Manchmal habe ich so ein Gefühl im Bauch, dass ich gewisse Orte unbedingt sehen muss. Bei unserer Radtour waren ja aufgrund der Enge im Zelt und dem Unwollen der Kinder, die Tour weiter zu fahren, ausgerechnet die äußeren der Aland Inseln außen vor geblieben. Doch gerade nach Kökar wollte ich unbedingt. Als ich im Büro von Visit Aland die Blogbeiträge hochlud, kamen wir ins Gespräch mit Annica – mich interessierte vor allem das Essen auf Aland. Hier gibt es traditionelles Brot, Alandbutter und -käse, Milch, Eier, Kartoffeln, Apfelsaft und sogar die Taffel Chips Fabrik. Diese Produkte schmecken natürlich besonders frisch, sie haben keine langen Wege hinter sich.

Regenwetter auf der Fähre

Regenwetter und Sonnenschein
„Ja, wenn uns Nahrungsmittel interessieren, dann müßten wir doch zur kleinen Insel Kökar fahren. Denn dort wird das Aland Schwarzbrot gebacken.“ meint Annica.
Diesmal planten wir die Tour mit dem Mobil und es war gut, die Fähren im Visitor Center zu buchen. Aus dem Fährplan, der überall herumliegt, wird man nicht schnell schlau. Einige Strecken müssen für das Mobil sowieso reserviert werden.
Und schon hatten wir einen neuen Plan!
Wir fahren mit dem Mobil nach Kökar
Das Wetter brachte uns jetzt nicht nur Wind, der auf Sturm drehte. Dicke, schwere Wolken hingen am Himmel und sie regnete mit dicken, schweren Tropfen auf uns herab. Gut, dass wir in Mariehamn waren. Wir bummelten ein wenig durch die Lädchen.
Am nächsten Tag ging es gegen Abend los, wir standen zu früh an und erwischten glücklicherweise eine frühere Fähre. Die Gebuchte muss man dann telefonisch absagen, damit dort der Platz nicht freigehalten wird. Trotz oder vielleicht wegen des wilden Wetters konnte ich mich nicht entscheiden zwischen dem Wifi im Schiff oder den kleinen Schäreninseln draußen im Wetter. Ich sprang also dauernd wieder vom warmen Sofa auf und rannte raus, um ein paar Fotos zu machen.

Sturm auf Kökar, ein altes Holzboot auf dem Campingplatz

Wo flache Felsen auf das Meer treffen, der Campingplatz von Kökar
Es gibt einen Campingplatz auf Kökar. Da wir früh waren fanden wir noch einen jungen Mann an der Rezeption an, was gut war, denn die Duschen sind zwar frei, man braucht jedoch einen Code. Außerdem erfuhren wir, dass die Sauna die normalerweise ab September inklusive ist, jetzt schon frei ist, da es so kalt und stürmisch ist.

Salon der Fähre

Gabi mal wieder mit der Kamera draußen im Wind
Erste Radtour im Sturm
Wir packten gleich die Räder aus, da im moment nur Feuchtigkeit aber kein Regen in der Luft hing. Die Kirche von Kökar ist nur einen Kilometer vom Campingplatz entfernt, dort waren wir schnell und warfen auch einen Blick auf das Meer, welches hier auf große, glatte Felsen trifft. Wir sahen den Startpunkt des Wanderwegs, den wir am nächsten Tag wandern wollten – es muss ein ganz besonders schöner Flecken sein.
Jetzt war es Zeit für die Sauna – ich ging allein, da meine Familie etwas träge war. Da saß ich denn, schwitzte mich Blick zum Meer und freute mich des Lebens. Zum Abkühlen lief ich in den Sturm auf die großen glatten Felsen, ins Wasser sprang ich nicht, das war mir zu wild.
Es stürmte und regnete die ganze Nacht. Ich dachte ständig an Sandra und Peter, die jetzt irgendwo auf einer kleinen Schäreninsel im Zelt liegen. Hoffentlich waren die beiden sicher!
Leider war es immer noch sehr trüb und stürmisch am nächsten Tag. Wir wollten trotzdem mit dem Rad zu Peders Apfelgard fahren, die Kids waren dagegen. Wir packten die Regensachen in eine Radtasche und radelten gegen den Sturm über die Insel.

