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Mit drei kleinen Kindern durch die USA
Vorwort aus dem Jahr 2018
Im Frühjahr 2000 machten wir unsere erste Wohnmobil Tour. Wir reisten 3 Monate durch die USA und Canada. So etwas muß natürlich auf unserer Homepage verewigt werden. Wir schrieben damals nur für die Familie, berichteten aber bereits live von der Tour. Damals gab es noch kein Wifi. Da musste ich das Notebook immer irgendwo einstöpseln und auch einen FTP Zugang für das Übertragen der Webpage einrichten. Für mich selbst ist es heute unbegreiflich, dass ich es damals schaffte. Drei kleine Kinder, diese neue Technik und dann noch live berichten. Ich bin schon ein wenig stolz auf mich selbst.
Wir hatten extra für diese Reise eine Digitalkamera gekauft. Die war sauteuer. Kostetet rund 2000 DN und hatte nur 1 MP. Aber ohne wäre der Live Bericht sehr langweilig geworden. Zusätzlich hatten wir 200 Dia Filme im Gepäck. Das war ein ganzer Rollkoffer voll!
Der Reisebericht ist sehr lang und schildert ohne große Hintergrundinfos zu bieten, wie es damals war mit den drei sehr kleinen Kindern war. Amy war gerade mal 1,5 Jahre alt, Noah war 3 und Esra 5. Wenn wir den Bericht jetzt lesen, fragen wir uns selbst, wie wir das geschafft haben. Wir arbeiteten ja fotografisch und ich schrieb noch jeden Abend und quälte mich mit dem Internet rum. Zum Glück habe ich soviel geschrieben, wir hätten sonst das Meiste wieder vergessen. Vor allem das Unangenehme. Die tollen Erlebnisse behält man sich ja.
Falls Du keine Lust hast, den ganzen Kram zu lesen und die viel zu kleinen Fotos zu betrachten, habe ich noch einen kondensierten Artikel verfasst. Der ist Aufgrund dieses Reisetagebuchs auch recht authentisch aber eben hilfreicher für den Leser, der auch eine Reise mit kleinen Kindern unternehmen möchte und sich nicht dran traut.
Hier beginnt der Original Bericht aus dem Jahr 2000
Dieses Reisetagebuch wurde unterwegs mit dem Notebook verfasst. Der Bericht wurde mit Bildern von der Digitalkamera (Nikon Coolpix 900) verschönert. Immer, wenn eine Telefondose für mich erreichbar war, überspielte ich einen Teil der Homepage und meine Familie und unsere Freunde verfolgten live unsere lange Reise. Am Tag unserer Ankunft zu Hause schenkte mir meine Mutter den kompletten Bericht schön abgeheftet im Ordner. Der Bericht wurde lang, denn die Reise dauerte drei Monate, daher empfehle ich, ihn stückweise zu verdauen.
14. März 2000, Anreise nach San Fransisco
Wir waren bis zum Abflugtag im Stress. Auch noch bis zum Transfer zum Flughafen haben wir geräumt. Aber dann ging die Reise gut los. Auf dem Flughafen konnten die Kinder zusehen, wie das Flugzeug beladen wird. Da auch ein Auto mit hineinkam war es besonders interessant.
Leider hatten wir keinen Fensterplatz und auch keine Sitzreihe ganz vorne. Es war sehr eng, vor allem, da Amy keinen Sitzplatzanspruch hatte. Wir konnten nicht mal an das Handgepäck, da es so eng war, dass wir die großen Taschen nicht öffnen konnten. Der Mann vor uns hatte während des ganzen Flugs den Sitz vollständig zurückgelehnt. Dann meckerte er, dass die Kinder am Sitz geruckelt haben. Noah hat während des gesamten Flugs nicht geschlafen. Er hatte Angst etwas zu verpassen. Mit Amy war es zeitweise sehr anstrengend, denn sie hat einen starken Bewegungsdrang. Sie hat sehr oft gestillt. Insgesamt bekamen Gunter und ich keine ruhige Minute.
Hier ist ein Bild von Grönland, das ist immer wieder beeindruckend. Schade, dass James Bond im Bordkino lief, ich hätte lieber den Blick aus dem Fenster auf dem Monitor gehabt, vielleicht sollte man den Vorschlag mal machen.

Sieht wahnsinnig kalt aus.
Hier gibt’s noch Bild von Gunter und Amy auf dem Flug.
Als wir in San Francisco ankamen, waren wie immer alle Leute freundlich. Wir sollten nach North Dakota fahren empfahl uns der Immigrations Officer. Dort könnte man einen richtigen Winter erleben. Jedenfalls war er sehr nett und die Leute, die nachsehen, ob man natürliche Lebensmittel im Gepäck hat, hatten uns durchgewunken, die Kinder machten doch einen sehr müden Eindruck. Draussen schien die Sonne und es war sehr hell (die armen müden Augen) und warm. Der Shuttle Service zum Camper war schwierig, denn niemand wusste Bescheid. Der Fahrer hat nun unsere Unterlagen mitgenommen, ich hoffe nicht, habe aber die Befürchtung, dass wir die noch brauchen. Um 3:00 Uhr waren wir endlich auf dem Campingplatz. Der Camper sah im Vergleich zu den anderen riesengroßen Gefährten recht klein aus, ich denke aber dass er uns für das Fahren schon groß genug ist. Hier ein erstes Bild vom Camper.

Wir sind, damit die Kinder durchhalten, erst mal an die Bay gelaufen. Plötzlich war es sehr windig aber die frische Luft tat sehr gut. Die Kinder hatten ihren Spaß. San Francisco ist übrigens die einzige uns bekannte große Stadt, in der dich jeder grüßt und ein Schwätzchen hält. Das hat mir schon immer so gut daran gefallen. Seit wir hier sind haben wir uns schon mit sehr vielen Leuten unterhalten und jeder ist freundlich.
Der Service von Cruise America war nicht so toll. Es war niemand hier, der uns den Camper eingewiesen hat. Wir bekamen unser Lunchpacket auch erst nach mehrmaligem fragen um 5:00 Uhr abends. Da wird man schon recht hungrig. Heute morgen haben wir übrigens auch nichts zum Frühstücken. Schlechte Organisation. Die Matratzen sind aus Plastik, was mich nicht sehr erfreute. Noah schwitzt da wahrscheinlich fürchterlich. Ausserdem fühlt es sich sehr kalt an. Um 7:00 Uhr ist Esra eingeschlafen, Noah musste dazu aufgefordert werden. Komisch, dass er so lange aushalten kann. Um 8:00 Uhr brachten uns unsere Freunde Dorothy und Frank was zum Essen und Trinken. Typisch amerikanisch: Hamburger und French Fries und Unmengen von Cola mit Unmengen von Eis. Ein guter Einstieg, oder? Nicht ernst gemeint. Das haben die Jungs nämlich heute nacht um 12:00 Uhr gegessen als erstes Frühstück.

Es war sehr kalt im Wohmobil und wir versuchten die Heizung anzustellen, das gelang erst nachdem wir noch eine halbe Stunde kalt geblasen hatten. Brrrrr! Die Jungs waren dann bis 4:30 Uhr früh wach und Amy ab 5:00 Uhr. Es gab für uns also nach dem anstregenden Tag 3 Stunden Schlaf. Uns geht es aber sehr gut trotz allem. Um kurz nach 5:00 Uhr sind wir dann aufgestanden und die Kinder haben wahrscheinlich alle Leute auf dem Campingplatz geweckt.

Jetzt sitzte ich hier im Freien und habe das Gefühl, ich wäre auf einem Schiff. Ob sich die Erde hier immer bewegt, vielleicht ist nur eine U-bahn untendrunter? Im Wohnmobil wird man auch seekrank, wenn Gunter läuft oder sich im Bett rumdreht. Die Profis bocken ihre Wohnmobile deshalb auf, wenn sie stehen. Wir warten auf die Leute von Cruise America, damit wir endlich eingewiesen werden, nachdem wir alles durch probieren selbst herausgefunden haben und können hier nicht viel unternehmen. Das ist so ein typischer RV Park, auf dem nur Campmobile stehen und man sonst nichts machen kann. Und von der Stadt sind wir zu weit entfernt zum Laufen. Einen Autoschlüssel haben wir ja noch nicht bekommen. Die Freiheit ruft. Wir wollen weg. Na ja, so hatte ich wenigstens Zeit die erste Seite fürs Internet zu erstellen.
15. März 2000, Die erste Fahrt mit dem Wohnmobil
Die Frau, die uns das Wohnmobil erklären sollte, kam erst nach 10:00 Uhr. Das war recht spät für uns, denn wir waren schon seit 5:00 Uhr wach und wollten endlich weg und etwas essen. Die deutschsprachige Einführung bestand in einem schlechten, halbwegs übersetzten Videofilm, der ca. 1 Stunde dauerte. Danach wurde das Wohnmobil auf Schäden untersucht und diese in einen Plan eingetragen, weitere Erklärungen konnte die Dame uns nicht geben. Von einer weiteren Versicherung wurden wir auf Vertretermanier überzeugt, was die Reise um weitere 1000DM verteuerte. Um 12:20 Uhr fuhren wir schliesslich los.
Damit es sich auch lohnt, war diese erste Fahrt besonders anspruchsvoll. Wir fuhren zu Dorothy und Frank in die Stoneman Street. Dort sind Trucks verboten, weil sie auf der Bergkuppe aufsetzen und hängen bleiben. Gunter wollte direkt hin und da ich am Steuer saß, habe ich mich erfolgreich gewehrt. SF mit dem Camper war ein Abenteuer. Man muss bedenken, dass wir das Farhrzeug ja noch nicht testen konnten und die Stadt ist bekanntlich sehr hügelig. Man hat das Gefühl, dass das Fahrzeug kippt, wenn man wendet oder in eine Straße einbiegt. Vom Verkehr in einer solchen Stadt mal ganz abgesehen. Trotzdem kamen wir gut an. Bei Dorothy gab es eine große (wirklich große) Pizza und dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder für die nächsten drei Monate. Um einen ersten Vorrat an Lebensmitteln zu beschaffen, gingen wir noch in SF in einem Safeway Supermarkt. Zum ersten Mal mußte ich den RV (Recreational Vehicle – Urlaubs Mobil.) parken. Mitten in der Stadt besonders kniffelig, aber es klappte auf Anhieb. Im Geschäft merkten wir, wie teuer die essentiellen Dinge hier geworden sind. Zu dumm, dass der Dollar zusätzlich auch noch bei 2 DM steht, da werden die Unterhaltungskosten recht teuer für uns.

Ich war froh, schliesslich die Stadt über die Golden Gate Bridge verlassen zu können. Die Brücke hat immer wieder eine besondere Wirkung auf mich. Esra war noch wach und genoss den Anblick, die beiden Kleinen schliefen. Wir machten einen Stop um Fotos zu machen.

Aber so groß kann die Brücke gar nicht sein, denn Esra ist genauso groß.
Dann fuhren wir weiter, die Fahreigenschaften des Wohnmobils zu testen. Den Highway 1 entlang in nördlicher Richtung. Wow, der ist eng und sehr kurvig. Man darf an vielen Stellen nur 15 mph fahren und das nicht ohne Grund. Ständig mussten wir an einen „Turn out“ (Halteplatz für langsame Fahrzeuge) fahren um die Autos vorbeizulassen. Die Strecke zum Campingplatz (Olema Ranch) dauerte mehr als 2 Stunden und wir legten nur 36 Meilen zurück. Dann der besondere Spaß, in der Dunkelheit auf dem Campingplatz einzuparken. Gunter wies mich ein und trotzdem wäre ich beinahe an einen Baum gefahren. Der Campground ist aber wunderbar. Viele große Bäume und ein Bach ganz nah. Jetzt wollen wir weiter um direkt am Meer zu übernachten. Dort werden wir keinen „Hook up“ (Strom- und Wasserversorgung am Wohnmobil) haben. Nachts ist es recht kalt und wir müssen die Heizung anstellen, damit wir mit den dünnen Schlafsäcken nicht frieren.

So sah es in Olema aus.
16. März, Bodega Bay
Wir fuhren morgens um kurz nach 9:00 Uhr los und machten Halt in einer wunderbaren Bucht, deren Namen wir leider vergessen haben. Dort hatten die Kinder den ersten direkten Konatkt mit dem Meer. Sie fanden es SUPER, denn dort gibt es SAND und noch viel mehr Sand. Wir zogen uns sehr warm an, weil ein kräftiger Wind wehte, aber nach und nach wurden wir alle nass. Der Sand war unterspült und man sackte dauernd ab.

Noah schön warm eingepackt, aber schnell war er nass und dann kühlt er ruckzuck aus. Die Sonner wärmte aber so gut, dass es auch mit kurzen Hosen ging. An das Meer trauten sie sich nicht recht, es ist eiskalt. Das kann uns nur recht sein, dann müssen wir nicht zu sehr aufpassen.

Amy und Gunter beim ersten Kontakt mit dem Meer.

Ich bin auch im nassen Sand untergegangen. Sehr unangenehmes Gefühl.
Wir kamen gegen 2:00 Uhr mittags in Bodega Bay an und suchten uns einen Campground an einer State Beach. Der ist etwas billiger, 16 $, hat aber keinen Hook up, also kein Strom, Wasser oder Abwasser Anschluss. Somit kommt heute evtl. der Generator in Benutzung. Dann speisten wir in einem guten Restaurat Fish and Chips, uhm, lecker (Joan Baez und Dar Williams waren die ideale Hintergrundmusik, freu!) und besorgten einen Drachen um etwas mit dem vielen Wind anzufangen, den es hier kostenlos dazugibt. Als wir diesen benutzten stellte sich jedoch heraus, dass es zu viel Wind gibt. Der Campground ist sehr weitläufig aber doch weiter vom Meer entfernt als dass man hinlaufen könnte mit drei kleinen Kindern. Wir sitzen inmitten der Dünen. Ich wollte nicht unter einem abgestorbenen Baum stehen mit dem Wohnmobil, daher wechselten wir noch einmal den Stellplatz.
Heute klappte es mit dem Camperfahren schon viel besser. Hier draußen sind die Straßen und Dörfer viel weitläufiger. Wir haben endlich eine Landkarte besorgt, die das Zurechtfinden erheblich erleichtert. Die Farben der Landschaft sind so wahnsinnig leuchtend. Es blühen schon viele Bäume und Blumen, was nach dem langen deutschen Winter eine wahre Wohltat für unsere Augen ist. Die Meeresluft ist richtig befreiend, mal richtig tief durchatmen. Und heute nacht richtig durchschlafen?
17. März, Bodega Bay
Tja, das mit dem Durchschlafen klappte nicht ganz, denn obwohl der Sturm über Nacht nachließ, war es ab ca. 12:00 Uhr sehr frostig und wir wurden wach, weil wir froren. Die gemieteten Schlafsäcke sind ungeeignet für kühle Temperaturen, und wir schafften es bisher nicht, Decken zu kaufen. Am Morgen war das Wetter angenehm, die Sonne schien, es war windstill, jedenfalls hinter den Dünen, wo wir campten und überall stieg Dunst auf. Es hatte sich Reif gebildet über Nacht. Hier ein Bild vom Wohnmobil auf dem geräumigen Campground, aber ohne Duschen und Hook up.

Hier noch ein Bild, wie man mit möglichst wenig Wasser, mit dem man im Camper sparsam sein sollte, drei schmutzige Kinder sauber wäscht.
Amy wachte um 6:oo Uhr mit den ersten Sonnenstrahlen auf und somit waren wir recht früh unterwegs. zuerst statteten wir dem offenen Meer, dass wir am Tag zuvor wegen mangelnder Wanderfähigkeiten nicht erreicht hatten, einen Besuch ab. Ich bin erstaunt, wie bedrohlich das Meer wirken kann. Die Wellen hatten es richtig in sich. Noah traute sich nach unserer Warnung nicht mal auf 15 Meter an das Wasser ran. Amy hätte überhaupt keine Angst direkt reinzugehen, wenn ein Vogel das ja auch kann. Hier ein Bild mit den Wellenbrechern und uns.
18. März, Petaluma
Wir fuhren direkt nach Petaluma, denn wir wollten uns nicht zu weit von SF wegbewegen. Am Montag darf ich mit einem, Dorothy oder Frank, zum Bread and Roses 25th Anniversary Concert gehen. Ich freu mich riesig. Auf dem Weg zum KOA Campground, sahen wir eine Factory Outlet Mall, in der wir gleich Shopping machten und einiges an Geld ausgaben. Sonnenbrillen, Timberland Hemden und Schuhe, eine weitere riessengroße Pizza, von der Esra den größten Teil verschlang. Die war hinterher leer.

Am KOA Campground angekommen, war die Enttäuschung erst mal groß. Ich hatte mich auf einen Telefonanschluss und somit Internetzugang gefreut, und es war so voll, dass wir nicht mal einen Hook up bekamen. Die Plätze sind zudem so eng, dass die Kinder keinen Freiraum haben. Zuerst wollten wir gleich weiterfahren, denn zudem ist der Platz noch der teuerste, den wir bisher hatten, 36$. Es war aber schon 15:00 Uhr und wir wollten es nicht riskieren, dass die Kinder auf einer weiteren Fahrt einschlafen und dann Nachts wach sind. Also blieben wir. Die Rasselbande tobte sich dann auf dem Spielplatz stundenlang aus, während ich die Wäsche wusch und Telefonate erledigte. Teresa, unsere weit über 80-jährige Freundin habe ich erreicht und stellte erleichtert fest, dass sie noch ganz die Alte ist. Wir wollen und auch in SF mit ihr treffen. Teresa ist eine Malerin, die wir zuerst vor mehr als 10 Jahren kennenlernten. Die hatte mich mit über 80 sogar mal für zwei Wochen in Deutschland besucht. Wir haben sie schon lange nicht mehr gesehen, ich freue mich drauf.
Morgen werden wir auf den Mount Diabolo fahren und dort, wieder ohne Hook up, einen Campground aufsuchen. Dann sind wir recht nah an SF und Richmont, wo wir uns mit Leuten von der Liedloff Continuum Mailing Liste treffen wollen.
Noch haben wir hier im Camper keine richtige Routine. Es fehlt noch einiges, wie z.B. warme Decken und eine Thermoskanne für meinen Tee. Und mit der Ordnung haperts noch. Heute verschwand eine von Noah’s Sandalen. Amy ist meiner Meinung nach die Übeltäterin, denn wenn sie müde ist räumt sie alles weg. Da kann man nicht genug aufpassen. Die Schränke sind nicht gut organisiert. Aber wir beginnen unsere Reise erst und ich denke, dass wir in wenigen Tagen ein gut eingespieltes Team werden. Den Kinder macht die Reise bisher großen Spaß. Es ist toll, immer wieder etwas Neues entdecken zu können. Was ihnen jedoch Probleme bereitet ist, dass die anderen Kinder sie nicht verstehen können. Esra ist in kurzer Zeit gereizt und sagt dann nur noch „NO“, denn das ist ja Englisch. Ansonsten werden Amys Kletterkünste von den anderen Müttern sehr bewundert. Sie mischt mit den großen mit und klettert über alle Hindernisse völlig ohne Angst. Heute abend fütterte sie Ziegen und knuddelte sie im KOA Streichelzoo, ich selbst hätte bei so engem Kontakt Bedenken, die Ziegen aber mochten es und wir ließen sie gewähren. Jetzt ist es 21:00 Uhr und die Drei schlafen. Ich werde nun das gleiche tun, denn um 6:00 Uhr ist die Nacht vorbei. Es ist sowieso gut, möglichst früh los zu fahren. In Zukunft werden wir die Campgrounds doch vorher per Telefon reservieren. Und möglichst bald sollten wir ein Telefon finden, mit dem wir zu Hause Bescheid sagen können, dass es uns gut geht.
18. März, Mount Diabolo
Wir kamen wie immer sehr früh los, denn Amy ist pünktlich vor 6:00 Uhr wach. Nur beim Einkaufen haben wir uns vertan, das dauerte viel länger als erwartet. Mit den Lebensmitteln kennen wir uns noch nicht aus, daher gab es einige Sucherei. Dann brauchten wir Decken, damit wir Nachts nicht mehr frieren. Leider gab es keine ordentlichen Baumwolldecken. Mit dem Wohnmobil sind wir bei der Shopwahl ziemlich eingeschränkt. Viele Geschäfte können wir nicht anfahren, da das Fahrzeug nicht vor Ort zu parken ist. Man ist auf große Einkaufszentren angewiesen.

Als die Einkäufe endlich abgeschlossen waren, und fuhren wir in Richtug Mount Diabolo, welcher östlich von San Francisco liegt und 3850 Fuss (ca. 1200 m) hoch ist. Ich hätte mir denken können, dass es schwierig wird dort hoch zu fahren. zuerst mussten wir uns jedoch durch Stadtverkehr quälen. Mit so viel Verkehr hätten Gunter und ich nicht gerechnet an einem Samstag. Wir standen teilweise im Stau und dass mit drei hungrigen Kindern an Bord. Eigentlich wollten wir in Petaluma zu Mittag essen, aber kein vernünftiges Restaurante war für uns mit dem Wohnmobil erreichbar. So hielten wir die Kinder unterwegs mit Äpfeln, Bananen und Keksen bei Laune. Die Freeways (also die, die so sind wie die Autobahnen bei uns waren sehr voll und die Abfahrten werden nur knapp vorher angezeigt, zumindest in Stadtnähe (denn dort gibt es so viele Abfahrten, dass man sie unmöglich alle vorher anzeigen kann). Plötzlich kam ein Tunnel und da stand, dass Fahrzeuge mit entfammbaren Gasen nicht weiterfahren dürfen. Wir diskutierten, ob wir mit dem Gas für Herd und Heizung wohl dazu gehören und fuhren durch. Nach genauem Studium der Anleitung stellten wir entsetzt fest, dass wir dazu gehören, was die Reise erheblich erschweren könnte. Die meisten Tunnel sind nämlich nicht als solche in den Karten gekennzeichnet und wenn man das erst kurz vorher sieht, ist es fast unmöglich, eine alternative Route zu finden, und dort kommt dann vielleicht auch wieder ein Tunnel. Ich freute mich, endlich den Stadtverkehr hinter mir zu lassen, da ging die Auffahrt zum Mount Diabolo schon los. Die Alpen sind auch nicht schlimmer. Und da es immer noch Samstag war, waren sehr viele Leute unterwegs und kamen uns entgegen. Beim einchecken in den Park und Anmelden zum Campen bin ich dann am Häuschen, in dem der Ranger saß. hängen geblieben. Die Einfahrt war zu eng und es war seltsamerweise auch kein anderes Wohnmobil dort oben (die wussten nämlich alle, das es dort eng und kein Zuckerlecken ist. Es gab zum Glück nur eine kleine Schramme. Wir hatten nochmal Glück und fanden einen der wenigen Stellplätze, die halbwegs eben waren und ich genoss die Ruhe auf der Sitzbank. Die Auffahrt hatte mich einige Nerven gekostet und wahrscheinlich wieder ein paar graue Haare. Die Natur ist dort oben auf dem Berg wunderbar. Die Erdhörnchen waren munter und ließen sich durch uns auch kaum stören. Wir alle waren sehr hungrig und Gunter kochte Spaghetti, die im Freien verspeist wurden. Amy konnte nach Lust und Laune kleckern.

Gegen Abend suchten wir verzweifelt und vergeblich ein Telefon. Ich wollte Lisa anrufen wegen des Liedloff-Treffens in Lafayette am Sonntag. Ausserdem hatten wir immer noch nicht zu Hause angerufen. Danach machten wir eine Wanderung um einen der Hänge. Drachenflieger starteten von einem Abhang, und die Gegend war traumhaft schön. Nur auf die Kinder mussten wir gut aufpassen, überall geht es steil bergab. Es ist erstaunlich wie weit wir kamen und es klappte wunderbar mit dem Fotografieren. Amy war in der Rückentrage und genoss den Ausblick und die Jungs vergnügten sich mit Steinen oder sonstwas während wir Fotos machten. Später beteiligte sich Esra auch an der Fotografie. Leider gibt es hiervon auf dieser Seite kein Bild, denn die Digitalkamera blieb im Wohnmobil.
19. März, San Francisco
Die Nacht war erstaunlich warm und zum erstenmal froren wir nicht. Am nächsten Morgen sah ich warum. Wir sassen mitten in den Wolken und daher wurde es nicht so kalt. Um 7:00 Uhr waren wir fertig mit der Morgentoilette und wir begannen die Abfahrt. Selbst im 1. Gang musste ich dauernd bremsen und um die Bremsen zu schonen, und ein gemütliches Frühstück einzunehmen, machten wir recht viele Stopps. Um 9:00 Uhr waren wir unten und ich rief Lisa an. Die war schon unterwegs und ich hörte, weil es zu laut war, die Nummer, die sie durchgegeben hatte nicht. Also versuchten wir Denise, bei der das Treffen war, im Telefonbuch zu finden, leider ohne Erfolg. Also fuhren wir weiter Richtung SF. Wieder konnten wir kein geeignetes Restaurant auf dem Weg finden und wir ernährten uns von Obst. Der Verkehr war in Ordnung. Die Bay Bridge darf mit dem Camper auch nicht befahren werden und wieder fuhren wir einfach weiter, weil keine Abfahrt vorhanden war. Wenn wir das Wohnmobil abgeben, werden wir uns etwas überlegen müssen. Candelstick Park ist der einzige RV Park direkt in SF, hier waren wir schon am 1. Tag und daher sind wir jetzt wieder hier. Sieht schlimm aus, gell? Aber Esra kann das neue ferngesteuterte Auto ausprobieren. Sowas bekommt man hier für 30DM.
Da wir den Shuttle Service verpassten fuhren wir mit dem Taxi in die Stadt. Die Gegend wäre sehr unsicher sagte uns der Mann an der Rezeption und die Haltestelle wäre zu weit weg. Na ja, Gunter schaute nach und es stimmt nicht. Morgen werden wir den Bus nehmen. zuerst besorgten wir Bustickets für drei Tage, die sind am günstigsten. Dann fuhren wir in Richtung Golden Gate Park, denn dort wohnt Natalie Rome, auch von der Liedloff Mailingliste. (hier mit Tochter Allison, 1 Jahr)
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Vater Scott mit Allison, oder umgekehrt?
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Ihr brachte ich einige Farben zum kolorieren von Fotos. Nur die Flaschen, in die die Farben abgefüllt waren, hielten während des Fluges nicht dicht und daher schwammen sie in einer braunen Sosse. Es war ein schöner Nachmittag. Wir platzen ja unangemeldet rein und wurden trotzdem freundlich empfangen. Endlich eine Umgebung und Leute, die absolut Kinderfreundlich sind. Die Nachbarn hatten eine Party und Scott, Natalie’s Mann ging rüber und rief kurz danach an, wir sollten alle kommen. Gunter sah man eh an, dass ihm der Grillgeruch nicht gut bekam, er hatte Hunger. Also bekamen alle was. Bei den Nachbarn gab es Kinder, Hunde und Würstchen. Esra freundete sich mit einem Lehrer an und lehrte ihn dann auch gleich, wie man auf deutsch bis 10 zählt. Umgekehrt hoffe ich, dass er auch etwas lernen konnte.

