohnmobil sein, Alleinreisende oder Ehepaare können auch kleinere Fahrzeuge nutzen. Und das sogar im Winter.
Lest die Erfahrungsberichte von Thomas, Rita und Lutz!
Thomas Härtrich mit dem Caddy in Nord Norwegen
Thomas Härtrich ist im Internet unter www.Norwegenfotograf.de zu finden. Er rief mich eines Tages an, weil er Fragen über das Nordlicht hatte. Seither telefonieren wir öfters mal. Auf unserer letzten Reise trafen wir uns tatsächlich in Norwegen und verbrachten ein paar Tage gemeinsam auf Litløy Fyr. Thomas reist meist allein mit seinem VW Caddy.
Gabi: Wie oft warst Du schon im Winter im Norden unterwegs? Und wie lange bist Du unterwegs?
Thomas: Im „richtigen“ Winter bisher zweimal. Um die Aurora Borealis zu fotografieren, bin ich auch gerne im September/Oktober in Nordskandinavien. Meine Touren in den Hohen Norden dauern mindestens vier Wochen, die Fahrzeiten für An- und Abreise sind nicht nur bei Eis und Schnee ziemlich lang.
Gabi: Stelle mal Dein Auto vor – das ist ja mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Du schläfst ja auch im Winter darin.
Thomas: Seit 2 ½ Jahren bin ich mit einem VW-Caddy unterwegs, den ich zum Ein-Mann-Mini-Wohnmobil für meine Bedürfnisse selbst ausgebaut habe: Hintere Sitzbank raus, eine Siebdruckplatte unten reingeschraubt, Bettkasten drauf, dazu Kompressor-Kühlschrank und zwei Boxen für Ausguss und Wasser/Abwasser. Im Internet gibt es verschiedene Ausbauanleitungen.
Der Hochdachkombi-PKW ist zum Übernachten im Winter nur eine Notlösung und man muss schon ein bisschen verrückt sein, dies zu tun. In so einem Auto kann es trotz Standheizung schnell richtig ungemütlich werden – man kann ja nicht ständig fahren oder im Daunenschlafsack liegen.
Gabi: Wie machst Du das mit der Verpflegung und dem Waschen, Toilette?
Thomas: Einen Teil meiner Verpflegung nehme ich von Deutschland aus mit, wie die „richtigen“ Wohnmobile. Brot, Milch, Vitamine usw. kaufe ich selbstverständlich frisch.
Bei Nächten im Auto bleibt es bei einer „Katzenwäsche“, die tägliche Toilette finde ich auf Rastplätzen, auf einer Fähre oder im Einkaufscenter. Zwischenübernachtungen zum Duschen, Durchwärmen oder zum Sachen trocknen sind unumgänglich. Ich besuche Freunde, nutze den geheizten Aufenthaltsraum eines Campingplatzes, miete eine Hütte… Besonders schön ist es, eine Teilstrecke auf der Hurtigruten zu fahren.
Caddy unter Polarlicht, Foto Thomas Härtrich
Gabi: Was sind die größten Vorteile dieser Reiseart für Dich als Fotograf?
Thomas: Ich bin flexibel und völlig unabhängig, kann immer dorthin fahren, wo ich fotografieren möchte. In den hellen Stunden suche ich die geeignete Location für eine Nordlichtnacht, und ich kann auch weit fahren, um wolkenfreien Himmel zu finden. Oft schneit es in den Küstengebieten westlich der Gebirge, während es dahinter in Schweden kalt und klar ist. Von einem Hotel aus auf Nordlichtjagd zu gehen, kann ich mir nicht vorstellen.
Lutz und Rita Mager berichten von ihren Winter-Erfahrungen mit dem VW Campingbus
Wir haben in der Mehrzahl der Nächte in unserem California-Camper (Cali) geschlafen. Bis zu – 2°C Außentemperatur haben wir ohne durchlaufende Heizung geschlafen – zum Zudecken hatten wir unsere Federbetten dabei. Als Unterlage diente ein sogenanntes Unterbett. Zur Isolation des Innenraums hat meine Frau Alufolien (wie sie im Sommer auf die Frontscheibe gegen Sonneneinstrahlung gelegt werden) auf die serienmäßigen Gardinen unseres Calis genäht.