Die Kirche von Käkar,

Heidekraut und Kirche von Kökar

Abendstimmung auf Kökar, Aland
Peders Apfelhof auf Kökar
Die Nacht hatte es ausgiebigst geregnet, aber in der Frühe ließ der Regen nach, nur der Wind blies weiter kalt und kräftig.
Wir machten die Fahrräder startklar und machten uns auf den Weg zu Peders Aplagård, der südlichsten Apfelplantage Finnlands. Anfangs schob uns der stürmische Wind Richtung Süden gewaltig an, aber schon kurze Zeit später mussten wir kräftig in die Pedale treten, damit wir überhaupt vorankamen.
Vorbei an Feldern, lichten Wäldchen und Wasserflächen, über schmale Holzbrücken und Schotterwege, erreichten wir trotz tiefhängender grauer Wolken die Boutique von Peders Apfelhof ohne Regendusche.

Vielfältiges Angebot bei Peder

Auf kleinen Schotterwegen unterwegs

Apfelplantage im Windschatten

Peder in seinem Hofladen

Gunters Fahrrad am Wegweiser
Peder, ein älterer, hagerer Mann war allein in seinem Verkaufsraum und empfing uns mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht.
Wir probierten einige seiner Apfelsaftkreationen, wie Apfel mit Stachelbeere, und diversen schwedischen Beeren, und Apfelgelee mit Chili, es schmeckte richtig lecker. Dabei erzählte er uns ein bißchen über seinen Apfelhof.
Seine 1200 Apfelbäume liegen gut vor dem Wind geschützt in einem Tal in der Nähe seines Hauses, für die Bewirtschaftung hat er sechs bis acht Saisonkräfte und Erntehelfer an der Hand. Neben seinem kreativen Sortiment an Apfelgetränken bietet er in seinem Hofladen auch lokales Kunsthandwerk und Lebensmittel an.
Seine Augen fingen so richtig zu leuchten an, als wir ihn auf die Tiertrophäen an den Wänden ansprachen. Peder outete sich als passionierter Jägersmann, der die herbstliche Elchjagd kaum erwarten kann. Fünfzehn Elche dürfen jedes Jahr auf Kökar geschossen werden, die sich die Jagdfreunde teilen. Stolz zeigte er uns weitere Elchgeweihe in einem Nebenraum, darunterstehend eine Batterie von Gefriertruhen, in denen die restlichen Teile der Elche auf ihren Verzehr warten.
Beladen mit einigen Proben von Peders Apfelerzeugnissen machten wir uns auf den Weg ins kalte, stürmische Wetter.
Der Regen hielt sich weiterhin zurück, da radelten wir noch schnell zum Kökar-Museum. Leider war die Saison vorbei und das Museum, ein Hofgut aus dem 19. Jahrhundert, war schon geschlossen, die Gebäude ließen sich nur von außen betrachten. Also gings gleich wieder gegen den Wind zurück nach Karlsby, dem „Zentrum“ der Insel.

