Vor der Reise hatte ich eine Packliste angefertigt, jetzt kommt der Testbericht. Monatelang hab ich meine Ausrüstung in Benutzung gehabt und kann nun sehr gut Urteile darüber fällen.
Bei einigen Ausrüstungsgegenständen muss man nicht sonderlich auf die Qualität achten, um eine gute Reise zu haben – Wasserflaschen, Essgeschirr und Socken müssen keine exquisiten, handgefertigten Einzelstücke sein, da tut es auch das, was man zuhause sowieso im Schrank hat. Auch die Zahnbürste und Sonnencreme werde ich hier nicht weiter ausführen.
Wenn man aber am falschen Ende spart, macht die Reise bald keinen Spaß mehr. Mit undichter Regenkleidung und einem Fahrrad, das man alle 50 Kilometer reparieren muss, kommt man nicht weit.
Dieser Beitrag soll jenen helfen, die selbst eine Radreise planen (oder campen gehen wollen) und vielleicht die Neugierde jener befriedigen, die zwar selbst so etwas nicht vorhaben, sich aber fragen, was man für so eine Unternehmung dabei hat.
Es muss keine neues Rad sein – nur ein Gutes!

Das voll beladene Rad. Ich wählte die gelben Taschen, weil sie von weitem schon gut zu sehen sind
Mein Fahrrad ist zwar mit 25 Jahren schon älter als ich, doch es läuft noch wie geschmiert (das ist es ja auch). Viele der Teile sind noch original, auch die Gangschaltung, die Räder und alle Kugellager. Wenn man sie ordentlich pflegt, bereiten sie einem unterwegs keine Sorgen.
Bei den Reifen macht es Sinn, die extra zähe Variante zu kaufen. Die wiegen dann zwar ein paar Gramm mehr, doch Glasscherben und Nägel beißen sich daran die Zähne aus, und man sitzt nicht alle paar Tage im Gras und flickt einen Platten. Ich hatte auf der ganzen Reise nur eine Reifenpanne, obwohl ich über Unmengen an Unrat geradelt bin.
Ich fuhr auf Continental Touring Plus Reifen
, mit denen ich sehr zufrieden bin
- Pro: sie sind unglaublich zäh, fahren sich aber trotzdem gut
- Contra: Sie sind zäh. Sie auf die Felgen zu bekommen ist ein Kampf, und sie sind ein wenig schwerer als andere Reifen
Beim Sattel kann man auch ruhig ein bisschen mehr ausgeben, immerhin wird man unzählige Stunden lang darauf sitzen. Da mein alter Sattel langsam durch war, schaute ich mich in den Radreise-Foren im Internet um, was denn da empfohlen wird, und stieß auf den Brooks B17. So wie dieser Sattel von Langstreckenfahrern angebetet wurde konnte er so schlecht nicht sein. Es ist ein Ledersattel, und als solcher ist er formbar. Mit der Zeit passt er sich dem Allerwertesten des Radlers an, und wird dadurch sehr gemütlich.
Brooks B 17
- Pro: Sehr gemütlich, wenn er mal eingefahren ist.
- Contra: Es dauert eine Weile, bis er eingefahren ist, man muss ihn pflegen und er sollte nicht nass werden, und er ist teuer.
Packtaschen – unkaputtbar und dicht wie ein U-Boot
Irgendwo muss der ganze Kram rein. Die Form und Farbe der Taschen ist eigentlich egal, doch eines müssen sie sein: wasserdicht. Am besten, man holt sich zwei dieser Taschen aus Lastwagenplane, denn da kommt wirklich kein Tropfen durch. Ich fuhr mit den bekannten Ortlieb Fahrradtaschen
, doch die von RED tun es auch.
Es macht auch noch Sinn, sich Tragegurte für die Taschen zu holen. Ich hatte keine und vermisste sie manchmal sehr, zum Beispiel, wenn ich 5 Stockwerke auf Treppen hoch laufen musste.
Die Ortlieb Taschen lassen sich problemlos am Rad befestigen, es passt viel rein und sie sind zäh wie gegerbte Elefantenhaut. Ich bin total zufrieden! Allerdings muss man einen Haufen Scheine aus der Tasche kramen.
Das Zelt und die Isomatte waren nicht in einer eigenen Tasche, die wickelte ich an nassen Tagen einfach in einem Rucksacküberwurf ein, dadurch blieben sie auch trocken.

Mein „Cockpit“
Regenklamotten – hier bitte nicht sparen!
Ich fuhr nach Schottland, also mussten meine Regenklamotten für alles bereit sein. Es regnete zwar nicht immer, aber wenn, dann richtig. Ich hatte von Vaude neben dem Zelt eine Regenjacke, eine Regenhose und wasserdichte Fahrradschuhe zur Verfügung gestellt bekommen, und die wurden vor allem auf der Isle of Skye auf die Probe gestellt.
Die Yaras Regenjacke hatte ich mir in Knallorange schicken lassen, denn ich werde gerne gesehen, wenn ich auf schmalen Straßen mitten im Norgendwo unterwegs bin. Da es meistens bei Regenwetter nicht so viel kälter ist als wenn es bewölkt ist, darf man keine dicke Regenjacke mitnehmen. Die Jacke sollte wirklich nur den Regen fernhalten. Man muss bedenken, dass Radfahren enorm wärmt, und in einer dicken Jacke wird es bei sportlicher Betätigung so heiß, dass man darin ein Brot backen kann.
Die Jacke von Vaude war schön dünn, ich konnte sie also bei Bedarf überziehen ohne gleich ins Schwitzen zu geraten, und sie ließ sich relativ klein verstauen.
Im Laufe der Zeit ließ zwar der Abperleffekt etwas nach, doch sie blieb dicht. Ich muss sie nochmal imprägnieren.

