Unser letzter Tag auf den Shetlands war mit Aktivitäten und neuen Eindrücken angefüllt. Darüber habe ich bereits in den vorigen Blogbeiträgen berichtet.
Um 17:00 Uhr sollte die Fähre von Lerwick nach Aberdeen fahren. Das Wetter war wieder traumhaft. Die Sonne schien, große, schwere Wolken verzierten den blauen Himmel. Regional schneiten sie in dramatischer Schönheit ab.
In der warmen, fast schon heißen Sonne, warteten wir darauf, endlich auf das Schiff fahren zu können. Ich vertrieb mir die Zeit im langen Gespräch mit einem Ehepaar und deren Enkelin aus Südengland. Während der langen Fährfahrt setzten wir dieses Gespräch an den unterschiedlichsten Orten fort. Mal trafen wir uns auf Deck, dann beim Frühstück….

Die Hrossey in Lerwick – mit offenem „Maul“, welches die großen Lastwagen verschluckte, während wir staunend zuschauten.

Abschied von Lerwick, Shetland – grandiose Wolken über einer außergewöhnlichen Stadt.
Ein Lastwagen nach dem anderen fuhr in den Bauch der Hrossey. Unglaublich, wieviele Fahrzeuge in die relativ kleine Fähre hineinpassen. Allerdings war das Aufkommen der LKWs an diesem Tag außergewöhnlich hoch, wie Mitarbeiter und shetländische Fahrgäste bestätigten. Wir warteten deswegen etwas länger und mußten schließlich im Schiff rangieren. Zwischen den großen und bereits mit Ketten gesicherten Transportern war eine schmale Spur, gerade breit genug für die PKW’s, frei. Wir fuhren durch die Länge der Fähre, wendeten am hinteren schmalen Ende – mit der langen VW T4 Version nicht einfach – fuhren dann über eine steile Rampe hinunter ins Schiff, wendeten nocheinmal und parkten dann so eng ein, dass die Heckklappe des Kofferraums blockiert war.
Am Ausgang stand ein lustiges Schild: „Wenn Du in Kirkwall auf den Orkneys aussteigen willst und hier parkst, kontaktiere sofort einen Angestellten der Fähre!“ Hier unten kommt keiner schnell raus! Bei der Buchung der Fährfahrt vor ein paar Tagen hatten wir nicht darauf geachtet, ob eine Kabine reserviert war. Der Angestellte hatte nach der vorherigen Buchung gefragt und dann einfach ohne Nachfrage gemacht. Ich war davon ausgegangen – da der Preis ungefähr der gleiche wie bei der Hinfahrt war – dass wir wieder eine Kabine haben würden. Erst einen Tag später hatten wir bemerkt, dass keine Kabine auf der Buchung stand. Jetzt waren wir in der Vorsaison und die Fahrt etwas teurer. Die Kabine hätte uns weitere 90 Pfund gekostet. Gunter meinte, das können wir sparen. Mir war es nicht recht – ich neige zu Kopfschmerzen, wenn ich nicht gut schlafe und die Reise war lang. Diese Fähre war erst der Beginn der dreitägigen Tour. Ich hatte mir vorgenommen, auf der Fähre nach einem Bett zu fragen, schob es aber vor mich hin.

Auf der Hrossey, Lerwick, Shetland

Lerwick mit Bressay Fähre, Shetland

Es schneit, Shetland – Der weite Blick über das Meer und in Shetland auch über die baumlose Landschaft war ein großer Genuss. Gewaltige Wolken als Ganzes zu sehen tut gut. Daheim habe ich immer das Gefühl mitten in den grauen, regenschweren Wolken zu sitzen. Hier auf Shetland bin ich ein Beobachter eines faszinierenden Naturschauspiels.

Fair Isle in der Nacht, Shetland – leider kommt die Schönheit dieser kleinen Insel auf dem kleinen Fotos nicht gut rüber. Diese Insel werde ich bald besuchen und dann werde ich ihr auch gerecht!
Bei Auslaufen der Fähre fotografierten wir die Wolken vom oberen Deck aus. Dass dieses äußere Deck offen war, lies auf besseres Wetter hoffen. Auf der extrem schaukeligen Fährfahrt nach Shetland vor drei Wochen waren die Decks von Anfang an geschlossen gewesen.
Wehmütig warf ich einen letzten Blick auf Bressay und den Leuchtturm, in dem wir die erste Woche auf der Inselgruppe gewohnt hatten. Der Abschied fiel mir sehr, sehr schwer.
Beim Fotografieren kam ich mit Liz ins Gespräch, wir schwätzten schließlich den ganzen Abend miteinander. Sie hatte, wie wir auch, keine Kabine gebucht. Nach einigen Stunden quälten wir uns wie erwartet auf den Sitzen. Wir sehnten uns danach, flach zu liegen und gemütlich zu schlafen. Glücklicherweise gab es an diesem sonnigen Abend kaum Wellen. Sanft schwankten wir hin und her. Das machte die Sache etwas einfacher. Mit Windstärke 9 hätte ich es ohne Bett nie ausgehalten. Da ging nur liegen!
Nach Sonnenuntergang passierten wir die Fair Isle. Bein Anblick der relativ kleine und abgelegenen Insel packte mich die Sehnsucht: „Da will ich hin! Unbedingt!“ Wie ein Zuckerguss auf einem Kuchen, hatten tausende Vögel mit ihren Hinterlassenschaften die äußeren Felsen der Insel verziert. Ein klein wenig Schnee lag auf den schattigen Hügeln. Die felsige Insel sah aus wie ein Kunstwerk. Eine Spitze des Leuchttürms lugte hinter den grünen Hügeln hervor.
Das war die einzige Aufregung auf der ansonsten angenehm ruhigen Fährfahrt. Gegen 23:00 Uhr legten wir in Kirkwall an. Tief im Bauch des Schiffs rangierten Lastwagen, die schweren Ketten klirrten gedämpft. Wir waren müde, doch fanden auf den Liegesitzen keinen Schlaf. Die Bar war mittlerweile geschlossen, so beschlossen wir auf die Sofas umzuziehen. Geschickt, aber hinterhältig, waren Armlehnen auf den Polstern angebracht. Sie gaben immer nur 1,5m des weichen, gemütlichen Sofas frei. Die Lehnen behinderten das Ausstrecken der Beine und sie waren zu hoch und hart für den Kopf. Jetzt merkte ich, dass mir diese Nacht nicht gut bekommen würde. Es war zu spät nach einem Bett zu fragen. Stundenlang suchten wir erfolglos nach einer halbwegs angenehmen Position. Auf dem Boden war es zu hart, die Sitzbänke nicht lang genug.
Liz sah auch nicht besser aus als ich, als ich sie morgens im Waschraum vor der Toilette traf. Ich hatte schlauerweise einen Becher, Shampoo und ein Handtuch für’s Haarewaschen dabei. Das verbesserte das Äußerliche – innen fühlte sich mein Kopf sehr schwer an. Selbst ein heißer, frischer Kaffee half da nicht.
Unsere Parkposition in der Fähre hatte neben dem Rangieren den großen Nachteil, dass wir erst nach all den Lastwagen hinaus fahren konnten. Und die Lastwagen mußten zuerst von den schweren Eisenketten befreit werden. Alle Passagiere hatten das Schiff bereits verlassen, nur die wenigen Autofahrer, die bereits in Lerwick in die Tiefe der Hrossey abgetaucht waren, standen noch wartend vor der Treppe. Das gab uns Zeit mit den netten Leuten aus Südengland zu schwätzen. Auch deren Zeitplan kam mit der langen, etwa einstündigen Wartezeit, ins Wanken.