Gabi mit Rad und schwerer Radfototasche „Marke Eigenbau“

Fahrräder auf dem Campingplatz
Wie und wer das typische Aland Brot backt dann morgen….
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Kaj Lundberg , der Crocodile Dundee Alands
Unser Campingplatz wirkte ganz anders in Bilderbuchwetter. Bei strahlendem Sonnenschein fotografierten wir die glatten, farblich strukturierten Felsen noch einmal und fuhren gegen Mittag Richtung Norden weiter.
Sauna und Dusche mit Aussicht auf Brandö
Kleine Bucht auf dem Campingplatz
Klapprige Scheunen auf Brandö
Am Fähranleger
Wir waren mit dem Crocodile Dundee Alands verabredet – Kaj Lundberg. Er ist hauptberuflich Fischer und kennt die Region um Jurmo, der nördlichsten Aland-Insel wie seine Westentasche. Wir waren neugierig auf das Treffen mit ihm. Per Telefon hatten wir uns am Fähranleger verabredet, er holte uns pünktlich mit seinem schnellen Boot dort ab. Der Wind blies immer noch kalt, so hüllten wir uns dick in warme Klamotten ein. Kaum hatten wir uns einander vorgestellt ging es auch schon los über das Wasser der Ostsee.
Ich unterhalte mich mit Kaj und Katri auf der kleinen Lotseninsel
Die wildere Nordseite der Insel
glatte, dunkle Felsen, gischtüberströmt
Die ehemalige Unterkunft des Lotsen
Die zerfallende Holzhütte von der anderen Seite
Aus dieser Perspektive bekommen wir ein anderes Bild des Aland Insel Archipels. Kleine Schäreninseln ziehen an uns vorbei, einzelne Felsen ragen aus dem Wasser. Überall Wald und kleine Hütten. Wir fahren weit hinaus, immer weiter. Schon lange haben wir keine Hütten mehr gesehen. Jetzt sind wir in der Natur. Katrin, die Freundin von Kaj steuert das neun Meter lange Boot. Kaj gibt immer wieder Anweisungen, in welche Richtung es weiter geht. Er orientiert sich ohne Seekarte. Kaj ist auf Jurmo geboren, er kennt jeden Fels, jede Untiefe.
Vor einer kleinen Lotsenstation drosselt er die Geschwindigkeit und wir legen an. Laufen auf einem Trampelpfad über die Insel, wo am nördlichen Teil immer noch hohe Wellen auf die Schärenfelsen knallen. Vor drei Tagen meint Kaj waren die Wellen hier einige Meter hoch. Da war er mit einer Schulklasse hier.
Wir dürfen eine Stunde diesen wilden Teil der Insel erkunden und fotografieren. Die beiden Wildnisexperten gehen zurück zum Boot, sie wollen etwas zum Essen vorbereiten. „Bis zum nächsten Sommer“, meint er noch lachend, als sie losziehen.
Ich genieße die Wellen, das Geräusch des bewegten Wassers.
auf der Insel
Moos, Granit und Gras
Kaj filetiert den Fisch
Katri paniert die grätenbefreiten Filets
frische leckere Alandische Bratkartoffeln
In der Natur schmeckt es umso besser, Lecker!
In der Natur schmeckt es umso besser, Lecker!
Ein Kaffee nach dem Essen
Da fliegt ein Kormoran, auch eine Delikatesse, lecker
Das Holzhaus des Lotsen wird schon lange nicht mehr genutzt und zerfällt. Da alles aus Naturstoffen erbaut ist, integriert es sich gut in die Landschaft. Noch ein paar Jahre und es wird überwuchert sein.
Eine leckere Mahlzeit in der Natur
Zurück am Boot sind Kaj und Katri schon am kochen. Es gibt Bratkartoffeln mit frischem Fisch. Kaj filetiert gekonnt ca. 15 Rotfedern. Eigentlich ist das ein extrem grätenreicher Fisch, er schafft es, dass in keinem der Filets auch nur eine einzige zu finden ist. Das Essen weit draußen in der Natur ist unglaublich schmackhaft. Wir verputzen zwei große Pfannen voller Kartoffeln und Fisch.
Als Abschluss gibt es noch Kaffee, und wir schauen uns das Innere des kleinen Holzhüttchen am Anleger an. Hätten nicht damit gerechnet, dass da etwas drinnen ist. Doch es ist eingerichtet mit zwei Betten und allem, was man zum Überleben braucht. Alleingelassen hätten wir wenigstens ein Dach über dem Kopf gehabt.
Die Chance mit einem Fischer, der noch dazu hier geboren ist, zu schwätzen, nutzten wir natürlich aus. „Wie ist es hier, im Winter?“