Die Regenjacke hält dicht

Selbstportrait in Schlechtwettermontur
Die Yaras Regenhose hielt auch dicht wie ein Stummer im Kreuzverhör, allerdings wurde es in ihr schnell zu heiß. Warmes Regenwetter ist meiner Erfahrung nach das schlimmste, denn wenn man nicht von außen nass wird, dann schwitzt man. Doch wenn es kalt und nass war, war die Regenhose unverzichtbar. Sie war perfekt auf meine Bedürfnisse als Radfahrer zugeschnitten – der Hosenboden war verstärkt und man konnte sie an den Waden mithilfe von Klettverschlüssen enger machen. Dadurch scheuerte sie nicht am Sattel durch, und die Hosenbeine gerieten nicht in die fettige Kette.
Schuhe – sie müssen sich gleichzeitig zum Radeln und zum Laufen eignen
Ich fuhr mit Pedalen, in die man seine Schuhe einklicken konnte, meine Schuhe hatten also kleine Metallplatten im Profil versenkt. Sie sind primär zum Radfahren gedacht, doch im Gegensatz zu anderen solchen Schuhen kann man auch bequem in ihnen laufen. Ich machte auch oft kleine Wanderungen mit den Leuten, die ich traf, also mussten sie auch abseits der Pedale brauchbar sein.
Auch was ihre Wasserfestigkeit anging kann ich sie loben, doch bei tagelangem Regenwetter lief irgendwann doch das Wasser oben rein. Dagegen helfen nur Galoschen.
Kimon TR Radfahrschuhe
- Pro: Gemütlich, dicht und eigenen sich zum Radfahren genauso wie zum Laufen
- Conta: Kosten vielleicht etwas mehr als der ein oder andere ausgeben mag. Sie sind es aber wert.

Eine Warnweste hatte ich eigentlich immer an. Die Regenhose hatte ich manchmal auch schon an, wenn ich Regen nur vermutete.
Zelt – das „Zuhause“ muss dicht und stabil sein
Zwar hatte ich bereits ein billiges Zelt im Keller liegen, doch dem traute ich es nicht zu, dem schottischen Wetter standzuhalten. Ich suchte nach etwas widerstandsfähigerem und stieß auf das Vaude Mark L 2P, welches mir Vaude freundlicherweise zum Test zur Verfügung stellte.

Mein Zelt in der nassen Landschaft Schottlands. Es hielt immer dicht
Ich wählte ein Zwei-Mann-Zelt, immerhin würde ich viele Abende darin verbringen, und meine Ausrüstung sollte auch darin Platz haben. Der Extra-Raum bedeutete zwar auch Extra-Gewicht, doch dieser Kompromiss war es mir wert.
Als erstes fiel an dem Zelt auf, wie leicht und schnell es aufzubauen ist. Das Gestänge liegt außen, das Zelt muss nur eingehängt werden. Die Zelthaken sind robust und dank ihrer dreiseitigen Form lassen sie sich nicht verbiegen. Allerdings fehlt etwas, womit man sie wieder aus der Erde ziehen kann. Ich kaufte etwas Schur und behob das Problem selbst. Außerdem wurden ein paar Haken zu wenig geliefert – ich musste noch ein paar vom alten Zelt mitnehmen, um alle Leinen befestigen zu können, falls nötig.

Die Zelthaken verbiegen sich dank der drei „Flügel“ nicht, allerdings werden sie ohne Schnur geliefert, ohne die man sie kaum aus dem Boden bekommt.

Das Gestänge ist außen, was den Aufbau sehr schnell und einfach macht
Was die Wetterfestigkeit angeht, kann ich nichts außer Lob für das Zelt aussprechen. Selbst im tagelangen Regen blieb es innen trocken. Im Wind blieb es auch, wenn ordentlich befestigt, genau so stehen wie es sollte.
Das Zelt ist gut verarbeitet, allerdings ist der Boden so dünn, dass ich trotz aller Vorsicht (ich beseitigte stets spitze Zweige und Steine, bevor ich es aufstellte) irgendwann ein kleines Loch im Boden hatte. Ich ließ mir einen Floorprotector nachsenden, um weitere Schäden zu vermeiden. Dabei handelt es sich um eine zweite Plane, die man unter das Zelt legt, um es zu schützen. Zum Glück nahm der Floorprotector nicht sonderlich viel Platz weg. Ich konnte ihn noch zusammen mit dem Zelt in die Zelttasche stopfen.
Ein weiteres Problem war, dass die Zeltstangen sich eines regnerischen Abends nicht mehr zusammenstecken ließen, weil ein dünneres Stangensegment in der dickeren Stange verschwand. Ich wurde zum Glück von einem Farmer gerettet, der mein Problem erkannte und mir ein langes Stück Draht zur Reparatur besorgte. Danach verklebte ich die Stangen und behob das Problem endgültig.

Ups! Die Stange passt nicht mehr in das Loch. Hätte mir nicht ein netter Farmer geholfen, der zufällig vorbeikam, hätte ich doof da gestanden
Um es kurz zu machen:
- Pro: Sehr schnell und leicht aufgebaut, wetterfest, praktisch in der Benutzung, bezahlbarer Preis.
- Kontra: Es gibt einige Verarbeitungsfehler, die sich aber leicht selbst beheben lassen (Zelthaken mit Schnur versehen, Zeltstangen vorsorglich kleben). Der Boden ist etwas zu dünn und braucht Verstärkung.
Fazit: Wenn man mit den behebbaren Mängeln leben kann, ist es ein gutes und verlässliches Zelt für alle Wetterlagen, die ein schottischer Sommer zu bieten hat.