Jetzt fuhren wir rückwärts bis ans Ende der Fähre und dann um eine Kurve die steile Rampe hinauf. An einer Ecke blieb ich mit dem langen Bus fast hängen, der Reifen rutschte über eine hohe Kante, aber es passierte nichts weiter. Mir wurde nur bewußt, wie lang doch unser Auto ist – fast so lang wie das Wohnmobil. Ich nahm Anlauf, um mit Schwung hochzufahren, die Riffeln im Blech schepperten und rüttelten alles im Bus wild durcheinander, dann stoppte mich der Einweiser, kurz bevor ich das Ende der Rampe erreicht hatte! „Echt, muss das sein!“ OK, ich zog rasch die Handbremse und fuhr dann auf der steilen, trotz Riffeln, rutschigen, Rampe wieder an. Was für eine Aufregung. Vor allem so unausgeschlafen.
In den Kreiseln und dem Verkehr von Aberdeen ging der Trubel direkt weiter. Ein Kreisel reihte sich an den nächsten. Alle waren mit Autos und Lastwagen gefüllt. In der Stadt gab es mehr Autos als in ganz Shetland und sie hatten sich alle in den engen Straßen und Kreiseln versammelt. Was ist Verkehr? Wo wollen denn all diese Menschen so hektisch hin? Litten wir unter einem Kulturschock? Ich hatte keine Zeit dafür, denn der Verkehr nahm mich und unser Fahrzeug mit. Keine Zeit zum Innehalten.
Ein Tag Fahrt durch England stand uns nun bevor und eine weitere Nachtfähre! Nach den Wochen auf einsamen schottischen Inseln sind die Kreisel in England extrem anstrengend. Das liegt nicht am Linksverkehr, daran haben wir uns längst gewöhnt.
Wir legten einen kurzen Einkaufsstopp ein, aßen ein heißes Hähnchen und Brot. Problemlos erreichten wir die Fähre in Newcastle. Es gab keine wartende Autoschlange, wir waren zwei Stunden zu früh und wurden doch direkt eingewiesen. Das ist sehr praktisch, wenn man die Ausmaße des Schiffs betrachtet. Es war rießig im Vergleich zu der Shetland Fähre! Wie eine Art Kreuzfahrtschiff.
Die PKWs parkten auf Ebenen, die mit den aussteigenden Passagieren hoch und runter gehoben wurden. Beängstigend! Da kann man sich wie in einer großen Saftpresse fühlen und nur hoffen, dass die Arbeiter den Schalter auch rechtzeitig drücken. Unser Bus war glücklicherweise zu lang, so kamen wir gerade nicht mehr auf die Hebefahrbahn mit drauf und die Presse blieb uns erspart.

Kabine mit Fenster und Gabi im Bett
Die Kabine im tiefen Bauch des Schiffes hatte uns auf der Hinreise gestresst. Nach kurzer Recherche stand fest, dass eine Kabine mit Fenster nur 30 Pfund teuerer war. Das war es uns wert gewesen, zwei Kabinen mit Blick aufs Meer zu buchen. Wir hatten nicht nur ein Fenster – glücklich bemerkten wir, dass wir die Aussicht in Fahrtrichtung der Fähre hatten! Nach der Nacht auf dem Boden fühlten wir uns fast reich.
So konnte ich sehr gut entspannen. Ich legte mich direkt ins Bett, denn mein Kopf dröhnte jetzt von der durchwachten, unbequemen Nacht und der langen Autofahrt im englischen Verkehr. Immer wieder warf ich beruhigt einen Blick aufs ruhige Meer hinaus und ruhte weiter. Ohne Aussicht kann ich nicht ruhen, da renne ich immer druch enge, muffelig riechende Gänge hoch zum Deck, um einen Blick aufs Meer zu erhaschen. Diese Kabine war genial! Die Matratze weich, die Kissen kuschelig, die Decke warm, die Luft war sogar zum Atmen geeignet. Mein Kopf erholte sich von den Strapazen.
Gunter und Esra hatten sich das Schiff und vor allem die Duty Free Shops angesehen. Sie kamen angeheitert, giggelnd zurück – die asiatische Crew hatte Whisky ausgeschenkt und die beiden kamen noch mit zahlreichen kleinen Becherchen in den Händen in die Kabine. Günstig sei der Whisky, wir müßten unbedingt eine Flasche mit nach Hause nehmen. Wir kauften schließlich zwei Flaschen (eine Talisker und eine Glenlivet), nachdem Gunter und ich nochmal Geschmacksproben genommen hatten :-)
Die Nacht war ruhig, super bequem, die Kids hatten eine eigene Kabine und wir alle richtig viel Platz. Unsere Provianttasche bescherte weiterhin leckere Snacks, so mußten wir diesmal nicht hungern. Die Newcastle Fähre kann man ohne Kabine gar nicht buchen. Sie ist zwar teuer aber trotzdem sehr praktisch. Die Fahrt nach Dover hätte uns einen ganzen Tag englische Autobahn gekostet, ohne Übernachtung in England wäre das nicht zu schaffen gewesen. Wir hätten also auch fahrender Weise nichts gespart.
Die verspätete Ankunft in Amsterdam sahen wir nicht. Der Nebel war so dicht, dass wir nicht einmal zum Ende der Fähre schauen konnten. Das Schiff fuhr deswegen super langsam in den engen Hafen Amsterdams hinein.

Im Hafen von Amsterdam

Esra

Einfahrt Amsterdam :-)
Zwei Nachtfähren nacheinander sind trotz bequemem Bett sehr anstrengend. Von Amsterdam nach Hause waren es dann weitere sechs, sieben Stunden Fahrt. Die Sonne reiste mit uns; in Bubenheim war es erstmals seit Wochen warm und trocken :-) Wenn Engel reisen!
Empfehlung:
- Nehmt auf der Newcastle – Amsterdam Fähre etwas zu Essen mit, falls Euch 30 Euro für ein Menü zu teuer sind. Etwas Günstiges gibt es nicht.
- Bucht lieber eine Kabine mit Fenster und weiter oben. Wir fühlten uns so tief im Bauch des Schiffs nicht wohl.
- Wir buchten über Direct Ferries Es ist günstig, möglichst früh zu buchen. Da macht jeder Tag später im Preis etwas aus! Evtl lohnt es sich mit Frühstück zu buchen.
- Übersicht Fähren in und nach Großbritannien
Zum nächsten Blogbeitrag:
Fähren in und nach Großbritannien
Viermal haben wir bisher Großbritannien mit dem eigenen Fahrzeug bereist. Zweimal nutzten wir die Fähre von Calais nach Dover, einmal die Fähre von Dünkirchen nach Dover und einmal von Amsterdam nach Newcastle. Für Dich, lieben Leser, sammeln wir in diesem Blogbeitrag einmal unsere bisherigen Fährerfahrungen. Du kannst über die Links direkt buchen oder Preise ermitteln.
Viel Spaß bei der Reiseplanung!
auf der Fähre von Uig nach Tarbert
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Die Ärmelkanal-Fähren
http://www.directferries.de/ – Fähre Dover – Calais
www.directferries.de – Dunkerque – Dover
Die Meerenge bei Dover ist eines der am stärksten befahrenen Meeresgebiete der Welt.
Mehrere Fährgesellschaften und der Eurotunnel sorgen für ein zügiges Vorankommen.
Einzelheiten zu Fahrzeiten würden hier zu weit führen. Generell gilt: früh buchen spart viel Geld, teilweise mehr als die Hälfte des Schalterpreises.
