Vor einigen Tagen hatte ich bei verschiedenen Leuten nachgefragt, wer sich am besten mit Shetland Ponies auskennt. So fand ich eine Email-Adresse heraus, schrieb gleich darauf die Email, und June antwortete direkt. Wir mailten ein paar Mal hin und her, und telefonierten auch. Die Gespräche mit June waren herzerfrischend einfach und direkt, das tat mir richtig gut. Aus June sprüht die Begeisterung, nicht nur für die Ponies, sondern für das Leben. In ihrem sympatischen, typisch shetländischen Akzent schwappt diese Passion dirket in mein Ohr und durchströmt meinen ganzen Körper. Nach jedem Gespräch hatte ich ein fröhliches Grinsen auf dem Gesicht. Natürlich freue ich mich jetzt ganz besonders drauf, sie und ihre Ponies persönlich kennen zu lernen.
Wie schon seit Tagen lacht die Sonne wieder über die weite shetländische Landschaft. Trotz der Freude auf die Ponies verlassen wir an diesem Tag unseren Leuchtturm in Eshaness nur sehr ungern, vor allem wegen der wilden Wellen, die sich mit Urgewalt gegen die Klippen werfen. Der Schlafmangel der letzten Nächte hat einen nagenden Kopfschmerz hinterlassen, sehr konzentriert bin ich leider nicht.
Mit den Ponies am Strand
Wir treffen uns am Strand, wo June ein paar Leute zusammengetrommelt hat. Aveleen würde mit ihren Töchtern auf Shetland Ponies reiten. Ja, auch Erwachsene, sofern sie nicht zu übergewichtig sind, können auf den starken Ponies reiten. Außerdem zeigt June uns das traditionelle Geschirr, mit dem die Ponies früher Torf transportierten.

Shetland Pony – so sieht es aus, kurz bevor es mir das Gesicht abschnüffelt.
Das Licht ist mittäglich hart, die Flut hat nicht viel vom Strand übrig gelassen, trotzdem ist es eine Freude, die Shetland Ponies in Aktion zu sehen. Die kleinen Töchter von Avaleen haben nicht nur Spaß am Reiten, sie spielen auch ausgiebig mit ihren drei, vier Hunden, die zwischen uns herumtollen.
Ponies sind traditionell Arbeitstiere
Von June erfahren wir sehr viel über die Ponys: „Niemand kennt sich mehr mit den alten Traditionen aus!“, meint sie. „Shetland Ponies waren ein wichtiger Teil eines Crofts. Sie wurden für den Transport des Peats (des Torfs) eingesetzt. Wenn überall Torf gestochen wurde, fanden die Tiere selbstständig ihren Weg zu ihrer Torfstellen. Sie liefen einfach den ganzen Tag von der Farm meist die Hügel hinauf zum Torf. Zum Pflügen wurden zwei Ponies im Gespann genutzt. Früher ging man auch mit Shetland Ponies einkaufen. Da hing dann der geflochtene Einkaufskorb an einer Seite, die Oma lief nebenher und strickte dabei noch! Da hatten die Menschen noch mehr Zeit und sie halfen sich auch gegenseitig!“
„Ein echtes Shetland Pony ist mindestens 28 Zoll (70 cm) hoch, sonst sind sie nicht zur Arbeit zu gebrauchen“, meint June, „diese ganz kleinen Ponies mag ich nicht wirklich“
June selbst ist etwa 1,60 m groß, ihre Figur ist unter der neonfarbenen weiten Jacke nicht auszumachen, die Füße stecken in gelben Gummistiefeln. „Ha, ihr bekommt jetzt nasse Füße am Strand. Ein echter Shetländer trägt nur Wellies, morgens rein, abends wieder raus!“ lacht sie, als wir am Strand immer wieder den Wellen ausweichen müssen. Die Hunde tummeln sich klatschnass im Wasser, spielen mit Tang. Avaleen meint, sie müssen jetzt langsam los, die Ostereier verstecken. Es ist ja Ostersonntag, das hatte ich ganz vergessen.
Schmusestunde auf der Ponyweide
Wir fahren gemeinsam zur Pony-Weide. June rast im roten Pickup vor, ich versuche ihr zu folgen, ohne irgendwelche Verkehrsregeln zu brechen. Wir halten an der Weide, klettern über den Zaun, was nicht ganz so einfach ist. Aber wenn June es packt, dann werden wir da auch drüber kommen. Wir sind schließlich etwas größer. Den Eimer mit Leckerlies in der Hand ruft die Pony-Närrin nach ihren Lieblingen. Ihr Labrador, der flink und geschickt über den Zaun gesprungen ist, hüpfte fröhlich um uns herum. Da komamen schon die Ponies auf uns zugerannt. Kaum sehen sie uns, halten sie inne. June lachte sich eins, „Ha! Jetzt wissen sie nicht, was das soll, normalerweise komme ich allein!“ Die Neugier überwiegt allerdings schnell, und schon bald galoppieren sie eines nach dem anderen auf uns zu. Bei manchen Ponies schwenken die Bäuche lustig hin und her.
„Die sind schwanger, in zwei, drei Wochen ist es soweit. Wenn die Geburt länger als 20 Minuten dauert, dann stimmt etwas nicht. Dann muß ich reagieren.“
June setzt sich ins trockene Gras der Weide, die Ponies kommen und knutschten sie ab. Eins nach dem anderen will schmusen.
„Setzt euch auch mal, dann kommen sie zu euch. Sie müssen mit jedem Nasenloch einmal an euch riechen, dann kennen sie euch.“
Ich setze mich ins Gras, Amy neben mir auch. Die Ponies kommen, schnüffeln an unseren Gesichtern. Reflexartig ziehe ich zurück. „Nein, lass mal, die sind ganz sanft.“
Ich lasse sie, und das ist ein Erlebnis. Das ist wie eine Meditation. Ein Zur-Ruhe-kommen. Eins sein mit dem kleinen Pferd. Sanft sind sie, die Nüstern weich wie Samt, der Atem duftet nach frischem Heu. Es kitzelt und macht Spaß. Das ist nochmal ganz was anderes als am Zaun zu stehen und sie zu streicheln. Unter dem Pony liegen und sich abknutschen zu lassen. Falls ihr mal so eine Gelegenheit bekommt, lasst sie euch nicht entgehen.

June grault das Pony am Hintern, seht Ihr, wie sehr es das genießt?

June und ein Shetland Pony

Größenvergleich: Esra und der Zuchthengst „Golden Balls“

Esra schmust mit dem Pony
Bald lassen sich auch die Jungs und mein Mann Gunter nieder und kuscheln mit den Minipferden. Esra lacht und genießt, Noah meint, die hätten Mundgeruch. Immer schön cool bleiben.
Wir klettern über die Zäune und fahren ans andere Ende der Weide. Diesmal laufen wir den Hang hoch. Von oben haben wir wieder diese traumhaft Aussicht. Wieder ruft June, wieder galoppieren Ponies glücklich in unsere Richtung. Wir befühlten die Bäuche der schwangeren Ponies, die Fohlen spürten wir noch nicht.
Ich verpasse den Ponies eine Pediküre
„Wollt ihr noch mehr Ponies?“ fragte June. Ja, klar! Wir fahren zur Grundschule, wo die Hengste stehen.
„Immer, wenn beim Spielen auf dem Schulhof der Ball zu den Ponies springt haben die Kinder Angst, den wieder zu holen. Nur ein Junge ist mutig genug!“ June ist amüsiert, wie schon den ganzen Tag. Was für eine gut gelaunte Frau!
„Ich zeige Euch mal, wie man die Hufe schneidet.“ Auf dem Schulhof fängt sie den ältesten Ponyhengst ein. Der ist damit allerdings nicht sehr zufrieden und schaut misstrauisch drein. Schnell, bevor er und sein Kumpane auf den Schulhof kacken, laufen wir wieder mit ihnen zurück auf die Weide. June schneidet mit einer Zange einen Huf zurecht. Wir können gut sehen, wie das Pony hinterher besser stehen kann. Es war nötig gewesen.