Das Zelt muss einfach in dem Gestänge „eingehängt“ werden

Ich hatte ein Zwei-Mann-Zelt gewählt, um noch gemütlich meine komplette Ausrüstung mit hinein nehmen zu können
Natürlich kann man eine Tour auch mit günstigerer Ausrüstung machen. Letztes Jahr war ich im billigen Zelt und mit meiner alten Regenjacke unterwegs, eine Regenhose hatte ich gar nicht dabei. Die Tour war klasse, aber wir hatten Glück, dass es nicht windig war (unser Zelt bog sich bereits bei einer moderaten Brise durch) und nach ein paar Regentagen in Dänemark hatte ich eine Erkältung. Das tat zwar der Tour kaum einen Abbruch, doch in Schottland war es noch eine Ecke kälter und nasser. Die Ausrüstung, die man braucht, hängt natürlich immer vom Reiseland und der Jahreszeit ab :)
Kamera EOS M
Die Fotos wurden mit der EOS M, unserer kleinen Reisekamera aufgenommen.
Theaterfotografie in Bubenheim – „Der grüne Kakadu“
Es ist so ruhig hier im Blog, weil wir aus aktuellem Anlass von der Reisefotografie und -berichterstattung abgelenkt wurden.
Timo Jahn hat eine Vision. Er möchte Theater machen – und zwar schon bevor er das alte Hofgut mit dem Versammlungssaal in Bubenheim gekauft hatte.
Als ich direkt nach unserer Hausboottour Wind von Timos Projekt, der Theateraufführung mit den historischen Kostümen, hörte, kam mir spontan die Idee, die Truppe zu fotografieren. Die Kamera und ich waren ja noch „warmgelaufen“. So setzten wir die Idee in die Tat um.
Dass es so cool werden würde hatte ich nicht gedacht. Dass ich mir noch einiges beibringen musste, hätte ich auch nicht erwartet. Normalerweise „bearbeite“ ich meine Fotos nicht. Diesmal war es aber notwendig, um die Kostüme und die Schauspieler auch fotografisch in der Zeit zurückzusetzen.
Ja, und jetzt ist auf die Schnelle ein Kalender draus geworden! Am Freitag den 16.10. ist hier in Bubenheim die erste von sechs Aufführungen. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt! Was haltet ihr von den Fotos? Ich bin auf Eure Meinungen gespannt! Wer hat Lust, sich das Stück anzusehen? Karten gibt’s im 1900. (Da haben wir übrigens auch unsere Dackeldame Grindel her)
„Der grüne Kakadau“ – so ähnlich sieht auch das Kalendertitelblatt aus. Laßt Euch überraschen!
Szene aus dem Theaterstück „Der grüne Kakadu“
Szene aus dem Theaterstück „Der grüne Kakadu“
Szene aus dem Theaterstück „Der grüne Kakadu“
Alle Darsteller in ihren Kostümen – „Der grüne Kakadu“
Bei Sturm und Regen getestet: meine Ausrüstung auf der Radtour
Vor der Reise hatte ich eine Packliste angefertigt, jetzt kommt der Testbericht. Monatelang hab ich meine Ausrüstung in Benutzung gehabt und kann nun sehr gut Urteile darüber fällen.
Bei einigen Ausrüstungsgegenständen muss man nicht sonderlich auf die Qualität achten, um eine gute Reise zu haben – Wasserflaschen, Essgeschirr und Socken müssen keine exquisiten, handgefertigten Einzelstücke sein, da tut es auch das, was man zuhause sowieso im Schrank hat. Auch die Zahnbürste und Sonnencreme werde ich hier nicht weiter ausführen.
Wenn man aber am falschen Ende spart, macht die Reise bald keinen Spaß mehr. Mit undichter Regenkleidung und einem Fahrrad, das man alle 50 Kilometer reparieren muss, kommt man nicht weit.
Dieser Beitrag soll jenen helfen, die selbst eine Radreise planen (oder campen gehen wollen) und vielleicht die Neugierde jener befriedigen, die zwar selbst so etwas nicht vorhaben, sich aber fragen, was man für so eine Unternehmung dabei hat.
Es muss keine neues Rad sein – nur ein Gutes!
Das voll beladene Rad. Ich wählte die gelben Taschen, weil sie von weitem schon gut zu sehen sind
Mein Fahrrad ist zwar mit 25 Jahren schon älter als ich, doch es läuft noch wie geschmiert (das ist es ja auch). Viele der Teile sind noch original, auch die Gangschaltung, die Räder und alle Kugellager. Wenn man sie ordentlich pflegt, bereiten sie einem unterwegs keine Sorgen.
Bei den Reifen macht es Sinn, die extra zähe Variante zu kaufen. Die wiegen dann zwar ein paar Gramm mehr, doch Glasscherben und Nägel beißen sich daran die Zähne aus, und man sitzt nicht alle paar Tage im Gras und flickt einen Platten. Ich hatte auf der ganzen Reise nur eine Reifenpanne, obwohl ich über Unmengen an Unrat geradelt bin.
Ich fuhr auf Continental Touring Plus Reifen
, mit denen ich sehr zufrieden bin
Beim Sattel kann man auch ruhig ein bisschen mehr ausgeben, immerhin wird man unzählige Stunden lang darauf sitzen. Da mein alter Sattel langsam durch war, schaute ich mich in den Radreise-Foren im Internet um, was denn da empfohlen wird, und stieß auf den Brooks B17. So wie dieser Sattel von Langstreckenfahrern angebetet wurde konnte er so schlecht nicht sein. Es ist ein Ledersattel, und als solcher ist er formbar. Mit der Zeit passt er sich dem Allerwertesten des Radlers an, und wird dadurch sehr gemütlich.