Amy fand schnell einen Freund und sie hiess AMY. Es war lustig, dass jeder Amy rief als wir rein kamen. Das lag nicht an unserer wunderbaren Tochter, die noch dazu ein hübsches Kleid anhatte, nein, der Hund AMY machte sich gerade über den Mülleimer her. Na jedenfalls blieb Amy Amy nicht mehr von den Fersen. Ach wie riecht ein Kind so gut, dass eine Wurst in der Hand hat und zudem gern teilt.
Natalie bot es mir an, meine Emails zu checken und das ist hier mit AOL denkbar einfach. In wenigen Sekunden waren wir drin. und ich konnte Emails lesen und beantworten. Mutti wollte logischerweise endlich von uns hören. Nur die Homepage würde ich gern mal ins Netz stellen. Dazu hätte ich jedoch mein Notebook gebraucht.
Es dauerte dann sehr lange, bis wir zurück auf dem Campingplatz waren. Die Busse fuhren an dem Tag nicht, da es Bauarbeiten gab, und es wurde sehr windig und kalt. Ausserdem war Amy hundemüde. Pünktlich waren wir an dem Punkt, an dem es eigentlich einen Shuttle Service zum Campground geben sollte, nur dieser kam nicht und es wurde dunkler und kälter und wir alle gereizter. Gunter wollte noch zweimal mit dem Bus fahren aber ich rief schliesslich ein Taxi, welches uns für viel Geld aber schnell und warm nach Hause brachte. Und jetzt haben wir gesehen, dass die Auskunft den Mannes am Empfang falsch war und es nur wenige Meter zur Bushaltestelle waren. Na ja! Dann sind wir halt mal Taxi gefahren.
Heute abend rief ich Mathilde an, ich glaube ich habe sie trotzdem geweckt. Die Zeitumrechnug funktioniert nicht, wenn man müde ist, sorry. Jetzt gehe ich auch ins Bett, oder besser den Alkoven, denn alle anderen schlafen schon und morgen geht’s früh raus und abends auf das Konzert.
20. März, San Francisco
Ich sag es gleich: das war nicht unser Tag. Wir sind morgens gleich los, um mit der MUNI zu Teresa zu fahren. Das dauerte ewig, weil man mit den Bussen nicht den direkten Weg nehmen kann. Amy war unterwegs nicht gerade leicht zu halten. Sie wollte rennen aber der Bus fährt so ruckelig, dass das nicht geht. Sie so lange zu halten und selbst das Gleichgewicht zu halten bei der Fahrt über die Hügel, war mehr als anstrengend. Wir mussten an einem Einkaufszentrum umsteigen und nutzten die Gelegenheit um einzukaufen. Im Borders Book Store benahm sich Esra absolut daneben. Er hatte ein Kind mit einem TeletubbiBuch gesehen und flippte voll aus. Ich schämte mich denn er machte einen riesen Lärm. Lange kann man sowieso nicht nach Büchern schaün und daher gingen wir direkt danach eine Pizza essen. Noah meckerte die ganze Zeit über, dass er lieber Spaghetti wollte. Schon wieder Gejangel. Kurz bevor die Pizza leer war, entschloss er sich dennoch ein Stück zu essen und dann brauchte er ewig. Amy dauerte das zu lang. Und sie jangelte ebenfalls. Dann fuhren wir endlich mit dem Streetcar (d.h. einer Art Straßenbahn) nach St. Francis Woods zu Teresa.Sie war zu Hause aber noch im Nachthemd. Trotzdem freute sie sich uns zu sehen. Da das Dach von ihrem Haus sehr viele undichte Stellen hatte, roch es ziemlich modrig. Sie verkaufte erst kürzlich einige Gemälde und finanziert so die Reperaturen. Teresa packt den Haushalt mit ihren fast 90 Jahren nicht mehr, und findet aber keine Haushaltshilfe. Als wir uns darüber unterhielten bot ich ihr an, zu helfen und sie freute sich sehr darüber. Sie wollte jedoch nur zwei Zimmer gesaugt haben, denn sie sagt, dass sie zu schwach für ihren neuen Staubsauger ist. Es tat mir sehr leid, nicht mehr helfen zu können und daher fragte ich abends Frank, der mit sozialen Einrichtungen arbeitet, ob er ihr nicht eine Hilfe für den Haushalt schicken könnte. In den USA leben Familien so weit auseinander, dass ältere Leute allein zurechtkommen müssen. Pflegeheime sind sehr teuer und für die allermeisten unbezahlbar und Haushaltshilfen, wie Teresa uns berichtete, nicht leicht zu organisieren.


Die Gemälde stehen im Wohnzimmer damit Kaufinteressierte sie anschauen können. Gallerien verlangen teure Rahmen und kassieren einen großen Teil des Gewinns.
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 Die Malerin Theresa
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Die Kinder sind alle drei eingeschlafen und ließen sich auch durch das Saugen nicht stören. Aber als Esra wach wurde war er wahnsinnig schlecht gelaunt. Er forderte Apfelsaft und zwar sofort, ohne Rücksicht auf Verluste.

Wir machten uns auf den Weg, dennoch dauerte es ca. 1 Stunde bis Esra wieder genießbar war. Dann fuhren wir zum Kenmore um Reservierungen für die letzte Woche des Urlaubs zu machen. Es dauerte ewig, bis der Bus 4 Blocks vom Ziel entfernt ankam. Diese vier Blocks forderten unsere Energiereserven. Der Rucksack war voll und schwer und auch Amy saß wie gewohnt auf meiner Hüfte oder in der Rückentrage. Endlich angekommen, kam dann die große Enttäuschung. Der Manager druckste rum bis ich schließlich fragte, ob er Kinder nicht im Haus haben will. Also, wenn sie älter wären und wir müssten auf alle Fälle zwei Zimmer nehmen und das dann für 500$ je Zimmer. Ich war sehr entnevt und reagierte entsprechend gereizt. Ich solle später anrufen und mit der Chefin reden. Wir beschlossen, dass das keinen Sinn hat, denn wir müssten ständig aufpassen, dass keiner auffällt und gerade dann machen die Kinder gewöhnlich den grössten Unsinn. Was wir in der letzten Woche unseres Urlaubs nun machen, wissen wir nicht. Die anderen Hotels sind viel teurer und sehr wahrscheinlich sind Kinder auch dort nicht erwünscht. Dorothy bat an, dass wir bei ihnen übernachten können aber ich bin mir nicht sicher, ob das gut ginge. Vielleicht fällt uns noch etwas ein.
Gefrustet ging es nun weiter. Oder besser gesagt langsam (!) Richtung Candelstick Park zum Wohnmobil. Dazu mussten wir nach Downtown um einen Bus zu bekommen. Der erste Bus war in Ordnung und wir waren wieder mitten drin.

In einem Buchladen sah ich einen Hinweis auf Julia Butterfly Hill’s Buch, in diesem Laden wird sie nächte Woche sein. Oh wie gerne würde ich sie treffen (Julia ist die Frau, die nördlich von San Francisco einen Redwood Baum gerettet hat, indem sie 2 Jahre. auf ihm gelebt hat). Jedenfalls wollte ich dieses Buch kaufen und wir gingen mit den müden, hungrigen Kindern in den Laden. Niemand im Laden wusste genau wo das Buch zu finden war und so wurde ich von hier nach da geschickt. Amy quengelte immer mehr und war schwer zu tragen. Die Jungs hatten wieder Unsinn im Kopf und liefen wild durch den Laden. Endlich bekam ich das Buch im oberste Geschoss, funkelnagelneu und noch nicht mal im Laden ausgelegt. Da ich zu sehr mit Amy beschäftigt war achtete ich nicht darauf, dass Noah dicht bei mir blieb. Ein Mann rannte ihn über den Haufen. Und zwar richtig. Wer Noah kennt, kann sich den Lärm jetzt vorstellen. und das in einem ruhigen, gemächlichen Buchladen. Der Mann entschuldigte sich nur im Vorbeigehen. Anscheinend rechnet in einem Downtown Buchladen niemand mit kleinen Kindern. Noah war halbwegs beruhigt und ging schluchzend die Treppen runter. Esra war nun so müde, dass er nur noch nebenher trottete. Er fiel 5 Stufen mit dem Kopf nach vorne runter. Wer Esra kennt, kann sich nun lebhaft vorstellen, wie laut es wurde. Ich wollte Amy auf den Boden stellen, um nach Esra zu sehen. Amy wollte aber nicht und ihr könnt euch vorstellen wir laut es nun wurde. Peinlich, peinlich. Also reihten wir uns gefrustet in die lange Schlange an der Kasse ein. Und es war ein großes Werk vollbracht, als das Super Buch endlich zum schweren Gepäck in den Rucksack verstaut wurde. Ob ich das Buch je lesen kann ohne an die Umstände zu denken?
Und jetzt wird es erst richtig gut. Wir speisten auf dem Weg, sozusagen beim Laufen, denn ich wollte abends ja auf das Bread & Roses Konzert. Schliesslich saßen wir wieder im Bus. Wir fuhren und fuhren und fuhren. Gunter hatte eine Route ausgesucht bei der man zwar nur einmal umsteigen musste die aber im Prinzip zweimal quer durch die Stadt führte. Es war zudem Feierabendszeit und die Busse gerammelt voll. Nun gut, mit den müden Kindern in die vollen Busse und ständig wird einer umgerannt oder der Bus fährt zu ruckelig. Amy trank zudem dauernd an der Brust und es amüsierte mich, dass die Leute so erstaunt dreinschauten. Manche sagten: aber sie läuft doch schon und trinkt noch. Wir kamen an der Straße an, in der wir umsteigen mussten, es war mittlerweile 5:30Uhr und ich hatte versprochen Telefonate zu führen. An der Bushaltestelle angekommen staunte ich nicht schlecht. Es standen so viele Leute da, die würden allein einen Bus füllen. Wir warteten und warteten und Amy ließ sich nur von mir halten. Ca 20 Minuten später rief ich entnervt Dorothy an und bat, dass uns jemand rettet. Die Jungs spielten recht gut miteinander zum Glück, aber Amy wurde immer gereizter. Eine lange halbe Stunde später kamen die Beiden. Wir alle quetschten uns ohne Kindersitze auf die Rückbank, sowas würde ich zu Hause nie machen. Bis wir dann am Camper waren war es 6:30 Uhr, um 20:00 Uhr sollte das Konzert beginnen. Ich wusch mich und zog mich flott um und ließ Gunter mit der schreienden Amy allein (schlechtes Gewissen). Dorothy und Frank wollten noch chinesisch Essen gehen und sie bestellten die Rechnung sozusagen vor dem Essen. Wir kamen um 5 Minuten vor 8:00 Uhr an der Opera an. Viele Leute mit Abendkleidern und wahnsinnig nobel das Ganze, ich kam mir ein wenig fehl am Platze vor. In SF gibt es bei solchen Veranstaltungen immer Menschen, die in der Alltagskleidung kommen und ich fiel zum Glük nicht zu sehr auf.

Wir bekamen erstklassige Plätze zugewiesen. 3. Reihe. Doch plötzlich, als wir gerade bequem saßen, kam einen Frau und fragte nach den Tickets. Wir mussten weg und zwar ein gutes Stück weiter nach hinten und nach oben. Schade! Das Konzert war aber schön. Für meinen Geschmack vielleicht zu viele Künstler – Jackson Browne, Kris Kristopherson, Pete Seeger, Joan Baez, Bonni Raid, Lily Tomlin, Robin Williams und einige mehr. Ich war sehr erstaunt, dass alle am Schluss noch einmal schön klatschten, dann aufstanden und nach Hause gingen. Keine einzige Zugabe. Ausserdem hätte ich erwartet, dass die Künstler mehr zusammensingen. Jeder sang zwei Songs und das wars. Ich bin erst um 1:00 Uhr früh ins Bett und war dann sogar zu müde zum Frieren.
Fazit:: große Stadt ist nichts für Familien mit Kindern..
21. März, Moss Landing
Am morgen gingen wir alles ganz gemütlich an. Ich sagte mein Treffen mit Lisa in SF ab, denn wir wollten nicht noch einmal in die Stadt. Wir wuschen die Wäsche und räumten das Wohnmobil auf. Um 11:30 Uhr fuhren wir los und stoppten in Menlo Park, da ich Nancy Lutzow besuchen wollte. Ich fand ihr Büro jedoch nicht. Daher aßen wir bei Keplers Bookstore (ein sehr bekannter und großer) zu Mittag (Burritos, lecker) und Gunter ging dannach in Palo Alto in seinen Lieblings-Fotoladen. Danach kauften wir Lebensmittel ein. Mittlerweile war es 3:00 Uhr und auf dem Weg nach Santa Cruz verfuhren wir uns zweimal und landeten im Stau. Um 6:00 Uhr kamen wir auf dem Campingplatz an, ein sehr schöner, günstiger (7$) direkt am Meer gelegener Platz. Esra und Noah sind absolut begeistert. Wir sammelten gestrandetes Holz und machten ein Feuer. Zum Abendessen gab’s eine Nudelsuppe und eine schöne Aussicht. So wäre es mit den Kindern am einfachsten. Sie lieben die Natur und sind daher sehr ausgeglichen. Durch das Holzsammeln hatten sie eine Aufgabe, was ihnen sehr gut tat.Jetzt schlafen alle friedlich und ich gehe besser auch zur Ruh.
Hier nun die Bilder:

Schöner Platz, nicht wahr?
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Esra in seinem Element, als Abenteuerer.
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Nur 10 Schritte vom Wohnmobil

Da es noch fast Vollmond war, stieg die Flut heute nacht sehr hoch. Ich dachte das Meer kommt zum Wohnmobil. Wir schliefen trotzdem sehr gut und als ich um 5 Uhr kurz aufwachte konnte ich direkt auf das Meer schauen, dass durch den Sonnenaufgang rosa leuchtete. Oh, wie schön! Und dann weiter schlafen bis 7:00Uhr. Heute früh frühstückten wir gemütlich nach einem Spaziergang am Meer. Hinter unserem Camper parkte eine Frau, die surfte.Als sie aus dem Meer zurück kam, wartete ihr Mann bereits mit ihrer Tochter (die heist April und ist im März geboren) auf sie, denn er ging danach surfen. Wir unterhielten uns sehr gut, sehr nette Leute. Es stellte sich heraus, dass sie Schriftstellerin ist und mit der Kindererziehung ähnliche Einstellungen hatte wie wir. Ich gab ihr eine Weihnachtsgrusskarte mit unserer Email adresse und hoffe, dass sie uns emailt. So fängt der Tag gut an und den Kindern geht es wieder gut. Wie schön, dass man innerhalb kurzer Zeit von der großen Stadt in die einsame Natur kommt.
22. März, Carmel Valley
Um ca. 10:00 Uhr ging es los nach Monterey (ca. 3 Stunden südlich von SF), dort gingen wir in die Cannery Row, da wir das berühmte Aquarium anschauen wollten. Der Eintritt würde für unsere Familie jedoch 50$ kosten und das war uns für 1-2 Stunden zu teuer. Also gingen wir am Meer spazieren und assen dann Mexikanisch zu Mittag. Jetzt sind wir in Carmel Valley auf einem Campingplatz direkt am Fluss und wir werden Internetzugang bekommen. Ich hoffe alles klappt, dann ist der Bericht später im Internet.
Blühende Küste
22. März, Carmel Valley
Wir fuhren, nachdem wir den Campground gefunden hatten, nochmal an den Beach in Carmel. Nach ca. 10 Meilen wieß uns ein Autofahrer darauf hin, dass wir das Stromkabel nachschleiften. Das sah ziemlich schlimm aus, die Kontakte abgeschleift und völlig verbogen. Wir fühlten uns schlecht, denn sowas sollte nicht passieren. Ich denke es wird uns eine Lehre sein. und zum Glück war es kein full Hook up, mit Wasser und Abwasseranschluss, dann wäre es noch übler ausgegangen. Und vorher hatte wir noch Witze darüber gemacht, daheim in Deutschland.
Carmel Beach war für die Kinder toll. Dort gibt es einen großen Hügel, der nur aus weißem Sand besteht, den die Kinder runterkugeln können. Es war wieder sehr windig und daher recht kühl. Vom Meer her zogen Wolken ins Land, das sah beeindruckend aus. Nicht die idealsten Bedingungen für die Fotografie, aber sehr anspruchsvolle.
Hier ein paar Bilder von der Digitalkamera:
Danach suchten wir vergeblich Kleiderbügel in einem Einkaufszentrum. Erstmals konnten wir entsetzt bestaunen wie Kinder ausflippen, wenn sie nur ein Schild mit der Aufschrift Bookshop sehen. Ich denke Buchläden sind für Kinder zu ruhig und gemächlich, das schreckt von vornherein ab.Von nun an gehen wir nur noch getrennt in die Buchläden.
Sehr spät abends durfte ich ins Internet. Und es klappte erstaunlich gut. Ich brauchte etwa 1 1/2 Stunden, bis die Homepage drin war. Es erforderte jedoch ziemliche Konzentration nach einem langen anstrendenden Tag.
23. März, Montery, Carmel
Der Tag fing nicht gut an. Alle Kinder hatte Splitter in den Händen (Amy und Esra) und den Füßen und Beinen (Noah). Esra ist schon so vernünftig, dass man ihm die Splitter ohne großes Geschrei entfernen kann. Aber Amy und Noah waren wirklich ein Problem. Die Stellen waren schon entzündet und daher musste ich darauf bestehen, dass etwas geschieht. Noah war wirklich ein Problem, er schrie wie amn Spieß, bevor ich überhaut etwas machen konnte. Die Nachbarmobile stehen so dicht, dass ich nicht wissen möchte, was die dachten. Nach 1 1/2 Stunden gab ich völlig entnervt auf. Ich machte ihm ein Pflaster mit Salbe auf die Splitter, in der Hoffnung, dass die Haut dann aufweicht und man somit schneller fertig ist. Das klappte aber nicht. Bei Amy sind die Splitter leider auch noch drin und ich kaufte eine Salbe gegen Entzündungen, nachdem die homöopathische Behandlung nicht geholfen hatte. Die Splitter sind leider noch unter der Haut. Vielleicht ist Amy aus diesem Grunde so unruhig?
Danach gingen wir an den Fluss, Carmel River, der ideal für kleine Kinder ist, denn das Wasser ist nur 15 cm tief und er fließt ganz ruhig. Esra und Noah warfen mit Wonne Steine, Amy versuchte es auch war jedoch nicht so erfolgreich. Nach ca. 1 Stunde war sie ziemlich durchweicht und wir zogen sie um und fuhren nach Monterey.
Um die Kinder austoben zu lassen fuhren wir auf einen großen Spielplatz, den wir am Tag zuvor gesehen hatten. Der kostete zum Glück keinen Eintritt, war aber überfüllt und einige Nummern zu groß. Es rannten so viele, auch ältere, Kinder herum, die Spielgeräte waren recht gefährlich. Mit drei Kindern waren wir überfordert und Esra ging uns verloren. Wir suchten ihn eine Weile und endlich fand ich ihn ziemlich hysterisch wieder. Ein Frau hatte versucht ihm zu helfen aber er konnte sie nicht verstehen. Danach blieb er dicht bei uns. Aber wir blieben nicht mehr so lange, denn es war einfach zu voll und anstrengend. Wir entschieden da, dass wir auf keinen Fall ins Disneyland gehen werden, denn das ist um einiges grösser und sehr teuer (etwa 500DM).
Hier nochmal ein kleiner Teils des Spielplatzes
Wir fuhren an die Strände, oder besser gesagt Küste, und es klappte wunderbar, dass Gunter oder ich fotografierten und die Kinder Muscheln sammelten oder im Sand spielten. Ich hoffe wir konnten gute Langzeitbelichtungen machen. Die Filme gaben wir vor Ort zur Entwicklung ab, obwohl es hier sehr teuer ist. Es kostet etwa 4 mal so viel wie in Deutschland. Trotz allem ist es wichtig, dass wir sehen, wie die Fotos bisher sind, damit wir uns wieder auf die Landschaftsfotografie einstellen können. In den letzten Jahren haben wir fast nur Portraits gemacht.
So sieht das Meer hier aus. Es gibt sehr viele Muscheln und Meerestiere zu bewundern was für die Kinder hoch interessant ist (für mich übrigens auch). Nur auf den Felsen dürfen sie nicht herumklettern, denn das ist zu gefährlich, da immer wieder unverhofft hohe Wellen kommen und die zuvor sicher erscheinenden Felsen überspülen.
24. März, Big Sur
Wir beeilten uns nicht am Morgen, denn das Wohnmobil musste aufgeräumt werden. Gunter und ich ließen uns mit der Morgentoilette etwas Zeit. Dann ging ich nocheinmal kurz ins Internent, weil ich nun wusste wie es geht und es die Möglichkeit gab.Wenigstens die ersten drei Seiten gibt es nun auch in Englisch.
In einem Shoppingcenter mit einem Naturkostladen machten wir Halt um Obst einzukaufen. Ich war völlig platt. Dieser Laden war so groß wie ein normaler Supermarkt und es gab alles was das Herz begehrt, nur keinen Roibusch Tee. Aber Bachblüten und homöopathische Mittel. Die Kinder machten sich über das Obst her: frische Erdbeeren und Ananas. Für später Äpfel und Orangen. Amy liebt das und wir können ihnen etwas Gutes anbieten wenn die Fahrt zu lang wird. Hier ein Bild davon, mehr konnte ich sowieso nicht machen, weil es eigentlich verboten ist.

Da die Splitter in Amy’s Hand immer noch vereitert waren fuhren wir zum Arzt. Gunter meinte es sei nicht nötig und die Schulmedizin sei eh nichts für uns. Ich muss zugeben, dass er Recht hatte. Ich wartete lange, dann wurde Amy direkt die Temperatur gemessen, was sie natürlich nicht wollte, da sie es im Popo massen, sie wurde gewogen und nach den Impfungen wurde gefragt. Da dachte ich mir schon, dass es nichts wird. Nach einer weiteren Stunde kam der Arzt, ich hatte Amy zwischenzeitlich etwa 100 Mal gestillt, denn logischerweise wollte sie sofort wieder weg. Der Arzt warf aus 1,5 Metern Entfernung einen Blick auf die Hand und sagte, da ist kein Splitter mehr drin. Amy soll Antibiotika einnehmen. Ha, sowas! Jetzt weis ich immer noch nicht, wie ich die Dinger herausbekomme und ob es vielleicht Kaktusstacheln sind. Antibiotika habe ich natürlich abgelehnt.
Die Fahrt nach Big Sur war entspannt. Alle Drei waren müde und daher schliefen sie schnell ein. Diese Strecke ist eine der schönsten der Welt. Die Kombination von Meer und Bergen ist einfach eine Augenweide. Die Brücken wurden gerade repariert, daher waren einige der schönsten Highlights verschandelt. Ich musste mich jedoch so auf die engen Wege konzentrieren, dass ich es nicht weiter bedauern konnte. Jetzt stehen wir auf dem Pfeiffer Big Sur State Park und lassen die Ruhe der Redwoods auf uns wirken. Als Esra wach wurde war er zu Beginn sehr entsetzt. Er wäre am liebsten wieder in Petaluma, denn dort hatte der Spielplatz einen Bagger, den er so gern mochte. Nach einer halben Stunde fand er jedoch Gefallen an den stattlichen Bäumen. Ich suchte ein Telefon um Susanne (ehemalige Büchereck Besitzerin aus Ingelheim) anzurufen. Da es kein Telefon in der Nähe gab, machte ich einen ausgedehnten Spaziergang mit Esra. Das gefiel uns beiden, denn wir schauten uns die Mammutbäume ganz genau an. Es gibt viele, die durch frühere Waldbrände so geschädig waren, dass Höhlen entstanden sind. Mit der Taschenlampe erforschten wir alle. Wow, in einigen der Höhlen könnte unsere ganze Familie übernachten.Die Nummer von Susanne fand ich schließlich heraus, es war jedoch niemand zuhause. Vielleicht morgen.

Hier ein Foto von Esra mit den großen Bäumen. Es schaute, ob er mit dem Fernglas Tiere beobachten kann.
Die Redwoods haben eine ausserordentlich beruhigende Wirkung auf mich. Sie scheinen mich wie eine wiederaufladbare Batterie mit Energie zu füllen. Ich werde sehr ruhig und kann es nicht fassen unter so erhabenen Lebewesen zu wandeln. Mal sehen, ob mir nach dem morgigen Tag etwas besseres einfällt. Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen.
25. März, immer noch Big Sur
Wir wanderten morgens durch die Redwoods. Am Abend zuvor hatte ich etwas von einem Mountain Lion gelesen, der besonders für kleine Kinder gefährlich werden könnte. Sie würden ohne Vorwarnung angreifen. Das saß bei mir. Wie sollen wir denn auf drei Kinder aufpassen? Also entfernten wir uns nicht zu weit vom Campingplatz.
Hier unten im Tal gibt es beeindruckende Bäume. Esra mag die ausgebrannten Höhlen sehr gern. Er würde am liebsten in einer schlafen. Was hier an der gesamten Küste noch gefährlich ist, ist das poison oak. Das ist eine Pflanze, die recht unauffällig ist und nicht einmal mit der Hose oder einem Gegenstand berührt werden sollte. Denn dann darf man auch die Hose oder den Gegenstand nicht berühren, oder es gibt einen biestigen Ausschlag. Gestern hatten wir nicht darauf geachtet und wir erinnerten uns auch nicht daran, wie die Pflanze genau aussieht. Heute bemerkten wir, dass sie überall am Wegesrand steht und wir dauernd dicht daran vorbeigehen. Wir hatten Glück, dass noch niemand damit in Kontakt kam, besonders, weil die Kinder ihre Finger überall haben. Am Big Sur River machten wir einige Zeit Langzeitbelichtungen (d.h. mit einem Graufilter erhöhen wir die Belichtungszeiten so sehr, dass das Wasser auf den Aufnahmen ganz weich wirkt; diese Aufnahmen sind recht anstrengend, da die Belichtungszeit ausgerechnet werden muss, per Hand belichtet und ständig Filter auf und ab geschraubt werden). Die Kinder spielten derweil am Bach. Das klappt mittlerweile sehr gut. Wir suchen immer Plätze, die für alle etwas Interessantes zu bieten haben, dann funktionert das. Amy wird auf den Wanderungen getragen und darf sich, wenn wir fotografieren, die Füße vertreten. In dieser Beziehung sind wir ein gut eingespieltes Team. Freu!
Während Amy schlief und Esra und Noah auf der Waldlichtung spielten, las ich, zwischen zwei großen Redwoods sitzend, in Julia Butterfly’s Buch „The Legacy of Luna“. Es könnte keinen besseren Platz geben, an dem man dieses fantastische Buch lesen kann.
Ich versuchte noch einmal Susanne anzurufen und siehe da sie war direkt am Telefon. So eine Überraschung. Wir hatten uns schon bis zu ihrer Straße hin bewegt, von der man uns sagte, dass wir sie mit unserem Gefährt auf keinen Fall befahren könnte. Wir verabredeten uns in einem Pub, es war sehr schön sie zu treffen und hochinteressant, zu höhren, wie es ihr nach 5 Monaten in Big Sur geht. Nach dem Stress mit dem Buchladen in Ingelheim, macht sie zur Zeit erst mal nichts beruflilich. Esra und Noah waren absolut begeistert, denn endlich verstand sie jemand. Die beiden redeten und redeten und liefen ihr hinterher. (Hinten steht übrigens der grüne Bus von Susanne neben unserem Wohnmobil). Sie sieht doch wirklich sehr erholt und ruhig aus, oder?
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Der Kolibri speiste auch in dem Pub.
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Um uns zu zeigen, wo sie wohnt, fuhr sie uns mit ihren alten VW Bus nach oben. Diese „Straße“ wären wir nie hinaufgefahren. Ich sass vorne und bekam beinahe einen Herzinfarkt bei der Fahrt nach unten. Solche Kurven bei einer Dirt Road hatte ich vorher nie gesehen. Susanne sagte sie hätten einen four wheel drive, denn bei Regen schaffts der Bus nicht mehr.
Sie wohnt hoch oben auf dem Berg, der Ausblick ähnelt der Schweiz. Nur wenn man nach Westen sieht, erblickt man das Meer. Sehr einsam und sehr idyllisch. Zum Grundstückt gehört ein Stück Wald mit Redwoods. Susanne erzählte, dass ihr auf der Straße zum Haus nachts ein Mountain Lion begegnet sei. Wow, es gibt sie also wirklich. Nicht sehr beruhigend. Jedenfalls war das Treffen mit Susanne prima. Jetzt wissen wir also wie sie in Big Sur lebt. Die „Locals“ bezahlen in den Geschäften übrigens 10 % weniger. Das Andere sind Touristenpreise.
Als wir zurück auf dem Campingplatz waren, übermannte mich die Müdigkeit und erstmals auf dieser Reise ruhte ich tagsüber 2 Stunden. Danach wanderten wir noch einmal zum River, den Noah so liebt. Das Meer ist ihm zu groß und gefährlich. Die Bäche sind Noah’s Freunde. Und Esra liebt nach wie vor die Redwoods.
26. März, Big Sur und Monterey Penninsula
Um weitere Langzeitbelichtungen zu machen wanderten wir in gewohnter Manier, d.h. mit zwei Stativen, zwei Fotoausrüstungen, Amy auf dem Rücken und zwei Jungs an der Hand, zu den Pfeiffer Falls. Es ging ziemlich bergauf und bis wir ankamen war ich klatschnass.

