Im letzten Beitrag schrieb ich bereits über den Burland Croft Trail, den wir besuchen wollten. Vor allem waren wir an den Musik-Instrumenten von Tommy, Lilies Schwager, interessiert. Gestern hatte es wegen der kurzfristig zustande gekommenen Bootstour nicht geklappt. Nun war unser letzter Tag auf den Shetlands gekommen, die Sonne schien.

Tommy Isbister mit einer handgefertigten Geige, Shetland
Wir hatten noch nichts gepackt. In den letzten Monaten hatten wir die Unterkunft fast jede Woche gewechselt, jetzt waren wir Packprofis! In zwei Stunden war all unser Kram im Auto verstaut, die Wohnung sauber und aufgeräumt. Diesmal ist die Planung etwas komplizierter, die Rückreise würde drei volle Tage dauern. Wir organisierten unsere Taschen entsprechend. Achteten aber jetzt darauf, nicht zu viel mit auf die Fähren zu nehmen, denn es belastet nur.
Die nächste richtige, warme Mahlzeit würden wir auch erst wieder daheim zu uns nehmen können. Wir kochten ein Mittagessen, auch, wenn es noch nicht ganz Mittag war, aßen gemütlich, packten eine Menge Bean Burritos für unterwegs ein, schmierten Brötchen und legten Äpfel und Bananen mit dazu.
Jetzt hatten wir viel Zeit bis zur Abfahrt der Fähre am Abend. Das vollbeladene Fahrzeug machte schließlich erstmals am Burland Croft Trail Halt. Kaum waren wir ausgestiegen, fanden wir uns von den verschiedenartigsten Hühnern umgeben – Noah und Amy blieben gleich stehen und schauten sich die Tiere genauer an.
Wir liefen zum Haus, klopften an die Tür und stellten uns vor: Lily hätte uns geschickt und von Tommy und den Insturmenten und Booten erzählt, die er baut. Wir wurden in die warme Stube gebeten. Geigen lagen auf den Schränken, ein Cello stand in der Ecke. Mary rief Tommy hinzu. Er kam im Arbeitsoverall von draußen rein und nahm sich die Zeit, uns alles zu erklären.

Tommy Isbister und die handgefertigte Geige, Shetland

Tommy Isbister und das handgefertigte Cello, Shetland

handgefertigtes Holdboot in Tommy Isbisters Werkstatt, Shetland

Tommy und sein Boot, Shetland

Bootsbau – wie finde ich den richtigen Winkel? Tommy Isbister, Shetland
Das Arbeiten mit Holz liegt Tommy im Blut. Beim Bauen und Restaurieren von Booten hat er viel über die Eigenschaften der verschiedenen Hölzer gelernt. Sein großes Interesse an klassischer Musik weckte in ihm das Verlangen, es mit dem Bau einer Geige zu versuchen. Er nahm Urlaub, belegte einen Geigenbaukurs, beschaffte sich das nötige Spezialwerkzeug. Allerdings fing er erst nach Jahren des Überlegens an, seine erste Geige zu bauen. Viele weitere Geigen folgten, immer getrieben von dem Verlangen, noch etwas Perfekteres zu schaffen und sein neu erlangtes Wissen wieder anzuwenden. Das vorläufig letzte Stück aus Tommies Musikwerkstatt ist ein ausgewachsenes Cello. Ihn hatte es gereizt, sich dieser neuen Herausforderung zu stellen.
„Diese Geige habe ich aus shetländischen Holz gebaut“ meint er und streckt uns breit grinsend ein Instrumet entgegen. „Wald in Shetland?“ fragen wir zurück. „wirklich?“ Er erzählt: Einmal bot sich die Gelegenheit, an Bergahorns heranzukommen. Der Baum stand auf dem Grundstück eines alten Freundes, der in die Neue Welt ausgewandert war, und sollte jetzt weg. Tommy wusste noch, dass sein Freund diesen Baum als kleines Kind gepflanzt hatte, und als dieser wieder einmal Shetland besuchte, sprach er ihn darauf an. Sei Freund war von der Idee angetan, er bestellte direkt eine Geige aus diesem Holz!
Hast Du Lust auf eine kurze Hörprobe?
