Außerhalb der Komfortzone, innerhalb der Stadtmauer von Obidos
Unter der strahlenden Morgensonne brechen wir von der Peniche-Halbinsel auf und lenken unser Wohnmobil Richtung Norden nach Nazaré. Auf der A8 erreichen wir schnell die Abfahrt nach Óbidos, einem mittelalterlichen Kleinod, welches von diversen Reiseführern als unbedingt sehenswert eingestuft wird.

Die Burg – Castelo de Obidos
Nach unseren stressigen Erfahrungen mit der Stadtbesichtigung in Sintra sind wir uns unsicher, ob wir uns das nochmal antun sollen. Aber das Städtchen ist relativ klein, und am Ortsrand finden wir problemlos den großzügig bemessenen, tagsüber kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz. Wenn das nur öfters mal so perfekt passen würde.
Ich tue mich öfters schwer damit, portugiesische Ortsnahmen einzuprägen, vor allem, weil wir ja andauernd uns neue Orte besuchen. Óbidos definiere ich einfach als »Veraltetes Baumarkt-Betriebssystem« und habe danach keine Probleme mehr, mich an den Ortsnamen zu erinnern.

Unser Wohnmobil auf dem Stellplatz in Óbidos

Mit dem Aquädukt wurde Óbidos früher mit Wasser versorgt
Ein echter Flohmarkt
Im Schatten des 1570 erbauten Äquadukts nähern wir uns Óbidos. Am Zufahrtsweg warten Pferdekutschen auf lauffaule Besucher.
Bevor wir aber den Ort durch die mittelalterliche Pforte betreten, weckt der sonntägliche Flohmarkt unsere Neugier. Es werden so gut wie keine Neuwaren angeboten, ich habe den Eindruck, dass hier die Inhalte aller Keller, Dachböden und Scheunen der Umgebung herangekarrt wurden. Zwischen rostbefallenem Werkzeug, Fotoknipsen aus den Sechzigern und Siebzigern, Schallplatten, Spielzeug, Unmengen von Geschirr und gebrauchter Kleidung würden Sammler bestimmt das ein oder andere interessante Stück finden. Die portugiesischen Anbieter handeln aber schlimmer als ein Scherenschleifer.
Wir sind leicht als Touristen erkennbar, vor allem, weil wir auf englisch handeln und somit willkommenes Ziel für überzogene Preise sind. Wir nehmen zwei Weingläser aus Kristallglas mit, müssen dafür mit Händen und Füßen kräftig handeln, um nicht über den Tisch gezogen zu werden.

Wehrgang auf der Stadtmauer

Blick von der Stadtmauer

EIn portugiesischer Kaffee im Schokowaffel-Becher, sehr umweltfreundlich
Auf der Mauer…
Nach diesem durchaus erfrischenden Intermezzo steuern wir auf das mächtige Portal zu, dem Haupteingang der vollständig von einer 500 Jahre alten Stadtmauer umgebenen Stadt.
Als wir aus dem Schatten des Portals wieder in den strahlenden Sonnenschein treten, begrüßt uns ein Heer von roten Ziegeldächern, weißen Häusern und blumengeschmückten Straßen. An der Seite führen Rampen und schwindelerregend steile Treppen hoch zum Wehrturm und auf die begehbare Stadtmauer. Der Rundgang auf der Mauer ist frei, aber Gabi fühlt sich sichtlich unwohl auf der völlig ungesicherten Klettertour. Das Hauptproblem ist an diesem Tag der böig, stürmische Wind. Im Prinzip werden wir uns in den nächsten zwei, drei Stunden außerhalb unserer Komfortzonse bewegen. Sehr erfrischend ist das immerhin. Die Mühe der recht langen Wanderung auf der Stadtmauer lohnt sich. Von oben wirkt Óbidos wie ein Schmuckstück in einer Schatulle. Umgeben von einer hügeligen Landschaft, ist in der Ferne ein Schloss zu sehen, und über uns schweben weiße Wolkenbäusche im kräftigen Himmelsblau.
Wir gehen vorsichtig weiter auf dem Wehrgang der Stadtmauer, der komplett um den Ort herumführt. Der Weg ist ganz schön holprig und auf der Außenseite durch die Wehrmauer begrenzt. Nach innen gibt es kein Geländer nur etliche Meter tiefer liegenden Grund und Häuserdächer. Lustig wird es immer, wenn uns Leute auf dem schmalen Mauergrat entgegenkommen. Einer muss dann auf die Innenseite ausweichen, wo eine kurze Unachtsamkeit oder ein unbedachter Schubser ausreichen würde, sich alle Knochen zu brechen. Wer hat wohl weniger Angst und weicht aus? Meist waren es nicht die anderen.

Steile Treppen ohne Geländer verlangen Überwindung
Das Spiel von Licht und Schatten über den Dächern und den ziehenden Wolken lässt Òbidos in sich dauernd verändernder Schönheit erstrahlen. Wir sind so intensiv am Fotografieren, dass die Enge des Wehrgangs mit der Zeit in Vergessenheit gerät.
An der 800 Jahre alten Burg am entgegengesetzten Ortsrand steigen wir von der Stadtmauer herunter und begeben uns in die schmalen, gepflasterten Gassen. Da es Sonntag ist, wimmelt es nur so von Besuchern. Trotzdem ist die Atmosphäre entspannter als in Sintra. Òbidos hat viel getan, seinen mittelalterlichen Flair zu konservieren und alles wirkt harmonisch und authentisch.

Auf den Wehrzinnen des Stadtportals

Blick über Óbidos zur Burg

Die Dächer von Óbidos von der Stadtmauer aus gesehen
Der Stadtbummel durch die sauberen, blumengeschmückten Gassen, vorbei an liebevoll geschmückten Geschäften und Häusern hat etwas entspanntes. So als würden wir durch ein lebendiges Museum wandeln.
Nach ein paar Stunden der Lauferei melden sich Durst und Hunger, die wir in einem Restaurant erfolgreich mit Pizza und Bier bekämpfen. Auf dem Rückweg kommen wir wieder an den Pferdekutschern vorbei, die jetzt gemütlich miteinander Plaudern. Der Haupttouristenstrom ist jetzt vorbei und wir brechen zu unserem nächsten Ziel auf.