Brooks B 17
Packtaschen – unkaputtbar und dicht wie ein U-Boot
Irgendwo muss der ganze Kram rein. Die Form und Farbe der Taschen ist eigentlich egal, doch eines müssen sie sein: wasserdicht. Am besten, man holt sich zwei dieser Taschen aus Lastwagenplane, denn da kommt wirklich kein Tropfen durch. Ich fuhr mit den bekannten Ortlieb Fahrradtaschen
, doch die von RED tun es auch.
Es macht auch noch Sinn, sich Tragegurte für die Taschen zu holen. Ich hatte keine und vermisste sie manchmal sehr, zum Beispiel, wenn ich 5 Stockwerke auf Treppen hoch laufen musste.
Die Ortlieb Taschen lassen sich problemlos am Rad befestigen, es passt viel rein und sie sind zäh wie gegerbte Elefantenhaut. Ich bin total zufrieden! Allerdings muss man einen Haufen Scheine aus der Tasche kramen.
Das Zelt und die Isomatte waren nicht in einer eigenen Tasche, die wickelte ich an nassen Tagen einfach in einem Rucksacküberwurf ein, dadurch blieben sie auch trocken.
Mein „Cockpit“
Regenklamotten – hier bitte nicht sparen!
Ich fuhr nach Schottland, also mussten meine Regenklamotten für alles bereit sein. Es regnete zwar nicht immer, aber wenn, dann richtig. Ich hatte von Vaude neben dem Zelt eine Regenjacke, eine Regenhose und wasserdichte Fahrradschuhe zur Verfügung gestellt bekommen, und die wurden vor allem auf der Isle of Skye auf die Probe gestellt.
Die Yaras Regenjacke hatte ich mir in Knallorange schicken lassen, denn ich werde gerne gesehen, wenn ich auf schmalen Straßen mitten im Norgendwo unterwegs bin. Da es meistens bei Regenwetter nicht so viel kälter ist als wenn es bewölkt ist, darf man keine dicke Regenjacke mitnehmen. Die Jacke sollte wirklich nur den Regen fernhalten. Man muss bedenken, dass Radfahren enorm wärmt, und in einer dicken Jacke wird es bei sportlicher Betätigung so heiß, dass man darin ein Brot backen kann.
Die Jacke von Vaude war schön dünn, ich konnte sie also bei Bedarf überziehen ohne gleich ins Schwitzen zu geraten, und sie ließ sich relativ klein verstauen.
Im Laufe der Zeit ließ zwar der Abperleffekt etwas nach, doch sie blieb dicht. Ich muss sie nochmal imprägnieren.
Die Regenjacke hält dicht
Selbstportrait in Schlechtwettermontur
Die Yaras Regenhose hielt auch dicht wie ein Stummer im Kreuzverhör, allerdings wurde es in ihr schnell zu heiß. Warmes Regenwetter ist meiner Erfahrung nach das schlimmste, denn wenn man nicht von außen nass wird, dann schwitzt man. Doch wenn es kalt und nass war, war die Regenhose unverzichtbar. Sie war perfekt auf meine Bedürfnisse als Radfahrer zugeschnitten – der Hosenboden war verstärkt und man konnte sie an den Waden mithilfe von Klettverschlüssen enger machen. Dadurch scheuerte sie nicht am Sattel durch, und die Hosenbeine gerieten nicht in die fettige Kette.
Schuhe – sie müssen sich gleichzeitig zum Radeln und zum Laufen eignen
Ich fuhr mit Pedalen, in die man seine Schuhe einklicken konnte, meine Schuhe hatten also kleine Metallplatten im Profil versenkt. Sie sind primär zum Radfahren gedacht, doch im Gegensatz zu anderen solchen Schuhen kann man auch bequem in ihnen laufen. Ich machte auch oft kleine Wanderungen mit den Leuten, die ich traf, also mussten sie auch abseits der Pedale brauchbar sein.
Auch was ihre Wasserfestigkeit anging kann ich sie loben, doch bei tagelangem Regenwetter lief irgendwann doch das Wasser oben rein. Dagegen helfen nur Galoschen.
Kimon TR Radfahrschuhe
Eine Warnweste hatte ich eigentlich immer an. Die Regenhose hatte ich manchmal auch schon an, wenn ich Regen nur vermutete.
Zelt – das „Zuhause“ muss dicht und stabil sein
Zwar hatte ich bereits ein billiges Zelt im Keller liegen, doch dem traute ich es nicht zu, dem schottischen Wetter standzuhalten. Ich suchte nach etwas widerstandsfähigerem und stieß auf das Vaude Mark L 2P, welches mir Vaude freundlicherweise zum Test zur Verfügung stellte.
Mein Zelt in der nassen Landschaft Schottlands. Es hielt immer dicht
Ich wählte ein Zwei-Mann-Zelt, immerhin würde ich viele Abende darin verbringen, und meine Ausrüstung sollte auch darin Platz haben. Der Extra-Raum bedeutete zwar auch Extra-Gewicht, doch dieser Kompromiss war es mir wert.
Als erstes fiel an dem Zelt auf, wie leicht und schnell es aufzubauen ist. Das Gestänge liegt außen, das Zelt muss nur eingehängt werden. Die Zelthaken sind robust und dank ihrer dreiseitigen Form lassen sie sich nicht verbiegen. Allerdings fehlt etwas, womit man sie wieder aus der Erde ziehen kann. Ich kaufte etwas Schur und behob das Problem selbst. Außerdem wurden ein paar Haken zu wenig geliefert – ich musste noch ein paar vom alten Zelt mitnehmen, um alle Leinen befestigen zu können, falls nötig.
Die Zelthaken verbiegen sich dank der drei „Flügel“ nicht, allerdings werden sie ohne Schnur geliefert, ohne die man sie kaum aus dem Boden bekommt.
