Satire
Wie vielleicht bereits bekannt, herrschte vor hunderten von Jahren, noch vor der französichen Revolution, ein kleiner, elitärer und extravaganter Haufen von Oberschicht über das damalige Frankreich, und dieser Haufen nannte sich Adel. Es war dem durschnittlichem Adeligen höchst zuwieder, etwas mit seinen schmutzigen, ihm untergebenen Untertanen gemeinsam zu haben, oh nein, der Adelige wollte besser, größer und toller sein als das erbärmliche Rinnsteingesindel, das unter diversen Kanaldeckeln hauste. Wo der „normale“ Mensch eine Hose und ein Hemd am Leibe trug, da führte der Herzog ein riesiges Samelsurium aus Röcken, Pluderhosen, Halskrausen, Perrücken und Rüschen mit sich spatzieren, die er alle gleichzeit trug und somit wie ein wandelnder Kleiderladen zu wirken versuchte. Und weil der gewöhnliche Mensch sich seinen Lebensunterhalt mit etwas namens „Arbeit“ verdiente, war diese Option für den multibetitelten „Grafen von sonstwo, Herrscher über die soundso, Unterdrücker der wasweisich, Herzog von irgendwo, Vize-sonstwas im Dienste seiner allerheligsten Majestät von blaa, blaa, blaaa…“ nicht auszudenken. Arbeit? Ich? Ein Adliger? Niemals!!
Nein, der gemeine Adelige von hoher Geburt verdiente sich seinen Lebensunterhalt lieber mit so angstrengungslosen Tätigkeiten wie dem Erben. Von Zeit zu Zeit tat er auch aktiv etwas, zum Beispiel wenn er seinen Steuerneintreiber eigenhändig zum Steuerneintreibnen losschickte. Danit machte er sich nicht gerade beliebt bei seinen Untertanen, aber das kümmerte ihn wenig.
Doch nun zurück zu unserem vorherigem Thema, dem Drang der Blaublütigen, sich von der übrigen Gesellschaft zu differenzieren. Größtenteils war die gesellschaftliche Hervorhebung schon längst bewerkstelligt; man hauste in riesigen Villen und Schlößern, man verbrachte seine Freizeit mit den ausgefallensten Hobbys und Spielen und machte sonst auch alles Erdenkliche anderst, um nicht wie das erbärmliche Bauerngesindel zu leben. Nur an eines hatte man noch nicht gedacht, in einem Punkt lebten die Edelleute wie die Bettler, und dieser eine Punkt war das Essen. Zu Hofe bekam man noch genau die selben Pellkartoffeln mit Kohlsuppe vorgesetzt, die auch das arme Schneiderlein zu kochen pflegte. Zwar waren die Teller der Herzoge aus Gold und Edelsteinen, doch was darauf kam war gewöhnlicher Bauernfraß. Zuerst war es den hochgeborenen Herrschaften nicht bewusst, das ihr Lebensstil sich in dieser Hinsicht nich das kleinste bisschen von dem der Unterschicht abhob, man hielt es für normal, als Graf leckere und dampfende Gemüsetöpfe mit dem gelegentlichen Stückchen Fleisch vorgesetzt zu bekommen. Doch es war unausweichlich, irgendwann musste es jemandem auffallen. Plötzlich war der gräßliche Missstand jedem bekannt, und alle edlen Herrschaften grübelten angestrengt darüber nach, wie man dieser Sache beizukommen sei. Wie konnte dieser katastrophale Zustand so lange unentdeckt bleiben? Schließlich konnte man sich als Träger eines adeligen Titels nicht wie ein normaler Bürger aufführen, das verstieß gegen alles, an das französiche Adelige glaubten. Schnell war ein Beschluss gefasst, man ließ sogleich ausgefallene Speisen herbeischaffen. Hirsche waren bis zu diesem Zeitpunkt noch größtenteils verschont geblieben, nun wurden sie gejagt und bei Hofe aufgetischt. Dort war man mit sich zufreiden, und das Problem war gelöst, denn Hirsch war jetzt offiziell das Essen der Hochgeborenen. Lange sollte das aber nicht so bleiben, so leicht gab sich das Volk nicht geschlagen. Jenes französiche Volk nämlich war von den Reichen