Unsere kälteste Nacht im VW war bei -16° C Außentemperatur. In dieser Nacht ist die Luftheizung auf Stufe 1 durchgelaufen. Da ich kurz vorher erst getankt hatte, konnte ich den Dieselverbrauch für diese 12 Stunden Heizphase recht gut errechnen und bin auf ca. 4 Liter gekommen.
Bei der An- und Abreise in den „Hohen Norden“ haben wir auch öfters in Motels übernachtet, dass ist relativ preiswert und unkompliziert. Wenn wir im VW übernachten nehmen wir gerne die Annehmlichkeiten (Toilette,Waschraum) auf den großen Rast- bzw. Parkplätzen in Anspruch. Vielen Leuten graut ja vor den großen Entfernungen und langen Fahrzeiten in Skandinavien, aber die Straßen sind auch im Winter in einem recht guten Zustand. Wir haben jetzt 2mal eine „Blitzabreise“ von den Lofoten gehabt. Wir sind um die Mittagszeit auf den Lofoten gestartet und waren am nächsten Abend südlich von Oslo.
Freischaufeln des VWs – Foto Rita Mager
Polarlicht über dem Campingplatz – Foto von Lutz Mager
VW Wintercamping, Foto Lutz Mager
Wir haben lange überlegt ob wir wieder Spikesreifen leihen sollen, sind nun aber ohne Spikes, aber mit fast neuen Winterreifen gefahren – und hatten nie Probleme. Es war mitunter sauglatt aber wir sind Berge mit 11% sehr gut hinauf und auch wieder herunter gekommen. Wichtig ist vor allem, dass man genug Abstand zum Vordermann hält und vor der Kurve bremst. Bergab fährt man eben mit kleinem Gang. Falls man aber am Berg mal anfahren muss, sollte man ein Säckchen Splitt dabei haben und für schwierige Fälle Schneeketten (haben wir beides nie gebraucht).
Nachdem ich in Särna in den Straßengraben gerutscht war, habe ich mir eine ordentliche Schneeschaufel zugelegt und die habe ich oft gebraucht, um meinen Parkplatz an den Campinghütten freizuschaufeln.
Auf den Lofoten hatten wir uns in einer Hütte auf dem Campingplatz in eingemietet. Die für max. 4 Personen geeignete Hütte kostete ca. 70 € pro Nacht.
Die Kurzanleitung Polarlicht-Fotografie als PDF zum Ausdrucken gibt es kostenlos für Newsletterabonnenten
Polarlichter fotografieren
Das Buch: Dein Weg zum Nordlichtfoto
Foto: schwedischer Winterwald
Schwedischer Winterwald
Foto der Woche – Während der kurzen Wintertage steht die Sonne in Schweden auch Mittags schräg. Wir stapften an einem sonnigen, aber eiskalten Tag in kniehohem Pulverschnee durch den Wald und versuchten das flirrende Licht und die hohen Kontraste mit der Kamera einzufangen.
An einer winzigen Lichtung beschien die Sonne die Baumstämme und brachte so mehr Farbe ins Bild. Während der Belichtung bewegten wir die Kamera auf und ab, das dämpft die Kontraste und gibt dem Wald einen impressionistischen Touch.
Das ausgewählte Bild drückt das Gefühl von Stille und Winterlicht am Besten aus.
Die Leica X 2 – Gutes darf auch teuer sein!
Der Kurztest der Canon PowerShot G15
hat mir Spass gemacht, da habe ich überlegt, da liegt noch die Leica X2
im Schrank, originalverpackt und wohlbehütet. Irgendwie habe ich mich noch nicht an das edle Teil herangetraut, es mehr als Schmuckstück denn als Werkzeug wahrgenommen. Aber was solls, eine Kamera ist zum Fotografieren da und nicht für die Vitrine.