Instrumente anzusehen, mit den Fingern über das glatte, fein gefertigte Holz zu streichen, das Finish zu riechen ist eine schöne Erfahrung. Doch Musikinstrumente haben eine Aufgabe: sie sollen klingen. Mir lief Gänsehaut über den Rücken, als Tommey zum Spielen ansetzte. Es muß nicht mal ein richtiges Lied sein. Es reicht sogar, dass Tommy einfach mit dem Bogen über die Saiten streicht. Dieser satte Klang! Für mich grenzt das an ein Wunder, dass ein kleiner Holzkasten solche Töne produzieren kann!
„Wollt ihr auch meine Boote sehen?“ meint Tommy. Wir nicken im Einklang. Seit wir unterwegs sind, steckt grenzenlose Neugier in uns. Natürlich möchten wir die Boote sehen und etwas über deren Herstellung erfahren. „Es dauert genauso lang, ein Boot zu bauen wie eine Geige. Viel Unterschied bei der Bearbeitung des Holzes sehe ich auch nicht. Das kommt auf’s Gleiche raus“ Es sei schwierig, gutes wetterfestes Holz zu finden. Die Qualität ist nicht mehr die wie vor 30 ig Jahren. Viele Kunden gibt es nicht mehr, die industriell gefertigen Boote sind viel billiger. Sie haben längst nicht den Flair eines Holzbootes.
In Shetland werden nicht mehr seetüchtige Boote oft als Dach für einen Schuppen verwendet. Auch Mary und Tommy haben eines dieser traditionellen Bootshäuser für ihre reinen Shetland Enten und Hühner. Einer der vier Bordercollies bringt abends die Gänse ins Bett. Mary will uns das vorführen. Die Hündin Tess schaut auf den Befehl nur kritisch drein. Doch nicht so früh am Tag! Sie ist viel zu schlau für diese Spielchen. Wir lachen über den pfiffigen Hund und die Sonne lacht mit uns. Dabei ist es mir nicht zu Lachen zumute! Ich will hier nicht weg! Auf den Inseln geht es mir einfach nur tierisch gut!
Das Burland Croft Trail hat eine Webpage.
Unser letzter Tag war schließlich so ereignisreich, dass ich ihn auf mehrere Blogbeiträge verteilen werden. Die nächsten Beiträge folgen nun aber dicht aufeinander.

Schwein auf der Burland Croft, Shetland

traditionelles Bootshaus, Shetland – Mary und Tommy Isbister nutzen es als Enten und Hühnerhaus

Entenhaus und Hühnerhaus mit Bootsdach, Shetland

Boots Kontrast, alt & neu Burland Croft Trail, Shetland
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Robbe beim Lunch, Lerwick, Shetland
Nachdem wir Mary und Tommy Isbister kennengelernt hatten fuhren wir die engen Gassen jenseits des Tesco Supermarkts entlang um uns mit einem letzten Blick auf Bressay und den Leuchtturm zu verabschieden. Träge lagen zahlreiche Robben auf dem Felsen in der Sonne. Der Leuchtturm war auch da! Ich nahm die Kamera mit dem Tele und lief los. Vor mir schwamm eine Robbe im Wasser. Es gab einen Tumult, ich schaute näher. Der Meeressäuger kämpfte mit einem großen Dorsch. Noch wehrte sich der Fisch ….
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Der Broch von Clickimin, Lerwick, Shetland
Immer wenn wir Lerwick Richtung Süden verließen, fiel uns gegenüber der National-Tankstelle ein recht umfangreiches, aber nicht sehr hohes, rundes Gebilde aus Steinmauern mit Grasbedeckung auf. Wir fanden einen Parkplatz bei der Tankstelle und liefen über die Landzunge zu dem Bauwerk hin. Außer uns war niemand da.
Clickmin Broch, Lerwick, Shetland
Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
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Für ein Broch, diese bronzezeitlichen befestigten Siedlungstürme, sah es uns allerdings zu gut erhalten und modern aus. Tatsächlich ist es ein echtes prähistorisches Bauwerk, aber sorgfältig restauriert und mit einigen baulichen Besonderheiten.
