Wir sind seit Anfang Mai wieder in der Bretagne unterwegs und ich widme mich einem neuen Buchprojekt. Dazu sind wir jetzt 10 Tage lang in Port Blanc an der Cote de Granit Rose geblieben.
Anfangs war das Wetter noch sehr anstrengend für die Fotografie in der Gezeitenzone. Es war sehr kalt und vor allem ständig stürmisch. Im Sturm ist es sehr schwierig, die Lebewesen im Wasser zu erkennen.
Ich brauche für diese Art der Fotografie immer eine Weile, bis ich die unterschiedlichen Lebensräume innerhalb eines kleinen Gebietes kenne und weiß, was ich wo finden kann.
Hier erstmal ein paar neue Fotos, ausführlichen Text kann ich erst schreiben, wenn ich daheim wieder am Schreibtisch arbeiten kann.
Anemonen

Splitfotos sind mit dem Weitwinkel Objektiv an der TG 6 und TG 7 sehr schwierig umzusetzen. Das habe ich geübt.
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In der Nacht leuchten einige Anemonen unter UV Licht. Die Wachsrose zieht sich bei Ebbe nicht zurück. Wahrscheinlich nutzt sie diese Fluoereszenz-Proteine als Sonnenschutz.

In Saint-Jacut-de-la-Mer lernten wir direkt nette Menschen kennen und gingen gemeinsam auf die Suche nach Seehasen
Schau dir unbedingt mein Anemonen Buch an.
Seehasen
Ausführliche Infos und viele Fotos zum Seehasen
Ormeaux – Seeohren
In Port Blanc findet man auch die berühmten Ormeaux. Bei einem hohen Koeffizienten sind viele Bretonen unterwegs, die die großen, ab 9cm, sammeln und als Delikatesse zubereiten.
Ich war mehrmals mit den Ormeaux-Sammlern unterwegs – da geht es schon zur Sache. Mit langen Eisen wird unter den Felsen geschabt, große Felsen werden herum gedreht und mit Platsch wieder ins Wasser gelassen. Nach der Tour ist alles trüb. Ich halte mich da lieber an die kleinen Felsen und fotografierte die viel zu kleinen Ormeaux. Als Fotomotiv ist mir die Größe natürlich egal.
Seezitrone
Wenn ich bis Nachts unterwegs war, kamen mit auch die Strandflöhe vor die Linse
Natürlich habe ich viele weitere sehr spannenden Lebewesen gefunden und fotografiert. Dazu werde ich aber in Ruhe informative Blogbeiträge und kleine thematisch eng gefasste Bücher schreiben.
Gestern war genial – endlich habe ich ein fotogenes Loch gefunden. Warum ich so hinter diesem perfekten Loch her war, erzähle ich weiter unten.

Plestin-les-Grèves
Regenpausen zum Fotografieren nutzen
Im Februar regnet es noch ziemlich viel, hier in der Bretagne. Und logischerweise nutzen wir jede Regenpause zum Fotografieren. So einfach kann Dankbarkeit sein. Wenn die Regenpause genau zur rechten Zeit ist. Ebbe am Abend.
Ich liebe diese Miesmuschelbänke in Plestin-les-Gèves schon seit Jahren sehr. Diese Felsformationen wirken so urtümlich, dazwischen die räuberischen Schnecken und schon finde ich zahlreiche Fotomotive für die OM TG-7.
Außerdem hatte ich mir gerade den Weitwinkeladapter FCON-TG01 dazu bestellt, weil ich ausprobieren wollte, ob Splitaufnahmen damit möglich sind. Einen Testbericht werde ich die Tage machen.

Plestin-les-Grèves im Sonnenuntergang, OM TG-7 Plus Weitwinkeladapter
Jedenfalls interessieren mich die Zusammenhänge zwischen den Tieren mehr als die lateinischen Namen. Und damit ich diese Geschichten, die sich da meist unbemerkt vor unseren Augen abspielen, auch fotografisch zeigen kann, muss ich wirklich immer dran bleiben. Da muss alles passen. Ich weiß seit Jahren, dass die Purpurschnecke Löcher in die Miesmuscheln bohrt, sie dann betäubt und danach aufsaugt. Das Ende der Miesmuschel also. Als Zeichen bleibt ein perfektes Loch in der Schale der Miesmuschel zurück im leeren Gehäuse. Nur habe ich noch nie eins, welches einfach zu fotografieren war, gefunden. Bis gestern.
Also hier jetzt das Beweisfoto, dass hier gemordet wurde.