Aber gut gelaunt. Die Jungs laufen immer besser und weiter, denn wir trainieren jeden Tag. Während Gunter und ich „arbeiteten“ spielten die großen, indem sie Blätter ins Wasser warfen. Amy war müde und hing am meinem Bein, später an der Brust. Die Wasserfälle waren noch imposanter, als die Wanderung durch den Wald. (Bilder gibt es später, denn die Digitalkamera war nicht mit dabei). Oh, ich würde gerne den Waldgeruch beschreiben, aber das ist schwierig. Anders als in einem deutschen Wald. Sehr intensiv, weil die Luftfeuchtigkeit immer recht hoch ist. Auf dem Rückweg fanden wir eine Hütte mit Informationsmaterial, d.h ausgestopfte Tiere und Felle zum Angreifen. Dort lernte ich gleich, auf welche tödlich giftigen Schlangen ich mich in Arizona einstellen kann. Gunter meinte die schlafen im April noch, ich werde mich jedenfalls informieren.
Ich brach schweren Herzens nach Monterey auf, die Redwoods lassen mich nicht los. Fotografieren kann ich sie gar nicht, das liegt ausserhalb meiner Möglichkeit, ich bin völlig überfordert. Wie schade! Es ist Sonntag, wir konnten trotzdem unsere Filme abholen, denn der Laden war geöffnet. Das Anschauen war sehr lehrreich und ich denke, dass ich nun sparsammer mit den Filmen umgehen werde. Ich bin mit 80% der Bilder nicht zufrieden. Sehr gute Aufnahmen haben wir von Mount Diabolo, die würde ich hier gerne zeigen, was leider nicht möglich ist. Unsere Langzzeitaufnahemn sind noch zu hell und der Vordergrund ist oft zu leer. Gut, dass wir die Filme abgegeben haben, denn so kann man die Fehler ausgleichen. Das Meer scheint übrigens genauso schwierig fotografisch umsetzbar zu sein wie die Redwoods. Die Landschaft ist so unglaublich, da muss ein Foto Spitzenklasse sein, um die Stimmung auszudrücken. Leider können wir oft die besten Zeiten nicht ausnutzen, weil wir da auf dem Campingplatz sein müssen, oder die Kinder noch nicht gefrühstückt haben. Aber wir haben viel Zeit und ich denke wir bekommen noch Gelegenheiten wie in Mount Diabolo (das war etwa 1 Stunde östlich von SF).
Danach mieteten wir einen Stellplatz direkt in Montery auf einem Motelparkplatz, was nicht sehr idyllisch ist aber zentral gelegen ist. Wir müssen morgen unseren Motor überprüfen lassen, weil die Servicelampe dafür schon aufleuchtet.
In Pacific Grove machten Gunter und ich wieder Fotos und die Kinder sammelten am Strand Muscheln und Holz. Den Sonnenuntergang fotografierten wir vom Highway One aus, denn dort sieht man die Staffelung der Hügel so schön. Wir hatten bei der Hin- und Rückfahrt nach Big Sur gar keine Fotos gemacht, da die Sonne schlecht stand. Hier ein Foto, damit ihr wisst, was ich meine:
Auf dem Hügel war es äußerst kalt. Trotz Jacke fror ich noch Stunden später und zur Zeit habe ich Ohrenschmerzen. Trotzdem war es die Mühe wert. Mal sehen wohin es uns morgen verschlägt, wir haben noch keinen Campground herausgesucht. Vielleicht fahren wir, bis es uns irgendwo gefällt. Den Highway One nach Süden können wir nicht nehmen, denn etwa 20 Meilen nach Big Sur ist die Straße ins Meer gestürzt. Wir müssen also hinter der Bergkette nach Süden fahren.
27. März, Lake San Antonio
Heute früh fuhren wir nach einem anstrengenden, 30-minütigen Gespräch mit Cruise America zur Ford Vertragswerkstatt. Auf dem Amaturenbrett leuchete seit einigen Tagen ein Licht „Service Engine Soon“, welches sogar nach dem Öleinfüllen noch aufleuchtete. Wir kamen sofort dran, denn Cruise America hatte bereits dort angerufen und gesagt, dass wir kommen. Die Werkstatt brauchte etwa 1 Stunde um die Elektronik zu überprüfen. Irgendetwas sei mit dem Auspuffsystem nicht in Ordnung. Das Fahrzeug würde jedoch auf keinen Fall stehen bleiben und wir sollten weiterfahren, die Anzeige sein nun ausgeschaltet. Na ja, sehr beruhigend. Wir mussten wenigstens nichts zahlen, denn die Werkstatt regelt das direkt mit Cruise America.
Der Weg führte uns über eine einsame, enge, gewundene Straße durch die Berge. Nachdem wir zu Beginn auf einem Freeway im Stau gestanden hatten, wollten wir auf alternative Strecken ausweichen. Ob das hier von Vorteil war möchte ich bezweifeln. Jedenfalls reichte die Höhe für das Fahrzeug exakt. Nach der halben Strecke ist Gunter ersmals gefahren und ich bin wirklich eine sehr schlechte Beifahrerin. Dauernd Gemeckere und beim Lesen der Karte und des Campingführers wird mir schlecht.

ein grüner Tunnel |
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Nach ca. 3 Stunden waren wir am Lake San Antonio auf dem Campingplatz. Der ist ganz im Gegensatz zu meiner Erinnerung von vor vielen Jahren, nahezu leer. Und direkt am See.
Es ist Montag, zum Glück. Es ist auch hier recht kühl und als das Feuer runterbrannte gingen wir ins Wohnmobil. Wir haben Holz gesammelt, da nichts Gegenteiliges ausgehängt war und die Jungs machten sich Fackeln.
Amy lässt sich ungern füttern und daher durfte sie den Brei selbst essen. Ausserhalb des Wohnmobils ist es kein Problem, innen habe ich es nicht sehr gern, denn die Polster bekomme ich schlecht sauber.

Amy fällt übrigens überall positiv auf. Ich weiß nicht wie oft wir schon gehört haben wie hübsch sie sei. Stolz! Na, ja, normalerweise meine ich.
28. März, El Capitan State Beach
Wir waren wieder früh auf den Beinen, Amy ist nach wie vor sehr früh wach. Im Moment gibt es morgens Haferbrei zum Frühstück. Das geht flott und ist nahrhaft. Gutes Brot ist leider Mangelware, selbst im Naturkostladen gibt es nur helles Brot. Es gibt viele verschiedene Toastbrote wir haben jedoch keinen Toaster. Normalerweise schmelzen wir Butter in der Pfanne und braten es dann. Dabei geht jeden Morgen der Feuermelder los. So ein Lärm. Es sieht bestimmt lustig aus, denn derjenige, der gerade kocht, dreht sich ohne Hektik herum, nimmt den Feuermelder von der Decke und steckt ihn unter die Bettdecke. Dann wird einfach weitergekocht. Machmal vergessen wir den Feuermelder und dann zieht Gunter ihn irgendwann nachts, wenn er draufliegt heraus. So einfach kann man Probleme lösen.

Esra ist unser Fachmann für den „Kackschlauch“, nur manchmal endet es nicht gut und wieder wandert eine Hose zur Schmutzwäsche.
Wir haben diesmal sogar daran gedacht, die Kabel abzunehmen und sind dann zurück zum Meer gefahren. Eigentlich nicht zurück, sonder Richtung Süden zum Meer. Vor 14 Jahren waren wir schon einmal am El Capitan State Beach, das ist recht nah an Santa Barbara, und wir errinnerten uns nur an den Freeway, die Railroad und die Frösche. Also alles in allem, sehr laut. Und es war alles noch da. Sogar die Frösche. Nur diesmal war auch dieser Beach ziemlich einsam und die Kinder liebten den sehr großen Stellplatz.

Ich hatte starke Kopfschmerzen, erstmals auf der Reise und legte mich hin während Gunter und die Kinder draußen waren. Ich wurde wach, als ein Erdhörnchen ins Wohnmobil kam. Gunter wollte es füttern aber ich bin der Meinung, die sind schon unverschämt genug. Amy mochte es so gern, dass sie es streicheln wollte. Sie kam nah genug ran und dann kam die Überraschung – sie wurde gebissen. Zum Glück nicht fest, jedoch genug für Geschrei. Bisher ließ sich jede „Campingplatzkatze“ und jeder „Campingplatzhund“ von ihr streicheln, sie war völlig perplex. Ich hoffe, es ist nun einfacher ihr zu sagen, dass man nicht jedes Tier angreifen sollte.

Als es mir etwas besser ging, fuhren wir nach Sante Barbara zum Abendessen. Nun waren aber die Kinder müde und schliefen auf der Fahrt ein. Das ist immer schlecht. Wir mussten sie wecken und das Abendessen verlief nicht nach unserem Geschmack, obwohl es gut schmeckte. Oft haben die Kinder Probleme etwas zu essen, was sie nicht kennen. Das kann sehr anstrendend und vor allem teuer werden. Bei den hohen Preisen ist es sehr ärgerlich wenn ein Essen völlig unberührt bleibt und spätestens 30 Minuten nach dem Essen über Hunger geklagt wird. Aber alles kann man hier im Wohnmobil nicht kochen, wenn noch dazu viele Zutaten nicht zu haben sind.

Zum Sonnenuntergang wanderten wir zum Strand, nur 5 Minuten entfernt. Amy rutschte auf eine Holztreppe rauf und runter und ich hatte wieder die Splitter im Hinterkopf, die ich dann einen Tag später entfernen muss. Noah war in seinem Element und ich musste die grössten Steine ins Meer werfen. Dann, als wir gerade aufbrachen, rief jemand „Wale“ und tatsächlich, die schwammen ziemlich nah am Strand an uns vorbei. Oh wie schön. Vor lauter Kidwatching hätten wir das Whalewatching fast versäumt. Die Leute, die uns auf die Wale aufmerksam gemacht hatten waren sehr nett und ich unterhielt mich noch eine Weile am nächsten Morgen.
29. März, Oceanside
Am Morgen spielten die Kinder ein ganze Weile in Freien. Endlich war es warm genug und sie brauchten keine dicken Pullover. Da wir Los Angeles weiträumig umfahren wollten, brachen wir bereits um 9:00 Uhr auf. Ein Rentner, der als Volunteer auf dem Campground arbeitet, schrieb uns eine gute Route auf. Amy schlief recht viel und die Jungs suchten die größten Lastwagen und so klappte es recht gut. Die Stadt ist jedoch sehr groß und entsprechend lang dauert so eine Fahrt. Um 12:00 Uhr suchten wir etwas geeignetes zum Mittagessen, evtl mit einem Spielplatz. Das war schwierig. Als wir dann in einem Denny’s speisten waren Esra und Noah so hungrig, dass nichts übrig blieb. Amy futterte auch, aber nicht so viel, da wir unterwegs ganz frische Apfelsinen und Erdbeeren gekauft und gefuttert hatten. Was soll man sonst tun, wenn man den ganzen Tag an Orangenbäumen vorbeifährt. Plötzlich waren wir jedoch mitten in der Großstadt und es gab nur noch Autos.

Und das war nur der Außenbezirk. Nach dem Mittagessen fuhren wir nocheinmal 2 Stunden und dann war es wirklich genug. Die Kinder waren sehr tapfer gewesen und wir haben viel Obst gegessen unterwegs. Jetzt sind wir in Oceanside, mitten in einer kleineren Stadt und stehen wieder dicht and dicht. Wir brauchten jedoch dringend eine Laundry, weil alle Hosen der Kinder schmutzig waren. Es ist zudem recht praktisch, dass ich die Emails checken und wieder ein Stück Homepage ins Netz stellen kann. Es ist aufmunternt, von der Familie und den Freunden zu lesen.
Um uns die Füße zu vertreten gingen wir an den Beach und ich war und bin entsetzt. Es sieht fürchterlich aus auf dem Weg dorthin, alles schmutzig und dazu noch eine Baustelle. Und dann steht doch glatt am Strand „Private Property“, Privat Besitz. Als ob jemand das Meer besitzen kann. Ich ärgere mich. Die Häuser stehen zudem bis dicht ans Meer und es ist kein schöner Anblick.
Etwas weiter oben hätte es eine State Beach gegeben, die wir normalerweise sehr gerne anfahren, da sie viel Platz bieten, diesem wollte ich jedoch vermeiden, da man Blick auf ein Atomkraftwerk hat. Na ja, bei uns habe ich sowas schon nicht gerne aber im Erdbebengebiet ist es mir gar nicht wohl.
Nun gut, die Kinder können auch auf einer kleinen Fläche ihren Spaß haben. Esra baute im nassen Sand eine Burg, Noah kletterte mutig auf den Felsen herum und Amy genoss alles. Die ging sogar mit den Füßen mit Gunter zusammen ins Wasser. Die Sonne scheint ihr auch zu gefallen.
Wir werden noch eine Nacht am Meer verbringen und dann ins Landesinnere fahren. Eigentlich hatten wir vor, in San Diego in Sea World zu gehen. Das ist jedoch am Wochenende nicht zu empfehlen und wir warten noch ein paar Tage.
Jetzt sitze ich hier und vermisse die Redwoods. Wir hätten einfach noch bleiben sollen, wir haben ja so viel Zeit. Ich glaube fast es dauert nicht lange und wir sind wieder dort. Es gefällt mir zudem, dass alles einsam ist, hier gibt es zu viele Menschen.
30. März, South Carlsbad State Beach
RV oder Trailer Parks sind im Gegensatz zu den State Beaches oder Parks viel dichter beparkt, haben dafür aber eine Laundry, ein Swimmingpool und hook up. Uns gefallen die State Parks besser, jedoch muss man ab und an die Batterien aufladen und die Klamotten waschen. Das taten wir in Oceanside und es war ein schönes Gefühl, die Schränke mit sauberen Sachen gefüllt zu wissen. (Dass es nicht lange hält weis ich schon, aber es kam noch schlimmer) Während ich im Internet surfte (eigentlich Homepage überspielte und Emails beantwortete), ging Gunter mit den Kindern auf einen Spielplatz und ans Meer. Bis ich dann kam, war Amy schon klatschnass. Samt Mütze. Die Sachen lagen zum Trockenen über den Steinen. Esra fand Gefallen am Meer. Er flitzte rum wie ein Wilder und wurde natürlich auch vollständig nass. Vermischt mit dem sehr feinkörnigen Sand bedeutet das, auch sehr schmutzig. Nach viel Spaß im warmen Meer gingen wir uns im Freien die Füße duschen. Das mochte Noah, der noch sauber war so sehr, (besonders, weil es eine Dusche im Freien war, was er noch nie gesehen hatte) dass er mit Hemd und Hose duschte. Noch hatten wir keine Wäscheleine und deshalb legte Gunter die Sachen auf den Tisch. Als ich sie einsammelte sah ich, dass alles schwarz war, von einem Grill, der vorher auf dem Tisch gestanden hatte. Also hatten wir schon bevor wir den Campingplatz verlassen hatten, 3 Sätze (inklusive Unterwäsche) nasse und schmutzige Wäsche. Danach fuhren wir wieder an einen ruhigeren State Beach und wir konnten uns gut erholen. Da der Platz etwas vom Strand entfernt 5 $ billiger war nahmen wir einen solchen. Ich bereute das später etwas, denn man hätte vielleicht Wale vorbeischwimmen sehen. Nachmittags ging es wieder an den Strand. Amy hatte mittlerweile so wenig Bedenken, dass sie gerdewegs ins Meer läuft. Das finde ich nicht so gut. Ein wenig mehr Vorsicht würde mich beruhigen.

Da alle Hüte nass sind behelfen wir uns mit einem Tuch und schon haben wir eine Piratin.
Esra wurde auch immer mutiger und er war nach etwa 5 Minuten triefte er. Wir mussten ihm die Hose ausziehen, denn ich hatte Bedenken, dass es sich die Blase unterkühlt. In der Sonne ist es recht warm, aber es weht ständig ein kühler Wind. Ausserdem möchte ich nicht, dass die Kinder zu viel Sonne abbekommen. Also, nochmal einiges Nasses. Noah hält sich am Strand immer weiter hinten an den Steinen auf. Die Jungs hatten lange Geduld beim Malen in den feuchten Sand. Auf Amy musste ich ständig aufpassen.

Abends war die Leine fast ganz voll
Abends gab es Tortillas mit Bohnen, mmhh, lecker (und hier sehr günstig, wenn man die Preise für andere Lebensmittel zum Vergleich heranzieht). Amy verschüttete eine ganze Tasse Tee und wieder mussten wir die komplette Kleidung wechseln, samt Unterwäsche. Na, ja. Ich war so müde, dass ich mit Amy zusammen um 8:00 Uhr eingeschlafen bin. Dann war ich natürlich nach 12:00 Uhr dauernd wach, weil ich so viel Schlaf gar nicht gewohnt bin. Das Meer war wahnsinnig laut. Amy nutzte die Gelegenheit und trank sehr oft. Wenn sie mit Gunter schläft wird sie nicht mal wach. Seltsam oder? Die Milchquelle kann man nicht ungenutzt lassen, wenn sie so nah ist. Amy stillt übrigens sehr viel. Sie mag das fremde Essen nicht und daher holt sie sich was sie braucht bei mir. Schön, dass ich diese Option noch habe. Um 5:00 Uhr war Gunter ziemlich munter, denn Esra hatte (fast wie erwartet) ins Bett gemacht. Also noch ein ganzer Satz Klamotten für die Wäsche und das Laken war nicht mal eine einzige Nacht drauf. Wir haben übrigens auch nur das eine. Mehr gibt Cruise America nicht raus. Früher dachte ich immer, die Werbung im Fernsehen, wo sie die Kinder zeigen, die die Klamotten schmutzig machen wäre wahnsinnig übertrieben. Jetzt habe ich eher den Eindruck die untertreiben.. Jedenfalls haben wir wieder jede Menge schmutzige und zudem noch nasse Wäsche, die wir hier nicht mal aufhängen dürfen, jetzt wo wir eine Leine gekauft haben. Auf dem Campingplatz, wo wir heute sind ist sowas verboten. So was aber auch.
Auf dem Platz gegenüber von uns war eine Frau, die zwei Basenji’s hatte. Diese Hunde kenne ich bisher nur aus dem Buch und ich unterhielt mich eine Weile mit ihr. Basenji’s bellen nicht sie jodeln und sie putzen sich wie Katzen. Eine sehr interessante afrikanische Hunderasse. Gegen Ende unseres Gesprächs fragte ich wie die Hunde denn heißen und ihr werdet es kaum glauben. Nein nicht Amy, Gabi hiess das Hundemädchen und Chubby der Hundemann. Na so ein Zufall, gell?
31. März, im Hinterland von San Diego
Heute hat meine Oma Geburtstag. Und da wollte ich selbsverständlich anrufen und gratulieren. Um 7:00 Uhr früh machte ich mich auf den Weg zur Telefonzelle. Die war etwa 20 Minuten entfernt und den Spaziergang genoss ich. Endlich klappte das Telefonieren mit der Telefonkarte ohne Probleme beim ersten Mal und die Leitung war sehr gut. Oma hat sich riesig gefreut und das freute mich natürlich auch. Und dann konnte ich gleich noch mit Mutti und meiner Schwester Elke telefonieren. So schön mit Blick auf Meer und auf der Palme wärmte sich in der Sonne eine große Eidechse.
Schon um 9:00 Uhr fuhren wir in Richtung Berge los. Am Wochenende ist in Meernähe hier im Süden zu viel los und wir wollen dem Trubel entkommen. Für meinen Geschmack gibt es schon zu viele Autos und es kommt mit sehr zugebaut vor. Die Fahrt dauerte länger als erwartet und dann erfuhren wir, dass der ausgesuchte Campground nur für Mitglieder ist. Und die Mitgliedschaft ist sehr teuer. (bis 5000$) Aber wir hatten Glück und wir dürfen für 2 Nächte für nur 30 $ bleiben, weil es ein Einführungsangebot ist. Diese Plätze sind speziell auf Familien mit Kindern abgestimmt. D.h mit Spielplatz und Laundry. Morgen gibt es Aktivitäten für kleine Kinder, ich bin schon gespannt. Wir haben einen Platz ausgesucht, den mit uns ca 10 Enten bewohnen und es macht den Kindern Spaß, sie zu füttern. Das ist hier erlaubt. Und die Enten sind wie auch die Erdhörnchen schon ganz schön unverschämt, denn sie klauen Amy’s Kekse, auch wenn Amy sie essen will. Armes Kind. Jetzt wurde sie sogar noch von den Enten gezwackt.

Ansonsten haben wir uns heute mittag ausgeruht. Die Drei spielten den ganzen Tag, während ich am Notebook arbeitete (na, ja es versuchte) und Gunter verschiedene Telefongespräche führte. Hier gibt es auch Internetzugang und mit Andi’s Hilfe (mein Bruder, der Computerexperte, half mir per Email) checkte ich unsere t-online Email. Oh, Schreck. Gunter’s sehr aktive Contax Mailing Liste läuft noch und die Emails kommen per tausende. Ich konnte nicht mal 1/5 davon löschen. Trotz allem bin ich erstaunt, was man mit dem Internet alles erreichen kann unterwegs. Und bisher klappt sogar alles, ich bin stolz.
In den Bergen ist es wieder kalt. Man soll den Wasseranschluss nachts nicht angeschlossen lassen, damit er nicht einfriert. Brrrrr! Hätte ich doch heute bloß die Mohairdecke gekauft. Ich schlafe so schlecht, wenn ich friere. Julia Butterfly muss ständig gefroren haben, die 2 Jahre auf Luna, dem Redwood Tree) und ich meckere hier im Wohnmobil mit Heizung. Gunter hatte vor vielen Jahren schon einmal ein Stinktier gesehen hier in der Nähe. Auf den Plakaten auf dem Campingplatz wird vor ihnen und den Klapperschlangen gewarnt. Ich hoffe nicht, dass Amy ein Stinktier zu sehen bekommt, denn das würde sie sicher auch streicheln wollen. Die Klapperschlangen schlafen hoffentlich bei der Kälte noch. Ich habe gerade gelesen, dass sie ab März da sind. Also müssen wir mit den Jungs aufpassen, denn die gehen gern mal vom Weg ab.
1. April, in den Bergen hinter San Diego
Wir entspannten uns die zwei Wochenendtage. Oh, wie schön, nicht fahren, keinen Campingplatz suchen. Am Samstag gab es Programm für Kinder, eines war „edible art“, da konnten sie mit Keksen und Bonbons etwas basteln. Das machen Esra und Noah sehr gerne zu hause; nur hier redete die nette Frau mit Noah und dann machte er natürlich gar nichts mehr. Da wird er dann schüchtern. Esra hatte aber seinen Spaß. Danach konnten sich die Kinder anmalen lassen. Und wieder traute sich Noah nicht und nur Esra wurde angemalt. Fotos habe ich nicht gemacht, ich war viel zu träge. Ansonsten haben die drei den ganzen Tag auf den Spielplätzen gespielt und wir haben gegrillt. Von der Hühnerbrust war ein kleines Stück übrig. Um zu schauen, welche Tiere es hier gibt, legten wir es vor dem Wohnmobil auf einen Stein. Doch bevor es richtig dunkel war hörte ich, wie sich draussen Tiere stritten und dann war das Fleisch weg, ohne, dass wir gesehen haben, ob es sich nun um Stinktiere oder Waschbären gehandelt hat. Ich habe zweimal am Tag nach Post geschaut, da Gunter ja seine Mailingliste nicht richtig abgemeldet hat. An meine Emails kam ich nicht, denn von Gunter sind 1500 mails angekommen und von mir sind etwa 20 darunter. Es dauert bei t-online leider ewig, die Emails auch nur zu löschen.
Gunter wanderte einmal, aber die Landschaft war nicht sehr ansprechend. Hier ein kleines Bild, grösser lohnt nicht.
2. April, San Diego
Am Sonntag fuhren wir wieder in die große Stadt. San Diego ist aber recht harmlos, zumindest fehlen die Hügel und die Stadt ist nicht so groß wie LA. Noah brauchte dringend Schuhe, denn seine extra in Deutschland gekauften waren am Meer so durchweicht worden, dass sie völlig auseinanderfielen. Hier kann man auch problemlos Sonntags einkaufen. Auf dem Parkplatz war wahnsinnig viel Platz als wir ankamen, daher belegte ich zwei Plätze sehr weit hinten. So hatten wir bisher immer geparkt und ich machte mir gar keine Gedanken. Als wir nach ca. 2 Stunden zurückkamen war ich geschockt. Stadtmenschen denken, man kann das Ding hier überall herausfahren oder sie dachten gar nicht. Wir waren nämlich von allen Seiten eingeparkt. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder raus waren und ich war ziemlich genervt. Dann fuhren wir auf einen Campingplatz direkt an der Bay mitten in der Stadt. Der war billiger (60$ für 2 Nächte) als erwartet und Gunter checkte uns für zwei Tage ein. Zum Glück war er auch recht leer. Ich hatte wahnsinnige Kopfschmerzen oder besser gesagt eine Migräne. Es bleibt mir nicht erspart. Also legte ich mich ins Bett und Gunter ging mit den Kindern auf den Spielplatz. Ich nahm eine starke Tablette, weil es mir so übel war, aber da ich noch nichts gegessen hatte bekam ich Durchfall. Heftig! Dann war mir’s richtig schlecht.
So sieht eine typische Pizzeria in einem Einkaufszentrum aus.
3. April, immer noch San Diego
Am morgen hatte ich immer noch starke Kopfschmerzen und ich nahm nach dem Frühstück nocheinmal eine starke Tablette. Zu dumm, dass ich gerade die Migräne nicht in der Homöopathie behandeln kann. Ich hatte wie immer vorher zwei Mittel ausprobiert. Dann legte ich mich wieder ins Bett und Gunter und die Kinder riefen Mathilde an. Dann nochmal auf den Spielplatz. Danach starteten wir , als es mir etwas besser ging, mit dem Taxi nach Seaworld. Das war sehr teuer, 2×40$ und 2×30 $. Zum Glück hatten wir einen Coupon für einen Rabatt und so sparten wir 20$. In Seaworld soll man dann diverse Shows auch noch extra bezahlen und das fand ich dann zu übertrieben. Noah durfte die Attraktionen, die kostenlos waren, nicht fahren, weil er zu klein ist. Das gab enttäuschtes Geschrei. Ich konnte ihn aber mit „Seestern pflücken“ sehr gut beruhigen. Ich hätte mich gerne beschwert aber wir fanden keine Ansprechpartner.