„Jetzt bist Du dran!“ June reicht mir die Zange. Ich hatte gefragt, wie schwer das Schneiden ist, jetzt kann ich es selbst versuchen. Es ist gar nicht so anstrengend, ich hätte gedacht, man bräuchte mehr Kraft. Das abgeschnittene Hornteil bekomme ich als Souvenir!
„Unsere Hunde fressen das gern, ist voller guter Sachen wie Calzium und anderen Mineralien!“ Kaum sagt sie es kommt ihr schwarzer Labrador von hinten angesaust und klaut einen Hufnagel.
Als June auch die Vorderhufe gestutzt hat, bindet sie das Pony wieder los. Jetzt wird es lustig. June reißt die Arme hoch und scheucht die beiden Hengste quer über die Weide. Wir sollen dabei Fotos von den wild rennenden Ponies machen. Die beiden kappeln sich, spielen, rennen, beissen sich in den Hintern und gehen sogar in die Luft. Leider kommt da der Autofokus meiner Kamera nicht immer mit. Schade. Aber die Fotos der spielenden Hengste sind schon was Besonderes. June weiss, was Fotografen glücklich macht.
Kleiner Hengst und dicke Eier
„Da drüben sind auch noch ein paar Ponies“ Ob wir die auch sehen wollen? Selbstverständlich! Wieder folgen wir ihrem roten Pick up. June zeigt uns ein besonders kleines Pony, kräftig gedrungenes. Der ist nicht nur sehr klein, teuer ist der noch dazu. „Die Besitzerin nennt ihn „Golden Balls“, weil es ein Hengst ist und er zur Zucht genutzt werden soll.“ Der Grund für diesen Namen ist, so erzählt uns June, dass der kleine Hengst besser Eier aus Gold hat, bei dem Preis! Wir lachen: „Wie kommt der denn an die Damen heran, der kleine Racker?“

- Pony mit Tragegestell. Hier ist Heu drinnen, was dazu führte, dass das Pony nur essen wollte
Es ist immer Tag der offenen Tür auf den Shetland-Inseln
Damit beenden wir die Pony-Show und verabschieden uns von June. „Wenn ihr in der Nähe seid, kommt einfach rein. Wenn wir nicht daheim sind, geht trotzdem rein, trinkt einen Kaffee oder geht aufs Klo. Das machen alle hier. Lassen die Häuser offen. Wenn der Briefträger kommt und muß mal, dann geht er auch einfach rein.“ Wir haben viel gelernt an diesem Tag. Aber die beste Wikipedia oder das beste Buch kann einem nicht vermitteln, wie es ist, unter einem Shetland Pony zu sitzen und von ihm geschmust zu werden, ganz sanft und zart. Das muss man erlebt haben! Danke June! Das war ein absolut genialer Tag!
Nachdem June in ihrem roten Pickup davongebraust ist, merken wir dass wir ganz in der Nähe der Steilklippen sind, die wir vor einigen Tagen wegen des heftigen Windes nicht richtig aufnehmen konnten. Es ist fast windstill, die Sonne scheint schon den ganzen Tag, so fahren wir wieder dort hin und fotografieren das klare grünblaue Wasser und den hohen Felsen.
Die letzte Nacht in Eshaness
Unsere letzte Nacht im Leuchtturm steht uns bevor. Oh, Schreck! So schnell ist eine Woche um. Was bin ich froh, dass wir die beiden Leuchttürme als Unterkunft gebucht haben, obwohl sie etwas außerhalb unseres Budgets liegen. Das Wohnen in einem Leuchtturm ist ein Erlebnis, das wir niemals vergessen werden!
Auf der Rückfahrt sind die Straßen nach Eshaness nass, hier hat es geregnet. Wolken verzierten den Himmel, die nasse Landschaft ist wundervoll frisch und extra bunt. Kaum zurück, laufe ich die Klippen entlang und dann zum Meer hinunter. Am Horizont färbt die untergehende Sonne die tiefhängenden Wolken zart rosa, die Wellen rauschen, überschlagen sich, knallen an die steilen Felswände. Unser lustiges Drachenloch faucht auf halber Stärke. Ich fotografiere unten am Wasser, Gunter ist oben bei den Klippen geblieben.

Klippen, Shetland

Der Drache am Abend, Shetland
Wir sind den ganzen Tag ununterbrochen in der Sonne und im Wind unterwegs gewesen. Unsere Gesichter glühen, und wir sind rechtschaffen müde. Wir laden noch die Pony-Bilder runter und sichern die Beute auf Festplatten, was dauert. Es ist wieder spät geworden. Esra hatte sich mit seiner Freundin verabredet. Ich muss also nochmal raus und zur nächsten Schule fahren, das dortige WiFi anzapfen und auch den Blogbeitrag hochladen. Das ist im dunklen Auto schwierig, denn ich kann die Tasten des Notebooks nicht sehen. Wieder zurück essen wir schnell zu Abend. Jetzt packe ich nichts mehr zusammen, das muss Morgen früh auch noch ausreichen. Ich will sowieso nicht weg von hier.
Zum nächsten Blogbeitrag:
Der Hafen von Lerwick
Die Insel Burra, Shetland Museum and Archives, Lerwick
Wieder begrüßte uns früh morgens die Sonne! Ich hatte bewußt den Wecker nicht einmal ausgepackt, wollte einfach mal solange schlafen, bis ich von selbst wach würde. Ausschlafen! Aber selbst das klappt nicht mehr, ich werde kurz vor Sonnenaufgang wach.
Seit acht Wochen auf Tour und jeden mogen fotografisch unterwegs
Wir sind jetzt seit 8 Wochen unterwegs, ständig auf Tour, immer in der Natur unterwegs, mit Rucksack und Stativ, bis spät in die Nacht und früh am morgen. Ich hatte in dieser Zeit keinen einzigen Tag Pause und das merkte ich gerade! Eine große Müdigkeit und Schwere haftete auf mir! Normalerweise nutzen wir die Regentage zum Ausruhen! ABER außer dem ersten Tag auf der Isle of Skye gab es bisher keinen Regen!! Wahnsinn! Immer, wenn wir mit den Menschen hier sprechen, kommen wir zum Thema Wetter. Immer hören wir dann, dass das im moment völlig untypisch ist.Normalerweise stürmt es um die Zeit! Ja, deswegen wählte ich den Februar und März, weil ich einen wilden Winter sehen und fotografieren wollte! Hmm, ich beschwer mich jetzt besser nicht. Sonst schaukelt es uns auf der Fähre wieder wild herum.
Die Insel Burra, Shetland
Wir sind wieder auf einer kleinen Insel. Die Insel Burra im Westen Shetland ist seit den 70igern mit einer Brücke zum Mainland Shetland verbunden. In Westburra leben ungefähr 700 Leute, in Ostburra ca. 70. Das ist also gut überschaubar. Morgens lernte ich unseren Nachbarn, Magnus und seine Frau Betty, kennen. Er war 40 Jahre lang Fischer gewesen. „Wenn Du auf Burra aufgewachsen bist, hast du nur zwei Möglichkeiten: entweder du wirst Fischer, oder verlässt die Insel! Ich bin geblieben, verdiente viele Jahre lang als Fischer mein Geld und habe es nie bereut!“; meint mein netter Gesprächspartner. Das Inselleben änderte sich sehr durch den Bau der Brücke. Vorher war die Gemeinschaft stärker. Aber ein Tesco Supermarkt ist auch nicht schlecht, sind sich die beiden einig.
