Der letzte Teil des sehr langen live Reiseberichtes auf dem Jahr 2000. Achtung: Die Fotos wurden mit unserer allerersten Digitalkamera aufgenommen. Die hatte ganze 1 Mega Pixel!
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29. April, Unterwegs von Montana nach Idaho
Es gibt kaum etwas Berichtenswertes. Wir beeilten uns nicht, die Kinder spielten trotz der Kälte, ich stand in der Telefonzelle und surfte, Gunter machte „Dumping“ und es gab weiteres Getrödel. Das muss auch mal sein. Dann fuhren wir mit den bereits müden Kindern, die sofort ein Schläfchen hielten, weiter Richtung Idaho.
In Kellog machten wir an einem KOA Campingplatz Halt, weil dort stand es gäbe Wanderwege. Diese fanden wir trotz Herumfragen nicht. Dumm. Also nocheinmal ausgiebig Spielplätze für die Kinder und Abends tranken Gunter und ich ein „Glas“ (haben wir nicht, also einen Becher) Wein, was dazu führte, dass ich sofort bediddelt war und ins Bett wanderte. Noah lässt dann nicht lange auf sich warten, denn er denkt er verpasst was. Da wir wieder eine neue Zeitzone erreicht hatten waren wir recht früh. Und morgens um 7:00 Uhr wieder alle munter.
30. April, von Idaho nach Spokane, Washington
Und wieder das Gleiche wie gestern. Immer langsam, denn die Transfers von einem Gebiet zum anderen können anstrengend werden, wenn wir zu viel auf einmal fahren. Die Kinder rennen, klettern und bewegen sich morgens sehr viel. Sie helfen beim Fertigmachen des Wohnmobils und meistens sammeln sie noch Steine. Gestern hat Noah einen Knochen gefunden, den heben wir auch auf. Unsere „Natursammlung“ wächst. Dann ging es wieder auf den Freeway (also Autobahn). Wir hatten das Gefühl, dass man so nichts vom Land sieht und entschieden uns einen Scenic Byway zu nehmen. Nur irgendwie hatten wir etwas missverstanden. Wir dachten, diese kleine Strasse führt um den Lake Cöur d’Alene herum und ist 37 Meilen lang. Nur nach ca. 40 Meilen standen wir weit weg vom Freeway in der Landschaft und um wieder zurück zu kommen brauchten wir nochmal ca.50 Meilen auf kleinen Strässchen. Ich war sauer. Mein Gefluche nervte Gunter und er fühlte sich angegriffen. Nach einer Klärung ging es dann fluchend weiter aber trotzdem besser gelaunt. Eigentlich war die Gegend wunderbar grün. Ich konnte im Vorbeifahren einen Weisskopfadler sehen. Riesige Nester sieht man auf den Strommasten. Nur waren wir zu sehr damit beschäftigt den richtigen Weg herauszufinden. Eine „Abkürzung“ endete in einer Art Sackgasse und ich hatte Angst davor einige Meilen im Rückwärtsgang zurücklegen zu müssen. Irgendwann erreichten wir doch Spokane und suchten zur Belohnung einen Campingplatz mit Swimmingpool im Haus. Hier haben wir zum ersten Mal einen Telefonanschluss direkt am Wohnmobil. Das ist praktisch, denn ich konnte nachsehen welche Strassen in den Bergen schon befahrbar sind und welche nicht. Die zweiteren überwiegen. Wir schwammen nur recht kurz, denn das Wasser war zu kalt und wie immer zog es, denn eine grosse Tür stand offen. Amy bibberte sichtlich und unerlaubterweise gingen wir mit allen Kindern ins Jacuzzi, das heisse Whirlpool. Dann wieder eine belebende Dusche mit Amy um das Chlor abzuspülen und eine weitere Lieblingsbeschäftigung: Wäsche waschen. Glücklicherweise kann ich hier 4 Maschinen gleichzeitig laufen lassen. Und heute konnte ich beim Zusammenlegen fern sehen.

Essen kochen und Betten überziehen sind recht anstrengende Beschäftigungen, denn alles ist seehr eng. Bis dann alle drei Kinder angezogen sind und Zähne geputzt haben sind wir auch hundemüde. Die Route für morgen muss geplant werden, das Geschirr gespült und der Bericht geschrieben.
1. Mai, Curlew Lake, Washington
Der Morgen war geprägt von Stadt und Autowerkstatt. Es dauerte etwas, bis wir den neuen Reifen hatten, denn Cruise America wollte nicht recht, der Reifen war nicht auf Lager und er musste noch aufgezogen werden. Die Vorräte wurden aufgefrischt damit wir in einem State Park übernachten konnten und nicht essen gehen mussten. Und schon war der Vormittag weg. Schnell schliefen die Kinder im Wagen ein und es ging wieder in die Berge. Am Lake Curlew suchten wir einen günstigen Campingplatz und ich legte mich hin, da ich Migräne hatte. Ich dachte ich hätte den Kopfschmerz mit Lycopodium im Griff, jetzt kam er mit der Periode. Schade. Nach 45 Minuten waren die Kids so laut, dass ich aufstand und wir aßen zu Abend. Es gab Schinkennudeln und ich öffnete das Dachfenster, weil die heisse Luft unangenehm nach oben zieht. Ein Spaziergang am See tat gut aber es ging mir kopfmässig nicht besser und ich nahm eine Tablette und ging um 8:00 Uhr ins Bett.

Noah fühlte sich auch nicht wohl, er scheint zu wachsen und das Bein schmerzte ihm sehr. Nach einigem Gejangele meiner und Noah seits schliefen wir ein. Ich träumte es regnete und der Traum dauerte lange. Ich träumte es regnete immer mehr und es wäre nass. Immer wieder träumte ich es wäre nass. Endlich wurde ich wach, weil es nass war. Das Fenster über mir war noch vom Kochen offen und es regnete und die ganze Decke war nass, so dass es durchtropfte. Plötzlich war ich sehr wach. Das Fenster war nun zu, die Decke lag zum Trocknen über dem Tisch und ich hatte alle verfügbare Kleidung an, denn nur eine sehr kleine, sehr dünne Decke konnte mich nun versuchen warmzuhalten. Nach ca. 3 Stunden Gebibber war meine Polyesterdecke (sind die doch zu was gut) halbwegs trocken und ich ruhte noch ein wenig, eh mit der Sonne auch Amy aufstand. Washington ist nicht umsonst der Evergreen State – ohne Regen, kein „Immergrün.“
Was uns frustrierte sind die vielen Lastwagen mit Holz, die wir hier sehen. Man kann sich nicht vorstellen, dass so viele Bäume abgeholzt werden ohne Schaden anzurichten. An den Sägewerken wird es besonders schlimm und ich denke dankbar an Julia Butterfly und ihre soo wichtige Arbeit. Vielen Dank Julia und alle anderen Aktivisten.

Solche Sammelstellen sahen wir mehrfach. Das sind wirklich Unmengen Bäume.
2. Mai, Rockport State Park, Washington
Ausnahmsweise fuhren wir sehr früh los, wir waren alle früh im Bett gewesen und trotz der nassen Nacht munter. Der Morgen fing mit einer Fahrt durch ein absolut traumhaftes Tal an. Gunter hätte am liebsten überall angehalten zum Fotografieren. Das war so traumhaft, dass wir kein Bild mit der Digitalkamera gemacht haben, sorry, die versagt sowieso, wenn’s zu schön wird. Nach einigem hin und her entschieden wir uns für den North Cascades National Park. Zu dieser Jahreszeit kann man nur vorbei, nicht durchfahren, denn die Strassen sind zugeschneit. Also, auf in die Berge. Amy und Noah verschliefen die Schneemassen nur Esra rechnete aus, wieviele Schneemänner er bauen könnte. Ergebniss: viele. Wandern konnten wir nicht, denn nur die Strasse war schneefrei, die Wanderwege hatten noch mehr als 1 m hohen Schnee.

Das sieht wunderbar aus.
Doch nach diesem Summit kommen viele Stauseen und langsam haben wir genug von denen gesehen. Der Eingriff in die Nartur ist doch gewaltig, denn die Seen brauchen viel Platz und die natürlichen Wege der Tierwelt, besonders der Fische, werden durch die Dämme blockiert. Die Strommasten, die den erzeugten Strom dann transportieren verunstalten die Natur und das war besonders hier frustrierend. Die Berge sind wunderschön und es wurde schon allein durch die Strasse viel verändert. Irgendwie konnten wir es nach den Dämmen nicht richtig geniessen. Diese Staudämme liefern übrigens den Strom für Seattle.
Saftiges Grün im Rockport State Park
An diesen Bergen regnen die Wolken ab, die vom Meer kommen, und das ist der Grund, warum hier alles so wunderbar grün ist. Das es jedoch so traumhaft (noch nicht das richtige Wort, denn es ist viel imposanter) sein würde, dachten Gunter und ich nicht. Wir kommen uns vor wie in einer anderen Welt. Alles, jeder Zentimeter, ist grün. Wusstet ihr, dass es tausende von Grüntönen geben kann und die sind alle in diesem Wald vereint. Wahnsinn. Rosi, das würde dir gefallen, hier werden sogar Schnecken satt, ohne dass sie Schaden anrichten. Märchenwald kommt vielleicht am Besten hin.
Könnt ihr euch vorstellen, dass die Bilder oben und unten nur eine Stunde Fahrt auseinanderliegen? Wohl kaum. Aber es ist tatsächlich so. Noch eine Stunde weiter ist schon das Meer.

Wenn man länger als 2 Tage stehen bleibt, ist man selbst grün
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Auf unserem Stellplatz
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Zwerge gibt es im Märchenwald auch. So süß
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Die einzigen Camper, die es außer uns noch gibt, kommen auch aus Deutschland und wir tratschten ein wenig und tranken ein Bier miteinander.

Axel, Tina und Delle
Die Campground hosts sind auch sehr nett und wir plauderten auch dort, was dazu führte, dass wir die Wanderung auf morgen verlegten. Im Moment regnet es, woher soll das viele Grün auch sonst kommen?
3. Mai, Rockport und Anacortes
Es regnete 20 Stunden lang ohne Unterbrechung, und zwar so richtig heftig. Und dann hörte es auf, aber es tröpfelt ewig von den Bäumen herab. Wir hatten morgens eine Wanderung im Regen versucht, gingen aber nach kurzer Zeit zurück. Zu viel Wasser. Also schrieben wir Postkarten. Dann, in der kurzen Regenpause, schnell alle Kinder anziehen und loslaufen. Traumhaft, denn die Sonnenstrahlen, die durchkamen beleuchteten den Wald schön punktuell. Eine Art feiner Nieselregen kam von oben herab und das sah aus, wie tausende glitzernde Perlen. Nach so einem Regen ist alles klatschnass und wirkt besonders frisch, überall Wassertropfen und die Spinnenweben leuchten. Den Jungs zogen wir Plasiktüten über die Pullover, damit sie beim Wandern auf den engen Wegen nicht durchweichten. Das klappte wunderbar, natürlich mit der Warnung, nie selbst Tüten überzuziehen. Die Fototour tat gut, die Luft war so waldig frisch, es war aber auch anstrengend in dem Wirrwarr ein Foto zu gestalten. Wie konzentriert man sich bei so viel Grün auf das Wesentliche? Ein Problem waren auch die Stative, denn im so durchweichten Boden fanden sie keinen stabilen Halt. Spass gemacht hat es trotzdem.
Nach der Wanderung von ca. 2 Stunden, während der das Wetter halbwegs stabil war, waren wir alle müde, bis auf Amy, denn sie hatte in der Rückentrage geschlafen. Es goss wieder und ich war dafür, weiterzufahren. Vor allem auch, weil außer uns nun niemand mehr auf dem Campingplatz war und das ist für meinen Geschmack zu einsam. Also weiter Richtung Meer. In nur einer Stunde waren wir da und siehe da, sogar mit blauem Himmel.

Man kann sehen, wie die schweren Wolken vom Meer in den Bergen hängen bleiben und abregnen. Die Sonne tut sehr gut. Wir informierten uns, was die Fähre nach Vancouver Island kostet – fast 100$ von hier und dann suchten wir einen Campingplatz im Wald und trotzdem fast direkt am Meer, oder besser der Bucht. Esra freute sich riesig, wieder am Meer zu sein, diese Begeisterung teilt er mit mir. Gunter freute sich sehr über die Sonne. Nach einem guten mexikanischen Abendessen wanderten wir noch einmal los am Strand entlang, von wo aus wir den Sonnenuntergang bewundern konnten. Gegen Abend nervten uns jedoch die Militärflugzeuge, die mit grossen Getön über uns hinwegflogen und nicht weit entfernt landeten. Schade, und das in diesen wunderschönen Gebiet.
Eine Neuigkeit gibt es von Esra zu berichten. Er verkündete heute morgen stolz, dass er einen Wackelzahn hat. Mal sehen, wie lange der noch aushält. Und Amy hat 4 Eckzähne bekommen.
4. Mai, Victoria, Vancouver Island, British Columbia, Canada
Nach einem Morgenspaziergang am Meer fuhren wir über dieGrenze nach Kanada. Das dauerte, denn die Autoschlange war lang und wir mussten alle ins Büro uns einen Stempel in den Pass geben lassen. Und jetzt sind wir alle zum ersten Mal in Kanada. Wir suchten gleich eine Fähre, die vor Vancouver abgeht und siehe da, nur eine Stunde warten und für 75 Can$ fuhren wir drauf. Aber, oh, Schreck: Wir mussten zu den übergrossen Lastern, ganz unten in den Bauch des grossen Schiffs. Das ist ein Horror für mich. Dort bekomme ich Beklemmunsggefühle und es geht mir ganz schlecht. Zu allem Übel mustten wir zudem beim Ablegen und Anlegen im Wohnmobil zugegen sein. Wir haben es überlebt aber ich bekam davon starke Kopfschmerzen. Ansonsten wäre die Fahrt traumhaft gewesen. Wir fuhren an den vielen Inseln und einigen Walen vorbei und das Wetter, das zur Abfahrt sehr schlecht war, wurde endlich besser.
Auf dem Schiff gibt es eine kleine Spielecke für die Kinder und unsere Jungs fanden sogar einen deutschsprachigen Jungen zum Spielen. Jetzt sind wir auf einem Campingplatz in Victoria und wir gewöhnen uns wieder an das metrische System und den neuem Umrechnungsfaktor des Can $’s. Für Deutsche ist es viel günstiger in Canada, vielleicht sollten wir länger bleiben? Morgen werden wir Carl und Lianne treffen. Carl wohnte vor zig Jahrzehnten neben uns als er in der Armee stationiert war.
5. Mai, Victoria, British Columbia
Am Morgen fuhren wir zu Carl und Lianne. Carl war vor mehr als 25 Jahren als Soldat in Deutschland und wir waren sehr gut befreundet. Wir, mein Bruder Andi, meine Schwester Elke und ich spielten als Kinder mit Carls Kindern Karen und David. Ich habe die beiden seit 26 Jahren nicht mehr gesehen. Heute habe ich David getroffen und mit Karen telefoniert, wow. David hat sich sehr verändert, ha, ha. Carl hatte uns vor 6 Jahren in Deutschland besucht, also vor nicht allzu langer Zeit. Robbie, seine Exfrau besuchte und vor 7 Jahren und wir freuten uns riessig darüber, heute mit ihr und ihrer Mutter, die übrigens eine besondere Persönlichkeit ist, Essen zu gehen.

Robbie’s Mutter, Robbie Gabi und Noah und Carl
Den Kindern gefiel es auch und Amy verschlief das gesamte Mittagessen. Leider kamen die Kinder aus ihrer Reiseroutine heraus und sie ruhten heute Mittag nicht, was dazu führt, dass es gegen Abend zu wild wurde. Amy liebt Nicki, den Foxterrier. Sie ist fast ausgeflippt vor Freude, als sie Nicki sah. Scharie wird vermisst und wahrscheinlich fehlen wir ihr auch.

Carl wollte uns die Stadt zeigen aber wir bekamen nicht alle Kindersitze ins Auto. Also war unser Plan, dass Amy bei Lianne blieb während wir unterwegs sind. Die Jungs wollten jedoch auch lieber bleiben und daher nahm Carl das Telefon mit, damit Lianne anrufen kann, wenn die Kids nicht mehr wollen. Das Telefon klingelte nach einer Stunde Stadttour tatsächlich, denn alle drei waren beim Blumengiessen tratschnass geworden und Lianne bat mich, Esra zu sagen, dass seine Kleidung in den Trockner muss. Carl führte uns in eine Kneipe zum Bier aber nach nur wenigen Minuten klingelte das Telefon wieder und Esra war nicht mehr glücklich, wir sollten doch kommen. Als wir ankamen waren aber alle überaus froh, und sie hatten ein neues Wort gelernt: Cookies.
Victoria ist eine außergewöhnliche Stadt. Die Gärten werden überall mit viel Liebe und von Gärtnern gepflegt (wegen der Grösse.) Ausserdem gibt es wie in Boise sehr viele grosse Bäume in der Stadt. Die Bucht und die schneebedeckten Berge in der Ferne wirken ausnehmend malerisch. Der Baustil der Häuser ähnelt denen in San Francisco, also viktorianisch. Ich mag diesen Stil. Insgesamt könnte SF Probleme bekommen, meine Lieblingsstadt zu bleiben. Victoria ist ebenso multikulturell aber kleiner und übersichtlicher. Und mindestens genauso schön gelegen.
Zum Abendessen gab es Gunter’s Lieblingsspeise: Lachs. Und der ist wahnsinng frisch hier. Kurze Wege. Esra und Noah waren schon beim Zusehen begeistert (Warum ist der Fisch tot? Wo ist denn der Kopf? Wollte der kein Gemüse essen, weil Carl das jetzt in den Bauch legt? Warum glitzert die Haut?) und sie aßen auch alles auf. Besonders den Nachtisch: Erdbeeren mit Sahne. Amy liebte die Kartoffeln, sie rührte nichts anderes an, na ja bei den Erdbeeren wurde sie dann doch noch schwach.

Der Chefkoch mit dem Lachs.
6. Mai, Victoria
So, jetzt ist Victoria meine Lieblingsstadt. Da kann selbst San Francisco nicht mithalten. So grün, so british (europäisch), so beautiful.
Carl bereitete Pfannkuchen zum Frühstück (Fennekeiks laut Noah) und Würstchen. Schön einmal verwöhnt zu werden. Dann gingen wir ins Museum.
Wir hatten einen grossen Rucksack mit und den musste ich abgeben. Bisher habe ich nur 20$ Geldscheine gesehen und ich wechselte Geld, damit ich 1 $ bezahlen konnte. Die Frau hat sich sicherlich gewundert, weil ich plötzlich so staunend und genau studierend vor ihr stand. Die Münzen sind so anders als das amerikanische Geld. Es dauerte etwas, bis ich die 1 $ Münze hatte. Im Museum mochten wir alle die nachgebildete Stadt von der Jahrhundertwende am liebsten. Überall laufen Tonbänder, damit es echt wirkt und Esra und Noah glaubten das Meiste tatsächlich.(Pferdegeklapper, Schmiedehammer usw) Zum Beispiel gibt es im Bahnhof eine Wartehalle und irgendwann leuchten draußen Lichter und man hört den Zug kommen. Es wirkt sehr echt und ihr hättet die Gesichter der Jungs sehen sollen. Carl hatte sichtlich seinen Spaß.

So gegen 11:00 Uhr werden die Kinder meist quengelig und sie wollen ins Wohnmobil, welches wir nicht mit in die Stadt genommen hatten. Also fuhren wir zurück doch leider schliefen sie auf der kurzen Stadtfahrt im Auto nicht ein. Wir aßen Brötchen zum Lunch und zogen dann allein mit Liannes Auto los. In den 7 Wochen auf Tour habe ich mich sehr an das Automatikauto gewöhnt. Ich hatte Probleme, wieder mal beide Füsse zum Fahren zu benutzen aber nach kurzer Zeit klappte es wunderbar. Seltsames Gefühl ohne Wohnmobil, man muss an Extrakleidung für die Kinder und etwas zu trinken denken (sonst haben wir ja immer alles mit) Wir fuhren an den Strand, davon gibt es in der Stadt viele sehr schöne. Noah und ich suchten nach schönen Muscheln und Steinen während Esra und Amy auf dem Spielplatz waren. Dann wurde es uns aber zu kalt. Der Wind bringt kalte Luft vom Meer und wir entschlossen uns in die Stadt zu einem Buchladen zu fahren, denn wir im Vorbeifahren gesehen hatten. Mit der kleinen Karte von Carl fanden wir alles prima und so ein kleines Gefährt wie ein Van lässt sich mühelos parken. Der Buchladen ist toll. 3 Stockwerke und mit Cafe. Zurück zu Carl ist kein Problem mit Gunters guten Kartenkenntnissen und Karen wartete bereits auf uns als wir ankamen. So ein netter Mensch. Wahnsinn. Karen fährt für eine Woche auf Dienstreise und sie gab mir Schlüssel für das Auto und die Wohnung. Ist das nicht nett? Wir kennen uns eigentlich nicht mehr und sie überlässt es uns alles. Wahrscheinlich werden wir das Angebot nicht annehmen und weiterfahren, weil ich Linda Rogers, eine Schriftstellerin treffen will, trotzdem weiß ich das alles sehr zu schätzen. Lianne sagt über Karen: „she’s a beautiful person, inside and out“ und das ist wirklich wahr.
Um 6 Uhr gingen wir alle (Carl und Lianne, Robin, Karen, David und die Reicherts, also eine Family-Reunion für uns.) in ein italienisches Restaurant. Dort konnten die Kinder auf die Tischdecke malen, oder auch die Erwachsenen und das Essen war traumhaft.

Carl, Karen, David und Robin
Leider waren unsere Drei ziemlich aufgedreht und ich brauchte ewig für meine leckere Pizza. Zum Abschluss sassen wir mit Carl, Lianne und Karen mit Hund Nicky im Wohnmobil und plauderten. Karen hatte einen Schnupfen und ich bat ihr an etwas homöopathisches mit Hilfe meines guten Buch’s herauszusuchen. Ich wurde nach vielen Fragen fündig und habe das Mittel in unserer Hausapotheke. Es ist ja ein Versuch wert.

Karen mit Nicky. Schön, sie nach 26 Jahren wiederzusehen
7. Mai, Victoria
Morgens wieder Frühstück mit Lianne. Karen rief an und berichtete, dass zwar ihr Flug total schief ging und ewig dauern würde aber das homöopathischen Mittel ausgezeichnet geholfen hätte. Super. So können wir uns ein wenig für die Hilfsbereitschaft revancieren. Carl war zum Golfspielen schon unterwegs und wir verbrachten den morgen mit Lianne allein. Sie schlug vor in den Beacon Hill Park zu gehen um dort den Streichelzoo zu besuchen und Nicky, den Hund, im Park rennen zu lassen und danach in einem Drive In zu Mittag zu essen. Die Kinder liebten Streichelszoo, vor allem die Ziegen. Dann weiter durch den Park zu einem der schönen Spielplätze in Victoria und dann zum Drive In um Hamburger und Hot Dogs zu holen und auf der Wiese zu essen. Am frühen Vormittag fuhren die kleinen und die grossen Männer zu David, der bei der Feuerwehr arbeitet. Der zeigte ihnen alles und Alle, auch die grossen Männer, waren begeistert. Noah erzählte mir als erstes, dass die Feuerwehrautos nicht rot sondern gelb seien. Komisch was? Nur ein altes Auto war noch rot. Für Kinder ist die Farbe wichtig.

Mit Atemschutzgerät machte David den Jungs eher Angst
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Feuerwehrmann David Peterson, er hat lange auf diese Stelle gewartet
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Gunter mit dem grossen Dosenöffner
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Ein richtiges, rotes Feuerwehrauto zum Ausprobieren. (Esra mit der Zunge ständig am Wackelzahn)
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Ich wäre zu gerne mitgegangen aber Amy war müde und ich stillte sie bei Carl zu Hause, damit sie in Ruhe schlafen konnte. Den weiteren Tag verbrachten wir im Garten und beim Kochen. Carl und Lianne kochen gern und es tat gut verwöhnt zu werden. Mit unter war es sehr anstrengend auf die Kinder aufzupassen. Es gibt viele sehr wertvolle Gegenstände in der Wohnung und Carl ist kleine Kinder nicht gewohnt. Unsere Nervosität überträgt sich natürlich auf die Kinder und sie benehmen sich nur deshalb schlecht. Einmal füllte Esra Wasser in die Mülltonne. Ich war logischerweise nicht begeistert und Carl flippte fast aus. Er räumte die ganze Tonne aus, und zum Glück sind die beiden sehr ordentlich und der Müll ist so ordentlich verpackt, dass nichts herausfiel. Also musste die ganze Tonne umgedreht und halbwegs getrocknet werden. Mir war es sehr peinlich den sauber und schick gekleideten Carl Sonntag abends in der Mülltonne zu sehen. Ansonsten packte es Amy immer haarscharf an den teuren Vasen vorbeizurennen und ich veruchte so cool wie möglich zu bleiben. Am diesem Abend spielte Amy trotzdem versehentlich mit einem wertvollen Bild, dass aber bei Nickies Spielzeug auf dem Boden gelegen hatte. Danach fehlten einige Ecken, die ich und Lianne alle aufsammelten und mit Tesa anklebten zur späteren Reperatur. ahem. Jetzt weis ich nicht, was anstrengender ist: mit den Kindern am Rand des Grand Canyon zu Wandern oder Freunde, die selbst keine Kinder haben zu besuchen (und sie danach immer noch als Freunde zu haben. Ich glaube eher zweiteres. Die Eltern sind immer nahe am Herzinfarkt.

Quatsch am Abend
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in Victoria mit Lutschern und Brot
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Später Abends rief ich Robbie an um mit ihr noch ein Treffen zu organisieren. Ihr Vorschlag: Im Beacon Hill Park zum Streichelzoo und auf den Spielplatz und dann beim Drive In zu Mittag essen. Ich sagte wunderbare Idee, denn ich will sie nicht frustrieren und den Kindern macht das nichts aus, die freuen sich, wenn sie was schon kennen. Das war also der Plan für den nächsten Tag.
8. Mai, Victoria und Parksville, Vancouver Island
Nach den Frühstück gaben wir auch dem Wohnmobil wieder etwas zu futtern, nämlich Benzin und Propangas und fuhren alle frisch gestärkt zu Robbie. Dort erwartete und auch Doug, der uns mit Robbie zusammen in Deutschland besucht hatte. Gunter und ich freuten uns riesig.

