Lindesnes, der südlichste Festland Leuchtturm Norwegens

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Morgens luden wir unsere belgischen Rastplatz-Nachbarn zu einem Kaffee ein. Vater und Sohn hatten in ihrem kleinen PKW geschlafen und auch sie sahen ziemlich übernächtigt aus. Die beiden waren nachts um 4:00 Uhr nach über 30 Stunden Fahrt mit dem Cargoschiff angekommen.

Trotz Regenwetter entschieden wir uns, nach Lindesnes, dem südlichsten Festlandleuchtturm Norwegens zu fahren. Wir wissen, dass das Wetter an der Küste schnell wechseln kann, und hofften inständig darauf. Bereits auf der kurvigen Fahrt auf den engen Strassen sahen wir kleine Stückchen blauen Himmels. Am Leuchtturm angekommen schien die Sonne! Auf den Parkplatz angekommen sah ich mächtige Wellen im gleißenden Sonnenlicht auf die Felsen zurollen!

Lindesnes Leuchtturm

Lindesnes ist der einzige Leuchtturm, der auch nach der Automatisierung noch einen richtigen Leuchtturmwärter hat. Wir fanden Rolf Dybvik in der kleinen Galerie, wo er seine Aquarelle ausstellt. Die meisten seiner Bilder zeigen den Leuchtturm, den er seit 40 Jahren – fast sein ganzes Berufsleben lang, betreut. Lindesnes ist nicht nur der einzige Leuchtturm mit Wärter, er ist auch der einzige mit intaktem Nebelhorn. Rolf war sich nicht sicher, ob es der einzige in Norwegen, oder gar weltweit ist. An einem Wochenende im Juli ist Nebelhorntag, da können Touristen dem Nebelhorn lauschen – naja, sie versuchen eher, mit den Händen an die Ohren gepresst, ihre eignenen Gedanken noch zu hören.

Lindesnes Leuchtturm, Norwegen

Lindesnes Leuchtturm, Norwegen

Amy und Noah, Lindesnes Leuchtturm

Amy und Noah, Lindesnes Leuchtturm

Lindesnes Leuchtturm

Lindesnes Leuchtturm

Rolf Dybvik, der Leuchtturmwärter

Rolf Dybvik, der Leuchtturmwärter

Was macht ein Leuchtturmwärter heute

Im Jahr 1979 wurde der Leuchtturm automatisiert, seither änderte sich die Arbeit für Rolf. Er betreut jetzt die Wetterstation, die Ferienwohnungen, er ist Hausmeister und ist für die Technik des ganzen Komplexes verantwortlich. Der braungebrannte, wettergegerbte, Leuchtturmwärter kümmert sich auch um Probleme in Restaurant Fyrgryta. Das Telefon klingelt und er muss los, um die dortige Kühltruhe zu reparieren.

Wir erklimmen die Treppen zum Leuchtturm auf dem Hügel, der Wind bläst kräftig, wild und böig. Kein Wunder, dass sich die gestrige Fährfahrt so ruppig angefühlt hatte. Das Meer glich einem überkochenden Wassertopf. Es machte trotzdem Spaß zu fotografieren, auch wenn Langzeitbelichtungen sehr schwierig waren, der Sturm zerrte heftigst an den Stativen.

Taucher

Am Hafenanleger trafen wir eine Familie aus den Niederlanden. Sie kamen gerade von einer Tauchtour zurück, die Fotoausrüstung und Tauchutensilien lagen zum Trocknen auf dem Steg. Innerhalb weniger Minuten waren wir in ein intensives Gespräch vertieft. Wir teilen die Begeisterung für die Unterwasserwelt, auch, wenn ich nur „trockene Unterwasserfotografie“ betreibe! Mit strahlenden Augen betrachtete ich die Ausbeute an Unterwasserfotos, die die beiden Männer zurückgebracht hatten.

Taucher aus den Niederlanden

Taucher aus den Niederlanden

Gegen Nachmittag saßen wir zusammen mit Rolf im Restaurant, um noch mehr über den Leuchtturm und Rolfs interessantes Leben zu erfahren. Das Essen, Klippfisk, also Trockenfisch von den Lofoten, war vorzüglich. Gunters Augen und die der Jungs strahlten.