Meal Beach, Burra, Shetland
Meal Beach, Burra, Shetland
Das blaue Haus am Strand von Meal, Burra, Shetland
Meal Beach, Burra, Shetland
Welle, Meal Beach, Burra, Shetland
Badegezeitenbecken, Burra, Shetland
Wir wohnen also nicht mehr so isoliert, wie im Leuchtturm und das ist auch sehr nett.
Museum in Lerwick, Shetland
Das Museum in Lerwick stand lange auf der Regenwetter Liste, wir gaben auf. Jetzt schauten wir es einfach bei Sonnenschein an! Dass der Eintritt kostenlos ist, fanden wir klasse! Noah mochte vor allem die historische Abteilung, ich suchte alles übers Meer. Die Fresnellinse, die das Licht des Bressay Lighthouses verteilte, ist hier zu finden. Sie hat eine besondere Bedeutung für uns! Während ich so durch die Gänge lief, las, schaute und staunte, dachte ich, dass es doch sehr praktisch wäre, dass alles in Heftform schön übersichtlich mitnehmen zu können, damit ich daheim nachlesen und die Ereignisse besser in den zeitlichen Kontext bringen kann. An der Kasse fand ich genau dieses Heft für 2 Pfund! Ich freute mich, griff nach meinem Harris Tweed Portmonee und kaufte es. In Shetland gibt es fast keinen schönen Postkarten! Ein paar gibt es, vor allem mit Puffins, aber die gut gedruckten kosten alle 1,5 Pfund, was ich zu teuer finde.
Lerwick Museum, Fair Isle Patterns
Bressay Lighthouse, Linse
Die Strände von Burra, Shetland
Es gibt zwei Strände auf Burra, einem statteten wir noch einen Besuch ab. Der weisse Sand reflektierte die grell strahlende Sonne, uff, das war vielleicht hell! Ohne Sonnenbrille sehr unangenehm. Der helle Sand brachte das Wasser zu Leuchten! So freundliche Farben findet man nur selten. Es machte Spaß zu fotografieren und in der warmen Sonne zu laufen.
Wir fuhren ins Nahe Cottage – es sind 15 km – von Lerwick nach Hamnavoe, wo wir wohnen. Wir wollten einmal vor Sonnenuntergang essen, jetzt, wo das ja noch eine Stunde später ist. Es gab wieder Stir Fry, das geliebte, gemischte Gemüse für die Pfanne!
Wellen – kristallklares Wasser
Der Leuchtturm Fugla Ness, Shetland
Vom Haus aus kann man fast auf einen kleinen Leuchtturm blicken. Der liegt auf einer dem Hafen vorgelagterten Halbinsel. Wir liefen abends zusammen mit Esra dort hin. Anfangs geht es gemächlich auf weichen Wiesen. Zwischendurch liegen gewaltige Felsen in großen Haufen herum, da ist dann klettern und balancieren angesagt. Mit zwei Kameras rückten wir dem Leuchtturm im weichen abendlichen Licht auf die Pelle. Gunter eher von der Ferne, ich wieder mal ziemlich nah dran. In der Ferne lag Foula am Horizont. „The Edge of the World“ wie die Leute hier sagen. Gerne würde ich da hinfliegen, allein der Flug muß schon ein Abenteuer sein. Das werden wir beim nächsten Besuch unbedingt machen. All diese kleinen Inseln anschauen!
Leuchtturm Fugla Ness, und Insel Foula in der Ferne, Shetland
Leuchtturm Fugla Ness vor Hamnavoe. Shetland
Fugla Ness, Burra, Shetland
Fugla Ness, Burra, Shetland
Burra, Shetland
Hamnavoe, Insel Burra, Shetland, Schottland
Hamnavoe, Insel Burra, Shetland, Schottland
Fugla Ness, Lighthouse, Hamnavoe, Shetland
Fugla Ness, Lighthouse, Hamnavoe, Shetland
Fugla Ness, Lighthouse, Hamnavoe, Shetland
Kalenderseite zum Fugla Ness Leuchtturm, Shetland
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Übersichtsseite Shetland
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Der alte Hafen von Lerwick und Hamnavoe, Südwest Shetland
Ich war mies drauf. Gerade hier in Eshaness wurde uns durch die Zeitumstellung noch eine Stunde gestohlen!! Auf der anderen Seite hat das den Vorteil, länger schlafen zu können um das Morgenlicht aufzunehmen und abends mehr Zeit für den Sonnenuntergang zu haben. Erstmals sehe ich auch einen Vorteil in der Zeitumstellung!
Das Packen packen wir jetzt schnell. Wir dehnen uns in den Häusern gar nicht mehr aus. Schwubs ist eine Woche rum und dann ziehen wir sowieso wieder weiter.
Was ist wohl besser? Wie auf der Isle of Lewis nur eine Unterkunft und immer weit fahren? Oder dauernd die Region wechseln? Beides hat Vor- und Nachteile. Ich tendiere nun trotzdem zu Zweiterem. Wir lernen zwar nicht so viele Menschen kennen, wie in Valasay, da wir nie lange genug an einem Ort sind, doch wir fotografieren effektiver. (Ich merke in Hamnavoe aber gerade, dass das wohl nur an der abgeschiedenen Lage der Leuchttürme lag!) Nun, die beiden Leuchtturm Unterkünfte waren aber auch absolut perfekt für Meeresfotografen. Näher kann man dem Meer nur noch auf einem Boot sein.
Hier wohnt Komissar Perez, Lerwick, Shetland
Lerwick, Shetland
Lerwick, Shetland
Nach zwei Stunden war das Leuchtturmwärterhaus leer, das Auto voll und die Wohnung sauber. Ich lief natürlich draußen rum, zu den Klippen und über die weiten Wiesen. Unterwegs traf ich Michael, wir schwätzten, er zeigte mir, wo die Puffins sitzen, wenn sie kommen – manchmal nisten die lustigen Vögel einfach in Hasenhöhlen. Michael deutete in die Richtung zur Küste runter: „Dort wurden die Steine für den Leuchtturm geschlagen.“
Leuchtturm von Eshaness, Shetland
Abschied von Eshaness
Wir stellten noch eine Waschmaschine mit den Handtüchern an, dann verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Eshaness. Wir wollten in Lerwick unsere Vorräte aufstocken und waren sehr erstaunt, dass wir nach nur einer Woche Ruhe in der Natur von Eshaness, sogar Lerwick als Stadt erlebten. Die Autos und Häuser, das war fast zu viel!
Meine Familie hatte den alten Teil Lerwicks noch nicht gesehen, so schleifte ich sie nun, wieder im strahlenden Sonnenschein, dorthin. Mir hatte das kristallklare, knallig blaue Wasser zwischen den alten Mauern der Häuser so gut gefallen!
Die dritte Ferienwohnung auf Shetland
Unsere Vermieter fanden wir erst, als wir das Notebook mit der Beschreibung anwarfen. Die Adresse führte nämlich zum Haus, wir mußten aber den Schlüssel auf der Farm abholen. Jan und Lilly haben ein Croft und Shetland Ponies! Jan ist übrigens aus Norwegen! Hier schließt sich anscheinend unser Kreis – die zahlreichen Reisen gen Norden und den Lofoten und der traumhaften Landschaft und nordlischen Kultur Shetlands.
Wir räumten noch schneller aus als ein, stellten die Heizungen hoch und zündeten ein Torfeuer an, welches die Vermieter bereits vorbereitet hatten. Ich lief nur in den Hafen, redete mit ein paar netten Anwohnern und fotografierte an diesem Abend nicht mehr.
Wer will sehen, wie es im Leuchtturmwärterhaus von Eshaness aussieht?
Wohnzimmer des Leuchtturms in Eshaness, Shetland – Amy hängt gerade ein Bild, welches wir gestestet hatten, ab.