Doug mit Amy, Robbie, die Jungs und ich
Und wieder in den Streichelzoo, die Ziegen sind so süß.
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Amy schaut immer nach, ob die Nase abschraubbar ist.
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Während des Lunchs versammelten sich alle Vögel um uns herum und es wurde recht laut. Besonders die Möven waren unverschämt. Wir konnten uns trotzdem nett unterhalten, während Esra und Noah den Müll von der Wiese aufsammelten. (ich glaube ich habe ihn zu gut erzogen, er räumt überall Müll weg, auch wenn mal keine Zeit ist) Und plötzlich flogen alle Vögel verstört weg. Ich kann es immer noch nicht glauben: Mitten in der Stadt kreiste ein riesiger Weiskopfadler über uns- Das ist irgendwie bezeichnend für Victoria. Es ist zwar eine Stadt (mit Vorstädten 300 000 Einwohner) aber trotzdem gibt es genügend Platz für andere Lebewesen. Wale, Vögel und die vielen Bäume, die übrigens nicht gefällt werden wegen der Stromkabel sondern einige Äste werden gekürzt und die Bäume wachsen um die Kabel herum. Das sieht teilweise komisch aus, aber die ganze Stadt sieht aus wie ein Wald. Um 1:00 Uhr fuhren wir dann in nördlicher Richtung los und alle drei hielten einen zweistündigen Schlaf. Ach, was hätt‘ ich auch gern geschlafen. Vor lauter Wald sieht man übrigens kaum das Meer, aber schön ist’s. Wir hätten zum Bungee Jumping halten können, und einmal im Jahr gibt es eine Spezialität, Bungie Jumping NACKT (da könnte ich mir dann nicht mal in die Hose machen, ha, ha, besser nicht.) Zusehen wär aber sicher interessant.
Wir sind nun auf einem State Park in Parksville und Gunter suchte vorhin fast vergeblich das Meer. Ebbe. Da das hier die Westküste der Insel ist und der Strand sehr flach ist, ist es fast wie an der Nordsee. Zum Muschelnsammeln aber ideal und Noah und ich suchten ziemlich lange ziemlich viele, ziemlich schöne Muscheln. Das gefällt mir. Den ganzen Tag am Meer und abends die Muscheln wieder rein werfen. Wir mussten sie aber behalten, sonst wäre Noah sauer. Heute abend war das Meer dann da, mit vielen Wellen und am Horizont die Berge auf Kanada’s Festland, ach wie schön. Ich freu mich schon auf morgen früh.

„welchen Stein werf ich zuerst?“
Auf dem Rückweg zum Wohnmobil trafen Noah und ich ein nettes Ehepaar und wir unterhielten uns. Die Frau brachte uns die Zutaten für Schmores, d.h. Graham Cracker mit zwei Stück Hershey Bar Schokolade mit einem über dem Feuer gerösteten Marshmallow und dann noch ein Graham Cracker obendrauf. Wir hatten unseren Spaß, denn nachdem schon mein Hühnchenfleisch ins Feuer gefallen und verbrannt war, machten wir hiemit gleich weiter. Die Marschmallows fingen dauernd Feuer und wir lachten uns eins. Geschmeckt hat es eher nicht. Halt wie verbrannte Mohrenköpfe, aber wir haben jetzt endlich mal Marshmallows gegrillt. Die Kinder mochten es auch nicht so, vielleicht waren die aber nur müde.
Nachts war ich noch zweimal kurz zum Meer, ob’s denn noch da ist. Was mich sehr erstaunte: die Muscheln, die auf den Wegen lagen leuchteten so stark, dass man sich nicht verlaufen konnte. Seltsam, aber schön. Das Meer war „sehr da“ und morgens vorm Frühstück und allem schaute ich nochmal und es war immer noch da.
9. Mai, Tofino, Vancouver Island – Westküste
Nach dem Frühstück gings sofort zum Meer, wohin auch sonst. Ich haben noch nie so viele Muscheln an einem Strand gesehen. Teilweise läuft man nur auf Muscheln. Es ist recht kalt und windig und überall hängen Wolken aber wir fühlen uns pudelwohl. Die Kinder sammeln Treibholz und bauen Indianerzelte und werfen Steine und sammeln Muscheln. Toller Spielplatz, tolles Spielzeug, nicht wahr? Und ich sammel auch gern Muscheln und helfe Amy beim Steinwerfen.

Jetzt ist das Meer „da“, entgegen Gunter’s Vorhersage
Um Punkt 11:00Uhr (da müssen wir raus sein) verlassen wir den Park um Richtung Westen zu fahren. Wir wanderten im Cathedral Grove und waren etwas enttäuscht. Die Bäume und der ganze Wald sollten so aussergewöhnlich sein, so gross und mächtig. Nur leider war hier vor 2 Jahren ein Sturm (der auch Julia Butterfly hoch oben im Baum gequält hat) so gewaltig, dass auch die allergewaltigsten Bäume umgefallen waren. Es sah schlimm aus und wenn man so als kleiner, „junger“ (alles relativ, oder?) Mensch durch den Wald wandert denkt man ständig, wann fällt der nächste fast 1000 Jahre alteBaum?, denn die, die noch stehen sind teilweise abgestorben und morsch. Schade, aber so ist es in der Natur. Auch ein sehr alter Wald muss irgendwann für einen neuen, jungen Platz machen. Die jungen Bäume brauchen Licht und wachsen erst, wenn die alten Bäume tot sind.

gefallene Bäume am See
Nur eine Strasse führt nach Tofino, wir haben also nicht viel Auswahl und können uns nicht verfahren. Ich freute mich sehr auf das offene Meer und die wilden Wellen. Die Fahrt dauerte recht lange, denn es gibt viele Kurven und die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt oft bei 40 kmh. Unterwegs sieht man den Kennedy River und später den Kennedy Lake. Sehr schön mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Die Wolken hörten sogar kurz hinter den Bergen auf und uns erwartete blauer Himmel. Wir assen in Tofino zu Mittag, zwar recht spät aber dennoch gut – Fish and Chips. und versuchten dann einen Campingplatz direkt am Meer zu finden. Das war sehr frustrierend. Einige Private waren sehr heruntergekommen, man musste auf Schotterstrassen und stand in den ungepflegten Hecken. Darauf hatten wir keine Lust. Die State Beach im National Park gefiel uns auch nicht, denn der Wald in dem die Campingplätze waren ist ein typischer „Meerwald“ und daher sehr dicht, damit das Meer keinen Schaden anrichten kann.. Die Stellplätze waren eher kleine, (Betonung auf KLEIN) dunkle Kämmerchen, ziemlich vom Meer entfernt. Es dauerte lange, bis wir dann aus Frust einen Platz nahmen. Natürlich auch nicht direkt am Meer und viele schon länger abgestorbene Bäume (das mag ich nicht so gern) auf den Plätzen. Na ja, man kann am Strand laufen, es gibt aber Inseln vor der Küste und daher ist das Meer sehr ruhig.
Die Kinder spielten alle im nassen Sand, das mögen sie besonders, schön klebrig, und wir wuschen die Wäscheberge. Irgendwie waren wir plötzlich zu spät für den Sonnenuntergang, den wir eigentlich alle ansehen wollten und ich flitzte nachdem alle in der Badewanne saßen schnell los. Ich hatte jedoch keine Chance mehr auf ein Foto, denn es war schon zu dunkel. Aber ich traf wieder ein sehr nettes Ehepaar, mit denen ich redete, weil sie auch ein Staiv mithatten. Sehr nette Leute, mit vielen Tipps rund ums Fotografieren. Wir wollen sie morgen am Strand treffen. Diese Gespräche mag ich besonders gern, denn man lernt so viel und knüpft Kontakte. Jetzt gehe ich besser auch ins Bett, denn um mich herum schnauft alles so friedlich und das Meer kann ich doch rauschen hören.
10. Mai, Tofino, Vancouver Island
Ich war zu spät im Bett und daher kam morgens alles nicht recht in Gang. Gunter war noch vom abend vorher knatschig, weil ich mich zu lange unterhalten hatte am Strand. Er ist sowieso genervt, weil hier jeder Parkplatz am Strand Geld kostet, ich möchte aber trotzdem das Meer genießen und das führte dann zum Streit. Schade, aber ich denke wir klärten alles und sprechen uns nun besser ab. Mir liegt viel an einer Whalewatchingtour, also einer Walfahrt. und daher suchten wir einen Anbieter, der die Kinder kostenlos mitnimmt, sonst wirds zu teuer. Morgen werden wir also für 100Can$ eine dreistündige Tour machen, hurra. Ansonsten haben wir uns heute das offene Meer angesehen, brrrr! Kalt aber schön. Und sind durch den Wald gewandert. Die Wälder direkt am Meer sind nur wenige hundert Meter breit, da im Winter viel Meerwasser hineingesprüht wird (Gischt) und nur eine bestimmte Baumart kann hier wachsen (irgendeine Spruce Art, ich müsste nachschlagen). Dieser Wald ist jedenfalls sehr dicht und wächst in Tunneln, die Krummholztunnel genannt werden. Sehr interessant, macht aber das Meer ziemlich unzugänglich. Das Treibholz spielt dabei eine grosse Rolle, denn die Stämme treiben hinaus und der Wald fängt am Strand an neu zu wachsen. So viel Treibholz wie hier habe ich übrigens noch nie gesehen. Esra flippt fast aus vor Freude – wo ist mein Freund Niklas?

diese kleine Insel ist kräftig grün, Schade, dass man es hier nicht gut sehen kann.
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im dichten Wald am Meer
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Wir sind für diese Nacht auf einem Campingplatz, der zur gleichen Beach führt, wie der Platz von der letzten Nacht. Wir sind jedoch viel näher am Meer und können es vom Fenster aus sehen. Heute ist es kalt und wir haben schließlich die Winterjacken herausgeholt. Amy läuft dummerweise immer ins Wasser und dagegen hilft dann auch die warme Kleidung nicht. An einem halben Tag braucht sie 4 Hosen und 2 Paar Schuhe – mehr hat sie leider nicht und Stiefel konnten wir bis jetzt nicht kaufen und hier in Tofino kann man wirklich nur das Notwendigste besorgen. Schuhe gibt es sowieso nicht hier im letzten Eck der Insel.
Trotz der Kälte haben wir fast den ganzen Tag am Strand verbracht und sind jetzt vom Wind zerwühlt und gesalzen. Diesen Sonnenuntergang ließen wir uns nicht entgehen und Esra und Noah waren wunderbar. Sie schwärmten die ganze Zeit – „oh, wie schön. Der Himmel ist so schön grün, rot, orange und blau. Mama mach hier ein Bild. Das ist doch wunderschön.“ usw. Und dabei blieben sie uns immer dicht af den Fersen auf den Felsen und beschäftigten sich geduldig bis kurz vor 10:00 Uhr. Vielen Dank ihr zwei Gauner. Wir trafen übrigens Tony, mit dem ich am Abend zuvor geredet hatte, wieder und fotografierten zusammen.
Heute nachmittag schaute ich alle Prospekte für das Whalewatching an und erklärte es den Kindern. Noah bekam grosse Augen (die hat er zwar immer aber diesmal waren sie besonders gross) und ich denke sie freuen sich auch auf die Fahrt. Ich hoffe es klappt alles gut.
11. Mai, Tofino
Gunter und ich waren ziemlich nervös wegen der Walfahrt und daher waren wir auch 45 Minuten zu früh dort. Weil wir wieder weggeschickt wurden, kamen wir schliesslich doch als Letzte am Schiff an. Jedenfalls fragte ich gleich, ob das Wetter, das auf uns einen schlechten Eindruck machte, gut genug für Whalewatching wäre, was bejaht wurde. Als wir dann zum Schiff kamen, nachdem alle Kinder in warme, luftgefüllte Anzüge, die leider viel zu gross waren, gesteckt worden waren, sagte der Mann, der das Schiff fuhr, dass wir nicht aufs offene Meer fahren könnten, weil es zu gefährlich sein. Komisch oder? Ich hatte doch gerade 1 Stunde vorher gefragt. Schade, ich hatte mich so sehr auf die Wale gefreut. Aber wir sahen viele Seeadler, einen Schwarzbären, der am Strand Krebse unter den Steinen suchte und kalifornische Seelöwen. Insgesamt war die Fahrt in den Fjorden jedoch interessant gewesen. Hier auf Vancouver Island gibt es sehr viel unberührte Natur, die man wirklich nur per Schiff oder Flugzeug (annähernd) erleben kann. Es gibt auf den kleinen Inseln vor Tofino Indianerreservate. Wenn man sich vorstellt, dass Vancouver Island schon eine Insel ist und diese Leute leben dann auf einer Insel vor der Insel und noch dazu an einem Dorf, zu dem nur eine kleine Strasse führt. Es muss sehr schwierig sein auch nur das Notwendigste einzukaufen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man schöner wohnen kann. Hier leben übrigens viele Indianer.
Aber zurück zur Walfahrt: Amy schlief recht schnell ein, was gut war. Als sie jedoch aufwachte hatten wir alle Hände voll zu tun, denn die dicke Jacke engte sie so sehr ein, dass sie knatschig war. Ausserdem wollte sie laufen was auf einem kleinen, schnellen Boot nicht meine Begeisterung fand. Diese Jacke war aber auf der anderen Seite auch für uns so dick und glatt, dass Amy nicht zu halten war. Stress. Und dann noch auf die zwei Jungs achten und Tiere und Landschaft beobachten. Fotografieren? Ja, ich hab’s versucht. Das Boot stank fürchterlich nach Diesel, komisch, denn wir fuhren mit ECO Tours. Ich dachte die legen Wert auf Umweltschutz. Ich bekomme jedenfalls von Dieselgeruch sofort Kopfweh und war entsprechend „begeistert“. Als wir wieder ankamen und die Jacken abgaben, wurde uns gesagt, dass wir am nächsten Tag noch einmal mitfahren könnten, weil wir keine Wale gesehen hatten. Ich glaube fast damit wird gerechnet und die meisten, wie wir reisen eh wieder weiter und können das Angebot nicht annehmen. Fotos gibt es nicht, denn Gunter wollte die wasserempfindliche Digitalkamera nicht mitnehmen.

Eine der schönen Muscheln

Wir nahmen extra eine Tüte mit für die Schmuckstücke. Amy hiflt fleißig mit. Das Weiße im Bild sind alles Muscheln.
Nach der Tour fuhren wir wieder Richtung Osten nach Parksville, wo wir 2 Tage vorher schon einmal waren. Das Wetter war insgesamt schlecht und daher machten wir keine Wanderungen unterwegs. In Port Alberni kauften wir eine Pizza und ich ruhte mich ein wenig aus. Irgendwie war ich hundemüde und konnte kaum die Augen aufhalten ausserdem fing ein Kopfschmerz an. Der Campingplatz in Parksville hatte uns so gut gefallen und daher sind wir nun wieder hier. Ein ausgedehnter Spaziergang im Watt machte uns bettschwer und jetzt kuschel ich mich zu den Jungs.
12. Mai, Von Parksville nach Vancouver, Canada
Es regnete stark den ganzen Morgen. Daher fiel unser Spaziergang ins Wasser,d.h. wir schauten nur schnell nach, ob das Meer noch da ist. Mein Kopf war alles andere als klar, ich nahm unterwegs eine Tablette. Den Kindern gefiel die Fahrt nicht so gut, weil sie vorher keine Möglichkeit hatten herumzutollen. In Victoria suchten wir dann Linda Rogers‘ Haus und parkten in der Nähe ihres Hauses direkt an einem Park mit grossem Spielplatz. Ich ruhte 30 Minuten, damit mein Kopf sich bessert während Gunter und die Kinder im Park spielten. Danach ging es mir besser. Linda kam dann gegen 2:30 Uhr nach Hause und wir tranken zusammen einen Tee im Wohnmobil, für die Kinder gab es ein Eis. Ich hatte gesagt, dass wir besser draussen bleiben, denn zu viele nette, kleine, wertvolle Dinge könnten die Kinder im Haus faszinieren. Nach Carl’s Haus hatten wir genug. Zu anstrengend. Dann haben wir lieber die berühmteste Poetin Kanada’s im schmutzigen, unordentlichen Wohnmobil. Verrückt sind wir eh. Linda war sehr nett und sie will sehen, wie sie uns mit dem Buch helfen kann. Ich bin mal gespannt.

Da meine Internetfreundin Pam wieder zu Hause ist (in Vancouver) entschieden wir uns nicht länger auf der Insel zu bleiben, denn es ist Wochenende und Pam muss nicht arbeiten. Wir schafften es zur 5 Uhr Fähre und diesmal ging es mir etwas besser unten drin. Es waren auch nicht so viele und nur kleinere Lastwagen da. Das Wetter war hier so gut, dass wir fast die ganze Zeit auf dem Deck verbrachten. Ich sah mehrfach Delphine, toll, was?

unten in der Fähre,diemal neben kleinen Lastern
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ein Mann machte ein Bild von uns allen auf dem Deck.
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Doch dann fanden wir ewig Burnaby nicht, denn unsere Karte reichte für die grosse Stadt nicht aus. Ziemlich frustriert überredete ich Gunter, doch eine gute Karte von Vancouver zu kaufen und dann klappte es endlich. Der Internetanschluss ist direkt über dem Swimmingpool an einem Payphone und ich wollte die Emails abholen. Es klappte nicht und ich war hinterher klaptschnass geschwitzt. Das Jacuzzi wirkte oben wie eine Sauna. Also sprang ich nach der sehr nötigen Dusche kurz in dieses Pool, dass mir vorher die Hitze gebracht hatte. Tat gut, denn ich vermisse immer noch die Badewanne.
13. Mai, Vancouver, Canada
Samstag. Und wir waren brav und putzten das Wohnmobil gründlich. Ich glaube die vielen Deutschen um uns herum inspirierten uns dazu. Lauter Wohnmobil Neulinge (so wie wir vor einigen Wochen), die beim wegfahren die Kabel vergessen. Ha, kann uns nicht passieren, ahem. Meine alten, treuen, sehr geliebten Sandalen hatten in Victoria den Geist aufgegeben. Also fuhren wir mit sauberem Wohnmobil zum nächsten Einkaufszentrum wurden jedoch bis auf einen Teletubbie der spricht (14 DM.) nicht fündig. Jetzt plabbert noch einer mehr hinter uns. Dann erreichte ich Pam und wir fuhren direkt zu ihr nach Vancouver. Mit der guten Strassenkarte war es ein Kinderspiel (nur kommen wir in so viele Gegenden, dass wir reichlich Geld für Karten ausgeben müssten um überall gut herumzukommen). Wir fanden sogar einen Parkplatz vorm Haus auf einem Safeway und jetzt konnte ich sehen mit wem ich schon seit mehr als 2 Jahren fleissig Emails schreibe. Schon komisch, den Menschen hinter dem Geschriebenen kennenzulernen, wenn man denkt man kennt sich nach so viel Schreiberei. Pam war die erste, die ich im Internet kennengelernt habe und wir schrieben eine ganze Weile täglich, jetzt mindestens einmal pro Woche und da erfährt man in mehr als 2 Jahren schon viel. Ach, was ist das Internet so nett. Pam’s Lebenspartnerin Pat ist übrigens Linda’s Mutter. Amy freute sich sehr über Koji, den Kater, und auch bei ihm ist die Nase nicht abschraubbar. Sie hat es wieder getestet. Wir gingen zusammen griechisch Essen und an den Strand bevor sich Pam für ein Tina Turner Konzert fertig machte.

mit Pam vor der Skyline von Vancouver.
Auf dem Weg zu Pam hatten wir viele Outdoorläden gesehen und ich besorgte Sandalen ganz kurz vor Ladenschluss, wahrscheinlich etwas zu übereilt. Auf der Fahrt beschlossen wir schweren Herzens nicht noch einmal in die Stadt zu fahren und daher fuhren wir nach Washington in den USA zurück. Jetzt sind wir also auf dem „Rückweg“, nur noch 4 Wochen, jetzt wo wir ein so gut eingespieltes Team sind. (Unverschämt? JA.) Alle drei wilden Gauner waren übrigens so müde, dass sie von 6-8 Uhr geschlafen haben. Was das bedeutet wissen alle Mütter und Väter. Bis Mitternacht bebte das Wohnmobil. 30 Minuten Ruhe pro Tag zu zumutbarer Zeit wären traumhaft für uns, aber….
14. Mai, Potlach State Park, Washington, Route 101
Der Highway 101 rund um das Olympic Peninsula ist wie auch der Highway 1 in der Nähe von Big Sur, sehr bekannt und daher machten wir uns auf den Weg dorthin. Im Olympic National Park sind unglaublich viele verschiedene Landschaften vereint. Es gibt Gletscher, Berge, Wiesen, Seen, Flüsse, Strände, Meer und Regenwälder und natürlich alle Bewohner dieser Gebiete. Auf dem Weg dorthin liegt Seattle und nur ein grosser Umweg hätte uns außen herum führen können, also entschieden wir und für den direkten Weg. Seattle ist für seine Buchläden berühmt und Gunter meinte wir sollten das nicht ungewürdigt lassen. Also mitten hinein ins Gewühl mit dem Wohnmobil. Der Verkehr ist übrigens der zweitschlimmste in den USA nach Los Angeles. Im Universitäts Viertel hielten wir, da das noch halbwegs erreichtbar ist und nach ein paar Minuten hatten wir auch für das große Gefährt einen Parkplatz. Der Buchladen war toll, nur die Kinder wollten alles kaufen und das wurde dann auch lautstarkt kundgetan. Ich bin immer noch auf der Suche nach neuen Autoren und dazu brauche ich etwas Ruhe und Gunter sucht Raritäten. Es klappte halbwegs, denn die Kids hatten sich morgens auf dem mit Kuhdung gedüngten Campground nicht richtig austoben können. Der Besuch im Buchladen war also recht kurz. In diesem Viertel gibt es viele Restaurants und Copyshops und Buchläden – richtig studentisch. Da wir sowieso schon parkten gingen wir von der Neugierde getrieben in ein Sherpa Restaurante. Ich wollte wissen, wie der Buttertee der Tibeter schmeckt und Gunter ist immer offen für Neues. Die Bedienung war sichtlich „begeistert“ unsere netten Kinder zu sehen und diese benahmen sich dann auch den Erwartungen entsprechend. Die waren laut und verschütteten Wasser und kletterten auf dem Tisch (mit Glasplatte) herum. Sie waren nicht zu bändigen. Das Essen war recht gut, sehr scharf und sehr farbkräftig. Den Kindern hatten wir Chicken Lollipops bestellt, welche zu unserer Überraschung leuchtend rot waren. Was würden die Drei damit machen? Wo würde die ganze Farbe enden? und sind sie so scharf wie unser Essen?

Sie schmeckten Amy und Esra, Noah aß lieber meinen Reis. Ausser auf unseren Klamotten landete dann durch unsere gute Aufsicht nichts und die wahrscheinlich kinderlose Bedienung lächelte erst, als wir in der Tür waren. Der Buttertee schmeckte – na ja. Ich bin trotz allem froh, einen kleinen Eindruck von Seattle bekommen zu haben. Für meinen Geschmack zu gross und daher zu schmutzig. Esra und Noah waren ausser sich vor Entsetzen. Warum werfen die Leute alles auf die Strasse, wenn es doch so viele Mülleimer gibt? Ich war sehr froh, dass Esra seine Aufräumwut unter Kontrolle hatte, denn das hätte zu lange gedauert. Erklären kann ich ihm sowas leider nicht. Unsere Routine hatten wir noch nicht zurück, denn die Drei schliefen wieder ein. Und zwar von 5-7 Uhr. Wieder eine ganze Nacht ohne Schlaf für uns. Wir sind abends auch müde und würden gerne in Ruhe den nächsten Tag planen und Tagebuch schreiben. Diesmal legten wir uns einfach alle ins Bett und machten das Licht aus um10:00 Uhr, die beiden Kleinen waren trotzdem bis 12:00 Uhr munter Jetzt habe ich heute gesehen, dass der Mond immer voller wird – DAS ist der Übeltäter. Eine Woche vor Vollmond schlafen unsere Kinder nicht. An diesem Abend fanden wir einen Campground am Strand mit einem kleinen Bach auf unserem Stellplatz mitten im Wald. Amy wurde einmal ziemlich nass und sie erkältete sich leicht. Spaß hatten sie am Wasser alle und wir bekamen zusätzlich eine kostenlose Nachtmusik.
Am Strand gab’s einem Baum, der so viele einzelne Stämme hatte, dass wir alle Platz darin fanden. Esra und Noah sind immer begeistert von diesen Baumhäusern.
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Hier sind alle Muscheln mit Namen und genaueren Angaben aufgeführt. Pro Tag darf man nur 15 Austern schlürfen. Ich verzichte heute mal auf meine.
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15. Mai, Salt Creek
Nach ausgiebigem Austoben kinderseits fuhren wir Richtung Port Angeles, die einzige „grössere“ Stadt am Highway 101. Dort hatten wir einiges zu tun: Einkaufen, Ölwechsel (schon wieder 3000 Meilen gefahren) und Tanken. Das dauerte alles ewig und machten den Kindern keinen Spass. Danach fuhren wir nur ein kleines Stück weiter um im Salt Creek State Park Station zu machen. Ein sehr schöner Campground mit vielen Möglichkeiten für die ganze Familie. Es gibt einen Spielplatz und auch Amy kann das mittlerweile sagen, es gibt außerdem eine große Wiese zum herumtollen und herunterrollen, wir haben sehr liebe Nachbarn, das Meer liegt direkt vor uns, und weiter am Horizont meine neue Lieblingsstadt, Victoria. Und es gibt viele schöne Tidepools und einen wunderbaren Sonnenuntergang. Wir parken heute auf einer Wiese, denn im Wald ist es zwar wunderbar aber man wird morgens so spät wach, denn es wird nicht richtig hell. Ich stellte unseren RV direkt neben einen anderen einsamen Camper, weil ein Baum da Schatten spendet und fragte gleich, ob er was gegen Nachbarn hätte. Es scherzte, wenn wir nichts gegen einen Dudelsackspieler hätten. Aber es wäre seine zweite Unterrichtsstunde. Es stellte sich heraus, dass John und Lorainne sehr Kinderlieb sind und wir hatten den ganzen Nachmittag viel Spass miteinander. Alle sassen bei einem Bier (Gunter) und Scotch mit Wasser on the Rocks (oder so, ich kenne mich ja nicht aus) zusammen. Ich wollte das mal probieren und bat um einen ganz kleinen Schluck, war dann aber doch recht froh, dass Amy alles umkippte. Machmal gar nicht schlecht so was. Jedenfalls war John der erste, der richtig mit den Kindern spielte und überhaupt keine Verständigungsprobleme hatte. Esra und Amy mochten ihn auf Anhieb und Noah wurde dann auch wild mit ihm. John und Lorainne haben selbst 4 Kinder und 5 Enkel, sie sind also kindererprobt.
Gegen abend wanderten wir dann im Park und fotografierten. Ich hatte natürlich mal wieder den Adapter für das Stativ vergessen und musste den ganzen Weg zurückrennen – kostenloses Fitnesstraining. Und trotzdem: Ach, was fühl ich mich am Meer so wohl.