Irgendwo blüht und grünt es immer in den Gassen

Typische weiß-gelb-blaue Häuserbemalung

Blumengeschmückte Stadtterrasse

Steile Gasse in Óbidos

EIn kühles Blondes zur Erfrischung
Nazaré – wo es die höchsten surfbaren Wellen gibt
Nazaré steht vor allem wegen der mächtigen Surf- Wellen auf unserem Reiseplan. Wellen sind nun mal fotografisch unser Thema. Und Surfspots eigen sich auch für unseren »Sport« optimal. Nördlich der Stadt Nazaré bilden sich vor allem durch einen auf die Küste zulaufenden 230 Kilometer langen und bis 5000 Meter tiefen Canyon unglaublich große Wellen. Das Wetter muss natürlich auch noch passen. Im Jahr 2011 gelang es dem Amerikaner Garrett McNamara die bis dahin größte Welle zu surfen. Stolze 23 Meter hoch hob sich die Rekordwelle aus dem Meer. Wir ahnen schon, dass die Bedingungen an diesem Frühsommernachmittag nicht für gigantische Wellen passen. Da muss man schon im Winter nach Portugal reisen.

Fort São Miguel Acanjo vom Praia do Norte

Farol de Nazaré im Fort São Miguel Acanjo
Wir tun uns schwer, uns mit unserem Mobil durch die engen und steilen Gassen zu zwängen. Oben auf der Höhe angekommen halten uns Wohnmobilparkverbotsschilder davon ab, in der Nähe der Stadt zu parken. Irgendwo hier muss doch ein Stellplatz sein. Wir parken am Straßenrand hinter der Stadt und wollen gerade zurück nach Nazaré laufen. Da kommt uns ein hilfsbereiter deutscher Radfahrer entgegen, mit einem wertvollen Tipp. Weiter unten am Strand könne man gut parken und nicht weit davon entfernt auch die großen Wellen sehen.
Wunderbar, dann nichts wie hin. Viel Platz zum Parken gibt es an diesem weltberühmten Strand nicht, aber wir quetschen unser Wohnmobil in eine Parklücke und wandern los. Das Meer strahlt uns hier nicht blau, sondern mehr braun entgegen. Wellen gibt es ebenfalls, nur keine wirklich hohen, obwohl der Wind immer noch kräftig bläst. Trotzdem spüren wir die Gewalt von hunderten Tonnen Wasser, die mit gnadenloser Wucht auf den Strand knallen. Das hat gar nichts Verspieltes an sich. Ich stelle mir vor, wie es hier bei Sturm aussehen muss, und mein Respekt vor dem Mut der Surfer wächst noch ein gutes Stück.

„Ruhiges Meer“ in Nazaré

Springende Welle vor Nazare – man kann erkennen, dass mit diesen Wellen nicht zu spaßen ist, oder?
Hier sind auch die kleineren Wellen schon mächtig
Wir laufen mit den Teleobjektiven bewaffnet, drei Kilometer in die eine Richtung und dann wieder zurück. Im weichen Sand werden uns die Beine gewaltig müde.
Der Tag ist für uns damit noch nicht zu Ende. Wir fahren am Spätnachmittag weiter, auf der Suche nach dem nächsten Stellplatz. Ursprünglich wollten wir ein paar Tage in Nazaré bleiben. Doch ohne Stellplatz, der Strandparkplatz war nicht fürs Übernachten gedacht, die Campingplätze zu weit von der Stadt weg, fahren wir lieber noch ein Stück weiter. Wir haben aber diese Etappe noch nicht konkret geplant, nur an der Küste entlang Richtung Norden. So nehmen wir einfach den nächsten Stellplatz in unserer Liste.
Die Landstraße führt uns nach Sao Pedro de Moel. Da meldet sich unsere Navigateuse und schlägt vor, wir sollen in die Avenue do Farol einbiegen. Farol?! Wie cool – mit einem Leuchtturm hatten wir an diesem Abend gar nicht mehr gerechnet. Erleichtert schauen wir uns grinsend an. Das mehr zufällige Herumgegurke hat uns direkt zu dem wunderschönen Leuchtturm geführt. Und wie genial, hier knallen die Wellen donnernd an die Küstenklippen und schlagen sogar Schaum. Dazu bekommen wir an diesem Abend noch super nette Wohnmobilnachbarn und dieser Tag findet seinen perfekten Abschluss.
Ich laufe natürlich direkt mit der Kamera los, auch wenn die Füße schwer sind und mein heutiges Laufpensum weit überschritten ist. Man weiß ja nie, ob das Licht und die Brandung anhält. Aber darüber mehr im nächsten Blogbeitrag.

Farol Penedo da Saudade
Nur Erwartungen können enttäuscht werden
Dieser Tag hat uns wieder einmal gezeigt, dass die eher zufällig gefundenen Locations oft die besten sind. Óbidos und der Farol Penedo da Saudade standen nämlich nicht auf unserer Wunschreiseliste. Nazaré dagegen hat auf uns den Eindruck gemacht, als würde die Stadt gerne auf Wohnmobilisten verzichten. Schade eigentlich, aber wir hatten auch keine Lust, ewig auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz herumzufahren und in einer engen Gasse steckenzubleiben. So, wie der Tag letztendlich gelaufen ist, war es genial. Und es zeigte sich wieder, dass letztlich nur Erwartungen enttäuscht werden können.