Wohnzimmer des Leuchtturms, Eshaness, Shetland
Schalfzimmer, nachdem Gunter die Betten abgezogen hatte. er wollte damit partout nicht warten
Kinderzimmer mit Blick zum Meer
Ich habe die Fotos sowieso nur auf die Schnell gemacht, ich denke, eine Idee bekommt ihr, oder?
Übersichtsseite Shetland
Zum nächsten Blogbeitrag:
Insel Burra und Shetland Museum
June und ihre Shetland Ponies
Vor einigen Tagen hatte ich bei verschiedenen Leuten nachgefragt, wer sich am besten mit Shetland Ponies auskennt. So fand ich eine Email-Adresse heraus, schrieb gleich darauf die Email, und June antwortete direkt. Wir mailten ein paar Mal hin und her, und telefonierten auch. Die Gespräche mit June waren herzerfrischend einfach und direkt, das tat mir richtig gut. Aus June sprüht die Begeisterung, nicht nur für die Ponies, sondern für das Leben. In ihrem sympatischen, typisch shetländischen Akzent schwappt diese Passion dirket in mein Ohr und durchströmt meinen ganzen Körper. Nach jedem Gespräch hatte ich ein fröhliches Grinsen auf dem Gesicht. Natürlich freue ich mich jetzt ganz besonders drauf, sie und ihre Ponies persönlich kennen zu lernen.
Wie schon seit Tagen lacht die Sonne wieder über die weite shetländische Landschaft. Trotz der Freude auf die Ponies verlassen wir an diesem Tag unseren Leuchtturm in Eshaness nur sehr ungern, vor allem wegen der wilden Wellen, die sich mit Urgewalt gegen die Klippen werfen. Der Schlafmangel der letzten Nächte hat einen nagenden Kopfschmerz hinterlassen, sehr konzentriert bin ich leider nicht.
Mit den Ponies am Strand
Wir treffen uns am Strand, wo June ein paar Leute zusammengetrommelt hat. Aveleen würde mit ihren Töchtern auf Shetland Ponies reiten. Ja, auch Erwachsene, sofern sie nicht zu übergewichtig sind, können auf den starken Ponies reiten. Außerdem zeigt June uns das traditionelle Geschirr, mit dem die Ponies früher Torf transportierten.
Shetland Pony – so sieht es aus, kurz bevor es mir das Gesicht abschnüffelt.
Das Licht ist mittäglich hart, die Flut hat nicht viel vom Strand übrig gelassen, trotzdem ist es eine Freude, die Shetland Ponies in Aktion zu sehen. Die kleinen Töchter von Avaleen haben nicht nur Spaß am Reiten, sie spielen auch ausgiebig mit ihren drei, vier Hunden, die zwischen uns herumtollen.
Ponies sind traditionell Arbeitstiere
Von June erfahren wir sehr viel über die Ponys: „Niemand kennt sich mehr mit den alten Traditionen aus!“, meint sie. „Shetland Ponies waren ein wichtiger Teil eines Crofts. Sie wurden für den Transport des Peats (des Torfs) eingesetzt. Wenn überall Torf gestochen wurde, fanden die Tiere selbstständig ihren Weg zu ihrer Torfstellen. Sie liefen einfach den ganzen Tag von der Farm meist die Hügel hinauf zum Torf. Zum Pflügen wurden zwei Ponies im Gespann genutzt. Früher ging man auch mit Shetland Ponies einkaufen. Da hing dann der geflochtene Einkaufskorb an einer Seite, die Oma lief nebenher und strickte dabei noch! Da hatten die Menschen noch mehr Zeit und sie halfen sich auch gegenseitig!“
„Ein echtes Shetland Pony ist mindestens 28 Zoll (70 cm) hoch, sonst sind sie nicht zur Arbeit zu gebrauchen“, meint June, „diese ganz kleinen Ponies mag ich nicht wirklich“
June selbst ist etwa 1,60 m groß, ihre Figur ist unter der neonfarbenen weiten Jacke nicht auszumachen, die Füße stecken in gelben Gummistiefeln. „Ha, ihr bekommt jetzt nasse Füße am Strand. Ein echter Shetländer trägt nur Wellies, morgens rein, abends wieder raus!“ lacht sie, als wir am Strand immer wieder den Wellen ausweichen müssen. Die Hunde tummeln sich klatschnass im Wasser, spielen mit Tang. Avaleen meint, sie müssen jetzt langsam los, die Ostereier verstecken. Es ist ja Ostersonntag, das hatte ich ganz vergessen.
Schmusestunde auf der Ponyweide
Wir fahren gemeinsam zur Pony-Weide. June rast im roten Pickup vor, ich versuche ihr zu folgen, ohne irgendwelche Verkehrsregeln zu brechen. Wir halten an der Weide, klettern über den Zaun, was nicht ganz so einfach ist. Aber wenn June es packt, dann werden wir da auch drüber kommen. Wir sind schließlich etwas größer. Den Eimer mit Leckerlies in der Hand ruft die Pony-Närrin nach ihren Lieblingen. Ihr Labrador, der flink und geschickt über den Zaun gesprungen ist, hüpfte fröhlich um uns herum. Da komamen schon die Ponies auf uns zugerannt. Kaum sehen sie uns, halten sie inne. June lachte sich eins, „Ha! Jetzt wissen sie nicht, was das soll, normalerweise komme ich allein!“ Die Neugier überwiegt allerdings schnell, und schon bald galoppieren sie eines nach dem anderen auf uns zu. Bei manchen Ponies schwenken die Bäuche lustig hin und her.
„Die sind schwanger, in zwei, drei Wochen ist es soweit. Wenn die Geburt länger als 20 Minuten dauert, dann stimmt etwas nicht. Dann muß ich reagieren.“
June setzt sich ins trockene Gras der Weide, die Ponies kommen und knutschten sie ab. Eins nach dem anderen will schmusen.
„Setzt euch auch mal, dann kommen sie zu euch. Sie müssen mit jedem Nasenloch einmal an euch riechen, dann kennen sie euch.“
Ich setze mich ins Gras, Amy neben mir auch. Die Ponies kommen, schnüffeln an unseren Gesichtern. Reflexartig ziehe ich zurück. „Nein, lass mal, die sind ganz sanft.“
Ich lasse sie, und das ist ein Erlebnis. Das ist wie eine Meditation. Ein Zur-Ruhe-kommen. Eins sein mit dem kleinen Pferd. Sanft sind sie, die Nüstern weich wie Samt, der Atem duftet nach frischem Heu. Es kitzelt und macht Spaß. Das ist nochmal ganz was anderes als am Zaun zu stehen und sie zu streicheln. Unter dem Pony liegen und sich abknutschen zu lassen. Falls ihr mal so eine Gelegenheit bekommt, lasst sie euch nicht entgehen.
June grault das Pony am Hintern, seht Ihr, wie sehr es das genießt?
June und ein Shetland Pony
Größenvergleich: Esra und der Zuchthengst „Golden Balls“
Esra schmust mit dem Pony
Bald lassen sich auch die Jungs und mein Mann Gunter nieder und kuscheln mit den Minipferden. Esra lacht und genießt, Noah meint, die hätten Mundgeruch. Immer schön cool bleiben.
Wir klettern über die Zäune und fahren ans andere Ende der Weide. Diesmal laufen wir den Hang hoch. Von oben haben wir wieder diese traumhaft Aussicht. Wieder ruft June, wieder galoppieren Ponies glücklich in unsere Richtung. Wir befühlten die Bäuche der schwangeren Ponies, die Fohlen spürten wir noch nicht.
Ich verpasse den Ponies eine Pediküre
„Wollt ihr noch mehr Ponies?“ fragte June. Ja, klar! Wir fahren zur Grundschule, wo die Hengste stehen.
„Immer, wenn beim Spielen auf dem Schulhof der Ball zu den Ponies springt haben die Kinder Angst, den wieder zu holen. Nur ein Junge ist mutig genug!“ June ist amüsiert, wie schon den ganzen Tag. Was für eine gut gelaunte Frau!