16. Mai, Olympic National Park
ACHTUNG: viele Superlative..
Während die Kinder im Wohnmobil spielten, schaute ich die Tidepools in den glitschigen Felsen an. Eine solche Vielfalt an Lebewesen hatte ich nicht erwartet. Es ist schwierig zu laufen ohne „jemandem“ auf die „Füsse“ zu treten. Für eine Fotografin war die Farbenpracht wahrlich traumhaft (nur mein Stativ war im Wohnmobil, damit die anderen nicht zu lange warten müssen – schnieeff). Stundenlang, oder zumindest bis die nächste Flut kommt, kann man sich hier umsehen. Den Kindern hätte es sicher auch gefallen, nur ist es, für Kinder und Meeresgetier und „-gepflanz“, zu gefährlich.

Schade, auf diesem Bild wirkt es nicht sehr gut. Stellt es euch glitschig, nach Meer riechend und kalt vor. Dazu noch das Rauschen der Wellen und das Kreischen der Möven.
Dann fuhren wir zur Musik von Johann Sebastian Bach auf einer schier himmlischen Strecke entlang des Lake Crescent. Mir fehlen immer noch die Worte, sorry. Nach einer 30 minütigen Wanderung durch den Old Growth Forest (Wald mit alten Bäumen) sahen wir den schönsten Wasserfall bisher. Über Terassen plätschert das Wasser zwischen moosbewachsenen Steinen im schönen Wald und die Sonne setzt mit feinen Lichtsstrahlen ihre Akzente. Zwei Fotografenherzen schlugen schneller, drei Fotografenkinder weilten geduldig eine Stunde lang und mehrere Filme wanderten als belichtet in den schon ziemlich vollen Kühlschrank.

Der Sol Duc Fall, ein kleiner Eindruck mit der Nikon Coolpix
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Der Sol Duc weiter unten, einen Lachs habe ich mit der Digitalkamera nicht fotografieren können, denn die ist zu langsam. Manchmal landete ein Lachs auf dem Fels. Der Wasserfall ist übigens so laut, dass man sich nicht unterhalten kann.
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Aufpassen mussten wir nur auf den Puma, hier auch Cougar genannt. Überall gibt es Warnschilder, man solle kleine Kinder nicht aus den Augen lassen. Auf dem Campingplatz unweit des Wasserfalls war in der letzten Zeit mehrfach ein Puma gesehen worden und dieser tat zwar den Menschen nichts, griff aber einen Hund an. Von der geplanten Benutzung dieses Campingplatzes sahen wir danach ab. Auf dem Weg zum Highway 101 entdeckten wir weiterhin ein sehr schönes Birkenwäldchen und einen weiteren, eindrucksvollen Wasserfall, in dem man Lachse beobachten konnte. Na ja, ich lief schnell hin, nachdem Gunter das Birkenwäldchen intensiver betrachtet hatte und machte Fotos. Lachse sah ich nicht und wollte gerade wieder gehen, als ich im Augenwinkel etwas Großes über das Wasser fliegen sah. Tatsächlich gab es Lachse und zwar recht viele und diese sprangen die Stromschnelle hoch. Schon oft hatte ich darüber gelesen aber so etwas zu sehen beeindruckt extremst.. Welche Kraft müssen diese Fische aufbringen um an die Stelle ihres Lebensanfangs zu kommen? Nach dem Laichen sterben die Lachse und Bären und Adler besorgen das Recycling. Wilde Lachse gibt es nur noch selten in den USA, denn zu viele Dämme versperren ihnen den Weg zu den Laichgründen.
Wir fuhren also nach Forks, der nächsten „Stadt“ um einen Campingplatz mit Hook up und Wäscherei und ohne Puma zu finden. Das chinesische Essen schmeckte heute nicht so gut aber wir wurden trotzallem alle satt. Ach und in Port Angeles, zu Beginn der heutigen Reise, hatten wir uns ein mittelgutes Fernglas gekauft – wo sind jetzt die Wale und Seeadler?? Der Mann, der es uns verkauft hatte, erzählte von Deutschland. Bezeichnend ist, dass er schon immer in den Schwarzwald wollte und als er dann dort war hat er ihn verpasst, denn er fuhr durch ohne es zu merken. Das kann man gut verstehen, denn solche Wälder gibt es hier auf der Peninsula so viele und Grosse, dass die „Größe“ des Schwarzwaldes einfach untergegangen ist.
17. Mai, Hoh Rain Forest
Da es nachts zu spät geworden war, kamen wir morgens wieder nicht früh aus dem Bett. Wir machten dumping (Wasser ablassen und auffüllen), ich schickte Emails ab (deswegen war es auch nachts so spät geworden) und die Kinder spielten auf dem vom Regen nassen Schotter und Matsch, was bedeutete, dass die am Abend gewaschene Wäsche wieder im Kofferraum bei der Schmutzwäsche landete. Dann fuhren wir die kurze Strecke zum Hoh Rain Forest. Rockport State Park, in dem wir vor zwei Wochen, waren, hatte uns verwöhnt mit seiner Schönheit und wirkt, wie der Antelope Canyon immer noch nach. Daher riss uns dieser Regenwald nicht so sehr vom Hocker, was nicht bedeutet, dass er nicht ansehnlich ist. Ich war total frustriert, weil ich beim lauten Spielen der Kinder einfach nicht die nötige Ruhe und Konzentration zum Fotografieren fand. Der Wald besteht aus so vielen kleinen und grossen Gewächsen, dass es seeehr schwierig war gute Bilder zu komponieren. Das Ganze endete darin, dass ich am Ende der Wanderung ins Visitor Center ging und ein Buch über den Park kaufte. Für uns beide war es das Konzentrieren auf die Fotografie sehr ermüdend und völlig ausgelaugt fuhren wir zum Strand.

Das ist „nur“ die Strasse vor dem National Park, im Park selbst haben wir aus wassergründen nicht mit der Digitalkamera fotografiert.
Unterwegs waren Noah und Amy eingeschlafen und daher konnten wir die Strände nicht erforschen. Das machte mich wahnsinnig traurig und ich bedauere immer noch, dass ich dort nicht mehr Zeit hatte. Auf dem Campingplatz im Park konnten wir nicht, weil unsere Fahrzeug zu lang ist. Es standen zwar verbotenerweise noch längere RV dort aber wir passten nicht mehr hin.

Wieder sehr viel Treibholz und der Strand aus flachen Kieselsteinen.
Hier gibt es überall Tsunami-Warnschilder. D.h. wenn es ein Erdbeben gibt muss man schleunigst an Höhe gewinnen oder ins Landesinnere fahren, denn das Erdbebengebiet liegt im Meer und das kann zu sehr hohen Flutwellen – den Tsunamis – führen. Wie sagt Rosi da: jeder Käs‘ hat Löcher. Das beunruhigt mich sehr und ich schlafen nicht so gut.
Die Fahrt war heute frustrierend. Ich dachte das Indianer Reservat, dass wir durchqueren mussten wäre landschaftlich und auch kulturell schön – denkste. Wir mussten, nach der Regenwalderfahrung, den schlimmsten Kahlschlag bisher ansehen. Sonst gibt es wenigstens an den Seiten der gerodeten Flächen noch Wald, hier ist fast alles kahl. Und zwar richtig. Meilenweit. FRUST.

Das war der Wald. Es wäre besser, wenn einige Bäume dazwischen stehen blieben.
Der Strand an dem wir heute Campen ist auch nicht überragend. Vor wenigen Jahren änderte der Fluss, der hier ins Meer fließt, seine Route und jetzt sitzen wir direkt davor. D.h. man kann aufs Meer hinausschauen aber nicht an den Strand, denn der Fluss müsste durchquert werden. Also, eine lange Wanderung an den Strand weiter nördlich, ein ganz flacher Sandstrand mit viel Müll, und dann waren die Kinder natürlich schon müde, eh wir am Meer waren. Na ja, wir unterhielten uns mit einer Familie, die uns freundlich darauf hinwies, dass es nicht gut ist, wenn Amy mit dem Abwasserschlauch spielt. Daran hatte ich noch nicht gedacht, dass es komisch aussehen muss, wenn unsere Kinder mit dem extra für diesen Zweck gekauften Schlauch (was aber niemand weiss) spielen. Jeder der uns sieht denkt, die wir lassen die Kids mit dem für Kacke benutzten Gülleschlauch hantieren. Die denken wahrscheinlich: „dumme deutsche Touristen, die sich nicht auskennen“ Ansonsten ist es hier wieder viel kälter. Ohne Jacke unbequem.
18. Mai, Nehalem State Beach, Oregon
Morgens sind wir nicht mehr ans Meer, weil die Wanderung dorthin zu anstrengend war. Wir hatten vor, unterwegs anzuhalten und an einem Strand zu laufen und die Kinder spielen zu lassen. Irgendwie waren die Strände, an denen wir schauten, nicht so schön und dann waren Noah und Amy eingeschlafen und wir wollten nicht halten, um die Beiden nicht zu wecken. Bei Astoria mussten wir den Columbia überqueren und dazu fuhren wir die längste, durchgängige Brücke (4,1 Meilen) über einen Fluss. Dort liegt die Grenze zu Oregon und das Wetter war entsprechend der Warnungen von Freunden, schlecht. „Leute aus Oregon werden nicht braun, sie rosten.“ „Oregonier können in zwei bis drei Richtungen auf Vulkane zeigen, jedoch sieht man diese vor Wolken nicht“ und so weiter …
Die ganze Küste von Oregon ist von Tsunami-Warnschildern bestückt und viele Schilder verweisen auf die Evakuierungsroute im Falle eines Erdbebens. Mir reicht eigentlich die Angst vor Erdbeben und hier muss man dann noch zusätlich, wenn überhaupt möglich, das Weite suchen. Die Tsunami Wellen können mehrere Meilen ins Land rein schwappen und so richten massiven Schaden an.
Wir besuchten jedenfalls den Strand bei Ecola State Beach und dort die Indian Beach. Das war prima, denn der Strand bestand aus Sand und Kieselsteinen. Ich hatte Spass beim Fotografieren, denn zwei Frauen aus Colorado lieen ihren Golden Retriever im Wasser rennen. Die Kinder bauten wieder Hütten aus Treibholz.
Das scheint auch Erwachsenen Freude zu bereiten, denn Hütten aus dem Treibholz findet man an jedem Beach.Teilweise sehr grosse und wunderbar gebaut. Dann suchten wir einen Campground in einem State Park weiter südlich, das Wetter war nun jedoch so schlecht, dass die Jungs und ich durchweicht vom Ausflug an den Strand zurückkamen. Ein Kopfschmerz trieb mich früh ins Bett aber am morgen war’s noch nicht besser.
19. Mai, Lincoln City
Es rieselte und nieselte und war tierisch neblig. Von überallher kam die Nässe. Noah hatte mittlerweile drei Jogginghosen nass und bei diesem Wetter trocknete nichts im Wohnmobil. Ich lief morgens 10 Minuten und war durch die Jacke hindurch nass. Der Neben verhinderte zudem den Blick weiter als 50 Meter. Mein Kopf war richtig „matschig“ und ich knatschig. Die Kinder fühlten sich nach einer Weile im Wohnmobil auch nicht mehr wohl und wir beschlossen nicht auf besseres Wetter zu warten und weiterzufahren. Weiter südlich, in Tillamook, gibt es eine Käsefabrik, die man besichtigen kann. Das ist doch ideal bei dem Wetter, gell? Im Homöopathie Buch fand ich ein Mittel für mich, dass passte – Magnesium phosphoricum- und das probierte ich aus. Es half und mir ging es so gut, dass ich sogar vergaß, dass ich Kopfschmerzen gehabt hatte. Die Käsefabrik war sehr interessant und die Jungs amüsierten sich köstlich. Durch Glasscheiben kann man das Treiben in der Fabrik betrachten und alles wir anhand von Videos erklärt. Der Käse steht zum Probieren aus und ausserdem können Souvenirs gekauft werden.

Tillamook-Käse-Fabrik
Als wir wieder draußen standen, hatte sich das Wetter erheblich gebessert und nur auf den höher gelegenen Straße war es noch neblig. Alles in allem ein beeindruckender Anblick. Hügel, Nebel, Wälder, Flüsse und das Meer. Dazu viele Kühe, die hier wahrscheinlich Schwimmflossen haben. In einem Shopping Outlet kauften die Kinder mal wieder Bücher – von wem die das wohl haben? und dann hielten wir in Lincoln City an einem Campingplatz am See mit einem 5 Minuten Weg zum Strand. Dort waren wir dann auch, damit die Kinder richtig toben konnten, was sie auch taten und hinterher badeten sie alle, denn zu viel nasser Sand war mitgekommen. Ich hatte viel Spaß beim Beachcombing und fand auch eine sehr schöne Muschel. Die Tidepools sind hoch interessant aber die Kinder liesßen wir nicht zu nah dran, denn es gibt „Sneaker“ Waves, d.h. Wellen, die unverhofft hoch ans Land kommen und durch die Kraft und den Sog Menschen ins Meer ziehen. Logischerweise sind diese sehr nah an den Tidepools. Morgen werden wir nach Portland fahren um Scott Noelle vom Liedloff Continuum Netzwerk zu treffen und am Montag ist Julia Butterfly dort in einem Bookshop und was glaubt ihr wer da hin will?
20. Mai, Portland, Oregon
Das Wetter war toll morgens und aus diesem Grund suchten wir uns einen schönen Strand. Die Fahrt nach Norden dauerte ein wenig, doch dann konnten unsere drei sich richtig lange austoben. Wir uns übrigens auch – ich suchte Muscheln und Gunter erkundete die Gegend mit dem Fernglas. Drei Felsen im Meer dienen Papageitauchern als Brutstätte, nur mit dem Fernglas erreichbar. Mein Kopf schmerzte übrigens wieder.

Das Bauwerk der Kinder im Vordergrund und die Heimat der Vögel im Hintergrund
Wir aßen Mexikanisch zu Mittag und dann übernahm Gunter das Fahren nach Portland während ich versuchte mich halbwegs zu kurrieren. In Portland wechselten wir und Gunter, der Navigator, las die Karte. Scott’s Haus fanden wir recht gut und die Kinder waren froh mal einen Garten zum Spielen zu haben. Scott und Beth haben eine dreijährige Tochter Olivia, daher ist es recht einfach mit Esra, Noah und Amy. Gegen Abend kamen die Jacksons zu Besuch, mit Tommy und Lillie und das Haus war voll. Schön mit „Gleichgesinnten“ zu reden. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass man Leute im Internet kennenlernen kann und man weis, dass man sich gut verstehen würde und dann versteht man sich tatsächlich wunderbar.

Christine und David mit Lillie, Beth und Scott und ich auf dem Spielplatz

Es war sehr warm nach dem Regen und die Kinder waren nur leicht bekleidet, was viel Fläche für Kunst bot. Olivia war sehr stolz, denn Esra hatte sich viel Mühe gegeben.
Außergewöhnlich war, dass Samstag Nachts die Strasse direkt neben unserem Wohnmobil aufgerissen wurde. Das Problem wäre eigentlich ein Kleines gewesen, wenn die Arbeiter nicht ein Rohr angebaggert hätten. Aber als wir alle im Bett waren, zogen auch die Bagger von dannen und wir verbrachten eine ruhige Nacht vor Scotts Haus.
21.Mai, Portland
Hier gibt es nicht viel zu berichten. Die meiste Zeit verbrachten wir mit den spielenden Kindern im Garten der Noelles. Unsere Drei mögen das sehr gern nur Olivia ist etwas überrumpelt von drei Eindringlingen mit denen sie ihr Spielzeug teilen muss. Damit sie etwas Ruhe finden konnte, fuhren wir mittags für 4 Stunden in die Stadt und besuchten die berühmten Portländischen Buchläden. Die sind hier besonders gross und gut – weil es viel regnet. Da haben die Leute mehr Zeit zum Lesen.
Beth las Julia Butterfly Hills Buch, denn sie will morgen mit mir zum Vortrag gehen. Und wir unterhielten uns alle den ganzen Tag über Communities und philosophische Dinge. Schön.

Beth und Olivia
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Scott und Olivia
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So sieht es dann aus. Und der Schrank oder was auch immer wird doch bald wieder weggeworfen, weil es keine Qualitätsarbeit ist. Frust.
22. Mai, Portland – Julia Butterfly Hill
Damit wir nicht dauernd in Scott’s Haus waren und wir auch mal raus mussten, fuhren wir zu den Gorges, d.h. dem Columbia River und einigen Wasserfällen. Die Fahrt zu den berühmten Multnoma Falls war recht kurz und nach einer kleinen Wanderung entschieden wir uns den Mount Hood näher zu betrachten. Das dauerte ziemlich lange und dann stellte sich heraus, dass man zum Parken in diesem schönen Gebiet eine Erlaubnis braucht, an die wir so schnell natürlich nicht herankamen. Wenn wir einen bestimmten Wasserfall gefunden hätten, hätten wir ein Ticket einfach riskiert, diese Chance bekamen wir jedoch nicht. Schade.
Mount Hood in der Ferne, ein sehr schöner Vulkan
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Portland, mit dem Zirkus im Vordergrund – eine schöne Stadt mit vielen alten Bäumen. Und vielen Eichhörnchen
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Gegen 5:00 Uhr kamen wir bei den Noelles an und Beth hatte schon eine Lasagne vorbereitet. Lecker. Dann fuhren wir zu Julia Butterfly Hill – ich hatte sehr lange darauf gewartet und freute mich riesig, dass alles klappte. Glücklicherweise hatte Beth am Vormittag Eintrittskarten besorgt, denn ohne wären wir nicht in die First Unitarian Church gekommen. 150 Leute warteten vergeblich auf Einlass, denn alle Plätze waren besetzt.
Julia war einfach grossartig. Sie versuchte die Leute davon zu überzeugen, dass sie keine Heldin ist und machte sich über sich selbst lustig – nämlich, wie sie die Zeit in Luna (dem 180 Fuss hohen Baum) während des schwersten Sturms seit der Aufzeichnung des Wetters überstehen konnte. Ihrer Meinung nach nicht sonderlich würdig – aber wer hätte das schon? Sie verstand es ihre Emotionen während dieser Zeit sehr gut darzustellen und hatte die Gabe die Leute zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Als sie schilderte, wie sich ein Baum anhört, der gefällt wird – nämlich wie ein Lebewesen das schreit bevor es stirbt, bekam nicht nur ich eine Gänsehaut. Viele Bäume um Luna herum wurden gefällt während Julia darin wohnte und sie konnte beobachten, wie Luna „weinte“, nämlich Pfanzensaft auschied und zwar in grossen Mengen, was unter normalen Umständen völlig unnatürlich ist. Julia verglich es mit Trauer, die lange Zeit nachwirkt, denn das Harz wäscht sich nicht leicht ab. Ihre Hauptbotschaft an diesem Abend war, dass man das tun soll, was sich richtig anfühlt, denn nur dann lebt man richtig. Es tat ihr viel weher ein unzufriedenes Leben zu leben als alle Last und jeder Schmerz im Sturm auf Luna. Jeder sollte das tun, jeder ist sein eigener Held. Sehr weise für eine 25 jährige Frau – ich bin zutiefst beeindruckt.

Nach dem Vortrag signierte Julia ihr neues Buch, meins hatte ich zuhause gelassen, denn ich wusste, dass sie eigeltlich keine Heldin sein möchte. Aber kurz mit ihr sprechen wollte ich unbedingt. Also reihte ich mich in die Schlange der Wartenden ein und die war lange. Beth war nervös, denn sie wollte Olivia nicht zu lange mit Scott allein lassen und nachdem sie zuhause angerufen hatte sagte sie, wir müssten zurück. Ich wollte mit Julia reden. Also drängelten wir uns ganz nach vorne – wir wollten ja auch kein Autogramm sondern nur kurz was sagen. Ich lies Julia wissen, welchen Eindruck sie auf unsere Familie gemacht hat, denn unsere Jungs sassen den ganzen letzten Sommer in unserem Baum im Garten und beschützten ihn, nachdem sie mich vorm Computerbildschirm weinen sahen, als ich erstmals Julia Butterflys Homepage gefunden hatte. Schade, dass ich mir nicht mehr Zeit gelassen habe, aber wenn zu viele Leute anstehen bin ich doch rücksichtsvoll. Ich hätte noch viel zu sagen gehabt. Ein Mann fotografierte uns beim kurzen Gespräch und ich hätte zu gern das Bild, aber fragen konnte ich nicht, da keine Zeit war. Insgesamt war dieser Abend ein Höhepunkt der Reise für mich. Für alle die interessiert sind, ist hier ein Link zu Julia Butterflys Homepage. Schaut mal nach.
23. Mai, Waldport, Oregon

Wir hielten uns nicht mehr lange bei Scott auf, denn er musste arbeiten. In der Eile vergassen wir Amy’s Sandalen, zu dumm, denn wir haben nur zwei Paar Schuhe für sie, aber zurückfahren wollten wir auch nicht. Ich rief Scott an und bat die Schuhe nach Arcata zu schicken, denn dort werden wir in ein paar Tagen sein, ich hoffe es klappt, sonst haben wir ein Paar Schuhe weniger. Dann gingen wir Einkaufen und brauchten ziemlich lange, bis alles zusammen war und an der Kasse merkte Gunter, dass dieser Laden keine Kreditkarten akzeptiert. Also, den Einkaufswagen stehen lassen und auf einer Bank Geld besorgen, das hielt ziemlich auf. Ich versuchte Gunter von Julia’s Vortrag zu erzählen, was nicht klappte, weil ich immer wieder zu weinen anfing, weil wir immer wieder an gerodeten Gebieten vorbeifuhren und die Musik zudem traurig war – Bach. An einer Bucht suchten wir einen Campingplatz mit Laundry und direkt vor unserer Nase füllte ein Ehepaar 3 von 4 Maschinen. Dumm, die Betten waren schon abgezogen also mussten wir diese eine Maschine nutzen und dann später nach einer kurzen Fototour (es war so kalt am Meer) weitere Maschinen zu füllen. Das Ganze dauerte somit ewig und ich musste zigmal über den dunklen, kalten Campground laufen. Die Kids waren übrigens auch bis nach 11:00 Uhr munter, denn sie hatten während der Fahrt geschlafen und ich versuche müde wie ich bin, in dieses Geschreibe einen Sinn zu bekommen. Meine Gedanken bezüglich Julia Butterfly und Kindererziehung (darüber dachte ich den ganzen Tag nach) bringe ich später zu „Papier“. Komischer Tag, was? Er hat mich aber sehr viel weiter gebracht.
24. Mai, Sunset Bay State Park, Oregon Coast
Wir trödelten etwas denn ich hatte Internetanschluss, was ich ausnutzen wollte. Eine der schönsten Beaches sollte laut Reiseführer Neptun Beach sein und dort hielten wir. Ich fühlte mich wohl und erkundetet einige kleine „normale“ Tidepools als Gunter plötzlich aufgeregt rief – Seesterne. Ich hatte an jeder Beach danach Ausschau gehalten aber bisher auf dieser Reise noch keinen gesehen (ausser im San Diego Sea World und das gilt nicht.). Die schienen sich alle hierher verkrochen zu haben, denn dieser Anblick war unglaublich und die Seesterne und Muscheln unzählbar. Viel Zeit hatten wir nicht, denn die Flut kam rein aber unsere Fotogier konnte befriedigt werden. Hoffentlich haben wir richtig belichtet?. Hier unser bestes Bild mit der Digitalkamera:

Wahnsinn, was? Und es gab überall so viele.
„Fotoerschöpft“ (d.h. müde vom Komponieren der Fotos und gleichzeitig auf drei kleine Kinder am Meer Aufpassen) fuhren wir weiter. Doch nur wenige Meilen Richtung Süden gab es eine weitere Attraktion (im nicht Kindergerechten Abstand – die hatten sich noch nicht richtig erholt .), nämlich die grosste Meereshöhle der Welt, in der Seelöwen wohnen. Wir hielten an und wanderten, nachdem wir die 13$ Eintritt gezahlt hatten, zum Aussichtspunkt, denn alle Seelöwen lagen in der Sonne. Mit Fernglas hätte ich sie besser sehen können, das lag aber im Wohnmobil. Mit einem Fahrstuhl fuhren wir 70m tief in die Höhle. Dort konnte man leider nicht viel machen, denn es gab nur wenig Wege und duch ein kleines Loch im grossen Zaun konnten wir ein Foto machen. Aber gross war die Höhle schon. Ich fühlte mich oben jedoch wieder viel wohler. Im Giftshop, denn man unweigerlich durchqueren muss, fingen Esra und Noah an zu streiten, denn sie wollten jeder ein Kuscheltier. Amy ist immer solidarisch und macht dann mit. Lustig fand ich es in dem Moment eigentlich nicht, denn überall standen zerbrechliche, teure Glassouveniers und ausserdem war’s laut. Mit den nun richtig müden Kindern und zwei weiteren Kuscheltieren fuhren wir weiter und alle drei gönnten sich ein Schläfchen. In dem Sunset Bay State Park fanden wir einen ruhigen Campground. Wir alle wanderten zum Strand und erkundeten weitere Tidepools mit Krabben drin. Gegen Sonnenuntergangszeit fuhren wir an die Spitze der Bucht und Gunter fotografierte während ich mir einen warmen Tee gönnte. Ich hatte den ganzen Tag über Schmerzen im Brustkorb und wollte nicht in den Wind. Daher ging ich diesmal ganz früh, sogar vor den Kindern, ins Bett und versuchte mich mit einem 12 Stunden Schlaf zu kurrieren. Tat gut aber ich will troztdem versuchen Dr. Koch zu erreichen.
25. Mai, Gold City, Oregon
Den Arzt erreichte ich trotz Bemühungen nicht. Morgens (also in Deutschland abends) bekam ich nur den Anrufbeantworter, Abends (also früh morgens in D.) nur die Sprechstundenhilfe. Und jetzt ist die Telefonkarte leer.
Heute fuhren wir weiter Richtung Süden und ich blieb öfter im Wagen. Ich möchte lieber kein Risiko eingehen, denn angeknackst bin ich auf alle Fälle. In Branon liefen wir gemütlich in der Sonne an den Gift Shops vorbeit und assen Fish and Chips zu Mittag. Schönes kleines Dorf.