Kirchenvorplatz in Óbidos
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Gabis Kameraausrüstung für Unterwegs, Canon 6d Vollformat
Gabis Kamerausrüstung für unterwegs
Aktuell fotografiere ich mit der Canon R6 und Canon R5
Lowepro Filpside 400AW
Endlich habe ich „meinen“ Kamerarucksack gefunden. Es ist der Lowepro Flipside 400 AW. Dieser Rucksack ist perfekt, weil ich ihn nicht immer absetzen muss, um an die Kamera oder die Objektive heranzukommen. Der Bauchgurt bleibt geschlossen, man dreht den Rucksack nach vorne und öffnet den Reisverschluss an der Rückseite und hat so schnell Zugriff auf den Inhalt der Tasche. Ich stehe oft am oder im Wasser, da ist das unglaublich praktisch. Der Rucksack liegt wunderbar am Rücken an und trägt sich somit angenehm. Er könnte einen kleinen Tick größer sein, dann würden zwei Kameras bequemer passen. Richtig praktisch ist der im Unterboden verstecke Regenschutz. Es ist möglich, ein Stativ hinten anzubinden. Mir ist das aber zu schwer. Ich nutzte das bisher erst ein,zweimal. Mit dem
In den Seitentaschen aus Netzstoff steckt immer eine Wasserflasche, der Kabelauslöser, Sonnenschutz für die Lippen und ein Sonnenhut drinnen. Die Sachen kann ich ohne den Rucksack abzusetzen, herausziehen. Meine Filtertasche mit den Haida Filtern hänge ich an den Beckengurt. Somit spare ich mir die Fotoweste, ich ich jahrelang für den Kleinkram nutzte.
Kameras – Canon 6d und Canon 7d
Gabis Vollformatkameraausrüstung – hier mit dem Canon 70-200mm, 2,8 und reichlich Zubehör
Objektive
Blitz
Mikrofon
Wenn ich in der Natur unterwegs bin, begeistern mich die Geräusche ebensosehr wie der Anblick. Bei Filmaufnahmen mit der Kamera stört immer der Wind. Mit diesem handlichen Aufnahmegerät sind beeindruckende Naturgeräusche und natürlich auch Interviews mit interessanten Leuten möglich.
Zoom H1 mit Windschutz
Kleinkram
Stativ
Ein leichtes, doch trotzdem stabiles Stativ. Es läßt sich ganz wunderbar bedienen, hat ein „eingebautes“ Einbeinstativ, welches ich für die Wellenfotografie gern nutzte. Das Stativ ist immer dabei! Nur für die schweren Teleobjektive greife ich besser auf Gunters Rock Solid Carbon Beta zurück.
Wir testeten die Rollei Rock Solid Carbon Stative intensiv in Spanien und Portugal.
Rock Solid Carbon Beta und Gamma von Rollei am Strand von Santa Cruz, Portugal
Filter
Mein Haida Filtersystem, besteht aus folgenden Komponenten:
Das Haida Filtersystem gibt es auch bei Amazon*.
Haida Polfilter und Grauverlaufsfilter 0,9
Zum Glück haben meine meistgenutzten Objektive den gleichen Filterdurchmesser, sonst würde es teuer. Diese Filtertasche kontrolliere ich beim Packen immer dreimal! Nicht wäre schlimmer, als die Graufilter zu vergessen. Diese Filter nutze ich immer noch gern, wenn ich im Sturm Langzeitaufnahmen machen möchte.
Das war meine Kameraausrüstung mit der Canon 5d MII
Obidos, Portugal – Innerhalb der Stadtmauer, außerhalb der Komfortzone
Außerhalb der Komfortzone, innerhalb der Stadtmauer von Obidos
Unter der strahlenden Morgensonne brechen wir von der Peniche-Halbinsel auf und lenken unser Wohnmobil Richtung Norden nach Nazaré. Auf der A8 erreichen wir schnell die Abfahrt nach Óbidos, einem mittelalterlichen Kleinod, welches von diversen Reiseführern als unbedingt sehenswert eingestuft wird.
Die Burg – Castelo de Obidos
Nach unseren stressigen Erfahrungen mit der Stadtbesichtigung in Sintra sind wir uns unsicher, ob wir uns das nochmal antun sollen. Aber das Städtchen ist relativ klein, und am Ortsrand finden wir problemlos den großzügig bemessenen, tagsüber kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz. Wenn das nur öfters mal so perfekt passen würde.
Ich tue mich öfters schwer damit, portugiesische Ortsnahmen einzuprägen, vor allem, weil wir ja andauernd uns neue Orte besuchen. Óbidos definiere ich einfach als »Veraltetes Baumarkt-Betriebssystem« und habe danach keine Probleme mehr, mich an den Ortsnamen zu erinnern.
Unser Wohnmobil auf dem Stellplatz in Óbidos
Mit dem Aquädukt wurde Óbidos früher mit Wasser versorgt
Ein echter Flohmarkt
Im Schatten des 1570 erbauten Äquadukts nähern wir uns Óbidos. Am Zufahrtsweg warten Pferdekutschen auf lauffaule Besucher.
Bevor wir aber den Ort durch die mittelalterliche Pforte betreten, weckt der sonntägliche Flohmarkt unsere Neugier. Es werden so gut wie keine Neuwaren angeboten, ich habe den Eindruck, dass hier die Inhalte aller Keller, Dachböden und Scheunen der Umgebung herangekarrt wurden. Zwischen rostbefallenem Werkzeug, Fotoknipsen aus den Sechzigern und Siebzigern, Schallplatten, Spielzeug, Unmengen von Geschirr und gebrauchter Kleidung würden Sammler bestimmt das ein oder andere interessante Stück finden. Die portugiesischen Anbieter handeln aber schlimmer als ein Scherenschleifer.
Wir sind leicht als Touristen erkennbar, vor allem, weil wir auf englisch handeln und somit willkommenes Ziel für überzogene Preise sind. Wir nehmen zwei Weingläser aus Kristallglas mit, müssen dafür mit Händen und Füßen kräftig handeln, um nicht über den Tisch gezogen zu werden.