„Ich zeige Euch mal, wie man die Hufe schneidet.“ Auf dem Schulhof fängt sie den ältesten Ponyhengst ein. Der ist damit allerdings nicht sehr zufrieden und schaut misstrauisch drein. Schnell, bevor er und sein Kumpane auf den Schulhof kacken, laufen wir wieder mit ihnen zurück auf die Weide. June schneidet mit einer Zange einen Huf zurecht. Wir können gut sehen, wie das Pony hinterher besser stehen kann. Es war nötig gewesen.
„Jetzt bist Du dran!“ June reicht mir die Zange. Ich hatte gefragt, wie schwer das Schneiden ist, jetzt kann ich es selbst versuchen. Es ist gar nicht so anstrengend, ich hätte gedacht, man bräuchte mehr Kraft. Das abgeschnittene Hornteil bekomme ich als Souvenir!
„Unsere Hunde fressen das gern, ist voller guter Sachen wie Calzium und anderen Mineralien!“ Kaum sagt sie es kommt ihr schwarzer Labrador von hinten angesaust und klaut einen Hufnagel.
Als June auch die Vorderhufe gestutzt hat, bindet sie das Pony wieder los. Jetzt wird es lustig. June reißt die Arme hoch und scheucht die beiden Hengste quer über die Weide. Wir sollen dabei Fotos von den wild rennenden Ponies machen. Die beiden kappeln sich, spielen, rennen, beissen sich in den Hintern und gehen sogar in die Luft. Leider kommt da der Autofokus meiner Kamera nicht immer mit. Schade. Aber die Fotos der spielenden Hengste sind schon was Besonderes. June weiss, was Fotografen glücklich macht.
Kleiner Hengst und dicke Eier
„Da drüben sind auch noch ein paar Ponies“ Ob wir die auch sehen wollen? Selbstverständlich! Wieder folgen wir ihrem roten Pick up. June zeigt uns ein besonders kleines Pony, kräftig gedrungenes. Der ist nicht nur sehr klein, teuer ist der noch dazu. „Die Besitzerin nennt ihn „Golden Balls“, weil es ein Hengst ist und er zur Zucht genutzt werden soll.“ Der Grund für diesen Namen ist, so erzählt uns June, dass der kleine Hengst besser Eier aus Gold hat, bei dem Preis! Wir lachen: „Wie kommt der denn an die Damen heran, der kleine Racker?“
Es ist immer Tag der offenen Tür auf den Shetland-Inseln
Damit beenden wir die Pony-Show und verabschieden uns von June. „Wenn ihr in der Nähe seid, kommt einfach rein. Wenn wir nicht daheim sind, geht trotzdem rein, trinkt einen Kaffee oder geht aufs Klo. Das machen alle hier. Lassen die Häuser offen. Wenn der Briefträger kommt und muß mal, dann geht er auch einfach rein.“ Wir haben viel gelernt an diesem Tag. Aber die beste Wikipedia oder das beste Buch kann einem nicht vermitteln, wie es ist, unter einem Shetland Pony zu sitzen und von ihm geschmust zu werden, ganz sanft und zart. Das muss man erlebt haben! Danke June! Das war ein absolut genialer Tag!
Nachdem June in ihrem roten Pickup davongebraust ist, merken wir dass wir ganz in der Nähe der Steilklippen sind, die wir vor einigen Tagen wegen des heftigen Windes nicht richtig aufnehmen konnten. Es ist fast windstill, die Sonne scheint schon den ganzen Tag, so fahren wir wieder dort hin und fotografieren das klare grünblaue Wasser und den hohen Felsen.
Die letzte Nacht in Eshaness
Unsere letzte Nacht im Leuchtturm steht uns bevor. Oh, Schreck! So schnell ist eine Woche um. Was bin ich froh, dass wir die beiden Leuchttürme als Unterkunft gebucht haben, obwohl sie etwas außerhalb unseres Budgets liegen. Das Wohnen in einem Leuchtturm ist ein Erlebnis, das wir niemals vergessen werden!
Auf der Rückfahrt sind die Straßen nach Eshaness nass, hier hat es geregnet. Wolken verzierten den Himmel, die nasse Landschaft ist wundervoll frisch und extra bunt. Kaum zurück, laufe ich die Klippen entlang und dann zum Meer hinunter. Am Horizont färbt die untergehende Sonne die tiefhängenden Wolken zart rosa, die Wellen rauschen, überschlagen sich, knallen an die steilen Felswände. Unser lustiges Drachenloch faucht auf halber Stärke. Ich fotografiere unten am Wasser, Gunter ist oben bei den Klippen geblieben.
Klippen, Shetland
Der Drache am Abend, Shetland
Wir sind den ganzen Tag ununterbrochen in der Sonne und im Wind unterwegs gewesen. Unsere Gesichter glühen, und wir sind rechtschaffen müde. Wir laden noch die Pony-Bilder runter und sichern die Beute auf Festplatten, was dauert. Es ist wieder spät geworden. Esra hatte sich mit seiner Freundin verabredet. Ich muss also nochmal raus und zur nächsten Schule fahren, das dortige WiFi anzapfen und auch den Blogbeitrag hochladen. Das ist im dunklen Auto schwierig, denn ich kann die Tasten des Notebooks nicht sehen. Wieder zurück essen wir schnell zu Abend. Jetzt packe ich nichts mehr zusammen, das muss Morgen früh auch noch ausreichen. Ich will sowieso nicht weg von hier.
Übersichtsseite Shetland
Zum nächsten Blogbeitrag:
Der Hafen von Lerwick
Eshaness – Hilfe! Wir sitzen auf einem Vulkan.
Na, ganz so gefährlich ist es in Wirklichkeit nicht. Als hier der Vulkan seine Lava und Asche über das Land verteilte, lag Shetland noch am Äquator. Das alles passierte im Devon und ist immerhin schon 400 Millionen Jahre her, und seitdem ist erdgeschichtlich ja einiges geschehen. Relativ gesehen ist dieses Alter für Sheltland ungefähr die Teenagerphase, denn die ältesten Gesteine der Inselgruppe lassen sich auf fast 3 Milliarden Jahre zurückdatieren.
Jetzt aber wieder in die „neuere“ Zeit vor 400 Millionen Jahren. Damals lag das Gebiet, was heute Shetland und Schottland ist, in Äquatornähe als Bestandteil des Großkontinents Pangäa. Es war heiß und trocken, auch mal heiß und feucht, und es darf bezweifelt werden, dass die damals existierenden Lebensformern sich so weit ins Kontinentinnere vorgewagt hatten. Wirbeltiere hatten noch nicht das Land erobert, und die meiste Action ging in den Meeren und an den Küsten ab.
Eshaness, Vulkan, Shetland
Hier saß also unser Eshaness Vulkan am Ende eines breiten Tales und speite fleißig Lava und Asche vor sich hin. Der Auswurf bildete rasch einen steilen Kegel aus der zusammengepressten Vulkanasche und dem viel festerem Lavagestein, ähnlich dem Fujiama in Japan.
Irgendwann im Laufe der Jahrmillionen hatte es sich ausgespuckt, Wind, Wetter und Wellen haben den erloschenen Vulkankegel abgetragen, die Kontinente haben sich abgespalten und sind weitergewandert, und die Felsformationen wurden mehrfach gekippt und zusammengefaltet.
Auf den Überresten sitzen wir nun für eine Woche in der Wohnung des ehemaligen Leuchtturmwärters. Die dunklen und steilen Klippen rund um den Leuchtturm sind die festen Lavagesteine des Vulkans. Was so als steile Insel, Turm oder Felsnadel im Meer davor herumsteht, sind Kerne der alten Magmaschlote.