hier ein Bild vom Hafen mit dem california Poppy
Dann schliefen die Kinder ein und ich beschloss, anzuhalten und auch zu ruhen. Dazu suchten wir den westlichsten Punkt vom kontinentalen (also ohne Alaska und Hawai) USA und Gunter las während wir schliefen.
Heute nacht stehen wir direkt am Meer und das macht hier so gefährliche Wellen, dass wir lieber nicht näher dran gehen. Den Kindern macht der Sand auch weiter hinten viel Spass und mir die Wellen mit dem Fernglas von der „Ferne“. Es sind bei Ebbe etwa 30 Meter, bei Flut möchte ich nicht wissen, oder soll ich doch mal raus schauen? Eher beängstigend. Der Fluss, der direkt vor unserer Tür ins Meer fließt oder es versucht spülte früher Gold mit sich. Das zog natürlich viele Leute hierher und Gunter meint der Sand wäre so oft durchgesiebt, ich solle mir die Mühe sparen. Vielleicht schau ich morgen doch mal.
Sieht ziemlich unaufgeräumt aus, was?
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Amy benutze mich als Wippe und bei dem „Wellengang“ kann man schlecht mit dem Fernglas schauen.
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So, jetzt geh ich besser schnell ins Bett, aber ob ich bei den lauten Wellen schlafen kann?
26. Mai, Crescent City, California
Es regnete und regnete und der Wind wehte. Ungemütlich. Die Jungs spielten daher mal am Computer und wir fuhren dann Richtung Californien. Schade, denn wir hätten die schönste Küste bisher sehen und erforschen können. Es war aber so nass und kalt, dass wir immer nur kurz anhielten und schnell ein – zwei Bilder machten und mit klatschnasser Kamera wieder rein ins warme Auto zu schlüpfen. Schön sah es aus. Der Nebel (die Wolken) tief in den Bergen und Bäumen und das Meer. Irgendwann war es aber so neblig, dass man das Meer kaum noch sehen konnte. Wir gingen daher in Geschäfte und aßen gemütlich (mit quengeliger Amy) zu Mittag. Das Restaurant war nett, denn eigentlich war es für Einheimische und daher gab es grosse Portionen und es war lecker. Ich mag das Küsten Ambiente mit Bojen und Muscheln und Leuchttürmen sehr. Gegen Nachmittag waren wir dann in Kalifornien (dem ersten und letzten Staat auf unserer Reise – schnief) und das Wetter klarte soweit auf, dass wir einen Edelstein Spaziergang am Strand machten, d.h. man findet schöne, aber sehr kleine Edelsteine am Meer. Da ich wissen wollte, ob Scott die Schuhe abgeschickt hat, suchten wir einen Campground mit Internetanschluss und ausser Emails checken können wir hier auch nichts tun. Die Frau am Counter hatte vergessen uns die Sicherheitsnummern für die Toiletten und Duschen zu geben und daher können wir nicht mal diese Einrichtungen benutzen. Das Office macht morgen erst wieder um 11:00 Uhr auf und dann wollen wir längst unterwegs in die Redwoods sein. Dumm gelaufen.
Ich freue mich auf morgen, denn die Redwoods begeistern mich schon lange. Die tun mir gut. Natalie, die wir zu Beginn der Reise in SF getroffen hatten, bot uns übrigens ihre Wohnung zur Benutzung an. Toll was? Aber wir haben das Wohnmobil ja jetzt fast eine Woche länger und die drei Tage werden wir bei Dorothy und Frank wohnen. Ich freue mich jedoch sehr über das Angebot.

wunderschöne Felsformationen
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ein grünes Schiff
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27. Mai, Redwood National Park, California
Dieses Bid ist bezeichnend für den ganzen Tag. Es regnete in Strömen, seit ca. 12:00 Uhr Nachts und es sah auch nicht so aus, als ob es bald aufhören würde. Wenn man in höhere Gebiete kam fuhr man sozusagen durch die Wolken. Von den Aussichtspunkten sah man nichts, nur entfernt waren die Wellen zu hören. Eigentlich ist das das passende Wetter für dieses Gebiet. Die Coastal Redwoods können nur im milden Klima bei viel Feuchtigkeit wachsen und dann sehr hoch. Etwa 100 Meter hoch sind sie hier und der größte ist so hoch wie ein 35-stöckiges Haus. Die Redwoods wirken bei diesem Wetter besonders eindrucksvoll.
Wir hatten uns im starken Regen morgens nicht beeilt und ich checkte nochmals Emails ehe wir losfuhren. Ich hätte gern gewusst, ob Scott die Schuhe von Amy nun nach Arcata oder sonstwohin geschickt hat, leider keine Nachricht von ihm.
Esra’s Wackelzahn wackelte immer mehr, nur raus kam er nicht. Dann spielten die beiden im Alkoven und Esra biss Noah in den Hintern. Danach war der Zahn weg. Nach einiger Sucherei wanderte das gute Stück dann an einem sicheren Ort und wir werden bestimmt nie vergessen, dass Esra’s erster Zahn auf diese Art und Weise in Californien ausgefallen ist. Esra bat mich übrigens darum das hier aufzuschreiben, er kann so schön schmunzeln, wenn er frech ist.
Nun gut, wir fuhren trotz Regen durch den Redwood National Park und auch ohne große Wanderung bekommt man einen guten Eindruck von den Bäumen. Einige der Straßen können mit einem RV nicht befahren werden, was uns leider sehr einschränkt. Da am Montag Memorial Day ist, sind dummerweise alle schönen Campingplätze besetzt. Jetzt wird es ohen Reservierungen sowieso schwierig werden. Die meisten Plätze suchen wir nach Gefallen aus und meist wissen wir morgens nicht wie weit wir am Tag kommen. Viele Leute können diese Art „Planung“ nicht verstehen. Wir hatten, als wir losfuhren nur zwei grössere Ziele – San Diego und Victoria. Bisher klappte es super. Chaotisch ist es eigentlich nicht, spontan ist da das bessere Wort.
Falls das Wetter morgen besser ist, fahren wir nocheinmal in den Park zurück, ansonsten fahren wir weiter Richtung Süden, damit wir nicht anfangen zu rosten.

Sieht schön aus, gell? Das haben wir vom Auto aus gemacht, weil wir keinen Regenschirm für die Fotoapparate mit haben
28. Mai, Redwood National Park, California
Das Wetter war super. Also zurück in den Park. Auf der Fahrt flog uns ein Vogel in die Scheibe und er war tot. Oh, was war und bin ich traurig.
Am Campground im Park stand er sein voll aber wir fuhren trotzdem hin um zu fragen, wie es nach dem Wochenende aussieht. Wir wollten wissen, ob wir dann nach dem Memorial Day ständig Probleme haben werden einen schönen Campground zu finden. Und siehe da, wir bekamen sogar für heute einen Platz. Beim Durchfahren achteten wir nur auf die Grösse des Stellplatzes und daher endeten wir dann im Schlamm. Chaos. Noah war schon mit den Stiefen in Matsch – das geht ja noch. Die anderen haben leider keine Stiefel und Esra lässt gewöhnlich nicht lange auf sich warten. Er stand Knöcheltief mit den Wanderschuhen drin. Amy flitze mit den neuen ganz billigen Sandalen hinterher und rutschte sofort aus und landete in einer grossen Pfütze während Noah mit Stiefeln und allem Dreck aufs Klo ins Wohnmobil marschierte. Meine Güte – das sah alles aus, nach nur 10 Minuten. Ich dachte immer die Waschmittelwerbung im Fernsehen, in der die Kinder schutzig durchs Haus rennen und dann so nach 2 Minuten alles total verdreckt ist, wäre übertrieben. Ha, die untertreiben maßlos. Unsere Kinder können das in der Hälfte der Zeit. Ob ich eine Waschmittelfirma anrufen soll? Ich hätte da drei Profis zu bieten.

Matsch-Amy
Irgendwann, nach unzähligen, leckeren Bean Burritos, packten wir es zur Wanderung. Das war schön, denn die Wege waren zwar noch nass aber laufbar und von oben war es trocken. Wir wanderten lange und nahmen uns viel Zeit für die Fotografie. Für die Kinder gibt es auf dem Waldboden sehr viel zu entdecken. Hundertfüßler, Schnecken – viele verschiedene – Salamander, Farne und vieles mehr. Für uns war der Blick nach oben immer wieder umwerfend. Einer der schönsten Wälder den wir bisher gesehen haben. Die Redwoods haben eine ausserordentliche Wirkung auf mich. Man spürt die Weisheit und wenn man versucht, sich in die „andere Zeitrechnung“ der Bäume einzudenken, wird man sich seiner „Kleinheit“ und Vergänglichkeit bewusst. Was sind schon hundert Jahre für einen solchen Baum? Was sind schon 20 Meter?

ein mittelgrosser Redwood – es gab noch grössere
Da wir am Ranger-Häusschen vorbeikamen baten wir darum, den Platz zu wechseln. Wunderbar, jetzt haben wir einen ohne Matsch. Amy war müde und als wir von der Wanderung zurückkamen, legten sie und ich mich für eine Stunde hin. Die letzten beiden Nächte konnte ich nicht einschlafen und daher bin ich schnell erschöpft. Aber dann ging es wieder raus. Noch eine lange, dreistündige Wanderung durch den Wald, denn nur so erhält man einen tieferen Einblick. Und auf dem Rückweg gab es wieder kostenloses Fitnesstraining für Gunter und mich – Kinder und Kamerahiking. Jetzt sind alle mal früher im Bett, da müde und abgeschafft und ich möchte noch einmal Julia Butterflys Buch lesen, jetzt, wo ich sie reden hörte und kurz mit ihr sprach und inmitten der Redwoods sitze, für die sie sich so einsetzt.
29. Mai, Trinidad
Das Wetter blieb toll. Wir fuhren also zurück nach Norden um die Redwoods ohne Regen zu bewundern. Im Patricks Point State Park wanderten wir um die Mittagszeit und die langen Wanderungen vom Vortag saßen uns noch in den Knochen. Hier mussten wir zusätzlich ständig steile Hügel erklimmen. Mit Amy auf dem Arm kam ich sehr ins schwitzen, was bei kühlem Wind und angeknackster Lunge sehr unangenehm ist. Zum Mittagessen gab es Bean Burritos – ja schon wieder, geht schnell und ist nahrhaft. Die Jungs mögen sie lieber ohne Bohnen, denn das sieht ihnen zu sehr nach Hundefutter aus. Aber Burritos mit Schinken oder Käse schmecken auch gut. Wir wollen auch nicht mehr so oft Essen gehen, denn es ist zu teuer und schmeckt zudem nicht immer. Leider müssen wir in der Nähe von Arcata bleiben, da ich Scott gebeten hatte, Amy’s Schuhe dorthin zu schicken. Ansonsten wären wir heute gern weiter in den Süden gefahren, weil wir uns nach der Sonne und Wärme sehnen.

Egal ob man im Wald, am Strand oder in der Wüste ist – man muss ständig kehren.
Trinidad gefiel uns, ein kleines übersichtliches Dorf mit wunderschöner Bucht und toller Küste. Versehentlich landeten wir auf einer Scenic Route, die nicht für RV’s geeignet ist. Wenn man mal reingefahren ist, findet man aber kaum Platz zum Wenden. Ich war froh als wir mit Rangiererei wieder draußen waren. Trotzallem bekamen wir so die wunderbare Kuste zu sehen. Dann wollten wir in Arcata übernachten aber es gefiel uns nicht. Wir kauften also nur ein, in Eureka, und fuhren wieder nach Norden um da die Nacht zu verbringen. Die Kinder fanden viele interessante Müllteile auf dem Campground und spielten lange damit. Dann liefen wir durch das Dorf ans Meer und die Bucht um zu sehen, wo wir den Sonnenuntergang fotografieren können. Der Wind war sehr kalt, aber das Wetter ansonsten angenehm. Sonnig mit vielen dramatischen Wolken. Der Sonnenuntergang enttäuschte uns dann leider, denn die Sonner verschwand ganz plötzlich hinter weit entfernten Wolken. Schwubs, da war sie weg, ohne den Himmel mit roter Farbe zu verzieren. Die Jungs waren mal wieder toll, sie sind mittlerweile auch sehr sensibel für fotogenes Licht.

Den Leuchtturm fand ich besonders fotogen.
30. Mai, Mac Kerricher State Beach
Am morgen erreichte ich endlich Dr. Koch, der mir ein Mittel für meine Lunge empfahl, welches die Schmerzen erstmal verschlimmerte, dann aber etwas besserte. Ich solle mich warmhalten. Dumm, dass ich den Ausschaltknopf für diesen starken Sturm nicht finden konnte. Am Meer wirds dann nämlich kalt und wenn man sich zu warm anzieht, so wie ich, und immer Kinder trägt und dann schwitzt, ist’s schlecht. Wir fuhren noch ein Stück entlang der Küste und dann geht’s im Land weiter durch die Redwoodwälder. Wir fuhren an Luna, Julia Butterfly’s Baum, vorbei, konnten ihn natürlich nicht finden. Es gibt dort viele Hügel und Stafford, welches viele Häuser durch einen Erdrutsch nach dem Kahlschlag der Wälder verloren hatte, sahen wir auch. Direkt dahinter liegt der Humboldt State Park, durch den wir entlang des Avenue of Giants fuhren. Es wäre traumhaft, begegneten einem nicht immer die Lastwagen, die dicke Baumstämme geladen haben. Wie viele Old Growth Forests müssen noch daran glauben, ehe jemand vernünftig wird? Jedenfalls war der Wind auch im Wald nicht toll. Ich kann mir nur vage vorstellen, wie Julia sich oben auf den Hügel auf den Baum gefühlt hatte, in einem „richtigen“ Sturm. Wir versuchten zu wandern aber ich brach das ab, als ich kleinere Äste von den sehr grossen Bäumen fallen sah. Für die Kinder ist es sicher nicht so gut, wenn aus 80 Metern Höhe ein Ast, wenn auch ein kleiner, auf den Kopf fällt.

So ganz passten die Bäume dann doch nicht drauf, mit der Digitalkamera
Daher fuhren wir weiter, über eine kleine, recht kurz aussehende Strasse Richtung Westen, also Meer. Diese Strasse hatte es in sich: sehr eng, sehr kurvig und viel länger als erwartet. Das ist der Beginn des Highway 1.

Ich kann mir auch nicht erklären, wieso Amy von einem einzigen Granola Bar (Müsliriegel) so schmutzig werden kann? Sie mag es jedenfalls
Das Meer überrascht uns immer wieder, und dabei hatten wir es nur wenige Stunden lang nicht gesehen. Die Küste ist besonders für Fotografen traumhaft und uns blieb bei dem türkis- und smaragtfarbenen Wasser mit den wunderbaren weissen Wellenkappen die Luft weg. Nur der Sturm war so stark, dass ich mich überhaupt nicht traute raus zu gehen und Gunter machte auch nur das Fenster auf. Am Nachmittag fanden wir dann den Mac Kerricher State Park, der schön windgeschützt liegt, aber trotzdem nur 2 Minuten vom Meer weg. Die Kinder konnten ausgiebig spielen und dann gingen wir zum Meer, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Die Fotoapparate vibrierten so sehr im Wind, dass ich bezweifele, dass wir scharfe Fotos gemacht haben. Ausserdem war es trotz doppelter Kleidung und dicker Jacken sehr kalt. Die Wellen waren dafür jedoch besonders schön wild. Seehunde kann man hier auch sehen, die schwimmen im Meer, trotz Wellen und Felsen. Dieser Abend war einer der wenigen, an denen das Notebook und ich ruhten

Leider zu strake Kontraste, aber einen Eindruck bekommt man oder?
31. Mai, Mac Kerricher State Beach
Den ganzen Morgen verbrachten wir am Meer. Muscheln sammeln, Seehunde betrachten und fotografieren. Heute war es fast windstill und sonnig. Toll. Um 12:00 Uhr mussten wir aus dem Park raus aber wir liessen uns etwas mehr Zeit. Dann ging es erst Richtung Süden, nach Mendocino. Ich kann nur sagen, dass mich noch nie ein Dorf so beeindruckt hat – hier scheint es nur Künstler und „Alternative“ zu geben – also ganz nach unserem Geschmacke. Die Häuser sind einfach wunderschön, alle im victorianischem Baustil und das Meer ist von drei Seiten zu sehen und viele Hügel und, und und … Ach die Musik im Radio ist so schön, dass wir erstmals seit wir die Kassetten haben, Radio hören. Die Musik passt sehr gut in die Gegend und verstärkt den Eindruck, den man beim Fahren schon bekommt. Wir aßen in Fort Bragg im Restaurant zu Mittag, ich glaube das erste Mal seit einer Woche und die Kinder waren einfach toll. Dann schauten wir uns die Küste weiter oben nocheinmal an, denn am Tag zuvor hatten wir das wegen des Sturms nicht getan. Dann, weil es uns so gut gefiel, gingen wir genau auf den Platz, den wir die Nacht vorher schon hatten und ich las im Liegestuhl während Gunter die Karte studierte und drei glückliche Kinder gründlich schmutzig wurden. Zu gewohnter Zeit ging es wieder ans Meer zum foto… ihr wisst schon. Die Wellen leuchten so schön im Gegenlicht und der Sonnenuntergang ohne Sturm war angenehmer. Die Jungs sind mittlerweile darauf eingestellt, sich an unsere Anweisungen zu halten, wenn das Licht interessant wird. Klappt wunderbar. Es funktioniert auch immer, dass die Kinder etwas Wichtiges zu tun haben, wenn wir uns konzentrieren wollen, was sie Sache für alle einfach macht. Ich glaube, die Jungs erkennen mittlerweile die Ästhetik des sich ändernden Lichts und sie werden offener für Alles. Danach hatten die Kinder alle eine Dusche nötig und mit dem letzten Wasser wurden sie sauber.

1. Juni, Anchor Bay
Ich hatte als erstes Probleme, meine Haare zu waschen, denn es gab plötzlich in den Waschräumen kein heißes Wasser mehr. Später fanden wir raus, dass die Heizung kaputt war und einige Leute sogar eiskalt hatten duschen müssen. Irgendwann fand ich dann ein Häuschen, in dem ich meine Haare waschen konnte. Die Kinder spielten lange bevor wir weiter Richtung Süden, also San Francisco fuhren.

Die MacKerricher Beach, die Wellen knallten an den Strand
Die Strecke ist fantastisch aber auch gefährlich. Die Strasse ist eng, kurvig und an vielen Stellen geht es mehr als 50 Meter ins Meer runter. Ausserdem kommen ständig Logging Trucks, Lastwagen mit grossen Baumstämmen, entgegen. In einer kleinen Bucht mit Campground hielten wir und während die Kinder in den Bäumen spielten las ich in meinem spannenden Buch weiter und danach holte ich die Emails ab. Viel zu lesen, denn ich war einige Tage nicht mehr online. Dann gingen wir zum Sandstrand und plötzlich war es richtig warm. Nach und nach fielen die Kleidungsstücke und irgendwann gegen Ende des Ausflugs war Amy nackt. Auf sie mussten wir wieder besonders gut aufpassen, denn nach einer Weile hatte sie nur noch das Meer im Kopf und sie lief völlig ohne Angst hinein. Sie war kaum zu halten. Ich glaube die Kinder werden bald einen Schwimmkurs machen. Wasserratten, denn dann fühle ich mich wohler. Der ganze Tag tat gut, denn es war gemütlich und erstmals seit Carmel ganz zu Beginn unserer Reise konnte man sich am Strand mal hinlegen. Zum Abendessen gab es mal wieder Gegrilltes, denn es ist billiger und gemütlicher als Essen zu gehen.

Hier knallen die Wellen etwa 10 Meter vor dem Strand auf und daher ist es nicht so gefährlich für die Kinder. Das Wasser ist übrigens so eisekalt, dass ich nicht länger als 1 Minute mit den Füssen drin bleiben kann. Amy lässt sich davon nicht abschrecken. Esra wurde von einer Welle überrascht, und schaute perplex, als sie an seinen Hintern klatschte – eiskalt.
2. Juni, Sugar Loaf Ridge State Park, Nappa Valley
Wir schliefen lange, komisch, es wird immer später. Dann überspielte ich die Homepage und checkte Emails und die Jungs wollten noch einmal an den Strand. Diesmal hatten wir alle kurze Hosen und T-Shirts an und es war kalt, brrr. Die RV Nachbarn, hatten einen Sohn und daher kamen wir insGespräch. Die Männer waren Abalone Taucher und ich hatte schon länger ein Auge auf die schönen grossen Muscheln (eigentlich Schnecken) geworfen. Also einfach fragen und siehe da, es klappt und wir bekamen zwei grosse wunderschöne Muscheln geschenkt. Ich fühlte mich ein wenig schlecht, weil die Schnecke, die darin lebte ja dafür getötet wurde, aber die Leute hätten sie sowieso gegessen. Ausserdem sagte die Frau, dass sie schon so viele Schalen zu hause hätten, dass es gar kein Problem ist uns welche abzugeben. Ich freu mich jedenfalls. An der Küste liegt ein altes russisches Fort, dass wir vor allem besuchten, weil ich so starke Kopfschmerzen hatte und mich ausruhen musste. Eine halbe Stunde Liegen tut dann gut, wäre da nicht der Hund in einem Wohnmobil gewesen, der ohne Unterbrechung bellte.. Aber dann nach weiteren Bean Burritos (essen wir noch was anderes??), war ich halbwegs wiederhergestellt und wir besichtigten das Fort. Das war was für die ganze Familie: die Kinder waren vor allem von den Türmen mit den Kanonen angetan und mir gefielen die Räume, die autenthisch eingerichet waren. Auch das Visitor Center ist gut mit Informationen über die Indianer, die auf dem Hügel gelebt haben bevor die Russen kamen, die Tierwelt und das russische Fort bestückt.

Ein Mann fotografierte uns hoch oben im Turm
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schöne Stimmung mit alten Flaschen
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Die weitere Strecke an der Küste war atemberaubend, vor allem, wenn man rechts aus dem Wohnmobil schaute und eigentlich nichts mehr unter uns sah. Die Strasse ist eng, gewunden, hoch, steil und gefährlich. Aber man kann ja langsam machen. Eine Seehundsiedlung beobachteten wir noch mit dem Fernglas und dann fuhren wir ins Land rein, denn die Küste ist so weit im Süden am Wochenende sehr voll. Jetzt kommen wir auch in die Saison rein und wir müssten besser planen und vorher reservieren. Jedenfalls fuhren wir ins Nappa Valley, ein hügeliges, gemütliches Weingebiet und Esra freute sich Weinreben zu sehen. Ob er sie doch vermisst? Wieder fanden wir den geplanten Campground nicht und nahmen die 2. Wahl, einen Platz der hoch in den Bergen liegt und nur über eine enge, gewundene, steile Strasse zu erreichen ist. Aber jetzt, nach fast 3 Monaten klappt es mit dem Wohnmobil und wir waren schon den ganzen Nachmittag solche „schönen“ Strassen gefahren. Der Platz war auch sehr voll und die Kinder und Jugendlichen sehr laut. Unsere drei machen dann natürlich mit. Wie soll man auch erklären, dass man in der Natur ruhig ist, wenn drumherum alles rumgrölt und im Bach badet?
Ich sortierte unsere Muschelsammlung und stellte fest, dass es Probleme mit der sicheren Verpackung geben könnte. Ausserdem ist die grosse Menge erstaunlich und Esra, der mir geholfen hat beim Sortieren wollte sich nicht recht von den Sammelstücken trennen. Ich habe irgedwie gar keine Lust auf das Packen, nach drei Monaten hat sich einiges angesammelt und das merkt man im Wohnmobil kaum, denn so nach und nach verschwindet einfach alles im Schrank. Na ja, wir haben ja einen Koffer mehr als vorher.
Esra hat ein Reh entdeckt. Wir nahmen Stöcke mit, denn wieder wurde vor einem Cougar gewarnt und wurden plötzlich wegen Wood gathering – unerlaubtem Holzsammeln beschuldigt. Cougar Stöcke sind jedoch erlaubt, das steht auf jedem Schild, man solle einen grossen Stock zur Verteidigung mitnehmen, tse, tse. Also dem Cougar eins übers Dach hauen, aber nicht verbrennen.
Am Abend schaute ich länger mit allen Kindern (nacheinander) nach den Sternen und wir suchten Waschbären. Fanden aber zweitere nicht. Ich rief Jean Liedloff an und erzählte, dass ich mit Fatah zusammen die deutsche Homepage und Adressenliste für das Continuum Netzwerk betreue. Sie bat ein Treffen an und wir machten einen Termin für den nächsten Tag aus. Etwas Bammel hatte ich schon, denn ihr Buch „Auf der Suche auf dem verlorenen Glück“ hatte mich vor ein paar Jahren so beeindruckt, dass ich für dieses Netzwerk aktiv wurde. Schön einmal mit ihr selbst zu reden und sie dann auch wirklich zu treffen.
3. Juni, Mill Valley und Big Basin
Um 1:00 Uhr wollten wir uns mit Jean in Mill Valley treffen und das war noch ein Stück zu fahren. Also machten wir uns und das Wohnmobil fertig und fuhren los. Der Verkehr wird immer stärker in der Nähe von SF und es macht mit dem Wohnmobil wenig Spaß. Mill Valley hatte ich als sehr klein in Erinnerung und plötzlich war es so gross. Das Book Depot, ein Cafe mit Buchladen, fanden wir und ich kannte es noch von früher. Vor 12 Jahren hatte ich dort, direkt an dieser Stasse, bei Bread and Roses als freiwillige Helferin gearbeitet und damals einen ganzen Mittag mit Robin Williams zusammen Briefe fertig gemacht ohne zu realisieren, wer es ist. Ein Jahr später ging mir dann beim „Club der toten Dichter“ ein Licht auf – peinlich. Der hatte damals sicher gedacht, dass ich ganz schön ignorant bin. Jean ist größer, als ich sie mir vorgestellt hatte aber ich erkannte sie und sie war sehr nett und ganz natürlich. Das Essen bestellen und abholen mit den Kindern war etwas anstrengend aber irgendwie klappte es und wir konnten die Stühle gut organisieren. Es war eng im Cafe. Das Gespräch mit Jean war schön, denn sie ist sehr offenen und überhaupt nicht weltfern, wie man es von einer so berühmten Schriftstellerin erwarten könnte. Wir besprachen einiges vom Netzwerk und als die Kinder nach 2 Stunden laut und müde wurden ging Gunter mit ihnen vor das Cafe, aber dort drehten sie noch mehr auf und eine Frau beschwerte sich sogar, weil unsere „tasmanischen Devils“ (siehe weiter vorne bei Yellowstone) so schrill schieen. Also machte sich meine Familie auf den Weg ins Wohnmobil und ich fuhr mit Jean nach Sausolito, wo sie wohnt, um etwas zu holen. So konnte ich auch ihr Hausboot sehen und die Katze kennenlernen. Ausserdem freute ich mich über den Free Tibet Aufkleber auf ihrem Auto.