Brochs sind zwischen 2300 und 1900 Jahre alt. Der Clickimin Broch wurde innerhalb der Mauern einer noch viel älteren Befestigung errichtet, die auf ungefähr 700 v.Chr. datiert wird. Der Bau des eigentlichen Broch begann wahrscheinlich im 1. Jahrhundert vor Christus. Die typische doppelwandige Konstruktion ist ebenso vorhanden, wie die kreisförmige Form. Der Broch von Clickmin ist zusätzlich von einer Steinmauer umgeben, und zwischen deren Eingang und dem Eingang des Broch befand sich ein Blockhaus. Außerdem steht dieser Broch auf einer kleinen Felseninsel im See, die in den ersten Jahrhunderten der Nutzung, über einen Steindamm zu Fuß erreichbar war. Dieser wurde um die 200 n.Chr. zerstört und die Festung war ab dann nur per Boot erreichbar.
An diesem Broch wurde viel herumgebaut, aber richtig fertig gestellt wurde er nie wirklich. Irgendwann wurde das Innere, das in einem Broch normalerweise offen war, zu einem Rundhaus mit radial verlaufenden Zugängen ausgebaut. Mal wurden die Mauern weiter erhöht, dann wieder ein Stück abgetragen. Um die 800 n.Chr. kamen die Wikinger auf die Shetland-Inseln, da war der Clickimin-Broch schon verlassen und vergessen.
unsere Kids im Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
Eingang zum Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
enge Gänge im Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
Amy im Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
Köpfe einziehen! Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
Clickimin Broch, Lerwick, Shetland
Das blieb die nächsten tausend Jahre so, bis durch den sinkenden Pegel des Loch Clickimin der Zugangsweg zum Broch wieder begehbar wurde und die Herren von Lerwick um 1850 in bester viktorianischer Manier in archäologischem Eifer die Mauern freilegten und nach Gutdünken restaurierten. Erst Hundert Jahre später wurde die Anlage ernsthaft professionell ausgegraben und erforscht
Der Broch von Clickmin ist heutzutage frei zugänglich, einen Parkplatz muss man sich allerdings suchen. Beim Erforschen und Herumstöbern ist uns die extrem niedrige Höhe der Durchgänge aufgefallen, was ganz lustig beim Durchkriechen war, aber auch für einige Beulen am Kopf gesorgt hat.
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Übersichtsseite Shetland
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Mary und Tommy Isbister – Holzboote und Geigen, Burland Croft Trail
Im letzten Beitrag schrieb ich bereits über den Burland Croft Trail, den wir besuchen wollten. Vor allem waren wir an den Musik-Instrumenten von Tommy, Lilies Schwager, interessiert. Gestern hatte es wegen der kurzfristig zustande gekommenen Bootstour nicht geklappt. Nun war unser letzter Tag auf den Shetlands gekommen, die Sonne schien.
Tommy Isbister mit einer handgefertigten Geige, Shetland
Wir hatten noch nichts gepackt. In den letzten Monaten hatten wir die Unterkunft fast jede Woche gewechselt, jetzt waren wir Packprofis! In zwei Stunden war all unser Kram im Auto verstaut, die Wohnung sauber und aufgeräumt. Diesmal ist die Planung etwas komplizierter, die Rückreise würde drei volle Tage dauern. Wir organisierten unsere Taschen entsprechend. Achteten aber jetzt darauf, nicht zu viel mit auf die Fähren zu nehmen, denn es belastet nur.
Die nächste richtige, warme Mahlzeit würden wir auch erst wieder daheim zu uns nehmen können. Wir kochten ein Mittagessen, auch, wenn es noch nicht ganz Mittag war, aßen gemütlich, packten eine Menge Bean Burritos für unterwegs ein, schmierten Brötchen und legten Äpfel und Bananen mit dazu.
Jetzt hatten wir viel Zeit bis zur Abfahrt der Fähre am Abend. Das vollbeladene Fahrzeug machte schließlich erstmals am Burland Croft Trail Halt. Kaum waren wir ausgestiegen, fanden wir uns von den verschiedenartigsten Hühnern umgeben – Noah und Amy blieben gleich stehen und schauten sich die Tiere genauer an.
Wir liefen zum Haus, klopften an die Tür und stellten uns vor: Lily hätte uns geschickt und von Tommy und den Insturmenten und Booten erzählt, die er baut. Wir wurden in die warme Stube gebeten. Geigen lagen auf den Schränken, ein Cello stand in der Ecke. Mary rief Tommy hinzu. Er kam im Arbeitsoverall von draußen rein und nahm sich die Zeit, uns alles zu erklären.