Leica hat sich alle Mühe gegeben, die Wertigkeit der X2 zu unterstreichen und betont, dass sie handgefertigt Made in Germany ist. Schon das Auspacken weicht von dem Gewohnten ab. Die Kamera wird in einem silberfarbenen Karton geliefert. Beim Öffnen klappen die Seiten wie eine sich öffnende Blüte nach außen weg und geben eine Art schwarzes Kabinett frei. Unter dessen magnetfixierten Klappen finden sich zwei Schubladen mit dem Zubehör und den Anleitungen, und obenauf eine weitere schwarze Box, in der die Kamera in ihrem Schaumstoffbett ruht.
Leica X2 Verpackung
Leica X2 Frontansicht
Beim Test der Canon G15 habe ich den Schwerpunkt auf einfache Bedienbarkeit für den fotografischen Laien gelegt. Dagegen ist die Leica X2 primär für erfahrenere Fotografen konzipiert und sollte auch entsprechend geprüft werden.
Der professionelle Anspruch fällt schon beim Durchlesen der ausführlichen Bedienungsanleitung auf. Ein paar Beispiele:
Der letzte Punkt ist der Wichtigste, weil dabei die Bilder frisch aus der Kamera nicht immer das mögliche Optimum darstellen. Hier darf der Fotograf hinterher noch Hand anlegen. Für diesen Fall bietet die Leica das DNG (Digital Negative)-Format, für dessen Bearbeitung liegt eine Voll-Lizenz von Adobe Lightroom 5 dabei.
Allerdings dürfte dies nur unter schwierigen Lichtbedingungen nötig sein, dann hat man aber die Möglichkeit, selbst das Maximum an Bildqualität herauszuholen, unter Berücksichtigung der persönlichen Präferenzen.
Natürlich ist die Leica X2 auch als Schnappschusskamera einsetzbar, wenn es mal schnell gehen muss. Vollautomatik (Zeit- und Blendenwählrad jeweils auf A-Position), Auto-ISO, Auto-Weißabgleich und Blitzautomatiken, lassen auch unbeschwertes Fotografieren zu. Zusätzlich ist das alles noch individuell konfigurierbar.
Die Leica X2 von oben
Jetzt geht es ans Fotografieren. Leider ist es draußen neblig, trüb und grau, ein typischer Mitt-Dezember-Tag eben. Mal sehen was sich machen lässt.
Zuvor gehe ich das Menü durch, die meisten Einstellung betreffen die Bildqualität. Für Schärfe, Kontrast, Farbsättigung, Farbraum, Messmethoden und Auflösung lasse ich vorerst die Standardwerte bestehen, die Testerei würde sonst ausufern.
Ergonomie
Die Kamera wirkt solide, wie aus einem Metallblock herausgefräst. Alles ist sorgfältig und penibel verarbeitet. Durch den Lederbezug fühlt sie sich angenehm an, und riecht auch gut. Die Leica hat keinen Handgriffwulst, den habe ich auch nicht vermisst. Einen ausgeprägten Handgriff mit Bodenplatte gibt es als Zubehör.
Die Funktionen der wenigen Bedienelemente sind ohne Handbuch klar ersichtlich. Auf der Oberseite gibt es ein Wählrad für die Zeiten und eins für die Blenden. Der Ein-Ausschalter ist um den Auslöser angeordnet und wählt Einzel- oder Serienbildfunktion. Alles wirkt langlebig und läuft spielfrei.
Auf der Rückseite finden sich links neben dem Display fünf Einstelltasten, rechts neben dem Display liegt der Multicontroller. Alle Tasten sind klar beschriftet und mit je einer Funktion. Das ist übersichtlich, schnell und simpel.
Die Einstellungen des Menüs sind in einer einzigen durchgehenden Liste angeordnet. Die wichtigsten sind oben, seltener benötigte weiter unten zu finden. Das alles macht einen durchdachten Eindruck. Spielereien, wie Motivprogramme und Effektfilter gibt es nicht.