Was sich ebenfalls als Echo der Vergangenheit bewahrt hat, ist die urtümliche, wilde Atmosphäre. Der Mensch konnte hier nicht gestaltend in die Küstenlinie eingreifen, auch wenn er die von der Brandung in den Fels gespülten Höhlen gerne als Zuflucht und Versteck für Schmuggelware genutzt hat.
Und wenn sich die Gewalten des Erdinneren schon lange ausgetobt haben, ruft der rauhe Nordatlantik ehrfurchtgebietend die Naturgewalten ins Gedächtnis zurück, wenn ein Sturm aufzieht.
Dann schießen die Wellen über die mehr als 50 Meter hohen Klippen hinaus. Sie reißen Geröll und auch fussballgroße Felsen mit sich und schleudern sie über den Rand der Klippen auf die dahinterliegenden Wiesen. Die brodelnde Brandung rast mit donnerndem Getöse in die lichtlosen Felsspalten und wird an deren Ende explosionsartig in die Höhe katapultiert.
Klippen und Leuchtturm, Eshaness, Shetland
Steilküste, Eshaness, Shetland
Stacks und Schafe, Eshaness, Shetland
Während ich das hier hinschreibe, ist es mir fast unmöglich, das alles zu visualisieren. Wir sehen die rauhe Küste und die herumliegenden Steine. Aber kaum ein Lüftchen weht, die Sonne scheint zwischen den wenigen träge herumsegelnden Wolken hindurch, und die Schafe weiden friedlich auf den Klippen.
Nun ja, diese heftigen Stürme gibt es auch nicht jede Woche, aber zwei bis drei pro Jahr sind immer drin. Zumindest hatten wir hier und da etwas Wind, und der hat uns schon gereicht, denn er ging bei den niedrigen Temperaturen durch bis auf die Knochen und verleidete uns die Fährfahrt hier hoch.
Und jeder, dem wir begegnen, betont, das das momentane ruhige und sonnige Wetter absolut außergewöhlich wäre. Diese Beteuerungen verfolgen uns schon auf der gesamten Reise. Ich weiß nicht, ob das Segen oder Fluch ist, jedenfalls fehlt uns bis jetzt der richtige Schlechtwettereindruck, der zu jedem Shetland- und Schottlandbesuch gehört. Aber so richtig traurig darüber sind wir auch nicht. Während das restliche Großbritannien und auch Mitteleuropa im Schneechaos versinkt, lassen wir uns, zwar bei winterlichen Temperaturen, von der Sonne umschmeicheln, so lange das Wetter hält.
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June und die Shetland Ponies
Wellen in Eshaness, Shetland
Eshaness ist bekannt für außergwöhnlich große Wellen und das über Shetland hinaus. Bisher hatten wir absolut keine Wellen sehen können. Müde dümpelte das Meer so vor sich hin. Nach dem gemütlichen Frühstück schaute ich beim spülen aus dem Fenster und in der Ferne konnte ich sie sehen! Große Wellen. Wo kamen die denn jetzt her? Wir haben keinen Sturm. Die müssen sich draußen auf dem Atlantik gebildet haben. Klasse!
Esra vor den Wellen, Eshaness, Shetland
Wie ein Musikstück näheren wir uns dem großen Finale
Ich sprang schnell in die Schuhe und lief ohne Jacke zu den Klippen, auch da tat sich was. Das Meer war weis vor Gischt, laut knallte das Wasser gegen die Felsen. Genial! Irgendwie kam es mir so vor, als spielte jemand ein Musikstück mit uns. Es fängt leise an, erst ein Instrument, dann das nächste und erst neimal spielt es langsam und leise. Jeden Tag kam bei uns ein Instrument dazu, erst die Klippen, der Leuchtturm, das Licht. Dann das Nordlicht, dann hohe Wellen und am Schluß noch Wolken mit dramatschem Licht und dann alles zusammen! Das große Finale! Ahh!
Treffen mit Michael, dem früheren Leuchtturmbesitzer
Ich schwätzte gerade mit einer Gruppe junger Leute aus ganz Europa, erzählte ihnen vom Nordlicht und auf was sie achten müssen, um es auch zu sehen, da sah ich Michael. Er hatte uns vor ein paar Tagen in den Leuchtturm gelassen. Natürlich wollte ich gerne nocheinmal mit ihm reden. Er kennt den Leuchtturm und die Region wie kaum jemand. Schließlich hatte er zwölf Jahre darin gewohnt. Ich lud ihn auf einen Tee ein und ich zeigte ihm ein paar der Leuchtturm Fotos. Er staunte auch über das Bild im Schneesturm. Michael hatte in den letzten Tagen versucht, den Kometen zu sehen, war aber nicht erfolgreich gewesen. Das Bild mit Leuchtturm, Nordlicht und Komet fand er daher auch super.
Gemeinsame Wanderung zum Grind o da Navir
Michael meinte, wir müßten unbedingt zum Grind o da Navir, das müsse man gesehen haben. Wie gewaltig dort das Meer wütet. Die Felsen, die dort hochgeworfen würden, wären absolut sehenswert.
Wir hatten sowieso vor dahin zu laufen, so begleiteten wir Michael auf der Wanderung. Michael ist über 70, er läuft mit einem Stock und trotzdem schien er uns davon zu schweben. Er war schnell und obwohl wir bereits fitter als noch vor ein paar Wochen waren, schien er müheloser vorranzukommen als wir.
Mir machte es sehr großen Spaß mit einem erfahrenen Füher zu laufen. Michael zeigte uns die Stellen, wo die Otter sich am Felsen reiben und wie Otterpoo aussieht. Ich hätte das nicht erkannt und auch nicht erwartet, dass die Otter hoch oben auf den steilsten Klippen klettern.
Suche nach Otterspuren, Eshaness, Shetland
Michael mit einem Fels, der erst in diesem Jahr dort gelandet war
Die Urgewalt des Meeres ist hier eindrucksvoll zu spüren
Immer wieder drehte Michael mit seinem Stock Steine und Felsbrocken um. Wuchs Gras darunter, war das ein Zeichen, dass der Stein erst vor kurzem auf den oberen Rand der Klippen geworfen worden war! Und bedenkt: das Meer ist teilweise 50m unter uns und wir liefen gut 20-30m im Land! Hier in einem Sturm zu laufen ist lebensgefährlich! Nach unzähligen Gattern und Treppen, die wir überwinden mußten, erreichen wir die Stelle, wo das Meer am gewaltigsten hereinrauscht. Tonnenschwere Felsbrocken fliegen hier im Sturm umher. Weit im Land müssen wir einen Wall der aus ca. 50cm großen Felsenbrocken augetürmt ist, überwinden. Die wurden alle in den Stürmen hier abgeladen! Was für eine Kraft das Meer doch hat. Ich schaue mir die Strände, die wir erwandern, immer sehr genau an. Die Grenze der höchsten Flut ist meist gut erkennbar. Dort gibt es einen Absatz aus größeren Steinen oder einfach ein Absatz im Sand. Hier sind diese Dimensionen enorm. Weit im Land und auch auf dem Gras findet man große Felsbrocken.
Der Tag war für unsere Wanderung perfekt! Große, wilde Wellen rauschten und knallten. Wir kletterten auf den Felsen, fingen an zu fotografieren. Esra war mutig und wagte sich relativ weit nach vorne. Das gab ein gutes Motiv – als Größenvergleich hielt er her, unser Ältester. Michael blieb noch eine Stunde, dann verabschiedete er sich von uns. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag auf den Felsen und staunten. Die Sinfonie erreichte gerade das große Finale! Eine ganze Woche solcher Wellen hätten wir gar nicht ausgehalten. Dann hätte ich es nicht mal geschafft zu essen :-)
Esra vor dem Gateway der Wellen, Eshaness, Shetland
blasender Drache, Eshaness, Shetland
Urgewalt der Wellen, Eshaness, Shetland
Blick zum Leuchtturm, Eshaness, Shetland
Das Blowhole am Abend, Eshaness, Shetland
The Cannon, Eshaness
Es war spät, als wir im Leuchtturm ankamen. Wir ruhten uns ein wenig aus. Liefen aber bald wieder los, das durften wir nicht verpassen. Eigentlich war unser Plan gewesen, nochmal zum Grind o da Navir zu gehen. Doch auch die andere Richtung reizte uns. So liefen wir hinunter ans Meer. Das Finale war wohl noch nicht zu Ende.