Wehrgang auf der Stadtmauer
Blick von der Stadtmauer
EIn portugiesischer Kaffee im Schokowaffel-Becher, sehr umweltfreundlich
Auf der Mauer…
Nach diesem durchaus erfrischenden Intermezzo steuern wir auf das mächtige Portal zu, dem Haupteingang der vollständig von einer 500 Jahre alten Stadtmauer umgebenen Stadt.
Als wir aus dem Schatten des Portals wieder in den strahlenden Sonnenschein treten, begrüßt uns ein Heer von roten Ziegeldächern, weißen Häusern und blumengeschmückten Straßen. An der Seite führen Rampen und schwindelerregend steile Treppen hoch zum Wehrturm und auf die begehbare Stadtmauer. Der Rundgang auf der Mauer ist frei, aber Gabi fühlt sich sichtlich unwohl auf der völlig ungesicherten Klettertour. Das Hauptproblem ist an diesem Tag der böig, stürmische Wind. Im Prinzip werden wir uns in den nächsten zwei, drei Stunden außerhalb unserer Komfortzonse bewegen. Sehr erfrischend ist das immerhin. Die Mühe der recht langen Wanderung auf der Stadtmauer lohnt sich. Von oben wirkt Óbidos wie ein Schmuckstück in einer Schatulle. Umgeben von einer hügeligen Landschaft, ist in der Ferne ein Schloss zu sehen, und über uns schweben weiße Wolkenbäusche im kräftigen Himmelsblau.
Wir gehen vorsichtig weiter auf dem Wehrgang der Stadtmauer, der komplett um den Ort herumführt. Der Weg ist ganz schön holprig und auf der Außenseite durch die Wehrmauer begrenzt. Nach innen gibt es kein Geländer nur etliche Meter tiefer liegenden Grund und Häuserdächer. Lustig wird es immer, wenn uns Leute auf dem schmalen Mauergrat entgegenkommen. Einer muss dann auf die Innenseite ausweichen, wo eine kurze Unachtsamkeit oder ein unbedachter Schubser ausreichen würde, sich alle Knochen zu brechen. Wer hat wohl weniger Angst und weicht aus? Meist waren es nicht die anderen.
Steile Treppen ohne Geländer verlangen Überwindung
Das Spiel von Licht und Schatten über den Dächern und den ziehenden Wolken lässt Òbidos in sich dauernd verändernder Schönheit erstrahlen. Wir sind so intensiv am Fotografieren, dass die Enge des Wehrgangs mit der Zeit in Vergessenheit gerät.
An der 800 Jahre alten Burg am entgegengesetzten Ortsrand steigen wir von der Stadtmauer herunter und begeben uns in die schmalen, gepflasterten Gassen. Da es Sonntag ist, wimmelt es nur so von Besuchern. Trotzdem ist die Atmosphäre entspannter als in Sintra. Òbidos hat viel getan, seinen mittelalterlichen Flair zu konservieren und alles wirkt harmonisch und authentisch.
Auf den Wehrzinnen des Stadtportals
Blick über Óbidos zur Burg
Die Dächer von Óbidos von der Stadtmauer aus gesehen
Der Stadtbummel durch die sauberen, blumengeschmückten Gassen, vorbei an liebevoll geschmückten Geschäften und Häusern hat etwas entspanntes. So als würden wir durch ein lebendiges Museum wandeln.
Nach ein paar Stunden der Lauferei melden sich Durst und Hunger, die wir in einem Restaurant erfolgreich mit Pizza und Bier bekämpfen. Auf dem Rückweg kommen wir wieder an den Pferdekutschern vorbei, die jetzt gemütlich miteinander Plaudern. Der Haupttouristenstrom ist jetzt vorbei und wir brechen zu unserem nächsten Ziel auf.
Irgendwo blüht und grünt es immer in den Gassen
Typische weiß-gelb-blaue Häuserbemalung
Blumengeschmückte Stadtterrasse
Steile Gasse in Óbidos
EIn kühles Blondes zur Erfrischung
Nazaré – wo es die höchsten surfbaren Wellen gibt
Nazaré steht vor allem wegen der mächtigen Surf- Wellen auf unserem Reiseplan. Wellen sind nun mal fotografisch unser Thema. Und Surfspots eigen sich auch für unseren »Sport« optimal. Nördlich der Stadt Nazaré bilden sich vor allem durch einen auf die Küste zulaufenden 230 Kilometer langen und bis 5000 Meter tiefen Canyon unglaublich große Wellen. Das Wetter muss natürlich auch noch passen. Im Jahr 2011 gelang es dem Amerikaner Garrett McNamara die bis dahin größte Welle zu surfen. Stolze 23 Meter hoch hob sich die Rekordwelle aus dem Meer. Wir ahnen schon, dass die Bedingungen an diesem Frühsommernachmittag nicht für gigantische Wellen passen. Da muss man schon im Winter nach Portugal reisen.
Fort São Miguel Acanjo vom Praia do Norte
Farol de Nazaré im Fort São Miguel Acanjo
Wir tun uns schwer, uns mit unserem Mobil durch die engen und steilen Gassen zu zwängen. Oben auf der Höhe angekommen halten uns Wohnmobilparkverbotsschilder davon ab, in der Nähe der Stadt zu parken. Irgendwo hier muss doch ein Stellplatz sein. Wir parken am Straßenrand hinter der Stadt und wollen gerade zurück nach Nazaré laufen. Da kommt uns ein hilfsbereiter deutscher Radfahrer entgegen, mit einem wertvollen Tipp. Weiter unten am Strand könne man gut parken und nicht weit davon entfernt auch die großen Wellen sehen.
Wunderbar, dann nichts wie hin. Viel Platz zum Parken gibt es an diesem weltberühmten Strand nicht, aber wir quetschen unser Wohnmobil in eine Parklücke und wandern los. Das Meer strahlt uns hier nicht blau, sondern mehr braun entgegen. Wellen gibt es ebenfalls, nur keine wirklich hohen, obwohl der Wind immer noch kräftig bläst. Trotzdem spüren wir die Gewalt von hunderten Tonnen Wasser, die mit gnadenloser Wucht auf den Strand knallen. Das hat gar nichts Verspieltes an sich. Ich stelle mir vor, wie es hier bei Sturm aussehen muss, und mein Respekt vor dem Mut der Surfer wächst noch ein gutes Stück.