Das Gestänge ist außen, was den Aufbau sehr schnell und einfach macht
Was die Wetterfestigkeit angeht, kann ich nichts außer Lob für das Zelt aussprechen. Selbst im tagelangen Regen blieb es innen trocken. Im Wind blieb es auch, wenn ordentlich befestigt, genau so stehen wie es sollte.
Das Zelt ist gut verarbeitet, allerdings ist der Boden so dünn, dass ich trotz aller Vorsicht (ich beseitigte stets spitze Zweige und Steine, bevor ich es aufstellte) irgendwann ein kleines Loch im Boden hatte. Ich ließ mir einen Floorprotector nachsenden, um weitere Schäden zu vermeiden. Dabei handelt es sich um eine zweite Plane, die man unter das Zelt legt, um es zu schützen. Zum Glück nahm der Floorprotector nicht sonderlich viel Platz weg. Ich konnte ihn noch zusammen mit dem Zelt in die Zelttasche stopfen.
Ein weiteres Problem war, dass die Zeltstangen sich eines regnerischen Abends nicht mehr zusammenstecken ließen, weil ein dünneres Stangensegment in der dickeren Stange verschwand. Ich wurde zum Glück von einem Farmer gerettet, der mein Problem erkannte und mir ein langes Stück Draht zur Reparatur besorgte. Danach verklebte ich die Stangen und behob das Problem endgültig.
Ups! Die Stange passt nicht mehr in das Loch. Hätte mir nicht ein netter Farmer geholfen, der zufällig vorbeikam, hätte ich doof da gestanden
Um es kurz zu machen:
Fazit: Wenn man mit den behebbaren Mängeln leben kann, ist es ein gutes und verlässliches Zelt für alle Wetterlagen, die ein schottischer Sommer zu bieten hat.
Das Zelt muss einfach in dem Gestänge „eingehängt“ werden
Ich hatte ein Zwei-Mann-Zelt gewählt, um noch gemütlich meine komplette Ausrüstung mit hinein nehmen zu können
Natürlich kann man eine Tour auch mit günstigerer Ausrüstung machen. Letztes Jahr war ich im billigen Zelt und mit meiner alten Regenjacke unterwegs, eine Regenhose hatte ich gar nicht dabei. Die Tour war klasse, aber wir hatten Glück, dass es nicht windig war (unser Zelt bog sich bereits bei einer moderaten Brise durch) und nach ein paar Regentagen in Dänemark hatte ich eine Erkältung. Das tat zwar der Tour kaum einen Abbruch, doch in Schottland war es noch eine Ecke kälter und nasser. Die Ausrüstung, die man braucht, hängt natürlich immer vom Reiseland und der Jahreszeit ab :)
Kamera EOS M
Die Fotos wurden mit der EOS M, unserer kleinen Reisekamera aufgenommen.
Leuchttürme 2016 bei Delius Klasing
Wie immer gibt es hier Infos, Fotos, Filmchen und ganz viel zum Schmökern zum Leuchtturm Kalender 2016!
Schaut mal in die Extraseiten rein. Leuchttürme 2016 bei Amazon kaufen– selbst an die Wand hängen oder verschenken! Ich freu mich, wenn ihr soviel Spaß am Kalender habt wie ich beim Fotografieren.
Leuchtturm Kalender bei Delius Klasing, 2016
Leuchttürme 2016 bei Delius Klasing
Leuchttürme 2016 bei Amazon
Wir fahren mit dem Hausboot auf der Havel
Mit dem Hausboot unterwegs auf der Mecklenburgischen Seenplatte
Fast wie Huckleberry Finn
Normalerweise sind wir mit unserem Wohnmobil unterwegs. Auf unseren Touren suchen wir meistens die Nähe zum Wasser. Je dichter dran, desto besser. Jetzt machen wir das halt einmal anders. Wir nehmen gleich ein Boot, ein Hausboot. Anfangs dachte ich, das ist in etwa so, wie Huckleberry Finn auf dem Mississippi herumgegondelt ist. Eine Art Floß mit einem Dach überm Kopf. Auf unserer Tour dürfen wir ein Hausboot für eine Woche ausprobieren, was allerdings wenig mit den romantischen Vorstellungen Mark Twain’scher Art zu tun hat. Unser Boot ist mehr ein Haus, das notdürftig schwimmen gelernt hat. Nach den Wochen im engen Wohnmobil kommt uns der Komfort und das großzügige Platzangebot auf einem richtigen Hausboot gerade recht. Zudem gibt es in Deutschland noch viele wunderschöne Regionen, die wir als Meeresliebhaber noch nicht auf dem Radar hatten. Gabi aus Cammin schwärmte zum Beispiel immer von der Uckermark: die Ruhe, die Natur und die Seen. Warum also nicht mal dorthin fahren?
Wir lernen alles übers Hausbootfahren
Der Hafen von Zehdenik und traumhaftes Wetter
Das Hausboot im Hafen von Zehdenik
Gunter startet die Motoren
Esra blickt übern See
Blick nach hinten
Charterbescheinigung als Schiffsführer
Da keiner von uns einen Binnenschein zum Führen eines Schiffs hat, muss einer eine umfassende Schulung im Schnelldurchgang absolvieren. Wir starten mit ungefähr zwei Stunden Theorie, lernen die relevanten Seezeichen und die Eigenschaften des Hausboots kennen. Dann kommt der praktische Teil. Wie starten wir die Motoren, wie lenken wir ein Hausboot, wie ankern wir im See?
Herr Ottenberg hatte Gedult mit uns, das war auch nötig, denn wir waren noch vom gerade zu Ende gegangenen Schulfrei-Festival geschlaucht. Das Fahren mit dem knapp 15 Meter langen Hausboot ist nicht ohne Tücken. Die Lenken reagiert extrem träge, Ruder einschlagen, zurücklehen und warten bis das Boot irgendwann reagiert. Wir brauchen zudem sehr viel Platz zum manövrieren, und Drehen mit zwei Schiffsschrauben und ohne Staustrahldüsen ist kompliziert.