Kein „Tanz auf Rosen“

Rolf bemerkte, dass der Beruf des Leuchtturmwärters kein „Tanz auf den Rosen“ sei, wie viele Touristen denken. Der Job ist anspruchsvoll und vor allem 24/7. Rolf wohnt während der zwei Wochen ständiger Bereitschaft im Leuchtturmwärterhaus, dann ist er wieder für zwei Wochen daheim. Der Arbeitstag wird vom Wetter bestimmt, ist es zu stürmisch und nass, dann werden Wartungsarbeiten im Inneren gemacht. Sobald das Wetter wieder besser ist, arbeitet er im Freien. Dieses Leben führt zwangsläufig dazu, Ehrfurcht für die Natur zu empfinden. Rolf liebt das Meer so sehr, dass er während der Arbeit in Lindesnes vor Begeisterung kaum Schlaf findet. Irgendwie kann ich das gut nachvollziehen. Mir geht es ganz genauso, wenn wir am Meer unterwegs sind.

Früher war das Leben als Leuchtturmwärter wesentlich einsamer.  Heutzutage werden die Häuschen der ehemaligen Assistenen des Wärters an Touristen vermietet, das bringt Abwechslung in den Alltag. Rolf ist sich sicher, dass die Umgebung nicht nur ihn positiv beeinflusst, fast alle Besucher sind freundlicht und guter Laune. Einzig, wenn es richtig stürmisch ist, findet er seinen Job sehr hart. Es passiert schon hin und wieder, dass Touristen das Meer und dessen Gewalt falsch einschätzen. Windgeschützt laufen die Leute den Hügel hoch, sie rechnen nicht mit hohen Wellen auf der Meerseite. So erzählte er traurig von den stressigen Zeiten, wenn unachtsame Touristen ins Meer gespült wurden. Manchmal gelingt die Rettung, doch leider nicht immer.

Rolf zeigt uns stolz seine Werkstatt – hunderte von Werkzeugen hingen in Reih und Glied, sauber und gut sortiert. Hier bearbeitet er alle Materialien von Holz bis zu Metall.

Gleich nebenan befindet sich sein Atelier – auf der Tür prangt das lebensgroße Portrait eines einbeinigen, bärtigen Leuchtturmwärters. Das hunderte Jahre alte Holzbein hängt an der Wand. Es wurde eines Tages am Strand angespült, nachdem der dazugehörende Wärter  verschwand und nie wieder gesehen wurde. Doch sein Geist hatte Rolf besucht, und er trägt nun diese Geschichte in die Welt.

Das Holzbein

Das Holzbein

Rolf in der Werkstatt

Rolf in der Werkstatt

Rolf mit seinen Blumen

Rolf mit seinen Blumen

Leuchtturmfotografie bei Tag und Nacht

Die nächsten beiden Tage waren der Fotografie vorbehalten. Tag und Nacht waren wir auf den Beinen. Reisefotografie- und Journalismus können auch ein sehr interessanter 24/7 Job sein:-)

Neben uns strand eine österreichische Familie mit ihrem VW Bus, wir schwätzten, wenn das Licht eher uninteressant war, und zwischendurch wanderten wir entlang der Küste nach Westen oder Osten. Südlicher geht es ja nicht.

Die Wellen knallten westlich des Leuchtturms am heftigsten an die Felsen. Ich mußte eine anstrengende Klettertour unternehmen, um die Wellen dramatisch auf die Speicherkarte zu bannen. Etwas mulmig war mir das schon, denn ich war allein unterwegs und es war gerade der Jahrestag meines Beinbruchs auf den Lofoten.

Am Abend liefen wir mit Alex den Hügel hinauf, dem wir eine ernsthafte Einführung in die Fotografie geben wollten. Das Licht war lange nicht mehr so dramatisch wie am ersten Abend, wo sich Regen und Sonne abwechselten und grandiose Lichtstimmungen im Sturm zauberten. Trotzdem gelangen uns einige klassische Abendstimmungen.

Zurück sicherte ich die Fotos doppelt auf Festplatten nur um direkt danach wieder loszuziehen. Die fast sternklare Nacht war ein ergreifendes Erlebnis. Die Wolken zogen rasant am Himmel dahin, verdeckten zeitweise den vollen Mond und gewährten ihm hie und da auch sein Licht über die Meereslandschaft zu ergießen. Der Leuchtturm sendet einen mehrteiligen eigenartig schmalen und recht gemächlichen Lichtstrahl über das Meer und die davorliegenden Felsen. Immer wieder hatte ich den Eindruck, es liefe jemand über die Felsen, es war nur der vorübergleitende Strahl des Turmfeuers. Wir waren allein in der Nacht.