Danach gab es eine Tour mit Jean durchs Wohnmobil und wir fuhren wieder Richtung Süden, denn wir wollten im Big Basin State Park übernachten, was leider nicht klappte, weil wir zu spät ankamen und der Park voll war. Schade, denn die Strecke dorthin ist kein Zuckerschlecken mit all den engen Kurven und den verrückten Auto- und Motorradfahrern, die an unmöglichen Stellen überholen. Ausserdem waren wir mal wieder quer durch SF gefahren, ach was hat die Stadt einen Flair. Und wieder verschliefen die Kinder die Golden Gate Bridge. Aber im Big Basin State Park war es frustrierend anzukommen und keinen Platz zu bekommen und dann so müde und erschöpft von allen Erlebnissen und Eindrücken und Ideen, die man den Tag über hat eine weitere halbe Stunde enge Kurven mit dem grossen RV zu fahren. In einem privaten, schäbigen PV Park ohne Komfort und dazu noch mit vielen abgeholzten grossen Redwoods lernten wir Australier kennen, die mit ihren 2 und 22 Monate alten Kindern durch die USA reisen. Ein doch noch recht lustiger Abschluss des Tages.
4. Juni, Big Basin, Santa Cruz
Den Morgen fingen wir gemütlich an. Die Kinder spielten mit Kathrine, dem australischen Mädchen und wir unterhielten uns mit den Eltern und deren Freunden. Die Sonne schien und die Bäume strahlten ihre Ruhe aus. Um einen schönen sonnigen Tag am Strand zu verbringen fuhren wir nach Santa Cruz, aber das Wetter war am Meer gar nicht schön. Sehr neblig und kühl. „Strawberry fields forever“ dachte ich, als wir an den grossen Erdbeerfeldern vorbeifuhren und da man sie auch billig kaufen konnte mampften wir alle welche. Die Campgrounds an den State Beaches waren nach wie vor alle belegt, schade. Also fuhren wir zurück in die Redwoods auf einen Campground mit Hook up und Laundry. Da wir hier nicht mit Karte bezahlen konnten sind wir jetzt bis auf 1$ 45 c geldlos, was sich nicht sonderlich gut anfühlt. Wir haben aber wieder saubere Wäsche, aufgeladenen Batterien und einen absolut ruhigen, fotolosen Tag. Im Swimmingpool entspannten wir uns, bis die Redwoods die Sonne verdeckten, im Schatten ist es sofort unangenehm kalt, auch wenn die Sonne sehr wärmt. Ich war den ganzen Tag über mit den Gedanken beim Gespräch mit Jean Liedloff. Der vorige Tag wirkt nach und ich habe einige gute Ideen. Morgen werden wir den zweiten Anlauf zum Montery Aquarium nehmen, denn vor 2 Monaten hatten wir es ja aus Zeitmangel nicht gepackt. Jetzt müssen wir die letzten Tage geniessen. Ein seltsames Gefühl nur noch 5 Tage im Wohnmobil zu haben.
schöner Sandkasten, was?
5. Juni, Monterey – mal wieder
Heute gibt es nicht viel zu berichten. Wir hatten so wenig Geld, dass wir nicht mal billige Erdbeeren kaufen konnten. Die werden auf riessigen Feldern angebaut und gerade geerntet. Lecker. In Monterey wollten wir erstmal das Nötigste besorgen – Klopapier und Windeln, bekamen es aber nicht, zumindest nicht so günstig wie gedacht. Dann holte Gunter ein letztes Mal Geld und wir assen in einem tollen Restaurante, „The Fresh Choice“, in dem es „all you can eat“ gibt. So viel man essen kann, das ist besonders gut für Gunter. Ich packe eh nicht so viel. Jedenfalls können die Kinder jeder etwas unterschiedliches und sogar noch Frozen Yogurt zum Nachtisch essen. Ich hielt es nicht länger aus mit den langen Haaren und wartete eine Weile, bis ich „gemäht“ wurde. Das kostete nur 11$, aber dafür werden die Haare anscheinend nicht gewaschen. Es gab jedenfalls keine Waschbecken, jeder bekam die Haare mit eine Sprühdose nassgemacht und dann geschnitten. Ich fühle mich jetzt wieder wohl. Für das Aquarium war es wieder zu knapp. Daher verbrachten wir einen sehr gemütlichen Nachmittag am Meer. Die Tidepools sind sehr belebt und der Sand voller Muscheln. Also für jeden das Richtige. Esra hat Noah übrigens von Jeans überzeugt, denn die haben im Gegensatz zu Jogginghosen Hosentaschen und in die kann man Muscheln stecken. Der Sonnenuntergang war seltsam. Zuerst war es den ganzen Mittag über sonnig ohne eine Wolke, dann zog es sich rechtzeitig zum Abend hin zu und wir dachten der Sonnenuntergang fiele ins Wasser. Aber kurz bevor die Sonne unterging, konnte man sie aus den Wolken hervorkommen sehen. Schön. Es wurde wieder sehr kalt und feucht. Wir übernachten auf dem Motelparkplatz, wie vor 2 Monaten, jedoch doppelt so teuer, da Hochsaison. Auch das Internet kostet erstmals 3 $, etwas übertrieben.
Uns gehen die Filme aus. Jeder hat noch einen einzigen. Ich habe daher heute hauptsächlich SW Aufnahmen gemacht. Ich wünschte wir hätten mehr Filme
6. Juni, Big Sur
Irgendwie haben wir Probleme mit dem Aquarium. Wir haben Angst davor, dass es genauso „amerikanisch“ ist wie Sea World, mit all den Gift shops und Shows und so. Und wir wollen das Wohnmobil nicht mehrere Stunden in einem der grössten Touristengebiete unbeaufsichtigt stehen lassen. Also entschieden wir uns wieder für einen Strand. Den State Beach am Carmel River. Die Kinder können sich nach wie vor sehr gut im Sand und mit dem Holz beschäftigen und Gunter uns ich genossen einfach mal die Sonne. Dann fuhren wir unsere Lieblingstreke: den Highway 1 nach Big Sur. Diesmal hing in den Hügeln der Nebel und das wirkt besonders schön.

In dieser Gegend wohnen sehr viele berühmte Leute, tolle Aussicht und sehr teuer. Aber meistens kalt. In Big Sur trafen wir wieder Susanne und diesmal war auch Werner, ihr Mann, da. Wir mieteten den RV auf einem Campground direkt Fluss ein und bekamen einen Rabatt mit Werners Hilfe. Die Kinder waren innerhalb weniger Minuten klatschnass, denn es war heiss und der Big Sur River so schön kühl. Dann fuhren wir mit Susannes Bus hoch auf den Berg in deren Haus. Alle zusammen mit den zwei Neufundländern im Westfalia VW Bus. Der Bus hat’s gepackt. Der Nachbarshund, ein Golden Retriever, hat Nachwuchs und die 9 sechs Wochen alten Welpen wurden von uns allen geknuddelt.
Das Bild passt zu Big Sur, denn hier geht Alles langsamer. An der Tankstelle steht: „Take it easy, you’re in Big Sur“ und auch Susanne meint, dass die Handwerker hier eher „manana“ kämen, wenn überhaupt.
Gunter packte es nach einigem Probieren ein Computerspiel auf Susannes Laptop zu installieren (das versuchte sie schon lange und es hatte noch nie geklappt) und ich schaute mit ihr ein paar Fotos von der Reise an. Gegen Abend fuhren wir an die Beach, zum Sonnenuntergang. Und siehe da, es war wieder kalt, brrrrr. Und windig. Also an einem Tag kann man hier wirklich alles haben, von Hitze und kurzen Hosen, bis Kälte und Winterjacke.

eine Impression von der Dirtroad zu den Motzels
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Susanne,Werner, Sally und Amy jedem seine Amy
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Mit dem letzten Film fotografierten wir diese schönsten Minuten des Tages und plauderten dann mit Werner, der uns zum RV zurückbrachte noch über Tratsch aus der Heimat und aus Big Sur. Sehr interessant. Also haben wir heute Stellen gefunden, die wir mit diesem Riesenfahrzeug nie gesehen hätten und die Kinder genossen es ,mit jemand anderem als uns zu reden.
7. Juni, Sunset Beach
Am Morgen schnitt ich zuerst Esra’s Haare. Na ja, ein bisschen besser war’s danach aber ein Super Friseur bin ich nicht. Jetzt sieht er aber wieder was. Dann holte uns Susanne ab und wir knuddelten noch einmal Welpen und betrachteten ein kleines Käztchen, dass wohl zu früh zur Welt kam. Die Katzenmutter hatte nur dieses eine Kätzchen geboren, vier weitere waren im Bauch gestorben und sie war operiert worden. Deshalb musste das Kleine mühsam, tröpfchenweise gefüttert werden.

Haareschneiden im Wald
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drei Tage altes Katzenbaby, Werner sagt weisse Katzen können in Big Sur nicht überleben, denn es gibt viele Raubvögel (Adler und Condoren) und Pumas. Erschreckend, aber darauf achten die Leute hier.
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Die zwei passen gut zusammen. Im Hintergrund die 8 Geschwister.
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Julia Pfeiffer Burns State Park, hier fällt der Wasserfall direkt ins Meer.
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Ansonsten redeten wir mit Werner (übrigens sein 40zigster Geburtstag) und Susanne. Gegen Mittag fuhren wir in Richtung Süden, denn wir wollten den Julia Pfeiffer Burns State Park sehen, wo ein Wasserfall direkt ins Meer fällt. An einem Aussichtspunkt aßen wir Burritos und dummerweise hatte ich wieder mal starke Kopfschmerzen. Dann fuhren wir im starken Verkehr nach Watsonville, wo wir im Sunset Beach State Park einen Campground fanden. Am Wochenende ist der immer voll und daher dachten wir es wäre etwas Besonderes. Aber man kann nicht mal zu Fuss zum Meer und der Sunset war wegen Bewölkung völlig uninteressant.
8. Juni, Half Moon Bay
Mein Kopfschmerz hatte sich zur Migräne ausgeweitet und mir gings kotzelend. Im RV ist es unmöglich ein ruhiges Eckchen zu finden und nach einer Weile ging es mir so schlecht, dass wir einen Arzt gesucht haben. Leider bekam ich erst 2 Stunden später einen Termin und musste dann mit absolutem Pochschädel zig Formulare ausfüllen und nochmal 30 Minuten warten. Eigentlich hätte ich lediglich ein Rezept für Migränetabletten gebraucht aber so einfach ist das nicht. Die Ärztin war sehr nett und hatte das Medikament sogar als Probe da. Dann dauerte es nochmal ewig, bis ich bezahlt hatte und endlich zur wartenden Familie zurückkam. Gunter fuhr gen Norden während wir alle schliefen. An einem Beach hielt er an und las während wir weiterschliefen und ab 5:00 Uhr konnte ich wieder gerade aus den Augen schauen. Wir gingen einkaufen, Vitamine sollte ich nehmen, und dann auf den Campingplatz, der wegen SF Nähe unverschämt teuer ist (auch das Internet soll 5$ kostet und da verzichte ich lieber). Tja und jetzt müssen wir mit dem Packen beginnen. Übermorgen muss das Wohnmobil um 11:00 Uhr in Oakland sein und bis dahin sollten wir unseren seit drei Monate wachsenden Wäche- und Bücherberg verstaut haben. Das macht in diesem engen Ding mit drei munteren Kindern wenig Laune. Ausserdem sollte das Gefährt innen und aussen sauber sein. Eine Ladung Wäsche, Noah hatte heute nacht eine Riesenpfütze in unser Bett gemacht (besonders angenehm im Wohnmobil und mit Kofweh) konnten wir dummerweise nicht waschen, da dieser grosse RV Platz nur 3 Waschmaschinen hat, wovon eine defekt ist. Diese beiden anderen waren natürlich ständig besetzt. Schlecht, denn weit aufschieben können wir das jetzt nicht. Mit dem letzten Film nahm ich heute abend den Sonnenuntergang auf. Es klarte rechtzeitig auf und war ganz in Ordnung. Ansonten regente es heute tagsüber nicht, war aber insgesamt feucht. D.h. die Klamotten fühlen sich immer klamm an.
9. Juni, San Leandro
Wir fuhren über Woodside, das romantisch in den Wäldern liegt und Palo Alto nach San Leandro. In Woodside machten wir Lunch und aßen die letzten Bean Burritos, in Palo Alto gingen wir noch einmal in unseren Lieblingsfotoladen und besorgten zur Sicherheit 2 Filme und dann suchten wir unseren Weg auf die andere Seite der Bay, wo wir gerade noch rechtzeitig ankamen und den reservierten Stellplatz aufsuchten, es war übrigens der letzte und zum Glück hatten wir reserviert, unsere erste wirklich nötige Vorherplanung. Die ganze Nacht packten wir zusammen und dabei hatten wir einen Tag zuvor schon 3 Koffer fertig gehabt. Überall fanden wir noch Kleinigkeiten und die Bücher nahmen doch recht viel Platz weg. Also brachen wir zu später Stunde nochmal auf, um einen Koffer zu kaufen. Ausserdem mussten wir tanken, Gas auffüllen und den Wagen von außen putzen, von innen war er sauber. Insgesamt dauerte es bis 2:00 Uhr und wie immer wenn man etwas dringend braucht hatten wir kein Gas auffüllen können und wir sahen keine für das Wohnmobil passende Waschanlage. Vorher sind wir andauernd drübergestolpert, aber zu früh hätten wir es auch nicht machen dürfen, denn dann wäre das Gas wieder leer und das Fahrzeug wieder schmutzig geworden. An diesem Abend sahen wir übrigens den schönsten Sonnenuntergang, aber keine dazu passende Gegend. Außerdem hätten wir keine Zeit für Fotos gehabt.

Gunter beim erschöpfenden Räumen
10. Juni, San Francisco
Das Abgeben des Wohnmobils war extrem lästig und stressig. In aller Frühe waren wir munter und räumten, denn es gab noch viel, dass wir nicht mitnehmen wollten. Das Meiste verschenkte ich an eine Frau neben uns, und wir kamen ins Gespräch. Sie war eine sehr stolze Indianerin und lebte mit ihrem Mann immer da, wo er arbeitet. Sie hatte Heimweh.
Dann fuhren wir los um Gas füllen zu lassen und die Leute bei UHaul (einem Umzugswagenvermieter) waren unbeschreiblich langsam und uns lief die Zeit davon, denn jede Stunde, die man zu spät kommt kostet 50 DM. Außen waschen konnten wir das Wohnmobil nicht mehr, wir waren die Einzigen. Rechtzeitig bei Cruise Amerika dauerte es dann ewig, bis sich etwas tat. Es waren etwa 15 Familien zur Rückgabe da und nur wenige Mitarbeiter, die die Abrechnung machten. Wir sassen also in der Hitze auf den Koffern während Gunter drinnen wartete. Die Leute im Büro waren zu einigen Leuten sehr unfreundlich und machten sogar in deren Beisein Witze über sie, sie dachten wohl die ganze Sippe dummer Deutscher verstehe kein Englisch. Zum Glück hatten wir wenig Probleme, wenn man bedenkt, dass das Fahrzeug aussen richtig schmutzig war und wir vier Tage per Telefon verlängert hatten. Ausserdem hatten wir auch einen Reifen wechseln lassen müssen, was bei anderen die auch im Büro waren grosse Probleme bei der Abrechnung bereitet hatte. Dann waren wir nach mehr als einer Stunde endlich fertig und warteten auf den Transfer. Aber jeder Fahrer der kam bevorzugte die Leute, die zum Flughafen mussten und lies uns stehen. Wir warteten also nochmal mehr als 1 Stunde und dann waren keine Flughafenleute mehr da und jemand musste uns mitnehmen. Den Weg zu Dorothy und Frank mussten wir allerdings genau erklären. Ziemlich müde, verschwitzt und mit 13 Stücken Gepäck und drei Kindern kamen wir in der Stoneman Street an. Dorothy und Frank warteten schon und wir wurden einige Tage völlig ohne Sightseeing verwöhnt.

Ich nutzte die Chance und nahm ein Bad mit Amy, stellte aber traurig fest, dass US Badewannen wohl generell nur zum Sitzen und nicht zum Liegen sind. Schön war’s trotzdem.
Abends schliefen die Kinder so nach und nach ein und wir machten ihnen ein Nest auf dem Boden, da nicht genügend Betten da waren. Amy schlief bei uns im Bett.
11. Juni, San Francisco
Dorothy ist vom Disney Film „Tarzan“ ganz angetan und sagte, wir sollen ihn anschauen. Das machte den Kindern und uns Spaß. In den folgenden Tagen sahen sie ihn bestimmt drei Mal. Wir wurden bekocht und mussten gar nichts machen, ausser das Gepäck auf 12 Stücke zu veringern und etwas besser zu organisieren. Ich kenne Dorothy und Frank nun schon seit 12 Jahren und erst jetzt haben wir so viel Zeit miteinander verbracht, dass wir uns richtig kennenlernen konnten. Es klappte alles wunderbar, mit den Kindern und dem Essen und auch die flauschigen hellgrünen Teppiche und das weisse Sofa überlebten unseren Besuch fleckenfrei. Der Blick aus dem Fenster ist einfach traumhaft und ich musste mich mehrfach vergewissern, dass wir in SF sind. Dorothy und Frank waren einfach kindertauglich locker mit den Kindern und wir hatten wahnsinnig viel Spaß zusammen. Nur Dorothy wollte sich nicht fotografieren lassen, was teilweise zu Problemen führte, ihr kennt uns ja.

Teresa signiert ihr Bild
Gegen Mittag fuhren wir zum Mexikaner und danach zu Teresa, denn Dorothy hatte ein Bild auf meiner Homepage gesehen und wollte es kaufen. Wir freuten uns Teresa „Auf Wiedersehen“ sagen zu können und bekamen noch ein Bild geschenkt für ihren zweiwöchigen Urlaub in Deutschland vor 10 Jahren. Ich freute mich natürlich darüber. Für Teresa war es auch gut, ein weiteres Bild verkaufen zu können. Abends gingen Dorothy und Frank Tanzen und wir ruhten uns einfach aus.
Im Fernsehen, was wir ja überhaupt nicht gewohnt sind, lief eine Dokumentaion über giftige Tiere in den USA und mir lief’s eiskalt über den Rücken. Die Spinnenviecher sind so winzig und so giftig. Menschen können innerhalb weniger Stunden nach dem Biss sterben. zum Glück sahen wir das nach der Reise. Dorothy und Frank kamen ziemlich früh zurück und wir schauten Barry Lyndon, ein extra langer Kubrik-Film mit gepflegtem Englisch. So konnten wir die verpassten Kinofilme der letzten 7 Jahre aufholen (nicht ganz).
12. Juni, San Francisco
Am morgen sahen wir das Ende des Films und unterhielten uns fleißig. Wir wollten Natalie und Tamar (von einer anderen Mailingliste) besuchen und hatten Termine für den Golden Gate Park ausgemacht. Irgendwie klappte es aber nicht, da Tamar, die behindert ist, keine Hilfe für die Fahrt nach SF bekam. Also fragte ich Frank, ob er mich und Esra nicht fahren könnte. Das war am einfachsten und ich bin beruhigter, denn für die Kleinen hätten wir keine Kindersitze gehabt. Also fuhren wir erst zu Natalie und ich gab ihr ein ausgeliehenes Buch und einige Kleider und Jacken, die Amy zu klein geworden waren. Sie überreichte mir das Weltbeste Geschenk für reisende Mütter: etwa 30 kleine, mit Zeitungskomiks eingepackte Spielsachen für den Flug. Damit sollten wir die Kinder während des langen Flugs bei Laune halten. Klappte SUPER. Vielen Dank Natalie.

Mit Natalie im Selbstportrait

Mit Tamar von Frank fotografiert
Dann ging es weiter nach Oakland, wo Tamar wohnt. Sie kann durch ihre Behinderung nicht richtig sprechen aber nach einer Weile verständigten wir uns sehr gut. Esra spielte mit der kleine Katze, Magic und auch Frank unterhielt sich mit Tamars Helferin. Schön Tamar endlich mal kennenzulernen. Ihre hochinteressanten Emails lese ich schon lange und es ist immer spannend, die Leute dahinter einmal zu treffen. Herzlichen Dank an Frank für das Fahren, denn mit dem Bus und der BART hätte alles ewig gedauert, vor allem für Tamar im Rollstuhl, der übrigens einen Free Tibet Aufkleber dran hat. Gunter war während dieser Zeit auf die Bernal Heights gewandert und die Kleinen somit etwas müde vom Laufen.
13. Juni, San Francisco
Wir hatten einen Transfer zum Flughafen ausgemacht und verbrachten den letzten Morgen mit dem endgültigen Fertigmachen des Gepäcks. Die Kinder hatten einige Sachen im Haus verteilt und wir wollten Nichts vergessen. Ausserdem wollten wir den Flug angenehm gestalten und daher war einige Planung nötig. Natelie’s Geschenke, etwas zu Trinken und Essen und die Digitalkamera waren im Rucksack. Wir waren 2 Stunden vor Abflug am Flughafen aber die Schlange der Wartenden vor dem Lufthansa Schalter war ziemlich lang und es dauerte eine Stunde, außerdem bekamen wir wieder ungünstige Sitze, denn in der letzten Reihe können die Sitze nicht ganz zurückgelehnt werden, was zu Beengung führt, wenn die Leute vorne dran schlafen. Wir quälten uns lange mit drei übermüden Kindern aber es war einfach viel zu eng. Dann legten wir Noah auf den Boden vor uns und Ersa und Amy hatten mehr Platz, wir aber nicht.