Auf dem See einfach den Anker runter lassen, wie man es sich gewöhnlich vorstellt, geht auch nicht. Geankert wird an der Uferseite, von der der Wind kommt. Die Entfernung zum Ufer ist mindestens die Länge der Ankerkette plus doppelte Schiffslänge, dabei ist die Ankerkette dreimal so lang wie die Wassertiefe. Obendrein muss der Anker durch Rückwärtsfahren fest in den Grund getrieben, und später durch vorsichtiges Lavieren wieder gelöst werden.
Am Ende der vier Stunden erhält Gunter als Schiffsführer die Charterbescheinigung mit der Auflage, das er Nachts und bei schlechter Sicht nicht fahren darf.
An diesem Tag fahren wir nicht mehr los. Stattdessen füllen wir unsere Vorräte auf, und schaffen unseren Kram ins Hausboot, wo wir uns wohnlich einrichten. Wir haben wesentlich mehr Platz im Vergleich zu unserem Wohnmobil.
Die erste Nacht auf dem Hausboot ist angenehm ruhig, morgens wecken uns die laut schnatternden Enten aus dem tiefen Schlaf. Nach einem Schnellbesuch beim Friseur und ausgiebigem Frühstück kann es los gehen.
Die erste Fahrt mit dem Hausboot
Endlich rollen wir das Stromkabel ein und lösen die Leinen. Ein wenig mulmig ist es uns schon. Werden wir es schaffen, das behäbige Hausboot auf der Havel und den Seen zu manövrieren? Wie wird es uns in den engen Schleusen ergehen? Das kann spannend werden.
Leider ist das Wetter am „Fahrtag“ trüb
Dackel Grindel in ihrem Körbchen
Wir werden überholt
Amy und Grindel auf dem Hausboot
Das nennen wir eine entspannte Fahrt
Was für ne coole Idee – falls unser Mobil mal nicht mehr will, dann machen wir das auch
Schöne Regenwolken überm See
Unsere erste Schleuse
Gunter am Steuer des Hausbootes
Grindel auf dem Vordeck
Abends im Hafen von Hindenburg
Immerhin schaffen wir es auf Anhieb, das Hausboot aus der recht engen „Parkbox“ herauszumanövrieren. Danach ist es ganz easy. Langsam tuckern wir den Fluß entlang. Ein paar Boote überholen uns, ansonsten passiert nicht viel. Es ist unglaublich entspannend. Während der Fahrt fotografiere ich, dazu stelle ich sogar das Stativ aufs Vorderdeck und mache Langzeitaufnahmen. Ich koche zwischendurch Wasser für einen Kaffee. Esra übernimmt das Steuer und Gunter fängt an, das Mittagessen zu kochen. Cool – sowas machen wir im Mobil nicht. Auf dem Hausboot ist wirklich der Weg das Ziel.
Vogelbeobachtung vom Hausboot aus
Schillernd blaue Eisvögel beobachten unser Vorankommen vom Ufer aus. Immer wieder fliegen Reiher über uns hinweg. Kraniche gleiten majestätisch über den See. Wir beobachten sogar einen Adler bei der Jagd. Er ist so nah, dass ich staunend dastehe und gar nicht auf die Idee komme, das Tele draufzuschauben. Das ganze spielt sich in fast absoluter Ruhe ab. Das leise Tuckern unserer beiden kleinen Schiffsdieselmotoren ist das fast einzige Fremdgeräusch.
Wir nähern uns der ersten Schleuse und überraschenderweise klappt alles ganz problemlos. Nur mit der Geschwindigkeitseinschätzung sind wir zu optimistisch. Wir brauchen länger als gedacht und erreichen Hindenburg erst am frühen Abend. Beim „Einparken“ hilft der Hafenmeister mit Anweisungen, und er hilft uns auch mit den Knoten beim Sichern des Hausbootes. Wir wundern uns, dass unsere zukünftigen Nachbarn lachen, als wir anlegen. Auch sie sind das erste Mal auf dem Wasser unterwegs und haben das Anlegen schon hinter sich. Später erfahren wir vom Hafenmeister, dass diese großen Hausboote auch „Zerstörer“ genannt werden. Denn meist werden diese schweren Kähne von Greenhorns gesteuern, die sich noch nicht auf die Massenträgheit eingestellt haben. Und so werden durch Fehleinschätzungen der Geschwindigkeit immer wieder mal Anleger ramponiert.
Wir sind erstmal froh, heil angekommen zu sein. Unsere Dackeldame Grindel muss unbedingt an Land ihr Geschäft erledigen und spazieren gehen. Wir futtern als hätten wir vier Tage nichts bekommen und gehen sehr früh ins Bett. Die frische Luft auf dem Wasser macht tierisch müde.
Diese Reise wird unterstützt von FeWo Direkt. Wir bedanken uns ganz herzlich. Unsere Meinung bleibt dadurch jedoch unbeeinflußt.
Schulfrei-Festival – vier geniale Tage mit 500 anderen Freilernern
Falls ihr euch gefragt habt, warum auf diesem Blog in den letzten Tagen Flaute war: wir waren auf dem Schulfrei-Festival in Brandenburg. Auf einem großen Gelände haben sich fast 500 Freigeister und Verrückte wie wir getroffen, um Konferenzen zu halten, Workshops zu veranstalten und Spaß zu haben. Noah und ich hielten einen Vortrag dazu, wie wir das Abitur und den Realschulabschluss abgelegt haben, Gunter bot einen Bumerang-Workshop an und Gabi redete über das Lernen auf Reisen und wie man als Familie günstig lange Touren machen kann. Und natürlich tauschten wir uns über das freie Lernen und Reisen in privaten Gesprächen aus.