Leica X2 Rückansicht
Handhabung
Beim Einschalten weist die Leica höflich darauf hin, doch den Objektivdeckel abzunehmen, falls er noch drauf ist, dann kanns aber los gehen. Ich mache ein paar Innenaufnahmen, dann schaue ich draußen, ob es bei dem trüben Wetter was aufzunehmen lohnt. Nicht wirklich, zumindest muss ich bei dem Dämmerlicht die ISO-Werte hochdrehen. Die Belichtungsautomatiken und die ISO sind blitzschnell gewechselt. Die Wählräder auf der Oberseite haben A-Stellungen für Zeit- und Blendenautomatik. Stehen beide Räder auf A, bedeutet das Programmautomatik. Mit der Option des Programmshifts kann man auch hier seine Zeit-Blendenpaare selbst bestimmen. Eine Einschränkung besteht bei den Belichtungsautomatiken: als längste Zeit wird die 1/2 Sekunde eingestellt, mit entsprechender Warnung. Der erweiterte Zeitenbereich bis 30 Sekunden ist aber manuell einstellbar.
Der eingebaute Blitz klappt auf Hebeldruck heraus. Er ist nicht übermäßig kräftig, hellt aber harmonisch auf, ohne zu überblitzen und bietet eine ganze Reihe von Einstellmöglichkeiten. In Verbindung mit höheren ISO-Werten lässt sich auch ein komplettes Zimmer ausleuchten. Wer mehr Leistung braucht, kann externe Blitzgeräte anschließen.
Was ich bei meinem Gartenausflug vermisst habe, ist eine Makroeinstellung. Die Leica geht bis auf 30 cm an das Motiv heran, das ist nicht sehr viel . Anscheinend ist die Naheinstellung auch dem hohen Anspruch an die Abbildungsqualität zum Opfer gefallen.
Alles in allem ist die Leica X2 sehr einfach zu verstehen und zu bedienen, vorausgesetzt man ist kein absoluter Fotografie-Neuling. Ich habe bei diesem Test vorwiegend die Belichtungsautomatiken benutzt, die Leica lädt aber förmlich dazu ein, es mit den manuellen Einstellungen zu versuchen.
Tristesse: Blick über den Zaun. 1/160 sec. Blende 5.6 ISO 1600
Ausschnitt 1 in Originalauflösung Bildmitte: Blick über den Zaun. 1/160 sec. Blende 5.6 ISO 1600. Bitte aufs Bild klicken!
Ausschnitt 2 in Originalauflösung rechts oben: Blick über den Zaun. 1/160 sec. Blende 5.6 ISO 1600. Bitte aufs Bild klicken!
Autofokus und manuelle Entfernungseinstellung
Der 11-Punkt-Autofokus scannt den Bildbereich und zeigt, wo er scharfgestellt hat. Aus diesen Informationen ermittelt er die einzustellende Entfernung. Das ist bei Schnappschüssen schon komfortabel. Wenn ich aber bei offender Blende die Schärfe auf ein ganz bestimmtes Detail legen will, schalte ich lieber auf Einzelfeld-, oder sogar auf Spot-Autofokus um. Die Entfernung lässt sich entweder speichern und der Bildausschnitt verändern, oder man verschiebt den Autofokus-Rahmen auf dem Monitor. Schwierig wirds unter extremen Lichtbedingungen, wie Silhouetten von Personen vor hell erleuchteten Fenstern, oder bei schnell bewegten Objekten. Da kann es zu Fehlmessungen kommen, oder der Autofokus ist einfach nicht schnell genug. Das Problem haben aber viele Kameras. Hier schlägt die Stunde der manuellen Entfernungseinstellung. Zum Einen kann ich über das hintere Wählrad die Entfernung stufenlos verstellen und mit einem fünffach vergrößerten Ausschnitt genau beurteilen, zum Anderen kann ich bei Blende 5.6 oder 8 eine mittlere Entfernung von sagen wir mal 3 bis 4 m einstellen und habe so die klassische Reporter- und Schnappschusskamera, die verzögerungsfrei auslöst.
Die Bildqualität
Das ist das zentrale Thema der Leica X2. Alle Bedienelemente, das Objektiv und die Einstellungen sollen die bestmögliche Abbildungsqualität ermöglichen. Kompromisse werden keine gemacht.