beim Einchecken
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schlafende Rasselbande
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Dann wechselten die Jungs, und nach dem Frühstück etwa 40 Minuten vor der Landung weckten wir sie alle nacheinander und es wurden die letzen Päckchen von Natalie ausgepackt. Zwei Rennautos fanden begeisterte Besitzer und damit spielten die Jungs während wir unsere 12 Gepäckstücke einsammelten. Der Transfer nach Hause klappte auch wunderbar und nun hat Bubenheim uns wieder.
15. Juni, Mainz
Wir wollten unsere Filme so schnell wie möglich abgeben, denn unsere Neugierde ist überbordend. Also fuhren wir umgehend mit Noah und Amy nach Mainz. Wir fanden einen schönen Parkplatz und Gunter wollte gerade den Parkschein ziehen. Dort stand bereits ein Mann, der kurz vorher eingeparkt hatte. Als es zum Blickkontakt zwischen ihm und mir kam, lächelte ich, wie in den USA üblich. Das war wohl zuviel. Der Mann meckerte mich an: “ Was denken sie sich dabei, anderen Leuten den Parkplatz wegzunehmen?“ „Habe ich ihnen denn einen weggenommen?“ fragte ich völlig verdutzt. Dann kam es: Wir sollten der arbeitenden Bevölkerung die Parkplätze nicht wegnehmen und gefälligst mit dem Bus fahren. War ich wohl zu gut gelaunt für die Deutschen? Herzlich Willkommen, daheim!
Unterwegs mit Bodie – Review
Und wieder einmal wird mir bewusst, wie verschieden die Menschen (und Hunde!) dieser Welt sind. An sich ist das ja keine neue Erkenntnis, oder gar ein Moment der Erleuchtung. Trotzdem, während ich „Unterwegs mit Bodie“ las, war dies der meist vertretene Gedanke in meinem Kopf.
Zum Beispiel musste ich mir erst einmal wider klar werden das nicht jeder Mensch einen Hund besitzt, so befremdlich das für mich auch klingen mag. In meinem Leben gab es nur ein einziges Jahr ohne die Gesellschaft eines Hundes, und ehrlich gesagt war dieses Jahr recht trübselig. Ja, sogar während ich hier schreibe sitzt meine Dackeldame Grindel auf dem Schoß und döst glücklich vor sich hin. Aber mal wieder zurück zum eigentlichen Thema. Das Buch „Unterwegs mit Bodie“ von Belinda Jones:
Belinda lebt in Los Angeles, und nachdem ihr Freund sich von ihr trennt wird sie zu einem emotionalem Disaster. Ganz plötzlich fühlt sie sich zu Hunden hingezogen, obwohl sie vorher gar kein Hundemensch war. Dies scheint für sie die Antwort: Wenn sie sich einen Hund holen würde, wäre sie vielleicht nicht mehr so allein. (Natürlich hat sie da recht!)
Nach langer Suche findet sie Bodie, einen Hund der bereits kurz davor war eingeschläfert zu werden, und welcher jetzt dringen eine Zuhause braucht. Die beiden lernen sich kennen, und durch eine Bekannte kommt Belinda auf die Idee, eine Reise an Amerikas Westküste zu unternehmen. Mit Bodie im Schlepptau. Das Ziel ist das Zuhause besagter Bekannter, und ihrem Hund, in welchen sich Bodie anscheinend verliebt hat. Aber die Reise soll vor allem dazu dienen Gedanken und Prioritäten zu sortieren, und einen neuen Anfang zu erlangen.
Das ist so Ungefähr die Geschichte. Sie ist wahr, wie ihr vielleicht schon gedacht habt.
Dies merkt man auch beim Lesen äußerst gut, denn Belinda schreibt offen über die Fehler, die sie bei der Hundehaltung erstmals begang. Dies war glaube ich mein liebster Teil des Buches. Er ist wunderbar menschlich, und oft kann man sich sehr gut ih Belindas Situation versetzen. Natürlich gibt es auch Extremfälle. Bodie kübelt auf teure Perserteppiche, rennt auf eine stark befahrene Straße und vieles mehr. Wobei aber gesagt werden muss dass Bodie eine herzensliebe Seele ist, und mann ihm sofort alles verzeiht.
Nun ja, der Rest des Buches war nicht so abenteuerlich wie erwartet. Irgendwie ist diese 3000 Kilometer-Reise recht wenig aufregend. Vielmehr ist sie ein Abklappern mehr oder weniger berühmter Sehenswürdigkeiten. Meist mit einem starken Fokus auf Hunde. So Sachen wie das Snoopy Museum, Hundegedenkstätte oder einfach Hotels die Hunde willkommen heißen. Von letzterem bekommt man eine Menge zu sehen, denn Belinda verbringt einen großen Teil des Buches in solchen Restaurants. Einen etwas kleineren, aber immer noch beträchtlichen Teil verwendet sie damit, feines Essen zu beschreiben. Und über diesen oder jenen Film-Star zu berichten der in den von ihr besuchten Orten gelebt hat. Diese Teile waren meist recht fade zu lesen, vor allem wenn einem nicht alle diese Stars bekannt sind.
Ich hatte irgendwie eine abenteuerlichere Art zu Reisen im Sinn als ich dieses Buch anfing. Ein Roadtrip entlang der Westküste Amerikas klingt für mich nach langen Wanderungen, der Entdeckung neuer Orte und dem Genuss in der Natur unterwegs zu sein. Doch am nächsten kommt man der wilden Natur Amerikas während den kleinen Strandspaziergängen, oder bei einem kurzan Lauf durch die Wälder neben den Hotels in denen Belinda übernächtigt.
Vielleicht bin ich ja auch zu sehr nach unserer eigenen Reise-Art gegangen. Wenn ihr unseren Blog lest, wisst ihr ja bestimmt wie gerne wir Reicherts lange Wanderungen durch wilde Natur unternehmen.
Ich bin mir sicher das so manch anderer Leser diese Art Reise lieber hat als ich. Zumindest genießen Belinda und Bodie ihre Reise, und Bodie hat viele neue Orte zu beschnüffeln. Was wahrlich ein Hundetraum ist. Belinda genießt es offensichtlich einen Hund zu besitzen, und verwöhnt in nach allen Regeln des Buches. Es ist erfrischend und nett, über diese Art der Liebe zu lesen, über die Zeit merkte ich auch wirklich wie die beiden aneinanderwachsen. Manchmal jedoch fand ich es etwas übertrieben, und war mir nicht sonderlich sicher ob Bodie sich jetzt überhaupt für seine Geschenke interressierte. Das Geld das man zum beispiel für teures Hundeparfüm, oder Hundebier, (Welches er nicht einmal getrunken hat) ausgibt, hätte auch besseren Zwecken dienen können. Aber naja, wie ich schon sagte, jeder Mensch ist anders.
Noch ein kleiner Punkt! Das Ende (jetzt ohne Spoiler, keine Sorge) war äußerst hübsch, und hat alles schön vollendet abgerundet. Es hat einfach perfekt gepasst.
Mein Fazit: Auch wenn mich die Reise selbst nicht allzusehr ansprach, fand ich die Beziehung zwischen Bodie und Belinda gelungen beschrieben. Ich habe lange kein Hundebuch mehr gelesen, und dieses hat einen guten Dienst getan mein Verlangen zu erfüllen. Der Schreibstil kommt dem flüssigen Lesen entgegen, so habe ich nicht allzu lange gebraucht.
Vielleicht ist es nicht jedermanns Buch, aber bestimmt interessant für Hundebesitzer oder die, die es werden wollen.
Dieses Buch ist ein Rezensions-Exemplar. Bist du neugierig geworden? Willst du es jetzt auch lesen? Schreib uns unter diesem Beitrag ein Kommentar! Dann losen wir unter allen Teilnehmern aus, und der Gewinner bekommt das Buch!
(Teilnehmer nur innerhalb Deutschlands.)
Das Buch könnt ihr hier auch auf Amazon bestellen.
Vernissage zur Ausstellung im MGH am 4. Mai 2018
Im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim zeigen wir ab dem 4. Mai 2018 etwa 40 unserer Fotos auf Leinwand.
Die Vernissage mit einem kleinen Umtrunk und etwas zum Knabbern findet am 4. Mai ab 19:00 Uhr im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim statt. Wir freuen uns, dich dort zu einem Gespräch zu treffen.
Fotografisch das Erleben der Natur zu interpretieren ist für uns eine Art „moderne Naturlyrik“.
Wir stellen in der Ausstellung »Meer + Mehr« Aufnahmen auf Leinwand von Leuchttürmen, Wellen und Meereslandschaften, die die Sehnsucht nach dem Meer schüren. Die Sommerferien stehen ja bevor.
Die Ausstellungsfotos zeigen nicht die touristischen Highlights, sondern die Poesie und Ästhetik der Verbindung von Land, Wasser und Himmel. Intensiver als beim Fotografieren kann man die Schönheit der Natur kaum erleben. Wir fühlen uns bei unserer fotografischen Arbeit mit der Natur tief verbunden. So ist es unser Anliegen, dieses erlebte Glücksgefühl durch die Fotos zum Betrachter zu transportieren.
Hier eine Auswahl der gezeigten Fotos:
Fugla Ness, Lighthouse, Hamnavoe, Shetland
Welle in Trafalgar, Andalusien
Welle in Trafalgar, Andalusien
Welle in Trafalgar, Andalusien
Myrland, Lofoten, Norwegen
Barra, Portugal
Pontusval, Bretagne
Creac’h, Ouessant, Frankreich
Grindel in Schottland
Wellen
Phare de la Jument, Île d’Ouessant, Bretagne
St Ives, Cornwall, England
Wellen
Im Hafen der Ile de Sein
Pern, Ouessant
46 Seiten Ebook „Nach der Langzeitreise zum Abitur“
Mit einem Projekt zum Thema Lernen und Reisen nehmen wir an der eBookWoche,com teil.
Die eBookWoche wird folgendermaßen angekündigt: Sieben durch die Welt reisende Familien stellen Dir ihre eBooks für kurze Zeit kostenlos zur Verfügung. Begebe Dich jetzt auf Deine ganz individuelle Leserreise.
Langzeitreisen und externes Abitur
Wir planten dazu ein kurzes abgeschlossenes Ebook über die externen Abschlüsse unserer Kinder nach den langen Reisen durch Europa zu schreiben. Der Plan ging schief, weil wir einfach zu viele Ideen und Themen hatten, die uns für das Buch wichtig waren. Deswegen haben wir eine 46 seitige Leseprobe eines wesentlich umfangreicheren Werks zum kostenlosen Download bereit gestellt.
Wir denken, dass das Buch noch besser werden kann, wenn wir auf Eure Fragen und Anregungen eingehen können. Also: lade Dir das eBook runter und lass uns wissen, was du davon hälst. Was sollte noch rein ins Buch? Wie sind Deine Erfahrungen mit dem freien Lernen?
Hier die kurze Beschreibung unseres eBooks:
Im EBook »Langzeitreisen und externes Abitur, Gedanken und Tipps zum freien Leben und Lernen« erzählen wir von unseren eigenen Erfahrungen mit dem selbstbestimmten Lernen weil sich das auf unser Familienleben ausgewirkte.
Wir möchten dich dazu inspirieren, über das Reisen, das Lernen und die Schulabschlüsse neu zu denken. Wir möchten wir dir Mut machen, in die Fähigkeiten deiner Kinder zu vertrauen. Unsere Kids hatten im Bezug auf das Lernen die volle Freiheit. Sie trafen die Entscheidung für die externen Schulabschlüsse selbst und bereiteten sich dann auch selbstständig auf Prüfungen vor.
Zum kostenlosen eBook kommst du hier entlang. Außerdem liegen da natürlich auch unsere anderen eBooks (Bretagne, Die richtige Reisekamera, Nordlichtfotografie) – das lohnt also! Du abonnierst damit gleichzeitig unseren Newsletter der etwa einmal im Monat erscheint. Abbestellen kannst du den jederzeit direkt und einfach mit dem Klick auf den Link, in jedem Newsletter.
Von Galizien nach Bubenheim mit Hindernissen
Cathedral Cove, Galizien, Spanien
Das ist der letzte Teil des Reiseberichts an der Atlantikküste entlang. Hier ist die Übersichtsseite der Reise.
Ein Strand wie eine natürliche Kathedrale
Relativ früh brechen wir auf, Laxe ist unser nächster Zwischenstopp. Wir parken an der Strandpromenade, die Gassen in Laxe sind extrem eng und nur für Kleinwagen befahrbar. Mit dem Womo trauen wir uns logischerweise da nicht rein.
So wandern wir zwei, drei Kilometer über einen Berg auf der Suche nach dem Leuchtturm, den wir an diesem morgen fotografieren möchten. Auf dem Rückweg suchen wir eine andere Route und bewundern noch engere Gassen. Glücklicherweise ist es an diesem Morgen nicht zu heiß, da macht das Laufen und Fotografieren richtig Laune. Wir sind ganz allein unterwegs, begegnen niemandem.
Faro de Laxe an der Punta de Laxe
Erfrischt von dem Frühsport nehmen wir eine längere Teilstrecke unter die Räder. Wir umgehen La Coruña, kein Bock auf Großstadt mit dem vielen Verkehr, und finden in der Nähe von Ribadeo den Stellplatz direkt am Praia des Catedrais, dem Strand der Cathedralen. Mit der Überquerung des Küstengebirges haben wir auch die Wolken hinter uns gelassen. Die sind alle an den Bergen hängengeblieben.
Autobahn über die Berge
Auf der Anhöhe hängen die Wolken fest
Der Praia des Catedrais
Auf dem kostenlosen Stellplatz ist einiges los, ich will gar nicht wissen, wie es hier in der Hochsaison aussieht; aber dann kostet es hier auch Eintritt und die Zahl der Parkplatzsuchenden wird limitiert. Im Sommer wird die Anzahl der Besucher auf dem Strand eingeschränkt. Der wird dann abgesperrt, wenn eine gewisse Anzahl Menschen auf dem Strand sind.
Lustigerweise treffen wir dort alte Bekannte, denen wir schon zweimal auf unserer Reise begegnet sind, und sind sofort ins Gespräch vertieft.
Der Praia des Catedrais ist ein äußerst beliebtes Ausflugsziel der Spanier, und eine kaum abreißende Kette von Bussen karrt von Morgens bis Nachmittags unermüdlich Touristen heran.
Warum der Strand so beliebt ist, wird uns schnell klar. Die Sandfläche ist gigantisch, die Wellen rauschen auch bei eher ruhigem Wetter munter heran. Die Grotten und Felsbögen sind die wahren Renner. Alles ist gigantisch an diesem Strand. Hier gibt es nicht nur einen Felsbogen, sondern gleich zig Bögen hintereinander. Außerdem gibt es noch weitere Felsformationen weiter vorne am Wasser.
Die Grotten und mehrere hintereinander liegende Steinbögen aus den Küstenklippen sind nur bei Ebbe zugänglich. Der Strand ist über Treppen auch für Senioren leicht zugänglich, und die lassen sich den Spaß natürlich nicht entgehen, auch wenn der weite Weg im weichen Sand für einige an die persönliche Belastungsgrenze geht.
Unser Womo bei der Cathedral Cove, Galizien, Spanien
Für heute ist es leider Ebbe mit der Ebbe, wir werden dann am nächsten Vormittag den Strand erkunden, wenn das Meer den Sandstrand wieder freigegeben hat.
Wir hätten uns die folgende Ebbe am liebsten morgens früh um fünf Uhr gewünscht, da hätten wir den Strand fast allein für uns gehabt, aber leider war der Wassertiefststand genau zur besten morgendlichen Besuchszeit. Sobald der Strand betreten werden kann, steigen Scharen von Touristen aller Altersklassen die Treppen hinunter und schwärmen um die Felsformationen.
Wir spazieren auch unter den Steinbögen entlang, die sich stützend an den Klippenrand lehnen und erforschen die vielen Buchten und Grotten. Das Fotografieren ist nicht einfach, weil dauernd irgendwelche Touristen durchs Bild laufen oder minutenlang die Entenmuschelkolonien an der Basis der Felsbögen bewundern. Das Licht ist in der Mittagszeit auch nicht wirklich gut. Wir bekommen einen guten Eindruck von diesem außergewöhnlichen Stand. Wenn wir wieder einmal in die Region kommen, werden wir die Gezeiten im Blick haben und uns eine fotografisch interessante Konstellation suchen.
Die Gezeitentabelle ist übrigens an den Tafeln oberhalb des Strandes einzusehen. Außerdem gibt es einen touristischen Infostand. Die Cafes sind uns etwas zu teuer, wir trinken unseren Kaffee im Mobil.
Leuchtturminsel Illa Pancha, Galizien, Spanien
Leuchtturminsel Illa Pancha
Bald ist uns das Menschengewusel zu viel und wir fahren weiter. Nach einer nötigen Shoppingpause in Ribadeo geht es weiter auf kleinen Straßen Richtung Küste. Wenige Kilometer östlich von Ribadeo erreichen wir den Doppelleuchtturm der Illa Pancha und feiern erst einmal das schöne Wetter mit einem ausgiebigen Sonnenbad auf der großen Wiese vor den Leuchtürmen. Zwei Stunden auf der faulen Haut liegen, wunderbar. Natürlich nehmen wir auch die Leuchttürme fotografisch aufs Korn und überlegen dann, hier zu übernachten. So ganz allein auf weiter Flur haben wir darauf aber keine richtige Lust. Auf der Suche nach einem nächtlichen Stellplatz bewegen wir uns weiter entlang der Küste und kommen in Ortiguera an, wo wir ganz in der Nähe des Faro de San Agustin auf der Spitze des Kaps übernachten können. Der Stellplatz ist nicht so ganz eben, aber die Anwesenheit mehrerer ebenfalls übernachtender Wohnmobile lässt uns ruhiger schlafen.
Faro de San Agustin, Galizien, Spanien
Ein Abendspaziergang durch Ortiguera erweist sich als interessant aber anstrengend, dieser Ort ist in eine steile Schlucht mit Öffnung zum Meer hineingebaut. Zum Glück stehen wir oben auf der Klippe. Die Dorfsträßchen kämen wir mit unserem Mobil zwar hinunter, aber ohne zugkräftige Hilfe garantiert nicht mehr hinauf. Einige Gassen sind so steil, da hätten die Planer besser Treppen hingebaut.
Weiterfahrt mit Hindernissen – Wohnmobilpanne und Werkstatttage
Wir freuen uns immer mehr aufs Heimkommen und wollen heute eine längere Strecke bewältigen. Auf der Autobahn geht es zügig voran, aber am frühen Nachmittag fängt das Fahrzeug immer stärker an, zu vibrieren. Gabi kann irgendwann kaum noch das Lenkrad festhalten. Mit Mühe und Warnblinklicht schaffen wir es bis zu einer Raststätte, haben aber keinen Mobilfunkempfang. Wir sehen, dass eine Manschette der Antriebswelle gerissen ist und Öl verloren hat. Gabi spricht zwei Motorradpolizisten an, die leider nur spanisch sprechen. Einer hat eine Frau, die Englisch spricht. Er ruft sie an und sie hilft freundlicherweise als Dolmetscher aus.
Im Endeffekt müssen wir noch 25 Kilometer langsam über die Autobahn bummeln, um die nächstgelegene Fachwerkstatt zu erreichen. Und es ist natürlich Freitag, was sonst.
Unser Womo in der Werkstatt
Noch hat die Werkstatt auf, als wir angeschlichen kommen. Der Meister besieht sich den Schaden und meint, die Antriebswelle ist hin. Vielleicht klappt es ja heute noch mit der Ersatzteilbeschaffung. Und wie das so ist, hoffen wir einige Stunden auf das Wunder, nur um Abends zu erfahren, dass es wohl doch Montag werden würde. An der Werkstatt stehen zwar auch Samstags-Arbeitszeiten, aber Samstags würde hier keiner arbeiten. Die Spanier halten es anscheinend sehr locker mit den Öffnungszeiten.
Jetzt hängen wir also fest, mitten im Gewerbegebiet von Cabezon de la Sal, wollen eigentlich schnellstens heim, und müssen drei ganze Tage ausharren. Der Stadtkern ist zwei Kilometer entfernt, da laufen wir halt mal hin und schauen, wo wir gelandet sind.
Wir hätten so gern einen Mietwagen gehabt um die Strände zu erkunden. Da sind wir so nah am Meer und kommen nicht hin.
Das Städtchen ist gar nicht mal so verkehrt. Ein bunter Mix aus altehrwürdigen Häusern, Plätzen, Geschäften, Restaurants, Bars und Cafés. Am Samstag ist tote Hose in der Werkstatt, wir nutzen die Zeit, unsere Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen. In der Nähe ist ein Supermarkt und ein riesiger chinesischer Kramladen mit allem möglichen Zeugs.
Die El Reino Eco-Bar in Cabezon
Cabezon hat auch einen Bahnhof, die Bahn fährt bis Santander. Da wissen wir schon, was wir am Sonntag machen werden.
Das Wetter ist wunderbar, zu wunderbar für unseren Geschmack. Die Temperaturen steigen über 30 Grad und die Sonne brennt gnadenlos vom wolkenlosen Himmel.
Mit Kaffee trinken, Essen gehen, in Geschäften stöbern und in Gassen schlendern schreitet die Zeit quälend langsam voran. Auch der Abend zieht sich in die Länge. Zeit totschlagen ist nicht wirklich unser Ding. Das macht so richtig bewusst, wie wertvoll uns die Bewegungsfreiheit mit dem Wohnmobil ist.
Sonntags-Ausflug nach Santander
Sonntag früh sind wir pünktlich um neun Uhr am Bahnhof in Cabezon und ziehen uns Tickets nach Santander. Santander ist 40 Kilometer entfernt und die Tickets sind spottbillig. Wir zahlen 12 Euro für zwei Personen, hin und zurück. Dafür ist der Zug nicht der schnellste, er hält in jedem Kaff. Bis Santander sind es so gut eineinhalb Stunden Fahrt.
Santander, Galizien, Spanien
Angekommen, müssen wir uns erst einmal orientieren und fragen uns nach der Hafenpromenade durch. Elegant flaniert hier die Sonntagsgesellschaft vorbei an Museen, teuren Restaurants und anderen Sehenswürdigkeiten.
Am Ostende biegen wir nach Norden ab zum langestreckten Stadtstrand, der ist wochenendtypisch voll mit mehr oder weniger knapp bekleideten Sonnenbadenden. Kein Wunder, dass so viel los ist, wieder ist es sonnig, heiß und wolkenlos, das Meer strahlt in unendlich kräftigen Blau- und Türkistönen, die fast den Augen weh tun.
Santander, Galizien, Spanien
Weil wir schon mal in die Richung unterwegs sind, sollen wir es wagen, bis zum Leuchtturm Faro de Cabo Mayor am nordöstlichen Ende der Santander-Halbinsel zu laufen? Die Strecke zieht sich. Wir überlegen wengistens für Teilstrecken den Bus zu nehmen. Machen es dann aber doch nicht. Wir laufen an unendlich vielen Stränden vorbei. Diese Farben, diese Anzahl von Menschen, die friedlich da liegen oder mit Bällen spielen. Unsere Füße werden irgenwann schon schwer und unsere Zungen lang. Wir entledigen uns unserer Kleidung, soweit es eben geht.
Endlich am Leuchtturm angekommen fotografieren wir fleißig und füllen unser Flüssigkeitsdefizit in der Café Bar am Leuchtturm wieder auf. Das tut gut!
Faro de Cabo Mayor, Santander, Galizien, Spanien
Den Rückweg nehmen wir quer durch die Stadt, durch einen 800 Meter langen Tunnel, vorbei am Fussballstadion, wo ein Riesentrubel herrscht, und durch unzählige kleinere und größere Gassen.
Als wir mit plattgelaufenen Füßen endlich wieder am Bahnhof angelangt sind, haben wir locker 25 Kilometer Fußweg hinter uns. Auf der Rückfahrt ruhen wir unsere müden, schmerzenden Beine im spärlich besetzten Zugabteil aus. Dann der nächste Marsch zum Wohnmobil und wieder sitzen wir im Industriegebiet und warten.
Montag ist Werkstatttag
Am Vormittag kommt endlich die Antriebswelle an, im Doppelpack, denn die rechte ist vorsorglich auch dabei. Das ist auch gut so, denn nach Einbau der linken Welle bockt unser Fahrzeug gewaltig in der Werkstatt herum. Also auch Tausch der rechten Welle. Wenn die uns mal nicht veräppeln. Wir haben wegen der unbefriedigenden Verständigungssituation den ADAC als Dolmetscher zwischengeschaltet, der ADAC- Mitarbeiter meinte, das mit den zwei Antriebswellen klänge authentisch.
Na was solls, es dauert bis zum frühen Abend, bis unser Womo repariert ist, dann dürfen wir einen Tausender hinblättern und endlich weiterfahren.
Übernachtung in Ondres Südfrankreich
Nach weiteren Fotostopps steht uns nicht mehr der Sinn, wir wollen nur noch heim. Nach 200 Kilometern fängt unser Womo bei bestimmten Geschwindikeiten wieder an, zu vibrieren. So ein Mist! Wir schaffen es kurz vor Mitternacht bis nach Frankreich, wo wir in Ondres am Strand übernachten.
Stand von Ondres, nördlich von Biarritz
Stand von Ondres, nördlich von Biarritz
Am nächsten Morgen schildern wir das Problem dem ADAC, der verweist auf die Bosch-Dienst-Garantie, wir sollen einen französischen Bosch-Dienst kontaktieren. Die Schwierigkeit ist, in Frankreich sind Bosch-Dienste so häufig, wie Steak-Gerichte im Vegetarier-Restaurant.
In brütender Hitze auf dem Heimweg
Wir sitzen und schwitzen bei knapp 40 Grad im Wohnmobil und haben überhaupt keinen Bock, noch weite Umwege für eine Werkstatt zu fahren, um dann wieder stunden- oder sogar tagelang auf eine weitere Reparatur zu warten. Also weiter Richtung Heimat. Und das Gerüttel wird auch mit der Zeit weniger.
Abends bei bei Limogues ist die Autobahnauffahrt komplett gesperrt. Es ist schon dunkel und wegen der chaotischen Beschilderung findet kaum jemand den Weg aus der Baustelle heraus. Alle, auch die großen Trucks, fahren mehrmals im Kreis herum. Nach zwei nervenzerrüttenden Stunden über dreimal die gleiche Strecke und über winzige Landstraßen kommen wir sehr spät in Bessines-sur-Gartempe an. Die Nachttemperaturen sind angenehm niedrig und wir schlafen wie die Steine.
Die Weiterfahrt am nächsten Tag ist anstrengend. Es gibt zwar keinen Stau, aber es ist immer noch zu heiß. In Emmendingen übernachten wir ein letztes Mal, bevor wir uns auf die letzten 300 Kilometer begeben. Die sind definitiv am stressigsten. Lastwagen an Lastwagen, jeder drängelt und schiebt. Dazu Baustellen ohne Ende, und durch die extreme Sommerhitze haben sich auf einigen Autobahnabschnitten Verwerfungen der Fahrbahndecke gebildet. Auf der langen Heimreise haben wir soviel geschwitzt, dass wir zwar zwei, drei Liter tranken, aber nicht pinkeln mussten. Es war wirklich extrem mit der Hitze.
Wir brauchen fast doppelt so lange für das letzte Teilstück, als wir einkalkuliert haben. Aber endlich stehen wir vor unserem Tor und unser Dackel Grindel kriegt fast einen Herzinfarkt vor Wiedersehensfreude.
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
USA Roadtrip aus dem Jahr 2000, Teil 3
Der letzte Teil des sehr langen live Reiseberichtes auf dem Jahr 2000. Achtung: Die Fotos wurden mit unserer allerersten Digitalkamera aufgenommen. Die hatte ganze 1 Mega Pixel!
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29. April, Unterwegs von Montana nach Idaho
Es gibt kaum etwas Berichtenswertes. Wir beeilten uns nicht, die Kinder spielten trotz der Kälte, ich stand in der Telefonzelle und surfte, Gunter machte „Dumping“ und es gab weiteres Getrödel. Das muss auch mal sein. Dann fuhren wir mit den bereits müden Kindern, die sofort ein Schläfchen hielten, weiter Richtung Idaho.
In Kellog machten wir an einem KOA Campingplatz Halt, weil dort stand es gäbe Wanderwege. Diese fanden wir trotz Herumfragen nicht. Dumm. Also nocheinmal ausgiebig Spielplätze für die Kinder und Abends tranken Gunter und ich ein „Glas“ (haben wir nicht, also einen Becher) Wein, was dazu führte, dass ich sofort bediddelt war und ins Bett wanderte. Noah lässt dann nicht lange auf sich warten, denn er denkt er verpasst was. Da wir wieder eine neue Zeitzone erreicht hatten waren wir recht früh. Und morgens um 7:00 Uhr wieder alle munter.