„Das Leben ist hart hier im Norden“ meint Kaj, „aber auch richtig gut. Ich essen fast jeden Tag frischen Fisch, wir bauen unsere eigenen Kartoffeln an, zusammen mit meinem Bruder habe ich etwa 50 Highland Rinder auf Jurmo“. Auch Katri, die von der Stadt hergezogen ist, fühlt sich sehr wohl. Sie meint: „jetzt haben wir auch noch Hühner und müssen keine Eier mehr kaufen“ Auch sie genießt die Ruhe auf den Alandinseln.
Da Kaj andauernd vom Leben als Fischer schwärmt, vor allem vom Licht in den frühen Morgenstunden, von der Ruhe allein auf dem Meer und dem Leben im Einklang mit der Natur, werfe ich ein, dass das doch super Fotos geben müsste – vom Fischer, morgens um 5:00 Uhr allein auf dem Meer. Kaum hatte ich das ausgesprochen, da zückte er sein Handy. „Das Wetter ist morgen gut, der Wind läßt nach. Also, morgen um 5:15 Uhr?“ Meine Augen strahlen, „ja, super, da freue ich mich drauf!“
Abendstimung in Jurmo
Bootshäuser von Jurmo
Die Jurmo Fähre, Pause bis zum nächsten Tag
„Besser, ihr übernachtet auf Jurmo. Die Fähre legt gleich ab.“ Wir springen schnell ins Womo und fahren auf die kleine Fähre. Zehn Minuten später auf Jurmo, finden wir 200 m hinter dem Fähranleger einen öffentlichen Badestrand mit Plumpsklo, dort stellen wir uns direkt neben Kajs Bootshaus hin. Ich lege mich früh ins Bett, schaue trotzdem nachts noch nach den Sternen und dem Nordlicht (es kam leider keines!).
Die Insel Jurmo
Die Insel Jurmo ist bekannt für die Highland Rinder. Kaj meinte, dass diese Rasse sich am besten für Jurmo eignet, weil sie auch in dicht bewachsenem Gelände bewegen und dieses wieder zugängig machen. Auf der Insel leben 25 Leute und ca. 50 Highland Rinder. Der kleine Laden hat nur im Sommer geöffnet, im Winter müssen die Menschen die Fähre zur etwas bewohnteren Insel Brandö nehmen um Einkaufen zu können. Die wenigen Schulkinder von Jurmo nehmen morgens die Fähre nach Brandö und werden dort vom Taxi abgeholt und zur Schule gefahren.
Jurmo Highland Rind
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Ein Elch in der Nacht
Nur kurz vorab ein Foto von gestern nacht. Vor dem Hotel und Restaurant in Havs Vidden steht dieser Elch, die Nacht war wieder sternenklar, ein Hauch von Nordlicht hing im Norden. Die Elch Skulptur, die als Hochsitz oder Aussichtsturm dient ist von dem Künstler JUHA PYKÄLÄINEN
Das Foto ist aus ca. 40 Einzelaufnahmen entstanden. Die Beleuchtung vor der Skulptur machte eine einzelne 15 Minuten lange Aufnahme unmöglich.
Bald meer…
Elch und Sterne, Havs Vidden
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Fährfahrten durchs Archipel der Aland Inseln – Brandö
Mein Wecker war zuverlässig, er piepste mich vor 6:00 Uhr aus dem Schlaf. Wir frühstückten nicht, sonder fuhren direkt zum Fähranleger. Noch immer hingen schwere Wolken am Himmel, auf dem Meer zeigten sich weiße Wellenkämme. Die Fährfahrt war trotzdem halbwegs ruhig.
Sonnenaufgang auf dem Meer
Die Sonne kam hinter dem Horizont hervor, glücklicherweise hatten wir diesmal die kleine GoPro an das Geländer geklemmt. Es lohnte sich. Wir fuhren einige kleine Häfen an. Auf Föglö verließen wir die Fähre, rückwärts, was mir nicht so gut gefiel. Anscheinend war der Anleger in Överö defekt, denn drei Angestellte der Fähre mühten sich mit diversen Holzkeilen darum, den großen Höhenunterschied zu mindern. Aber kaum waren wir mit den Hinterrädern drüber, da sprangen die Keile weg und ich bremste geistesgegenwärtig. Endlich waren wir wieder sicher auf festem Boden.
Sonnenaufgang auf der Fähre
Sonnenaufgang auf der Fähre
Sonnenaufgang auf der Fähre
Den Zeitraffer Film der Fährfahrt findet ihr hier!
Vier Inseln, drei Fähren
Da wir beim Radeln vor einigen Tagen den Hauptort von Föglö nur flüchtig angesehen hatten, holten wir das jetzt nach. Im Lädchen kauften wir Milch und frühstückten gemütlich. Dann fuhren wir die 10 km zum Fähranleger wieder hoch. Hmm, da stand nun eine ziemlich kleine, offene Fähre, die Auffahrtrampe passte immer noch nicht. Wieder wurden Keile gelegt, doch diesmal durfte ich wenigstens vorwärts drauffahren. Die Fähre sackte etwas ab, als wir mit den Vorderrädern draufstanden und wieder sprangen die Keile weg. Aber diesmal war ich darauf vorbereitet.