Wir sahen einiges aber nicht so viel, wie wir gern gesehen hätten. Es gab einige Shows, Vorführungen mit Tieren, lustig oder lehrreich. Je eine besuchten wir. Die Sonne schien den ganzen Tag und da der Wind blies, merken Gunter und ich nicht, dass wir einen kräftigen Sonnenbrand bekamen. Erst als es zu spät war, deckte ich meinen Nacken ab. Die Kinder hatte ich mit eine Sonnencreme mit Faktor 25 eingecremt und das reichte fast aus. Amy bekam leicht gerötete Arme, aber ihr Gesicht und Kopf war den ganzen Tag über mit der Mütze geschützt. Noah ließ seine Mütze nicht auf und er verbrannte sich das Gesicht leicht, Esra auch.
Ein Highlight für mich waren die Delphine, die man füttern konnte. Endlich habe ich einmal einen angreifen können. Das machte auch den Kindern großen Spaß. Leider kosteten 4 kleine Fische 3 $ und da wollte ich nicht übertreiben. Ansonsten war mir alles viel zu kommerziell. Überall gab es Giftshops (Souvenierläden), fast mehr als Tierausstellungen. Das Essen war auch sehr teuer und schmeckte nicht. Ich bin der Meinung: reine Geldmacherei. Disneyland soll dahingehend noch schlimmer sein.

Wo bleibt mein Fisch?
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Show nur für zahlende Gäste
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Lustige Show mit Seehunden und Walross, das gefiel den Jungs.
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Als wir wieder auf unserem Campingplatz eintrafen, musste ich die Wäsche waschen, denn Esra hatte nachts das Bett gewässert. Zwischendrin ging ich mit Esra in den Pool um mich zu entspannen, damit mein Kopfweh besser wird. Hat vor allem Esra Spaß gemacht, aber für meinen Kopf nicht viel gebracht. Abends saß ich noch mit Deutschen zusammen und habe geplaudert. Am nächsten Morgen habe wir noch einmal ausgiebig geredet und sind daher zu spät losgefahren. Zudem haben wir einiges an Wäsche über dem Zaun hängen lassen. Zu dumm!
4.April, Salton Sea, California
Also, wir kamen erst nach 11:00 Uhr los und Gunter wollte in ein Outlet von Levis Jeans. Das war ganz nah an der Mexikanischen Grenze, d.h. letzte Ausfahrt in den USA. Wir wurden fündig und jeder bekam günstig etwas jeansiges zum Anziehen. Die Lebensmittelvorräte wurden aufgestockt und los ging es in die Wildniss. Die Fahrt wurde den Kindern dann nach einem kurzen Schläfchen zu lang. Wir fuhren ewig und es wurde immer heißer. Anhalten kann man mit dem Wohnmobil nicht, denn es wird sofort unerträglich hinten drin. Wir mussten Tanken, aber so weit in der Wüste wurde das Benzin immer teurer.

Das ist die Steinwüste. Auf so einem kleinen Bild kommt sie nicht zur Wirkung. Die Vielfalt der Wüsten ist erstaunlich.
Der See sollte schon längst in Sichtweite sein, aber es tat sich nichts. Ein See in der Wüste? Ja, und zwar ein sehr salzhaltiger, daher der Name. Irgenwann lief hier vor einigen hundert Jahren Wasser vom Meer in das Tal. Seither verdunstete viel vom Wasser und die Salzkonzentration wird immer höher. Hier gibt es sehr viele verschiedene Vögel zu beobachten und insgesamt sieht die Landsschaft sehr fremdartig für unsere Augen aus. Nun gut, wir kamen nicht direkt an den See, denn irgendwann, die Kinder meckerten schon, sah ich ein Schild „RV PARK with hot mineral tubs“, hah, da fuhr ich automatisch hin. Was hatten wir für einen Spaß. Aus dem Camper raus ins warme und heiße Wasser. Zudem waren die Becken nicht tief und es war für die Kinder ein riesen Spaß. Von den heißen Quellen, über das warum und wo, gibt es nicht viel zu lesen. Auch die hiesigen Campingplätze sind nicht gut ausgezeichnet. Es soll wohl ein Geheimtip bleiben.
Wir unterhielten uns mit Österreichern, die am gleichen Tag angekommen waren, und die Jungs genossen es mal wieder verstanden zu werden. Sehr nette Leute übrigens.

Amy wieder völlig ohne Angst. Sie will sich nicht halten lassen, auch nicht im tiefen Wassser. |