Miesmuschel mit Loch der Purpurschnecke, links im Foto siehst du die Bysussfäden, mit denen sich die Muschel auf dem Fels verankert. Auf der Miesmuschel sitzen Seepocken.

Bohrloch der Purpurschnecke – nochmal etwas näher
Ja, ich habe mich sehr über dieses fotogene, perfekte Loch gefreut. Weil mir so ein Foto noch für das Buchprojekt gefehlt hat. Wie schön es doch ist, dieses kleinen Glücksmomente zu genießen.

Miesmuscheln und Seepocken – OM TG-7 mit Weitwinkeladapter
Mit dem Lasso eingefangen
Die Purpurschnecke braucht allerdings circa sechs Stunden, bis sie das Loch gebohrt hat. Mit ihrer mit Raspeln besetzten Zunge übrigens. Und diese Zeit nutzt die Miesmuschel manchmal, um die Purpurschnecke einzufangen. Mit diesen außergewöhnlichen und genialen Bysussfäden. Dann kommt die Schnecke nicht mehr weg und verhungert.

Purpurschnecke mit Bysussfäden der Miesmuschel

Purpurschnecke bei der Arbeit

Purpurschnecke bei der Arbeit

Bysussfäden der Miesmuscheln

Eigelege der Purpurschnecken und Miesmuschelschale

Eier der Purpurschnecke
Habe ich auch Splitaufnahmen versucht?
Aber ja!
klappt schon, aber viel schwieriger als gedacht. Aber mehr dazu im Testbericht in ein paar Tagen.