Boot im Wind
Wellen in der Nähe des Fähranlegers
provisorische Rampe
Wohnmobil und LKW auf der Fähre – der LKW wird gerade angebunden!
Aland Flagge
Leuchttürmchen
Hinter uns fuhr ein großer LKW auf das Deck, da auch das gleiche Spiel mit den Holzkeilen. Dann wurde der Lastwagen auch noch angebunden. Wir nicht. Die Fahrt war ruhig, bis wir quer zur Insel Kumlinge fuhren. Dann fing es heftig an zu schaukeln. Wir saßen im Wagen und hofften, dass der LKW uns nicht nach vorne schieben und ins Meer schubsen würde. Naja, so schlimm wars dann doch nicht. Das Herunterfahren war einfach, anscheinend war nur die Överö Anlegestelle defekt gewesen.
Brandö
Wir durchquerten Kumlinge, genau wie damals mit dem Fahrrad, und nahmen dann am nördlichen Ende die nächste Fähre, die uns nach Brandö bringen würde. Diese Fährfahrt war ruhig und angenehm, wir saßen im warmen Salon und nutzten das Internet. Hier fuhren wir vorwärts drauf und auch wieder runter, alles ohne Holzkeile.
Auf Brandö suchten wir dann erstmal einen Campingplatz. Der in der Karte eingezeichnete war ziemlich langweilig auf einer schattigen Wiese an der Durchgangsstraße, ohne Zugang zum Wasser. Ein Schild wies den Weg zu einen weiteren Campingplatz in Fiskötorpet, ganz abseits der Hauptroute.
Über kleine, holprige Feldwege kamen wir schließlich an eine Gabelung, eine Frau wies uns die korrekte Abbiegung. Sie war auch die Besitzerin des Campingplatzes. Wir staunten über den hohen Preis von 31 Euro. (Bisher lagen die Preise für vier Leute zwischen 19 und 24 Euro). Doch staunten wir noch viel mehr, als wir merkten, dass es keine Küche gab. Es gab auch kein Trinkwasser und nur ein kleines, ziemlich gefülltes Plumpsklo, dafür aber zwei Saunen.
Amy und Noah auf dem Badesteg
kleine Wellen, Felsen und Wolken
Sauna mit Aussicht
Felsen und Weite
Eine Sauna wurde gerade mit einem wohlriechenden Holzfeuer aufgeheizt. Ich bekam Lust auf eine Schwitztour, doch die Sauna würde nochmal 15 Euro extra kosten, da nur ich und Amy Saunalust hatten, lohnte es sich nicht.
Die Lage war dafür jedoch Klasse und ruhig war es auch. Außer uns gab es keine Camper, nur eine Gruppe Finnen in der Sauna. Und die waren nach einer Stunde wieder weg. Als Dusche diente die Saunadusche, die ich hier erwähnen möchte, weil sie einen Panoramablick über das Meer bot. Abzuschließen war die Dusche nicht, durch das große Fenster konnte ja jeder sehen, dass geduscht wird. Ich nutzte diese Gelegenheit und schaute tatsächlich während ich mir die Haare einschäumte hinaus aufs Meer. Ein solche Erlebnis hatte ich bisher noch nie…
Wir fanden den Platz insgesamt OK, nur der hohe Preis war nicht angemessen und trübte den Spaß. Wenn erst einmal ein Servicegebäude mit Küche fertig ist, ist Fiskötorpet Camping sicher empfehlenswert.
Wir erfuhren noch, dass die Umbauarbeiten des Campingplatzes ins Stocken geraten waren, als im Mai diesen Jahres das Haus der Eheleute abgebrannt war.
Die Wolken hingen nach wie vor schwer am Himmel. Ich fotografierte abends ausgiebig mit Hilfe des Statives und machte Langzeitaufnahmen.
Die Nacht war extrem ruhig, der Wind hatte sich gelegt, es regnete nicht. Ach, wie erholsam ist dann der Schlaf. Morgens weckte uns die Sonne am strahlend blauen Himmel und die Welt sah wieder ganz freundlich aus.
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Alandisches Schwarzbrot – Lebensqualität und Inselleben
Der Sturm war heftig und die Regenwolken hing tief. Trotzdem fuhren wir den ganzen Tag mit dem Rad über die kleine Insel Kökar. Die Straße ist stark gewunden und schlängelt sich über die Insel. Deswegen weht der Wind nie lange ins Gesicht, es wechselt dauernd zwischen Anschieben und Abbremsen. Manchmal schaffte ich Innerorts fast 50 km, so schnell wurde ich angeschoben.
Casper und Susanna
Gegen 15:00 Uhr waren wir mit Casper und Susanna im Café der Bäckerei verabredet. Wir wollten alles über das Aland Brot, das Skargardsbröd erfahren.