und Mächtigen von jeher übel mitgespielt worden, und man war sich allgemein einig, den Unterdrückern möglichst bald einen auszuwischen. Da es allgemein bekannt war, dass Adelige sich gern vom Volk direfferenzierten, war es eines jeden Bauern Wunsch, sich allein zu deren Ärgernis wie die Herrscher zu verhalten, doch war dies bisher nicht möglich gewesen; Bisher hatten sich die Adeligen ja immer an einen sehr geldintensiven Lebensstil gehalten, den man beim besten Willen nicht kopieren konnte. Doch sollte sich einmal die Gelegenheit bieten, so musste sie am Schopf gepackt werden. Das wollte man schon immer mal machen, und nun war die Zeit gekommen
Auf frankreichs Schlößern gab es wieder Unruhen. Man hatte einfache Bauern mit erlegten Hirschen aus dem Wald gehen sehen, und diese waren daraufhin breit grinsend mit ihrer Beute in ihren ärbärmlicher Behausungen verschwunden. Konnte es sein, dass nun auch der gemeine Franzose sich an Großwild ergötzte? Ja, konnte es sein, dass der Bauer jetzt wieder die selben Speisen fraß wie man es bei Hofe tat? Und würde das nicht bedeuten, dass der Adel vice versa genau dasselbe aß wie das Volk? Ein neues Problem war entstanden, denn da das Volk nun auch Hirsche aß, waren sie nicht mehr exklusive Adelsspeise. Auch die Tatsache, dass man das Hirsche-jagen unter Todesstafe stellte, vermochte daran wenig zu ändern.
Der zuvor gebildete Ausschuss für extravagante Speisen bei Hofe wurde also wieder einberufen, und bald wurde hinter verschlossener Türe diskutiert und argumentiert. Nach zwei Tagen war ein Entschluss gefasst, und man eilte zum Hofküche. Diese bekam den Auftrag, sich ein besonderst ausgefallenes Rezept auszudenken, und es sollte nach Möglichkeit auch ausgefallene und seltene Zutaten enthalten. Kaum war das letzte Wort dieser Anweisung verklungen, da verrammelte man die Küchenpforte und diskutierte und argumentierte auch dort angestrengt. Wieder waren zwei Tage vergangen, da rannten ein halbes dutzend Küchenjungen eiligst und Hals über Kopf Richtung Sumpf, wo sie so viele Frösche fangen sollten, wie sie nur tragen konnten. Die Leute auf dem Lande verfolgten die Anstrengungen der kleinen Hofarbeiter mit einer Mischung aus Argwohn und Belustigung, und die gelegentliche Anwendung eines knochigen Knüppels entlockten den Küchenjungen alles, was die Bauern wissen wollten: Die Adligen planten, Froschschenkel als neue erhabene Speise zu erklären! Doch kaum war die erste Portion davon auf der königlichen Tafel angerichtet, da bekam man selbige Speise auch im schäbigsten Gasthof vorgesetzt, sehr zum Vergnügen der Armen, und sehr zum Ärgernis der Reichen.
So ging das nun eine ganze Weile weiter, sobald die Reichen etwas zu einer adeligen Speise erklärten, da kopierte man diese Sitte im ganzen Land. Das ewige Hin und her zwischen Adel und Volk brachte die ausgefallensten Speisen zu Tage, Weinbergschnecken waren noch das normalste, was dieser Wahnsinn auf Westeuropas Teller zauberte, auch verschimmelter Käse wurde als edel klassifiziert. Schließlich kam der Tag, an dem man auf den ganzen Ländereien Frankreichs keinen einzigen Gegenstand mehr finden konnte, der noch nicht mindestens einmal auf einem Teller gelegen hatte. Den Hofköchen gingen einfach die Ideen aus, was den nie enden wollenden Hunger ihrer Herren betraf. Nach dem Holzragout-Vorfall anno 1760 war man in einen Zustand ewiger Suche verfallen, doch alles als Speise in Frage kommende musste zur allgemeinen Enttäuschung wieder ins Gebüsch geworfen werden, weil man es schon mehr als einmal damit probiert hatte.