Die Hauptverbindung ist Calais – Dover. Hier fahren P&O Ferries und DFDS Seaways in der Hauptsaison über 50 mal täglich.
Die etwas längere Strecke Dunkerque – Dover wird 12 mal täglich bedient.
Der Eurotunnelzug fährt 44 mal täglich ab. Kleine Abweichungen von diesen Zahlen musst du uns verzeihen, auf die aktuellen Fahrpläne haben wir keinen Einfluss, und andauernd ändert sich was.
Calais – Dover dauert 1:30 Stunden, Dunkerque – Dover 2 Stunden und der Autozug im Eurotunnel schafft die Strecke in 35 Minuten. Dafür kostet der Eurotunnel auch mehr als das Doppelte.
Directferries zeigt nach Eingabe der Passagierdaten alle zur Verfügung stehenden Verbindungen mit Preisen übersichtlich an.
Für die kurze Fährzeit ist die Fähraussstattung eher nebensächlich. Sitzgelegenheiten, Snackbar und Shops sind an Bord. In der Hauptsaison kann es leicht voll und laut werden.
Bei unserer letzten Schottlandreise hat uns Grindel, unser Tigerdackel begleitet. Mit Hunden nach Großbrittannien zu reisen ist in den vergangenen Jahren viel einfacher geworden. Eine gültige Tollwutimpfung, die nur alle drei Jahre aufgefrischt werden muss, und eine Wurmkur einen bis fünf Tage vor der Einreise genügen.
Was wir weniger lustig fanden, die Tiere müssen während der Überfahrt im Fahrzeug bleiben, was für unseren jungen Dackel viel Stress bedeutete. Auf skandinavischen und holländischen Fähren durften dagegen Hunde mit auf die Personendecks. Mal gespannt, wann und ob sich das zum Positiven hin ändert.
Etwas seltsam kamen uns die Methoden des englischen Zolls vor. Anstatt die nach England einreisenden Touristen auf mengenbeschränkte und verbotene Gegenstände hinzuweisen, tun sie das beim Verlassen des Landes.
Das ist uns so passiert, wir haben eine Dose Pfefferspray, die wir schon Jahre im Wohnmobil herumliegen hatten, acht Wochen lang keiner Schuld bewusst durch ganz England und Schottland gekarrt. Erst beim Verlassen des Landes, vor der Fährrauffahrt wurden wir danach gefragt, und das Spray wurde konfisziert, mit dem Hinweis, das dies in England den Tatbestand des Schusswaffenbesitzes erfüllen würde. Aber man würde in diesem Falle mal nicht so sein und es bei einer Verwarnung belassen. Wirklich seltsam!
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DFDS Fährlinie Amsterdam – Newcastle
Bietet sich an, wenn man nach Schottland möchte, da die Nachtfahrt einen Tag Fahrt durch den englischen Verkehr spart.
http://www.dfdsseaways.de/
Directferries: Amsterdam – Newcastle
Tägliche bzw. nächtliche Fahrten in beide Richtungen
Fahrzeit: 16 Stunden, je nach Wetter und Seebedingungen auch länger
Abfahrtszeit: Amsterdam 17:30 Uhr
Newcastle 17:00 Uhr
Ankunftszeit: Amsterdam 9:30 Uhr
Newcastle 9:00 Uhr
Zeiten sind Ortszeit (England = -1h)
Die Preise sind stark abhängig vom Zeitpunkt der Buchung: je früher, desto billiger.
Kabinen müssen gebucht werden. Aufpassen, es gibt Innenkabinen im unteren Deck und normale Innenkabinen. Die im unteren Deck liegen noch unter den Autodecks.
Es schaukelt dort zwar weniger, dafür ist die Luft stickiger, und bei uns machte sich leichte Klaustrophobie bemerkbar. Bei der nächsten Buchung hatten wir für nur 30 Euro mehr zwei Außenkabinen mit Blick in Fahrtrichtung auf den oberen Decks gebucht (für 5 Personen!) und uns wesentlich wohler gefühlt.
Das Interieur der Fähre ist edel und sauber, die Restaurants und Bars liegen in der gehobeneren Preisklasse. Die Kabinen sind nüchtern funktional mit eigener Toilette und Dusche.
Die Überfahrt ist ein wenig wie eine Minikreuzfahrt. Die meisten Fährgäste sind auch Touristen die einen Kurzurlaub am anderen Ende der Fährstrecke verbringen wollen.
Hunde können entweder im Fahrzeug bleiben und maximal dreimal kurz besucht werden, wir fanden das wenig vorteilhaft. Die Alternative ist eine Hundebox in einem separaten Tierraum, euphemistisch Hundehotel genannt.
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Caledonian MacBrayne – Fähren nach Lewis and Harris
http://www.calmac.co.uk/
Im Sommer verkehren die Fähren auf der Strecke Ullapool – Stornoway zweimal täglich in beide Richtungen, die Fähren auf der Strecke Uig – Tarbert fahren täglich ein- bis zweimal.
Die jeweiligen Zeiten sind in den Timetables der Homepage übersichtlich gelistet.
Im Winter wird der Fährverkehr auf eine Fahrt am Tag eingeschränkt, die Tarbert-Fähre fährt an manchen Tagen der Woche nur in eine Richtung.
Bei hoher See kann es zu Verspätungen und Ausfällen kommen, die aktuelle Situation wird auf der Homepage angezeigt.
Die Überfahrt zwischen Uig auf Skye und Tarbert auf Harris dauert 1:40 Stunden, die zwischen Ullapool und Stornoway 2:45 Stunden.
Die Preise sind Festpreise, Frühbucherrabatte und ähnliche Vergünstigungen gibt es nicht, das macht die Reiseplanung auch einfacher. Die Preise sind bei den Tabellen mit den Abfahrtszeiten dabei.
Die Fähren sind wie üblich ausgestattet mit ausreichend Sitzgelegenheiten und einer Snackbar.
Caledonia MacBrayne-Fähren betreiben alle Fährlinien zu und zwischen den westlichen Inseln Schottlands. Die Gesellschaft bietet auch Kombitickets wie „Island Hopping“, „Whisky Hopscotch“ oder „Island Rover“ an. Das ist interessant für Reisende, die auf Rundtouren möglichst viel von den Inseln sehen wollen.
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Northlink Ferries Aberdeen – Lerwick / Shetland Inseln
http://www.northlinkferries.co.uk/
Directferries: Aberdeen – Lerwick
Tägliche bzw. nächtliche Fahrten in beide Richtungen
Fahrzeit: 12,5 Stunden direkt oder 14,5 Stunden mit Zwischenstopp auf den Orkney-Inseln, je nach Wetter und Seebedingungen auch länger.
Bei Sturm und hohem Seegang kann die Fahrt komplett gestrichen werden, oder es kann beim Einlaufen in den Hafen von Aberdeen zu erheblichen Verzögerungen kommen
Abfahrtszeit: Aberdeen 17:00 Uhr und 19:00 Uhr
Lerwick 17:30 Uhr und 19:00 Uhr
Ankunftszeit: Aberdeen 7:00 Uhr
Lerwick 7:30 Uhr
Bei den früheren Abfahrtszeiten legt die Fähre einen dreiviertelstündigen Aufenhalt in Kirkwall auf den Orkneys ein. Das ist drei bis vier mal pro Woche der Fall.
Die Preise sind unabhängig vom Zeitpunkt der Buchung, allerdings kann es bei starker Nachfrage zu Engpässen bei den verfügbaren Plätzen kommen. Deshalb rechtzeitig reservieren.