Das Licht war super, die Sonne stand schräg und beschien die Felsen, die rot aufleuchteten. Hier in Eshaness gibt es einige Blowholes und dieses hier im Süden blies gerade, was es das Zeug hielt. Was für ein Spaß! Ich wollte das Schauspiel filmen, weil ein einzige Fotos diese Aufführung nicht zeigen kann! Gerade, als ich den Film gestartet hatte, lachte Gunter giggelnd vor sich hin. „Hihi“, ich schimpfte mit ihm, startete den Film nochmal neu. Und dann konnte ich es selbst kaum unterdrücken :-) Der Drache, wie wir – nur Noah war mit von der Partie – ihn schnell einstimmig nannten, blies schnaubend und er hörte auch nicht auf, als die Wellen längst weg war. Dann spuckte er noch zwei, drei mal hinterher. Es war wirklich lustig. Ich konnte schließlich das Giggeln auch nicht mehr unterdrücken.
Vor lauter Glück ist die Fotografin fast erfroren
Wir genossen den Abend sehr. Ich vergass mal wieder die Zeit und die Kälte, aber nicht lange. Der Wind blies ganz besonders biestig, bald zitterte ich am ganzen Körper. Vielleicht war das auch die Erschöpfung? Ich schaffte es mit Gunters Hilfe, zum Schutz gegen den Wind die Regenjacke über zu ziehen und bekam die schmerzhaft kalten Finger gerade noch in die wärmenden Handschuhe.
Warum Whisky in Schottland besonders gut schmeckt
Müde war ich und geschafft! Doch Esra wollte den wegen Nordlicht verpassten Abend nachholen. Ich lies mich überreden, ihn zum Wifi zu fahren. Nochmal 10km Fahrt und Kälte im Auto. Brrr! Doch die Freundin war nicht online. Ich fror tatsächlich wie ein Schneider, sehnte mich nach dem Sofa in der warmen Leuchtturmstube und einem Schluck Whisky! Mit dem Notebook auf dem Schoss verspannte ich mich, scharfe Messer bohrten sich in meinen Rücken, aua. „Esra! Ich will heim…“ Gefrustet stimmte er nach einer Stunde zu.
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Die Insel Yell, Nordlichter am Abend
Fototour in Eshaness am frühen Morgen
Wieder rappelte der Wecker um 6:00 Uhr. Wenn die Sonne den ganzen Tag so völlig ohne Wolken auf uns runterbrezelt, dann ist es noch sinnvoller, das weiche Licht der Morgenstunden zu nutzen. Im grellen Licht der Mittagssonne macht es wenig Spaß zu fotografieren. Wir liefen wieder gemeinsam los, entlang der Klippen. 6:00 Uhr ist jetzt Ende März fast zu spät.
Wir fanden die eingefallene Höhle, die gigantische Ausmaße hat, und an der wir trotzdem bereits zweimal vorbeigelaufen sind. Immer mit Blick zum Meer, erwartet man nicht im Landesinneren plötzlich Meeresrauschen. Diese Region um den Leuchtturm ist von langen Höhlen durchzogen. Etwa 100 m im Landesinneren stürzte die Decke der Höhle ein, zurück blieb ein großes, tiefes Loch. Eine Herausforderung, das Ausmaß des Erdlochs aufzunehmen.
Wieder liefen wir nicht bis zum Grind o da Navir (Gate of the borer). Dort rauschen bei Stürmen die Wellen durch eine Art Tor. Sie entwickeln ungeheuerliche Kraft an dieser Stelle. Tonnenschwere Felsbrocken werden regelmäßig 50m hinter den 30-40m hohen Klippen abgeladen. Dorthin müssen wir alle gemeinsam laufen.
Das Windhouse, Geisterhaus der Insel Yell, Shetland
Ich war der Meinung, dass wir Yell nicht wirklich gesehen hatten. Im Reiseführer und in der Broschüre standen einige interessante Sachen. So machten wir uns auf den Weg, die Fährezeiten wieder nicht im Blick. Diesmal hatten wir Pech, wir mußten eine Stunde warten. Doch wir wußten bereits, dass es hier Internet gibt und hatten die Notebooks vorsorglich im Auto. So verging die Wartezeit relativ schnell.
Yell war an diesem Tag von grandiosen Wolken beglückt. Sie regneten glücklichweise immer in der Ferne, nicht jedoch über uns ab.
Dramatische Wolken inklusive, Windhouse, Yell, Shetland
Auf der Insel gibt es da „most haunted house of Shetland“, das Haus mit den meisten Geistern. In den Büchern steht, welche Geister was machen und wo die Skelette der Verstorbenen gefunden wurden. Das reizt natürlich. Da die Broschüre auch ein Bild des Geisterhauses zeigte, fanden wir es recht schnell. Zwischen alten Traktoren parkte ich den VW Bus. Das Parken ist hier nicht immer einfach, meist gibt es Wendehämmer aber keine Parkplätze. Und vor Farmen liegen sehr häufig Metallteile auf dem Weg, ich pass da lieber auf und rangiere nicht zu viel, sonst riskieren wir einen Platten.
In der Ferne bellten Border Collies, sechs oder sieben sprangen um einen älteren bärtigen Farmer herum. Immer wieder schrie er ihnen nach, bei ihm zu bleiben. An einem Gatter, welches anscheinend zum Haus führte stand ein Schild: „Beware of Bull“. Ich fragte besser nach, so kamen wir ins Gespräch. Er hätte 1500 Schafe. Nur schwerlich könne man seinen Lebensunterhalt damit verdienen. Jedes Schaf bringt ein Kilo Wolle aber die Schafscherer bekommen schon 1,5 Pfund, pro Tier für die Schur. Die Scherer kämen sogar aus Neuseeland. Ein gute Schafscherer packe 600 Schafe am Tag! Das Halten der Schafe würde sich nur aufgrund der Subventionen lohnen. Die Hunde hätte er für die Schafe. Manche wäre gute Hütehunde, andere nicht. Die quirligen Tiere sprangen um uns herum, an uns hoch. Wir wurden ausgiebig geschnüffelt. Ein Feld vor dem Haus lag voller Knochen. Das sah gruselig aus. „Das haben die Hunde einen Winter über gefressen“, meinte er grinsend, als ich nach den Knochen fragte. Wir nahmen einen Schafschädel mit Hörnern mit.
„Hast Du denn die Geister des alten Hauses schon einmal gesehen?“ fragte ich, mein Blick noch immer auf dem Knochenfeld. „Ach was!“, lachte er. Wir verabschiedeten uns, alle mit zahlreichen Hundepfotenabdrücken auf Hosen und Jacken und liefen zum Gruselhaus. Dicke, schwere, tiefblaue Wolken hingen passend über der Ruine. Schafzäune versperrten uns den Einstieg und das nähere Inspizieren des Hauses. Schade. Außerhalb des Zaunes würden wir sicher keine Geister finden. Tief in meinem Innersten dachte ich: „das ist auch gut so“ :-)
Die Geistergeschichten von George findest du auf der Seite: Windhouse – the most haunted house, Shetland.