Das schwarze Brot war uns zuerst bei Sandra und Peter aufgefallen, dann sahen wir es bei Heidrun und Eberhard. Natürlich versuchten wir es auch, es schmeckt süßlich und nach Malz, hat einen eigenwilligen, herzhaften Geschmack. Wir mögen es vor allem mit Marmelade, es schmeckt aber auch mit Käse oder Wurst.
Dass Aland ein eigenes Brot hat fand ich ja schon interessant, dass es ausgerechnet auf der kleinen, abgelegenen Insel Kökar gebacken wird, verwunderte mich schon sehr. Aber jetzt kam es noch viel besser!
Casper und Susanna in ihrem Cafe
Es geht nicht nur um Brot – es geht um Lebensqualität
Casper und Susanna hießen uns wilkommen. „Soll ich die kurze oder lange Geschichte erzählen?“ fragte er. „Wir haben Zeit, wie es Dir am besten passt“, unsere Antwort.
„Wir sind seit vierzehn Jahren verheiratet“ fängt er an. Es geht ihm vor allem um Lebensqualität. Die beiden lebten in Helsinki und auch drei Jahre lang in Paris. Die Hektik und Anonymität des Stadtlebens zehrte langsam an ihren Nerven. Susanna ist Halbbrasilianerin, sie lebte auch in Brasilien. Eigentlich mag sie die Kälte des Nordens überhaupt nicht – deswegen ist sie in der Backstube gut aufgehoben, dort ist es immer schön warm.
Er fängt als Insel Taxifahrer an
Es war Casper, der auf die Idee kam, von der Stadt auf eine kleine Insel zu ziehen. Susanna fand das erstmal nicht gut. Auf Kökar wurde ein Taxi Fahrer gesucht. Viel gibt es nicht zu tun, aber man muss immer bereit sein. 24 Stunden jeden Tag. Auf einer kleinen Insel ist ein Taxi extrem wichtig – die Senioren brauchen einen Beförderungsdienst, die Kinder werden mit dem Taxi zur Schule gebracht – für einen Bus reicht die Kinderzahl nicht aus.
Dann geht alles ganz schnell
An einem richtig kalten Januartag schauten sich Casper und Susanna die Insel an. Es brauchte nur den einen Tag und Susanna war auch überzeugt, dass das die Insel war, wo auch sie leben wollte. Die Leute, die Ruhe und die Natur – ja, hier wollten die beiden hin. Susanna wurde direkt eine Arbeit im Kindergarten angeboten. Nur EINE Woche später luden sie den Umzugswagen voll.
Die moderne Infrastruktur der kleinen Insel überzeugt auch: es gibt einen Süßwassersee, der frisches, gutes Wasser liefert, dazu das entsprechende Abwassermanagement, und es gibt modernes, superschnelles Internet, welches die Inselbewohner mit dem Rest der Welt verbindet. Susanna meint, da kann man in langen Winternächten wunderbar shoppen, wenn man es denn dennoch vermissen sollte!
So fing Casper als Insel Taxi Fahrer an.
Eine Bäckerei als Gemeinde Projekt
Um die Weihnachtszeit las er in der Facebookgruppe der Insel einen Beitrag, wo jemand für eine Geschäftsidee auf Kökar gesucht wurde. Außer einer Telefonnummer gab es nicht viel mehr Info. Casper rief nach kurzem Zögern an. Einer der Brüder, die seit 30 Jahren das Aland Schwarzbrot gebacken hatten, war erstaunt: er hätte nicht damit gerechnet, dass sich jemand melden würde. Jetzt erfuhr Casper um was es ging. Die beiden Karlsson Brüder wollten gern in Rente gehen und suchten einen Nachfolger. Das Vertrauen mussten sich Casper und Susanna erst erarbeiten, doch sie blieben dran. Zeigten Interesse, waren lernfähig und wurden schließlich in die Geheimnisse des Schwarzbrotbackens eingeführt. Schon im Februar war alles bereit: Casper und Susanna übernahmen die Rechte und das Rezept. Im März fingen sie an, die Bäckerei aufzubauen, im Mai war sie fertig und das erste Brot konnte gebacken werden. Die ganze Gemeinde arbeitete zusammen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Bäckerei hat einen großen Raum, der als Cafe eigerichtet ist. Es soll als Treffpunkt für die Inselbewohner dienen, die es jetzt schon gerne annehmen. Die Cafeteria wurde am 1. Juli eröffnet.
Susanna holt das Brot aus dem Ofen
Ein Stanzer für die typischen Löcher im Brot
Das Brot wird in diesem Containern gebacken
Casper führt uns durch die Bäckerei
Im Juli buken die beiden „Neubäcker“ 13000 Schwarzbrote!