Kabinen müssen nicht gebucht werden. Es stehen, wie im Flugzeug, verstellbare Sitze zur Verfügung. Dort schläft es sich aber nicht sehr bequem, und die anderen Sitzgelegenheiten sind fürs entspannte Schlafen wenig geeignet. Also besser einen Schlafplatz buchen, erst recht, wenn mit hohem Seegang zu rechnen ist.
Das Interieur der Fähre ist Standard, die Restaurants und Snack-Bars haben normale Preise. Die Kabinen sind nüchtern funktional, etwas eng, aber mit eigener Toilette und Dusche.
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Plymouth – Roscoff
Directferries: Plymouth – Roscoff
Im Jahr 2009 hatten wir die Fähre von Plymouth nach Roscoff genommen. In diesen beiden Fährhäfen geht es sehr entspannt zu, sie sind wesentlich kleiner und weniger frequentiert als Calais-Dover. Leute, die nicht so gern im englischen Linksverkehr unterwegs sind und trotzdem Cornwall besuchen möchten, bietet diese Fährelinie eine gute Möglichkeit. Die Bretagne kombiniert sich ganz ausgezeichnet mit Cornwall und Wales. Wir haben damals diese Nachtfahrt genossen.
Directferries: Plymouth – Roscoff
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Unsere Reiseberichte von Großbritannien findest Du auf dieser Übersichtsseite.
Übersichtsseite Shetland
Most haunted house – the Windhouse, Shetland – die Geister kommen!
Die Ruine des Windhouse in Shetland hat eine besondere Berühmtheit. Es ist als das „Most hauted house“ Shetlands bekannt. Das Haus, in dem es am meisten spukt. Wir berichteten im live-Bericht bereits darüber.
In Facebook fand ich eine Gruppe, die Fotos von den Shetlands tauscht und kommentiert. Dort fühle ich mich genauso wohl wie auf den Shetland Inseln selbst. Ich traf dort viele nette Menschen und der Informationsaustausch macht sehr großen Spaß.
Windhouse, Yell, Shetland
Was meinst Du, passt hier ein SW Foto?
Vor wenigen Tagen postete ich in dieser FB-Gruppe eines unserer Geisterhaus Fotos. Meine Frage dazu ging natürlich in Richtung Geister. Wer hat dort jemals einen Geist „erlebt“? UND es kamen ein paar Antworten. George, der die Gruppe gründete ist ein begnadeter Geschichtenerzähler – obwohl er betont, das alles wahr ist, was er schreibt. Mit seiner Erlaubnis poste ich hier seine Gänsehaut erzeugenden Erzählungen von Geistererlebnissen. Die Erlebnisse hatte er nicht im Windhouse aber ich denke, Du bekommst einen Eindruck von dem, was Geister machen können.
Shetlopeadia liefert ausführliche Informationen zum Windhouse auf Yell.
Es kam ein weiterer Beitrag von Fu, die darüber berichtet, wie ihre Tochter ein Haus verlassen mußte, weil es von zahlreichen Geistern heimgesucht wurde. Die ganze Familie, vier Kinder inklusive, sahen seltsame Dinge. Die Familie forschte nach und es kam heraus, dass in den 1800 ern bei einem Grubenunglück unter dem Haus Minenarbeiter gestorben waren und dass es 60 Jahre zuvor einen Mord/Selbstmord im Haus gegeben hatte.
Da ich einen Übersetzer in den Blog eingebaut habe, belasse ich Georges Texte im Original. Ich finde, das gruselt intensiver. Viel Spaß beim Lesen und Betrachten der Fotos.
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Erzählung von George Graham, Shetland
this happened to me back in the sixties, but it is still very vivid in my mind..my late wife Jean was always getting on to me for scaring our children with these stories…
So I will start..it was in August when I knew the Salmon were in the upper reaches of the river Ayr and the river Luger…so I set out in my car and headed for Mauchline, passing through Moscow and Hurlford on the way there… I arrived outside the village, and parked the car at a place called the Haugh, then set up my fishing gear, I walked downstream to a place called the meeting o the watters..
where the Luger meets the Ayr.. I decided to fish the Luger first..so went upstream about a quarter o a mile and started to fish.. It was not to long when I was into a Salmon, a nice fish of seven pounds.. So I took it back to the car and then decided to fish upstream on the River Ayr.. I was fishing a long pool. when I noticed someone else was fishing on the opposite bank to me… it was a Mink, its colour was unusual as it seemed to be blue fur…anyway it was a far better angler than me, as evertime it slipped into the pool, it would come up with a Salmon Parr, then disappear into a gully, where I presumed it had young to feed.
So I decided to move on to the next pool, as I thought it had probably scared off the Salmon in that pool…… so I moved upstream to the pool above, and started to fish again… It was a very pleasant day for fishing.. the birds were singing.. the water was gurgling down over some rapids, sheer paradise to someone like me, who loves the country……….. I first became aware that something strange was about to happen at this place, I had a very uneasy feeling that all was not right……. The first thing I noticed.. was the birds had gone quiet, then I realised that the water was not gurgling either…… I sensed the hairs on the back of my neck rising, and a tingling on my neck ……… something wasnt right……… even the tree branches seemed to have stopped swaying in the breeze……………… Then I slowly raised my eyes and looked over the river to the bushes………. I was being watched I thought……then a man in black materialised right across the river from me…He did not speak or move..just stared at me, for what seemed like an age…then he started to fade away in front of my eyes……[/green_box]
Dramatische Wolken inklusive, Windhouse, Yell, Shetland
Dramatische Wolken inklusive, Windhouse, Yell, Shetland
Dramatische Wolken inklusive, Windhouse, Yell, Shetland
Windhouse von vorne
ich fand an diesem Tag das Knochenfeld des Bauern mit den sieben Corder Collies am gruseligsten
Erstmals habe ich die Fotos mit einem Nik Filter bearbeitet. Was meist Du dazu? Wirkt es gruselig? Sieht man die Bearbeitung zu sehr? Ich freue mich auf Deine Meinung!
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Erzählung von George Graham, Shetland
this is another true story in Paisley this time.. I got a phonecall from Sandy, to explain that he had ordered a chest freezer, he wanted it down in the cellar. but it was a bit too wide to fit through the doorway, and it was to be delivered the next day, could I help…. I said no bother Sandy. but I will have to do it tonight, I had the spare key o the hoose…
So that night I set out to his hoose, as I drove up the long driveway, trees on each side o the driveway they were swaying in the wind, when I got to the mansion, it looked a wee bit spookie, and I got that kind o feeling.. Something was watching me…………
So I entered the hoose, switched on the lights, and made my way to the cellar.. I measured the doorway between the door stiles and figured out that if I removed the door and the stiles, then he would get the freezer in with no bother.. so I removed the door, then levered off the stiles,, when I THOUGHT.. I WASNT IN THE CELLAR MYSELF…. the next moment I felt like a punch in my back. which threw me onto the floor.. I quickly picked myself up and did a quick exit from the old house… When I think back on this event.. I can only think that the old man who was the original owner. Mr. Robertson, who died a number of years ago, took exception to me altering his cellar door. and it was his way of letting me know…[/yellow_box]
Übersichtsseite Shetland
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Shetland Wolle
Was macht die Shetland-Wolle so einzigartig?