Noah hatte viel Spass, er ist jedoch der wasserscheuste von allen. |

Hans und Evi Stögmüller
Herzlichen Dank für das Kochbuch. |
Morgen gibt es den zweiten Teil!
Kanelbullar, Lagom & Allemansrätten – Esra berichtet von seinem Auslandssemester in Göteborg, Schweden.
Als ich vor etwa einem Monat mit einem großen Rucksack und einem voll beladenen Rad am Göteborger Hauptbahnhof ankam, rangen Vorfreude und Müdigkeit miteinander. Es war früh am Morgen und ich hatte die ganze Nacht über kein Auge zugetan, da ich etliche Male umsteigen musste und generell in Zügen nicht schlafen kann. Was würde das Semester in der neuen (aber nicht gänzlich unbekannten) Stadt bereithalten?
Blick aus dem Fenster des Wohnheims auf Göteborg
Ich studiere hier Geowissenschaften, und die Uni begann gleich am ersten Tag. Ich war eigentlich nur zum Institut gelaufen, um endgültig zu klären, welche Kurse ich belegen würde – und erfuhr dann, dass der erste Kurs bereits nebenan im Gange war! Hier in Schweden laufen die Kurse übrigens nicht parallel, sondern immer einer nach dem anderen. Die ersten fünf Wochen hatte ich jeden Tag Geophysik. Ich hatte das Glück, in meinem Kurs der einzige Austauschstudent zu sein und mich zusammen mit schwedischen Kommilitonen durch die Materie zu arbeiten. In meinem Wohnheim leben nämlich ausschließlich andere ausländische Studenten, und man findet sich schnell in einer Blase wieder – die Anwesenheit eines Schweden auf einer Zimmerparty ist eher ein Ausnahmefall.
So kommt es, dass mein neu gegründeter Freundeskreis aus dutzenden Nationalitäten besteht. Viele machen das Auslandssemester auch, um neue Leute kennen zu lernen und das Studentenleben in einer fremden Stadt zu erleben. Von daher ist das Gemeinschaftsleben zwischen den ERASMUS-Studenten besonders lebhaft und bunt. Jeden Tag wird irgendwo zusammen gekocht, man trifft sich in der Stadt zum Fika und unternimmt Ausflüge und Reisen zusammen. Ich werde im April mit 10 anderen Geowissenschafts-Studenten auf eine zweiwöchige Exkursion nach China fahren, und ich bin schon sehr gespannt, davon zu berichten.
Genauso wird in den kommenden Monaten viel Gebrauch vom Allemansrätten (übersetzt: Jedermannsrecht) gemacht werden, welches einem erlaubt, überall in Schweden eine Nacht in der Natur zu zelten, solange man keine Spuren hinterlässt.
Generell freue ich mich schon sehr, vom Leben und Reisen hier in Schweden zu berichten, und ich hoffe, die Fotos schaffen einen ersten Eindruck!
P.s.: Lagom ist ein schwedischer Ausdruck ohne deutsche Übersetzung. Er beschreibt die genau richtige Menge von etwas. Wie viel Milch muss in den Pfannenkuchenteig? Lagom. Wie viel hast du für die letzte Klausur gelernt? Lagom!
Wohnmobiltour durch die USA, drei kleine Kinder, drei Monate, wir berichteten live im Jahr 2000, Teil 1
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Mit drei kleinen Kindern durch die USA
Vorwort aus dem Jahr 2018
Im Frühjahr 2000 machten wir unsere erste Wohnmobil Tour. Wir reisten 3 Monate durch die USA und Canada. So etwas muß natürlich auf unserer Homepage verewigt werden. Wir schrieben damals nur für die Familie, berichteten aber bereits live von der Tour. Damals gab es noch kein Wifi. Da musste ich das Notebook immer irgendwo einstöpseln und auch einen FTP Zugang für das Übertragen der Webpage einrichten. Für mich selbst ist es heute unbegreiflich, dass ich es damals schaffte. Drei kleine Kinder, diese neue Technik und dann noch live berichten. Ich bin schon ein wenig stolz auf mich selbst.
Wir hatten extra für diese Reise eine Digitalkamera gekauft. Die war sauteuer. Kostetet rund 2000 DN und hatte nur 1 MP. Aber ohne wäre der Live Bericht sehr langweilig geworden. Zusätzlich hatten wir 200 Dia Filme im Gepäck. Das war ein ganzer Rollkoffer voll!
Der Reisebericht ist sehr lang und schildert ohne große Hintergrundinfos zu bieten, wie es damals war mit den drei sehr kleinen Kindern war. Amy war gerade mal 1,5 Jahre alt, Noah war 3 und Esra 5. Wenn wir den Bericht jetzt lesen, fragen wir uns selbst, wie wir das geschafft haben. Wir arbeiteten ja fotografisch und ich schrieb noch jeden Abend und quälte mich mit dem Internet rum. Zum Glück habe ich soviel geschrieben, wir hätten sonst das Meiste wieder vergessen. Vor allem das Unangenehme. Die tollen Erlebnisse behält man sich ja.
Falls Du keine Lust hast, den ganzen Kram zu lesen und die viel zu kleinen Fotos zu betrachten, habe ich noch einen kondensierten Artikel verfasst. Der ist Aufgrund dieses Reisetagebuchs auch recht authentisch aber eben hilfreicher für den Leser, der auch eine Reise mit kleinen Kindern unternehmen möchte und sich nicht dran traut.
Hier beginnt der Original Bericht aus dem Jahr 2000
Dieses Reisetagebuch wurde unterwegs mit dem Notebook verfasst. Der Bericht wurde mit Bildern von der Digitalkamera (Nikon Coolpix 900) verschönert. Immer, wenn eine Telefondose für mich erreichbar war, überspielte ich einen Teil der Homepage und meine Familie und unsere Freunde verfolgten live unsere lange Reise. Am Tag unserer Ankunft zu Hause schenkte mir meine Mutter den kompletten Bericht schön abgeheftet im Ordner. Der Bericht wurde lang, denn die Reise dauerte drei Monate, daher empfehle ich, ihn stückweise zu verdauen.
14. März 2000, Anreise nach San Fransisco
Wir waren bis zum Abflugtag im Stress. Auch noch bis zum Transfer zum Flughafen haben wir geräumt. Aber dann ging die Reise gut los. Auf dem Flughafen konnten die Kinder zusehen, wie das Flugzeug beladen wird. Da auch ein Auto mit hineinkam war es besonders interessant.
Leider hatten wir keinen Fensterplatz und auch keine Sitzreihe ganz vorne. Es war sehr eng, vor allem, da Amy keinen Sitzplatzanspruch hatte. Wir konnten nicht mal an das Handgepäck, da es so eng war, dass wir die großen Taschen nicht öffnen konnten. Der Mann vor uns hatte während des ganzen Flugs den Sitz vollständig zurückgelehnt. Dann meckerte er, dass die Kinder am Sitz geruckelt haben. Noah hat während des gesamten Flugs nicht geschlafen. Er hatte Angst etwas zu verpassen. Mit Amy war es zeitweise sehr anstrengend, denn sie hat einen starken Bewegungsdrang. Sie hat sehr oft gestillt. Insgesamt bekamen Gunter und ich keine ruhige Minute.
Hier ist ein Bild von Grönland, das ist immer wieder beeindruckend. Schade, dass James Bond im Bordkino lief, ich hätte lieber den Blick aus dem Fenster auf dem Monitor gehabt, vielleicht sollte man den Vorschlag mal machen.
Sieht wahnsinnig kalt aus.
Hier gibt’s noch Bild von Gunter und Amy auf dem Flug.
Als wir in San Francisco ankamen, waren wie immer alle Leute freundlich. Wir sollten nach North Dakota fahren empfahl uns der Immigrations Officer. Dort könnte man einen richtigen Winter erleben. Jedenfalls war er sehr nett und die Leute, die nachsehen, ob man natürliche Lebensmittel im Gepäck hat, hatten uns durchgewunken, die Kinder machten doch einen sehr müden Eindruck. Draussen schien die Sonne und es war sehr hell (die armen müden Augen) und warm. Der Shuttle Service zum Camper war schwierig, denn niemand wusste Bescheid. Der Fahrer hat nun unsere Unterlagen mitgenommen, ich hoffe nicht, habe aber die Befürchtung, dass wir die noch brauchen. Um 3:00 Uhr waren wir endlich auf dem Campingplatz. Der Camper sah im Vergleich zu den anderen riesengroßen Gefährten recht klein aus, ich denke aber dass er uns für das Fahren schon groß genug ist. Hier ein erstes Bild vom Camper.
Wir sind, damit die Kinder durchhalten, erst mal an die Bay gelaufen. Plötzlich war es sehr windig aber die frische Luft tat sehr gut. Die Kinder hatten ihren Spaß. San Francisco ist übrigens die einzige uns bekannte große Stadt, in der dich jeder grüßt und ein Schwätzchen hält. Das hat mir schon immer so gut daran gefallen. Seit wir hier sind haben wir uns schon mit sehr vielen Leuten unterhalten und jeder ist freundlich.
Der Service von Cruise America war nicht so toll. Es war niemand hier, der uns den Camper eingewiesen hat. Wir bekamen unser Lunchpacket auch erst nach mehrmaligem fragen um 5:00 Uhr abends. Da wird man schon recht hungrig. Heute morgen haben wir übrigens auch nichts zum Frühstücken. Schlechte Organisation. Die Matratzen sind aus Plastik, was mich nicht sehr erfreute. Noah schwitzt da wahrscheinlich fürchterlich. Ausserdem fühlt es sich sehr kalt an. Um 7:00 Uhr ist Esra eingeschlafen, Noah musste dazu aufgefordert werden. Komisch, dass er so lange aushalten kann. Um 8:00 Uhr brachten uns unsere Freunde Dorothy und Frank was zum Essen und Trinken. Typisch amerikanisch: Hamburger und French Fries und Unmengen von Cola mit Unmengen von Eis. Ein guter Einstieg, oder? Nicht ernst gemeint. Das haben die Jungs nämlich heute nacht um 12:00 Uhr gegessen als erstes Frühstück.
Es war sehr kalt im Wohmobil und wir versuchten die Heizung anzustellen, das gelang erst nachdem wir noch eine halbe Stunde kalt geblasen hatten. Brrrrr! Die Jungs waren dann bis 4:30 Uhr früh wach und Amy ab 5:00 Uhr. Es gab für uns also nach dem anstregenden Tag 3 Stunden Schlaf. Uns geht es aber sehr gut trotz allem. Um kurz nach 5:00 Uhr sind wir dann aufgestanden und die Kinder haben wahrscheinlich alle Leute auf dem Campingplatz geweckt.
Jetzt sitzte ich hier im Freien und habe das Gefühl, ich wäre auf einem Schiff. Ob sich die Erde hier immer bewegt, vielleicht ist nur eine U-bahn untendrunter? Im Wohnmobil wird man auch seekrank, wenn Gunter läuft oder sich im Bett rumdreht. Die Profis bocken ihre Wohnmobile deshalb auf, wenn sie stehen. Wir warten auf die Leute von Cruise America, damit wir endlich eingewiesen werden, nachdem wir alles durch probieren selbst herausgefunden haben und können hier nicht viel unternehmen. Das ist so ein typischer RV Park, auf dem nur Campmobile stehen und man sonst nichts machen kann. Und von der Stadt sind wir zu weit entfernt zum Laufen. Einen Autoschlüssel haben wir ja noch nicht bekommen. Die Freiheit ruft. Wir wollen weg. Na ja, so hatte ich wenigstens Zeit die erste Seite fürs Internet zu erstellen.
15. März 2000, Die erste Fahrt mit dem Wohnmobil
Die Frau, die uns das Wohnmobil erklären sollte, kam erst nach 10:00 Uhr. Das war recht spät für uns, denn wir waren schon seit 5:00 Uhr wach und wollten endlich weg und etwas essen. Die deutschsprachige Einführung bestand in einem schlechten, halbwegs übersetzten Videofilm, der ca. 1 Stunde dauerte. Danach wurde das Wohnmobil auf Schäden untersucht und diese in einen Plan eingetragen, weitere Erklärungen konnte die Dame uns nicht geben. Von einer weiteren Versicherung wurden wir auf Vertretermanier überzeugt, was die Reise um weitere 1000DM verteuerte. Um 12:20 Uhr fuhren wir schliesslich los.
Damit es sich auch lohnt, war diese erste Fahrt besonders anspruchsvoll. Wir fuhren zu Dorothy und Frank in die Stoneman Street. Dort sind Trucks verboten, weil sie auf der Bergkuppe aufsetzen und hängen bleiben. Gunter wollte direkt hin und da ich am Steuer saß, habe ich mich erfolgreich gewehrt. SF mit dem Camper war ein Abenteuer. Man muss bedenken, dass wir das Farhrzeug ja noch nicht testen konnten und die Stadt ist bekanntlich sehr hügelig. Man hat das Gefühl, dass das Fahrzeug kippt, wenn man wendet oder in eine Straße einbiegt. Vom Verkehr in einer solchen Stadt mal ganz abgesehen. Trotzdem kamen wir gut an. Bei Dorothy gab es eine große (wirklich große) Pizza und dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder für die nächsten drei Monate. Um einen ersten Vorrat an Lebensmitteln zu beschaffen, gingen wir noch in SF in einem Safeway Supermarkt. Zum ersten Mal mußte ich den RV (Recreational Vehicle – Urlaubs Mobil.) parken. Mitten in der Stadt besonders kniffelig, aber es klappte auf Anhieb. Im Geschäft merkten wir, wie teuer die essentiellen Dinge hier geworden sind. Zu dumm, dass der Dollar zusätzlich auch noch bei 2 DM steht, da werden die Unterhaltungskosten recht teuer für uns.
Ich war froh, schliesslich die Stadt über die Golden Gate Bridge verlassen zu können. Die Brücke hat immer wieder eine besondere Wirkung auf mich. Esra war noch wach und genoss den Anblick, die beiden Kleinen schliefen. Wir machten einen Stop um Fotos zu machen.
Aber so groß kann die Brücke gar nicht sein, denn Esra ist genauso groß.
Dann fuhren wir weiter, die Fahreigenschaften des Wohnmobils zu testen. Den Highway 1 entlang in nördlicher Richtung. Wow, der ist eng und sehr kurvig. Man darf an vielen Stellen nur 15 mph fahren und das nicht ohne Grund. Ständig mussten wir an einen „Turn out“ (Halteplatz für langsame Fahrzeuge) fahren um die Autos vorbeizulassen. Die Strecke zum Campingplatz (Olema Ranch) dauerte mehr als 2 Stunden und wir legten nur 36 Meilen zurück. Dann der besondere Spaß, in der Dunkelheit auf dem Campingplatz einzuparken. Gunter wies mich ein und trotzdem wäre ich beinahe an einen Baum gefahren. Der Campground ist aber wunderbar. Viele große Bäume und ein Bach ganz nah. Jetzt wollen wir weiter um direkt am Meer zu übernachten. Dort werden wir keinen „Hook up“ (Strom- und Wasserversorgung am Wohnmobil) haben. Nachts ist es recht kalt und wir müssen die Heizung anstellen, damit wir mit den dünnen Schlafsäcken nicht frieren.
So sah es in Olema aus.
16. März, Bodega Bay
Wir fuhren morgens um kurz nach 9:00 Uhr los und machten Halt in einer wunderbaren Bucht, deren Namen wir leider vergessen haben. Dort hatten die Kinder den ersten direkten Konatkt mit dem Meer. Sie fanden es SUPER, denn dort gibt es SAND und noch viel mehr Sand. Wir zogen uns sehr warm an, weil ein kräftiger Wind wehte, aber nach und nach wurden wir alle nass. Der Sand war unterspült und man sackte dauernd ab.
Noah schön warm eingepackt, aber schnell war er nass und dann kühlt er ruckzuck aus. Die Sonner wärmte aber so gut, dass es auch mit kurzen Hosen ging. An das Meer trauten sie sich nicht recht, es ist eiskalt. Das kann uns nur recht sein, dann müssen wir nicht zu sehr aufpassen.
Amy und Gunter beim ersten Kontakt mit dem Meer.
Ich bin auch im nassen Sand untergegangen. Sehr unangenehmes Gefühl.
Wir kamen gegen 2:00 Uhr mittags in Bodega Bay an und suchten uns einen Campground an einer State Beach. Der ist etwas billiger, 16 $, hat aber keinen Hook up, also kein Strom, Wasser oder Abwasser Anschluss. Somit kommt heute evtl. der Generator in Benutzung. Dann speisten wir in einem guten Restaurat Fish and Chips, uhm, lecker (Joan Baez und Dar Williams waren die ideale Hintergrundmusik, freu!) und besorgten einen Drachen um etwas mit dem vielen Wind anzufangen, den es hier kostenlos dazugibt. Als wir diesen benutzten stellte sich jedoch heraus, dass es zu viel Wind gibt. Der Campground ist sehr weitläufig aber doch weiter vom Meer entfernt als dass man hinlaufen könnte mit drei kleinen Kindern. Wir sitzen inmitten der Dünen. Ich wollte nicht unter einem abgestorbenen Baum stehen mit dem Wohnmobil, daher wechselten wir noch einmal den Stellplatz.
Heute klappte es mit dem Camperfahren schon viel besser. Hier draußen sind die Straßen und Dörfer viel weitläufiger. Wir haben endlich eine Landkarte besorgt, die das Zurechtfinden erheblich erleichtert. Die Farben der Landschaft sind so wahnsinnig leuchtend. Es blühen schon viele Bäume und Blumen, was nach dem langen deutschen Winter eine wahre Wohltat für unsere Augen ist. Die Meeresluft ist richtig befreiend, mal richtig tief durchatmen. Und heute nacht richtig durchschlafen?
17. März, Bodega Bay
Tja, das mit dem Durchschlafen klappte nicht ganz, denn obwohl der Sturm über Nacht nachließ, war es ab ca. 12:00 Uhr sehr frostig und wir wurden wach, weil wir froren. Die gemieteten Schlafsäcke sind ungeeignet für kühle Temperaturen, und wir schafften es bisher nicht, Decken zu kaufen. Am Morgen war das Wetter angenehm, die Sonne schien, es war windstill, jedenfalls hinter den Dünen, wo wir campten und überall stieg Dunst auf. Es hatte sich Reif gebildet über Nacht. Hier ein Bild vom Wohnmobil auf dem geräumigen Campground, aber ohne Duschen und Hook up.
Hier noch ein Bild, wie man mit möglichst wenig Wasser, mit dem man im Camper sparsam sein sollte, drei schmutzige Kinder sauber wäscht.
Amy wachte um 6:oo Uhr mit den ersten Sonnenstrahlen auf und somit waren wir recht früh unterwegs. zuerst statteten wir dem offenen Meer, dass wir am Tag zuvor wegen mangelnder Wanderfähigkeiten nicht erreicht hatten, einen Besuch ab. Ich bin erstaunt, wie bedrohlich das Meer wirken kann. Die Wellen hatten es richtig in sich. Noah traute sich nach unserer Warnung nicht mal auf 15 Meter an das Wasser ran. Amy hätte überhaupt keine Angst direkt reinzugehen, wenn ein Vogel das ja auch kann. Hier ein Bild mit den Wellenbrechern und uns.
18. März, Petaluma
Wir fuhren direkt nach Petaluma, denn wir wollten uns nicht zu weit von SF wegbewegen. Am Montag darf ich mit einem, Dorothy oder Frank, zum Bread and Roses 25th Anniversary Concert gehen. Ich freu mich riesig. Auf dem Weg zum KOA Campground, sahen wir eine Factory Outlet Mall, in der wir gleich Shopping machten und einiges an Geld ausgaben. Sonnenbrillen, Timberland Hemden und Schuhe, eine weitere riessengroße Pizza, von der Esra den größten Teil verschlang. Die war hinterher leer.
Am KOA Campground angekommen, war die Enttäuschung erst mal groß. Ich hatte mich auf einen Telefonanschluss und somit Internetzugang gefreut, und es war so voll, dass wir nicht mal einen Hook up bekamen. Die Plätze sind zudem so eng, dass die Kinder keinen Freiraum haben. Zuerst wollten wir gleich weiterfahren, denn zudem ist der Platz noch der teuerste, den wir bisher hatten, 36$. Es war aber schon 15:00 Uhr und wir wollten es nicht riskieren, dass die Kinder auf einer weiteren Fahrt einschlafen und dann Nachts wach sind. Also blieben wir. Die Rasselbande tobte sich dann auf dem Spielplatz stundenlang aus, während ich die Wäsche wusch und Telefonate erledigte. Teresa, unsere weit über 80-jährige Freundin habe ich erreicht und stellte erleichtert fest, dass sie noch ganz die Alte ist. Wir wollen und auch in SF mit ihr treffen. Teresa ist eine Malerin, die wir zuerst vor mehr als 10 Jahren kennenlernten. Die hatte mich mit über 80 sogar mal für zwei Wochen in Deutschland besucht. Wir haben sie schon lange nicht mehr gesehen, ich freue mich drauf.
Morgen werden wir auf den Mount Diabolo fahren und dort, wieder ohne Hook up, einen Campground aufsuchen. Dann sind wir recht nah an SF und Richmont, wo wir uns mit Leuten von der Liedloff Continuum Mailing Liste treffen wollen.
Noch haben wir hier im Camper keine richtige Routine. Es fehlt noch einiges, wie z.B. warme Decken und eine Thermoskanne für meinen Tee. Und mit der Ordnung haperts noch. Heute verschwand eine von Noah’s Sandalen. Amy ist meiner Meinung nach die Übeltäterin, denn wenn sie müde ist räumt sie alles weg. Da kann man nicht genug aufpassen. Die Schränke sind nicht gut organisiert. Aber wir beginnen unsere Reise erst und ich denke, dass wir in wenigen Tagen ein gut eingespieltes Team werden. Den Kinder macht die Reise bisher großen Spaß. Es ist toll, immer wieder etwas Neues entdecken zu können. Was ihnen jedoch Probleme bereitet ist, dass die anderen Kinder sie nicht verstehen können. Esra ist in kurzer Zeit gereizt und sagt dann nur noch „NO“, denn das ist ja Englisch. Ansonsten werden Amys Kletterkünste von den anderen Müttern sehr bewundert. Sie mischt mit den großen mit und klettert über alle Hindernisse völlig ohne Angst. Heute abend fütterte sie Ziegen und knuddelte sie im KOA Streichelzoo, ich selbst hätte bei so engem Kontakt Bedenken, die Ziegen aber mochten es und wir ließen sie gewähren. Jetzt ist es 21:00 Uhr und die Drei schlafen. Ich werde nun das gleiche tun, denn um 6:00 Uhr ist die Nacht vorbei. Es ist sowieso gut, möglichst früh los zu fahren. In Zukunft werden wir die Campgrounds doch vorher per Telefon reservieren. Und möglichst bald sollten wir ein Telefon finden, mit dem wir zu Hause Bescheid sagen können, dass es uns gut geht.
18. März, Mount Diabolo
Wir kamen wie immer sehr früh los, denn Amy ist pünktlich vor 6:00 Uhr wach. Nur beim Einkaufen haben wir uns vertan, das dauerte viel länger als erwartet. Mit den Lebensmitteln kennen wir uns noch nicht aus, daher gab es einige Sucherei. Dann brauchten wir Decken, damit wir Nachts nicht mehr frieren. Leider gab es keine ordentlichen Baumwolldecken. Mit dem Wohnmobil sind wir bei der Shopwahl ziemlich eingeschränkt. Viele Geschäfte können wir nicht anfahren, da das Fahrzeug nicht vor Ort zu parken ist. Man ist auf große Einkaufszentren angewiesen.
Als die Einkäufe endlich abgeschlossen waren, und fuhren wir in Richtug Mount Diabolo, welcher östlich von San Francisco liegt und 3850 Fuss (ca. 1200 m) hoch ist. Ich hätte mir denken können, dass es schwierig wird dort hoch zu fahren. zuerst mussten wir uns jedoch durch Stadtverkehr quälen. Mit so viel Verkehr hätten Gunter und ich nicht gerechnet an einem Samstag. Wir standen teilweise im Stau und dass mit drei hungrigen Kindern an Bord. Eigentlich wollten wir in Petaluma zu Mittag essen, aber kein vernünftiges Restaurante war für uns mit dem Wohnmobil erreichbar. So hielten wir die Kinder unterwegs mit Äpfeln, Bananen und Keksen bei Laune. Die Freeways (also die, die so sind wie die Autobahnen bei uns waren sehr voll und die Abfahrten werden nur knapp vorher angezeigt, zumindest in Stadtnähe (denn dort gibt es so viele Abfahrten, dass man sie unmöglich alle vorher anzeigen kann). Plötzlich kam ein Tunnel und da stand, dass Fahrzeuge mit entfammbaren Gasen nicht weiterfahren dürfen. Wir diskutierten, ob wir mit dem Gas für Herd und Heizung wohl dazu gehören und fuhren durch. Nach genauem Studium der Anleitung stellten wir entsetzt fest, dass wir dazu gehören, was die Reise erheblich erschweren könnte. Die meisten Tunnel sind nämlich nicht als solche in den Karten gekennzeichnet und wenn man das erst kurz vorher sieht, ist es fast unmöglich, eine alternative Route zu finden, und dort kommt dann vielleicht auch wieder ein Tunnel. Ich freute mich, endlich den Stadtverkehr hinter mir zu lassen, da ging die Auffahrt zum Mount Diabolo schon los. Die Alpen sind auch nicht schlimmer. Und da es immer noch Samstag war, waren sehr viele Leute unterwegs und kamen uns entgegen. Beim einchecken in den Park und Anmelden zum Campen bin ich dann am Häuschen, in dem der Ranger saß. hängen geblieben. Die Einfahrt war zu eng und es war seltsamerweise auch kein anderes Wohnmobil dort oben (die wussten nämlich alle, das es dort eng und kein Zuckerlecken ist. Es gab zum Glück nur eine kleine Schramme. Wir hatten nochmal Glück und fanden einen der wenigen Stellplätze, die halbwegs eben waren und ich genoss die Ruhe auf der Sitzbank. Die Auffahrt hatte mich einige Nerven gekostet und wahrscheinlich wieder ein paar graue Haare. Die Natur ist dort oben auf dem Berg wunderbar. Die Erdhörnchen waren munter und ließen sich durch uns auch kaum stören. Wir alle waren sehr hungrig und Gunter kochte Spaghetti, die im Freien verspeist wurden. Amy konnte nach Lust und Laune kleckern.
Gegen Abend suchten wir verzweifelt und vergeblich ein Telefon. Ich wollte Lisa anrufen wegen des Liedloff-Treffens in Lafayette am Sonntag. Ausserdem hatten wir immer noch nicht zu Hause angerufen. Danach machten wir eine Wanderung um einen der Hänge. Drachenflieger starteten von einem Abhang, und die Gegend war traumhaft schön. Nur auf die Kinder mussten wir gut aufpassen, überall geht es steil bergab. Es ist erstaunlich wie weit wir kamen und es klappte wunderbar mit dem Fotografieren. Amy war in der Rückentrage und genoss den Ausblick und die Jungs vergnügten sich mit Steinen oder sonstwas während wir Fotos machten. Später beteiligte sich Esra auch an der Fotografie. Leider gibt es hiervon auf dieser Seite kein Bild, denn die Digitalkamera blieb im Wohnmobil.
19. März, San Francisco
Die Nacht war erstaunlich warm und zum erstenmal froren wir nicht. Am nächsten Morgen sah ich warum. Wir sassen mitten in den Wolken und daher wurde es nicht so kalt. Um 7:00 Uhr waren wir fertig mit der Morgentoilette und wir begannen die Abfahrt. Selbst im 1. Gang musste ich dauernd bremsen und um die Bremsen zu schonen, und ein gemütliches Frühstück einzunehmen, machten wir recht viele Stopps. Um 9:00 Uhr waren wir unten und ich rief Lisa an. Die war schon unterwegs und ich hörte, weil es zu laut war, die Nummer, die sie durchgegeben hatte nicht. Also versuchten wir Denise, bei der das Treffen war, im Telefonbuch zu finden, leider ohne Erfolg. Also fuhren wir weiter Richtung SF. Wieder konnten wir kein geeignetes Restaurant auf dem Weg finden und wir ernährten uns von Obst. Der Verkehr war in Ordnung. Die Bay Bridge darf mit dem Camper auch nicht befahren werden und wieder fuhren wir einfach weiter, weil keine Abfahrt vorhanden war. Wenn wir das Wohnmobil abgeben, werden wir uns etwas überlegen müssen. Candelstick Park ist der einzige RV Park direkt in SF, hier waren wir schon am 1. Tag und daher sind wir jetzt wieder hier. Sieht schlimm aus, gell? Aber Esra kann das neue ferngesteuterte Auto ausprobieren. Sowas bekommt man hier für 30DM.
Da wir den Shuttle Service verpassten fuhren wir mit dem Taxi in die Stadt. Die Gegend wäre sehr unsicher sagte uns der Mann an der Rezeption und die Haltestelle wäre zu weit weg. Na ja, Gunter schaute nach und es stimmt nicht. Morgen werden wir den Bus nehmen. zuerst besorgten wir Bustickets für drei Tage, die sind am günstigsten. Dann fuhren wir in Richtung Golden Gate Park, denn dort wohnt Natalie Rome, auch von der Liedloff Mailingliste. (hier mit Tochter Allison, 1 Jahr)
Vater Scott mit Allison, oder umgekehrt?
Ihr brachte ich einige Farben zum kolorieren von Fotos. Nur die Flaschen, in die die Farben abgefüllt waren, hielten während des Fluges nicht dicht und daher schwammen sie in einer braunen Sosse. Es war ein schöner Nachmittag. Wir platzen ja unangemeldet rein und wurden trotzdem freundlich empfangen. Endlich eine Umgebung und Leute, die absolut Kinderfreundlich sind. Die Nachbarn hatten eine Party und Scott, Natalie’s Mann ging rüber und rief kurz danach an, wir sollten alle kommen. Gunter sah man eh an, dass ihm der Grillgeruch nicht gut bekam, er hatte Hunger. Also bekamen alle was. Bei den Nachbarn gab es Kinder, Hunde und Würstchen. Esra freundete sich mit einem Lehrer an und lehrte ihn dann auch gleich, wie man auf deutsch bis 10 zählt. Umgekehrt hoffe ich, dass er auch etwas lernen konnte.
Amy fand schnell einen Freund und sie hiess AMY. Es war lustig, dass jeder Amy rief als wir rein kamen. Das lag nicht an unserer wunderbaren Tochter, die noch dazu ein hübsches Kleid anhatte, nein, der Hund AMY machte sich gerade über den Mülleimer her. Na jedenfalls blieb Amy Amy nicht mehr von den Fersen. Ach wie riecht ein Kind so gut, dass eine Wurst in der Hand hat und zudem gern teilt.
Natalie bot es mir an, meine Emails zu checken und das ist hier mit AOL denkbar einfach. In wenigen Sekunden waren wir drin. und ich konnte Emails lesen und beantworten. Mutti wollte logischerweise endlich von uns hören. Nur die Homepage würde ich gern mal ins Netz stellen. Dazu hätte ich jedoch mein Notebook gebraucht.
Es dauerte dann sehr lange, bis wir zurück auf dem Campingplatz waren. Die Busse fuhren an dem Tag nicht, da es Bauarbeiten gab, und es wurde sehr windig und kalt. Ausserdem war Amy hundemüde. Pünktlich waren wir an dem Punkt, an dem es eigentlich einen Shuttle Service zum Campground geben sollte, nur dieser kam nicht und es wurde dunkler und kälter und wir alle gereizter. Gunter wollte noch zweimal mit dem Bus fahren aber ich rief schliesslich ein Taxi, welches uns für viel Geld aber schnell und warm nach Hause brachte. Und jetzt haben wir gesehen, dass die Auskunft den Mannes am Empfang falsch war und es nur wenige Meter zur Bushaltestelle waren. Na ja! Dann sind wir halt mal Taxi gefahren.
Heute abend rief ich Mathilde an, ich glaube ich habe sie trotzdem geweckt. Die Zeitumrechnug funktioniert nicht, wenn man müde ist, sorry. Jetzt gehe ich auch ins Bett, oder besser den Alkoven, denn alle anderen schlafen schon und morgen geht’s früh raus und abends auf das Konzert.
20. März, San Francisco