Casper erzählt begeistert, dass das nicht nur Schwarzbrot ist. Für ihn steht das Brot als Symbol dafür, dass alles möglich ist. Die Lebensqualität auf einer kleinen Insel, ein erfolgreiches Unternehmen, welches Tradition und Fortschritt verbindet. Er hat bereits neue Ideen, wie das typische Alandbrot vermarktet werden kann. Dank Internet steht ihnen die Welt offen.
Das Leben auf der Insel bekommt den Eheleuten gut. Casper meint, dass es nun mehr in Wellen verläuft. Der Kontrast sei stärker. Wenn ihnen die Einsamkeit zu viel wird, fahren sie für ein paar Tage nach Paris. Danach genießen sie das ruhige Inselleben wieder umso mehr. Man schätzt einige Dinge einfach viel mehr, und das steigert den Genuß. Wir können das aufgrund der Erlebnisse von langen Reisen im Mobil auch nur bestätigen.
Die Geschichte von Casper und Susanna macht Mut, selbst auch etwas zu wagen im Leben!
Ach ja, das Rezept für das Aland Schwarzbrot ist kein Geheimnis. Da gibt es sogar Postkarten wo es draufsteht. Na, wer will eine? Meldet euch per Kommentar.
Hier die Webpage von Casper & Susanna.
Fahrradfahren im Sturm macht Spaß
Im Sturm traten wir kräftig in die Pedale, wieder zurück zum Wohnmobil – und obwohl die Insel so klein ist, haben wir 35 km auf dem Tacho. Kaum sind wir im Mobil, klatscht wieder Regen geräuschvoll aufs Dach. Fast sofort werden wir schwer und müde. Die Wanderung entlang der Küste wollten wir unbedingt machen, doch das Wetter spielte leider nicht mit, äußerst schade!
Ich fotografierte später am Abend den Sturm. Die glatten, flachen Felsen auf dem Campingplatz und das alte Holzboot sind reizvolle Motive. Einen Saunagang schaffe ich dann sogar noch. zusammen mit Amy, und dann schlüpfen wir relativ früh ins Bett.
Wir wollten die 6:00 Uhr Fähre am nächsten Morgen nehmen – die sollten wir nicht verschlafen.
Am Museum
Am Museum
Die Insel Kökar
Manchmal habe ich so ein Gefühl im Bauch, dass ich gewisse Orte unbedingt sehen muss. Bei unserer Radtour waren ja aufgrund der Enge im Zelt und dem Unwollen der Kinder, die Tour weiter zu fahren, ausgerechnet die äußeren der Aland Inseln außen vor geblieben. Doch gerade nach Kökar wollte ich unbedingt. Als ich im Büro von Visit Aland die Blogbeiträge hochlud, kamen wir ins Gespräch mit Annica – mich interessierte vor allem das Essen auf Aland. Hier gibt es traditionelles Brot, Alandbutter und -käse, Milch, Eier, Kartoffeln, Apfelsaft und sogar die Taffel Chips Fabrik. Diese Produkte schmecken natürlich besonders frisch, sie haben keine langen Wege hinter sich.
Regenwetter auf der Fähre
Regenwetter und Sonnenschein
„Ja, wenn uns Nahrungsmittel interessieren, dann müßten wir doch zur kleinen Insel Kökar fahren. Denn dort wird das Aland Schwarzbrot gebacken.“ meint Annica.
Diesmal planten wir die Tour mit dem Mobil und es war gut, die Fähren im Visitor Center zu buchen. Aus dem Fährplan, der überall herumliegt, wird man nicht schnell schlau. Einige Strecken müssen für das Mobil sowieso reserviert werden.
Und schon hatten wir einen neuen Plan!
Wir fahren mit dem Mobil nach Kökar
Das Wetter brachte uns jetzt nicht nur Wind, der auf Sturm drehte. Dicke, schwere Wolken hingen am Himmel und sie regnete mit dicken, schweren Tropfen auf uns herab. Gut, dass wir in Mariehamn waren. Wir bummelten ein wenig durch die Lädchen.
Am nächsten Tag ging es gegen Abend los, wir standen zu früh an und erwischten glücklicherweise eine frühere Fähre. Die Gebuchte muss man dann telefonisch absagen, damit dort der Platz nicht freigehalten wird. Trotz oder vielleicht wegen des wilden Wetters konnte ich mich nicht entscheiden zwischen dem Wifi im Schiff oder den kleinen Schäreninseln draußen im Wetter. Ich sprang also dauernd wieder vom warmen Sofa auf und rannte raus, um ein paar Fotos zu machen.
Sturm auf Kökar, ein altes Holzboot auf dem Campingplatz
Wo flache Felsen auf das Meer treffen, der Campingplatz von Kökar
Es gibt einen Campingplatz auf Kökar. Da wir früh waren fanden wir noch einen jungen Mann an der Rezeption an, was gut war, denn die Duschen sind zwar frei, man braucht jedoch einen Code. Außerdem erfuhren wir, dass die Sauna die normalerweise ab September inklusive ist, jetzt schon frei ist, da es so kalt und stürmisch ist.