Zeltwald auf dem Schulfrei-Festival
Es waren auch viele andere Langzeitreisende mit dem Wohnmobil da
Gunter demonstriert, wie man einen Bumerang wirft
Amy und Josi mit Bumerangs
Abends gab es immer ein Lagerfeuer und viel Musik, oder Kartenspiele. Es war toll, mit so vielen netten Leuten auf einmal zusammen zu sein, die alle auch nicht unbedingt zur Schule gehen oder gegangen sind. Auf einmal waren wir nicht anders, sondern ganz normal! Leider dauerte das Festival nur vier Tage – viel zu kurz, um alle kennen zu lernen. Es hätte auch gerne eine Woche dauern können!
Bilder habe ich leider nur gemacht, wenn gerade nicht so viel los war… aber wenigsten gibt es ein paar!
In den nächsten Tagen geht es mit den Berichten weiter. Im Moment sind wir auf einem Hausboot auf der Havel, der Mecklenburger Seenplatte unterwegs.
Julian, einer der Organisatoren, fotografiert gerade einen Regenbogen
Die Bar im Abendlicht
Sommer-Radtour, Teil 6: von Inverness zurück nach Newcastle
Achtung, dieser Beitrag ist sehr bildlastig. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche ich rauswerfen sollte, jetzt sind sie eben alle drin!
– Wind und Whisky –
Langsam wurde es Zeit für mich, wieder nach Süden zu fahren. Ich hatte die Fähre nach Amsterdam bereits gebucht, im Anschluss an die Schottlandreise wollte ich gleich nach Schweden weiterfahren.
In den nördlichen Highlands machte das Radfahren nur bei Windstille Spaß. Da man weit und breit kaum drei Bäume am Horizont ausmachen kann, gibt es nichts, um den Wind etwas auszubremsen. Wie gewohnt blies mir ein starker Gegenwind ins Gesicht und holte im Laufe eines Tage eine beachtliche Anzahl an Flüchen und Schimpfworten aus mir heraus, da ich trotz meiner Anstrengungen nur eine sehr überschaubare Geschwindigkeit aufrecht erhalten konnte. Teilweise war der Gegenwind so stark, dass ich selbst bergab in die Pedale treten musste, um nicht stehen zu bleiben!
Die Landschaft im Norden Schottlands ist karg und weit. Hier fühlt sich der Wind richtig wohl, weil ihn keine ollen Bäume ausbremsen.
Blick aus meiner „Haustür“
Was dort oben an Wäldern fehlt, das wird mit Whisky-Destillerien wieder wett gemacht. In der Speyside-Region stehen mehr Destillerien als irgendwo anders in Schottland, alle paar Kilometer kommt man an einer vorbei. Leider hatte ich nie die Gelegenheit, eine genauer zu besichtigen, da entweder die Zeit fehlte, ich zu spät kam oder es zu teuer war. Ich fand aber direkt neben der Dalwhinnie-Destillerie einen schönen Platz zum Zelten.
Mein treues Vaude-Zelt vor der Dalwhinnie Destillerie
Eine Eideckse am Wegesrand
Typisch Schottischer (und oregoner) Humor
Wildcampen im Wald
Nocheinmal Servas und ein zufäliges Frühstück in Edinburgh
Auf halbem Weg zwischen Edinburgh und Glasgow traf ich Val, eine Servas-Gastgeberin, die im kleinen Dörfchen Muthill lebte. Wir kamen sehr gut miteinander zurecht und ich blieb drei Tage statt den üblichen zwei. Kurz nach mir tauchten noch mehr deutsche Besucher bei ihr auf. Es war eine Familie aus der Nähe von Aachen, die sich von ihren kleinen Kindern nicht davon abhalten ließen, mit einem Land Rover und einem großen Zelt die Highlands zu bereisen (ich finde generell jeden sympathisch, der mit Kindern reist.)
Im kleinen Dörfchen Muthill machte ich ein weiteres Mal Halt bei einer Servas-Gastgeberin
Val (rechts) bekam außer mir noch mehr Besuch aus Deutschland, das Haus war schön voll
Die berühmte Eisenbahnbrücke bei Edinburgh
Je weiter südlich ich kam, desto mehr Bäume und sogar Wälder tauchten auf, und die Berge wurden von Hügeln ersetzt. Das Vorankommen war nun viel einfacher, und ich konnte weiter fahren. Je früher ich in Newcastle ankäme, desto mehr Zeit würde ich dort haben, mit Alicia, einer Freundin von mir, die Gegend zu erkunden und Dinge zu unternehmen.
Ich fuhr wieder durch Edinburgh, hielt mich allerdings nicht dort auf, weil es regnete. In einer Kleinstadt nicht weit von Edinburgh schlug ich mein Zelt an diesem Abend auf. Am nächsten Morgen rief mich eine Frau von ihrem Gartenzaun zu sich, als sie mich aus meinem Zelt kommen sah. Was sie wohl will? Darf man hier etwa nicht campen? Es ist doch überall erlaubt? Ich lief mal zu ihr.
„Guten Morgen!“ rief sie und fragte freundlich, ob ich denn gut geschlafen hätte.
Dann: „Sag mal, willst du Frühstück haben?“
Was für eine Frage! Einen Radfahrer zu fragen ob er Hunger hat. Das wäre, als wenn man einen Hund fragen würde, ob er ein Schnitzel will. Natürlich nahm ich das Angebot dankend an. Sie wollte wissen, wo ich überall schon gewesen bin, ich erzählte ihr von meiner bisherigen Reise. An diesem Tag kam ich wirklich nicht sehr früh in die Gänge – um 11 saß ich noch plaudernd in ihrer Küche.