Dies war ohne Frage der schlechteste Zeitpunkt für ein bis dato unbekanntes Lebewesen, sich in Reichweite eines Franzosen blicken zu lassen, und genau diesen Fehler machte damals die Meeresschnecke Bert, als sie sich versehentlich zu weit den Strand hoch verirrte. Kaum gab eine verebbte Welle den Blick auf den armen Bert frei, da waren auch schon vier Mann zur Stelle, um sich darum zu prügeln, denn soetwas wie diese Schnecke hatte man noch nie gesehen. Einer der vier, ein Koch, hatte zufälligerweise eine schwere Bratpfanne dabei, die er kurzerhand jedem seiner Gegner über die Rübe zog. Er eilte mit der Schnecke zu seinem Herren, der darin eine große Chance sah; wenn er alle Schnecken dieser Art in seinen Besitz bringen würde, dann könnte kein normaler Bürger je eine auf seinen Teller schaffen können, weil er nie eine in die Finger bekommen würde. Also entsandte er sofort eine Kompanie königlicher Soldaten, um alle Schnecken dieser Art zu sammeln und sie zu ihm zu bringen. Die Soldaten eilten los, diesen Befeht auszuführen, doch als sie an der Küste ankamen, da standen schon Hunderte Leute knietief im Wasser und steckten alles ein, was nich Beine hatte und fliehen konnte. Anscheinend hatten die drei, die der Koch vermöbelt hatte, die Nachricht von dem fremden Lebewesen verbreitet. Ein hitziger Kampf entbrannte, als die Grenadiere des Königs alle Schnecken für sich beanspruchten, und die Tatsache, dass jeder Bauer gnadenlos getötet wurde, wenn er seine Schnecken nicht freigab, löste eine Welle der Empörung aus, die schließlich in der französichen Revolution endete.
Die kurze Teit über, in der das Volk Frankreich regierte, war die Meereschnecke und generell alles, was aus dem Meer kam, Nationalgericht. Man aß sie nicht des Geschmackes wegen, sondern aufgrund der symolischen Bedeutung, die man ihr zumaß. Es war ja diesem Gericht allein zu verdanken, dass das Französiche Volk die Freiheit erlangt hatte, und auch wenn es abstoßen schmeckte, so verspeiste man es doch mit Enthusiasmus.
Doch mit der Zeit ging dieser Symbolismus verloren, man hatte wichtigeres zu tun als sich Geschichten von der guten alten Zeit zu erzählen. Kriege mussten gewonnen und verloren werden, Krisen musten überstanden werden, doch mit dem Muschel-essen an sich hat man nicht aufgehört, es war schon längst zur Gewohnheit geworden. Kein Franzose weiß mehr, warum er jeden Sonntag dieses Zeugs essen muss, doch alle reden sich ein, wie lecker es doch schmeckt, und desshalb wird diese Tradition wohl ewig bestehen.