Salon der Fähre
Gabi mal wieder mit der Kamera draußen im Wind
Erste Radtour im Sturm
Wir packten gleich die Räder aus, da im moment nur Feuchtigkeit aber kein Regen in der Luft hing. Die Kirche von Kökar ist nur einen Kilometer vom Campingplatz entfernt, dort waren wir schnell und warfen auch einen Blick auf das Meer, welches hier auf große, glatte Felsen trifft. Wir sahen den Startpunkt des Wanderwegs, den wir am nächsten Tag wandern wollten – es muss ein ganz besonders schöner Flecken sein.
Jetzt war es Zeit für die Sauna – ich ging allein, da meine Familie etwas träge war. Da saß ich denn, schwitzte mich Blick zum Meer und freute mich des Lebens. Zum Abkühlen lief ich in den Sturm auf die großen glatten Felsen, ins Wasser sprang ich nicht, das war mir zu wild.
Es stürmte und regnete die ganze Nacht. Ich dachte ständig an Sandra und Peter, die jetzt irgendwo auf einer kleinen Schäreninsel im Zelt liegen. Hoffentlich waren die beiden sicher!
Leider war es immer noch sehr trüb und stürmisch am nächsten Tag. Wir wollten trotzdem mit dem Rad zu Peders Apfelgard fahren, die Kids waren dagegen. Wir packten die Regensachen in eine Radtasche und radelten gegen den Sturm über die Insel.
Die Kirche von Käkar,
Heidekraut und Kirche von Kökar
Abendstimmung auf Kökar, Aland
Peders Apfelhof auf Kökar
Die Nacht hatte es ausgiebigst geregnet, aber in der Frühe ließ der Regen nach, nur der Wind blies weiter kalt und kräftig.
Wir machten die Fahrräder startklar und machten uns auf den Weg zu Peders Aplagård, der südlichsten Apfelplantage Finnlands. Anfangs schob uns der stürmische Wind Richtung Süden gewaltig an, aber schon kurze Zeit später mussten wir kräftig in die Pedale treten, damit wir überhaupt vorankamen.
Vorbei an Feldern, lichten Wäldchen und Wasserflächen, über schmale Holzbrücken und Schotterwege, erreichten wir trotz tiefhängender grauer Wolken die Boutique von Peders Apfelhof ohne Regendusche.
Vielfältiges Angebot bei Peder
Auf kleinen Schotterwegen unterwegs
Apfelplantage im Windschatten
Peder in seinem Hofladen
Gunters Fahrrad am Wegweiser
Peder, ein älterer, hagerer Mann war allein in seinem Verkaufsraum und empfing uns mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht.
Wir probierten einige seiner Apfelsaftkreationen, wie Apfel mit Stachelbeere, und diversen schwedischen Beeren, und Apfelgelee mit Chili, es schmeckte richtig lecker. Dabei erzählte er uns ein bißchen über seinen Apfelhof.
Seine 1200 Apfelbäume liegen gut vor dem Wind geschützt in einem Tal in der Nähe seines Hauses, für die Bewirtschaftung hat er sechs bis acht Saisonkräfte und Erntehelfer an der Hand. Neben seinem kreativen Sortiment an Apfelgetränken bietet er in seinem Hofladen auch lokales Kunsthandwerk und Lebensmittel an.
Seine Augen fingen so richtig zu leuchten an, als wir ihn auf die Tiertrophäen an den Wänden ansprachen. Peder outete sich als passionierter Jägersmann, der die herbstliche Elchjagd kaum erwarten kann. Fünfzehn Elche dürfen jedes Jahr auf Kökar geschossen werden, die sich die Jagdfreunde teilen. Stolz zeigte er uns weitere Elchgeweihe in einem Nebenraum, darunterstehend eine Batterie von Gefriertruhen, in denen die restlichen Teile der Elche auf ihren Verzehr warten.
Beladen mit einigen Proben von Peders Apfelerzeugnissen machten wir uns auf den Weg ins kalte, stürmische Wetter.
Der Regen hielt sich weiterhin zurück, da radelten wir noch schnell zum Kökar-Museum. Leider war die Saison vorbei und das Museum, ein Hofgut aus dem 19. Jahrhundert, war schon geschlossen, die Gebäude ließen sich nur von außen betrachten. Also gings gleich wieder gegen den Wind zurück nach Karlsby, dem „Zentrum“ der Insel.
Gabi mit Rad und schwerer Radfototasche „Marke Eigenbau“
Fahrräder auf dem Campingplatz
Wie und wer das typische Aland Brot backt dann morgen….
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Fährfahrt von Kökar nach Föglö -Zeitrafferfilm