30. April, von Idaho nach Spokane, Washington
Und wieder das Gleiche wie gestern. Immer langsam, denn die Transfers von einem Gebiet zum anderen können anstrengend werden, wenn wir zu viel auf einmal fahren. Die Kinder rennen, klettern und bewegen sich morgens sehr viel. Sie helfen beim Fertigmachen des Wohnmobils und meistens sammeln sie noch Steine. Gestern hat Noah einen Knochen gefunden, den heben wir auch auf. Unsere „Natursammlung“ wächst. Dann ging es wieder auf den Freeway (also Autobahn). Wir hatten das Gefühl, dass man so nichts vom Land sieht und entschieden uns einen Scenic Byway zu nehmen. Nur irgendwie hatten wir etwas missverstanden. Wir dachten, diese kleine Strasse führt um den Lake Cöur d’Alene herum und ist 37 Meilen lang. Nur nach ca. 40 Meilen standen wir weit weg vom Freeway in der Landschaft und um wieder zurück zu kommen brauchten wir nochmal ca.50 Meilen auf kleinen Strässchen. Ich war sauer. Mein Gefluche nervte Gunter und er fühlte sich angegriffen. Nach einer Klärung ging es dann fluchend weiter aber trotzdem besser gelaunt. Eigentlich war die Gegend wunderbar grün. Ich konnte im Vorbeifahren einen Weisskopfadler sehen. Riesige Nester sieht man auf den Strommasten. Nur waren wir zu sehr damit beschäftigt den richtigen Weg herauszufinden. Eine „Abkürzung“ endete in einer Art Sackgasse und ich hatte Angst davor einige Meilen im Rückwärtsgang zurücklegen zu müssen. Irgendwann erreichten wir doch Spokane und suchten zur Belohnung einen Campingplatz mit Swimmingpool im Haus. Hier haben wir zum ersten Mal einen Telefonanschluss direkt am Wohnmobil. Das ist praktisch, denn ich konnte nachsehen welche Strassen in den Bergen schon befahrbar sind und welche nicht. Die zweiteren überwiegen. Wir schwammen nur recht kurz, denn das Wasser war zu kalt und wie immer zog es, denn eine grosse Tür stand offen. Amy bibberte sichtlich und unerlaubterweise gingen wir mit allen Kindern ins Jacuzzi, das heisse Whirlpool. Dann wieder eine belebende Dusche mit Amy um das Chlor abzuspülen und eine weitere Lieblingsbeschäftigung: Wäsche waschen. Glücklicherweise kann ich hier 4 Maschinen gleichzeitig laufen lassen. Und heute konnte ich beim Zusammenlegen fern sehen.
Essen kochen und Betten überziehen sind recht anstrengende Beschäftigungen, denn alles ist seehr eng. Bis dann alle drei Kinder angezogen sind und Zähne geputzt haben sind wir auch hundemüde. Die Route für morgen muss geplant werden, das Geschirr gespült und der Bericht geschrieben.
1. Mai, Curlew Lake, Washington
Der Morgen war geprägt von Stadt und Autowerkstatt. Es dauerte etwas, bis wir den neuen Reifen hatten, denn Cruise America wollte nicht recht, der Reifen war nicht auf Lager und er musste noch aufgezogen werden. Die Vorräte wurden aufgefrischt damit wir in einem State Park übernachten konnten und nicht essen gehen mussten. Und schon war der Vormittag weg. Schnell schliefen die Kinder im Wagen ein und es ging wieder in die Berge. Am Lake Curlew suchten wir einen günstigen Campingplatz und ich legte mich hin, da ich Migräne hatte. Ich dachte ich hätte den Kopfschmerz mit Lycopodium im Griff, jetzt kam er mit der Periode. Schade. Nach 45 Minuten waren die Kids so laut, dass ich aufstand und wir aßen zu Abend. Es gab Schinkennudeln und ich öffnete das Dachfenster, weil die heisse Luft unangenehm nach oben zieht. Ein Spaziergang am See tat gut aber es ging mir kopfmässig nicht besser und ich nahm eine Tablette und ging um 8:00 Uhr ins Bett.
Noah fühlte sich auch nicht wohl, er scheint zu wachsen und das Bein schmerzte ihm sehr. Nach einigem Gejangele meiner und Noah seits schliefen wir ein. Ich träumte es regnete und der Traum dauerte lange. Ich träumte es regnete immer mehr und es wäre nass. Immer wieder träumte ich es wäre nass. Endlich wurde ich wach, weil es nass war. Das Fenster über mir war noch vom Kochen offen und es regnete und die ganze Decke war nass, so dass es durchtropfte. Plötzlich war ich sehr wach. Das Fenster war nun zu, die Decke lag zum Trocknen über dem Tisch und ich hatte alle verfügbare Kleidung an, denn nur eine sehr kleine, sehr dünne Decke konnte mich nun versuchen warmzuhalten. Nach ca. 3 Stunden Gebibber war meine Polyesterdecke (sind die doch zu was gut) halbwegs trocken und ich ruhte noch ein wenig, eh mit der Sonne auch Amy aufstand. Washington ist nicht umsonst der Evergreen State – ohne Regen, kein „Immergrün.“
Was uns frustrierte sind die vielen Lastwagen mit Holz, die wir hier sehen. Man kann sich nicht vorstellen, dass so viele Bäume abgeholzt werden ohne Schaden anzurichten. An den Sägewerken wird es besonders schlimm und ich denke dankbar an Julia Butterfly und ihre soo wichtige Arbeit. Vielen Dank Julia und alle anderen Aktivisten.
Solche Sammelstellen sahen wir mehrfach. Das sind wirklich Unmengen Bäume.
2. Mai, Rockport State Park, Washington
Ausnahmsweise fuhren wir sehr früh los, wir waren alle früh im Bett gewesen und trotz der nassen Nacht munter. Der Morgen fing mit einer Fahrt durch ein absolut traumhaftes Tal an. Gunter hätte am liebsten überall angehalten zum Fotografieren. Das war so traumhaft, dass wir kein Bild mit der Digitalkamera gemacht haben, sorry, die versagt sowieso, wenn’s zu schön wird. Nach einigem hin und her entschieden wir uns für den North Cascades National Park. Zu dieser Jahreszeit kann man nur vorbei, nicht durchfahren, denn die Strassen sind zugeschneit. Also, auf in die Berge. Amy und Noah verschliefen die Schneemassen nur Esra rechnete aus, wieviele Schneemänner er bauen könnte. Ergebniss: viele. Wandern konnten wir nicht, denn nur die Strasse war schneefrei, die Wanderwege hatten noch mehr als 1 m hohen Schnee.
Das sieht wunderbar aus.
Doch nach diesem Summit kommen viele Stauseen und langsam haben wir genug von denen gesehen. Der Eingriff in die Nartur ist doch gewaltig, denn die Seen brauchen viel Platz und die natürlichen Wege der Tierwelt, besonders der Fische, werden durch die Dämme blockiert. Die Strommasten, die den erzeugten Strom dann transportieren verunstalten die Natur und das war besonders hier frustrierend. Die Berge sind wunderschön und es wurde schon allein durch die Strasse viel verändert. Irgendwie konnten wir es nach den Dämmen nicht richtig geniessen. Diese Staudämme liefern übrigens den Strom für Seattle.
Saftiges Grün im Rockport State Park
An diesen Bergen regnen die Wolken ab, die vom Meer kommen, und das ist der Grund, warum hier alles so wunderbar grün ist. Das es jedoch so traumhaft (noch nicht das richtige Wort, denn es ist viel imposanter) sein würde, dachten Gunter und ich nicht. Wir kommen uns vor wie in einer anderen Welt. Alles, jeder Zentimeter, ist grün. Wusstet ihr, dass es tausende von Grüntönen geben kann und die sind alle in diesem Wald vereint. Wahnsinn. Rosi, das würde dir gefallen, hier werden sogar Schnecken satt, ohne dass sie Schaden anrichten. Märchenwald kommt vielleicht am Besten hin.
Könnt ihr euch vorstellen, dass die Bilder oben und unten nur eine Stunde Fahrt auseinanderliegen? Wohl kaum. Aber es ist tatsächlich so. Noch eine Stunde weiter ist schon das Meer.
Wenn man länger als 2 Tage stehen bleibt, ist man selbst grün
Auf unserem Stellplatz
Zwerge gibt es im Märchenwald auch. So süß
Die einzigen Camper, die es außer uns noch gibt, kommen auch aus Deutschland und wir tratschten ein wenig und tranken ein Bier miteinander.
Axel, Tina und Delle
Die Campground hosts sind auch sehr nett und wir plauderten auch dort, was dazu führte, dass wir die Wanderung auf morgen verlegten. Im Moment regnet es, woher soll das viele Grün auch sonst kommen?
3. Mai, Rockport und Anacortes
Es regnete 20 Stunden lang ohne Unterbrechung, und zwar so richtig heftig. Und dann hörte es auf, aber es tröpfelt ewig von den Bäumen herab. Wir hatten morgens eine Wanderung im Regen versucht, gingen aber nach kurzer Zeit zurück. Zu viel Wasser. Also schrieben wir Postkarten. Dann, in der kurzen Regenpause, schnell alle Kinder anziehen und loslaufen. Traumhaft, denn die Sonnenstrahlen, die durchkamen beleuchteten den Wald schön punktuell. Eine Art feiner Nieselregen kam von oben herab und das sah aus, wie tausende glitzernde Perlen. Nach so einem Regen ist alles klatschnass und wirkt besonders frisch, überall Wassertropfen und die Spinnenweben leuchten. Den Jungs zogen wir Plasiktüten über die Pullover, damit sie beim Wandern auf den engen Wegen nicht durchweichten. Das klappte wunderbar, natürlich mit der Warnung, nie selbst Tüten überzuziehen. Die Fototour tat gut, die Luft war so waldig frisch, es war aber auch anstrengend in dem Wirrwarr ein Foto zu gestalten. Wie konzentriert man sich bei so viel Grün auf das Wesentliche? Ein Problem waren auch die Stative, denn im so durchweichten Boden fanden sie keinen stabilen Halt. Spass gemacht hat es trotzdem.
Nach der Wanderung von ca. 2 Stunden, während der das Wetter halbwegs stabil war, waren wir alle müde, bis auf Amy, denn sie hatte in der Rückentrage geschlafen. Es goss wieder und ich war dafür, weiterzufahren. Vor allem auch, weil außer uns nun niemand mehr auf dem Campingplatz war und das ist für meinen Geschmack zu einsam. Also weiter Richtung Meer. In nur einer Stunde waren wir da und siehe da, sogar mit blauem Himmel.
Man kann sehen, wie die schweren Wolken vom Meer in den Bergen hängen bleiben und abregnen. Die Sonne tut sehr gut. Wir informierten uns, was die Fähre nach Vancouver Island kostet – fast 100$ von hier und dann suchten wir einen Campingplatz im Wald und trotzdem fast direkt am Meer, oder besser der Bucht. Esra freute sich riesig, wieder am Meer zu sein, diese Begeisterung teilt er mit mir. Gunter freute sich sehr über die Sonne. Nach einem guten mexikanischen Abendessen wanderten wir noch einmal los am Strand entlang, von wo aus wir den Sonnenuntergang bewundern konnten. Gegen Abend nervten uns jedoch die Militärflugzeuge, die mit grossen Getön über uns hinwegflogen und nicht weit entfernt landeten. Schade, und das in diesen wunderschönen Gebiet.
Eine Neuigkeit gibt es von Esra zu berichten. Er verkündete heute morgen stolz, dass er einen Wackelzahn hat. Mal sehen, wie lange der noch aushält. Und Amy hat 4 Eckzähne bekommen.
4. Mai, Victoria, Vancouver Island, British Columbia, Canada
Nach einem Morgenspaziergang am Meer fuhren wir über dieGrenze nach Kanada. Das dauerte, denn die Autoschlange war lang und wir mussten alle ins Büro uns einen Stempel in den Pass geben lassen. Und jetzt sind wir alle zum ersten Mal in Kanada. Wir suchten gleich eine Fähre, die vor Vancouver abgeht und siehe da, nur eine Stunde warten und für 75 Can$ fuhren wir drauf. Aber, oh, Schreck: Wir mussten zu den übergrossen Lastern, ganz unten in den Bauch des grossen Schiffs. Das ist ein Horror für mich. Dort bekomme ich Beklemmunsggefühle und es geht mir ganz schlecht. Zu allem Übel mustten wir zudem beim Ablegen und Anlegen im Wohnmobil zugegen sein. Wir haben es überlebt aber ich bekam davon starke Kopfschmerzen. Ansonsten wäre die Fahrt traumhaft gewesen. Wir fuhren an den vielen Inseln und einigen Walen vorbei und das Wetter, das zur Abfahrt sehr schlecht war, wurde endlich besser.
Auf dem Schiff gibt es eine kleine Spielecke für die Kinder und unsere Jungs fanden sogar einen deutschsprachigen Jungen zum Spielen. Jetzt sind wir auf einem Campingplatz in Victoria und wir gewöhnen uns wieder an das metrische System und den neuem Umrechnungsfaktor des Can $’s. Für Deutsche ist es viel günstiger in Canada, vielleicht sollten wir länger bleiben? Morgen werden wir Carl und Lianne treffen. Carl wohnte vor zig Jahrzehnten neben uns als er in der Armee stationiert war.
5. Mai, Victoria, British Columbia
Am Morgen fuhren wir zu Carl und Lianne. Carl war vor mehr als 25 Jahren als Soldat in Deutschland und wir waren sehr gut befreundet. Wir, mein Bruder Andi, meine Schwester Elke und ich spielten als Kinder mit Carls Kindern Karen und David. Ich habe die beiden seit 26 Jahren nicht mehr gesehen. Heute habe ich David getroffen und mit Karen telefoniert, wow. David hat sich sehr verändert, ha, ha. Carl hatte uns vor 6 Jahren in Deutschland besucht, also vor nicht allzu langer Zeit. Robbie, seine Exfrau besuchte und vor 7 Jahren und wir freuten uns riessig darüber, heute mit ihr und ihrer Mutter, die übrigens eine besondere Persönlichkeit ist, Essen zu gehen.
Robbie’s Mutter, Robbie Gabi und Noah und Carl
Den Kindern gefiel es auch und Amy verschlief das gesamte Mittagessen. Leider kamen die Kinder aus ihrer Reiseroutine heraus und sie ruhten heute Mittag nicht, was dazu führt, dass es gegen Abend zu wild wurde. Amy liebt Nicki, den Foxterrier. Sie ist fast ausgeflippt vor Freude, als sie Nicki sah. Scharie wird vermisst und wahrscheinlich fehlen wir ihr auch.
Carl wollte uns die Stadt zeigen aber wir bekamen nicht alle Kindersitze ins Auto. Also war unser Plan, dass Amy bei Lianne blieb während wir unterwegs sind. Die Jungs wollten jedoch auch lieber bleiben und daher nahm Carl das Telefon mit, damit Lianne anrufen kann, wenn die Kids nicht mehr wollen. Das Telefon klingelte nach einer Stunde Stadttour tatsächlich, denn alle drei waren beim Blumengiessen tratschnass geworden und Lianne bat mich, Esra zu sagen, dass seine Kleidung in den Trockner muss. Carl führte uns in eine Kneipe zum Bier aber nach nur wenigen Minuten klingelte das Telefon wieder und Esra war nicht mehr glücklich, wir sollten doch kommen. Als wir ankamen waren aber alle überaus froh, und sie hatten ein neues Wort gelernt: Cookies.
Victoria ist eine außergewöhnliche Stadt. Die Gärten werden überall mit viel Liebe und von Gärtnern gepflegt (wegen der Grösse.) Ausserdem gibt es wie in Boise sehr viele grosse Bäume in der Stadt. Die Bucht und die schneebedeckten Berge in der Ferne wirken ausnehmend malerisch. Der Baustil der Häuser ähnelt denen in San Francisco, also viktorianisch. Ich mag diesen Stil. Insgesamt könnte SF Probleme bekommen, meine Lieblingsstadt zu bleiben. Victoria ist ebenso multikulturell aber kleiner und übersichtlicher. Und mindestens genauso schön gelegen.
Zum Abendessen gab es Gunter’s Lieblingsspeise: Lachs. Und der ist wahnsinng frisch hier. Kurze Wege. Esra und Noah waren schon beim Zusehen begeistert (Warum ist der Fisch tot? Wo ist denn der Kopf? Wollte der kein Gemüse essen, weil Carl das jetzt in den Bauch legt? Warum glitzert die Haut?) und sie aßen auch alles auf. Besonders den Nachtisch: Erdbeeren mit Sahne. Amy liebte die Kartoffeln, sie rührte nichts anderes an, na ja bei den Erdbeeren wurde sie dann doch noch schwach.
Der Chefkoch mit dem Lachs.
6. Mai, Victoria
So, jetzt ist Victoria meine Lieblingsstadt. Da kann selbst San Francisco nicht mithalten. So grün, so british (europäisch), so beautiful.
Carl bereitete Pfannkuchen zum Frühstück (Fennekeiks laut Noah) und Würstchen. Schön einmal verwöhnt zu werden. Dann gingen wir ins Museum.
Wir hatten einen grossen Rucksack mit und den musste ich abgeben. Bisher habe ich nur 20$ Geldscheine gesehen und ich wechselte Geld, damit ich 1 $ bezahlen konnte. Die Frau hat sich sicherlich gewundert, weil ich plötzlich so staunend und genau studierend vor ihr stand. Die Münzen sind so anders als das amerikanische Geld. Es dauerte etwas, bis ich die 1 $ Münze hatte. Im Museum mochten wir alle die nachgebildete Stadt von der Jahrhundertwende am liebsten. Überall laufen Tonbänder, damit es echt wirkt und Esra und Noah glaubten das Meiste tatsächlich.(Pferdegeklapper, Schmiedehammer usw) Zum Beispiel gibt es im Bahnhof eine Wartehalle und irgendwann leuchten draußen Lichter und man hört den Zug kommen. Es wirkt sehr echt und ihr hättet die Gesichter der Jungs sehen sollen. Carl hatte sichtlich seinen Spaß.
So gegen 11:00 Uhr werden die Kinder meist quengelig und sie wollen ins Wohnmobil, welches wir nicht mit in die Stadt genommen hatten. Also fuhren wir zurück doch leider schliefen sie auf der kurzen Stadtfahrt im Auto nicht ein. Wir aßen Brötchen zum Lunch und zogen dann allein mit Liannes Auto los. In den 7 Wochen auf Tour habe ich mich sehr an das Automatikauto gewöhnt. Ich hatte Probleme, wieder mal beide Füsse zum Fahren zu benutzen aber nach kurzer Zeit klappte es wunderbar. Seltsames Gefühl ohne Wohnmobil, man muss an Extrakleidung für die Kinder und etwas zu trinken denken (sonst haben wir ja immer alles mit) Wir fuhren an den Strand, davon gibt es in der Stadt viele sehr schöne. Noah und ich suchten nach schönen Muscheln und Steinen während Esra und Amy auf dem Spielplatz waren. Dann wurde es uns aber zu kalt. Der Wind bringt kalte Luft vom Meer und wir entschlossen uns in die Stadt zu einem Buchladen zu fahren, denn wir im Vorbeifahren gesehen hatten. Mit der kleinen Karte von Carl fanden wir alles prima und so ein kleines Gefährt wie ein Van lässt sich mühelos parken. Der Buchladen ist toll. 3 Stockwerke und mit Cafe. Zurück zu Carl ist kein Problem mit Gunters guten Kartenkenntnissen und Karen wartete bereits auf uns als wir ankamen. So ein netter Mensch. Wahnsinn. Karen fährt für eine Woche auf Dienstreise und sie gab mir Schlüssel für das Auto und die Wohnung. Ist das nicht nett? Wir kennen uns eigentlich nicht mehr und sie überlässt es uns alles. Wahrscheinlich werden wir das Angebot nicht annehmen und weiterfahren, weil ich Linda Rogers, eine Schriftstellerin treffen will, trotzdem weiß ich das alles sehr zu schätzen. Lianne sagt über Karen: „she’s a beautiful person, inside and out“ und das ist wirklich wahr.
Um 6 Uhr gingen wir alle (Carl und Lianne, Robin, Karen, David und die Reicherts, also eine Family-Reunion für uns.) in ein italienisches Restaurant. Dort konnten die Kinder auf die Tischdecke malen, oder auch die Erwachsenen und das Essen war traumhaft.
Carl, Karen, David und Robin
Leider waren unsere Drei ziemlich aufgedreht und ich brauchte ewig für meine leckere Pizza. Zum Abschluss sassen wir mit Carl, Lianne und Karen mit Hund Nicky im Wohnmobil und plauderten. Karen hatte einen Schnupfen und ich bat ihr an etwas homöopathisches mit Hilfe meines guten Buch’s herauszusuchen. Ich wurde nach vielen Fragen fündig und habe das Mittel in unserer Hausapotheke. Es ist ja ein Versuch wert.
Karen mit Nicky. Schön, sie nach 26 Jahren wiederzusehen
7. Mai, Victoria
Morgens wieder Frühstück mit Lianne. Karen rief an und berichtete, dass zwar ihr Flug total schief ging und ewig dauern würde aber das homöopathischen Mittel ausgezeichnet geholfen hätte. Super. So können wir uns ein wenig für die Hilfsbereitschaft revancieren. Carl war zum Golfspielen schon unterwegs und wir verbrachten den morgen mit Lianne allein. Sie schlug vor in den Beacon Hill Park zu gehen um dort den Streichelzoo zu besuchen und Nicky, den Hund, im Park rennen zu lassen und danach in einem Drive In zu Mittag zu essen. Die Kinder liebten Streichelszoo, vor allem die Ziegen. Dann weiter durch den Park zu einem der schönen Spielplätze in Victoria und dann zum Drive In um Hamburger und Hot Dogs zu holen und auf der Wiese zu essen. Am frühen Vormittag fuhren die kleinen und die grossen Männer zu David, der bei der Feuerwehr arbeitet. Der zeigte ihnen alles und Alle, auch die grossen Männer, waren begeistert. Noah erzählte mir als erstes, dass die Feuerwehrautos nicht rot sondern gelb seien. Komisch was? Nur ein altes Auto war noch rot. Für Kinder ist die Farbe wichtig.
Mit Atemschutzgerät machte David den Jungs eher Angst
Feuerwehrmann David Peterson, er hat lange auf diese Stelle gewartet
Gunter mit dem grossen Dosenöffner
Ein richtiges, rotes Feuerwehrauto zum Ausprobieren. (Esra mit der Zunge ständig am Wackelzahn)
Ich wäre zu gerne mitgegangen aber Amy war müde und ich stillte sie bei Carl zu Hause, damit sie in Ruhe schlafen konnte. Den weiteren Tag verbrachten wir im Garten und beim Kochen. Carl und Lianne kochen gern und es tat gut verwöhnt zu werden. Mit unter war es sehr anstrengend auf die Kinder aufzupassen. Es gibt viele sehr wertvolle Gegenstände in der Wohnung und Carl ist kleine Kinder nicht gewohnt. Unsere Nervosität überträgt sich natürlich auf die Kinder und sie benehmen sich nur deshalb schlecht. Einmal füllte Esra Wasser in die Mülltonne. Ich war logischerweise nicht begeistert und Carl flippte fast aus. Er räumte die ganze Tonne aus, und zum Glück sind die beiden sehr ordentlich und der Müll ist so ordentlich verpackt, dass nichts herausfiel. Also musste die ganze Tonne umgedreht und halbwegs getrocknet werden. Mir war es sehr peinlich den sauber und schick gekleideten Carl Sonntag abends in der Mülltonne zu sehen. Ansonsten packte es Amy immer haarscharf an den teuren Vasen vorbeizurennen und ich veruchte so cool wie möglich zu bleiben. Am diesem Abend spielte Amy trotzdem versehentlich mit einem wertvollen Bild, dass aber bei Nickies Spielzeug auf dem Boden gelegen hatte. Danach fehlten einige Ecken, die ich und Lianne alle aufsammelten und mit Tesa anklebten zur späteren Reperatur. ahem. Jetzt weis ich nicht, was anstrengender ist: mit den Kindern am Rand des Grand Canyon zu Wandern oder Freunde, die selbst keine Kinder haben zu besuchen (und sie danach immer noch als Freunde zu haben. Ich glaube eher zweiteres. Die Eltern sind immer nahe am Herzinfarkt.
Quatsch am Abend
in Victoria mit Lutschern und Brot
Später Abends rief ich Robbie an um mit ihr noch ein Treffen zu organisieren. Ihr Vorschlag: Im Beacon Hill Park zum Streichelzoo und auf den Spielplatz und dann beim Drive In zu Mittag essen. Ich sagte wunderbare Idee, denn ich will sie nicht frustrieren und den Kindern macht das nichts aus, die freuen sich, wenn sie was schon kennen. Das war also der Plan für den nächsten Tag.
8. Mai, Victoria und Parksville, Vancouver Island
Nach den Frühstück gaben wir auch dem Wohnmobil wieder etwas zu futtern, nämlich Benzin und Propangas und fuhren alle frisch gestärkt zu Robbie. Dort erwartete und auch Doug, der uns mit Robbie zusammen in Deutschland besucht hatte. Gunter und ich freuten uns riesig.
Doug mit Amy, Robbie, die Jungs und ich
Und wieder in den Streichelzoo, die Ziegen sind so süß.
Amy schaut immer nach, ob die Nase abschraubbar ist.
Während des Lunchs versammelten sich alle Vögel um uns herum und es wurde recht laut. Besonders die Möven waren unverschämt. Wir konnten uns trotzdem nett unterhalten, während Esra und Noah den Müll von der Wiese aufsammelten. (ich glaube ich habe ihn zu gut erzogen, er räumt überall Müll weg, auch wenn mal keine Zeit ist) Und plötzlich flogen alle Vögel verstört weg. Ich kann es immer noch nicht glauben: Mitten in der Stadt kreiste ein riesiger Weiskopfadler über uns- Das ist irgendwie bezeichnend für Victoria. Es ist zwar eine Stadt (mit Vorstädten 300 000 Einwohner) aber trotzdem gibt es genügend Platz für andere Lebewesen. Wale, Vögel und die vielen Bäume, die übrigens nicht gefällt werden wegen der Stromkabel sondern einige Äste werden gekürzt und die Bäume wachsen um die Kabel herum. Das sieht teilweise komisch aus, aber die ganze Stadt sieht aus wie ein Wald. Um 1:00 Uhr fuhren wir dann in nördlicher Richtung los und alle drei hielten einen zweistündigen Schlaf. Ach, was hätt‘ ich auch gern geschlafen. Vor lauter Wald sieht man übrigens kaum das Meer, aber schön ist’s. Wir hätten zum Bungee Jumping halten können, und einmal im Jahr gibt es eine Spezialität, Bungie Jumping NACKT (da könnte ich mir dann nicht mal in die Hose machen, ha, ha, besser nicht.) Zusehen wär aber sicher interessant.
Wir sind nun auf einem State Park in Parksville und Gunter suchte vorhin fast vergeblich das Meer. Ebbe. Da das hier die Westküste der Insel ist und der Strand sehr flach ist, ist es fast wie an der Nordsee. Zum Muschelnsammeln aber ideal und Noah und ich suchten ziemlich lange ziemlich viele, ziemlich schöne Muscheln. Das gefällt mir. Den ganzen Tag am Meer und abends die Muscheln wieder rein werfen. Wir mussten sie aber behalten, sonst wäre Noah sauer. Heute abend war das Meer dann da, mit vielen Wellen und am Horizont die Berge auf Kanada’s Festland, ach wie schön. Ich freu mich schon auf morgen früh.
„welchen Stein werf ich zuerst?“
Auf dem Rückweg zum Wohnmobil trafen Noah und ich ein nettes Ehepaar und wir unterhielten uns. Die Frau brachte uns die Zutaten für Schmores, d.h. Graham Cracker mit zwei Stück Hershey Bar Schokolade mit einem über dem Feuer gerösteten Marshmallow und dann noch ein Graham Cracker obendrauf. Wir hatten unseren Spaß, denn nachdem schon mein Hühnchenfleisch ins Feuer gefallen und verbrannt war, machten wir hiemit gleich weiter. Die Marschmallows fingen dauernd Feuer und wir lachten uns eins. Geschmeckt hat es eher nicht. Halt wie verbrannte Mohrenköpfe, aber wir haben jetzt endlich mal Marshmallows gegrillt. Die Kinder mochten es auch nicht so, vielleicht waren die aber nur müde.