Tommy Isbister und die handgefertigte Geige, Shetland
Tommy Isbister und das handgefertigte Cello, Shetland
handgefertigtes Holdboot in Tommy Isbisters Werkstatt, Shetland
Tommy und sein Boot, Shetland
Bootsbau – wie finde ich den richtigen Winkel? Tommy Isbister, Shetland
Das Arbeiten mit Holz liegt Tommy im Blut. Beim Bauen und Restaurieren von Booten hat er viel über die Eigenschaften der verschiedenen Hölzer gelernt. Sein großes Interesse an klassischer Musik weckte in ihm das Verlangen, es mit dem Bau einer Geige zu versuchen. Er nahm Urlaub, belegte einen Geigenbaukurs, beschaffte sich das nötige Spezialwerkzeug. Allerdings fing er erst nach Jahren des Überlegens an, seine erste Geige zu bauen. Viele weitere Geigen folgten, immer getrieben von dem Verlangen, noch etwas Perfekteres zu schaffen und sein neu erlangtes Wissen wieder anzuwenden. Das vorläufig letzte Stück aus Tommies Musikwerkstatt ist ein ausgewachsenes Cello. Ihn hatte es gereizt, sich dieser neuen Herausforderung zu stellen.
„Diese Geige habe ich aus shetländischen Holz gebaut“ meint er und streckt uns breit grinsend ein Instrumet entgegen. „Wald in Shetland?“ fragen wir zurück. „wirklich?“ Er erzählt: Einmal bot sich die Gelegenheit, an Bergahorns heranzukommen. Der Baum stand auf dem Grundstück eines alten Freundes, der in die Neue Welt ausgewandert war, und sollte jetzt weg. Tommy wusste noch, dass sein Freund diesen Baum als kleines Kind gepflanzt hatte, und als dieser wieder einmal Shetland besuchte, sprach er ihn darauf an. Sei Freund war von der Idee angetan, er bestellte direkt eine Geige aus diesem Holz!
Hast Du Lust auf eine kurze Hörprobe?
Instrumente anzusehen, mit den Fingern über das glatte, fein gefertigte Holz zu streichen, das Finish zu riechen ist eine schöne Erfahrung. Doch Musikinstrumente haben eine Aufgabe: sie sollen klingen. Mir lief Gänsehaut über den Rücken, als Tommey zum Spielen ansetzte. Es muß nicht mal ein richtiges Lied sein. Es reicht sogar, dass Tommy einfach mit dem Bogen über die Saiten streicht. Dieser satte Klang! Für mich grenzt das an ein Wunder, dass ein kleiner Holzkasten solche Töne produzieren kann!
„Wollt ihr auch meine Boote sehen?“ meint Tommy. Wir nicken im Einklang. Seit wir unterwegs sind, steckt grenzenlose Neugier in uns. Natürlich möchten wir die Boote sehen und etwas über deren Herstellung erfahren. „Es dauert genauso lang, ein Boot zu bauen wie eine Geige. Viel Unterschied bei der Bearbeitung des Holzes sehe ich auch nicht. Das kommt auf’s Gleiche raus“ Es sei schwierig, gutes wetterfestes Holz zu finden. Die Qualität ist nicht mehr die wie vor 30 ig Jahren. Viele Kunden gibt es nicht mehr, die industriell gefertigen Boote sind viel billiger. Sie haben längst nicht den Flair eines Holzbootes.
In Shetland werden nicht mehr seetüchtige Boote oft als Dach für einen Schuppen verwendet. Auch Mary und Tommy haben eines dieser traditionellen Bootshäuser für ihre reinen Shetland Enten und Hühner. Einer der vier Bordercollies bringt abends die Gänse ins Bett. Mary will uns das vorführen. Die Hündin Tess schaut auf den Befehl nur kritisch drein. Doch nicht so früh am Tag! Sie ist viel zu schlau für diese Spielchen. Wir lachen über den pfiffigen Hund und die Sonne lacht mit uns. Dabei ist es mir nicht zu Lachen zumute! Ich will hier nicht weg! Auf den Inseln geht es mir einfach nur tierisch gut!
Das Burland Croft Trail hat eine Webpage.