Treffen mit einem quirligen Spaniel, weiter Sandstrand
Das wechselhafte Wetter bescherte uns fantastische Blicke über die Küste. Auf kleinen, einspurigen Straßen fuhren wir in den Norden der Insel. Immer wieder endete die Straße an einer Farm. Meist gab es über Weiden und entlang von Scheunen einen Zugang zu den einsamen Stränden. Wir fotografierten gerade Tang, der seicht im flachen Wasser schwankte, als ich einen Otter entdeckte. Ich schaffte es nicht rechtzeitig, die Kamera mit dem Teleobjektiv aus dem Rucksack zu zerren, da war er auch schon wieder abgetaucht. Gerne würde ich die Otter fotografieren, doch dazu brauche ich mehr Zeit und Geduld. Da reichen drei Wochen Shetland nicht aus!
Wir parkten den Wagen vor einer anderen Farm, wieder sprangen viele Hunde um uns herum. auf Yell gibt es fast so viele Border Collies wie auf der Isle of Lewis. Wir erreichen gerade den weiten Sandstrand als uns ein junger quirliger Spaniel umtanzte. Er lies sich von jedem einmal ausgiebig graulen, naja, so ausgiebig es ein junger Hund so schafft, dann schoss er in die andere Richtung den Hang hinauf.
Auf unserem Rückweg sahen wir unseren Freund als kleinen weißen Punkt auf uns zukommen. Er lief schwer, schleppte etwas grosses Totes im Maul heran. Stolz präsentierte er uns schwanzwedelnd ein Kaninchen. Im Vergleich zum Hund sah das tote Tier sehr gross aus! Das Kaninchen war nicht sonderlich frisch, das muss schon länger auf der Wiese gelegen haben, die Gedärme hingen heraus, es roch streng und verwest. Der kleine Spaniel wuselte um uns herum, wollte gestreichelt werden aber auch nicht. Wir wollten ihn streicheln, aber auch nicht :-) Die Beute musste beschützt werden. Er schwänzelte ein paar Minuten um uns herum und zog dann wie ein Blitz in die andere Richtung ab.
Auf dem Rückweg warteten wir wieder fast eine Stunde auf die Fähre. Zu Esras großem Frust funktionierte das Internet nicht. Der verliebte Teenager leidet besonders sehr unter dem Internet Entzug.
Spanien mit Kaninchen, Yell, Shetland
Die Kids am Strand, Yell
Strand und Regenweolken auf Yell
Otterhintern, mehr war nicht drin :-)
Die Fahrt zum Wifi
Ich versprach ihm, abends nochmal zur Schule – wo wir free Wifi gefunden hatten – zu fahren. In Eshaness liefen wir dann nochmal entlang der KLippen, wo das schon so schön ist, vor der Tür! Ein Fotograf stand mit Stativ vor dem Leuchtturm. Leute mit Stativ spreche ich generell an :-) Es gibt sie nämlich kaum! Jetzt lernte ich Dave kennen! Einer meiner Shetland Facebook Freunde. Seine Fotos kenne ich schon lange! Wir quatschten eine Weile, tauschten uns fotografisch aus. Und schon am nächsten Abend schrieb er mir auch eine email. Ich hoffe, dass wir ihn nächste Woche im Süden von Shetland nochmal treffen werden.
Ich sicherte die Fotos und schrieb ein wenig am Bericht, dann fuhren Esra und ich die 10 km Richtung Hillswick.
Nordlichter auf den Shetland Inseln
Im Auto war es kalt, mit dem Notebook ist es extrem unbequem. Der Blick auf die Nordlichtvorhersage lies mich aufstöhnen! Wow, der kp Wert war gerade auf 5!!! Ich richtete die Kamera auf Norden und machte eine Testaufnahme. Es war grün! „Esra“, rief ich ungeduldig, „wir müssen schon wieder los!“ Das können wir uns nicht entgehen lassen!! Der Arme, hatte gerade zum ersten Mal seit Tagen, seine Freundin in Skype. Er tat mir leid! Ich rief Gunter an, um ihn zu warnen, er solle sich warm anziehen. Dann schnell zurück zum Leuchtturm. Im Dunkeln zeigt das Licht uns schon von Weitem den Weg zurück.
Ich lief direkt zu den Klippen und machte Aufnahmen, da parkte ein Wagen neben uns: „Seht ihr den Kometen dort drüben?“ fragte ein junger Mann. „Siehst Du das leichte Nordlicht da hinten?“ fragte ich zurück.
Geschäftig zogen wir beide in verschiedene Richtungen los. Ich war hin und her gerissen, die Klippen oder der Leuchtturm?
Der Mond versteckte sich hinter Wolken, die Klippen lagen also tiefschwarz in der Nacht, das Nordlicht war nicht hell genug um die Landschaft ins rechte Licht zu setzen. So machte ich nur wenige Aufnahmen mit den Klippen und konzentrierte mich dann auf den Leuchtturm. Das sich drehende, grelle Licht des Turm machte die Sache schwierig. Ich fand schließlich eine gute Position und fotografierte. Esra hatte das Essen fertig gebrutzelt, wir hatten den ganzen Tag noch nichts gegessen. Normalerweise würde ich nicht mit der Nordlichtfotografie aufhören, vor allem jetzt, wo wir schon seit Wochen drauf gewartet hatten. Doch am Himmel tat sich nicht wirklich viel, es war leicht grün und das Nordlicht bewegte sich nicht. So ging ich rein und ass etwas. Ich packte mich danach in den warmen Norwegeranzug ein und zog doppelte Socke und die warmen Schuhe an. Gunter schaute aus dem Fenster und meinte nur: „jetzt aber flott, da ist es rot und es bewegt sich“ Mist, schnell raus und wieder zu den Klippen. Da stand ich nun allein in der Nacht (Gunter mußte sich noch anziehen) und es war gerade wie zuvor, leicht grün, wenig spektakulär. Hatte mein Gatte mich verarscht? Nein, das Nordlicht hatte sich tatsächlich nur für wenige Minuten so farbenfroh gezeigt! Um beiden Seiten gerecht zu werden, psotionierte ich eine Kamera am Zaun in Richtung Klippen und programierte den Timer auf alle 10 Sekunden. Ein Timelapse war da doch die beste Idee!
Nordlicht und Leuchtturm ist schwierig zu fotografieren
Ich stellte mich danach wieder der Herausforderung des Leuchtturms mit seinem Lichtstrahl. Vielleicht würde ich auch den Kometen aufnehmen können?
Wir fotografierten schließlich mit drei Kameras, der 5d MII, der alten 5d und der 7d. Jede dieser Kameras gibt die Farbe des Nordlichts anders wieder. Interessant. Die alte Canon 5d ist immer noch die BESTE!
leichter Nordlichtbogen, Eshaness, Shetland
Nordlicht, Komet und Speigelung, Eshaness, Shetland
Leuchtturm von Eshaness und Nordlicht, Shetland
Die Batterie der TimeLapse Kamera war schwach, ich hatte Gunter gebeten, sie zu tauschen, während ich die zweite Kamera hinter dem Leuchtturm einrichtete. Leider gab es da ein Missverständiss und es ging vergessen. Gerade, als der grüne Schein sich zu richtigem Nordlicht entwickelte, gab die Batterie auf. MIST aber auch! Das TimeLapse hätte ich gern vollständig gehabt.
Noch bis 2:00 Uhr blieben wir draußen. Irgendwann lies auf der kalte Wind nach und die Finger waren nicht mehr allzu kalt. Während die Kameras schließlich allein weiter arbeiteten, lud ich einen Teil der Aufnahmen auf den Rechner. Bis tief in die Nacht hielten wir den Himmel im Blick. So stark, wie direkt nach dem Essen wurde das Nordlicht nicht mehr. Schade. Das war ein langer Tag gewesen! Völlig erschöpft, doch auch aufgedreht, schlich ich ins Bett. Und war nur zwei-drei Stunden später wieder wach. Diesmal zwang ich mich dazu, noch ein wenig liegen zu bleiben, auch, wenn die Sonne draußen lachte.
Übersichtsseite Shetland
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