Ich sag es gleich: das war nicht unser Tag. Wir sind morgens gleich los, um mit der MUNI zu Teresa zu fahren. Das dauerte ewig, weil man mit den Bussen nicht den direkten Weg nehmen kann. Amy war unterwegs nicht gerade leicht zu halten. Sie wollte rennen aber der Bus fährt so ruckelig, dass das nicht geht. Sie so lange zu halten und selbst das Gleichgewicht zu halten bei der Fahrt über die Hügel, war mehr als anstrengend. Wir mussten an einem Einkaufszentrum umsteigen und nutzten die Gelegenheit um einzukaufen. Im Borders Book Store benahm sich Esra absolut daneben. Er hatte ein Kind mit einem TeletubbiBuch gesehen und flippte voll aus. Ich schämte mich denn er machte einen riesen Lärm. Lange kann man sowieso nicht nach Büchern schaün und daher gingen wir direkt danach eine Pizza essen. Noah meckerte die ganze Zeit über, dass er lieber Spaghetti wollte. Schon wieder Gejangel. Kurz bevor die Pizza leer war, entschloss er sich dennoch ein Stück zu essen und dann brauchte er ewig. Amy dauerte das zu lang. Und sie jangelte ebenfalls. Dann fuhren wir endlich mit dem Streetcar (d.h. einer Art Straßenbahn) nach St. Francis Woods zu Teresa.Sie war zu Hause aber noch im Nachthemd. Trotzdem freute sie sich uns zu sehen. Da das Dach von ihrem Haus sehr viele undichte Stellen hatte, roch es ziemlich modrig. Sie verkaufte erst kürzlich einige Gemälde und finanziert so die Reperaturen. Teresa packt den Haushalt mit ihren fast 90 Jahren nicht mehr, und findet aber keine Haushaltshilfe. Als wir uns darüber unterhielten bot ich ihr an, zu helfen und sie freute sich sehr darüber. Sie wollte jedoch nur zwei Zimmer gesaugt haben, denn sie sagt, dass sie zu schwach für ihren neuen Staubsauger ist. Es tat mir sehr leid, nicht mehr helfen zu können und daher fragte ich abends Frank, der mit sozialen Einrichtungen arbeitet, ob er ihr nicht eine Hilfe für den Haushalt schicken könnte. In den USA leben Familien so weit auseinander, dass ältere Leute allein zurechtkommen müssen. Pflegeheime sind sehr teuer und für die allermeisten unbezahlbar und Haushaltshilfen, wie Teresa uns berichtete, nicht leicht zu organisieren.
Die Gemälde stehen im Wohnzimmer damit Kaufinteressierte sie anschauen können. Gallerien verlangen teure Rahmen und kassieren einen großen Teil des Gewinns.
Die Malerin Theresa
Die Kinder sind alle drei eingeschlafen und ließen sich auch durch das Saugen nicht stören. Aber als Esra wach wurde war er wahnsinnig schlecht gelaunt. Er forderte Apfelsaft und zwar sofort, ohne Rücksicht auf Verluste.
Wir machten uns auf den Weg, dennoch dauerte es ca. 1 Stunde bis Esra wieder genießbar war. Dann fuhren wir zum Kenmore um Reservierungen für die letzte Woche des Urlaubs zu machen. Es dauerte ewig, bis der Bus 4 Blocks vom Ziel entfernt ankam. Diese vier Blocks forderten unsere Energiereserven. Der Rucksack war voll und schwer und auch Amy saß wie gewohnt auf meiner Hüfte oder in der Rückentrage. Endlich angekommen, kam dann die große Enttäuschung. Der Manager druckste rum bis ich schließlich fragte, ob er Kinder nicht im Haus haben will. Also, wenn sie älter wären und wir müssten auf alle Fälle zwei Zimmer nehmen und das dann für 500$ je Zimmer. Ich war sehr entnevt und reagierte entsprechend gereizt. Ich solle später anrufen und mit der Chefin reden. Wir beschlossen, dass das keinen Sinn hat, denn wir müssten ständig aufpassen, dass keiner auffällt und gerade dann machen die Kinder gewöhnlich den grössten Unsinn. Was wir in der letzten Woche unseres Urlaubs nun machen, wissen wir nicht. Die anderen Hotels sind viel teurer und sehr wahrscheinlich sind Kinder auch dort nicht erwünscht. Dorothy bat an, dass wir bei ihnen übernachten können aber ich bin mir nicht sicher, ob das gut ginge. Vielleicht fällt uns noch etwas ein.
Gefrustet ging es nun weiter. Oder besser gesagt langsam (!) Richtung Candelstick Park zum Wohnmobil. Dazu mussten wir nach Downtown um einen Bus zu bekommen. Der erste Bus war in Ordnung und wir waren wieder mitten drin.
In einem Buchladen sah ich einen Hinweis auf Julia Butterfly Hill’s Buch, in diesem Laden wird sie nächte Woche sein. Oh wie gerne würde ich sie treffen (Julia ist die Frau, die nördlich von San Francisco einen Redwood Baum gerettet hat, indem sie 2 Jahre. auf ihm gelebt hat). Jedenfalls wollte ich dieses Buch kaufen und wir gingen mit den müden, hungrigen Kindern in den Laden. Niemand im Laden wusste genau wo das Buch zu finden war und so wurde ich von hier nach da geschickt. Amy quengelte immer mehr und war schwer zu tragen. Die Jungs hatten wieder Unsinn im Kopf und liefen wild durch den Laden. Endlich bekam ich das Buch im oberste Geschoss, funkelnagelneu und noch nicht mal im Laden ausgelegt. Da ich zu sehr mit Amy beschäftigt war achtete ich nicht darauf, dass Noah dicht bei mir blieb. Ein Mann rannte ihn über den Haufen. Und zwar richtig. Wer Noah kennt, kann sich den Lärm jetzt vorstellen. und das in einem ruhigen, gemächlichen Buchladen. Der Mann entschuldigte sich nur im Vorbeigehen. Anscheinend rechnet in einem Downtown Buchladen niemand mit kleinen Kindern. Noah war halbwegs beruhigt und ging schluchzend die Treppen runter. Esra war nun so müde, dass er nur noch nebenher trottete. Er fiel 5 Stufen mit dem Kopf nach vorne runter. Wer Esra kennt, kann sich nun lebhaft vorstellen, wie laut es wurde. Ich wollte Amy auf den Boden stellen, um nach Esra zu sehen. Amy wollte aber nicht und ihr könnt euch vorstellen wir laut es nun wurde. Peinlich, peinlich. Also reihten wir uns gefrustet in die lange Schlange an der Kasse ein. Und es war ein großes Werk vollbracht, als das Super Buch endlich zum schweren Gepäck in den Rucksack verstaut wurde. Ob ich das Buch je lesen kann ohne an die Umstände zu denken?
Und jetzt wird es erst richtig gut. Wir speisten auf dem Weg, sozusagen beim Laufen, denn ich wollte abends ja auf das Bread & Roses Konzert. Schliesslich saßen wir wieder im Bus. Wir fuhren und fuhren und fuhren. Gunter hatte eine Route ausgesucht bei der man zwar nur einmal umsteigen musste die aber im Prinzip zweimal quer durch die Stadt führte. Es war zudem Feierabendszeit und die Busse gerammelt voll. Nun gut, mit den müden Kindern in die vollen Busse und ständig wird einer umgerannt oder der Bus fährt zu ruckelig. Amy trank zudem dauernd an der Brust und es amüsierte mich, dass die Leute so erstaunt dreinschauten. Manche sagten: aber sie läuft doch schon und trinkt noch. Wir kamen an der Straße an, in der wir umsteigen mussten, es war mittlerweile 5:30Uhr und ich hatte versprochen Telefonate zu führen. An der Bushaltestelle angekommen staunte ich nicht schlecht. Es standen so viele Leute da, die würden allein einen Bus füllen. Wir warteten und warteten und Amy ließ sich nur von mir halten. Ca 20 Minuten später rief ich entnervt Dorothy an und bat, dass uns jemand rettet. Die Jungs spielten recht gut miteinander zum Glück, aber Amy wurde immer gereizter. Eine lange halbe Stunde später kamen die Beiden. Wir alle quetschten uns ohne Kindersitze auf die Rückbank, sowas würde ich zu Hause nie machen. Bis wir dann am Camper waren war es 6:30 Uhr, um 20:00 Uhr sollte das Konzert beginnen. Ich wusch mich und zog mich flott um und ließ Gunter mit der schreienden Amy allein (schlechtes Gewissen). Dorothy und Frank wollten noch chinesisch Essen gehen und sie bestellten die Rechnung sozusagen vor dem Essen. Wir kamen um 5 Minuten vor 8:00 Uhr an der Opera an. Viele Leute mit Abendkleidern und wahnsinnig nobel das Ganze, ich kam mir ein wenig fehl am Platze vor. In SF gibt es bei solchen Veranstaltungen immer Menschen, die in der Alltagskleidung kommen und ich fiel zum Glük nicht zu sehr auf.
Wir bekamen erstklassige Plätze zugewiesen. 3. Reihe. Doch plötzlich, als wir gerade bequem saßen, kam einen Frau und fragte nach den Tickets. Wir mussten weg und zwar ein gutes Stück weiter nach hinten und nach oben. Schade! Das Konzert war aber schön. Für meinen Geschmack vielleicht zu viele Künstler – Jackson Browne, Kris Kristopherson, Pete Seeger, Joan Baez, Bonni Raid, Lily Tomlin, Robin Williams und einige mehr. Ich war sehr erstaunt, dass alle am Schluss noch einmal schön klatschten, dann aufstanden und nach Hause gingen. Keine einzige Zugabe. Ausserdem hätte ich erwartet, dass die Künstler mehr zusammensingen. Jeder sang zwei Songs und das wars. Ich bin erst um 1:00 Uhr früh ins Bett und war dann sogar zu müde zum Frieren.
Fazit:: große Stadt ist nichts für Familien mit Kindern..
21. März, Moss Landing
Am morgen gingen wir alles ganz gemütlich an. Ich sagte mein Treffen mit Lisa in SF ab, denn wir wollten nicht noch einmal in die Stadt. Wir wuschen die Wäsche und räumten das Wohnmobil auf. Um 11:30 Uhr fuhren wir los und stoppten in Menlo Park, da ich Nancy Lutzow besuchen wollte. Ich fand ihr Büro jedoch nicht. Daher aßen wir bei Keplers Bookstore (ein sehr bekannter und großer) zu Mittag (Burritos, lecker) und Gunter ging dannach in Palo Alto in seinen Lieblings-Fotoladen. Danach kauften wir Lebensmittel ein. Mittlerweile war es 3:00 Uhr und auf dem Weg nach Santa Cruz verfuhren wir uns zweimal und landeten im Stau. Um 6:00 Uhr kamen wir auf dem Campingplatz an, ein sehr schöner, günstiger (7$) direkt am Meer gelegener Platz. Esra und Noah sind absolut begeistert. Wir sammelten gestrandetes Holz und machten ein Feuer. Zum Abendessen gab’s eine Nudelsuppe und eine schöne Aussicht. So wäre es mit den Kindern am einfachsten. Sie lieben die Natur und sind daher sehr ausgeglichen. Durch das Holzsammeln hatten sie eine Aufgabe, was ihnen sehr gut tat.Jetzt schlafen alle friedlich und ich gehe besser auch zur Ruh.
Hier nun die Bilder:
Schöner Platz, nicht wahr?
Esra in seinem Element, als Abenteuerer.
Nur 10 Schritte vom Wohnmobil
Da es noch fast Vollmond war, stieg die Flut heute nacht sehr hoch. Ich dachte das Meer kommt zum Wohnmobil. Wir schliefen trotzdem sehr gut und als ich um 5 Uhr kurz aufwachte konnte ich direkt auf das Meer schauen, dass durch den Sonnenaufgang rosa leuchtete. Oh, wie schön! Und dann weiter schlafen bis 7:00Uhr. Heute früh frühstückten wir gemütlich nach einem Spaziergang am Meer. Hinter unserem Camper parkte eine Frau, die surfte.Als sie aus dem Meer zurück kam, wartete ihr Mann bereits mit ihrer Tochter (die heist April und ist im März geboren) auf sie, denn er ging danach surfen. Wir unterhielten uns sehr gut, sehr nette Leute. Es stellte sich heraus, dass sie Schriftstellerin ist und mit der Kindererziehung ähnliche Einstellungen hatte wie wir. Ich gab ihr eine Weihnachtsgrusskarte mit unserer Email adresse und hoffe, dass sie uns emailt. So fängt der Tag gut an und den Kindern geht es wieder gut. Wie schön, dass man innerhalb kurzer Zeit von der großen Stadt in die einsame Natur kommt.
22. März, Carmel Valley
Um ca. 10:00 Uhr ging es los nach Monterey (ca. 3 Stunden südlich von SF), dort gingen wir in die Cannery Row, da wir das berühmte Aquarium anschauen wollten. Der Eintritt würde für unsere Familie jedoch 50$ kosten und das war uns für 1-2 Stunden zu teuer. Also gingen wir am Meer spazieren und assen dann Mexikanisch zu Mittag. Jetzt sind wir in Carmel Valley auf einem Campingplatz direkt am Fluss und wir werden Internetzugang bekommen. Ich hoffe alles klappt, dann ist der Bericht später im Internet.
Blühende Küste
22. März, Carmel Valley
Wir fuhren, nachdem wir den Campground gefunden hatten, nochmal an den Beach in Carmel. Nach ca. 10 Meilen wieß uns ein Autofahrer darauf hin, dass wir das Stromkabel nachschleiften. Das sah ziemlich schlimm aus, die Kontakte abgeschleift und völlig verbogen. Wir fühlten uns schlecht, denn sowas sollte nicht passieren. Ich denke es wird uns eine Lehre sein. und zum Glück war es kein full Hook up, mit Wasser und Abwasseranschluss, dann wäre es noch übler ausgegangen. Und vorher hatte wir noch Witze darüber gemacht, daheim in Deutschland.
Carmel Beach war für die Kinder toll. Dort gibt es einen großen Hügel, der nur aus weißem Sand besteht, den die Kinder runterkugeln können. Es war wieder sehr windig und daher recht kühl. Vom Meer her zogen Wolken ins Land, das sah beeindruckend aus. Nicht die idealsten Bedingungen für die Fotografie, aber sehr anspruchsvolle.
Hier ein paar Bilder von der Digitalkamera:
Danach suchten wir vergeblich Kleiderbügel in einem Einkaufszentrum. Erstmals konnten wir entsetzt bestaunen wie Kinder ausflippen, wenn sie nur ein Schild mit der Aufschrift Bookshop sehen. Ich denke Buchläden sind für Kinder zu ruhig und gemächlich, das schreckt von vornherein ab.Von nun an gehen wir nur noch getrennt in die Buchläden.
Sehr spät abends durfte ich ins Internet. Und es klappte erstaunlich gut. Ich brauchte etwa 1 1/2 Stunden, bis die Homepage drin war. Es erforderte jedoch ziemliche Konzentration nach einem langen anstrendenden Tag.
23. März, Montery, Carmel
Der Tag fing nicht gut an. Alle Kinder hatte Splitter in den Händen (Amy und Esra) und den Füßen und Beinen (Noah). Esra ist schon so vernünftig, dass man ihm die Splitter ohne großes Geschrei entfernen kann. Aber Amy und Noah waren wirklich ein Problem. Die Stellen waren schon entzündet und daher musste ich darauf bestehen, dass etwas geschieht. Noah war wirklich ein Problem, er schrie wie amn Spieß, bevor ich überhaut etwas machen konnte. Die Nachbarmobile stehen so dicht, dass ich nicht wissen möchte, was die dachten. Nach 1 1/2 Stunden gab ich völlig entnervt auf. Ich machte ihm ein Pflaster mit Salbe auf die Splitter, in der Hoffnung, dass die Haut dann aufweicht und man somit schneller fertig ist. Das klappte aber nicht. Bei Amy sind die Splitter leider auch noch drin und ich kaufte eine Salbe gegen Entzündungen, nachdem die homöopathische Behandlung nicht geholfen hatte. Die Splitter sind leider noch unter der Haut. Vielleicht ist Amy aus diesem Grunde so unruhig?
Danach gingen wir an den Fluss, Carmel River, der ideal für kleine Kinder ist, denn das Wasser ist nur 15 cm tief und er fließt ganz ruhig. Esra und Noah warfen mit Wonne Steine, Amy versuchte es auch war jedoch nicht so erfolgreich. Nach ca. 1 Stunde war sie ziemlich durchweicht und wir zogen sie um und fuhren nach Monterey.
Um die Kinder austoben zu lassen fuhren wir auf einen großen Spielplatz, den wir am Tag zuvor gesehen hatten. Der kostete zum Glück keinen Eintritt, war aber überfüllt und einige Nummern zu groß. Es rannten so viele, auch ältere, Kinder herum, die Spielgeräte waren recht gefährlich. Mit drei Kindern waren wir überfordert und Esra ging uns verloren. Wir suchten ihn eine Weile und endlich fand ich ihn ziemlich hysterisch wieder. Ein Frau hatte versucht ihm zu helfen aber er konnte sie nicht verstehen. Danach blieb er dicht bei uns. Aber wir blieben nicht mehr so lange, denn es war einfach zu voll und anstrengend. Wir entschieden da, dass wir auf keinen Fall ins Disneyland gehen werden, denn das ist um einiges grösser und sehr teuer (etwa 500DM).
Hier nochmal ein kleiner Teils des Spielplatzes
Wir fuhren an die Strände, oder besser gesagt Küste, und es klappte wunderbar, dass Gunter oder ich fotografierten und die Kinder Muscheln sammelten oder im Sand spielten. Ich hoffe wir konnten gute Langzeitbelichtungen machen. Die Filme gaben wir vor Ort zur Entwicklung ab, obwohl es hier sehr teuer ist. Es kostet etwa 4 mal so viel wie in Deutschland. Trotz allem ist es wichtig, dass wir sehen, wie die Fotos bisher sind, damit wir uns wieder auf die Landschaftsfotografie einstellen können. In den letzten Jahren haben wir fast nur Portraits gemacht.
So sieht das Meer hier aus. Es gibt sehr viele Muscheln und Meerestiere zu bewundern was für die Kinder hoch interessant ist (für mich übrigens auch). Nur auf den Felsen dürfen sie nicht herumklettern, denn das ist zu gefährlich, da immer wieder unverhofft hohe Wellen kommen und die zuvor sicher erscheinenden Felsen überspülen.
24. März, Big Sur
Wir beeilten uns nicht am Morgen, denn das Wohnmobil musste aufgeräumt werden. Gunter und ich ließen uns mit der Morgentoilette etwas Zeit. Dann ging ich nocheinmal kurz ins Internent, weil ich nun wusste wie es geht und es die Möglichkeit gab.Wenigstens die ersten drei Seiten gibt es nun auch in Englisch.
In einem Shoppingcenter mit einem Naturkostladen machten wir Halt um Obst einzukaufen. Ich war völlig platt. Dieser Laden war so groß wie ein normaler Supermarkt und es gab alles was das Herz begehrt, nur keinen Roibusch Tee. Aber Bachblüten und homöopathische Mittel. Die Kinder machten sich über das Obst her: frische Erdbeeren und Ananas. Für später Äpfel und Orangen. Amy liebt das und wir können ihnen etwas Gutes anbieten wenn die Fahrt zu lang wird. Hier ein Bild davon, mehr konnte ich sowieso nicht machen, weil es eigentlich verboten ist.
Da die Splitter in Amy’s Hand immer noch vereitert waren fuhren wir zum Arzt. Gunter meinte es sei nicht nötig und die Schulmedizin sei eh nichts für uns. Ich muss zugeben, dass er Recht hatte. Ich wartete lange, dann wurde Amy direkt die Temperatur gemessen, was sie natürlich nicht wollte, da sie es im Popo massen, sie wurde gewogen und nach den Impfungen wurde gefragt. Da dachte ich mir schon, dass es nichts wird. Nach einer weiteren Stunde kam der Arzt, ich hatte Amy zwischenzeitlich etwa 100 Mal gestillt, denn logischerweise wollte sie sofort wieder weg. Der Arzt warf aus 1,5 Metern Entfernung einen Blick auf die Hand und sagte, da ist kein Splitter mehr drin. Amy soll Antibiotika einnehmen. Ha, sowas! Jetzt weis ich immer noch nicht, wie ich die Dinger herausbekomme und ob es vielleicht Kaktusstacheln sind. Antibiotika habe ich natürlich abgelehnt.
Die Fahrt nach Big Sur war entspannt. Alle Drei waren müde und daher schliefen sie schnell ein. Diese Strecke ist eine der schönsten der Welt. Die Kombination von Meer und Bergen ist einfach eine Augenweide. Die Brücken wurden gerade repariert, daher waren einige der schönsten Highlights verschandelt. Ich musste mich jedoch so auf die engen Wege konzentrieren, dass ich es nicht weiter bedauern konnte. Jetzt stehen wir auf dem Pfeiffer Big Sur State Park und lassen die Ruhe der Redwoods auf uns wirken. Als Esra wach wurde war er zu Beginn sehr entsetzt. Er wäre am liebsten wieder in Petaluma, denn dort hatte der Spielplatz einen Bagger, den er so gern mochte. Nach einer halben Stunde fand er jedoch Gefallen an den stattlichen Bäumen. Ich suchte ein Telefon um Susanne (ehemalige Büchereck Besitzerin aus Ingelheim) anzurufen. Da es kein Telefon in der Nähe gab, machte ich einen ausgedehnten Spaziergang mit Esra. Das gefiel uns beiden, denn wir schauten uns die Mammutbäume ganz genau an. Es gibt viele, die durch frühere Waldbrände so geschädig waren, dass Höhlen entstanden sind. Mit der Taschenlampe erforschten wir alle. Wow, in einigen der Höhlen könnte unsere ganze Familie übernachten.Die Nummer von Susanne fand ich schließlich heraus, es war jedoch niemand zuhause. Vielleicht morgen.
Hier ein Foto von Esra mit den großen Bäumen. Es schaute, ob er mit dem Fernglas Tiere beobachten kann.
Die Redwoods haben eine ausserordentlich beruhigende Wirkung auf mich. Sie scheinen mich wie eine wiederaufladbare Batterie mit Energie zu füllen. Ich werde sehr ruhig und kann es nicht fassen unter so erhabenen Lebewesen zu wandeln. Mal sehen, ob mir nach dem morgigen Tag etwas besseres einfällt. Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen.
25. März, immer noch Big Sur
Wir wanderten morgens durch die Redwoods. Am Abend zuvor hatte ich etwas von einem Mountain Lion gelesen, der besonders für kleine Kinder gefährlich werden könnte. Sie würden ohne Vorwarnung angreifen. Das saß bei mir. Wie sollen wir denn auf drei Kinder aufpassen? Also entfernten wir uns nicht zu weit vom Campingplatz.
Hier unten im Tal gibt es beeindruckende Bäume. Esra mag die ausgebrannten Höhlen sehr gern. Er würde am liebsten in einer schlafen. Was hier an der gesamten Küste noch gefährlich ist, ist das poison oak. Das ist eine Pflanze, die recht unauffällig ist und nicht einmal mit der Hose oder einem Gegenstand berührt werden sollte. Denn dann darf man auch die Hose oder den Gegenstand nicht berühren, oder es gibt einen biestigen Ausschlag. Gestern hatten wir nicht darauf geachtet und wir erinnerten uns auch nicht daran, wie die Pflanze genau aussieht. Heute bemerkten wir, dass sie überall am Wegesrand steht und wir dauernd dicht daran vorbeigehen. Wir hatten Glück, dass noch niemand damit in Kontakt kam, besonders, weil die Kinder ihre Finger überall haben. Am Big Sur River machten wir einige Zeit Langzeitbelichtungen (d.h. mit einem Graufilter erhöhen wir die Belichtungszeiten so sehr, dass das Wasser auf den Aufnahmen ganz weich wirkt; diese Aufnahmen sind recht anstrengend, da die Belichtungszeit ausgerechnet werden muss, per Hand belichtet und ständig Filter auf und ab geschraubt werden). Die Kinder spielten derweil am Bach. Das klappt mittlerweile sehr gut. Wir suchen immer Plätze, die für alle etwas Interessantes zu bieten haben, dann funktionert das. Amy wird auf den Wanderungen getragen und darf sich, wenn wir fotografieren, die Füße vertreten. In dieser Beziehung sind wir ein gut eingespieltes Team. Freu!
Während Amy schlief und Esra und Noah auf der Waldlichtung spielten, las ich, zwischen zwei großen Redwoods sitzend, in Julia Butterfly’s Buch „The Legacy of Luna“. Es könnte keinen besseren Platz geben, an dem man dieses fantastische Buch lesen kann.
Ich versuchte noch einmal Susanne anzurufen und siehe da sie war direkt am Telefon. So eine Überraschung. Wir hatten uns schon bis zu ihrer Straße hin bewegt, von der man uns sagte, dass wir sie mit unserem Gefährt auf keinen Fall befahren könnte. Wir verabredeten uns in einem Pub, es war sehr schön sie zu treffen und hochinteressant, zu höhren, wie es ihr nach 5 Monaten in Big Sur geht. Nach dem Stress mit dem Buchladen in Ingelheim, macht sie zur Zeit erst mal nichts beruflilich. Esra und Noah waren absolut begeistert, denn endlich verstand sie jemand. Die beiden redeten und redeten und liefen ihr hinterher. (Hinten steht übrigens der grüne Bus von Susanne neben unserem Wohnmobil). Sie sieht doch wirklich sehr erholt und ruhig aus, oder?
Der Kolibri speiste auch in dem Pub.
Um uns zu zeigen, wo sie wohnt, fuhr sie uns mit ihren alten VW Bus nach oben. Diese „Straße“ wären wir nie hinaufgefahren. Ich sass vorne und bekam beinahe einen Herzinfarkt bei der Fahrt nach unten. Solche Kurven bei einer Dirt Road hatte ich vorher nie gesehen. Susanne sagte sie hätten einen four wheel drive, denn bei Regen schaffts der Bus nicht mehr.
Sie wohnt hoch oben auf dem Berg, der Ausblick ähnelt der Schweiz. Nur wenn man nach Westen sieht, erblickt man das Meer. Sehr einsam und sehr idyllisch. Zum Grundstückt gehört ein Stück Wald mit Redwoods. Susanne erzählte, dass ihr auf der Straße zum Haus nachts ein Mountain Lion begegnet sei. Wow, es gibt sie also wirklich. Nicht sehr beruhigend. Jedenfalls war das Treffen mit Susanne prima. Jetzt wissen wir also wie sie in Big Sur lebt. Die „Locals“ bezahlen in den Geschäften übrigens 10 % weniger. Das Andere sind Touristenpreise.
Als wir zurück auf dem Campingplatz waren, übermannte mich die Müdigkeit und erstmals auf dieser Reise ruhte ich tagsüber 2 Stunden. Danach wanderten wir noch einmal zum River, den Noah so liebt. Das Meer ist ihm zu groß und gefährlich. Die Bäche sind Noah’s Freunde. Und Esra liebt nach wie vor die Redwoods.
26. März, Big Sur und Monterey Penninsula
Um weitere Langzeitbelichtungen zu machen wanderten wir in gewohnter Manier, d.h. mit zwei Stativen, zwei Fotoausrüstungen, Amy auf dem Rücken und zwei Jungs an der Hand, zu den Pfeiffer Falls. Es ging ziemlich bergauf und bis wir ankamen war ich klatschnass.
Aber gut gelaunt. Die Jungs laufen immer besser und weiter, denn wir trainieren jeden Tag. Während Gunter und ich „arbeiteten“ spielten die großen, indem sie Blätter ins Wasser warfen. Amy war müde und hing am meinem Bein, später an der Brust. Die Wasserfälle waren noch imposanter, als die Wanderung durch den Wald. (Bilder gibt es später, denn die Digitalkamera war nicht mit dabei). Oh, ich würde gerne den Waldgeruch beschreiben, aber das ist schwierig. Anders als in einem deutschen Wald. Sehr intensiv, weil die Luftfeuchtigkeit immer recht hoch ist. Auf dem Rückweg fanden wir eine Hütte mit Informationsmaterial, d.h ausgestopfte Tiere und Felle zum Angreifen. Dort lernte ich gleich, auf welche tödlich giftigen Schlangen ich mich in Arizona einstellen kann. Gunter meinte die schlafen im April noch, ich werde mich jedenfalls informieren.
Ich brach schweren Herzens nach Monterey auf, die Redwoods lassen mich nicht los. Fotografieren kann ich sie gar nicht, das liegt ausserhalb meiner Möglichkeit, ich bin völlig überfordert. Wie schade! Es ist Sonntag, wir konnten trotzdem unsere Filme abholen, denn der Laden war geöffnet. Das Anschauen war sehr lehrreich und ich denke, dass ich nun sparsammer mit den Filmen umgehen werde. Ich bin mit 80% der Bilder nicht zufrieden. Sehr gute Aufnahmen haben wir von Mount Diabolo, die würde ich hier gerne zeigen, was leider nicht möglich ist. Unsere Langzzeitaufnahemn sind noch zu hell und der Vordergrund ist oft zu leer. Gut, dass wir die Filme abgegeben haben, denn so kann man die Fehler ausgleichen. Das Meer scheint übrigens genauso schwierig fotografisch umsetzbar zu sein wie die Redwoods. Die Landschaft ist so unglaublich, da muss ein Foto Spitzenklasse sein, um die Stimmung auszudrücken. Leider können wir oft die besten Zeiten nicht ausnutzen, weil wir da auf dem Campingplatz sein müssen, oder die Kinder noch nicht gefrühstückt haben. Aber wir haben viel Zeit und ich denke wir bekommen noch Gelegenheiten wie in Mount Diabolo (das war etwa 1 Stunde östlich von SF).
Danach mieteten wir einen Stellplatz direkt in Montery auf einem Motelparkplatz, was nicht sehr idyllisch ist aber zentral gelegen ist. Wir müssen morgen unseren Motor überprüfen lassen, weil die Servicelampe dafür schon aufleuchtet.
In Pacific Grove machten Gunter und ich wieder Fotos und die Kinder sammelten am Strand Muscheln und Holz. Den Sonnenuntergang fotografierten wir vom Highway One aus, denn dort sieht man die Staffelung der Hügel so schön. Wir hatten bei der Hin- und Rückfahrt nach Big Sur gar keine Fotos gemacht, da die Sonne schlecht stand. Hier ein Foto, damit ihr wisst, was ich meine:
Auf dem Hügel war es äußerst kalt. Trotz Jacke fror ich noch Stunden später und zur Zeit habe ich Ohrenschmerzen. Trotzdem war es die Mühe wert. Mal sehen wohin es uns morgen verschlägt, wir haben noch keinen Campground herausgesucht. Vielleicht fahren wir, bis es uns irgendwo gefällt. Den Highway One nach Süden können wir nicht nehmen, denn etwa 20 Meilen nach Big Sur ist die Straße ins Meer gestürzt. Wir müssen also hinter der Bergkette nach Süden fahren.
27. März, Lake San Antonio
Heute früh fuhren wir nach einem anstrengenden, 30-minütigen Gespräch mit Cruise America zur Ford Vertragswerkstatt. Auf dem Amaturenbrett leuchete seit einigen Tagen ein Licht „Service Engine Soon“, welches sogar nach dem Öleinfüllen noch aufleuchtete. Wir kamen sofort dran, denn Cruise America hatte bereits dort angerufen und gesagt, dass wir kommen. Die Werkstatt brauchte etwa 1 Stunde um die Elektronik zu überprüfen. Irgendetwas sei mit dem Auspuffsystem nicht in Ordnung. Das Fahrzeug würde jedoch auf keinen Fall stehen bleiben und wir sollten weiterfahren, die Anzeige sein nun ausgeschaltet. Na ja, sehr beruhigend. Wir mussten wenigstens nichts zahlen, denn die Werkstatt regelt das direkt mit Cruise America.
Der Weg führte uns über eine einsame, enge, gewundene Straße durch die Berge. Nachdem wir zu Beginn auf einem Freeway im Stau gestanden hatten, wollten wir auf alternative Strecken ausweichen. Ob das hier von Vorteil war möchte ich bezweifeln. Jedenfalls reichte die Höhe für das Fahrzeug exakt. Nach der halben Strecke ist Gunter ersmals gefahren und ich bin wirklich eine sehr schlechte Beifahrerin. Dauernd Gemeckere und beim Lesen der Karte und des Campingführers wird mir schlecht.
ein grüner Tunnel
Nach ca. 3 Stunden waren wir am Lake San Antonio auf dem Campingplatz. Der ist ganz im Gegensatz zu meiner Erinnerung von vor vielen Jahren, nahezu leer. Und direkt am See.
Es ist Montag, zum Glück. Es ist auch hier recht kühl und als das Feuer runterbrannte gingen wir ins Wohnmobil. Wir haben Holz gesammelt, da nichts Gegenteiliges ausgehängt war und die Jungs machten sich Fackeln.
Amy lässt sich ungern füttern und daher durfte sie den Brei selbst essen. Ausserhalb des Wohnmobils ist es kein Problem, innen habe ich es nicht sehr gern, denn die Polster bekomme ich schlecht sauber.
Amy fällt übrigens überall positiv auf. Ich weiß nicht wie oft wir schon gehört haben wie hübsch sie sei. Stolz! Na, ja, normalerweise meine ich.
28. März, El Capitan State Beach
Wir waren wieder früh auf den Beinen, Amy ist nach wie vor sehr früh wach. Im Moment gibt es morgens Haferbrei zum Frühstück. Das geht flott und ist nahrhaft. Gutes Brot ist leider Mangelware, selbst im Naturkostladen gibt es nur helles Brot. Es gibt viele verschiedene Toastbrote wir haben jedoch keinen Toaster. Normalerweise schmelzen wir Butter in der Pfanne und braten es dann. Dabei geht jeden Morgen der Feuermelder los. So ein Lärm. Es sieht bestimmt lustig aus, denn derjenige, der gerade kocht, dreht sich ohne Hektik herum, nimmt den Feuermelder von der Decke und steckt ihn unter die Bettdecke. Dann wird einfach weitergekocht. Machmal vergessen wir den Feuermelder und dann zieht Gunter ihn irgendwann nachts, wenn er draufliegt heraus. So einfach kann man Probleme lösen.