„Ruhiges Meer“ in Nazaré
Springende Welle vor Nazare – man kann erkennen, dass mit diesen Wellen nicht zu spaßen ist, oder?
Hier sind auch die kleineren Wellen schon mächtig
Wir laufen mit den Teleobjektiven bewaffnet, drei Kilometer in die eine Richtung und dann wieder zurück. Im weichen Sand werden uns die Beine gewaltig müde.
Der Tag ist für uns damit noch nicht zu Ende. Wir fahren am Spätnachmittag weiter, auf der Suche nach dem nächsten Stellplatz. Ursprünglich wollten wir ein paar Tage in Nazaré bleiben. Doch ohne Stellplatz, der Strandparkplatz war nicht fürs Übernachten gedacht, die Campingplätze zu weit von der Stadt weg, fahren wir lieber noch ein Stück weiter. Wir haben aber diese Etappe noch nicht konkret geplant, nur an der Küste entlang Richtung Norden. So nehmen wir einfach den nächsten Stellplatz in unserer Liste.
Die Landstraße führt uns nach Sao Pedro de Moel. Da meldet sich unsere Navigateuse und schlägt vor, wir sollen in die Avenue do Farol einbiegen. Farol?! Wie cool – mit einem Leuchtturm hatten wir an diesem Abend gar nicht mehr gerechnet. Erleichtert schauen wir uns grinsend an. Das mehr zufällige Herumgegurke hat uns direkt zu dem wunderschönen Leuchtturm geführt. Und wie genial, hier knallen die Wellen donnernd an die Küstenklippen und schlagen sogar Schaum. Dazu bekommen wir an diesem Abend noch super nette Wohnmobilnachbarn und dieser Tag findet seinen perfekten Abschluss.
Ich laufe natürlich direkt mit der Kamera los, auch wenn die Füße schwer sind und mein heutiges Laufpensum weit überschritten ist. Man weiß ja nie, ob das Licht und die Brandung anhält. Aber darüber mehr im nächsten Blogbeitrag.
Farol Penedo da Saudade
Nur Erwartungen können enttäuscht werden
Dieser Tag hat uns wieder einmal gezeigt, dass die eher zufällig gefundenen Locations oft die besten sind. Óbidos und der Farol Penedo da Saudade standen nämlich nicht auf unserer Wunschreiseliste. Nazaré dagegen hat auf uns den Eindruck gemacht, als würde die Stadt gerne auf Wohnmobilisten verzichten. Schade eigentlich, aber wir hatten auch keine Lust, ewig auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz herumzufahren und in einer engen Gasse steckenzubleiben. So, wie der Tag letztendlich gelaufen ist, war es genial. Und es zeigte sich wieder, dass letztlich nur Erwartungen enttäuscht werden können.
Kirchenvorplatz in Óbidos
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
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Die gewaltige Felsenküste der Halbinsel Peniche, Portugal
Die gewaltige Felsenküste im Sturm
Wir fahren zum nächsten Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel Peniche. Auf den ersten Blick gefällt uns diese eigenartig zerklüftete Klippenküste außerordentlich. Irgendwie fühlt es sich an, als hätten Giganten mit diesen Felsen wie mit Bauklötzchen gespielt, und wir sind mittendrin viel zu klein dafür. Die Felsen türmen sich hoch auf, dazwischen gibt es Spalten, die 6-7 Meter tief in den Fels einschneiden. Beeindruckend gewaltig halt.
Leuchtturm Cavoeiro, Peniche, Portugal
Der ständig an uns zerrende stürmische Wind ist auch wieder da. Es ist schwierig, sich sicher auf den Beinen zu halten, und direkt an der Klippenkante auch nicht ungefährlich. Das kompliziert das Fotografieren, vor allem die Langzeitaufnahmen. Wir fahren die Stative nicht voll aus, lassen sie in Bodennähe und beschweren sie. So klappt es ganz gut. Wir müssen nicht nur auf die steilen Klippen und den Wind achtgeben, sondern auch auf gefährliche Spalten und Hohlräume, die überall lauern.
Treppen führen in die Tiefe der beeindruckenden Felslandschaft
An einigen Stellen gibt es Treppen hinunter in dieses Labyrinth mit Gucklöchern hinaus aufs Meer. Der Leuchtturm thront hoch über den außergewöhnlichen Klippen. Zwischen den Leuchtturmwärterhäusern und der Garage ist ein Durchgang, der den Sturm kanalisiert und beschleunigt. Mühevoll kämpfen wir uns durch diese Passage zur Westspitze des Kaps. Abends treffen wir Manuel, einen galizischen Fotografen, mit dem wir uns angeregt unterhalten. Er hat das Fotografieren wegen des Windes längst aufgegeben. Gerade als er mir erzählt, dass es keinen Sinn macht, belichte ich eine 30 Sekunden Aufnahmen. Er staunt nicht schlecht. Sein Stativ liegt allerdings sicher und vor allem unerreichbar im Hotel. Wir tauschen uns aus und verabreden uns in Galicien. Ich bin echt mal gespannt, ob das klappt.
Ein stürmische Nacht auf den Klippen
Gegen Abend versammeln sich hinter dem Leuchtturm ein gutes Dutzend Wohnmobile, weil dieser Platz als Stellplatz gelistet ist. So offiziell sieht er aber nicht aus. Wir überlegen, ob wir zu dem Campingplatz fahren sollen, lassen es dann, weil wir den Leuchtturm auch in der Nacht aufnehmen möchten. Daraus wird wegen des andauernden Sturmes dann doch nichts. Stundenlange Aufnahmen machen im Sturm nun wirklich keinen Sinn – vielleicht sind wir einfach nur müde und brauchen ne Ausrede?