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Von La Tranche nach Piriac sur Mer
Nach den morgendlichen Ritualen wie Aufstehen, Frühstück, WC-Entleerung folgten wir der Küstenlinie nordwärts. (Anmerkung Gabi: Wie vorher schon berichtet war ich schon ein paar Stunden am Strand unterwegs gewesen und hatte eine sehr nette, lange Unterhaltung mit der rüstigen 80 jährigen Rentnerin) Bei sonnigem Wetter suchten wir in Les Sables d’Olonne Fotomotive mit Hafenflair, fanden nur eine ewig lange Promenade mit Unmengen Touristen und mussten unverrichteter Dinge an einer Baustellensperrung umkehren. Weiter nach Norden wieder an der Ile de Noirmoutier vorbei versuchten wir unser Glück am Pointe de St.-Gildas, dessen auf der Karte verzeichneter Leuchtturm sich auch gut vor unseren Augen verbarg. Also wieder ans Steuer und weiter, am Touristenmagnet La Baule vorbei nach Piriac sur Mer. Der dorfnächste Stellplatz lag zwar oberhalb des Friedhofes und war recht klein, aber ruhig und zum Hafen war es nicht weit. Wir beschlossen zu bleiben und wurden auch gleich von einer rüstigen Dame in den achtzigern angesprochen. Sie war aus Esslingen aber gebürtige Mainzerin, und zusammen mit ihrem Mann hatten sie eine Menge Tipps und Stories auf Lager. Während unseres abendlichen Rundgangs durchs Städchen waren wir angenehm überrascht, wie sorgsam die alten Gebäude restauriert und mit Blumen geschmückt waren.
Piriac sur Mer
Piriac sur Mer
Souvenirs
Piriac sur Mer
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Esra erklärt die Welt – 2 Warum die Franzosen alles glibberige und schleimige, was sie im Meer finden, verspeisen.
Satire
Wie vielleicht bereits bekannt, herrschte vor hunderten von Jahren, noch vor der französichen Revolution, ein kleiner, elitärer und extravaganter Haufen von Oberschicht über das damalige Frankreich, und dieser Haufen nannte sich Adel. Es war dem durschnittlichem Adeligen höchst zuwieder, etwas mit seinen schmutzigen, ihm untergebenen Untertanen gemeinsam zu haben, oh nein, der Adelige wollte besser, größer und toller sein als das erbärmliche Rinnsteingesindel, das unter diversen Kanaldeckeln hauste. Wo der „normale“ Mensch eine Hose und ein Hemd am Leibe trug, da führte der Herzog ein riesiges Samelsurium aus Röcken, Pluderhosen, Halskrausen, Perrücken und Rüschen mit sich spatzieren, die er alle gleichzeit trug und somit wie ein wandelnder Kleiderladen zu wirken versuchte. Und weil der gewöhnliche Mensch sich seinen Lebensunterhalt mit etwas namens „Arbeit“ verdiente, war diese Option für den multibetitelten „Grafen von sonstwo, Herrscher über die soundso, Unterdrücker der wasweisich, Herzog von irgendwo, Vize-sonstwas im Dienste seiner allerheligsten Majestät von blaa, blaa, blaaa…“ nicht auszudenken. Arbeit? Ich? Ein Adliger? Niemals!!
Nein, der gemeine Adelige von hoher Geburt verdiente sich seinen Lebensunterhalt lieber mit so angstrengungslosen Tätigkeiten wie dem Erben. Von Zeit zu Zeit tat er auch aktiv etwas, zum Beispiel wenn er seinen Steuerneintreiber eigenhändig zum Steuerneintreibnen losschickte. Danit machte er sich nicht gerade beliebt bei seinen Untertanen, aber das kümmerte ihn wenig.