Esra ist unser Fachmann für den „Kackschlauch“, nur manchmal endet es nicht gut und wieder wandert eine Hose zur Schmutzwäsche.
Wir haben diesmal sogar daran gedacht, die Kabel abzunehmen und sind dann zurück zum Meer gefahren. Eigentlich nicht zurück, sonder Richtung Süden zum Meer. Vor 14 Jahren waren wir schon einmal am El Capitan State Beach, das ist recht nah an Santa Barbara, und wir errinnerten uns nur an den Freeway, die Railroad und die Frösche. Also alles in allem, sehr laut. Und es war alles noch da. Sogar die Frösche. Nur diesmal war auch dieser Beach ziemlich einsam und die Kinder liebten den sehr großen Stellplatz.
Ich hatte starke Kopfschmerzen, erstmals auf der Reise und legte mich hin während Gunter und die Kinder draußen waren. Ich wurde wach, als ein Erdhörnchen ins Wohnmobil kam. Gunter wollte es füttern aber ich bin der Meinung, die sind schon unverschämt genug. Amy mochte es so gern, dass sie es streicheln wollte. Sie kam nah genug ran und dann kam die Überraschung – sie wurde gebissen. Zum Glück nicht fest, jedoch genug für Geschrei. Bisher ließ sich jede „Campingplatzkatze“ und jeder „Campingplatzhund“ von ihr streicheln, sie war völlig perplex. Ich hoffe, es ist nun einfacher ihr zu sagen, dass man nicht jedes Tier angreifen sollte.
Als es mir etwas besser ging, fuhren wir nach Sante Barbara zum Abendessen. Nun waren aber die Kinder müde und schliefen auf der Fahrt ein. Das ist immer schlecht. Wir mussten sie wecken und das Abendessen verlief nicht nach unserem Geschmack, obwohl es gut schmeckte. Oft haben die Kinder Probleme etwas zu essen, was sie nicht kennen. Das kann sehr anstrendend und vor allem teuer werden. Bei den hohen Preisen ist es sehr ärgerlich wenn ein Essen völlig unberührt bleibt und spätestens 30 Minuten nach dem Essen über Hunger geklagt wird. Aber alles kann man hier im Wohnmobil nicht kochen, wenn noch dazu viele Zutaten nicht zu haben sind.
Zum Sonnenuntergang wanderten wir zum Strand, nur 5 Minuten entfernt. Amy rutschte auf eine Holztreppe rauf und runter und ich hatte wieder die Splitter im Hinterkopf, die ich dann einen Tag später entfernen muss. Noah war in seinem Element und ich musste die grössten Steine ins Meer werfen. Dann, als wir gerade aufbrachen, rief jemand „Wale“ und tatsächlich, die schwammen ziemlich nah am Strand an uns vorbei. Oh wie schön. Vor lauter Kidwatching hätten wir das Whalewatching fast versäumt. Die Leute, die uns auf die Wale aufmerksam gemacht hatten waren sehr nett und ich unterhielt mich noch eine Weile am nächsten Morgen.
29. März, Oceanside
Am Morgen spielten die Kinder ein ganze Weile in Freien. Endlich war es warm genug und sie brauchten keine dicken Pullover. Da wir Los Angeles weiträumig umfahren wollten, brachen wir bereits um 9:00 Uhr auf. Ein Rentner, der als Volunteer auf dem Campground arbeitet, schrieb uns eine gute Route auf. Amy schlief recht viel und die Jungs suchten die größten Lastwagen und so klappte es recht gut. Die Stadt ist jedoch sehr groß und entsprechend lang dauert so eine Fahrt. Um 12:00 Uhr suchten wir etwas geeignetes zum Mittagessen, evtl mit einem Spielplatz. Das war schwierig. Als wir dann in einem Denny’s speisten waren Esra und Noah so hungrig, dass nichts übrig blieb. Amy futterte auch, aber nicht so viel, da wir unterwegs ganz frische Apfelsinen und Erdbeeren gekauft und gefuttert hatten. Was soll man sonst tun, wenn man den ganzen Tag an Orangenbäumen vorbeifährt. Plötzlich waren wir jedoch mitten in der Großstadt und es gab nur noch Autos.
Und das war nur der Außenbezirk. Nach dem Mittagessen fuhren wir nocheinmal 2 Stunden und dann war es wirklich genug. Die Kinder waren sehr tapfer gewesen und wir haben viel Obst gegessen unterwegs. Jetzt sind wir in Oceanside, mitten in einer kleineren Stadt und stehen wieder dicht and dicht. Wir brauchten jedoch dringend eine Laundry, weil alle Hosen der Kinder schmutzig waren. Es ist zudem recht praktisch, dass ich die Emails checken und wieder ein Stück Homepage ins Netz stellen kann. Es ist aufmunternt, von der Familie und den Freunden zu lesen.
Um uns die Füße zu vertreten gingen wir an den Beach und ich war und bin entsetzt. Es sieht fürchterlich aus auf dem Weg dorthin, alles schmutzig und dazu noch eine Baustelle. Und dann steht doch glatt am Strand „Private Property“, Privat Besitz. Als ob jemand das Meer besitzen kann. Ich ärgere mich. Die Häuser stehen zudem bis dicht ans Meer und es ist kein schöner Anblick.
Etwas weiter oben hätte es eine State Beach gegeben, die wir normalerweise sehr gerne anfahren, da sie viel Platz bieten, diesem wollte ich jedoch vermeiden, da man Blick auf ein Atomkraftwerk hat. Na ja, bei uns habe ich sowas schon nicht gerne aber im Erdbebengebiet ist es mir gar nicht wohl.
Nun gut, die Kinder können auch auf einer kleinen Fläche ihren Spaß haben. Esra baute im nassen Sand eine Burg, Noah kletterte mutig auf den Felsen herum und Amy genoss alles. Die ging sogar mit den Füßen mit Gunter zusammen ins Wasser. Die Sonne scheint ihr auch zu gefallen.
Wir werden noch eine Nacht am Meer verbringen und dann ins Landesinnere fahren. Eigentlich hatten wir vor, in San Diego in Sea World zu gehen. Das ist jedoch am Wochenende nicht zu empfehlen und wir warten noch ein paar Tage.
Jetzt sitze ich hier und vermisse die Redwoods. Wir hätten einfach noch bleiben sollen, wir haben ja so viel Zeit. Ich glaube fast es dauert nicht lange und wir sind wieder dort. Es gefällt mir zudem, dass alles einsam ist, hier gibt es zu viele Menschen.
30. März, South Carlsbad State Beach
RV oder Trailer Parks sind im Gegensatz zu den State Beaches oder Parks viel dichter beparkt, haben dafür aber eine Laundry, ein Swimmingpool und hook up. Uns gefallen die State Parks besser, jedoch muss man ab und an die Batterien aufladen und die Klamotten waschen. Das taten wir in Oceanside und es war ein schönes Gefühl, die Schränke mit sauberen Sachen gefüllt zu wissen. (Dass es nicht lange hält weis ich schon, aber es kam noch schlimmer) Während ich im Internet surfte (eigentlich Homepage überspielte und Emails beantwortete), ging Gunter mit den Kindern auf einen Spielplatz und ans Meer. Bis ich dann kam, war Amy schon klatschnass. Samt Mütze. Die Sachen lagen zum Trockenen über den Steinen. Esra fand Gefallen am Meer. Er flitzte rum wie ein Wilder und wurde natürlich auch vollständig nass. Vermischt mit dem sehr feinkörnigen Sand bedeutet das, auch sehr schmutzig. Nach viel Spaß im warmen Meer gingen wir uns im Freien die Füße duschen. Das mochte Noah, der noch sauber war so sehr, (besonders, weil es eine Dusche im Freien war, was er noch nie gesehen hatte) dass er mit Hemd und Hose duschte. Noch hatten wir keine Wäscheleine und deshalb legte Gunter die Sachen auf den Tisch. Als ich sie einsammelte sah ich, dass alles schwarz war, von einem Grill, der vorher auf dem Tisch gestanden hatte. Also hatten wir schon bevor wir den Campingplatz verlassen hatten, 3 Sätze (inklusive Unterwäsche) nasse und schmutzige Wäsche. Danach fuhren wir wieder an einen ruhigeren State Beach und wir konnten uns gut erholen. Da der Platz etwas vom Strand entfernt 5 $ billiger war nahmen wir einen solchen. Ich bereute das später etwas, denn man hätte vielleicht Wale vorbeischwimmen sehen. Nachmittags ging es wieder an den Strand. Amy hatte mittlerweile so wenig Bedenken, dass sie gerdewegs ins Meer läuft. Das finde ich nicht so gut. Ein wenig mehr Vorsicht würde mich beruhigen.
Da alle Hüte nass sind behelfen wir uns mit einem Tuch und schon haben wir eine Piratin.
Esra wurde auch immer mutiger und er war nach etwa 5 Minuten triefte er. Wir mussten ihm die Hose ausziehen, denn ich hatte Bedenken, dass es sich die Blase unterkühlt. In der Sonne ist es recht warm, aber es weht ständig ein kühler Wind. Ausserdem möchte ich nicht, dass die Kinder zu viel Sonne abbekommen. Also, nochmal einiges Nasses. Noah hält sich am Strand immer weiter hinten an den Steinen auf. Die Jungs hatten lange Geduld beim Malen in den feuchten Sand. Auf Amy musste ich ständig aufpassen.
Abends war die Leine fast ganz voll
Abends gab es Tortillas mit Bohnen, mmhh, lecker (und hier sehr günstig, wenn man die Preise für andere Lebensmittel zum Vergleich heranzieht). Amy verschüttete eine ganze Tasse Tee und wieder mussten wir die komplette Kleidung wechseln, samt Unterwäsche. Na, ja. Ich war so müde, dass ich mit Amy zusammen um 8:00 Uhr eingeschlafen bin. Dann war ich natürlich nach 12:00 Uhr dauernd wach, weil ich so viel Schlaf gar nicht gewohnt bin. Das Meer war wahnsinnig laut. Amy nutzte die Gelegenheit und trank sehr oft. Wenn sie mit Gunter schläft wird sie nicht mal wach. Seltsam oder? Die Milchquelle kann man nicht ungenutzt lassen, wenn sie so nah ist. Amy stillt übrigens sehr viel. Sie mag das fremde Essen nicht und daher holt sie sich was sie braucht bei mir. Schön, dass ich diese Option noch habe. Um 5:00 Uhr war Gunter ziemlich munter, denn Esra hatte (fast wie erwartet) ins Bett gemacht. Also noch ein ganzer Satz Klamotten für die Wäsche und das Laken war nicht mal eine einzige Nacht drauf. Wir haben übrigens auch nur das eine. Mehr gibt Cruise America nicht raus. Früher dachte ich immer, die Werbung im Fernsehen, wo sie die Kinder zeigen, die die Klamotten schmutzig machen wäre wahnsinnig übertrieben. Jetzt habe ich eher den Eindruck die untertreiben.. Jedenfalls haben wir wieder jede Menge schmutzige und zudem noch nasse Wäsche, die wir hier nicht mal aufhängen dürfen, jetzt wo wir eine Leine gekauft haben. Auf dem Campingplatz, wo wir heute sind ist sowas verboten. So was aber auch.
Auf dem Platz gegenüber von uns war eine Frau, die zwei Basenji’s hatte. Diese Hunde kenne ich bisher nur aus dem Buch und ich unterhielt mich eine Weile mit ihr. Basenji’s bellen nicht sie jodeln und sie putzen sich wie Katzen. Eine sehr interessante afrikanische Hunderasse. Gegen Ende unseres Gesprächs fragte ich wie die Hunde denn heißen und ihr werdet es kaum glauben. Nein nicht Amy, Gabi hiess das Hundemädchen und Chubby der Hundemann. Na so ein Zufall, gell?
31. März, im Hinterland von San Diego
Heute hat meine Oma Geburtstag. Und da wollte ich selbsverständlich anrufen und gratulieren. Um 7:00 Uhr früh machte ich mich auf den Weg zur Telefonzelle. Die war etwa 20 Minuten entfernt und den Spaziergang genoss ich. Endlich klappte das Telefonieren mit der Telefonkarte ohne Probleme beim ersten Mal und die Leitung war sehr gut. Oma hat sich riesig gefreut und das freute mich natürlich auch. Und dann konnte ich gleich noch mit Mutti und meiner Schwester Elke telefonieren. So schön mit Blick auf Meer und auf der Palme wärmte sich in der Sonne eine große Eidechse.
Schon um 9:00 Uhr fuhren wir in Richtung Berge los. Am Wochenende ist in Meernähe hier im Süden zu viel los und wir wollen dem Trubel entkommen. Für meinen Geschmack gibt es schon zu viele Autos und es kommt mit sehr zugebaut vor. Die Fahrt dauerte länger als erwartet und dann erfuhren wir, dass der ausgesuchte Campground nur für Mitglieder ist. Und die Mitgliedschaft ist sehr teuer. (bis 5000$) Aber wir hatten Glück und wir dürfen für 2 Nächte für nur 30 $ bleiben, weil es ein Einführungsangebot ist. Diese Plätze sind speziell auf Familien mit Kindern abgestimmt. D.h mit Spielplatz und Laundry. Morgen gibt es Aktivitäten für kleine Kinder, ich bin schon gespannt. Wir haben einen Platz ausgesucht, den mit uns ca 10 Enten bewohnen und es macht den Kindern Spaß, sie zu füttern. Das ist hier erlaubt. Und die Enten sind wie auch die Erdhörnchen schon ganz schön unverschämt, denn sie klauen Amy’s Kekse, auch wenn Amy sie essen will. Armes Kind. Jetzt wurde sie sogar noch von den Enten gezwackt.
Ansonsten haben wir uns heute mittag ausgeruht. Die Drei spielten den ganzen Tag, während ich am Notebook arbeitete (na, ja es versuchte) und Gunter verschiedene Telefongespräche führte. Hier gibt es auch Internetzugang und mit Andi’s Hilfe (mein Bruder, der Computerexperte, half mir per Email) checkte ich unsere t-online Email. Oh, Schreck. Gunter’s sehr aktive Contax Mailing Liste läuft noch und die Emails kommen per tausende. Ich konnte nicht mal 1/5 davon löschen. Trotz allem bin ich erstaunt, was man mit dem Internet alles erreichen kann unterwegs. Und bisher klappt sogar alles, ich bin stolz.
In den Bergen ist es wieder kalt. Man soll den Wasseranschluss nachts nicht angeschlossen lassen, damit er nicht einfriert. Brrrrr! Hätte ich doch heute bloß die Mohairdecke gekauft. Ich schlafe so schlecht, wenn ich friere. Julia Butterfly muss ständig gefroren haben, die 2 Jahre auf Luna, dem Redwood Tree) und ich meckere hier im Wohnmobil mit Heizung. Gunter hatte vor vielen Jahren schon einmal ein Stinktier gesehen hier in der Nähe. Auf den Plakaten auf dem Campingplatz wird vor ihnen und den Klapperschlangen gewarnt. Ich hoffe nicht, dass Amy ein Stinktier zu sehen bekommt, denn das würde sie sicher auch streicheln wollen. Die Klapperschlangen schlafen hoffentlich bei der Kälte noch. Ich habe gerade gelesen, dass sie ab März da sind. Also müssen wir mit den Jungs aufpassen, denn die gehen gern mal vom Weg ab.
1. April, in den Bergen hinter San Diego
Wir entspannten uns die zwei Wochenendtage. Oh, wie schön, nicht fahren, keinen Campingplatz suchen. Am Samstag gab es Programm für Kinder, eines war „edible art“, da konnten sie mit Keksen und Bonbons etwas basteln. Das machen Esra und Noah sehr gerne zu hause; nur hier redete die nette Frau mit Noah und dann machte er natürlich gar nichts mehr. Da wird er dann schüchtern. Esra hatte aber seinen Spaß. Danach konnten sich die Kinder anmalen lassen. Und wieder traute sich Noah nicht und nur Esra wurde angemalt. Fotos habe ich nicht gemacht, ich war viel zu träge. Ansonsten haben die drei den ganzen Tag auf den Spielplätzen gespielt und wir haben gegrillt. Von der Hühnerbrust war ein kleines Stück übrig. Um zu schauen, welche Tiere es hier gibt, legten wir es vor dem Wohnmobil auf einen Stein. Doch bevor es richtig dunkel war hörte ich, wie sich draussen Tiere stritten und dann war das Fleisch weg, ohne, dass wir gesehen haben, ob es sich nun um Stinktiere oder Waschbären gehandelt hat. Ich habe zweimal am Tag nach Post geschaut, da Gunter ja seine Mailingliste nicht richtig abgemeldet hat. An meine Emails kam ich nicht, denn von Gunter sind 1500 mails angekommen und von mir sind etwa 20 darunter. Es dauert bei t-online leider ewig, die Emails auch nur zu löschen.
Gunter wanderte einmal, aber die Landschaft war nicht sehr ansprechend. Hier ein kleines Bild, grösser lohnt nicht.
2. April, San Diego
Am Sonntag fuhren wir wieder in die große Stadt. San Diego ist aber recht harmlos, zumindest fehlen die Hügel und die Stadt ist nicht so groß wie LA. Noah brauchte dringend Schuhe, denn seine extra in Deutschland gekauften waren am Meer so durchweicht worden, dass sie völlig auseinanderfielen. Hier kann man auch problemlos Sonntags einkaufen. Auf dem Parkplatz war wahnsinnig viel Platz als wir ankamen, daher belegte ich zwei Plätze sehr weit hinten. So hatten wir bisher immer geparkt und ich machte mir gar keine Gedanken. Als wir nach ca. 2 Stunden zurückkamen war ich geschockt. Stadtmenschen denken, man kann das Ding hier überall herausfahren oder sie dachten gar nicht. Wir waren nämlich von allen Seiten eingeparkt. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder raus waren und ich war ziemlich genervt. Dann fuhren wir auf einen Campingplatz direkt an der Bay mitten in der Stadt. Der war billiger (60$ für 2 Nächte) als erwartet und Gunter checkte uns für zwei Tage ein. Zum Glück war er auch recht leer. Ich hatte wahnsinnige Kopfschmerzen oder besser gesagt eine Migräne. Es bleibt mir nicht erspart. Also legte ich mich ins Bett und Gunter ging mit den Kindern auf den Spielplatz. Ich nahm eine starke Tablette, weil es mir so übel war, aber da ich noch nichts gegessen hatte bekam ich Durchfall. Heftig! Dann war mir’s richtig schlecht.
3. April, immer noch San Diego
Am morgen hatte ich immer noch starke Kopfschmerzen und ich nahm nach dem Frühstück nocheinmal eine starke Tablette. Zu dumm, dass ich gerade die Migräne nicht in der Homöopathie behandeln kann. Ich hatte wie immer vorher zwei Mittel ausprobiert. Dann legte ich mich wieder ins Bett und Gunter und die Kinder riefen Mathilde an. Dann nochmal auf den Spielplatz. Danach starteten wir , als es mir etwas besser ging, mit dem Taxi nach Seaworld. Das war sehr teuer, 2×40$ und 2×30 $. Zum Glück hatten wir einen Coupon für einen Rabatt und so sparten wir 20$. In Seaworld soll man dann diverse Shows auch noch extra bezahlen und das fand ich dann zu übertrieben. Noah durfte die Attraktionen, die kostenlos waren, nicht fahren, weil er zu klein ist. Das gab enttäuschtes Geschrei. Ich konnte ihn aber mit „Seestern pflücken“ sehr gut beruhigen. Ich hätte mich gerne beschwert aber wir fanden keine Ansprechpartner.
Wir sahen einiges aber nicht so viel, wie wir gern gesehen hätten. Es gab einige Shows, Vorführungen mit Tieren, lustig oder lehrreich. Je eine besuchten wir. Die Sonne schien den ganzen Tag und da der Wind blies, merken Gunter und ich nicht, dass wir einen kräftigen Sonnenbrand bekamen. Erst als es zu spät war, deckte ich meinen Nacken ab. Die Kinder hatte ich mit eine Sonnencreme mit Faktor 25 eingecremt und das reichte fast aus. Amy bekam leicht gerötete Arme, aber ihr Gesicht und Kopf war den ganzen Tag über mit der Mütze geschützt. Noah ließ seine Mütze nicht auf und er verbrannte sich das Gesicht leicht, Esra auch.
Ein Highlight für mich waren die Delphine, die man füttern konnte. Endlich habe ich einmal einen angreifen können. Das machte auch den Kindern großen Spaß. Leider kosteten 4 kleine Fische 3 $ und da wollte ich nicht übertreiben. Ansonsten war mir alles viel zu kommerziell. Überall gab es Giftshops (Souvenierläden), fast mehr als Tierausstellungen. Das Essen war auch sehr teuer und schmeckte nicht. Ich bin der Meinung: reine Geldmacherei. Disneyland soll dahingehend noch schlimmer sein.
Wo bleibt mein Fisch?
Show nur für zahlende Gäste
Lustige Show mit Seehunden und Walross, das gefiel den Jungs.
Als wir wieder auf unserem Campingplatz eintrafen, musste ich die Wäsche waschen, denn Esra hatte nachts das Bett gewässert. Zwischendrin ging ich mit Esra in den Pool um mich zu entspannen, damit mein Kopfweh besser wird. Hat vor allem Esra Spaß gemacht, aber für meinen Kopf nicht viel gebracht. Abends saß ich noch mit Deutschen zusammen und habe geplaudert. Am nächsten Morgen habe wir noch einmal ausgiebig geredet und sind daher zu spät losgefahren. Zudem haben wir einiges an Wäsche über dem Zaun hängen lassen. Zu dumm!
4.April, Salton Sea, California
Also, wir kamen erst nach 11:00 Uhr los und Gunter wollte in ein Outlet von Levis Jeans. Das war ganz nah an der Mexikanischen Grenze, d.h. letzte Ausfahrt in den USA. Wir wurden fündig und jeder bekam günstig etwas jeansiges zum Anziehen. Die Lebensmittelvorräte wurden aufgestockt und los ging es in die Wildniss. Die Fahrt wurde den Kindern dann nach einem kurzen Schläfchen zu lang. Wir fuhren ewig und es wurde immer heißer. Anhalten kann man mit dem Wohnmobil nicht, denn es wird sofort unerträglich hinten drin. Wir mussten Tanken, aber so weit in der Wüste wurde das Benzin immer teurer.
Das ist die Steinwüste. Auf so einem kleinen Bild kommt sie nicht zur Wirkung. Die Vielfalt der Wüsten ist erstaunlich.
Der See sollte schon längst in Sichtweite sein, aber es tat sich nichts. Ein See in der Wüste? Ja, und zwar ein sehr salzhaltiger, daher der Name. Irgenwann lief hier vor einigen hundert Jahren Wasser vom Meer in das Tal. Seither verdunstete viel vom Wasser und die Salzkonzentration wird immer höher. Hier gibt es sehr viele verschiedene Vögel zu beobachten und insgesamt sieht die Landsschaft sehr fremdartig für unsere Augen aus. Nun gut, wir kamen nicht direkt an den See, denn irgendwann, die Kinder meckerten schon, sah ich ein Schild „RV PARK with hot mineral tubs“, hah, da fuhr ich automatisch hin. Was hatten wir für einen Spaß. Aus dem Camper raus ins warme und heiße Wasser. Zudem waren die Becken nicht tief und es war für die Kinder ein riesen Spaß. Von den heißen Quellen, über das warum und wo, gibt es nicht viel zu lesen. Auch die hiesigen Campingplätze sind nicht gut ausgezeichnet. Es soll wohl ein Geheimtip bleiben.
Wir unterhielten uns mit Österreichern, die am gleichen Tag angekommen waren, und die Jungs genossen es mal wieder verstanden zu werden. Sehr nette Leute übrigens.
Amy wieder völlig ohne Angst. Sie will sich nicht halten lassen, auch nicht im tiefen Wassser.
Noah hatte viel Spass, er ist jedoch der wasserscheuste von allen.
Hans und Evi Stögmüller
Herzlichen Dank für das Kochbuch.
Morgen gibt es den zweiten Teil!
Nordamerika – Roadtrip mit drei kleinen Kindern
Fotografieren auf dem Mount Diabolo, USA
Unsere erste lange Reise mit Kindern im Jahr 2000 – Mit drei Kleinkindern im Wohnmobil durch die USA und Kanada
Wir arbeiten im Moment am Blog. Auch, wenn es nach außen nicht direkt sichtbar ist, es tut sich was. Prinzipiell sortieren wir unsere Reiseberichte und Fototipps, damit die Navigation einfacher ist. Die uralten Live Reiseberichte liegen noch auf html-Seiten. Das möchten wir nun ändern. Wir holen sie wieder aus den Tiefen des Internets hoch und bringen sie in Form. Diesen Reisebericht über unsere erste lange Reise mit den Kindern schieb ich für das Buch: Mit Kindern die Welt entdecken: Ein Reisehandbuch
von Christine Sinterhauf.
Die beiden langen Live Berichte USA folgen morgen. Ich finde den Vergleich sehr schön: zum einen der Bericht, der Jahre nach der Tour verfasst wurde, zum anderen die täglichen Reiseeindrücke, die die Realität direkt wiedergeben.
Abenteuer Roadtrip mit drei Kleinkindern
In jungen Jahren nutzten wir jeden sich bietenden, längeren Urlaub um den Westen der USA zu bereisen. Doch irgendwann war die Zeit für Kinder gekommen, und wir beschäftigten uns mehr mit Windel wechseln und ähnlichen Dingen. Lange Zeit kam nicht einmal der Gedanke an eine Reise auf. Wir waren einfach zu sehr beschäftigt. Nach dem dritten Kind war unsere Familienplanung soweit abgeschlossen. Endlich einmal keine Schwangerschaft, die die Sache erschweren würde, und dann der Glücksfall, dass mein Mann seinen Job verlor. (Ja, richtig gelesen – man sollte Gelegenheiten nutzen, wenn sie kommen). Unser Ältester war zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alt, der Schulbesuch abzusehen – also die Freiheit noch schnell nutzen. So kam es, dass wir volle drei Monate mit drei Kleinkindern durch die USA und Kanada reisten.
Leuchtturm in Oregon, USA – die meisten der Bilder dieses Artikes sind gescannten Dias
Zum ersten Mal mit dem Wohnmobil unterwegs
Bei unseren früheren Reisen in den USA waren wir mit dem Auto unterwegs gewesen. Das ständige Ein- und Auspacken war mir in negativer Erinnerung geblieben, vor allem, wenn wir mit dem Zelt unterwegs gereist waren. Mit dem Gepäck einer 5-köpfigen Familie im Hinterkopf, stellte ich den Erholungswert einer Autoreise sehr in Frage. Mein Bruder war kurz zuvor mit einem Miet-Wohnmobil in Kanada unterwegs gewesen, und schwärmte von den Vorteilen dieser Reiseart. Einmal die Koffer auspacken, immer auf die Sachen in den Schränken Zugriff haben, immer im gleichen Bett schlafen, egal wo man ist: und allezeit eine Toilette in Reichweite haben – ein sehr überzeugendes Argument, war doch Noah gerade aus dem Windelalter heraus und Amy noch voll drin. Wir buchten für die Vorsaison und bekamen ein supergünstiges Mietangebot über die gesamten drei Monate.
Reisegepäck für eine Familie
Beim Packen realisierte ich zum ersten Mal, was wir da vorhatten. Noch nie waren wir länger mit den Kindern unterwegs gewesen. Entsprechend chaotisch und unsicher gestalteten sich die Vorbereitungen. Es gab viel Gepäck: Spielzeug und Windeln, extra Klamotten für alle möglichen Witterungsverhältnisse, Bücher für die Kinder und die Rückentrage für Amy, unsere Jüngste.Ganz zu schweigen von unserer Fotoausrüstung und den Stativen.
Windpocken kurz vor der Abreise
Drei Wochen vor der Reise fingen sich Esra und Noah die Windpocken ein. Jetzt begann das Zittern: würde Amy sie auch noch bekommen? Natürlich! Zehn Tage vor dem Flug sah Amy wie ein Streuselkuchen aus. Kurz vor Reisebeginn besorgten wir uns vom Arzt ein Gesundheitszeugnis, denn Amy war zwar wieder halbwegs munter und nicht mehr ansteckend, hatte aber noch alle Pusteln, vor allem im Gesicht. Dass das auch Vorteile haben kann merkten wir bald. Am Flughafen und im Flugzeug hatten wir relativ viel Freiraum, da die Leute Abstand hielten.
Kleinkinder und Flug – müde Eltern vorprogrammiert
Der Flug war anstrengend, weniger für die Kinder, denn die schliefen, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. Wir waren als umsorgende Betreuungspersonen die ganze Zeit gefragt, und doch selbst auch hundemüde. Trotzdem erreichten wir ohne Probleme San Francisco. Herrlich, im Sonnenschein in dieser wunderschönen Stadt anzukommen.
Das Wohnmobil hatten wir direkt in der Stadt für die erste Nacht gemietet. Wir durften also drinnen schlafen und uns eingewöhnen, aber versicherungsbedingt erst am nächsten Tag damit fahren. Der Service des Vermieters versorgte uns nicht, wie im Prospekt angekündigt, mit den nötigen Lebensmitteln. Der nächste Supermarkt viel zu weit weg. Selbst kann man ja mal Hunger leiden, aber mit kleinen Kindern funktioniert das nicht. Glücklicherweise haben wir Freunde in der Stadt, und die brachten uns spätabends noch Hamburger und Pommes frites.
Fenster in Fort Ross, einem ehemals russischen Handels-Stützpunkt in Kalifornien
Fünfmal Jetlag Disharmonie
Aufgrund der Erfahrungen früherer Reisen waren wir auf Jetlag eingestellt. Diesmal gestaltete sich die Sache aber ausgesprochen hartnäckig. Fünf Jetlags, die nicht harmonierten. Die Kleinen schliefen in Schichten, einer war immer wach. Wir waren nahe dran, nach zwei Wochen Schlafentzug die Reise hinzuschmeißen, als sich endlich der normale Schlafrhythmus wieder einstellte. Die Kinder hatten in dieser Eingewöhnungszeit überhaupt keine Probleme. Sie konnten, dank Wohnmobil, ja fast immer schlafen. Wir Eltern krochen dafür auf dem Zahnfleisch. Und wir stellten uns arme Eltern vor, die nach drei Wochen Urlaub völlig erschöpft nach Hause zurück müssen. Ha, wir hatten es gut. Nach diesen anstrengenden 14 Tagen fing die Reise ja erst richtig an.
Alltag mit dem Wohnmobil in USA
Wohnmobilreisealltag
Wir hatten uns schnell an das Wohnmobilleben gewöhnt und unsere Routine gefunden. All unser Gepäck hatte seinen Platz eingenommen, so dass es auch wiederauffindbar war. Das Fahren mit dem knapp acht Meter langen Vehikel ging erstaunlich leicht von der Hand, zumindest wenn man sich von Innenstädten fernhielt.
In Städten war es mit den Kindern sowieso zu stressig. Zu viele Autos, Geschäfte in denen man ruhig sein musste, zu viel Trubel. Wir lernten das alle schnell, und besuchten Städte später nur noch sehr sporadisch und relativ kurz; wenn es denn sein musste. Die Natur tat den Kindern und der Familie am besten. Und so konnte ich mich auf meine Fotografie ebenfalls ausgezeichnet konzentrieren.
Von San Francisco nach San Diego
Von San Francisco aus starteten wir Richtung Norden. Zum ersten Mal kamen die Kinder mit dem Meer in Berührung. Sie liebten es – die Strände waren weit, und so viel Sand hatten die begeisterten Drei noch nie auf einmal gesehen. Wir machten Abends meist mit selbst gesammelten Strandgut Feuer. Was für ein Abenteuer!
Redwoodbäume im Küstennebel, Nordkalifornien
Wir waren schon immer sehr spontan, das kam uns nun sehr entgegen, denn gerade mit kleinen Kindern sollte man nicht so viel vorausplanen. Es ist besser, zu sehen, was geht und was zu viel ist. Zwei Ziele hatten wir uns trotzdem vorgenommen: San Diego und Vancouver. Wir bewegten uns nach der kleinen Nordschleife an der Küste entlang Richtung Süden, wobei wir an Orten, die uns gefielen, verweilten. Zurückblickend hätten wir noch öfter und länger verweilen können. Viel Zeit zu haben ist gewöhnungsbedürftig.
Die Kinder verpassten oft schlafend die schönsten Straßen, so z.B. die Küstenstraße nach Big Sur. Wir legten die Fahrten immer absichtlich auf die Mittagsschlafenszeit der Kinder, so waren sie morgens und abends für kleinere Wanderungen ausgeruht. In Big Sur erkundeten wir die faszinierenden Redwood-Wälder. Das Wohnmobil hat den großen Vorteil, dass wir in den allerschönsten Gegenden übernachten konnten. Morgens und abends befanden wir uns mitten in der Natur, und nicht wie bei Motelreisen an großen Straßen. Die Ruhe zwischen den Mammutbäumen war Balsam für die Seele.
Küste nach Sonnenuntergang, südlich von San Francisco
Gefahren der wilden Natur