Sonnenuntergang, Blick zur Insel
Leuchtturm Cavoeiro, Portugal
Cavoeiro und Wellen in Langzeitaufnahme
Fels im Meer, Peniche, Portugal
Endlich mal schön Wolken, Cavoeiro, Portugal
Gegen Abend am Leuchtturm Cavoeiro, Portugal
Surfer lieben die Halbinsel Peniche
Die Halbinsel Peniche ist auch bei Surfern beliebt. Im Internet gibt es eine Seite, wo für jeden Strand die typischen Wellenformen beschrieben werden. Der berühmteste Strand ist der Supertubus – bei guten Bedingungen rollen da die Wellen tunnelartig auf den Strand zu. Wir haben trotz windiger Verhältnisse leider nicht das Glück, die Brandung ist eher unscheinbar. Aber die Farben an diesem Strand sind so was von knallig blau und grün, das wirkt richtig surreal. Wer da noch nicht gesehen hat, der glaubt es nicht.
Farbenfrohe Hafenleuchttürme in Peniche
Die beiden kleinen Leuchttürmchen im Hafen bilden einen tollen Farbkontrast. Wir laufen über die Mole, fotografieren und haben Spaß im frischen Wind und unter den brennenden Sonnenstrahlen. Die Wellen verlocken mich unwiderstehlich dazu, ins Wasser zu gehen. Ausnahmsweise habe ich heute lange Hosen an. Das hält mich aber nicht davon ab, hüfttief ins Wasser zu laufen. Nur auf das Smartphone und die Speicherkarten in der Hosentasche muss ich aufpassen. Im Wind und in der Sonne trocknen die nassen Hosen schneller als wir unser geparktes Wohnmobil erreichen können.
knallige Farben im Hafen von Peniche
Hafenleuchtturm in Peniche, Portugal
Das blaugrüne Meer, Peniche, Portugal – läd das nicht zum Reinlaufen ein?
In Nazaré, dem für die weltweit größten surfbaren Wellen bekannten Ort, sind höhere Wellen gemeldet. So fahren wir erwartungsvoll dort hin. Unterwegs entdecker wir aber noch ein kleines Dörfchen von unglaublicher Schönheit. Davon aber mehr im nächsten Blogbeitrag.
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
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Alexander-Technik – Gebrauchsanweisung für meinen Körper
Meine Erfahrungen mit der Alexander-Technik
Hurra – ich habe das Sitzen und Stehen »neu« gelernt. Ja, nach 52 Jahren in meinem Körper war es unumgänglich innezuhalten, reinzuhorchen, loszulassen, wahrzunehmen und mir meiner Haltung bewusst zu werden. Allein schaffte ich das nicht. Doch meine Freundin Steffi musste sich erst mal »frei« vom Alltagstrott machen.
Seit ein paar Monaten ist Steffi genauso frei wie wir. Mit Steffi und zwei weiteren Freundinnen habe ich übrigens auch das Freilerner Buch »Wir sind so Frei« herausgegeben. Ob das ein Zufall ist? Jedenfalls kündigte Steffi nicht nur irgend einen Job, sie gab ihren Beamtenstatus auf, um ihrer Leidenschaft, der Alexander-Technik, nachzugehen. Außerdem hält Steffi als Freilerner-Mutter Vorträge, um anderen Eltern Mut zu machen.
Steffi besuchte uns letztens für fast zwei Wochen. Wir arbeiteten hier in einer Art »kleinem Großraumbüro«. Saßen also in Bubenheim im Wohn- und Esszimmer zusammen. Noah brütete über dem Abi Stoff, Amy las ein Buch nach dem anderen, Gunter und ich arbeiteten an den Fotos und schrieben Blogbeiträge und an neuen Büchern und Steffi kam ein klein wenig zur Ruhe, sie übersetzte ihren Vortrag über das freie Lernen ins Französische. Zwischendurch kam ich immer wieder in den Genuss von Alexander-Technik-Impulsen.
Die Alexander-Technik Stunde mit Steffi macht Spaß
Alexander-Technik mit Steffi – wo kann ich noch locker lassen?
Die Alexander-Technik schult meine Wahrnehmung
Von der Alexander-Technik hörte ich vor circa einem Jahr zum ersten Mal. Steffi gab mir damals meine erste Alexander-Technik-»Stunde«. Ich fand das Ganze hoch interessant, aber so richtig kam der immense Gewinn dieser Technik in meinem täglichen Tun noch nicht an.
Die zweite und dritte Alexander-Technik-Stunde hinterließ dann schon größere Spuren in meiner Wahrnehmung. Vor ein paar Wochen nutzte ich die Gelegenheit, Steffis Lehrer, Don Weed, in Darmstadt bei einem Workshop zu erleben.
Spannung, die ich nicht brauche, loslassen
Wir saßen hier ja tagelang zusammen und Steffi schaute immer wieder nach mir. »Wie sitzt Gabi am Arbeitsplatz? Welche Muskeln können noch lockerer werden? Warum spannst du die Muskeln denn überhaupt so stark an? So viel brauchst du doch gar nicht.« Steffi fühlte durch das Auflegen der Hände, wo und wie stark ich meine Muskeln anspanne. Wenn eine Muskelpartie gerade gar nicht nötig war, sie aber trotzdem kräftig arbeitete und verkrampfte, dann zeigte mir Steffi das mit leichtem Druck und ich lies so nach und nach los. In der Regel benötige ich mehr Muskeln, weil ich zum Beispiel den Kopf viel zu weit nach vorne strecke. Auch für diese Haltungsfehler gab Steffi mir nur leichte Impulse und ich bekam eine Idee, nein eher ein Gefühl, wie ich den Kopf, der ja schon seit zig Jahren so auf meinem Hals sitzt, mit einer winzig kleinen Korrektur ohne Kraftaufwand halten kann.