Doch nun zurück zu unserem vorherigem Thema, dem Drang der Blaublütigen, sich von der übrigen Gesellschaft zu differenzieren. Größtenteils war die gesellschaftliche Hervorhebung schon längst bewerkstelligt; man hauste in riesigen Villen und Schlößern, man verbrachte seine Freizeit mit den ausgefallensten Hobbys und Spielen und machte sonst auch alles Erdenkliche anderst, um nicht wie das erbärmliche Bauerngesindel zu leben. Nur an eines hatte man noch nicht gedacht, in einem Punkt lebten die Edelleute wie die Bettler, und dieser eine Punkt war das Essen. Zu Hofe bekam man noch genau die selben Pellkartoffeln mit Kohlsuppe vorgesetzt, die auch das arme Schneiderlein zu kochen pflegte. Zwar waren die Teller der Herzoge aus Gold und Edelsteinen, doch was darauf kam war gewöhnlicher Bauernfraß. Zuerst war es den hochgeborenen Herrschaften nicht bewusst, das ihr Lebensstil sich in dieser Hinsicht nich das kleinste bisschen von dem der Unterschicht abhob, man hielt es für normal, als Graf leckere und dampfende Gemüsetöpfe mit dem gelegentlichen Stückchen Fleisch vorgesetzt zu bekommen. Doch es war unausweichlich, irgendwann musste es jemandem auffallen. Plötzlich war der gräßliche Missstand jedem bekannt, und alle edlen Herrschaften grübelten angestrengt darüber nach, wie man dieser Sache beizukommen sei. Wie konnte dieser katastrophale Zustand so lange unentdeckt bleiben? Schließlich konnte man sich als Träger eines adeligen Titels nicht wie ein normaler Bürger aufführen, das verstieß gegen alles, an das französiche Adelige glaubten. Schnell war ein Beschluss gefasst, man ließ sogleich ausgefallene Speisen herbeischaffen. Hirsche waren bis zu diesem Zeitpunkt noch größtenteils verschont geblieben, nun wurden sie gejagt und bei Hofe aufgetischt. Dort war man mit sich zufreiden, und das Problem war gelöst, denn Hirsch war jetzt offiziell das Essen der Hochgeborenen. Lange sollte das aber nicht so bleiben, so leicht gab sich das Volk nicht geschlagen. Jenes französiche Volk nämlich war von den Reichen und Mächtigen von jeher übel mitgespielt worden, und man war sich allgemein einig, den Unterdrückern möglichst bald einen auszuwischen. Da es allgemein bekannt war, dass Adelige sich gern vom Volk direfferenzierten, war es eines jeden Bauern Wunsch, sich allein zu deren Ärgernis wie die Herrscher zu verhalten, doch war dies bisher nicht möglich gewesen; Bisher hatten sich die Adeligen ja immer an einen sehr geldintensiven Lebensstil gehalten, den man beim besten Willen nicht kopieren konnte. Doch sollte sich einmal die Gelegenheit bieten, so musste sie am Schopf gepackt werden. Das wollte man schon immer mal machen, und nun war die Zeit gekommen
Auf frankreichs Schlößern gab es wieder Unruhen. Man hatte einfache Bauern mit erlegten Hirschen aus dem Wald gehen sehen, und diese waren daraufhin breit grinsend mit ihrer Beute in ihren ärbärmlicher Behausungen verschwunden. Konnte es sein, dass nun auch der gemeine Franzose sich an Großwild ergötzte? Ja, konnte es sein, dass der Bauer jetzt wieder die selben Speisen fraß wie man es bei Hofe tat? Und würde das nicht bedeuten, dass der Adel vice versa genau dasselbe aß wie das Volk? Ein neues Problem war entstanden, denn da das Volk nun auch Hirsche aß, waren sie nicht mehr exklusive Adelsspeise. Auch die Tatsache, dass man das Hirsche-jagen unter Todesstafe stellte, vermochte daran wenig zu ändern.
Der zuvor gebildete Ausschuss für extravagante Speisen bei Hofe wurde also wieder einberufen, und bald wurde hinter verschlossener Türe diskutiert und argumentiert. Nach zwei Tagen war ein Entschluss gefasst, und man eilte zum Hofküche. Diese bekam den Auftrag, sich ein besonderst ausgefallenes Rezept auszudenken, und es sollte nach Möglichkeit auch ausgefallene und seltene Zutaten enthalten. Kaum war das letzte Wort dieser Anweisung verklungen, da verrammelte man die Küchenpforte und diskutierte und argumentierte auch dort angestrengt. Wieder waren zwei Tage vergangen, da rannten ein halbes dutzend Küchenjungen eiligst und Hals über Kopf Richtung Sumpf, wo sie so viele Frösche fangen sollten, wie sie nur tragen konnten. Die Leute auf dem Lande verfolgten die Anstrengungen der kleinen Hofarbeiter mit einer Mischung aus Argwohn und Belustigung, und die gelegentliche Anwendung eines knochigen Knüppels entlockten den Küchenjungen alles, was die Bauern wissen wollten: Die Adligen planten, Froschschenkel als neue erhabene Speise zu erklären! Doch kaum war die erste Portion davon auf der königlichen Tafel angerichtet, da bekam man selbige Speise auch im schäbigsten Gasthof vorgesetzt, sehr zum Vergnügen der Armen, und sehr zum Ärgernis der Reichen.