„Shetland Wool, taking all its properties together, is perhaps the completest article of the kind in the universe, possessing at the same time, the gloss and softness of silk, the strength of cotton, the whiteness of linen, and the warmth of wool.“
Sir John Sinclair
September 22, 1790
„Wenn man all ihre Eigenschaften zusammennimmt, ist Shetland-Wolle wahrscheinlich das vollkommenste Produkt seiner Art im ganzen Universum. Sie hat den Schimmer und die Geschmeidigkeit von Seide, die Robustheit von Baumwolle, das Weiß von Leinen und die Wärme der Wolle.“
Sir John Sinclair
22. September 1790
Das Shetland Schaf
Die Schafe stürzen sich auf das Futter – Bressay, Shetland
Schafe und Bressay Leuchtturm mit typischen Shetland Wolken
Das Shetland-Schaf ist eine primitive Rasse, primitiv wird hier im Sinne von „kaum verändert“ verwendet. Die Wurzeln dieser Rasse lassen sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Viele der ursprünglichen Merkmale haben sich über die Zeit hinweg gerettet. Shetland-Schafe sind nicht überzüchtet, wie die meisten modernen Rassen. Die recht kleinen, kurzschwänzigen, langsam wachsenden und langlebigen Tiere haben ihren ausgeprägten Überlebensinstinkt erhalten. Sie sind sehr widerstandsfähig und geben sich auch mit kargem, nährstoffarmem Futterangebot zufrieden.
Schafe auf der Insel Burra, Shetland
Damit kann man sie getrost unbeaufsichtigt in der freien Natur herumstreunen lassen. Sie können gut auf sich selbst aufpassen, anders als die kommerziellen Züchtungen, deren Haltung um einiges aufwändiger ist.
Shetland-Schafe kommen in allen möglichen Färbungen und Mustern vor. Über 30 verschiedene Benennungen, wie „katmoget“ (dachsgesichtig), oder „yuglet“ (hell, mit Pandaflecken im Gesicht) sind in Gebrauch. Die Bezeichnungen sind weit über tausend Jahre alt, stammen von nordischen Sprachen ab, und sind heute in ähnlicher Form auch in Skandinavien und Island in Gebrauch.
Schafe in Eshaness, mit Blick auf die Drongs
Anfangs des 20. Jahrhunderts war die Rasse ernsthaft vom Aussterben bedroht. Viele Schaffarmer kreuzten ihre Shetlands mit größeren, grobwolligeren Schafsrassen. Das brachte zwar mehr Fleisch auf die Rippen, minderte aber die Wollqualität so stark, dass niemand mehr die Wollprodukte kaufen wollte. Dadurch geriet die shetländische Wollindustrie an den Rand des völligen Ruins. Als Konsequenz daraus wurde eine Zucht-Gesellschaft gegründet, die sich die Rassenreinheit und einen hohe Wollqualitätsstandard zum Ziel setzte. Trotzdem nahm die Zahl der reinen Shetlands so weit ab, dass die Rasse in den 70er Jahren als bedroht eingestuft wurde.
Nur intensive Anstrengungen der Schafzüchter, die strikteste Kontrolle des Zuchtstandards und die penible Auswahl und Begutachtung jedes einzelnen Zuchtschafs, führte dazu, dass wieder exquisite Wollgüte produziert werden konnte.
Inzwischen hat sich der Schafbestand wieder erholt. Die Nachfrage nach Shetland-Wolle hat phänomenal zugenommen, seitdem die Qualität stabil auf hohem Niveau liegt. Auf den Britischen Inseln gibt es heute wieder mehr als 3000 Schafe.
Noch mehr zum Thema Shetland Schaf mit Film hier!
Die Wolle
Seit Generationen ist die Wolle der Shetland-Schafe bekannt für ihre guten Wärmeeigenschaften und ihre Feinheit. Sie ist äußerst weich, und die Fasern sind fein gekräuselt, was dem Wollstoff eine hohe Elastizität und Flauschigkeit verleiht. Dadurch lässt sie sich auch angenehm direkt auf der Haut tragen.
Berühmt sind die Schals aus handgewebter Spitze (gossamer lace), die so fein sind, dass man sie durch einen Ehering ziehen kann. Die gestrickte „Fair Isle Knitwear“ mit den charakteristischen Mustern und der feine Shetland-Tweed sind weitere berühmte Wollprodukte der Inseln.
Die Haltbarkeit der Wollsachen ist so hoch, dass viele gute Stücke weitervererbt werden. Wir sind Leuten begegnet, die über 40 Jahre alte Pullover tragen, die nur hin und wieder in Form gezogen werden müssen – vor allem nach dem vorsichtigen Waschen per Hand.
Jamiesons Wollfrabrik, Shetland
Jamiesons Wollfrabrik, Shetland
Jamiesons Wollfrabrik, Shetland
Jamiesons Wollfrabrik, Shetland
Die Shetland-Schafe tendieren im Frühjahr dazu, ihre Winterwolle abzustreifen. Sie löst sich leicht, so bietet es sich an, die Schafe zu „pflücken“, anstatt zu scheren. Dieses aufwendige Verfahren ergibt die allerfeinste Wollqualität, da die Faserenden keine durch das Scheren verursachten scharfen Kanten und Brüche aufweisen.
Die Muster der klassische Wollprodukte werden aus ungefärbter Wolle hergestellt. Das funktioniert, weil das Wollkleid der Shetland-Schafe eine ganze Palette von Farben aufweisen kann:
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„white“ – weiss
„light grey“ – helles Grau
„grey“ – grau
„black“ – schwarz
„dark brown“ – dunkelbraun
„emsket“ – rauchiges blaugrau
„musket“ – helles graubraun
„shaela“ – dunkles stahlgrau
„fawn“ – rehbraun
„moorit“ – rotbraun
„mioget“ – honigfarben, gelbbraun
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Heute sorgt die nachträglich eingefärbte Wolle für den Hauptumsatz. Sie ermöglicht farbenfrohere und moderne Designs, und ist kostengünstiger in der Herstellung und Verarbeitung. Wahrscheinlich sind deswegen die meisten heute lebenden Schafe weiss. Auf unserer Reise hatten wir aber den Eindruck, dass die Schaffarmer anfangen, wieder mehr „Farbe“ in die Zucht einzubringen.
Im November 2011 erhielt die auf den Shetland-Inseln produzierte Wolle als erstes Nonfood Produkt in Großbritannien den Status eines geografisch geschützten Begriffes: „Native Shetland Wool“.
Die Bezeichnungen „Shetland Sheep Wool“ und „Shetland Wool“ gelten zwar für Wolle von reinrassigen Shetland-Schafen, diese müssen aber nicht zwangsläufig auf den Shetland-Inseln leben.
Über Shetlands Jamiesons haben wir ausführlich berichtet. Sogar mit Film.
Fair Isle Knitwear, die Strickwaren von der Fair Isle
Die bekannte Fair Isle Rundstricktechnik hat sich über Generationen auf der Insel entwickelt.
Es wird gemunkelt, dass diese Technik aus Zeitnot geboren wurde. Früher kam einmal die Woche ein Handelsschiff vorbei, so mussten die bestellten Pullover innerhalb dieser Wochenfrist fertiggestellt sein. Und das Rundstricken ging schneller von der Hand und ergab gleichmäßigere Maschen.
Der Ursprung der charakteristischen Muster liegt im Dunkeln. Einige der Muster ähneln maurischen Verzierungen, deshalb geht die Sage, die spanischen Seeleute des gestrandeten Armada-Flaggschiffs „El Gran Grifon“ hätten diese Muster im Jahr 1588 eingeführt. Es ist aber wahrscheinlicher, dass die regelmäßig anlegenden Handelsschiffe gemusterte Webwaren gegen Wasser und Proviant eintauschten, und die findigen Strickerinnen auf der Insel diese nach und nach für die Pullover übernahmen und weiterentwickelten. Erst gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts tauchten die ganzflächigen Muster mit den wechselnden, zweifarbigen Reihenmustern auf. Die Frauen benutzten die natürlich vorkommenden Farben der Wolle (siehe oben), oder färbten mit „Korkalett“, einer lokalen Flechtenart (rot) und einer Knöterich-Art, genannt „Blocks“ (gelb).
