Morgens luden wir unsere belgischen Rastplatz-Nachbarn zu einem Kaffee ein. Vater und Sohn hatten in ihrem kleinen PKW geschlafen und auch sie sahen ziemlich übernächtigt aus. Die beiden waren nachts um 4:00 Uhr nach über 30 Stunden Fahrt mit dem Cargoschiff angekommen.
Trotz Regenwetter entschieden wir uns, nach Lindesnes, dem südlichsten Festlandleuchtturm Norwegens zu fahren. Wir wissen, dass das Wetter an der Küste schnell wechseln kann, und hofften inständig darauf. Bereits auf der kurvigen Fahrt auf den engen Strassen sahen wir kleine Stückchen blauen Himmels. Am Leuchtturm angekommen schien die Sonne! Auf den Parkplatz angekommen sah ich mächtige Wellen im gleißenden Sonnenlicht auf die Felsen zurollen!
Lindesnes Leuchtturm
Lindesnes ist der einzige Leuchtturm, der auch nach der Automatisierung noch einen richtigen Leuchtturmwärter hat. Wir fanden Rolf Dybvik in der kleinen Galerie, wo er seine Aquarelle ausstellt. Die meisten seiner Bilder zeigen den Leuchtturm, den er seit 40 Jahren – fast sein ganzes Berufsleben lang, betreut. Lindesnes ist nicht nur der einzige Leuchtturm mit Wärter, er ist auch der einzige mit intaktem Nebelhorn. Rolf war sich nicht sicher, ob es der einzige in Norwegen, oder gar weltweit ist. An einem Wochenende im Juli ist Nebelhorntag, da können Touristen dem Nebelhorn lauschen – naja, sie versuchen eher, mit den Händen an die Ohren gepresst, ihre eignenen Gedanken noch zu hören.

Lindesnes Leuchtturm, Norwegen

Amy und Noah, Lindesnes Leuchtturm

Lindesnes Leuchtturm

Rolf Dybvik, der Leuchtturmwärter
Was macht ein Leuchtturmwärter heute
Im Jahr 1979 wurde der Leuchtturm automatisiert, seither änderte sich die Arbeit für Rolf. Er betreut jetzt die Wetterstation, die Ferienwohnungen, er ist Hausmeister und ist für die Technik des ganzen Komplexes verantwortlich. Der braungebrannte, wettergegerbte, Leuchtturmwärter kümmert sich auch um Probleme in Restaurant Fyrgryta. Das Telefon klingelt und er muss los, um die dortige Kühltruhe zu reparieren.
Wir erklimmen die Treppen zum Leuchtturm auf dem Hügel, der Wind bläst kräftig, wild und böig. Kein Wunder, dass sich die gestrige Fährfahrt so ruppig angefühlt hatte. Das Meer glich einem überkochenden Wassertopf. Es machte trotzdem Spaß zu fotografieren, auch wenn Langzeitbelichtungen sehr schwierig waren, der Sturm zerrte heftigst an den Stativen.
Taucher
Am Hafenanleger trafen wir eine Familie aus den Niederlanden. Sie kamen gerade von einer Tauchtour zurück, die Fotoausrüstung und Tauchutensilien lagen zum Trocknen auf dem Steg. Innerhalb weniger Minuten waren wir in ein intensives Gespräch vertieft. Wir teilen die Begeisterung für die Unterwasserwelt, auch, wenn ich nur „trockene Unterwasserfotografie“ betreibe! Mit strahlenden Augen betrachtete ich die Ausbeute an Unterwasserfotos, die die beiden Männer zurückgebracht hatten.

Taucher aus den Niederlanden
Gegen Nachmittag saßen wir zusammen mit Rolf im Restaurant, um noch mehr über den Leuchtturm und Rolfs interessantes Leben zu erfahren. Das Essen, Klippfisk, also Trockenfisch von den Lofoten, war vorzüglich. Gunters Augen und die der Jungs strahlten.
Kein „Tanz auf Rosen“
Rolf bemerkte, dass der Beruf des Leuchtturmwärters kein „Tanz auf den Rosen“ sei, wie viele Touristen denken. Der Job ist anspruchsvoll und vor allem 24/7. Rolf wohnt während der zwei Wochen ständiger Bereitschaft im Leuchtturmwärterhaus, dann ist er wieder für zwei Wochen daheim. Der Arbeitstag wird vom Wetter bestimmt, ist es zu stürmisch und nass, dann werden Wartungsarbeiten im Inneren gemacht. Sobald das Wetter wieder besser ist, arbeitet er im Freien. Dieses Leben führt zwangsläufig dazu, Ehrfurcht für die Natur zu empfinden. Rolf liebt das Meer so sehr, dass er während der Arbeit in Lindesnes vor Begeisterung kaum Schlaf findet. Irgendwie kann ich das gut nachvollziehen. Mir geht es ganz genauso, wenn wir am Meer unterwegs sind.
Früher war das Leben als Leuchtturmwärter wesentlich einsamer. Heutzutage werden die Häuschen der ehemaligen Assistenen des Wärters an Touristen vermietet, das bringt Abwechslung in den Alltag. Rolf ist sich sicher, dass die Umgebung nicht nur ihn positiv beeinflusst, fast alle Besucher sind freundlicht und guter Laune. Einzig, wenn es richtig stürmisch ist, findet er seinen Job sehr hart. Es passiert schon hin und wieder, dass Touristen das Meer und dessen Gewalt falsch einschätzen. Windgeschützt laufen die Leute den Hügel hoch, sie rechnen nicht mit hohen Wellen auf der Meerseite. So erzählte er traurig von den stressigen Zeiten, wenn unachtsame Touristen ins Meer gespült wurden. Manchmal gelingt die Rettung, doch leider nicht immer.
Rolf zeigt uns stolz seine Werkstatt – hunderte von Werkzeugen hingen in Reih und Glied, sauber und gut sortiert. Hier bearbeitet er alle Materialien von Holz bis zu Metall.
Gleich nebenan befindet sich sein Atelier – auf der Tür prangt das lebensgroße Portrait eines einbeinigen, bärtigen Leuchtturmwärters. Das hunderte Jahre alte Holzbein hängt an der Wand. Es wurde eines Tages am Strand angespült, nachdem der dazugehörende Wärter verschwand und nie wieder gesehen wurde. Doch sein Geist hatte Rolf besucht, und er trägt nun diese Geschichte in die Welt.

Das Holzbein

Rolf in der Werkstatt

Rolf mit seinen Blumen
Leuchtturmfotografie bei Tag und Nacht
Die nächsten beiden Tage waren der Fotografie vorbehalten. Tag und Nacht waren wir auf den Beinen. Reisefotografie- und Journalismus können auch ein sehr interessanter 24/7 Job sein:-)
Neben uns strand eine österreichische Familie mit ihrem VW Bus, wir schwätzten, wenn das Licht eher uninteressant war, und zwischendurch wanderten wir entlang der Küste nach Westen oder Osten. Südlicher geht es ja nicht.
Die Wellen knallten westlich des Leuchtturms am heftigsten an die Felsen. Ich mußte eine anstrengende Klettertour unternehmen, um die Wellen dramatisch auf die Speicherkarte zu bannen. Etwas mulmig war mir das schon, denn ich war allein unterwegs und es war gerade der Jahrestag meines Beinbruchs auf den Lofoten.
Am Abend liefen wir mit Alex den Hügel hinauf, dem wir eine ernsthafte Einführung in die Fotografie geben wollten. Das Licht war lange nicht mehr so dramatisch wie am ersten Abend, wo sich Regen und Sonne abwechselten und grandiose Lichtstimmungen im Sturm zauberten. Trotzdem gelangen uns einige klassische Abendstimmungen.
Zurück sicherte ich die Fotos doppelt auf Festplatten nur um direkt danach wieder loszuziehen. Die fast sternklare Nacht war ein ergreifendes Erlebnis. Die Wolken zogen rasant am Himmel dahin, verdeckten zeitweise den vollen Mond und gewährten ihm hie und da auch sein Licht über die Meereslandschaft zu ergießen. Der Leuchtturm sendet einen mehrteiligen eigenartig schmalen und recht gemächlichen Lichtstrahl über das Meer und die davorliegenden Felsen. Immer wieder hatte ich den Eindruck, es liefe jemand über die Felsen, es war nur der vorübergleitende Strahl des Turmfeuers. Wir waren allein in der Nacht.

Regen und Sonne am Lindesnes Leuchtturm

Wellen am morgen, Lindesnes

Lindesnes Leuchtturm

glückliche Gabi (Danke an Gabi M. für die Mütze!)
Nach 2:00 Uhr krochen wir müde, aber zufrieden ins Bett. Mein Wecker klingelte mich um kurz nach 6:00 Uhr wieder raus, damit ich das weiche Morgenlicht nicht verpasste. Noch müde kletterte ich vorsichtig über die Felsen zum Wasser hinunter, um einen dynamischen Blick auf den Hügel mit dem Leuchtturm zu erhaschen. Ich machte den Fehler mich hinterher wieder ins Bett zu legen. Träumte nur sehr wirres Zeug und wachte gerädert auf. Diese zwei Stunden mühsamen Schlaf hätte ich mir ersparen können.
Am Spätvormittag war es völlig windstill. Hundertausende kleiner Saugbiester nutzten das aus, um unser Blut zu saugen. Wir verzichteten deshalb weise auf längere Gespräche im Freien. Ein schwacher Wind reichte schon aus, die Plagegeister wieder zu vertreiben.

Lindesnes Lighthouse
Lindesnes Fyr – die offizielle Webpage von Lindesnes
Übersichtsseite Skandinavienreise 2013
Größere Kartenansicht
Weitere Fotos des Lindesness Leuchtturms mit Videos
Wie sieht es im Leuchtturm aus? Zu den Fotos gehts hier lang…
Von Løten nach Geiranger
Am letzten Abend bei Mary zündeten die Kinder ein Lagerfeuer an. Sie grillten Marshmallows und Würstchen. Morgens hatten wir noch viel zu besprechen, dass wir erst gegen 11:00 Uhr gen Norden aufbrachen. Das Wetter war weiterhin sonnig und warm, nur die Nächte sind schon relativ kalt.
Lagerfeuer am Abend
In Lillehammer konnten wir innerhalb weniger Minuten das Internetstick-Problem lösen – er war beim Kauf nicht richtig registiert worden. Jetzt surften wir in hoher Geschwindigkeit. Beruhigt stockten wir noch unsere Vorräte auf. Wir erreichten das Fjordland. Die typisch grünlich, milchigen Gletscherbäche flossen neben der Strasse, die Berge reckten sich höher, Seen und Fjorde kamen in Sicht.
In Lom fotografierten wir, umgeben von geschätzten 100 Japanern, die Stabkirche.
Deutsches Kampfflugzeug im Nirgendwo
Im Vorbeifahren entdeckte ich plötzlich auf einem Rastplatz ein Nachbau eines deutsches Kriegsflugzeug, welches als Filmulisse diente. Noch haben wir den Film „Into the White
“ noch nicht angesehen. Ich parkte und wir sahen uns das näher an. Vor allem Esra war begeistert. Er versuchte sich an einer Videobotschaft. Immer wieder hörten wir: „Mist! Nochmal…“ wenn er sich im schnellen Sprechen verhaspelte. Wir überlegten, auf der Hochebene zu übernachten. Doch Gunter wollte nicht, er meinte, es wäre besser, etwas weiter zu kommen.
Deutsches Kampfflugzeug im Nirgendwo
Aussichtspunkt zum Geiranger Fjord
Wir erreichten den Summit der Strasse, 1500m über dem Meer.
Jetzt begann die Abfahrt. Immer im 2. Gang, zwischendurch kurz abbremsen und dann wieder mit der Motorbremse. Die Kehren fuhren sich gut, so spät herrschte kaum noch Verkehr. Als wir an einem Aussichtspunkt das Panorama fotografierten, fiel mir auf, dass Unmengen Wasser aus dem Mobilboden herausliefen. Wir trockneten erstmal den nassen Zwischenboden mit Tüchern, dann parkte ich das Wohnmobil gerade, damit wir beurteilen konnten, wo das Wasser herauskommt. Dazu mussten wir gewaltig umräumen – hinterher standen wir alle etwas ratlos im absolut chaotischen Mobil herum, denn es gab keine undichte Stelle. Nach einer nervenaufreibenden Stunde kamen wir zum Schluss, dass Esra den Wassertank morgens wohl überfüllt hatte, und sich das überschüssige Wasser einen Weg an den Dichtungen vorbei in den Zwischenboden gebahnt hatte. Uff, nochmal Glück gehabt.
Da wir ideal am Flydalsjuvet Aussichtspunkt standen, mit Toilette neben dem Mobil, blieben wir für die Nacht. Gunter kämpfte für unser Abendessen mit riesigen Flintsteaks, die nicht nur ihn, sondern auch den Wohnmobilboden mit Fett bespritzten. Nach dem Essen waren wir pappsatt und müde! Ich hatte mir vorgenommen nachts noch Sterne aufzunehmen. Legte mich mit den Klamotten kurz ins Bett, schlief dann aber ein und schlief bis zum Morgen durch.
Stabkirche in Lom
[yellow_box]Das Touristenörtchen Geiranger mit seinen knapp 300 permanenten Einwohnern steigert diese Zahl im Sommer auf über 2000.
Als einer der beliebtesten norwegischen Anlaufhäfen für Kreuzfahrschiffe kommen jährlich über 300.000 Passagiere auf diesen schwimmenden Hotels vom Westen her durch den Geirangerfjord herangeschippert.
Horden von Autos, Wohnmobilen und Reisebussen bringen eine weitere Viertelmillion Touristen ins Ort. Kein Wunder also, dass die Einwohner alle Hände voll zu tun haben, an diesem Ansturm ihr Geld zu verdienen.
Mitverantwortlich für die Popularität des Geirangerfjords ist neben der majestätischen Landschaft auch die regelmässigen Besuche von der norwegischen Königin Sonja. Der Fjord ist seit 2005 UNESCO Weltkulturerbe und das bekannteste Reiseziel Skandinaviens.
Jeden Juni findet der Geiranger-Vom Fjord zum Gipfel-Event statt. Von Geiranger aus auf Meereshöhe quälen sich Läufer in dem Halbmarathon hinauf bis zum 1497 m hohen Gipfel des Dalsnibba. Die Strecke kann auch per Fahrrad bewältigt werden, natürlich bergauf.[/yellow_box]
Übersichtsseite Norwegen Wohnmobil Roadtrip
Mit Mary zum Blaubeeren pflücken in den Wald
Wir besuchten die norwegischen Homeschooler Mary und Luis in Løten. Der älteste Sohn Marys war gerade unterwegs, so konnten wir ihn leider dieses mal nicht kennenlernen. Die Kids tauschten sich bezüglich des Lernens aus, wir Erwachsenen sprachen vor allem über das Leben in Norwegen. Mary ist zwar in Norwegen geboren, doch in den USA aufgewachsen. So hat sich einen ganz eigenen Blick auf die norwegische Kultur.
Die Blaubeeren sind gerade reif. Mary nahm mich mit in den Wald zum pflücken unseres Nachtischs. Glücklicherweise gibt es diese Blaubeerpflücker, mit denen geht es geschwind. Wir schwätzten, und pflückten, wurden von Blutsaugern traktiert, dann wuschen wir die kleinen Beerchen und danach gab es Vanilleeis mit extra intensivem Waldbeerengeschmack. Lecker!
Zwei Wochen im Jahr können man Blaubeeren sammeln, dann ist es wieder vorbei. Da ist es gut, eine große Gefriertruhe zu haben.
Mary beim Blaubeeren pflücken
so geht es einfacher mit dem Pflücken
Ich habe einmal versucht, einen kurzen Film aus Sicht der Blaubeere zu machen. Hoffe, Ihr werdet nicht schwindelig :-)
Die Kinder spielten Darts oder sprangen auf dem Trampolin. Am Nachmittag gingen wir in einem warmen See baden. Das Bad war sehr erfrischend, das Wasser des Sees kristallklar und sauber. Trotz des sonnige Wetters am Sonntag waren kaum Leute draußen zum Schwimmen. Wie erholsam das doch alles in Norwegen ist! Kein Gestank nach Chlor, kein Trubel – nur Ruhe und frische Natur.
Im See – GoPRo Bild
GoPro Foto – Im See Amy und Luis- nach dem Tauchen :-)
Im See – GoPRo Bild
Wald am Abend
Leuchttürme im Süden Norwegens
Wir entschieden uns, zwei Leuchttürme, die zwar auf Inseln standen, doch vom Festland aus zu sehen waren, vor die Linse zu nehmen. Durch engen Gassen fahrend erreichten wir die Bunkeranlagen vor dem Møkkalasset Fyr. Die Bunkeranlagen waren irgendwie faszinierend und beängstigend zugleich. Esra lief mit meiner Taschenlampe durch die Gänge, in große Hallen hinein und er quetschte sich durch festgerostete alte Türen. Ich machte derweil mit dem Teleobjektiv Aufnahmen vom kleinen, unscheinbaren Leuchtturm auf den Schäreninseln. Zahlreiche Sportboote waren auf dem Wasser, das Brummen der Motoren hallte weit durch die Landschaft, ansonsten war es sehr friedlich.
Møkkalasset Fyr
Ferienhäuser in Südnorwegen
Gewundene, enge Strassen führten uns zum Lyngør Fyr, der auch auf einer vorgelagerten Insel liegt. Jetzt hatte das abendliche Licht eine magische Qualität erreicht. Wir staunten, genossen den Anblick der die feinen, weissen Holzhäuser, die auf den Felsen direkt am Wasser standen. Hier kosten die Ferienhäuser soviel wie ein „normales“ Haus, und es ist verboten, das ganze Jahr über hier zu wohnen. Von einem Auswanderer erfuhren wir, dass die Hausbesitzer der Inselhäuser für den Winter Leute suchen. Man können dann kostenlos darin wohnen, oft wäre es aber tagelang schwierig, wegen schlechtem Wetter von der Insel wieder weg zu kommen. Das hört sich für uns trotzdem gut an. Leider fand ich auf die Schnelle keinen Ansprechparter.
Wie liefen entland der Holzstege um einen guten Blick auf den Leuchtturm zu bekommen. Wirklich kreativ war die Fotosession nicht, weil der kirchenähnliche Leuchtturm nur mit längster Telebrennweite aufzunehmen war. Es fährt zwar ein Wassertaxi zur Insel, aber nur zu den normalen Geschäftszeiten, wir waren leider zu spät.
Unterwasserspaziergang mit der GoPro
Vom Steg aus blickten wir auf große Quallen, sahen den Fischen zu, entdeckten Seescheiden und noch viel meer!!
Wir übernachteten auf dem Parkplatz am Hafen, und schliefen uns am nächsten Morgen mal richtig aus. Dann rückten wir der Unterwasserwelt mit der GoPro auf den Leib. Das war fantastisch.
Lyngør Fyr
Auf einem wieder äußerst engen Weg, den ich gerne vermieden hätte, schlichen wir nach Risør. Den Leuchtturm am Hafenausgang fanden wir sofort, doch das Licht war mittäglich langweilig, dafür wollten wir nicht ewg in der Hitze herumwandern. Stattdessen rückten wir den Quallen im Hafenbecken auf den Leib. Leider setzte unsere GoPro dem Treiben ein schnelles Ende, weil die Batterie wieder mal leer war. Viel Kapazität hat sie wirklich nicht, uns sollte besser vor jedem Einsatz voll geladen werden.
Der Hafen von Lyngor
Die Reicherts wandern auf dem Steg
Lyngør Fyr
Ja, und ich habe es geschafft, für Euch einen kurzen Film hochzuladen. Leider können wir die Filme noch nicht bearbeiten und auch das Schneiden ist sehr mühsam am langsamen Notebook, aber: ich denke, es reicht für einen ersten Eindruck :-)
Risør
Von Risør machten wir uns frühnachmittags auf den langen Weg über Oslo nach Løten wo wir norwegische Homeschooler besuchen wollen.
Die Fahrt dauerte fünf Stunden, dabei passierten wir zahlreiche Mautstellen an denen die Norweger kräftig an uns verdienten. Wir haben uns keinen Autopass besorgt, werden aber an den Mautbrücken registriert. Die Rechnungen dürften sich deshalb daheim irgendwann im Briefkasten einfinden. Die ganzen Mautgebühren werden wohl für den vierspurigen Ausbau der E6 verwendet, dafür sprengen die Norweger ganze Berge weg, oder bohren neue Tunnel.
Geschlaucht durch die anstrengende Stop-and-Go-Fahrt in Oslo fanden wir nach einigem Suchen endlich unser Ziel. Mary empfing uns mit einer super leckeren Fischsuppe. Wir erzählten danach noch bis fast 11:00 Uhr, krochen in unsere Betten und verbrachten eine ruhige Waldnacht.
Übersichtsseite Norwegen Wohnmobil Roadtrip
Besuch bei Ricarda in Südnorwegen
Wieder lachte die Sonne, wir sprangen aus dem Mobil ans klare Wasser des Fjords. Die Jungs banden die GoPro an unseren Besenstiel und filmten die Unterwasserwelt. Das dauerte nicht lange und schon warfen sie größere Steine mit kräftigem Platschen ins Wasser. Am Notebook betrachteten wir die GoPro-Filme. Wir waren begeistert. Die hohe Auflösung und die Möglichkeit, das Ganze auch in Zeitlupe anzusehen, ist beeindruckend. Leider schafften wir es bis jetzt nicht, die Filme hochzuladen. Dazu fehlt uns momentan die schnelle Internetanbindung. Also irgendwann später!
Besuch bei unserer treusten Kommentatorin Ricarda
Mittags waren wir mit Ricarda verabredet. Ricarda schreibt seit ein paar Jahren fleißig Kommentare in unserem Blog. Sie ist mit dafür verantwortlich, dass ich mich auch in müden Momenten aufraffe, meinen Bericht noch zu schreiben, wofür ich ihr sehr dankbar bin! Jetzt freute ich mich darauf, sie persönlich kennen zu lernen. Ricarda holte uns an der lokalen Tankstelle ab und lotste uns zu ihrem Haus im Grünen.
Claudia, Ricardas Nichte, war auch gerade zu Besuch. Wir parkten unsere eckige Kiste im Garten, saßen anschließend zusammen und bekamen leckeren Fisch serviert. Danke Ricarda und Familie für die Gastfreundschaft und die angeregte Unterhaltung!
Für mich sind Ricarda und Michael die „perfekte Auswanderer Familie“. Die Entscheidung, nach Norwegen zu ziehen, war gut durchdacht. Für die beiden Söhne war es genau der richtige Zeitpunkt, einfach in die norwegische Schule einzusteigen. Ricarda und Michael waren so diszipliniert, Norwegisch schon in Deutschland zu erlernen, von da aus auch Arbeit und ein Haus zu suchen und dann erst nach Norden zu ziehen!
Esra beim Essen
Norwegen als Auswanderungsland
Doch warum ist Norwegen gerade bei Deutschen ein so beliebtes Auswandererland? In Deutschland wird das Leben immer stressiger. Auf der Arbeit wird mehr und mehr verlangt, oft bei weniger Gehalt, und das Gespenst der Arbeitslosigkeit schwebt über allem.
Entspannte Angestellte arbeiten effektiver, denken sich die Norweger. Michael musste sich erstmal daran gewöhnen, etwas stressfreier zu arbeiten. Wir hörten Ähnliches auch von anderen Auswanderern, die wir getroffen haben. Ein weiteres gutes Argument ist die großzügige Bezahlung der Arbeit. Während man sich in anderen Ländern gewaltig abmühen muss, geradeso die Lebenskosten zu verdienen, ist es in Norwegen mit einem Job leicht zu bewältigen. Und die Freizeit verbringt man dort, wo andere Menschen Urlaub machen. Es ist einfach traumhaft in Norwegen. Die Schärenküste im südlichen Landeteil sieht für mich fast aus wie eine Spielzeuglandschaft. Die roten und weissen Häuser zwischen den Felsen und in den Fjorden, klares blaues Wasser, und all die Boote dazwischen.
Die Reicherts und Papsts, mit Claudia aber ohne Florian – ja und ohne Gunter, der hat das Foto gemacht
Ricardas Webpage
Noch immer Internet
Bei Ricarda ging das Internet-Drama weiter. Gunter schaffte es, den englischen Internet-Stick freizuschalten und aktiv zu setzen. Jetzt fehlte nur noch das Geld zum Surfen. Dummerweise verweigerte das System die Bezahlung mit ausländischen Kreditkarten. Ricarda half uns mit ihrer norwegischen Karte aus. Eigentlich sollte es jetzt funktionieren, aber irgendwas verhindert immer noch die Verbindung. Nicht bei Ricarda, nicht etwa eine Stunde weiter östlich und nicht 120 km nördlich von Olso. Hmm, mal sehen, ob wir es irgendwann schaffen werden…
Internetzugang für Reisende
Es fiel uns nicht leicht, Lindesness zu verlassen – denn Lindesness ist einer dieser ganz besonderen magischen Orte. Doch wir brauchten eine Sim Karte für’s Telefon und eine Möglichkeit für’s Internet.
Spielerei mit dem Vollmond – Foto von Alex
Im Kristiansand kauften wir in einem Einkaufszentrum, welches wir mit Ricardas Hilfe sehr schnell fanden, einen Internetstick. Bisher bietet nur NetCom einen PrePaid Tarif an. Aber sebst da gibt es verschiedene Angebote. Eigentlich suchten wir den für 299 NOK für eine Woche 1GB. Doch der Laden bot nur einen für 399 NOK an. Wir kauften ihn, und testeten sofort. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Technik nicht immer auf Anhieb funktioniert. Leider behielten wir Recht. Wir steckten den Stick ein, installierten, stellten die Internetverbindung her und NICHTS passierte. Im Laden wurden wir von hier nach da geschickt, warteten, probierten aus, erklärten. Nein, auch die Leute dort fanden das Problem nicht. Stunde um Stunde verging. Wir sollten einen Wifi Verstärker kaufen um das Internet auf den Computer zu bringen. Doch 1500 NOK waren und zu viel. Wir gaben schließlich auf und das Gerät zurück, auch dafür warteten wir wieder mindestens eine Stunde.
In einem kleineren Laden waren alle NetCom Sticks ausverkauft, doch wir bekamen eine SimKarte, die wir allerdings nur zum Laufen bringen würden, wenn wir Internet hätten :-)
Die Internet Geschichte ist leider noch nicht abgeschlossen, doch für diesen Tag hatten wir die Nase voll.
Fünf Stunden hatte es gedauert, wir waren so hungrig und genervt.
Wir kauften schnell noch Brot und Käse ein, futterten direkt alles weg und fuhren dann aus der Stadt raus, um einen Platz für die Nacht zu suchen. An einem ruhigen Fjord, der Mond stand groß und strahlend über dem Wasser, liesen wir den Abend ausklingen.
Lindesnes, der südlichste Festland Leuchtturm Norwegens
Morgens luden wir unsere belgischen Rastplatz-Nachbarn zu einem Kaffee ein. Vater und Sohn hatten in ihrem kleinen PKW geschlafen und auch sie sahen ziemlich übernächtigt aus. Die beiden waren nachts um 4:00 Uhr nach über 30 Stunden Fahrt mit dem Cargoschiff angekommen.
Trotz Regenwetter entschieden wir uns, nach Lindesnes, dem südlichsten Festlandleuchtturm Norwegens zu fahren. Wir wissen, dass das Wetter an der Küste schnell wechseln kann, und hofften inständig darauf. Bereits auf der kurvigen Fahrt auf den engen Strassen sahen wir kleine Stückchen blauen Himmels. Am Leuchtturm angekommen schien die Sonne! Auf den Parkplatz angekommen sah ich mächtige Wellen im gleißenden Sonnenlicht auf die Felsen zurollen!
Lindesnes Leuchtturm
Lindesnes ist der einzige Leuchtturm, der auch nach der Automatisierung noch einen richtigen Leuchtturmwärter hat. Wir fanden Rolf Dybvik in der kleinen Galerie, wo er seine Aquarelle ausstellt. Die meisten seiner Bilder zeigen den Leuchtturm, den er seit 40 Jahren – fast sein ganzes Berufsleben lang, betreut. Lindesnes ist nicht nur der einzige Leuchtturm mit Wärter, er ist auch der einzige mit intaktem Nebelhorn. Rolf war sich nicht sicher, ob es der einzige in Norwegen, oder gar weltweit ist. An einem Wochenende im Juli ist Nebelhorntag, da können Touristen dem Nebelhorn lauschen – naja, sie versuchen eher, mit den Händen an die Ohren gepresst, ihre eignenen Gedanken noch zu hören.
Lindesnes Leuchtturm, Norwegen
Amy und Noah, Lindesnes Leuchtturm
Lindesnes Leuchtturm
Rolf Dybvik, der Leuchtturmwärter
Was macht ein Leuchtturmwärter heute
Im Jahr 1979 wurde der Leuchtturm automatisiert, seither änderte sich die Arbeit für Rolf. Er betreut jetzt die Wetterstation, die Ferienwohnungen, er ist Hausmeister und ist für die Technik des ganzen Komplexes verantwortlich. Der braungebrannte, wettergegerbte, Leuchtturmwärter kümmert sich auch um Probleme in Restaurant Fyrgryta. Das Telefon klingelt und er muss los, um die dortige Kühltruhe zu reparieren.
Wir erklimmen die Treppen zum Leuchtturm auf dem Hügel, der Wind bläst kräftig, wild und böig. Kein Wunder, dass sich die gestrige Fährfahrt so ruppig angefühlt hatte. Das Meer glich einem überkochenden Wassertopf. Es machte trotzdem Spaß zu fotografieren, auch wenn Langzeitbelichtungen sehr schwierig waren, der Sturm zerrte heftigst an den Stativen.
Taucher
Am Hafenanleger trafen wir eine Familie aus den Niederlanden. Sie kamen gerade von einer Tauchtour zurück, die Fotoausrüstung und Tauchutensilien lagen zum Trocknen auf dem Steg. Innerhalb weniger Minuten waren wir in ein intensives Gespräch vertieft. Wir teilen die Begeisterung für die Unterwasserwelt, auch, wenn ich nur „trockene Unterwasserfotografie“ betreibe! Mit strahlenden Augen betrachtete ich die Ausbeute an Unterwasserfotos, die die beiden Männer zurückgebracht hatten.
Taucher aus den Niederlanden
Gegen Nachmittag saßen wir zusammen mit Rolf im Restaurant, um noch mehr über den Leuchtturm und Rolfs interessantes Leben zu erfahren. Das Essen, Klippfisk, also Trockenfisch von den Lofoten, war vorzüglich. Gunters Augen und die der Jungs strahlten.
Kein „Tanz auf Rosen“
Rolf bemerkte, dass der Beruf des Leuchtturmwärters kein „Tanz auf den Rosen“ sei, wie viele Touristen denken. Der Job ist anspruchsvoll und vor allem 24/7. Rolf wohnt während der zwei Wochen ständiger Bereitschaft im Leuchtturmwärterhaus, dann ist er wieder für zwei Wochen daheim. Der Arbeitstag wird vom Wetter bestimmt, ist es zu stürmisch und nass, dann werden Wartungsarbeiten im Inneren gemacht. Sobald das Wetter wieder besser ist, arbeitet er im Freien. Dieses Leben führt zwangsläufig dazu, Ehrfurcht für die Natur zu empfinden. Rolf liebt das Meer so sehr, dass er während der Arbeit in Lindesnes vor Begeisterung kaum Schlaf findet. Irgendwie kann ich das gut nachvollziehen. Mir geht es ganz genauso, wenn wir am Meer unterwegs sind.