Im Gegensatz zu den meisten Vätern haben Mütter immer die Gefahren, die auf kleine Kinder lauern, im Blick. Nie zuvor war mir bewußt geworden, wie gefährlich es in den USA, vor allem für Kinder, sein kann. Es gab Warnschilder vor dem Cougar, dem Berglöwen, der ohne Vorwarnung die Kleinsten in der Gruppe angreift. Man sollte während einer Wanderung auf Kinder aufpassen, und geräuschvoll unterwegs sein. Bisher hatten wir die Kinder immer darum gebeten ruhig zu sein im Wald, damit wir Tiere sehen und hören können. Jetzt baten wir sie darum etwas lauter zu sein. Wir ernteten leichte Verwunderung von Seiten der Kinder, sie meisterten jedoch diese Aufgabe mit Bravour. Es stellte sich ein Abenteurergefühl bei uns allen ein, und wir arbeiteten als Familie perfekt zusammen. Den Cougar sahen wir dann schließlich doch noch, leider nur ausgestopft im Museum.
Esra, Gunter und Amy treffen einen Puma – im Visitor Center
In den USA gibt es auch allerlei giftige Pflanzen, Krabbel- und Kriechgetier, was einem erwachsenen Reisenden keine Probleme bereitet, wenn man weiß was man meiden soll. Für Kinder müssen die Eltern mit aufpassen, was bei uns relativ gut funktionierte. Dummerweise hatte ich ein Buch über die giftige Fauna und Flora des Südwestens dabei, nach dessen Lektüre man überall Gefahren lauern sah. Später auf der Reise fiel mir auf, dass selbst Amerikaner, die ihr Leben lang mit ihren Kindern unfallfrei Campingurlaub gemacht hatten, nicht alle Gefahren kannten. Man sollte sich also von Büchern nicht zu sehr verunsichern lassen.
Bachlauf bei Sol Duc im Olympic National Park, Washington. Ideal zum Spielen
Kinder brauchen Spielplätze, Parks und Bewegung
Die Küste wurde immer bevölkerungsreicher, je weiter wir Richtung San Diego kamen. So suchten wir zeitweise lange nach schönen Stränden, und am Wochenende kam uns unsere Spontaneität in die Quere. Küstennahe Campingplätze erforderten eine Reservierungen. Alternativ suchten wir dann Familiencampingplätze in den Bergen, und die Kinder tobten ausgiebig auf den Spielplätzen herum, die es in den USA nur in XXL-Größe gibt. Die Kinder waren absolut begeistert auf echten Dampf-Loks und „richtigem“ Gerät zu spielen.
In San Diego besuchten wir Sea World. Sammelt man die Rabatt-Coupons, die überall auf Campingplätzen herumliegen, kann man beim Eintritt viel Geld sparen. Trotz der Ersparnis war der Park für uns, mit drei Kindern, immer noch teuer. Und leider waren Amy und Noah noch so klein, dass sie die meisten Attraktionen gar nicht benutzen durften. Es gab einige Shows, Vorführungen mit Tieren, mal lustig, mal lehrreich. Und Delfine konnten wir füttern, was das Highlight für die ganze Familie war.
Küstenabschnitt in Oregon, ein riesiger Abenteuerspielplatz
In Stadtnähe fanden wir oft Campingplätze mit Schwimmbädern. Nach ausgiebigem Plantschen in denselben wurden die Kinder richtig müde und schliefen nachher immer gut. Pools waren auch immer dann äußerst beliebt, wenn die Fahrt länger als die angestrebten drei Stunden dauerte, um die eingerosteten Knochen wieder auf Trab zu bringen.
Joshua Trees im gleichnamigen National Monument
Wüsten und Klapperschlangen
Nach dem Aufenthalt in San Diego fuhren wir Richtung Osten ins Landesinnere. Die Hitze in der Wüste war im April gerade noch erträglich, aber ohne Klimaanlage wären wir in unserem Wohnmobil dennoch des öfteren gewaltig ins Schwitzen gekommen.
Was die berühmt-berüchtigten Klapperschlangen betraf, vertraute ich darauf, dass die Schlangen noch ihren Winterschlaf hielten. Nur einmal hörten wir eine Klapperschlange klappern. Zu Gesicht bekamen wir sie aber nicht.
In Joshua Tree National Park campierten wir inmitten der außergewöhnlichen Wälder. Die Joshua Trees sehen so ganz anders aus als die Redwoods, mehr wie verbogene Kerzenhalter, doch diese Bäume werden auch bis zu 1000 Jahre alt.
Sternenhimmel über dem Joshua Tree National Monument
Las Vegas durchquerten wir auf der kürzestmöglichen Route, die Kinder waren für Casinos definitiv zu jung. Und auf Stadt hatte sowieso keiner Lust. Wir fuhren weiter, bis die öde Wüste plötzlich von roten Felsformationen abgelöst wurde. Grauer Kalkstein und roter Sandstein ergaben wunderbare und abwechslungsreiche Muster und vor allem Abends sah es aus, als stünde das Tal in Flammen, daher auch der Name. Wir waren im „Valley of Fire“ angelangt.
Auf dem Stellplatz des Stateparks hatte Amy nichts besseres zu tun, als ihre Ärmchen in alle möglichen Felslöcher zu stecken. Der Ranger vor Ort erzählte uns später, dass die Wüste im Grunde recht ungefährlich sei. Nur vor den Felslöchern sollte man sich hüten, darin würden oft Klapperschlangen hausen.
Die Reicherts im Bryce Canyon
Die großen Nationalparks der Rocky Mountains
In Utah erwanderten wir mit den mittlerweile gut lauf-trainierten Kindern den Zion National Park und genossen dort die Canyons und das frische Grün der Bäume.
Weiter ging es zum Grand Canyon. Es war ja noch sehr früh im Jahr und kaum Touristen unterwegs, aber es lag auch noch teilweise Schnee und es war kalt. Wir waren beeindruckt von der Weite und Tiefe des Canyons mit seinen unterschiedlichen Rottönen im weichen Abendlicht. Amy saß in der Rückentrage, die beiden Jungs hielten wir fest an den Händen. Gemeinsam erfreuten wir uns an der Stille, die uns umgab, und wurde selbst ganz ruhig.
Richtung Süden in Arizona besuchten wir wieder wärmere Gegenden. Viele Amerikaner hatten uns Sedona empfohlen, weswegen wir einen Umweg fuhren über eine enge, gewundene Straße in das Tal. Wir merkten jedoch schnell, dass das nichts für Familien mit Kindern ist. Hier gab es richtiges Touristenabenteuer: Hubschrauberflüge und Ausflüge mit Allradfahrzeugen in die Wüste waren nicht nur zu teuer, drei Fünftel der Reicherts waren für solche Sachen in jedem Fall noch zu jung. Wir begnügten uns mit Abenteuern in XS-Format.
Im nächsten Nationalpark, dem Bryce Canyon, wanderten wir sofort nach der Ankunft los. Es war ein großartiges Gefühl zwischen diesen riesigen Hoodoos (Pfeiler aus Stein) hindurch zu laufen. In den Canyon kamen wir schnell hinein, auf dem Rückweg zum Mobil machte sich jedoch die Höhenlage des Bryce Canyons deutlich bemerkbar. Bei 3000 Metern über dem Meeresspiegel kamen wir ganz schön außer Atem, speziell mit Amy in der Rückentrage.
Unten im Antelope Canyon, Page, Arizona
Im Bauch der Erde – der Antelope Canyon
Ein absolutes Highlight war es, den Antelope Canyon im Navajo Gebiet bei Page zu besuchen. Wir sind da eher zufällig draufgestoßen, was ein Glück. Jeder Fotograf hat davon schon Fotos gesehen, und so etwas will man dann auch gerne selbst erleben und fotografieren. Ein Führer brachte uns zum kaum zu erkennenden Eingang des langen Canyons. Wir quetschten uns durch den engen Spalt. Auf Leitern ging es nach unten und es blieb eng. Man quetscht sich sozusagen durch, und eine faszinierende unwirkliche Welt eröffnet sich einem. Vom Antelope Canyon geht etwas ehrfürchtiges aus. Er ist am ehesten mit einer Kathedrale vergleichbar. Die wenigen Lichtstrahlen, die es bis zum Canyonboden schaffen, lassen sich durch Staubwerfen sichtbar machen. Das ließen sich die Kinder nicht zweimal sagen. Nur mit dem Aufhören der Staubwerferei gab es Probleme.
Familienverpflegung unterwegs
Da wir zu Beginn der Reise das Kochen auf engem Raum im Wohnmobil noch nicht gewohnt waren, gingen wir des öfteren in Restaurants essen. Nach einer Weile war das nervig: es kostete viel, die Kinder aßen ihnen unbekanntes Essen ungern oder gar nicht, es dauerte oft lange, bis wir ein Restaurant fanden, bestellt und gegessen hatten. Die Auswahl an Restaurants, welche uns zugesagt hätten, war zudem dürftig: in den ganz billigen schmeckte das Essen nicht, und in den besseren, feineren Restaurants waren wir als Familie, mit den sehr kleinen Kindern oft nicht unbedingt gern gesehen. Da lächelten die Bedienungen erst, wenn wir das Gebäude wieder verließen, obwohl die Kids sich ruhig verhalten hatten.
Das Reh im Zion National Park sieht durch den Fellwechsel etwas gerupft aus
Deshalb gingen wir nach ein paar Wochen dazu über unsere Mahlzeiten fast ausschließlich selbst zu kochen. Da es günstiger war, stiegen wir nach einer Weile auf mexikanische Küche um, denn Bean-Burritos, Tortillas und Chili con Carne sind nahrhaft und schnell zuzubereiten. Als Tipp kann ich Eltern raten, neue Gerichte dann auszuprobieren, wenn die Kinder wirklich hungrig sind. Das klappt immer gut.
Brot war auch problematisch. In den USA gibt es kaum gutes Brot. Im Wohnmobil hatten wir keinen Toaster, und ungetoastet schmeckte es uns nicht. Wir rösteten das Brot schließlich mit Butter in der Pfanne. Das ging schnell und das Brot wurde dabei schön knusprig. Nur der Feueralarm ging dabei regelmäßig los. Wir gewöhnten uns sehr schnell daran, beim Kochen und Toasten den Feuermelder ins Bett unter die Decke zu stecken. Somit hatten wir oft abends noch mal unseren Spaß, wenn Gunter sich wieder einmal zum Schlafen auf dem Feuermelder niedergelassen hatte.
In den frühen Abendstunden grillten wir häufig über offenem Lagerfeuer. Was sich so idyllisch anhört gestaltete sich oft chaotisch. Nach einer Wanderung haben Kinder Hunger, und zwar sofort. Hektisch grillen kann man aber nicht. Diese kritische Situation hatte jedoch auch ihre Vorteile: wir kamen leicht mit unseren Campingnachbarn ins Gespräch, durften über deren Feuer grillen, oder wurden von den äußerst kinderlieben Amerikanern zu verschmorten Marshmallows eingeladen.
Bemooste und flechtenbehangene Bäume im Rockport Statepark, Washington
Yellowstone und danach ein mystischer Regenwald
Auf unserem weiteren Weg in den Norden besuchten wir Freunde in Idaho. Unsere Kinder nutzten das üppige Platzangebot und tobten die ganze Zeit in Haus und Garten herum.
Auf unserem Weg zum Yellowstone Nationalpark lagen noch einige interessante Stateparks, wie Craters of the Moon, wo wir einen Vulkan hinauf wanderten.
Wir sahen imposante Wasserfälle, und fuhren im Schnee über Bergpässe. Kurz vor Yellowstone dann eine ganz neue Erfahrung. Wir fuhren über ein Metallteil auf der Straße und es machte laut pffffffff. Ein Hinterreifen war platt. So waren wir gezwungen in dieser Nacht irgendwo mitten im „Nichts“ zu übernachten. Am nächsten Morgen fanden wir glücklicherweise schnell eine kleine Tankstelle, die den Reifen wechseln konnte. Für die Kinder war sogar das hochinteressant. Danach besuchten wir schneebedingt auf großen Umwegen, den ältesten Nationalpark der USA: Yellowstone! Ende April hatten wir den Park noch fast für uns alleine. Abgesehen von den vielen Tieren, die uns andauernd über den Weg liefen. Wir sahen Bisons, Kojoten, Rehe, viele Vögel, natürlich auch die Geysire, Schlammvulkane, Sinterterrassen und viele weitere Naturattraktionen. Auch hier trafen wir beim Wandern und auf dem Campingplatz auf nette, naturliebende Menschen und führten sehr interessante Gespräche.
Weiter gegen Norden erlebten wir ganz unerwartet das absolute Highlight unserer Reise: der Regenwald bei Rockport in Washington. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Wir fuhren von der Hauptstraße ab in den kleinen Statepark und plötzlich war alles grün, aber richtig! Jeder Zentimeter in diesem Wald war GRÜN, und die Bäume gigantisch in ihren Ausmaßen. Wir fühlten uns wie in einem Märchenwald. Die einzige leichte Unannehmlichkeit war, es regnete in diesem Statepark im Durchschnitt 16 Stunden pro Tag, und die Statistik tat zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts ihr bestes, um diesen Wert noch zu übertreffen.
Kalter Regenwald im Rockport State Park, Washington
Abstecher nach Kanada: Victoria und Vancouver Island
Langsam wurde es dann Zeit sich wieder Richtung Küste zu orientieren, wir sehnten uns nach dem Meer. In Viktoria auf Vancouver Island besuchten wir Freunde. Es tat richtig gut sich für eine Weile bekochen und Sehenswürdigkeiten zeigen zu lassen. Aber die Kinder vermissten nach wenigen Tagen die Ruhe und den Schlaf, den sie im Wohnmobil gewohnt waren. So eine Reiseroutine, ist sie erst mal gefunden, kann richtig entspannend sein! Wir erkundeten noch die Insel und gingen in Tofino auf Waltour, was mit so jungen Kindern nicht einfach war. Wir sahen zwar keine Wale aber Bären, die am Strand nach Krebsen suchten.
Jetzt führte uns der Weg entlang der Westküste der USA wieder Richtung San Francisco. In Oregon hatten wir an der Küste leider nur Regen, aber dafür ist die Gegend ja berühmt.
Esra und Noah am Neptun Beach in Oregon
Das bißchen Haushalt: Duschen und Wäschewaschen
Nach einer langen Zeit im Mobil und auf Campingplätzen sehnt man sich dann doch nach einer Dusche in einem warmen Haus. Wir machten unterwegs die unterschiedlichsten Duscherfahrungen, über die man sich hinterher amüsiert. In den USA gibt es leider sehr oft Klimaanlagen, die auch dann laufen, wenn es gar nicht warm ist. Brrr. Es ist sehr unangenehm in einer kleinen Duschkabine zu stehen, wenn die Klimaanlage von oben auf die nasse Haut bläst. Oftmals kam nur ein kleiner Wasserstrahl aus dem Duschkopf, und man hatte Mühe, die Seife auf der Haut wieder los zu werden. Aber die Duschen mit den Gummivorhängen waren die schlimmsten. Öffnete jemand die Tür des Gebäudes, drückte der Luftzug den nicht ganz hygienischen Vorhang auf ganzer Körperlänge auf die frischgewaschene Haut. Sehr angenehm! Steigern lässt sich der Spaß noch, indem man die Kinder mit zum Duschen nimmt. Eine besonders komische Situation ergab sich einmal als ich mit meiner eineinhalbjährigen Tochter Amy duschte, sie mit dem Handtuch Richtung Klo lief und es in die Schüssel stopfte, während ich noch splitternackt und nass in der engen Kabine stand. Im prüden Amerika stand Nachrennen außer Frage….
Große Campingplätze besuchten wir mindestens einmal pro Woche. Eine fünfköpfige Familie mit Kindern unter einem Meter produziert einen wahnsinnig großen Wäscheberg, wenn sie täglich in der Natur und an Stränden unterwegs ist. Damit die nasse Kleidung im engen Mobil nicht irgendwann anfing zu gammeln, suchten wir regelmäßig eine Waschgelegenheit auf. Aber auch bei dieser eher langweiligen aber notwendigen Tätigkeit trafen wir nette Menschen, führten gute Gespräche und lernten so interessantes über Land und Leute kennen.
Redwoodbäume und Farne in Nordkalifornien
Kinder sind von Natur aus neugierig
Wir erforschten die atemberaubenden Strände und Landschaften entlang der Küste und trafen unterwegs noch Freunde, die wir per Email kennen gelernt hatten. Im Norden von Kalifornien waren wir am meisten von den Redwood-Wäldern beeindruckt. Die riesigen Bäume werden uns für immer in Erinnerung bleiben. Für die Kinder war jeder noch so kleine Bach ein Erlebnis. Dort konnten wir fotografieren und die Kinder Steine werfen. Mein Sohn Esra befand sich damals im „Wieso-Weshalb-Warum-Alter“ und es erstaunte mich selbst, wie anregend seinen Fragen für mich waren: „Wer hat denn die Steine so schlecht hierher gelegt? (Weil er manchmal nicht weiter kam) Wie hat die Natur die Steine hingelegt? Warum geht der Wasserläufer nicht unter? Schläft er unter oder über Wasser? Wo kommt das Wasser her, und wie lange ist es schon da?“
Multnomah Falls in Oregon
Und immer zogen wir weiter, auch als alle Schuhe und Hosen schon nass waren, was auch bei ganz winzigen Bächen mit ganz wenig Wasser, und immerzu funktionierte.
Jean Liedloff und Gabi Reichert im Gespräch
Ganz entspannt verbrachten wir die letzte Woche der langen Reise bei Freunden in San Francisco. Erschöpft von den Erlebnisse waren wir glücklich damit, Filme im Fernsehen anzusehen, auf dem Sofa zu liegen und keine Besichtigungen mehr zu unternehmen.
Blick vom Mount Diabolo Richtung San Francisco in die Nachmittagssonne
Nordspanien, vier sehenswerte Leuchttürme in Galizien
Faro de Corrubedo
Pontevedra, ein Wohnmobil-Alptraum
Unsere Essenvorräte stehen immer noch auf Reserve, als wir sonntags durch Vigo gekommen sind, waren leider alle Geschäfte und Supermärkte dicht. Die nächst größere Stadt auf unserer Route ist Pontevedra, unser Navi zeigt auch ein Einkaufszentrum an. Hin kommen wir problemlos auf der gut ausgebauten Schnellstraße.
Der Ärger beginnt mit dem Verlassen der Schnellstraße. Portevedra ist auf unzähligen Hügeln erbaut, die Straßen gewunden, steil und eng. Gegen so was hilft auch keine Modernisierung der Infrastruktur. Eng ist eng, man kann ja schlecht die Häuser wegschieben. Endlich erreichen wir das Einkaufszentrum. Es wirkt verlassen und heruntergekommen, die Zufahrten sind auch noch höhenbeschränkt, für uns gibt es also keine Parkmöglichkeit. Auch in der Nähe haben wir keine Chance, unser Wohnmobil zu parken. Dann nix wie raus hier. Auf der Suche nach der Schnellstraße verheddern wir uns mehr und mehr in den engen, steilen Gassen und müssen höllisch aufpassen, nicht stecken zu bleiben.
Die Nerven liegen blank von der ganzen Herumgurkerei, und wir haben so was von die Schnauze voll, dass wir am liebsten die ganze Tour abbrechen würden.
Jetzt nichts wie raus in etwas weniger belebte Landstriche. Etliche Kilometer weiter nördlich biegen wir Richung Ribeira ab, dort steht in den Dünen von Corrubedo ein weiterer Leuchtturm, der sich gut in unsere Sammlung einreihen könnte.
Faro de Corrubedo mit Hausruine
Leuchtturm-Hopping
Der Faro de Corrubedo liegt am Ender einer langen, schnurgeraden Straße. Der 1854 erbaute Turm ist zwar nur 14 Meter hoch, macht aber mit seinem runden Unterbau eine gute Figur. Das Herumklettern in den Küstenfelsen hebt unsere Laune wieder, nur der eintönig blaue Himmel nervt das Fotografenherz. Prima zum Sonnenbaden, aber schlecht für Bilder.
Unser Tagesziel ist der Faro de Punta Insua in Lariño. Die Fahrt über Landstraßen zieht sich dahin. Am Leuchtturm angekommen, gibt es keine Parkplätze mehr. Etliche Camper hängen kreuz und quer an den Rändern der löchrigen Sandwege. Wir trauen uns mit unserem schweren Mobil da nicht hinein, zu leicht kann man sich da festfahren.
Wellen am Faro de Punta Insua
Zwei Kilometer südlich am anderen Ende des Playa de Lariño ergattern wir einen der wenigen freien Stellplätze der Campinganlage Ancoradoiro, und dürfen dafür den zwei Kilometer langen Strand über Sand und durch Armeen von Sandflöhen zurück zum Leuchtturm laufen. Wir fotografieren bis die Sonne untergegangen ist und kehren in der Dämmerung zurück. Weit nach Sonnenuntergang krabbeln wir erschöpft mit schweren Beinen in unser Wohnmobil.
Noch mehr Leuchttürme und ein Übernachtungsplatz am Ende der Welt
Was uns bei Laune hält ist die Tatsache, das nun jeder Kilometer ein Kilometer näher an der Heimat ist. Aber zwischen Galizien und Bubenheim hat das Schicksal noch ein paar Leuchttürme hingesetzt.
Der Faro de Finisterre ist das Endziel des Pilgerweges. Als wir da waren, im Gerüstkleid.
Der Faro de Fisterra ist heute leider wenig fotogen, ein Baugerüst verunstaltet den Turm. Er wird uns trotzdem lange in Erinnerung bleiben, weil Gunter schusseligerweise unser teures Carbonstativ auf dem Vorplatz stehengelassen hat. Zehn Minuten später ist es ihm glühend heiß eingefallen und er ist zurückgehetzt. Trotz der vielen Touristen stand unser Stativ noch an seinem Platz. Das ist gerade noch mal gut gegangen.
Am Faro de Cabo Vilán haben wir uns länger aufgehalten. Das Womo haben wir unten an einer Meeresfarm abgestellt und uns zu Fuß zum Leuchtturm auf dem Berg aufgemacht. Der Leuchtturm steht ziemlich unzugänglich für Touristen auf der Spitze einer Felsklippe und ist mit einer Betonröhre mit dem Leuchtwärterhaus verbunden. Die dient als Windschutz gegen schlechtes Wetter. Hier können wir nach Herzenslust in den Klippen und auf dem Vorberg herumklettern. Ein einziges weiteres Touristenpaar war noch unterwegs, ansonsten nur wohltuende Einsamkeit.
Am Faro de Cabo Vilán
Faro de Cabo Vilan mit Wärterhaus und Klippen. Der Zugang zum Turm ist sturmgeschützt
Übernachten wollen wir in Mordomo, weilin unserer Wohnmobilstellplatz App ein super Stellplatz drinnen war. Auf der Fahrt dorthin zieht sich der Himmel zu, die Straßen werden eng und holprig, und dann führt ein schnurgerader Weg weit hinaus in die Einsamkeit. Am Arsch der Welt stehen wir mutterseelenallein auf einem große Parkplatz. Die wenigen lichtlosen Häuser tragen kaum zur Wohnlichkeit bei. Gabi versucht einen Strandspaziergang, wird aber von Sandflöhen (die eigentlich kleine Krebse sind) förmlich überflutet. Massiv dunkle Wolken verstärken die triste Stimmung. Mordomo klingt ein wenig nach Mordor, und so fühlt sich es auch an.
Mordomo, der Himmel hat sich zugezogen
Bucht bei Mordomo, Sandflöhe haben momentan Hochsaison
Der Strand ist bequem per Holzweg zu erreichen
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
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Durch das südliche Galizien, Leuchttürme, Wellen und lichte Wälder
Über die portugiesisch-spanische Grenze nach Galizien
Die drei ruhigen Tage in Cerveira haben uns gut getan. Trotzdem fühlen sich unsere Kreativ-Batterien ziemlich leer an. Wir wollen jetzt zügig Richtung Heimat vorankommen und Nordspanien nur beschnuppern. Ein andermal werden wir noch besser vorbereitet und frisch zurückkehren und Nordspanien gebührend ausführlich bereisen. Hier sozusagen unser erster Eindruck von Galizien.
Heftige Brandung an der galizischen Küste
Wellen, Leuchttürme, aber nix zum Einkaufen
Am Sonntag Mittag fahren wir los, überqueren den Rio Miño und folgen dem Fluss Richtung Küste. Wir wollen nicht zu spät in Vigo eintreffen, um Vorrat einzukaufen und eine Daten-SIM-Card fürs Internet zu besorgen. Laut Internet haben die Einkaufszentren dort auch sonntags offen.
Die Küstenstraße führt zuerst durch lichte Wälder, bis sie endlich den Blick auf das Meer freigibt. Der Tag ist sonnig und wolkenlos, ein leichter Wind mildert die Kraft der spanischen Sonne. Trotzdem rollen mächtige Wellen mit donnerndem Getöse gegen die Felsenküste an. Das Licht ist besonders weich, Fernsicht aufgrund der Gischt kaum vorhanden.
Faro de Cabo Silleiro
Wir klemmen schnell unser Mobil in die nächstbeste Parkgelegenheit und laufen los. Das Kamerafieber hat uns bei diesem Anblick sofort wieder voll gepackt. Wir fotografieren Wellen und staunen über diese Küste. Es ist extrem viele Radfahrer unterwegs.
Den zweiten Stopp machen wir nach nur wenigen Kilometern, wir halten am Cabo Silleiro und laufen die Zufahrtsstraße hoch zum neuen Leuchtturm. Gunter würde gern mit dem Mobil, mir ist die Straße zu eng und ein Fußmarsch tut uns eh gut.
Der 1924 in Betrieb gegangene, 30 Meter hohe neue Faro de Cabo Silleiro thront 85 Meter hoch am Berghang und ersetzt den alten Faro Vello de Silleiro von 1862, der unscheinbar auf den Küstenfelsen sitzt.
Oben am Berg kämpfen wir uns durch dorniges Gebüsch und haben einen hervorragenden Blick auf den Leuchtturm.
Der Faro de Cabo Silleiro
Eine Calla in freier Natur
Beim Überqueren der Straße müssen wir aufpassen. Immer wieder radlen Gruppen von Rennradfahrern an uns vorbei. Wir fotografieren Wellen und klettern einige Meter hinunter zu den Felsen. Einer der Radfahrer warnt uns vor den hohen Wellen. Wir sollen vorsichtig sein.
Die Küste ist steinig, das Meer wild
Bayona
Kurz darauf kommen wir durch Bayona, eine helle, attraktive Kleinstadt. Nur leider völlig überfüllt mit Sonntagsausflüglern. Irgend ein Fest scheinen die zu feiern. Wir finden keinen Parkplatz, sonst hätten wir uns das mal angesehen. Hinter Bayona rasten wir am Meer, dann gehts nach Vigo.
Die Gegend wird immer besiedelter, und als wir in Vigo eintreffen, fühlen wir uns mittendrin in einer Großstadt. Aber mit dem Einkaufen wird es nichts, alle Geschäfte und Shopping-Zentren haben geschlossen, die Innenstadt wirkt wir ausgestorben. So viel zu den propagierten Öffnungszeigen im Internet. Gefrustet fahren wir weiter auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz.
Die bergige Halbinsel mit den drei Leuchttürmen
Hier im Südwesten Galiziens ragen mehrere gebirgige Halbinseln in den Atlantik. Die sind aber keineswegs wild und einsam. Überall an den Küstenhängen kleben Häuser, es wirkt unglaublich zersiedelt.
Wir biegen ab Richtung Cangas und wollen an die südwestliche Spitze zu den dortigen drei Leuchttürmen. Die anfänglich autobahnmäßig breite Straße wird gegen Ende immer enger, in Donón ist es dann so steil und eng, daß wir kaum durchkommen. Das letzte Stück Weg zu den Stränden und Leuchttürmen ist einspurig und geschottert, das ist leider nichts für Wohnmobile. Parken können wir leider auch nicht. Als wir rausfahren wird es noch enger, fast müssen wir die Spiegel einklappen, damit wir durch die Gassen kommen.
Enge Gasse in Cangas – das ist eine Straße für Autos!
Für die Übernachtung haben wir uns in O Hio einen kleinen Campingplatz ausgesucht, da fahren wir hin und stellen unser Mobil ab. Die Zufahrt ist so steil, dass wir Bedenken haben, da wieder hinaufzukommen. Wir holen die Fahrräder raus, schnallen die Kamerarucksäcke auf den Rücken und radeln los Richtung Donón.
Oh Mann, da haben wir uns was vorgenommen. Zwischen den bewaldeten Hügeln steht die Luft, die Sonne brennt heiß und es geht schweißtreibend kilometerlang nur steil den Berg hinauf, und dann wieder hinab. Der Luftzug bei der Abfahrt reicht kaum zur Abkühlung. Als wir Donón erreichen, sind wir fix und fertig. Die paar Kilometer staubige Schotterpiste sind dagegen fast eine Erholung. Naja, jedenfalls, bis es auch da steil wird.
Der Faro de Punta Subrido
Na wenigstens ist es am Ende der Straße um den Praia de Melide landschaftlich schön, die Anstrengung hat sich gelohnt. Das warme Licht des späten Nachmittags hat die grelle Mittagssonne abgelöst. Der Himmel ist strahlend blau, ein paar Wölkchen würden ihm aber gut tun.
Drei Leuchttürme leiten hier die Schiffe zwischen dem Festland und den vorgelagerten Inseln in die Bucht von Vigo. Der Faro de Punta Subrido, der Faro de Punta Robaleira und der Faro de Cabo Home. Über mehr oder weniger schlechte Feldwege fahren wir die Leuchttürme an.
Blick auf das gleißende Meer
Bald sind die Speicherkarten voll und die Kamerabatterien erschöpft, die Sonne legt sich zur Ruhe, und wir machen uns auf den Rückweg. Da der anstrengende Rückweg mit gut über 10 km noch vor uns liegt beschließen wir den Sonnenuntergang nicht abzuwarten. Im Dunkeln möchte ich nicht unbedingt fahren. Ich bedauere es aber sehr, nicht zum besten Licht da sein zu können. Die Landschaft und die Leuchttürme sind grandios.
Wir schwingen uns wieder auf die Schotterpiste, diesmal steil bergan, fast drehen die Räder auf dem Schotter durch. Dann kommt erstmal dieser verflixte Berg. Ganz so schlimm ist der Rückweg aber nicht, ohne Sonne ist es merklich kühler, der lange Anstieg ist viel weniger erschöpfend. Und wir schaffen es ohne Abzusteigen trotz schwerem Fotogepäck auf dem Rücken.
Faro de Punta Robaleira
Zurück auf dem Campingplatz finden wir ein paar nette Engländer zum plaudern, bevor wir zu Abend essen und uns schlafen legen.
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
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Buch von Gabi Reichert – Spaziergang im Selztal
Wandern und Fotografieren in der Heimat
Kirschbaum im Herbst
Unsere Leser kennen mich nur als Reisefotografin mit Schwerpunktthema Meer. Auf unseren monatelangen Fototouren an den Küsten bin ich den ganzen Tag auf den Beinen. Im Schnitt laufe ich 10 Kilometer am Tag, bepackt mit Fotorucksack und Stativ. An manchen Tagen schaffe ich sogar das Dreifache. Die Bewegung tut mir gut. Ich fühle mich lebendig und frisch. Der menschliche Körper ist halt zum Laufen gemacht.
Baum und Weinberge
Am Ende der Reise warten zehntausende Fotos darauf, gesichtet und entwickelt zu werden. Viel zu viele Stunden Computerarbeit halten mich vom Laufen ab. Mein Körper rebelliert irgendwann, die Beine fordern Bewegung.
Dann schnappe ich unseren Dackel, laufe los und drehe ausgedehnte Runden um unseren Heimatort Bubenheim. Es erfrischt und belebt mich, jeden Tag ein paar Stunden draussen in der Natur zu sein und dabei die Schönheit und Ästhetik der Landschaft mit der Kamera einzufangen.
Sommergewitter
Schließlich nahm ich mir vor, über meine Heimat einen kleinen Bildband zu machen. Dafür habe ich Wege erkundet, die ich in den letzten 30 Jahren, die ich schon in Bubenheim wohne, noch nie gelaufen bin. Ich habe Anhöhen gefunden, die mir völlig neue Ausblicke aufgetan haben. Allein im Oktober 2017 habe ich über 200 Kilometer zu Fuß zurückgelegt – und etliche Kilometer zusätzlich mit dem Fahrrad.
Die besten Bilder stelle ich im 148 Seiten starken Bildband „Spaziergang im Selztal“ vor. Zur Einstimmung hier ein paar Fotos im Blog.
Eine letzte Traube
Weinlaub
Falls du ein Exemplar unseres Selztalbuches erwerben möchtest, schreib uns eine Email an gabi@5reicherts.com
Spaziergang im Selztal
von Gabi Reichert
148 Seiten
15,5 x 21,5 cm, aktuell gibt es die HARDCOVER-Version
€ 27,70.- inklusive Verpackung und Versand
und eine SOFTCOVER-Version
€ 22,70.- inklusive Verpackung und Versand