So ging das nun eine ganze Weile weiter, sobald die Reichen etwas zu einer adeligen Speise erklärten, da kopierte man diese Sitte im ganzen Land. Das ewige Hin und her zwischen Adel und Volk brachte die ausgefallensten Speisen zu Tage, Weinbergschnecken waren noch das normalste, was dieser Wahnsinn auf Westeuropas Teller zauberte, auch verschimmelter Käse wurde als edel klassifiziert. Schließlich kam der Tag, an dem man auf den ganzen Ländereien Frankreichs keinen einzigen Gegenstand mehr finden konnte, der noch nicht mindestens einmal auf einem Teller gelegen hatte. Den Hofköchen gingen einfach die Ideen aus, was den nie enden wollenden Hunger ihrer Herren betraf. Nach dem Holzragout-Vorfall anno 1760 war man in einen Zustand ewiger Suche verfallen, doch alles als Speise in Frage kommende musste zur allgemeinen Enttäuschung wieder ins Gebüsch geworfen werden, weil man es schon mehr als einmal damit probiert hatte.
Dies war ohne Frage der schlechteste Zeitpunkt für ein bis dato unbekanntes Lebewesen, sich in Reichweite eines Franzosen blicken zu lassen, und genau diesen Fehler machte damals die Meeresschnecke Bert, als sie sich versehentlich zu weit den Strand hoch verirrte. Kaum gab eine verebbte Welle den Blick auf den armen Bert frei, da waren auch schon vier Mann zur Stelle, um sich darum zu prügeln, denn soetwas wie diese Schnecke hatte man noch nie gesehen. Einer der vier, ein Koch, hatte zufälligerweise eine schwere Bratpfanne dabei, die er kurzerhand jedem seiner Gegner über die Rübe zog. Er eilte mit der Schnecke zu seinem Herren, der darin eine große Chance sah; wenn er alle Schnecken dieser Art in seinen Besitz bringen würde, dann könnte kein normaler Bürger je eine auf seinen Teller schaffen können, weil er nie eine in die Finger bekommen würde. Also entsandte er sofort eine Kompanie königlicher Soldaten, um alle Schnecken dieser Art zu sammeln und sie zu ihm zu bringen. Die Soldaten eilten los, diesen Befeht auszuführen, doch als sie an der Küste ankamen, da standen schon Hunderte Leute knietief im Wasser und steckten alles ein, was nich Beine hatte und fliehen konnte. Anscheinend hatten die drei, die der Koch vermöbelt hatte, die Nachricht von dem fremden Lebewesen verbreitet. Ein hitziger Kampf entbrannte, als die Grenadiere des Königs alle Schnecken für sich beanspruchten, und die Tatsache, dass jeder Bauer gnadenlos getötet wurde, wenn er seine Schnecken nicht freigab, löste eine Welle der Empörung aus, die schließlich in der französichen Revolution endete.
Die kurze Teit über, in der das Volk Frankreich regierte, war die Meereschnecke und generell alles, was aus dem Meer kam, Nationalgericht. Man aß sie nicht des Geschmackes wegen, sondern aufgrund der symolischen Bedeutung, die man ihr zumaß. Es war ja diesem Gericht allein zu verdanken, dass das Französiche Volk die Freiheit erlangt hatte, und auch wenn es abstoßen schmeckte, so verspeiste man es doch mit Enthusiasmus.