Gebirge im Wattgebiet

Wachsrose
Unterwasserfotografie in Gezeitentümpeln
Weitere spannende Lebewesen im Litoral
Die charmanten Seehasen – Fotos und Infos über eine erstaunliche Meeresschnecke!
Vielleicht bist du ihm schon einmal begegnet, ohne es zu wissen. Wenn du zur Zeit in der Bretagne unterwegs bist, bist du ihm sehr sicher begegnet: dem Seehasen!
Jetzt im Juni 2025 finde ich bei jedem meiner Strandspaziergänge zahlreiche dieser Breitfußschnecken oder Meeresnacktschnecken.
Auf Französisch nennt man ihn „Lièvre de mer“ – also Seehase – weil seine beiden olfaktorischen Fühler sehr an Hasenohren erinnern.
Auf Englisch heißen Seehasen „Dotted sea-hare“, und auch unter den Namen Aplysie und „gefleckter Seehase“ ist er bekannt. „Essigpisser“ nennen ihn die Bretonen, das finde ich den passendsten Namen. Mehr dazu aber weiter unten.
Wo lebt der Seehase?
Der Seehase fühlt sich in unseren europäischen Gewässern ziemlich wohl. Du findest ihn in der Nordsee, im Ärmelkanal, im Atlantik und sogar im Mittelmeer.
Besonders mag er Seegraswiesen und Algenwälder – am liebsten grüne Algen – und er bleibt meist in flachem Wasser.
Ich habe ihn dieses Jahr zu Hunderten in den Seegraswiesen in Meneham gefunden. Bei sehr hohen Koeffizienten zieht sich das Meer sehr weit von der Küste zurück. Da können wir sehr weit hinaus ins Watt wandern. Zu Stellen, die sonst zu Fuß nicht zugänglich sind.
In geschützten Buchten und Algenfeldern kommt er dieses Jahr besonders häufig vor, vor allem jetzt in der Paarungszeit. So habe ich die Seehasen auch in St Pol de Leon und an der Plage de Kerfissien gesehen und fotografieren können.
Seehasen nutzen eine sehr grell-bunte Abwehr!
Fühlt sich der Seehase bedroht, hat er einen cleveren Trick: Er scheidet eine blau-violette Tinte aus, die Räuber abschrecken soll. Diese Substanz, die die Fischer früher „Essig“ nannten, enthält Zellgifte, die heute sogar in der Krebsforschung untersucht werden!
Deswegen der Name Essigpisser. Ich habe es endlich, nach langem Üben geschafft, diese Abwehrausscheidung der violetten Farbe anzuregen und zu fotografieren.
Ich war mit Susanne in den Tangfeldern auf der Suche nach einer Ormeau, dem Meerohr, einer Schnecke, unterwegs. Da erzählte ich ihr gerade, dass diese zahlreich vorhandenen Seehasen eine lila Tinte zur Abwehr abgeben, als sie versehentlich auf einen drauf trat. Klar, da kam Tinte. Aber man sah den Hasen nicht mehr vor lauter Sand und Farbe. Dem Seehasen machte das übrigens nichts aus im weichen Sand, er kroch direkt danach ziemlich munter weiter.
Ich habe jetzt eine bessere Methode, diesen Tintenausstoß auszulösen.
Der Seehase ist spannend für die Wissenschaft
Der Seehase ist aber nicht nur für Biologen, Fotografen und neugierige Familien am Strand interessant.
Seine Nervenzellen sind riesig – perfekt für Forscher, die mehr über neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer herausfinden wollen. Kein Wunder, dass drei Forscher für ihre Arbeit am Seehasen 2002 sogar den Medizin-Nobelpreis bekommen haben!
Es gibt einige verschiedene Arten von Seehasen. Manche sind sehr dunkel und wirken korpulent. Dann gibt es hellere Schnecken, die langgestreckter sind. Die sehr kleinen Seehasen sind noch durchscheinend. Man kann sogar die lila Tinte in seinem Innern sehen.
Claudine Robichon, die das Muschelmuseum in Brignogan eingerichtet und zahlreiche Bücher über die Lebewesen an der Küste geschrieben hat, erzählte uns von Seehasen, die im Sommer bis zu 1 kg schwer werden. Mal gespannt, ob ich eine so große Schnecke finden kann. Ich halte natürlich weiterhin die Augen offen.
So sehen Seehasen aus
Der Seehase hat zwei Paar eingerollte Fühler: die vorderen sind bei der Mundöffnung und mit einem Kopfsegel verbunden, die hinteren bilden die typischen „Hasenohren“. An ihrer Basis sitzen kleine, runde Augen. Auf dem Rücken trägt er zwei seitliche Lappen, die Parapodien heißen – mit denen kann er sogar schwimmen! Dazwischen versteckt sich seine innere Schale und die Kiemen.
Seine Farbe reicht von rötlich bis grünlich-braun, oft mit weißen Flecken. Junge Seehasen sehen noch viel bunter aus.
Verfressene Seehasen
Die Hauptbeschäftigung der Seehasen: Sich paaren und Algen abweiden!
Zum Fressen benutzt er seine Radula, eine Art Raspelzunge mit winzigen, extrem harten Zähnchen. Es war schwierig, die Seehasen beim Fressen zu fotografieren. Aber einige Aufnahmen sind mir gelungen.
Tarnung der Seehasen
Bei Ebbe liegt ein Seehase oft still und vertraut darauf, dass er durch seine Tarnung als unförmiger Klumpen zwischen den braunen Algen einfach unsichtbar bleibt.
Da die Seehasen zur Zeit in der Bretagne so weit verbreitet sind, finde ich sie zum ersten Mal auch im Spülsaum gestrandet, wo sie dann den Strandflöhen als Nahrung dienen.
Sie haben Liebesleben der besonderen Art
Der Seehase ist Zwitter – er trägt also männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Beim Liebesspiel bilden die Tiere oft richtige „Ketten“.
Dann erste Tier ist dann ein Weibchen, die mittleren sind beides, und das letzte ist nur männlich.
Die Eigelege, die du zahlreich im Tang hängen sehen kannst, sehen aus wie ein Haufen Spaghetti – eine gallertartige Kugel voller tausender kleiner Eier. Ihre Farbe reicht von beige bis gelblich, orange oder rosa. Nach etwa sechs Wochen treiben die Larven im Plankton, bis sie sich zu jungen Seehasen entwickeln.
Sylvain erzählte mir, dass manchmal auch Eigelege mit zu den Seeohren in die Zucht kommen. Dann hat er nach einer Weile sehr viele kleine Seehasen in seinen Zuchtkästen, die sich gefräßig über den Tang hermachen, der eigentlich für die Seeohren gedacht war.
Eiablagen des Seehasen
Seehasen sind sanfte Riesen
Mit bis zu 20 cm Länge gehört der Seehase zu den größten Nacktschnecken der Meere. Also beim nächsten Schnorcheln oder Spaziergang im flachen Wasser an der Küste: Augen auf – vielleicht entdeckst du ja dieses faszinierende Tier zwischen den Algen!
Seehasen halten sich mit dem hinteren Teil der Unterseite an einem festen Untergrund fest. Auf Sand nutzen sie die Rückenflügel zur Steuerung, manche können damit auch schwimmen. Das habe ich aber noch nicht beobachten können.
Tipps für die Unterwasserfotografie in Gezeitentümpeln
Weitere Tiere, die du in der Bretagne finden kannst:
Seeanemonen sehen zwar aus wie Pflanzen, sie sind aber Tiere. Hier findest du Wissenswertes über die gefräßigen Tiere in der Bretagne in Text, Foto und Film.



