Unser letzter Tag war schließlich so ereignisreich, dass ich ihn auf mehrere Blogbeiträge verteilen werden. Die nächsten Beiträge folgen nun aber dicht aufeinander.
Schwein auf der Burland Croft, Shetland
traditionelles Bootshaus, Shetland – Mary und Tommy Isbister nutzen es als Enten und Hühnerhaus
Entenhaus und Hühnerhaus mit Bootsdach, Shetland
Boots Kontrast, alt & neu Burland Croft Trail, Shetland
Übersichtsseite Shetland
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Bootsfahrt mit der Dunter III und Jonathan Wills nach Yell
Unsere Tage auf Shetland waren gezählt. Wir waren aber bis zum Schluss sehr aktiv und immer unterwegs. Am letzten vollen Tag saßen wir gerade bei Lily und Jan, unseren Vermietern, beim Kaffee zusammen. Die Burra Bären waren auch in diesem Haushalt präsent. Jan hatte von Wendy einen vielgetragenen und geliebten Norweger Pulli in einen Bären verwandeln lassen. Leider dachte ich nicht dran die beiden mit dem recycelten Haustier zu fotografieren. Ein Verwandter von Lily rief an, als wir gerade über die berühmten Fair Isle Pullover sprachen. Er hätte seine guten, warmen Wollpullover zu warm gewaschen. Könnte Lily diese wohl auf ihr Holzbrett, welches speziell dafür gibt, aufspannen und den fast 40 Jahre alten Kleidungsstücken wieder ins rechte Format zu verhelfen! Diese Pullover sind kein Touristending!
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Jan und das Hillswick Wildlife Sanctuary, Shetland
Wir interessieren uns auf unseren Reisen am meisten für Umweltthemen. Als Naturfotograf nehme ich nicht nur die Landschaft, sondern auch Umweltprobleme sehr bewußt wahr. Die Neugier brodelt in mir, ich möchte alles über solche Projekte heraus finden und vor allem die Leute dahinter kennenlernen.
Durch Zufall las ich über ein Wildlife Sancturay in Hillswick. In einem Prospekt stand Werbung für ein vegetarisches Restaurant in dem die Speisen nichts kosten, eine freiwillige Spende für das Hillswick Wildlife Sanctuary jedoch willkommen seien. Hillswick ist in der Nähe von Eshaness, an einem sonnige Tag fuhren wir hin.
Vor der Tür standen Kisten mit Action Man Figuren, das sah nach Flohmarkt aus. Ich trat in das kleine Cafe, und fand mich in einem Second Hand Laden mit Kleidung, Küchengeräten und vielfältigem Krimskrams wieder. In einer Ecke standen Kekse, Kaffee und Tee als Erinnerung an die Cafe Vergangenheit.
Jan und der Walwirbel, Shetland
Nachdem ich mich etwas umgeschaut hatte und nicht sicher war, ob ich den richtigen Ort gefunden hatte, kam ich mit den beiden Damen im Laden ins Gespräch. Es dauerte nur wenige Minuten, dann war klar – hier gehöre ich hin. Wir verstanden uns großartig, philosophierten direkt über das Leben, Reisen und Schulbildung.
Ich stand Jan gegenüber. Der Frau, der im Jahr 1987 eine kleine, mutterlose Robbe am Strand direkt vor ihrem Haus sozusagen in die Arme gespült wurde. Jan spürte die unglaubliche, magische Energie, sie meinte, es wäre eine Art Erleuchtung gewesen, als das hilflose, verhungernde Tier sie mit großen Augen anblickte! Jan hörte auf ihre innere Stimme und pflegt seit mittlerweile 26 Jahren zahlreiche Tiere in Not. Das Hillswick Wildlife Sancuary hatte sich sozusagen wie von selbst gegründet!
Wir verabredeten uns zu einem längeren Gespräch zusammen mit der ganzen Familie. Kurz vor dem Ende unsere Tour der schottischen Insel fuhren wir nocheinmal Richtung Eshaness, um Jan und ihren Mann Pete zu treffen.
Das war ein extrem stürmischer, eiskalter Tag, ein Schneeschauer folgte dem nächsten, die nach unten geöffneten Wolken hingen den ganzen Tag wunderschön anzusehen am Horizont. Über uns strahlte kristallklarer Himmel. Das Meerwasser war mit weissen Kämmen verziert. Nocheinmal fotografierten wir in Northmavine – nun wir versuchten es. An ein Arbeiten mit Stativ war nicht zu denken, der Wind war zu stark und böig, um einen sicheren Stand auf dem weichen Untergrund zu ermöglichen. Oftmal zogen wir die Köpfe in die Jacken, weil sich wieder und wieder eine der schweren Wolken direkt über uns erleichterte. Die Hagelkörner traktierten unsere Haut. Wir alle hatten weitere Kleidungsstücke ausgepackt und drüber gezogen. So war die Beweglichkeit nicht nur wegen Kälte und Sturm, auch wegen der zahlreichen Lagen an Kleidung beschwerlich.
der Schneeschauer kommt auf uns zu, Shetland
Mitten im Schneeschauer, blauer Himmel über uns, Shetland
Wie gut tat es da bei Jan und Pete in der warmen Stube zu sitzen. Einen heißen Tee in den auftauenden Händen haltend befragten wir die beiden ausführlich.
Jan lebt seit den 70 iger in Shetland, also bevor das Öl kam. „Shetland war damals etwas 70 Jahre hinten dran!“ meint sie grinsend aber auch nachdenklich. „Damals strandete eine Gruppe Grindwale. Ich rief die Anwohner zur Hilfe, denn ich wollte die Wale retten. Die Leute kamen, waren begeistert und luden die kleineren Wale auf ihre Autodächer, um sie nach Hause zu fahren.“ Damals standen die Meeressäuger noch auf dem Speiseplan der Einwohner. „Glücklicherweise änderte sich seither viel“ Ein Boder Collie Mix schleicht schwänzelnd um uns herum, läßt sich von jedem streicheln. „Die Menschen denken, ich nehme Tiere auf und kümmere mich darum. So bringen sie mir auch andauernd Hunde! Ja und manchmal nehme ich dann auch einen bei uns auf.“
Jan pflegte ihre erste Robbe daheim in der Badewanne. Erst nach dem Öltankerunglück im Jahr 1993 erkannte auch die Regierung, dass es in ganz Shetland keine Einrichtung zur Rettung von bedrohtem Wildlfe gibt, diese aber unbedingt nötig ist. Das Wildlife Sanctuary schaffte es mit der Hilfe von zahlreichen Freiwilligen und auch finanzielle Unterstützung, viele der 37 ölverschmierte Robben und Otter aufzupäppeln und wieder in die Freiheit zu entlassen. Jahrelang betrieb Jan das vegetarische Restaurant, um Geld für das Sanctuary zu beschaffen, doch es war sehr zeitaufwendig und sie möchte jetzt mehr Zeit mit den Tieren haben. Deswegen kocht sie nun nicht mehr, sondern betreibt den Second Hand Laden für die Finanzen.
In all den Jahren sah Jan auch viele Tiere sterben. Mehrmals strandeten Delfine an den Küsten Shetlands. Jan war immer neopren geschützt im Wasser dabei, um die Meeressäuger zu retten. Oftmals gelang das, aber nicht immer. Das Hillswick Wildlife Sanctuary wird von der SSPCA – der Scottish Society for Prevention of Cruelty to Animals – unterstützt. Doch Jan stimmte nicht damit überein, dass es humaner ist, gestrandete Delfine zu erschießen, um ihnen Leid zu ersparen. Sie ist sich sicher, dass die Tiere harmonisch sterben können und dass das wesentlich besser als ein plötzlicher gewaltsamer Tod ist! Sie war machtlos, die Delfine wurden erschossen. Jan erzählt weiter: „In den nächsten vier Jahren strandenden zahlreiche Delfine immer an diesem Strand. Nach einer Weile und viel Bitten konnte ich den SSPCA Mitarbeiter davon überzeugen, doch einen gestrandeten Delfin in Frieden sterben zu lassen. Danach machte ich eine spirituelle Reinigung des Ortes. Nie wieder starb ein weiterer Delfin an dieser Stelle! Sterben ist etwas Natürliches. Nicht für bei Tieren, auch bei Menschen! Wir sollten nicht zu viel Angst davor haben“
ein erschossene Robbe am Strand, Shetland – leider dürfen die Fischfarmen Robben, die der Farm zu nahe kommen, schießen. Eine echte Kontrolle gibt es nicht! Mehr dazu später!