Fair Isle ist heutzutage ein weltweit benutzter Begriff für jegliche Form von mehrfarbigen Strickwaren, trotzdem gibt es auch eine kleine Zahl originaler Fair Isle Pullover und Accessoires. Diese exklusiven Stücke sind aus handgesponnener Wolle handgewebt, müssen von der Fair Isle stammen und tragen das Markenzeichen „Star Motif“, einen stilisierten achtzackigen Stern in Webmusterdesign.
Nach dem Stricken werden die Pullover auf ein „Wooleyboard“ in Form gespannt und einige Tage lang Wind und Wetter ausgesetzt. Dabei verfilzen die Fasern leicht, und das Kleidungsstück wird formstabil, wind- und wasser dicht.
Keine Frage, dass so was nicht über Kaufhäuser und Discounter erhältlich ist. Die Strickwaren werden nur an Besucher der Fair Isle verkauft, oder können dort über den Versandweg bestellt werden.
Fair Isle Muster, Lerwick Museum, Shetland
Betty strickt einen Pullover mit Fair Isle Muster
Über Bettys Strickwunder hatte ich bereits von unterwegs aus berichtet.
Burra Bears
Wendy Inkster, die Designerin der bekannten Burra-Teddybears ist immer auf der Suche nach Shetland-Wolle und abgelegten Shetland-Pullovern für die Herstellung ihrer Bären. Viele Pulloverinhaber bringen ihr die alten Pullis, denen sie ein zweites langes Leben als Teddybär gibt. Wir hatten Wendy besucht und über sie und ihre Bären berichtet. Trotzdem möchte ich in diesem Blgbeitrag ein Foto von den Burra Bären haben – sozusagen als evloutionären Abschluss der Shetland Wolle :-)
Burra Bears, Wendy Inkster
Burra Bears
Nun, mit diesem kuscheligen Burra Bears beende ich diesen Artikel jedoch nicht. Auf den schottischen Inseln waren wir jeden Tag und manchmal auch Nachts unterwegs. Wir liefen über die Wiesen, kletterten über die Zäune, landeten im Matsch und passten andauernd auf, dass wir nicht in das hier traten:
Schafskniddel – immer und überall
Das war sozusagen die Evolution der Shetland Wolle :-) Habt Ihr schon mal von dieser besonderen Wolle gehört? oder habt ihr sogar einen Pullover? Es wäre wunderbar, von den modernen, synthischen Outdoorklamotten wegzukommen und wieder auf diese wunderbar natürlichen Kleidungsstücke zurück zu kommen. Da denke ich übrigens auch an den Harris Tweed!
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Shetland Schafe
Shetland ist nicht nur für die grandiosen Landschaften und den immerwährenden Wind, sondern vor allem für seine feine Wolle berühmt. (starte am besten vor dem Weiterlesen das Video weiter unten :-)
Aber fangen wir mal ganz vorne an: Auf jeder Fahrt über diese wundervolle Inselgruppe begegnet man den wolligen Tieren, ohne die es keinen Pullover gäbe. Unter uns nennen wir sie manchmal Woll-Elche oder Pulloverschweine. Nach den Wochen auf der Isle of Skye und den Hebriden waren die Schafe natürlich nichts Außergewöhnliches mehr. Mich nervten die Tiere eher indirekt, weil sie für die unglaublich langen und zahlreichen Zäune verantwortlich sind. Die Landschaft ist so weit, das Meer und die fotogene Küste immer in Sichtweite – nur die Zäune, egal ob aus Draht, Holz oder Stein – nehmen mir das Gefühl von Freiheit.
Schafe im Schnee, Shetlands
Trotz allem schafften es die Schafe mich in ihren Bann zu ziehen. Die Tiere sind immer neugierig und interessiert. Und das, obwohl sie eine große Scheu vor Menschen haben. Sie erinnern mich, obwohl es weit her geholt ist, an das Buch von Susan Jeffers Feel The Fear And Do It Anyway.
Bei jeder Begegnung spürte ich diese Scheu der Schafe vor allem Neuen, trotzdem kamen sie gelaufen, trotzdem war das Gras vor dem Zaun doch immer am Besten.
Eines schönen, kalten Wintertages mit super dramatischen Wetterwechseln erlebten wir das Schafstreffen – das Schaffotoshooting – schlechthin. Trotz großer Müdigkeit schrieb ich direkt nach dem Treffen einen ausführlichen Bericht mit dem Titel Schafe und Schnee in Südshetland. Nur so kann ich die kleinsten Feinheiten dieses Erlebnisses einfangen.
Jetzt habe ich die Zeit tiefer auf den fotografischen Aspekt dieser glücklichen Begegnung einzugehen. Es ist eine Herausforderung, gefühlte Wetterverhältnisse in einem Foto festzuhalten. Eiskalter Sturm ist besonders schwierig einzufangen. Wie transportiert man dieses Gefühl des beißenden Windes auf ein zweidimmensionales Foto? Es schneite harte, eisüberzogene Schneeteile – es war kein richtiger Hagel, und bei weitem keine Flocke. Angetrieben vom böigem Sturm, der noch dazu ständig die Windrichtung wechselte, schossen diese Teile durch die Luft und taten weh, wo sie auftrafen, der scheinbar polare Wind ging sogar noch unter die Kleidung und sogar die Haut. Die Finger schmerzten schon nicht mehr, jedes Gefühl war aus ihnen gewichen.
schon liegen die Schafe nicht mehr schneebedeckt auf dem Boden, Shetland
einmal pinkeln, Schafe, Shetland
Innerhalb weniger Minuten war der Boden von Schnee bedeckt, noch hing der Himmel voller schwerer, dunkelblauer Schneewolken. Wir waren mit dem Wagen im Süden Shetlands unterwegs. Im Freien peinigten uns die Eisgeschosse, als wir diese Kulisse genießen wollten. Wir bogen um eine Kurve, hatten plötzlich einen freien Blick über eine Weide in Richtung Meer, dahinter die dramatischen Schneewolken. Die Weide war von Schafen bevölkert. Ihnen war es trotz ihres wärmenden Wollüberzuges eindeutig zu kalt. Alle lagen dicht am Boden gekauert, hatten die Hälse soweit es welche gibt, eingezogen, um sich vor dem bissigen Inselwind zu schützen. Die schwere Wolke hatten den Schnee auch auf den Schafen abgeladen. Wie schneebedeckte kleine Hügel suchten sie Schutz vor dem shetländischen Wetter. Ja, dieser Anblick war der Inbegriff der Kälte und des Sturms. Ich schnappte die Kamera und wagte mich hinaus, war mir der Gefahr dieser Witterung bewußt. Mutig stellte ich mich ihr! Was tut man nicht alles für DAS Bild! Was sind schon kalte Finger? Die tauen schon wieder auf, aber das Foto, das kann ich jahrelang, ja das können sogar mal meine Enkel, anschauen :-)
Leider ging mein Plan nicht ganz auf. Sobald die Autotür unachtsamerweise geräuschvoll zufiel, kamen die Schafe neugierig auf mich zugetrabt. Nicht einmal ein einziges Foto mit den liegenden Schafen war möglich. Sie kamen erst zögerlich langsam, dann immer zügiger und mutiger. Schließlich fingen sie an, fordernd zu blöken. Sie stellten sich nach Futter fragend vor mir auf. Es war sowas von genial! Grinsend wechselte ich zwischen den Kameras hin und her – eine mit Superweitwinkel, eine mit normaler Brennweite. Ich steckte das Mikrofon auf eine der beiden und filmte das Schafkonzert. Der kräftige Wind steuerte trotz großem Puschel ein paar Takte bei.
In Facebook fand ich eine Gruppe von Shetland begeistertetn Fotografen und teilte eines dieser dramatischen Schaf-Wolken-Schnee-Fotos. Schon nach wenigen Minuten kam die Meldung: „tis is my sheep“. Was für eine große Freude für mich! Ich hatten per Zufall den Besitzer dieser freundlichen Schafe gefunden. Oder besser, er mich.
Schafe und Blick aufs Meer, Shetland
Schafe und Meer mit Schneewolken
neugierige Schafe, Shetland
Schafe nocheinmal mit Superweitwinkel aufgenommen
Shetland Wolle ist so cool, da haben wir nen ganzen Artikel drüber geschrieben! Nicht nur für Stricktanten interessant!
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Moving picture – bewegtes Polarlicht
Ein bewegtes Bild des Polarlichts, aufgenommen im September 2010 auf den Lofoten. Die gif-Datei besteht aus sieben Einzelaufnahmen mit Überblendeffekt.
moving picture – Nordlicht
Die Kurzanleitung Polarlicht-Fotografie als PDF zum Ausdrucken gibt es kostenlos für Newsletterabonnenten
Polarlichter fotografieren
Das Buch: Dein Weg zum Nordlichtfoto
Fähre Lerwick – Aberdeen, danach direkt Fähre Newcastle – Amsterdam
Unser letzter Tag auf den Shetlands war mit Aktivitäten und neuen Eindrücken angefüllt. Darüber habe ich bereits in den vorigen Blogbeiträgen berichtet.
Um 17:00 Uhr sollte die Fähre von Lerwick nach Aberdeen fahren. Das Wetter war wieder traumhaft. Die Sonne schien, große, schwere Wolken verzierten den blauen Himmel. Regional schneiten sie in dramatischer Schönheit ab.
In der warmen, fast schon heißen Sonne, warteten wir darauf, endlich auf das Schiff fahren zu können. Ich vertrieb mir die Zeit im langen Gespräch mit einem Ehepaar und deren Enkelin aus Südengland. Während der langen Fährfahrt setzten wir dieses Gespräch an den unterschiedlichsten Orten fort. Mal trafen wir uns auf Deck, dann beim Frühstück….
Die Hrossey in Lerwick – mit offenem „Maul“, welches die großen Lastwagen verschluckte, während wir staunend zuschauten.
Abschied von Lerwick, Shetland – grandiose Wolken über einer außergewöhnlichen Stadt.
Ein Lastwagen nach dem anderen fuhr in den Bauch der Hrossey. Unglaublich, wieviele Fahrzeuge in die relativ kleine Fähre hineinpassen. Allerdings war das Aufkommen der LKWs an diesem Tag außergewöhnlich hoch, wie Mitarbeiter und shetländische Fahrgäste bestätigten. Wir warteten deswegen etwas länger und mußten schließlich im Schiff rangieren. Zwischen den großen und bereits mit Ketten gesicherten Transportern war eine schmale Spur, gerade breit genug für die PKW’s, frei. Wir fuhren durch die Länge der Fähre, wendeten am hinteren schmalen Ende – mit der langen VW T4 Version nicht einfach – fuhren dann über eine steile Rampe hinunter ins Schiff, wendeten nocheinmal und parkten dann so eng ein, dass die Heckklappe des Kofferraums blockiert war.
Am Ausgang stand ein lustiges Schild: „Wenn Du in Kirkwall auf den Orkneys aussteigen willst und hier parkst, kontaktiere sofort einen Angestellten der Fähre!“ Hier unten kommt keiner schnell raus! Bei der Buchung der Fährfahrt vor ein paar Tagen hatten wir nicht darauf geachtet, ob eine Kabine reserviert war. Der Angestellte hatte nach der vorherigen Buchung gefragt und dann einfach ohne Nachfrage gemacht. Ich war davon ausgegangen – da der Preis ungefähr der gleiche wie bei der Hinfahrt war – dass wir wieder eine Kabine haben würden. Erst einen Tag später hatten wir bemerkt, dass keine Kabine auf der Buchung stand. Jetzt waren wir in der Vorsaison und die Fahrt etwas teurer. Die Kabine hätte uns weitere 90 Pfund gekostet. Gunter meinte, das können wir sparen. Mir war es nicht recht – ich neige zu Kopfschmerzen, wenn ich nicht gut schlafe und die Reise war lang. Diese Fähre war erst der Beginn der dreitägigen Tour. Ich hatte mir vorgenommen, auf der Fähre nach einem Bett zu fragen, schob es aber vor mich hin.
Auf der Hrossey, Lerwick, Shetland
Lerwick mit Bressay Fähre, Shetland
Es schneit, Shetland – Der weite Blick über das Meer und in Shetland auch über die baumlose Landschaft war ein großer Genuss. Gewaltige Wolken als Ganzes zu sehen tut gut. Daheim habe ich immer das Gefühl mitten in den grauen, regenschweren Wolken zu sitzen. Hier auf Shetland bin ich ein Beobachter eines faszinierenden Naturschauspiels.
Fair Isle in der Nacht, Shetland – leider kommt die Schönheit dieser kleinen Insel auf dem kleinen Fotos nicht gut rüber. Diese Insel werde ich bald besuchen und dann werde ich ihr auch gerecht!
Bei Auslaufen der Fähre fotografierten wir die Wolken vom oberen Deck aus. Dass dieses äußere Deck offen war, lies auf besseres Wetter hoffen. Auf der extrem schaukeligen Fährfahrt nach Shetland vor drei Wochen waren die Decks von Anfang an geschlossen gewesen.
Wehmütig warf ich einen letzten Blick auf Bressay und den Leuchtturm, in dem wir die erste Woche auf der Inselgruppe gewohnt hatten. Der Abschied fiel mir sehr, sehr schwer.
Beim Fotografieren kam ich mit Liz ins Gespräch, wir schwätzten schließlich den ganzen Abend miteinander. Sie hatte, wie wir auch, keine Kabine gebucht. Nach einigen Stunden quälten wir uns wie erwartet auf den Sitzen. Wir sehnten uns danach, flach zu liegen und gemütlich zu schlafen. Glücklicherweise gab es an diesem sonnigen Abend kaum Wellen. Sanft schwankten wir hin und her. Das machte die Sache etwas einfacher. Mit Windstärke 9 hätte ich es ohne Bett nie ausgehalten. Da ging nur liegen!
Nach Sonnenuntergang passierten wir die Fair Isle. Bein Anblick der relativ kleine und abgelegenen Insel packte mich die Sehnsucht: „Da will ich hin! Unbedingt!“ Wie ein Zuckerguss auf einem Kuchen, hatten tausende Vögel mit ihren Hinterlassenschaften die äußeren Felsen der Insel verziert. Ein klein wenig Schnee lag auf den schattigen Hügeln. Die felsige Insel sah aus wie ein Kunstwerk. Eine Spitze des Leuchttürms lugte hinter den grünen Hügeln hervor.