Es regnete, als ich durch Edinburgh fuhr
Warum es toll ist, allein zu reisen
Am Anfang meiner Reise machte ich mir noch Sorgen wie wohl werden würde, ganz alleine unterwegs in Schottland. Diese ewige Fahrerei alleine, abends einsam im Zelt, niemand, mit dem ich reden könnte…
Doch meine Sorgen waren unbegründet. Was ich nämlich nicht wusste: wenn man alleine unterwegs ist, kommt man viel mehr mit Leuten in Berührung. Ganz oft sah mich jemand vorbeifahren, den einzelnen Radfahrer, und lud mich kurzerhand zu einem Tee ein. Ist ja nur einer, da geht das ganz einfach. Ich hatte allergrößte Freiheit bei der Planung, ich musste ja keine Rücksicht auf Mitreisende nehmen. So konnte ich einfach mal eine Woche in Glasgow bleiben oder mich mit anderen Radlern zusammentun und mit denen ein paar Tage fahren.
Das passierte mir nämlich auch hin und wieder, dass ich jemanden traf und dann einen oder mehrere Tage mit dieser Person verbrachte. Ich wurde von einer alten Dame in ihr Gästezimmer eingeladen, von Pfadfinderinnen aufgenommen, in Edinburgh bekam ich Frühstück, mit anderen Radlern furh ich zusammen herum. Und dann war ja noch Servas, was als Einzelperson wirklich sehr praktisch ist. Ich war zwar alleine unterwegs, aber ich war nie einsam!
Und wenn ich mal stunenlang durch die weite, leere Landschaft raldelte, dann hatte ich Zeit zum Nachdenken. Oder ich sang laute, selbstgedichtete Lieder; es war ja niemand da, den es störte!
Das Wetter was sehr wechselhaft, wie immer. Immerhin macht der Regen die Landschaft schön satt und grün
Zurück nach Newcastle, nach ca. 1500km
Schließlich verabschiedete ich mich aber doch, und im Laufe des Tages brachte ich doch noch ein wenig Land zwischen mich und Edinburgh. Am nächsten Tag war ich schon in England. Die Hügel waren hier kleiner als in Schottland, doch sie waren auch zahlreicher und fieser. In den Highlands geht es teilweise kilometerlang bergauf, doch es ist oft nur eine schwache, stetige Steigung. In England muss man fast jeden halben Kilometer einen kleinen, gemeinen Hügel erklimmen, nur um auf der anderen Seite gleich den nächsten zu sehen. Bäh!
Auf der anderen Seite gab es viel Wald. Ich fuhr durch den Kielder Forest Park, auf der Karte als großer grüner Fleck erkennbar, der gleichzeitig den kürzesten Weg darstellte. In Null Komma Nix war ich wieder in Newcastle.
Auf dem Weg nach Newcastle fuhr ich durch den Kielder Forest
An der Grenze nach England. Tschüss Schottland!
Mit diesen beiden Kanadiern verbrachte ich einen Abend plaudernd in deren Zelt
Sich in Newcastle zurecht zu finden war weitaus schwieriger als in Edinburgh und Glasgow. In den beiden schottischen Städten sind die Straßen mehr oder weniger gerade und überschaubar, doch ich Newcastle ist das Straßennetz eher ein Labyrinth. Es ist, als hätten die Stadtplaner einst eine große Landkarte genommen, einen Haufen Schnüre drauf geworfen, und dann die Straßen einfach da gebaut, wo die Schnüre lagen.
Schließlich fand ich doch noch zu Alicias Haus, wo ich vier Tage blieb. In Newcastle und Umbegung wird es einem bestimmt nicht langweilig, jeden Tag hatten wir irgendwas auf dem Plan, Museen, Innenstadt, ein Kletterpark, Grillparty – die letzten vier Tage in Großbritannien waren nicht schlecht!
Wieder in Newcastle mit Alicia, bei der ich ein paar Tage verbrachte
Die Gateshead Millenium Bridge in Newcastle
Ein Kaffeehaus in Newcastle
Alles im Lot aufm Boot? Ja! Überfahrt nach Amsterdam
Irgendwann musste ich dann doch zum Fährhafen. Ich fuhr wieder mit DFDS, diesmal ging es statt mit der „King Seaways“ mit der „Princess Seaways“ über die Nordsee. Radfahrer, merkt euch das für später: Wenn ihr die Wahl habt, fahrt mit der Princess. Da kommt mal als Radfahrer viel einfacher rein und auch wieder raus. Bei der King Seaways muss man warten, bis alle anderen von Schiff gefahen sind, bevor man selbst dran ist.
Die Überfahrt war sehr schön, vor allem, weil ich gute Gesellschaft hatte. Ich verquatschte mich am Fährhafen mit zwei englischen Radlern, und wir verbrachten den gesamten Abend zusammen. Erst verkosteten wir ein paar selbstgebraute Biere, die die beiden gemacht hatten, dann setzten wir uns in eine der vielen Bars und hörten Live-Musik. Es wurde recht spät, viel Schlaf bekam ich nicht diese Nacht.
Wieder auf der Fähre zurück nach Amsterdam
Meine sehr gemütliche Kabine
Diese beiden Radler aus England vernichteten mit mir große Mengen ihres selbstgebrauten Biers
Das Frühstücksbuffet war toll
Hmm!
Ich war nicht der einzige Radler auf dem Schiff
Am Morgen frühstückte ich noch einmal ordentlich (das Buffet war schön groß!) und traf dann den Rest meiner Familie in Ijmuiden am Fährhafen. Sie würden am nächsten Tag nach Großbritannien fahren, also verbrachten wir einen Tag zusammen, bevor ich weiter nach Schweden fuhr. Darüber berichte ich dann im nächsten Beitrag! Hier ist noch eine Landkarte von Schottland mit meiner Route drauf: