Die Leuchttürme, die im Delius Kalender „Leuchttürme 2014“ erschienen in eigenen Beiträgen vorgestellt.
Wir bereisen mit Vorliebe die Küsten der Welt. Leuchttürme ziehen uns dabei natürlich in ihren Bann. Unser Blog wimmelt daher nur so von Leuchtturmfotos und -erlebnissen. Klick Dich am besten mal durch die Sammlung dieser Seiten, oder gehe durch die einzelnen Reiseberichte.
Im Delius Kalsing Verlag erscheint der „Leuchttürme 2014, Gabi Reichert 2014″
Beiträge
Wieder begrüßte uns früh morgens die Sonne! Ich hatte bewußt den Wecker nicht einmal ausgepackt, wollte einfach mal solange schlafen, bis ich von selbst wach würde. Ausschlafen! Aber selbst das klappt nicht mehr, ich werde kurz vor Sonnenaufgang wach.
Seit acht Wochen auf Tour und jeden mogen fotografisch unterwegs
Wir sind jetzt seit 8 Wochen unterwegs, ständig auf Tour, immer in der Natur unterwegs, mit Rucksack und Stativ, bis spät in die Nacht und früh am morgen. Ich hatte in dieser Zeit keinen einzigen Tag Pause und das merkte ich gerade! Eine große Müdigkeit und Schwere haftete auf mir! Normalerweise nutzen wir die Regentage zum Ausruhen! ABER außer dem ersten Tag auf der Isle of Skye gab es bisher keinen Regen!! Wahnsinn! Immer, wenn wir mit den Menschen hier sprechen, kommen wir zum Thema Wetter. Immer hören wir dann, dass das im moment völlig untypisch ist.Normalerweise stürmt es um die Zeit! Ja, deswegen wählte ich den Februar und März, weil ich einen wilden Winter sehen und fotografieren wollte! Hmm, ich beschwer mich jetzt besser nicht. Sonst schaukelt es uns auf der Fähre wieder wild herum.
Die Insel Burra, Shetland
Wir sind wieder auf einer kleinen Insel. Die Insel Burra im Westen Shetland ist seit den 70igern mit einer Brücke zum Mainland Shetland verbunden. In Westburra leben ungefähr 700 Leute, in Ostburra ca. 70. Das ist also gut überschaubar. Morgens lernte ich unseren Nachbarn, Magnus und seine Frau Betty, kennen. Er war 40 Jahre lang Fischer gewesen. „Wenn Du auf Burra aufgewachsen bist, hast du nur zwei Möglichkeiten: entweder du wirst Fischer, oder verlässt die Insel! Ich bin geblieben, verdiente viele Jahre lang als Fischer mein Geld und habe es nie bereut!“; meint mein netter Gesprächspartner. Das Inselleben änderte sich sehr durch den Bau der Brücke. Vorher war die Gemeinschaft stärker. Aber ein Tesco Supermarkt ist auch nicht schlecht, sind sich die beiden einig.
Wir wohnen also nicht mehr so isoliert, wie im Leuchtturm und das ist auch sehr nett.
Museum in Lerwick, Shetland
Das Museum in Lerwick stand lange auf der Regenwetter Liste, wir gaben auf. Jetzt schauten wir es einfach bei Sonnenschein an! Dass der Eintritt kostenlos ist, fanden wir klasse! Noah mochte vor allem die historische Abteilung, ich suchte alles übers Meer. Die Fresnellinse, die das Licht des Bressay Lighthouses verteilte, ist hier zu finden. Sie hat eine besondere Bedeutung für uns! Während ich so durch die Gänge lief, las, schaute und staunte, dachte ich, dass es doch sehr praktisch wäre, dass alles in Heftform schön übersichtlich mitnehmen zu können, damit ich daheim nachlesen und die Ereignisse besser in den zeitlichen Kontext bringen kann. An der Kasse fand ich genau dieses Heft für 2 Pfund! Ich freute mich, griff nach meinem Harris Tweed Portmonee und kaufte es. In Shetland gibt es fast keinen schönen Postkarten! Ein paar gibt es, vor allem mit Puffins, aber die gut gedruckten kosten alle 1,5 Pfund, was ich zu teuer finde.
Die Strände von Burra, Shetland
Es gibt zwei Strände auf Burra, einem statteten wir noch einen Besuch ab. Der weisse Sand reflektierte die grell strahlende Sonne, uff, das war vielleicht hell! Ohne Sonnenbrille sehr unangenehm. Der helle Sand brachte das Wasser zu Leuchten! So freundliche Farben findet man nur selten. Es machte Spaß zu fotografieren und in der warmen Sonne zu laufen.
Wir fuhren ins Nahe Cottage – es sind 15 km – von Lerwick nach Hamnavoe, wo wir wohnen. Wir wollten einmal vor Sonnenuntergang essen, jetzt, wo das ja noch eine Stunde später ist. Es gab wieder Stir Fry, das geliebte, gemischte Gemüse für die Pfanne!
Der Leuchtturm Fugla Ness, Shetland
Vom Haus aus kann man fast auf einen kleinen Leuchtturm blicken. Der liegt auf einer dem Hafen vorgelagterten Halbinsel. Wir liefen abends zusammen mit Esra dort hin. Anfangs geht es gemächlich auf weichen Wiesen. Zwischendurch liegen gewaltige Felsen in großen Haufen herum, da ist dann klettern und balancieren angesagt. Mit zwei Kameras rückten wir dem Leuchtturm im weichen abendlichen Licht auf die Pelle. Gunter eher von der Ferne, ich wieder mal ziemlich nah dran. In der Ferne lag Foula am Horizont. „The Edge of the World“ wie die Leute hier sagen. Gerne würde ich da hinfliegen, allein der Flug muß schon ein Abenteuer sein. Das werden wir beim nächsten Besuch unbedingt machen. All diese kleinen Inseln anschauen!
Kalenderseite zum Fugla Ness Leuchtturm, Shetland
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Eshaness ist bekannt für außergwöhnlich große Wellen und das über Shetland hinaus. Bisher hatten wir absolut keine Wellen sehen können. Müde dümpelte das Meer so vor sich hin. Nach dem gemütlichen Frühstück schaute ich beim spülen aus dem Fenster und in der Ferne konnte ich sie sehen! Große Wellen. Wo kamen die denn jetzt her? Wir haben keinen Sturm. Die müssen sich draußen auf dem Atlantik gebildet haben. Klasse!
Wie ein Musikstück näheren wir uns dem großen Finale
Ich sprang schnell in die Schuhe und lief ohne Jacke zu den Klippen, auch da tat sich was. Das Meer war weis vor Gischt, laut knallte das Wasser gegen die Felsen. Genial! Irgendwie kam es mir so vor, als spielte jemand ein Musikstück mit uns. Es fängt leise an, erst ein Instrument, dann das nächste und erst neimal spielt es langsam und leise. Jeden Tag kam bei uns ein Instrument dazu, erst die Klippen, der Leuchtturm, das Licht. Dann das Nordlicht, dann hohe Wellen und am Schluß noch Wolken mit dramatschem Licht und dann alles zusammen! Das große Finale! Ahh!
Treffen mit Michael, dem früheren Leuchtturmbesitzer
Ich schwätzte gerade mit einer Gruppe junger Leute aus ganz Europa, erzählte ihnen vom Nordlicht und auf was sie achten müssen, um es auch zu sehen, da sah ich Michael. Er hatte uns vor ein paar Tagen in den Leuchtturm gelassen. Natürlich wollte ich gerne nocheinmal mit ihm reden. Er kennt den Leuchtturm und die Region wie kaum jemand. Schließlich hatte er zwölf Jahre darin gewohnt. Ich lud ihn auf einen Tee ein und ich zeigte ihm ein paar der Leuchtturm Fotos. Er staunte auch über das Bild im Schneesturm. Michael hatte in den letzten Tagen versucht, den Kometen zu sehen, war aber nicht erfolgreich gewesen. Das Bild mit Leuchtturm, Nordlicht und Komet fand er daher auch super.
Gemeinsame Wanderung zum Grind o da Navir
Michael meinte, wir müßten unbedingt zum Grind o da Navir, das müsse man gesehen haben. Wie gewaltig dort das Meer wütet. Die Felsen, die dort hochgeworfen würden, wären absolut sehenswert.
Wir hatten sowieso vor dahin zu laufen, so begleiteten wir Michael auf der Wanderung. Michael ist über 70, er läuft mit einem Stock und trotzdem schien er uns davon zu schweben. Er war schnell und obwohl wir bereits fitter als noch vor ein paar Wochen waren, schien er müheloser vorranzukommen als wir.
Mir machte es sehr großen Spaß mit einem erfahrenen Füher zu laufen. Michael zeigte uns die Stellen, wo die Otter sich am Felsen reiben und wie Otterpoo aussieht. Ich hätte das nicht erkannt und auch nicht erwartet, dass die Otter hoch oben auf den steilsten Klippen klettern.
Die Urgewalt des Meeres ist hier eindrucksvoll zu spüren
Immer wieder drehte Michael mit seinem Stock Steine und Felsbrocken um. Wuchs Gras darunter, war das ein Zeichen, dass der Stein erst vor kurzem auf den oberen Rand der Klippen geworfen worden war! Und bedenkt: das Meer ist teilweise 50m unter uns und wir liefen gut 20-30m im Land! Hier in einem Sturm zu laufen ist lebensgefährlich! Nach unzähligen Gattern und Treppen, die wir überwinden mußten, erreichen wir die Stelle, wo das Meer am gewaltigsten hereinrauscht. Tonnenschwere Felsbrocken fliegen hier im Sturm umher. Weit im Land müssen wir einen Wall der aus ca. 50cm großen Felsenbrocken augetürmt ist, überwinden. Die wurden alle in den Stürmen hier abgeladen! Was für eine Kraft das Meer doch hat. Ich schaue mir die Strände, die wir erwandern, immer sehr genau an. Die Grenze der höchsten Flut ist meist gut erkennbar. Dort gibt es einen Absatz aus größeren Steinen oder einfach ein Absatz im Sand. Hier sind diese Dimensionen enorm. Weit im Land und auch auf dem Gras findet man große Felsbrocken.
Der Tag war für unsere Wanderung perfekt! Große, wilde Wellen rauschten und knallten. Wir kletterten auf den Felsen, fingen an zu fotografieren. Esra war mutig und wagte sich relativ weit nach vorne. Das gab ein gutes Motiv – als Größenvergleich hielt er her, unser Ältester. Michael blieb noch eine Stunde, dann verabschiedete er sich von uns. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag auf den Felsen und staunten. Die Sinfonie erreichte gerade das große Finale! Eine ganze Woche solcher Wellen hätten wir gar nicht ausgehalten. Dann hätte ich es nicht mal geschafft zu essen :-)
The Cannon, Eshaness
Es war spät, als wir im Leuchtturm ankamen. Wir ruhten uns ein wenig aus. Liefen aber bald wieder los, das durften wir nicht verpassen. Eigentlich war unser Plan gewesen, nochmal zum Grind o da Navir zu gehen. Doch auch die andere Richtung reizte uns. So liefen wir hinunter ans Meer. Das Finale war wohl noch nicht zu Ende.
Das Licht war super, die Sonne stand schräg und beschien die Felsen, die rot aufleuchteten. Hier in Eshaness gibt es einige Blowholes und dieses hier im Süden blies gerade, was es das Zeug hielt. Was für ein Spaß! Ich wollte das Schauspiel filmen, weil ein einzige Fotos diese Aufführung nicht zeigen kann! Gerade, als ich den Film gestartet hatte, lachte Gunter giggelnd vor sich hin. „Hihi“, ich schimpfte mit ihm, startete den Film nochmal neu. Und dann konnte ich es selbst kaum unterdrücken :-) Der Drache, wie wir – nur Noah war mit von der Partie – ihn schnell einstimmig nannten, blies schnaubend und er hörte auch nicht auf, als die Wellen längst weg war. Dann spuckte er noch zwei, drei mal hinterher. Es war wirklich lustig. Ich konnte schließlich das Giggeln auch nicht mehr unterdrücken.
Vor lauter Glück ist die Fotografin fast erfroren
Wir genossen den Abend sehr. Ich vergass mal wieder die Zeit und die Kälte, aber nicht lange. Der Wind blies ganz besonders biestig, bald zitterte ich am ganzen Körper. Vielleicht war das auch die Erschöpfung? Ich schaffte es mit Gunters Hilfe, zum Schutz gegen den Wind die Regenjacke über zu ziehen und bekam die schmerzhaft kalten Finger gerade noch in die wärmenden Handschuhe.
Warum Whisky in Schottland besonders gut schmeckt
Müde war ich und geschafft! Doch Esra wollte den wegen Nordlicht verpassten Abend nachholen. Ich lies mich überreden, ihn zum Wifi zu fahren. Nochmal 10km Fahrt und Kälte im Auto. Brrr! Doch die Freundin war nicht online. Ich fror tatsächlich wie ein Schneider, sehnte mich nach dem Sofa in der warmen Leuchtturmstube und einem Schluck Whisky! Mit dem Notebook auf dem Schoss verspannte ich mich, scharfe Messer bohrten sich in meinen Rücken, aua. „Esra! Ich will heim…“ Gefrustet stimmte er nach einer Stunde zu.
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Wie erwartet piepste mich der Wecker um 6:00 Uhr aus dem Bett. Ich ignorierte diesen nicht. Sprang, naja, schlüpfte in die Klamotten, die warmen, und lief los. Die Sonne versteckte sich hinter einer tiefhängenden Wolkenwand. Das machte mir erstmal nichts! Sie würde sicher bald warme Sonnenstrahlen in meine Richtung werfen, bis dahin fror ich halt. Der Schnee fror auch, er lag nämlich noch auf den dürren Grasflächen, nicht natürlich auf den Seen, dem Meer und den schwarzen Vulkanfelsen. So fleckig machte die Landschaft einen guten Eindruck auf mich. Ich mühte mich trotz allem fotografisch etwas ab. Wahrscheinlich war ich nach nur vier Stunden Schlaf noch nicht im Kreativmodus. Die Ruhe, nur von Vogelgezwitscher, nein eher Seevogelgemecker, unterbrochen, tat gut. In Bubenheim treibt mich der Fluglärm manchmal fast in die Verzweiflung – gerade aus diesem Grund ist es mir hier möglich, die Ruhe ganz bewußt wahr zu nehmen und zu genießen!

Die Schafe werden gefüttert – der Schnee war sehr lokal :-) ein paar hundert Meter von „daheim“ lag nichts mehr!
Ich lief die Küste hinunter, also nicht entlang der Klippen. Es war Flut und aus diesem Grund kein Tang zu sehen. Die Felsen waren rutschig, teilweise waren Rinnsale des kleinen Bachs gefroren. Wenn es hier eine Otterautobahn geben würde, jetzt war der Zeitpunkt, das herauszufinden! Otterspuren im Schnee sind unverwechselbar, ein Otter schleift den Bauch auf dem Boden. Ich kenne die Spuren aus Norwegen. Außer einem nicht so geheimen Schafstrampelpfad waren keine Spuren sichtbar. Schade! Zu gerne würde ich die Otter sehen und auch aufnehmen. Auf dem Rückweg fiel ich wieder auf die Seebarriere hinein. Von der flacheren Küste aus sieht man den Leuchtturm oben auf der Steilküste stehen, doch die Seen in der Senke sind erst zu sehen, wenn man davor steht. Und dann heißt es einen Umweg drum herum zu laufen.
„Daheim“ angekommen traf ich auf Gunter! Er hatte es auch aus dem warmen Bett geschafft, der Schnee lockte. Wir wanderten gemeinsam die Klippen entlang, beschäftigten uns noch ein paar Stunden kreativ. Fuhren nach Stennes, besuchten die Schafe auf der Straße, die zum Leuchtturm führt.
Auf einer Weide wurden die immer hungrigen Tiere gerade gefüttert. Hier werden die Schafe überall gefüttert. Auf der Isle of Lewis sahen wir das nicht. Da wurden sie nur hie und da und wesentlich weniger gefüttert. Die Gelegenheit war gut, ich parkte am Straßenrand und lief zur Weide. Gerade war der Heuballen ausgepackt, der Duft von frischem Heu hing schwer in der Luft. Der Schäfer, ein älterer Herr, kam grinsend auf mich zu. „Riecht gut, was?“ und wedelte mit der Hand vor der Nase. Der Gerucht hing auch ohne Windbewegung fast greifbar um uns herum. Das roch geradezu lecker. Ich konnte die Schafe verstehen. Die Tiere stürzten sich drauf, rissen gierig große Stücke aus dem Heu. „Das war der letzte Ballen für diesen Winter, ich hoffe, wir bekommen keinen Schnee mehr“ meinte mein Gesprächspartner. „Drei Tage würde der Ballen reichen. Das Gitter muß drum, sonst verteilen die Schafe in der Gier das gute Heu überall.“
Die morgendliche Tour tat gut. Das Licht ist morgens einfach wunderbar. Gunter war geschafft, es dauerte, bis ich ihn wieder raus bekam :-) Die Fotografie ist aber auch ziemlich anstrengend. Wir laufen mal hier und dann da, schleppen die Fotoausrüstung, die sperrigen Stative. Auch das Arbeiten mit der Kamera schlaucht nach ein paar Stunden. So war die Ruhe nötig.
Wir blieben diesmal in „unserer“ Region. Fuhren nur zum Kaffee und liefen dort zum Strand und den Klippen. Das war eine ruhige Wanderung, der Wind war zwar wieder kalt und Handschuhe von nöten. Es gab keine nennenswerten Wellen, daher war alles sehr gemächlich. Ich nenne das immer eine langsame Fotografie. Die Kids suchten im Strandgut, wir quatschten und philosophierten.
Wir beendeten den Abend mit einem grünen Flash!
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Nur ganz kurz, ich hänge hinter her…. Bekomme zur Zeit sehr wenig Schlaf!
Wir hatten gestern Nordlicht! Was für ein Erlebnis! Und heute fingen die Wellen an. In Leuchtturm sind wir tatsächlich am perfekten Ort! Nur Internet gibt es erst 10 km entfernt und ich arbeite im Auto sitzend und frierend.
Ein Bild vorab! Jetzt haben wir alles auf einmal: Nordlicht, der Komet und der Leuchtturm! Es wird noch besser, unglaublich!
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Das Auto blieb an diesem sonnigen Tag stehen. Morgens fotografierte ich mit Amanda, der Wohnmobil Nachbarin, die Vögel in den Felsen. Ich versuchte mich als Fotolehrer, was ausgezeichnet funktionierte. Bei den Erklärungen merkte ich, dass bei meiner Fotografie, die sich leicht anfühlt, doch sehr viel Erfahrung steckt. Amanda versuchte die Eissturmvögel im Flug aufzunehmen, doch sie klickte immer dann, wenn die Vögel direkt auf uns zuflogen. Ich beobachtete erst, studierte die Muster im Flugverhalten, hatte nach einer Weile einen guten Plan. Ich fotografierte die Vögel immer dann, wenn sie kurz innehielten um zu wenden. Sie taten das immer an den gleichen Stellen im Fels. Für mich und meine Schülerin war es also sehr lehrreich. Nach der Tour zogen wir mit eiskalten Fingern Richtung Leuchtturm. Die Männer kamen mit, wir berabeiteten die Fotos gleich gemeinsam um eine Auswertung des Gelernten zu machen. Wir Frauen saßen am Notebook, während die Männer angeregt schwätzten.
Küste bei Ebbe
Zum Abschied beschlossen wir uns nochmal zu treffen, wir sind ja noch zwei Wochen hier. Wir bekamen englisches Bier geschenkt.
Am Nachmittag zogen wir alle zusammen hinunter zu Küste. Die Sonne lachte, das Licht war nicht wirklich gut. Das Meereswasser hatte sich zur Ebbe hin verzogen, der Tang lugte aus dem seichten Wasser, leuchtete knallig gelborange in der Sonne. Wir versuchten diese Szene zu fotografieren. Kletterei war angesagt um nah an die Motive heranzukommen. Vorne war es erwartungsgemäß sehr glitschig, bei jedem Schritt war Vorsicht angesagt. Die Landschaft ist weit, der Blick zieht ständig über die Hügel und Seen zu den Klippen. Wir liefen immer Richtung Leuchtturm, der fast immer gut sichtbar auf der Höhe steht. Die Seen hingegen verstecken sich teilweise in den Senken. Sie lenkten uns wandermäßig zeitweise gewaltig ab.
Große Umwege waren nötig. Ich war wieder den ganzen Tag auf den Beinen gewesen. Jetzt kam aber erst das beste Licht, die Sonne schien schräg über die grasigen Hügel, das Licht wurde wärmer, der Wind kälter. So, wie der Abend zuvor, nämlich absolut windstill, war es heute nicht. Wir konnten also keine Spiegelungen aufnehmen. Liefen dafür weiter entlang der vulkanischen Eshaness Klippen. Das Meer, welches sich hier oft von der wildesten Seite zeigt, dümpelte fast wellenlos fünfzig Meter unterhalb der Steilküste vor sich hin! Unvorstellbar, dass die Steine, die oben auf den Klippen zu finden sind, von Wellen hochgeworfen wurden! Michael hatte uns davon erzählt. Der starke Sturm im Februar diesen Jahres hatte massenweise kleine Steine über den Leuchtturm geworfen. Der Hof mußte von zwei Männern von dieser schweren Last befreit werden.
Wanderung in Eshaness
Der Weg entlang des Cliffs kann anstrengend sein, der Leuchtturm schien nah, doch immer wieder gibt es tiefe Gräben, Einschnitte und eingefallene Höhlen, die umwandert werden müssen. Diese nennen sich Geo, tiefe Schluchten und Felsspalten. So tief, wie wir sie noch nie bisher gesehen haben!
Schneesturm über dem Leuchtturm – raus aus dem Bett
Abgeschafft und mit schweren Beinen, ausgekühlt vom eiskalten Wind, sanken wir müde in die Sofas. Bereits um 22:00 Uhr lag ich erschöpft und träge im warmen Bett. Draußen hörte ich ein lautes Rauschen, ob doch die Wellen stärker wurden? Ich schlummerte gerade ein, da kam Esra gelaufen. „Wir werden gerade von einem Schneesturm überfallen“, rief mein Ältester. „Der Schnee sieht im Licht des Leuchtturms genial aus!“ Ich sprang raus aus dem Bett, griff nach der Kamera und schoß mit noch müden Augen ein paar Aufnahmen aus dem Fenster. Wie ein Strahl aus einem Ufo (so, wie das in den Science Fiction Filmen immer dargestellt wird) zog ein großer, weißer Beam über die Landschaft. Cool! Ein richtiger Leuchtturm mit einem Strahl, so wie er immer in Gemälden gezeigt wird – oder wie bei dem Mailprogramm Netscape. Das Bild aus dem Fenster war genial! Ich sprang in den Norwegeranzug, zog die Crogs und Mütze über, griff das Stativ und lief los. Esra rannte mit einer Taschenlampe hinterher. Wir waren das perfekte Team. Ich experimentierte mit der Belichtungszeit, harmonierte die Aufnahmen mit dem Lichtstahl, denn in die Kamera sollte er nicht scheinen, Esra beleuchtete das Gebäude. Oft blieb ihm dazu wenig Zeit, deswegen wedelte er wild mit dem Licht herum. Von der Ferne, wenn überhaut sichtbar, muss das wie ein Laserschwerkampf ausgesehen haben.
Noch bis tief in die Nacht lud ich die Fotos runter, schaute sie staunend an. Sowas habe ich noch NIE gesehen, geschweige denn fotografiert! Mensch, war ich glücklich! Danke Esra!
Wie sieht ein Leuchtturm im Schneesturm aus?
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