Steffi beobachtet genau
Ich genieße die neue Leichtigkeit
Was für eine Wohltat, nur die Muskeln anzuspannen, die ich auch wirklich brauche und auch nur so stark, wie es nötig ist. Es fühlte sich effizient und gleichzeitig locker an. Du denkst jetzt sicher: »Ach, das ist doch anstrengend, andauernd auf die Haltung zu achten und gerade zu sitzen oder zu stehen.« Nein, ganz im Gegenteil. Eine physiologische Körperhaltung ist deutlich leichter und vor allem müheloser.
Ich merke, dass die Alexander-Technik für mich so eine Art Gebrauchsanweisung für meinen Körper ist.
Steffi zog weiter. Sie möchte jetzt erst mal ihre wiedererlangte Freiheit leben und genießen. Ich erfreue mich derweil an meinem neuen Körpergefühl. Steffis Hände, die Impulse, die sie mir geschenkt hat, bleiben vorerst hier. So lange, bis ich gar nicht mehr bewusst merke, dass ich mit Leichtigkeit stehen, sitzen, laufen und fotografieren kann. Ich danke Dir von ganzem Herzen, Steffi.
Stefanie Mohsennias Blog Degrees of Freedom
Stefanies Alexander-Technik Seite „Bewegung neu denken“
[twentytwenty]
Noah sitzt – entspannt, wie er denkt
Noah sitzt – nach Alexander-Technik
[/twentytwenty]
PS Und was macht Esra? Er radelt gerade mit seiner Freundin Josi von Budapest nach Zürich. Die Blogbeiträge folgen hoffentlich bald.
Manfrotto MT190CXPRO3 Carbon Stativ
Warum das mit dem Manfrotto im Endeffekt nichts geworden ist.
Wir spielen schon eine Weile mit dem Gedanken, unseren in die Tage gekommenen Stativpark einer Frischzellenkur zu unterziehen. Als erstes soll jetzt Gabis Alustativ, das über 16 Jahre alte Manfrotto 190, einen adäquaten Ersatz finden. Der geeignete Kandidat ist bald gefunden, das Manfrotto MT 190 CX Pro3, der Nach-Nachfolger in Carbon-Ausführung mit drei Beinsegmenten.
Schnell per Prime-Versand bei Amazon bestellt, klopft unser Postbote kurze Zeit später mit einem länglichen Paket bei uns an.
Das neue Manfrotto 190 ist deutlich höher als das 16 Jahre alte Modell
Nach dem Auspacken und Aufstellen fallen uns sofort etliche Unterschiede zum Vorgänger auf:
Das neue 190er ist höher. Nicht nur ein paar Zentimeter, sondern so hoch wie das Manfrotto 055. Die 12 Zentimeter mehr (ohne ausgefahrene Mittelsäule) würden Gabi in Zukunft das leicht gebeugte Fotografieren vom Stativ aus ersparen.
Das neue 190er fühlt sich nicht ganz so leicht an, wie erwartet. Die relativ schlanken Beindurchmesser lassen die 1600 Gramm schwerer erscheinen.
Das neue 190er steht mit seinen drei Beinen stabil auf dem Boden. Die Stativbeine enden in nicht wechselbaren Gummipfropfen, die allerdings ziemlich rutschfest sind. Die Verwindungssteifigkeit und das Schwingungsverhalten sind auch gut, sogar die auszieh- und umlegbare Mittelsäule ist kein Werbegimmick, sondern praktisch einsetzbar.
Was hat uns dann davon abgehalten, das MT 190 CX Carbon zu behalten?
Die Schnellspannverschlüsse des neuen und des alten Manfrotto 190
Die Schnellspannverschlüsse des alten und des neuen Manfrotto 190 von oben gesehen
Der Grund, warum wir das Manfrotto 190 Carbon wieder zurückgeschickt haben, ist ausgerechnet das von Manfrotto so beworbene „Quick Power Lock System.“
Das QPLS bezeichnet die neuartigen Schnellverschlüsse der Stativbeine. Das sind im Gegensatz zu der Vorgängertechnik keine Klappverschlüsse mehr, sondern eher Wippschalter.
Klar, das Öffnen uns Schließen geht wahnsinnig schnell von der Hand, die Dinger schnappen blitzschnell auf und zu. Aber genau da liegt das Problem. Beim Schnappen federn die Schnellverschlüsse leicht zurück, und Gabi hat dabei jedes Mal das unangenehme Gefühl, einen Stromschlag in den Handteller zu bekommen. Das Feinjustieren mit dem beiliegenden Werkzeug bringt nicht die erhoffte Wirkung, außer wir stellen die Klemmung extrem schwach ein. Dann ist zwar der Rückprall verschwunden, dafür schieben sich die Beine schon bei leichter Belastung ein.
Gequetscht hat sich Gabi zum Glück noch nicht, nur die Jackenärmel verfangen sich immer wieder in den Schnellverschüssen und klemmen fest.
Die Quick Power Locks funktionieren wie eine Wippe, haben allerdings auch einen Rückprall, den manche Bediener als störend empfinden
An den ausladenden Quick Power Locks bleibt auch gern eimal der Jackenärmel hängen
Nach langem Hin- und Herüberlegen haben wir darum das Manfrotto wieder zurückgeschickt. Das hat jetzt gar nichts mit der Qualität des Stativs, sondern nur mit dem Handling zu tun. Das „Quick Power Lock System“ ist halt nicht Gabis Ding.
Bislang hatten wir es vermieden, Stative mit Drehverschlüssen zu kaufen. Ich hatte vor Jahren mit einm schweren Slik-Stativ gearbeitet, bei dessen Drehverschlüssen musste man zum Lösen und Festziehen ewig schrauben. Unser kürzlich erworbenes Mini-Reisestativ von Rollei, das Compact Traveler No.1, das wir hier – Rollei Compact Traveler No 1 besprochen haben, hat auch Drehverschlüsse, die lassen sich aber flott bedienen und halten bombenfest. Da reicht eine knappe Dritteldrehung zum Lösen und Arretieren. Im Endeffekt sind Drehverschlüsse vielleicht etwas langsamer, dafür potentiell robuster und leichter, weil sie einfacher gebaut sind.