Das ist auch hervorragend gelungen. Schon die ersten Bilder, die ich bei der Preisverleihung geschossen habe, haben eindrucksvoll gezeigt, was ein Spitzenobjektiv in Verbindung mit einem Sensor im APS-C-Format zu leisten vermag. Hier gibt es absolut nichts zu bemäkeln. Das einzige, was die Schärfe ruinieren kann, sind zu lange oder unangepasste Verschlusszeiten, besonders bei bewegten Objekten.
Bis 800 ISO sind Detailauflösung und Rauschen absolut unkritisch, darüber hinaus nimmt das Rauschen stetig zu und die Auflösung ab. Ab 6400 ISO wirken die JPGs der Leica schon ziemlich körnig, in der DNG-Datei lässt sich das aber am PC mit Lightroom effektiv entrauschen. So sind selbst die Bilder mit 12500 ISO zwar etwas weich, aber noch gut zu gebrauchen. Ich finde sie sogar in Verbindung mit der fließenden Unschärfe durch die offene Blende ausgesprochen aussagestark.
Der automatische Weißabgleich leistet gute Arbeit. Egal ob Glühlampen, LED-Leuchten oder Leuchtstoffröhren, das Ergebnis ist mal kälter, mal wärmer, aber nie störend farbverschoben. Für kritische Fälle jenseits der verfügbaren Settings gibt es ja noch die individuelle Messung und Speicherung. Dafür ist nur ein weißes Blatt oder eine Graukarte nötig.
Lucky Beagle, JPG aus der Leica X2. 1/125 sec. Blende 4.0, ISO 12500.
Lucky Beagle, DNG in Lightroom entrauscht. 1/125 sec. Blende 4.0, ISO 12500.
Ausschnitt in Originalauflösung aus dem mit Lightroom entrauschten Bild „Lucky Beagle“. Bitte aufs Bild klicken!
Ausschnitt in Originalauflösung aus der JPG-Datei der Leica X2 „Lucky Beagle“. Bitte aufs Bild klicken!
BITTE BEACHTEN: Die Beispielbilder in diesem Artikel sind fürs Internet in der Größe heruntergerechnet und komprimiert worden. Deswegen zeigen sie nicht die ursprüngliche Schärfe und Detailtreue.
Zubehör
Neben Tasche, Lederprotetktor und Handschlaufe gibt es einen Handgriff (ob die Leica damit in die Tasche passt?), ein Blitzgerät, einen aufsteckbaren optischen und einen elektronischen Sucher. In den Zubehörschuh passt auch Zubehör anderer Hersteller, Blitz, Sucher etc. Anscheinend funktioniert auch der elektronische Sucher der Olympus Pen Modelle an der Leica.
Fazit
Eigentlich ist schon alles gesagt. Die Leica X2 ist eine perfekt gebaute klassische Reportagekamera, die im Design eng an die ersten M-Modelle angelehnt ist. Ihre Ausstattung ist auf das Wesentliche beschränkt und auf das Erreichen der optimalen Bildqualität ausgelegt. Da hält sie locker mit den meisten DSLRs und Systemkameras mit.
Auf der Soll-Seite fehlt mir der Nahbereich. Die Videofunktion habe ich nicht vermisst, da ich eh seltener filme. Und da ist natürlich noch der Preis: Mit über 1700 Euro ist er für die Meisten weit jenseits von Gut und Böse angesiedelt. Da braucht es schon eine gute Portion Begeisterung für die Marke mit dem roten Punkt. Laut Leica rechtfertigt sich der Preis durch die arbeitsintensive Kleinserienfertigung in Deutschland, edelste Materialien und dutzendweise Fertigungs- und Qualitätskontrollen.
Man kann es natürlich auch von der anderen Seite aus betrachten. Ein Leica M9 Gehäuse kostet neu über 6000 Euro, dazu kommen noch mal ein paar Tausend Euro für Wechselobjektive. So herum gesehen ist die Leica X2 ein Schnäppchen.
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Letzte Aktualierung: 10.12.2014