Jan und Pete’s Hund am Strand
Jan, Gabi und Amy im Garten
Im Jahr 2000 rief ein Fischer an. Eine Schildkröte hätte sich mit dem Kopf in einer Hummerfalle verheddert. Er würde sie vorbeibringen. Als kurz darauf ein Lastwagen um die Ecke bog, lag auf der Ladefläche eine gigantische, über 2m lange Schildkröte aus der Karibik. Das hatte Jan nicht erwartet. Die Schildkröte war schon im Koma als sie ankam, die Fischer hatten sie auf dem Rücken liegen den Bootssteg hochgezogen, sie war dabei fast an ihrem eigenen Gewicht fast erstickt. Leider starb das außergewöhnliche Tier drei Tage später. Jetzt ist die Schildkröte im Lerwick Museum zu besichtigen. Sie hängt hoch oben an der Decke der Ausstellungshallen, der Rückenpanzer war nach der Aktion sehr zerkratzt.
Wie wäre es? Mach ein wenig Werbung, kontaktiere einflußreiche Leute! Vielleicht findet sich jemand, der Jan und den Wildtieren Shetlands helfen kann!
In Shetland sahen wir häufig die Hütten mit alten Ruderbooten als Dach. Auch bei Jan und Pete steht so eines im Garten. Die Tierschützerin sammelt darin Walknochen, die sie nach Winterstürmen an den Stränden findet und eine der Robben ist darin beerdigt. Unglaublich grünes, fettes Gras wächst in der Dunkelheit der Hütte. Ich fotografiere Jan mit einem Wirbel eines Wales in der Hütte.
Dann versuchen wir noch einen Blick auf den kleinen Otter, der zurzeit aufgepäppelt wird, zu werfen. Jan versucht ihn gerade von sich zu entwöhnen. In der Wildnis ist Menschenscheuheit überlebenswichtig. Das Unternehmen war erfolgreich, der Otter zeigt nur kurz die Schnauze und bleibt im Verborgenen. Der kleine Stall riecht stark nach Otterurin. Jan meint, „Es ist an der Zeit, dass er ins Freie kommt.“
Als wir kurz darauf wieder im Wagen sitzen und gen Süd Shetlands fahren, hängt der Geruch nach Otter in der Luft. Esra und ich riechen an unseren Jacken, ja, da hat sich der Geruch festgesetzt. Wir grinsen. Sogar Otterpisse hat was angenehm Positives! Ein Duftsouvenir sozusagen! Es ist schön zu wissen, dass es Menschen wie Jan und Pete gibt, die sich aufopfernd für eine bessere Welt einsetzen! Danke ihr beiden!
PS Ein Foto der Schildkröte im Lerwick Museum liefere ich bald nach. Ich bin extra dewegen noch einmal ins Museum gefahren!
Übersichtsseite Shetland
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Geräuschkulisse in der Wollmühle Jamiesons, Shetland
Eigentlich ist Jamiesons ja gar keine reine Strickerei, hier wird alles gemacht. Es wird gesponnen, gefärbt, gewebt und gestrickt.
Die Geräuschkulisse zum vorherigen Bericht über berühmte die Jamiesons Shetland Wolle habe ich im Video für Dich, lieben Leser, festgehalten. Für den Geruch solltest Du jetzt sorgen. Hmm, vielleicht weichst Du ein paar alte Wollsocken in Wasser ein und legst sie auf die Heizung. Das müßte für den nassen Wollgeruch schon mal ausreichen. Bei der Farbe bin ich mir nicht sicher, wie das am besten nachzustellen ist?? Mir kommt da gerade keine Idee. Da hilft dann doch nur die Vorstellungskraft :-)
Wir sind übrigens wieder daheim! Da wir in der letzten Woche der Reise jedoch sehr, sehr viele nette Menschen kennenlernten, werden wir sicher noch eine ganze Woche berichten können. Danach stellen wir Listen zusammen. Reisetipps, Lieblingsorte, Vergleiche und was uns noch so alles einfallen wird.
Was interessiert Dich noch? Gibt es offene Fragen? Planst Du auch eine Reise auf eine der Inseln? Nur her mit Deiner Frage! Bei uns ist noch alles ganz frisch und wir sprudeln nur so vor Begeisterung, das muss raus!
Übersichtsseite Shetland
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