Regen und Sonne am Lindesnes Leuchtturm

Regen und Sonne am Lindesnes Leuchtturm

Wellen am morgen, Lindesnes

Wellen am morgen, Lindesnes

Lindesnes Leuchtturm

Lindesnes Leuchtturm

glückliche Gabi (Danke an Gabi M. für die Mütze!)

glückliche Gabi (Danke an Gabi M. für die Mütze!)

Nach 2:00 Uhr krochen wir müde, aber zufrieden ins Bett. Mein Wecker klingelte mich um kurz nach 6:00 Uhr wieder raus, damit ich das weiche Morgenlicht nicht verpasste. Noch müde kletterte ich vorsichtig über die Felsen zum Wasser hinunter, um einen dynamischen Blick auf den Hügel mit dem Leuchtturm zu erhaschen. Ich machte den Fehler mich hinterher wieder ins Bett zu legen. Träumte nur sehr wirres Zeug und wachte gerädert auf. Diese zwei Stunden mühsamen Schlaf hätte ich mir ersparen können.

Am Spätvormittag war es völlig windstill. Hundertausende kleiner Saugbiester nutzten das aus, um unser Blut zu saugen. Wir verzichteten deshalb weise auf längere Gespräche im Freien. Ein  schwacher Wind reichte schon aus, die Plagegeister wieder zu vertreiben.

Lindesnes Lighthouse

Lindesnes Lighthouse

 Lindesnes Fyr – die offizielle Webpage von Lindesnes

Übersichtsseite Skandinavienreise 2013


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Gabi

hier schreibt Gabi

Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie!
Am besten - alles zusammen!

Autor: Gabi

hier schreibt Gabi Ich liebe das Reisen, die Fotografie und meine Familie! Am besten - alles zusammen!

9 Kommentare

  1. … was für ein mega tolles Bild: Vollmondnacht am Lindesnes Leuchtturm

    Eure Berichte scheuern mein Fernweh nach dem Norden unbeschreiblich… seufz….

    Geniesst es auch zwischendurch, versprochen?

    Liebe Grüsse
    Sandra

  2. Ein hallo an euch alle. Mit begeisterung zu lesen sind wieder eure Berichte. Was man doch so alles erlebt und in Worte fassen kann.
    Am besten gefällt mir selber: Rolf Dybvik, der Leuchtturmwärter, und natürlich die Vollmondnacht am Lindesnes Leuchtturm.
    Bin schon gespann auf mehr.
    Gruß Edeltraud

  3. Kap Lindesnes – ich liebe es. Habe nur die allerbesten Erinnerungen daran, auch wenn ich es bisher noch nicht in einer Vollmondnacht erlebt habe. Wer weiß, was nicht ist, kann ja noch werden….
    Zauberhafte Bilder. Es geht mir wie Sandra, das Fernweh packt mich……

    Habt eine schöne Zeit

    GLG Ursula

  4. Eines ist sicher……ich muß auch mal wieder ans Kap ! Vielleicht klappt es mal in den Herbstferien.
    Und ich kann mich auch den anderen nur anschließen – das Vollmond-Bild ist einfach genial !

  5. hei hei ihr alle
    nach zwei ruhigen Tagen bei Ricarda – Danke Dir für die Gastfreundschaft – sind wir wieder unterwegs….
    Ich freue mich natürlich wieder, wenn Ihr alle mit uns reist 🙂
    Noch haben wir das Internet nicht im Griff, der USB Stick funktioniert nicht.
    ABER; das wird noch!
    liebe Grüße

    Gabi

  6. Da hattet ihr nach der anstrengenden Anreise ja eine wunderschöne (anstrengende Foto-)Zeit beim Leuchtturm! Toll. Schön, dass das Wetter mitgespielt und der Dauerregen aufgehört hat.

  7. Hi,

    We were the divers you met at Lindesnes mentioned in your artikel. We appreciated the conversation about the photography and the diving interest. We didn’t found the time to reply yet but anyhow you can find the photos of Erik on the internet just follow the link to the website above. We hope that you enjoy your trip to the north making wonderful photos.

    Best regards fam. Venneman

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