Das war die einzige Aufregung auf der ansonsten angenehm ruhigen Fährfahrt. Gegen 23:00 Uhr legten wir in Kirkwall an. Tief im Bauch des Schiffs rangierten Lastwagen, die schweren Ketten klirrten gedämpft. Wir waren müde, doch fanden auf den Liegesitzen keinen Schlaf. Die Bar war mittlerweile geschlossen, so beschlossen wir auf die Sofas umzuziehen. Geschickt, aber hinterhältig, waren Armlehnen auf den Polstern angebracht. Sie gaben immer nur 1,5m des weichen, gemütlichen Sofas frei. Die Lehnen behinderten das Ausstrecken der Beine und sie waren zu hoch und hart für den Kopf. Jetzt merkte ich, dass mir diese Nacht nicht gut bekommen würde. Es war zu spät nach einem Bett zu fragen. Stundenlang suchten wir erfolglos nach einer halbwegs angenehmen Position. Auf dem Boden war es zu hart, die Sitzbänke nicht lang genug.
Liz sah auch nicht besser aus als ich, als ich sie morgens im Waschraum vor der Toilette traf. Ich hatte schlauerweise einen Becher, Shampoo und ein Handtuch für’s Haarewaschen dabei. Das verbesserte das Äußerliche – innen fühlte sich mein Kopf sehr schwer an. Selbst ein heißer, frischer Kaffee half da nicht.
Unsere Parkposition in der Fähre hatte neben dem Rangieren den großen Nachteil, dass wir erst nach all den Lastwagen hinaus fahren konnten. Und die Lastwagen mußten zuerst von den schweren Eisenketten befreit werden. Alle Passagiere hatten das Schiff bereits verlassen, nur die wenigen Autofahrer, die bereits in Lerwick in die Tiefe der Hrossey abgetaucht waren, standen noch wartend vor der Treppe. Das gab uns Zeit mit den netten Leuten aus Südengland zu schwätzen. Auch deren Zeitplan kam mit der langen, etwa einstündigen Wartezeit, ins Wanken.
Jetzt fuhren wir rückwärts bis ans Ende der Fähre und dann um eine Kurve die steile Rampe hinauf. An einer Ecke blieb ich mit dem langen Bus fast hängen, der Reifen rutschte über eine hohe Kante, aber es passierte nichts weiter. Mir wurde nur bewußt, wie lang doch unser Auto ist – fast so lang wie das Wohnmobil. Ich nahm Anlauf, um mit Schwung hochzufahren, die Riffeln im Blech schepperten und rüttelten alles im Bus wild durcheinander, dann stoppte mich der Einweiser, kurz bevor ich das Ende der Rampe erreicht hatte! „Echt, muss das sein!“ OK, ich zog rasch die Handbremse und fuhr dann auf der steilen, trotz Riffeln, rutschigen, Rampe wieder an. Was für eine Aufregung. Vor allem so unausgeschlafen.
In den Kreiseln und dem Verkehr von Aberdeen ging der Trubel direkt weiter. Ein Kreisel reihte sich an den nächsten. Alle waren mit Autos und Lastwagen gefüllt. In der Stadt gab es mehr Autos als in ganz Shetland und sie hatten sich alle in den engen Straßen und Kreiseln versammelt. Was ist Verkehr? Wo wollen denn all diese Menschen so hektisch hin? Litten wir unter einem Kulturschock? Ich hatte keine Zeit dafür, denn der Verkehr nahm mich und unser Fahrzeug mit. Keine Zeit zum Innehalten.
Ein Tag Fahrt durch England stand uns nun bevor und eine weitere Nachtfähre! Nach den Wochen auf einsamen schottischen Inseln sind die Kreisel in England extrem anstrengend. Das liegt nicht am Linksverkehr, daran haben wir uns längst gewöhnt.
Wir legten einen kurzen Einkaufsstopp ein, aßen ein heißes Hähnchen und Brot. Problemlos erreichten wir die Fähre in Newcastle. Es gab keine wartende Autoschlange, wir waren zwei Stunden zu früh und wurden doch direkt eingewiesen. Das ist sehr praktisch, wenn man die Ausmaße des Schiffs betrachtet. Es war rießig im Vergleich zu der Shetland Fähre! Wie eine Art Kreuzfahrtschiff.
Die PKWs parkten auf Ebenen, die mit den aussteigenden Passagieren hoch und runter gehoben wurden. Beängstigend! Da kann man sich wie in einer großen Saftpresse fühlen und nur hoffen, dass die Arbeiter den Schalter auch rechtzeitig drücken. Unser Bus war glücklicherweise zu lang, so kamen wir gerade nicht mehr auf die Hebefahrbahn mit drauf und die Presse blieb uns erspart.
Kabine mit Fenster und Gabi im Bett
Die Kabine im tiefen Bauch des Schiffes hatte uns auf der Hinreise gestresst. Nach kurzer Recherche stand fest, dass eine Kabine mit Fenster nur 30 Pfund teuerer war. Das war es uns wert gewesen, zwei Kabinen mit Blick aufs Meer zu buchen. Wir hatten nicht nur ein Fenster – glücklich bemerkten wir, dass wir die Aussicht in Fahrtrichtung der Fähre hatten! Nach der Nacht auf dem Boden fühlten wir uns fast reich.
So konnte ich sehr gut entspannen. Ich legte mich direkt ins Bett, denn mein Kopf dröhnte jetzt von der durchwachten, unbequemen Nacht und der langen Autofahrt im englischen Verkehr. Immer wieder warf ich beruhigt einen Blick aufs ruhige Meer hinaus und ruhte weiter. Ohne Aussicht kann ich nicht ruhen, da renne ich immer druch enge, muffelig riechende Gänge hoch zum Deck, um einen Blick aufs Meer zu erhaschen. Diese Kabine war genial! Die Matratze weich, die Kissen kuschelig, die Decke warm, die Luft war sogar zum Atmen geeignet. Mein Kopf erholte sich von den Strapazen.
Gunter und Esra hatten sich das Schiff und vor allem die Duty Free Shops angesehen. Sie kamen angeheitert, giggelnd zurück – die asiatische Crew hatte Whisky ausgeschenkt und die beiden kamen noch mit zahlreichen kleinen Becherchen in den Händen in die Kabine. Günstig sei der Whisky, wir müßten unbedingt eine Flasche mit nach Hause nehmen. Wir kauften schließlich zwei Flaschen (eine Talisker und eine Glenlivet), nachdem Gunter und ich nochmal Geschmacksproben genommen hatten :-)
Die Nacht war ruhig, super bequem, die Kids hatten eine eigene Kabine und wir alle richtig viel Platz. Unsere Provianttasche bescherte weiterhin leckere Snacks, so mußten wir diesmal nicht hungern. Die Newcastle Fähre kann man ohne Kabine gar nicht buchen. Sie ist zwar teuer aber trotzdem sehr praktisch. Die Fahrt nach Dover hätte uns einen ganzen Tag englische Autobahn gekostet, ohne Übernachtung in England wäre das nicht zu schaffen gewesen. Wir hätten also auch fahrender Weise nichts gespart.
Die verspätete Ankunft in Amsterdam sahen wir nicht. Der Nebel war so dicht, dass wir nicht einmal zum Ende der Fähre schauen konnten. Das Schiff fuhr deswegen super langsam in den engen Hafen Amsterdams hinein.
Im Hafen von Amsterdam
Esra
Einfahrt Amsterdam :-)
Zwei Nachtfähren nacheinander sind trotz bequemem Bett sehr anstrengend. Von Amsterdam nach Hause waren es dann weitere sechs, sieben Stunden Fahrt. Die Sonne reiste mit uns; in Bubenheim war es erstmals seit Wochen warm und trocken :-) Wenn Engel reisen!
Empfehlung:
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