Das Manfrotto MT 190 GO C4TB Carbon Stativ wäre eine leichtere Alternative mit Drehverschlüssen des gleichen Herstellers. Ein schönes Reisestativ, aber für uns etwas unterdimensioniert. Wir haben uns weiter umgesehen und uns letztendlich für ein Rollei Rock Solid Carbon Beta entschieden. Das hat etliches an sinnvollem Zubehör und eine passende Stativtasche dabei, und ist auch um einiges höher belastbar.
Das Rollei Rock Solid Carbon Beta und das Gamma haben wir ausführlich getestet und einen langen Blogbeitrag verfasst.
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Hier findest du Stativtests und Tipps für die Fotografie mit Stativ
Firmenservice: CULLMANN GERMANY GmbH
31. Dezember 2014/von GunterManfrotto MT190CXPRO3 Carbon Stativ
5. August 2017/von GunterKaufberatung Reisestativ Rollei Allrounder
10. Januar 2019/von GunterLangzeitfotografie mit Stativ in der Stadt, Lyon, Frankreich
10. Dezember 2014/von Gabi5 scharfe Tipps fürs Fotografieren mit Stativ
17. Februar 2020/von GunterUnsere Manfrotto Stative nach 20 Jahren in Benutzung
8. März 2014/von GunterSanta Cruz in Portugal – der Strand mit dem gigantischen Fels
Nach dem langen Tag in Sinatra sind wir ziemlich platt – fast so, wie unsere Füße. Die Stellplatzsuche erwies sich als schwierig, wir geben schließlich auf und fahren auf einen Campingplatz, der große Ähnlichkeit mit einem Flüchtlingslager hat. Eigentlich wollten wir genau den meiden, doch das Fotomotiv – ein besonders großer und schiefer Fels mit Loch – lockt uns. Der Campingplatz ist durch eine Schranke und hohe Zäune gesichert. Ich frage nach, ob wir auch als Durchreisende eine Nacht auf dem Platz verbringen können. „ja, das würde zehn Euro kosten“ meint der Pförtner. Fest installierte Wohnanhänger stehen in endlos scheinenden Reihen dicht an dicht, darüber sind blaue Planen als Sonnenschutz gespannt. Ein freier Platz direkt an der Straße ist für Wohnmobile reserviert. Müde aber auch glücklich endlich was gefunden zu haben, parken wir unseren Flair neben einem kleinen Bus aus Luxemburg.
Der schiefe Fels von Santa Cruz
Nochmal schnell zum Strand – und dann kommt die Sonne raus
Wir essen schnell noch was zu Abend und laufen bei bedecktem Himmel durch die verlassene Stadt zum Strand. Santa Cruz ist einer der Touristenorte, in dem mehr als 80 % der Häuser leer stehen und auf die Hauptsaison warten. Das wirkt gespenstisch trist, hat aber irgendwie auch Charme. Wie eine Art verlassene Westernstadt, nur modern. Ein weißes Türmchen ziert die Strandpromenade, das würde einen guten Leuchtturm abgeben. Hat aber leider kein Licht oben drauf. Das wäre wohl der genialste Leuchtturm.
Turm in Santa Cruz, Portugal
Das Wetter ist uns freundlich gesinnt, die Sonne kommt kurz vor dem Untergehen hinter den Wolken hervor, und wir haben einen großen Spaß am Strand. Der schiefe Fels mit dem Loch drinnen ist wesentlich massiver, als ich ihn mir vorgestellt habe. Immer diese Bilder, die man im Kopf hat, die sich in der Realität ganz anders zeigen.
Die positive Ent-Täuschung
Reisen ist eben immer eine Art »Enttäuschung« – die Eindrücke, die man vorab durch Fotos oder Erzählungen hat, werden korrigiert, eben ent-täuscht. Also nicht unbedingt negativ gemeint. Die Täuschung wird aufgehoben und durch eine Art Realität ersetzt. Die Realität ist dann doch immer lebendiger als jede Vorstellung. Der Wind auf der Haut, der Geruch der salzigen Luft, die Gischt, die auf der Haut klebt, der Sand in den Sandalen. Und das Umfeld, welches man vorher nicht sehen konnte, trägt zum umfassenden Eindruck bei.
Gabi fotografiert in Santa Cruz
Immer wieder den gleichen Fels fotografieren? aber ja doch!
Santa Cruz gefällt uns insgesamt sehr gut. Wir bleiben zwei Nächte, der Platz kostet dann nicht, wie vom Pförtner angesagt 10, sondern 14 Euro. Wir haben übrigens auf diesem Platz sehr nette Nachbarn aus Luxemburg und haben die Ruhe nach den anstrengenden Touren um und in die Städte auch gebraucht.
Algen auf den Felsen, Santa Cruz
Den riesigen Felsen fotografieren wir in den nächsten Tagen immer und immer wieder. Morgens, abends und sogar mittags. Zwischendrin sitzen wir aber auch einfach nur am Strand, schauen den Leuten und den Wellen zu und schreiben abends an den Blogbeiträgen.
PS Morgens saß ich friedlich auf dem Campingplatz Klo und sinierte so vor mich hin. Eine Frau duschte, ansonsten war es still und ruhig. Bis eben diese Dame einen heftigen Husten- und Räusperanfall bekam. Sie „rotzte“ und spuckte minutenlang dermaßen laut, dass ich befürchtete, gleich eine Frau mit nach außen gestülpter Lunge vor mir zu haben. Es war so widerlich, dass ich tagelang mit einer Katzenwäsche begnügte obwohl ich mich doch sehr nach einer Dusche gesehnt hätte. Es dauerte lange, bis ich wieder in einer öffentlichen Dusche duschen konnte!
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
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