Doch mit der Zeit ging dieser Symbolismus verloren, man hatte wichtigeres zu tun als sich Geschichten von der guten alten Zeit zu erzählen. Kriege mussten gewonnen und verloren werden, Krisen musten überstanden werden, doch mit dem Muschel-essen an sich hat man nicht aufgehört, es war schon längst zur Gewohnheit geworden. Kein Franzose weiß mehr, warum er jeden Sonntag dieses Zeugs essen muss, doch alle reden sich ein, wie lecker es doch schmeckt, und desshalb wird diese Tradition wohl ewig bestehen.
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Unterwasserfotos einer Nabelschnecke
Früh, schon vor Sonnenaufgang war ich am Strand unterwegs. Ich genieße die Zeit morgens sehr. Nach ein paar mediativen Aufnahmen fand ich diese wunderschöne Nabelschnecke in einem Gezeitenbecken. Ah, wie toll muß es im Meer aussehen, wenn all diese genialen Geschöpfe so perfekt zusammenarbeiten!
Hier ein paar Fotos:
Nabelschnecke – hier erkennt man, welche es ist!
Seestern
Seesterne in der Bretagne
So kannst du auch Unterwasserfotos in Gezeitenbecken machen
Bretagne
Fahrt nach La Tranche sur Mer, Phare du Grouin du Cou
Nach nächtlichen Regengüssen fanden wir am Morgen noch einen irischen Wohnmobilisten, den Gabi sofort auf Informationen ausquetschte. Der Ire hatte einen Bruder als Pub-Besitzer in Mainz und kam gerade von Nordspanien hoch. Anscheinend ist die Sturmzeit dort schon vorbei und auf dem Weg Richtung Süden gäbe es immer nur Dünen und Sand ohne große Abwechslung. Das gab uns zu Denken, und da uns der Rummel und die Touristenmassen, die Richtung Süden mehr und mehr zunahmen, gewaltig auf den Keks gingen, fassten wir den Entschluss, wieder Richtung Norden in die Bretagne zu fahren, wo es auch noch einige Ecken zu entdecken gibt.
Leuchtturm -Phare du Grouin du Cou
Nach herzlichem Abschied von Lisa und Heinrich kämpften wir uns durch den Verkehr an der Ile de Re vorbei, von deren Besuch uns wegen der Übermacht der reichen Womo-Gegner abgeraten wurde, zu dem kleinen Städchen La-Tranche, das auch einen Leuchtturm zu bieten hatte. Der Übernachtungsparkplatz war zwar recht voll, aber strandnah und uns gegenüber parkte ein fast identischer Flair, dessen über 80-jährige südpfälzige Inhaberin rüstig wie ein neuer Turnschuh war. Ihr Motto: „Daheim sterbe die Leut“ lebte sie voll überzeugt und war schon zu jeder Jahreszeit fast überall gewesen. Am Strand, wieder bestehend aus Dünen und Sand, hatten sich einige Kite-Surfer eingefunden und der Leuchtturm Phare du Grouin du Cou erforderte etwas Wandern, da er leicht ungünstig hinter den Dünen stand. Wenigstens belohnte uns das Wetter abends mit einem romantischen Sonnenuntergang.
Strand
schräges Licht am Strand
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Phare de Chassiron, enge Sträßchen ohne Leuchtturmerfolg, La Grande Plage
Leuchtturm auf der Ile de Oleron
Am Morgen lief die Unterhaltung noch ein bißchen, bevor wir uns zum Phare de Chassiron aufmachten, der sich mit seinen kreisförmigen Gartenanlagen in sonnigem Wetter wesentlich attraktiver darstellte. Die nachfolgende Suche nach den kleineren Leuchttürmen der Nordostseite der Insel verlief sich in einem Labyrinth von kleinen Wegen, aus denen wir nur mühsam wieder herausfanden. Gabi war durch den Fahrstress deutlich genervt. Endlich am Grande Plage am brückennahen Ende der Insel angelangt, dinierten wir im Freien mit Lisa und Heinrich und ließen uns Rotwein und Pastis schmecken. Aufkommender Sturm und Schlechtwetter machte einen längeren Strandbesuch unattraktiv, zudem bot der Sandstrand außer der Länge nichts Außergewöhnliches.