Früher war das Leben als Leuchtturmwärter wesentlich einsamer. Heutzutage werden die Häuschen der ehemaligen Assistenen des Wärters an Touristen vermietet, das bringt Abwechslung in den Alltag. Rolf ist sich sicher, dass die Umgebung nicht nur ihn positiv beeinflusst, fast alle Besucher sind freundlicht und guter Laune. Einzig, wenn es richtig stürmisch ist, findet er seinen Job sehr hart. Es passiert schon hin und wieder, dass Touristen das Meer und dessen Gewalt falsch einschätzen. Windgeschützt laufen die Leute den Hügel hoch, sie rechnen nicht mit hohen Wellen auf der Meerseite. So erzählte er traurig von den stressigen Zeiten, wenn unachtsame Touristen ins Meer gespült wurden. Manchmal gelingt die Rettung, doch leider nicht immer.
Rolf zeigt uns stolz seine Werkstatt – hunderte von Werkzeugen hingen in Reih und Glied, sauber und gut sortiert. Hier bearbeitet er alle Materialien von Holz bis zu Metall.
Gleich nebenan befindet sich sein Atelier – auf der Tür prangt das lebensgroße Portrait eines einbeinigen, bärtigen Leuchtturmwärters. Das hunderte Jahre alte Holzbein hängt an der Wand. Es wurde eines Tages am Strand angespült, nachdem der dazugehörende Wärter verschwand und nie wieder gesehen wurde. Doch sein Geist hatte Rolf besucht, und er trägt nun diese Geschichte in die Welt.
Das Holzbein
Rolf in der Werkstatt
Rolf mit seinen Blumen
Leuchtturmfotografie bei Tag und Nacht
Die nächsten beiden Tage waren der Fotografie vorbehalten. Tag und Nacht waren wir auf den Beinen. Reisefotografie- und Journalismus können auch ein sehr interessanter 24/7 Job sein:-)
Neben uns strand eine österreichische Familie mit ihrem VW Bus, wir schwätzten, wenn das Licht eher uninteressant war, und zwischendurch wanderten wir entlang der Küste nach Westen oder Osten. Südlicher geht es ja nicht.
Die Wellen knallten westlich des Leuchtturms am heftigsten an die Felsen. Ich mußte eine anstrengende Klettertour unternehmen, um die Wellen dramatisch auf die Speicherkarte zu bannen. Etwas mulmig war mir das schon, denn ich war allein unterwegs und es war gerade der Jahrestag meines Beinbruchs auf den Lofoten.
Am Abend liefen wir mit Alex den Hügel hinauf, dem wir eine ernsthafte Einführung in die Fotografie geben wollten. Das Licht war lange nicht mehr so dramatisch wie am ersten Abend, wo sich Regen und Sonne abwechselten und grandiose Lichtstimmungen im Sturm zauberten. Trotzdem gelangen uns einige klassische Abendstimmungen.
Zurück sicherte ich die Fotos doppelt auf Festplatten nur um direkt danach wieder loszuziehen. Die fast sternklare Nacht war ein ergreifendes Erlebnis. Die Wolken zogen rasant am Himmel dahin, verdeckten zeitweise den vollen Mond und gewährten ihm hie und da auch sein Licht über die Meereslandschaft zu ergießen. Der Leuchtturm sendet einen mehrteiligen eigenartig schmalen und recht gemächlichen Lichtstrahl über das Meer und die davorliegenden Felsen. Immer wieder hatte ich den Eindruck, es liefe jemand über die Felsen, es war nur der vorübergleitende Strahl des Turmfeuers. Wir waren allein in der Nacht.
Regen und Sonne am Lindesnes Leuchtturm
Wellen am morgen, Lindesnes
Lindesnes Leuchtturm
glückliche Gabi (Danke an Gabi M. für die Mütze!)
Nach 2:00 Uhr krochen wir müde, aber zufrieden ins Bett. Mein Wecker klingelte mich um kurz nach 6:00 Uhr wieder raus, damit ich das weiche Morgenlicht nicht verpasste. Noch müde kletterte ich vorsichtig über die Felsen zum Wasser hinunter, um einen dynamischen Blick auf den Hügel mit dem Leuchtturm zu erhaschen. Ich machte den Fehler mich hinterher wieder ins Bett zu legen. Träumte nur sehr wirres Zeug und wachte gerädert auf. Diese zwei Stunden mühsamen Schlaf hätte ich mir ersparen können.
Am Spätvormittag war es völlig windstill. Hundertausende kleiner Saugbiester nutzten das aus, um unser Blut zu saugen. Wir verzichteten deshalb weise auf längere Gespräche im Freien. Ein schwacher Wind reichte schon aus, die Plagegeister wieder zu vertreiben.
Lindesnes Lighthouse
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