Anmerkung Gabi:
Doch, die sehr großen Quallen am Strand fand ich fantastisch. Schade, dass das Wetter grau in grau war, die große Düne hätte sicher einige schöne Motive geboten. Ein irsches Mobil war früh an den Strand gefahren, ich unterhielt mich recht lange mit dem dazugehörenden Herrn. Interessant war, dass sein Bruder die irische Kneipe in Mainz betreibt! Und, auch er hatte vor nach Spanien zu fahren und war kurz vor der Grenze umgekhrt und Richtung Norden gefahren! Ich erfuhr sehr viel über Irland und das schlechte Wetter dort. Die Küste wäre genau wie die in der Bretagne und die Iren würden tatsächlich keine Schnecken essen! Das wollte ich doch unbeding wissen, nachdem Claudine in Brignogan darüber geredet hatte!
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Vouvant, Gewitter, Leuchttürme und Ile de Oleron
Um den Touristenmassen und Fahrzeugkolonnen in Meeresnähe zu entgehen, fuhren wir ein Stück ins Landesinnere in ein Waldgebiet bei Mervent, welches uns von einem jüngeren Wohnmobil-Paar empfohlen wurde. Auf dem Weg dahin wurde es schwül und schwüler, unser Navi schickte uns wieder mal über kleinste Straßen und der Stellplatz in Mervent hatte die Attraktivität einer Baugrube, aber im Wald, war es etwas angenehmer. In Vouvant, einem attraktiven mittelalterlichen Städtchen, kamen wir auf der großen Stellwiese unter, als sich die Gewitterwolken drohend zusammenzogen. Bei Blitz und Donner verzichteten wir vorerst auf Erkundungen und gingen recht früh schlafen. Das Gewitter war so heftig, dass der Donner das ganze Mobil wackeln lies. Kurz drauf zog auch die Feuerwehr aus, da hatte der Blitz wohl ganz in der Nähe eingeschlagen.
Gewitterwolken
Noah mit frischem Baguette
Leuchtturm auf der Ile de Oleron
Leuchtturm La Coubre
Am nächsten Morgen machten wir eine Sightseeingtour durch Vouvant und stockten nebenbei unsere Baguettevorräte auf. Dann zurück zum Meer mit der Hoffnung, dass sich am letzten Tag des langen Wochenendes die Verkehrs- und Stellplatzsituation verbessern würde. Fast richtig! Richtung Royan lag der Leuchtturm La Coubre zwischen langem Dünenstrand und Pinienwald. Wir checkten den Stellplatz in Meschers am Hafen. Dort fand gerade eine Bootsmesse statt und es war fürchterlich laut. So machten wir uns auf, die Ile de Oleron anzusehen und kamen auch ganz gut vorwärts. Über die Brücke auf der Insel angekommen sahen wir einen Mordsstau, glücklicherweise in der Gegenrichtung. Wieder runterfahren war also nicht drin.
Der Leuchtturm auf der Ile de Oleron
Der Leuchtturm an der Inselspitze machte in dem grauen Licht des Spätnachmittags keine besondere Figur, also fuhren wir auf den Stellplatz von St.-Denis-d’Oleron. Der lag ausgerechnet am küstenfernsten Punkt der Inselspitze, ohne Bezahlung kam man nicht drauf, er hatte aber Wiesenuntergrund, Duschen, Toiletten und Waschmaschinen. Das Wetter war immer noch grau, also legten wir einen Wasch- und Duschtag ein. Zum Glück traf noch ein sehr sympathisches Kölner Paar ein, Lisa und Heinrich, mit dem wir uns angeregt unterhielten. Sonst wäre es uns auf dem Platz langweilig geworden.
Salzherstellung auf der Ile de Normoutier
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