Nachts war ich noch zweimal kurz zum Meer, ob’s denn noch da ist. Was mich sehr erstaunte: die Muscheln, die auf den Wegen lagen leuchteten so stark, dass man sich nicht verlaufen konnte. Seltsam, aber schön. Das Meer war „sehr da“ und morgens vorm Frühstück und allem schaute ich nochmal und es war immer noch da.
9. Mai, Tofino, Vancouver Island – Westküste
Nach dem Frühstück gings sofort zum Meer, wohin auch sonst. Ich haben noch nie so viele Muscheln an einem Strand gesehen. Teilweise läuft man nur auf Muscheln. Es ist recht kalt und windig und überall hängen Wolken aber wir fühlen uns pudelwohl. Die Kinder sammeln Treibholz und bauen Indianerzelte und werfen Steine und sammeln Muscheln. Toller Spielplatz, tolles Spielzeug, nicht wahr? Und ich sammel auch gern Muscheln und helfe Amy beim Steinwerfen.
Jetzt ist das Meer „da“, entgegen Gunter’s Vorhersage
Um Punkt 11:00Uhr (da müssen wir raus sein) verlassen wir den Park um Richtung Westen zu fahren. Wir wanderten im Cathedral Grove und waren etwas enttäuscht. Die Bäume und der ganze Wald sollten so aussergewöhnlich sein, so gross und mächtig. Nur leider war hier vor 2 Jahren ein Sturm (der auch Julia Butterfly hoch oben im Baum gequält hat) so gewaltig, dass auch die allergewaltigsten Bäume umgefallen waren. Es sah schlimm aus und wenn man so als kleiner, „junger“ (alles relativ, oder?) Mensch durch den Wald wandert denkt man ständig, wann fällt der nächste fast 1000 Jahre alteBaum?, denn die, die noch stehen sind teilweise abgestorben und morsch. Schade, aber so ist es in der Natur. Auch ein sehr alter Wald muss irgendwann für einen neuen, jungen Platz machen. Die jungen Bäume brauchen Licht und wachsen erst, wenn die alten Bäume tot sind.
gefallene Bäume am See
Nur eine Strasse führt nach Tofino, wir haben also nicht viel Auswahl und können uns nicht verfahren. Ich freute mich sehr auf das offene Meer und die wilden Wellen. Die Fahrt dauerte recht lange, denn es gibt viele Kurven und die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt oft bei 40 kmh. Unterwegs sieht man den Kennedy River und später den Kennedy Lake. Sehr schön mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Die Wolken hörten sogar kurz hinter den Bergen auf und uns erwartete blauer Himmel. Wir assen in Tofino zu Mittag, zwar recht spät aber dennoch gut – Fish and Chips. und versuchten dann einen Campingplatz direkt am Meer zu finden. Das war sehr frustrierend. Einige Private waren sehr heruntergekommen, man musste auf Schotterstrassen und stand in den ungepflegten Hecken. Darauf hatten wir keine Lust. Die State Beach im National Park gefiel uns auch nicht, denn der Wald in dem die Campingplätze waren ist ein typischer „Meerwald“ und daher sehr dicht, damit das Meer keinen Schaden anrichten kann.. Die Stellplätze waren eher kleine, (Betonung auf KLEIN) dunkle Kämmerchen, ziemlich vom Meer entfernt. Es dauerte lange, bis wir dann aus Frust einen Platz nahmen. Natürlich auch nicht direkt am Meer und viele schon länger abgestorbene Bäume (das mag ich nicht so gern) auf den Plätzen. Na ja, man kann am Strand laufen, es gibt aber Inseln vor der Küste und daher ist das Meer sehr ruhig.
Die Kinder spielten alle im nassen Sand, das mögen sie besonders, schön klebrig, und wir wuschen die Wäscheberge. Irgendwie waren wir plötzlich zu spät für den Sonnenuntergang, den wir eigentlich alle ansehen wollten und ich flitzte nachdem alle in der Badewanne saßen schnell los. Ich hatte jedoch keine Chance mehr auf ein Foto, denn es war schon zu dunkel. Aber ich traf wieder ein sehr nettes Ehepaar, mit denen ich redete, weil sie auch ein Staiv mithatten. Sehr nette Leute, mit vielen Tipps rund ums Fotografieren. Wir wollen sie morgen am Strand treffen. Diese Gespräche mag ich besonders gern, denn man lernt so viel und knüpft Kontakte. Jetzt gehe ich besser auch ins Bett, denn um mich herum schnauft alles so friedlich und das Meer kann ich doch rauschen hören.
10. Mai, Tofino, Vancouver Island
Ich war zu spät im Bett und daher kam morgens alles nicht recht in Gang. Gunter war noch vom abend vorher knatschig, weil ich mich zu lange unterhalten hatte am Strand. Er ist sowieso genervt, weil hier jeder Parkplatz am Strand Geld kostet, ich möchte aber trotzdem das Meer genießen und das führte dann zum Streit. Schade, aber ich denke wir klärten alles und sprechen uns nun besser ab. Mir liegt viel an einer Whalewatchingtour, also einer Walfahrt. und daher suchten wir einen Anbieter, der die Kinder kostenlos mitnimmt, sonst wirds zu teuer. Morgen werden wir also für 100Can$ eine dreistündige Tour machen, hurra. Ansonsten haben wir uns heute das offene Meer angesehen, brrrr! Kalt aber schön. Und sind durch den Wald gewandert. Die Wälder direkt am Meer sind nur wenige hundert Meter breit, da im Winter viel Meerwasser hineingesprüht wird (Gischt) und nur eine bestimmte Baumart kann hier wachsen (irgendeine Spruce Art, ich müsste nachschlagen). Dieser Wald ist jedenfalls sehr dicht und wächst in Tunneln, die Krummholztunnel genannt werden. Sehr interessant, macht aber das Meer ziemlich unzugänglich. Das Treibholz spielt dabei eine grosse Rolle, denn die Stämme treiben hinaus und der Wald fängt am Strand an neu zu wachsen. So viel Treibholz wie hier habe ich übrigens noch nie gesehen. Esra flippt fast aus vor Freude – wo ist mein Freund Niklas?
diese kleine Insel ist kräftig grün, Schade, dass man es hier nicht gut sehen kann.
im dichten Wald am Meer
Wir sind für diese Nacht auf einem Campingplatz, der zur gleichen Beach führt, wie der Platz von der letzten Nacht. Wir sind jedoch viel näher am Meer und können es vom Fenster aus sehen. Heute ist es kalt und wir haben schließlich die Winterjacken herausgeholt. Amy läuft dummerweise immer ins Wasser und dagegen hilft dann auch die warme Kleidung nicht. An einem halben Tag braucht sie 4 Hosen und 2 Paar Schuhe – mehr hat sie leider nicht und Stiefel konnten wir bis jetzt nicht kaufen und hier in Tofino kann man wirklich nur das Notwendigste besorgen. Schuhe gibt es sowieso nicht hier im letzten Eck der Insel.
Trotz der Kälte haben wir fast den ganzen Tag am Strand verbracht und sind jetzt vom Wind zerwühlt und gesalzen. Diesen Sonnenuntergang ließen wir uns nicht entgehen und Esra und Noah waren wunderbar. Sie schwärmten die ganze Zeit – „oh, wie schön. Der Himmel ist so schön grün, rot, orange und blau. Mama mach hier ein Bild. Das ist doch wunderschön.“ usw. Und dabei blieben sie uns immer dicht af den Fersen auf den Felsen und beschäftigten sich geduldig bis kurz vor 10:00 Uhr. Vielen Dank ihr zwei Gauner. Wir trafen übrigens Tony, mit dem ich am Abend zuvor geredet hatte, wieder und fotografierten zusammen.
Heute nachmittag schaute ich alle Prospekte für das Whalewatching an und erklärte es den Kindern. Noah bekam grosse Augen (die hat er zwar immer aber diesmal waren sie besonders gross) und ich denke sie freuen sich auch auf die Fahrt. Ich hoffe es klappt alles gut.
11. Mai, Tofino
Gunter und ich waren ziemlich nervös wegen der Walfahrt und daher waren wir auch 45 Minuten zu früh dort. Weil wir wieder weggeschickt wurden, kamen wir schliesslich doch als Letzte am Schiff an. Jedenfalls fragte ich gleich, ob das Wetter, das auf uns einen schlechten Eindruck machte, gut genug für Whalewatching wäre, was bejaht wurde. Als wir dann zum Schiff kamen, nachdem alle Kinder in warme, luftgefüllte Anzüge, die leider viel zu gross waren, gesteckt worden waren, sagte der Mann, der das Schiff fuhr, dass wir nicht aufs offene Meer fahren könnten, weil es zu gefährlich sein. Komisch oder? Ich hatte doch gerade 1 Stunde vorher gefragt. Schade, ich hatte mich so sehr auf die Wale gefreut. Aber wir sahen viele Seeadler, einen Schwarzbären, der am Strand Krebse unter den Steinen suchte und kalifornische Seelöwen. Insgesamt war die Fahrt in den Fjorden jedoch interessant gewesen. Hier auf Vancouver Island gibt es sehr viel unberührte Natur, die man wirklich nur per Schiff oder Flugzeug (annähernd) erleben kann. Es gibt auf den kleinen Inseln vor Tofino Indianerreservate. Wenn man sich vorstellt, dass Vancouver Island schon eine Insel ist und diese Leute leben dann auf einer Insel vor der Insel und noch dazu an einem Dorf, zu dem nur eine kleine Strasse führt. Es muss sehr schwierig sein auch nur das Notwendigste einzukaufen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man schöner wohnen kann. Hier leben übrigens viele Indianer.
Aber zurück zur Walfahrt: Amy schlief recht schnell ein, was gut war. Als sie jedoch aufwachte hatten wir alle Hände voll zu tun, denn die dicke Jacke engte sie so sehr ein, dass sie knatschig war. Ausserdem wollte sie laufen was auf einem kleinen, schnellen Boot nicht meine Begeisterung fand. Diese Jacke war aber auf der anderen Seite auch für uns so dick und glatt, dass Amy nicht zu halten war. Stress. Und dann noch auf die zwei Jungs achten und Tiere und Landschaft beobachten. Fotografieren? Ja, ich hab’s versucht. Das Boot stank fürchterlich nach Diesel, komisch, denn wir fuhren mit ECO Tours. Ich dachte die legen Wert auf Umweltschutz. Ich bekomme jedenfalls von Dieselgeruch sofort Kopfweh und war entsprechend „begeistert“. Als wir wieder ankamen und die Jacken abgaben, wurde uns gesagt, dass wir am nächsten Tag noch einmal mitfahren könnten, weil wir keine Wale gesehen hatten. Ich glaube fast damit wird gerechnet und die meisten, wie wir reisen eh wieder weiter und können das Angebot nicht annehmen. Fotos gibt es nicht, denn Gunter wollte die wasserempfindliche Digitalkamera nicht mitnehmen.
Eine der schönen Muscheln
Wir nahmen extra eine Tüte mit für die Schmuckstücke. Amy hiflt fleißig mit. Das Weiße im Bild sind alles Muscheln.
Nach der Tour fuhren wir wieder Richtung Osten nach Parksville, wo wir 2 Tage vorher schon einmal waren. Das Wetter war insgesamt schlecht und daher machten wir keine Wanderungen unterwegs. In Port Alberni kauften wir eine Pizza und ich ruhte mich ein wenig aus. Irgendwie war ich hundemüde und konnte kaum die Augen aufhalten ausserdem fing ein Kopfschmerz an. Der Campingplatz in Parksville hatte uns so gut gefallen und daher sind wir nun wieder hier. Ein ausgedehnter Spaziergang im Watt machte uns bettschwer und jetzt kuschel ich mich zu den Jungs.
12. Mai, Von Parksville nach Vancouver, Canada
Es regnete stark den ganzen Morgen. Daher fiel unser Spaziergang ins Wasser,d.h. wir schauten nur schnell nach, ob das Meer noch da ist. Mein Kopf war alles andere als klar, ich nahm unterwegs eine Tablette. Den Kindern gefiel die Fahrt nicht so gut, weil sie vorher keine Möglichkeit hatten herumzutollen. In Victoria suchten wir dann Linda Rogers‘ Haus und parkten in der Nähe ihres Hauses direkt an einem Park mit grossem Spielplatz. Ich ruhte 30 Minuten, damit mein Kopf sich bessert während Gunter und die Kinder im Park spielten. Danach ging es mir besser. Linda kam dann gegen 2:30 Uhr nach Hause und wir tranken zusammen einen Tee im Wohnmobil, für die Kinder gab es ein Eis. Ich hatte gesagt, dass wir besser draussen bleiben, denn zu viele nette, kleine, wertvolle Dinge könnten die Kinder im Haus faszinieren. Nach Carl’s Haus hatten wir genug. Zu anstrengend. Dann haben wir lieber die berühmteste Poetin Kanada’s im schmutzigen, unordentlichen Wohnmobil. Verrückt sind wir eh. Linda war sehr nett und sie will sehen, wie sie uns mit dem Buch helfen kann. Ich bin mal gespannt.
Da meine Internetfreundin Pam wieder zu Hause ist (in Vancouver) entschieden wir uns nicht länger auf der Insel zu bleiben, denn es ist Wochenende und Pam muss nicht arbeiten. Wir schafften es zur 5 Uhr Fähre und diesmal ging es mir etwas besser unten drin. Es waren auch nicht so viele und nur kleinere Lastwagen da. Das Wetter war hier so gut, dass wir fast die ganze Zeit auf dem Deck verbrachten. Ich sah mehrfach Delphine, toll, was?
unten in der Fähre,diemal neben kleinen Lastern
ein Mann machte ein Bild von uns allen auf dem Deck.
Doch dann fanden wir ewig Burnaby nicht, denn unsere Karte reichte für die grosse Stadt nicht aus. Ziemlich frustriert überredete ich Gunter, doch eine gute Karte von Vancouver zu kaufen und dann klappte es endlich. Der Internetanschluss ist direkt über dem Swimmingpool an einem Payphone und ich wollte die Emails abholen. Es klappte nicht und ich war hinterher klaptschnass geschwitzt. Das Jacuzzi wirkte oben wie eine Sauna. Also sprang ich nach der sehr nötigen Dusche kurz in dieses Pool, dass mir vorher die Hitze gebracht hatte. Tat gut, denn ich vermisse immer noch die Badewanne.
13. Mai, Vancouver, Canada
Samstag. Und wir waren brav und putzten das Wohnmobil gründlich. Ich glaube die vielen Deutschen um uns herum inspirierten uns dazu. Lauter Wohnmobil Neulinge (so wie wir vor einigen Wochen), die beim wegfahren die Kabel vergessen. Ha, kann uns nicht passieren, ahem. Meine alten, treuen, sehr geliebten Sandalen hatten in Victoria den Geist aufgegeben. Also fuhren wir mit sauberem Wohnmobil zum nächsten Einkaufszentrum wurden jedoch bis auf einen Teletubbie der spricht (14 DM.) nicht fündig. Jetzt plabbert noch einer mehr hinter uns. Dann erreichte ich Pam und wir fuhren direkt zu ihr nach Vancouver. Mit der guten Strassenkarte war es ein Kinderspiel (nur kommen wir in so viele Gegenden, dass wir reichlich Geld für Karten ausgeben müssten um überall gut herumzukommen). Wir fanden sogar einen Parkplatz vorm Haus auf einem Safeway und jetzt konnte ich sehen mit wem ich schon seit mehr als 2 Jahren fleissig Emails schreibe. Schon komisch, den Menschen hinter dem Geschriebenen kennenzulernen, wenn man denkt man kennt sich nach so viel Schreiberei. Pam war die erste, die ich im Internet kennengelernt habe und wir schrieben eine ganze Weile täglich, jetzt mindestens einmal pro Woche und da erfährt man in mehr als 2 Jahren schon viel. Ach, was ist das Internet so nett. Pam’s Lebenspartnerin Pat ist übrigens Linda’s Mutter. Amy freute sich sehr über Koji, den Kater, und auch bei ihm ist die Nase nicht abschraubbar. Sie hat es wieder getestet. Wir gingen zusammen griechisch Essen und an den Strand bevor sich Pam für ein Tina Turner Konzert fertig machte.
mit Pam vor der Skyline von Vancouver.
Auf dem Weg zu Pam hatten wir viele Outdoorläden gesehen und ich besorgte Sandalen ganz kurz vor Ladenschluss, wahrscheinlich etwas zu übereilt. Auf der Fahrt beschlossen wir schweren Herzens nicht noch einmal in die Stadt zu fahren und daher fuhren wir nach Washington in den USA zurück. Jetzt sind wir also auf dem „Rückweg“, nur noch 4 Wochen, jetzt wo wir ein so gut eingespieltes Team sind. (Unverschämt? JA.) Alle drei wilden Gauner waren übrigens so müde, dass sie von 6-8 Uhr geschlafen haben. Was das bedeutet wissen alle Mütter und Väter. Bis Mitternacht bebte das Wohnmobil. 30 Minuten Ruhe pro Tag zu zumutbarer Zeit wären traumhaft für uns, aber….
14. Mai, Potlach State Park, Washington, Route 101
Der Highway 101 rund um das Olympic Peninsula ist wie auch der Highway 1 in der Nähe von Big Sur, sehr bekannt und daher machten wir uns auf den Weg dorthin. Im Olympic National Park sind unglaublich viele verschiedene Landschaften vereint. Es gibt Gletscher, Berge, Wiesen, Seen, Flüsse, Strände, Meer und Regenwälder und natürlich alle Bewohner dieser Gebiete. Auf dem Weg dorthin liegt Seattle und nur ein grosser Umweg hätte uns außen herum führen können, also entschieden wir und für den direkten Weg. Seattle ist für seine Buchläden berühmt und Gunter meinte wir sollten das nicht ungewürdigt lassen. Also mitten hinein ins Gewühl mit dem Wohnmobil. Der Verkehr ist übrigens der zweitschlimmste in den USA nach Los Angeles. Im Universitäts Viertel hielten wir, da das noch halbwegs erreichtbar ist und nach ein paar Minuten hatten wir auch für das große Gefährt einen Parkplatz. Der Buchladen war toll, nur die Kinder wollten alles kaufen und das wurde dann auch lautstarkt kundgetan. Ich bin immer noch auf der Suche nach neuen Autoren und dazu brauche ich etwas Ruhe und Gunter sucht Raritäten. Es klappte halbwegs, denn die Kids hatten sich morgens auf dem mit Kuhdung gedüngten Campground nicht richtig austoben können. Der Besuch im Buchladen war also recht kurz. In diesem Viertel gibt es viele Restaurants und Copyshops und Buchläden – richtig studentisch. Da wir sowieso schon parkten gingen wir von der Neugierde getrieben in ein Sherpa Restaurante. Ich wollte wissen, wie der Buttertee der Tibeter schmeckt und Gunter ist immer offen für Neues. Die Bedienung war sichtlich „begeistert“ unsere netten Kinder zu sehen und diese benahmen sich dann auch den Erwartungen entsprechend. Die waren laut und verschütteten Wasser und kletterten auf dem Tisch (mit Glasplatte) herum. Sie waren nicht zu bändigen. Das Essen war recht gut, sehr scharf und sehr farbkräftig. Den Kindern hatten wir Chicken Lollipops bestellt, welche zu unserer Überraschung leuchtend rot waren. Was würden die Drei damit machen? Wo würde die ganze Farbe enden? und sind sie so scharf wie unser Essen?
Sie schmeckten Amy und Esra, Noah aß lieber meinen Reis. Ausser auf unseren Klamotten landete dann durch unsere gute Aufsicht nichts und die wahrscheinlich kinderlose Bedienung lächelte erst, als wir in der Tür waren. Der Buttertee schmeckte – na ja. Ich bin trotz allem froh, einen kleinen Eindruck von Seattle bekommen zu haben. Für meinen Geschmack zu gross und daher zu schmutzig. Esra und Noah waren ausser sich vor Entsetzen. Warum werfen die Leute alles auf die Strasse, wenn es doch so viele Mülleimer gibt? Ich war sehr froh, dass Esra seine Aufräumwut unter Kontrolle hatte, denn das hätte zu lange gedauert. Erklären kann ich ihm sowas leider nicht. Unsere Routine hatten wir noch nicht zurück, denn die Drei schliefen wieder ein. Und zwar von 5-7 Uhr. Wieder eine ganze Nacht ohne Schlaf für uns. Wir sind abends auch müde und würden gerne in Ruhe den nächsten Tag planen und Tagebuch schreiben. Diesmal legten wir uns einfach alle ins Bett und machten das Licht aus um10:00 Uhr, die beiden Kleinen waren trotzdem bis 12:00 Uhr munter Jetzt habe ich heute gesehen, dass der Mond immer voller wird – DAS ist der Übeltäter. Eine Woche vor Vollmond schlafen unsere Kinder nicht. An diesem Abend fanden wir einen Campground am Strand mit einem kleinen Bach auf unserem Stellplatz mitten im Wald. Amy wurde einmal ziemlich nass und sie erkältete sich leicht. Spaß hatten sie am Wasser alle und wir bekamen zusätzlich eine kostenlose Nachtmusik.
Hier sind alle Muscheln mit Namen und genaueren Angaben aufgeführt. Pro Tag darf man nur 15 Austern schlürfen. Ich verzichte heute mal auf meine.
15. Mai, Salt Creek
Nach ausgiebigem Austoben kinderseits fuhren wir Richtung Port Angeles, die einzige „grössere“ Stadt am Highway 101. Dort hatten wir einiges zu tun: Einkaufen, Ölwechsel (schon wieder 3000 Meilen gefahren) und Tanken. Das dauerte alles ewig und machten den Kindern keinen Spass. Danach fuhren wir nur ein kleines Stück weiter um im Salt Creek State Park Station zu machen. Ein sehr schöner Campground mit vielen Möglichkeiten für die ganze Familie. Es gibt einen Spielplatz und auch Amy kann das mittlerweile sagen, es gibt außerdem eine große Wiese zum herumtollen und herunterrollen, wir haben sehr liebe Nachbarn, das Meer liegt direkt vor uns, und weiter am Horizont meine neue Lieblingsstadt, Victoria. Und es gibt viele schöne Tidepools und einen wunderbaren Sonnenuntergang. Wir parken heute auf einer Wiese, denn im Wald ist es zwar wunderbar aber man wird morgens so spät wach, denn es wird nicht richtig hell. Ich stellte unseren RV direkt neben einen anderen einsamen Camper, weil ein Baum da Schatten spendet und fragte gleich, ob er was gegen Nachbarn hätte. Es scherzte, wenn wir nichts gegen einen Dudelsackspieler hätten. Aber es wäre seine zweite Unterrichtsstunde. Es stellte sich heraus, dass John und Lorainne sehr Kinderlieb sind und wir hatten den ganzen Nachmittag viel Spass miteinander. Alle sassen bei einem Bier (Gunter) und Scotch mit Wasser on the Rocks (oder so, ich kenne mich ja nicht aus) zusammen. Ich wollte das mal probieren und bat um einen ganz kleinen Schluck, war dann aber doch recht froh, dass Amy alles umkippte. Machmal gar nicht schlecht so was. Jedenfalls war John der erste, der richtig mit den Kindern spielte und überhaupt keine Verständigungsprobleme hatte. Esra und Amy mochten ihn auf Anhieb und Noah wurde dann auch wild mit ihm. John und Lorainne haben selbst 4 Kinder und 5 Enkel, sie sind also kindererprobt.
Gegen abend wanderten wir dann im Park und fotografierten. Ich hatte natürlich mal wieder den Adapter für das Stativ vergessen und musste den ganzen Weg zurückrennen – kostenloses Fitnesstraining. Und trotzdem: Ach, was fühl ich mich am Meer so wohl.
16. Mai, Olympic National Park
ACHTUNG: viele Superlative..
Während die Kinder im Wohnmobil spielten, schaute ich die Tidepools in den glitschigen Felsen an. Eine solche Vielfalt an Lebewesen hatte ich nicht erwartet. Es ist schwierig zu laufen ohne „jemandem“ auf die „Füsse“ zu treten. Für eine Fotografin war die Farbenpracht wahrlich traumhaft (nur mein Stativ war im Wohnmobil, damit die anderen nicht zu lange warten müssen – schnieeff). Stundenlang, oder zumindest bis die nächste Flut kommt, kann man sich hier umsehen. Den Kindern hätte es sicher auch gefallen, nur ist es, für Kinder und Meeresgetier und „-gepflanz“, zu gefährlich.
Schade, auf diesem Bild wirkt es nicht sehr gut. Stellt es euch glitschig, nach Meer riechend und kalt vor. Dazu noch das Rauschen der Wellen und das Kreischen der Möven.
Dann fuhren wir zur Musik von Johann Sebastian Bach auf einer schier himmlischen Strecke entlang des Lake Crescent. Mir fehlen immer noch die Worte, sorry. Nach einer 30 minütigen Wanderung durch den Old Growth Forest (Wald mit alten Bäumen) sahen wir den schönsten Wasserfall bisher. Über Terassen plätschert das Wasser zwischen moosbewachsenen Steinen im schönen Wald und die Sonne setzt mit feinen Lichtsstrahlen ihre Akzente. Zwei Fotografenherzen schlugen schneller, drei Fotografenkinder weilten geduldig eine Stunde lang und mehrere Filme wanderten als belichtet in den schon ziemlich vollen Kühlschrank.
Der Sol Duc Fall, ein kleiner Eindruck mit der Nikon Coolpix
Der Sol Duc weiter unten, einen Lachs habe ich mit der Digitalkamera nicht fotografieren können, denn die ist zu langsam. Manchmal landete ein Lachs auf dem Fels. Der Wasserfall ist übigens so laut, dass man sich nicht unterhalten kann.
Aufpassen mussten wir nur auf den Puma, hier auch Cougar genannt. Überall gibt es Warnschilder, man solle kleine Kinder nicht aus den Augen lassen. Auf dem Campingplatz unweit des Wasserfalls war in der letzten Zeit mehrfach ein Puma gesehen worden und dieser tat zwar den Menschen nichts, griff aber einen Hund an. Von der geplanten Benutzung dieses Campingplatzes sahen wir danach ab. Auf dem Weg zum Highway 101 entdeckten wir weiterhin ein sehr schönes Birkenwäldchen und einen weiteren, eindrucksvollen Wasserfall, in dem man Lachse beobachten konnte. Na ja, ich lief schnell hin, nachdem Gunter das Birkenwäldchen intensiver betrachtet hatte und machte Fotos. Lachse sah ich nicht und wollte gerade wieder gehen, als ich im Augenwinkel etwas Großes über das Wasser fliegen sah. Tatsächlich gab es Lachse und zwar recht viele und diese sprangen die Stromschnelle hoch. Schon oft hatte ich darüber gelesen aber so etwas zu sehen beeindruckt extremst.. Welche Kraft müssen diese Fische aufbringen um an die Stelle ihres Lebensanfangs zu kommen? Nach dem Laichen sterben die Lachse und Bären und Adler besorgen das Recycling. Wilde Lachse gibt es nur noch selten in den USA, denn zu viele Dämme versperren ihnen den Weg zu den Laichgründen.
Wir fuhren also nach Forks, der nächsten „Stadt“ um einen Campingplatz mit Hook up und Wäscherei und ohne Puma zu finden. Das chinesische Essen schmeckte heute nicht so gut aber wir wurden trotzallem alle satt. Ach und in Port Angeles, zu Beginn der heutigen Reise, hatten wir uns ein mittelgutes Fernglas gekauft – wo sind jetzt die Wale und Seeadler?? Der Mann, der es uns verkauft hatte, erzählte von Deutschland. Bezeichnend ist, dass er schon immer in den Schwarzwald wollte und als er dann dort war hat er ihn verpasst, denn er fuhr durch ohne es zu merken. Das kann man gut verstehen, denn solche Wälder gibt es hier auf der Peninsula so viele und Grosse, dass die „Größe“ des Schwarzwaldes einfach untergegangen ist.
17. Mai, Hoh Rain Forest
Da es nachts zu spät geworden war, kamen wir morgens wieder nicht früh aus dem Bett. Wir machten dumping (Wasser ablassen und auffüllen), ich schickte Emails ab (deswegen war es auch nachts so spät geworden) und die Kinder spielten auf dem vom Regen nassen Schotter und Matsch, was bedeutete, dass die am Abend gewaschene Wäsche wieder im Kofferraum bei der Schmutzwäsche landete. Dann fuhren wir die kurze Strecke zum Hoh Rain Forest. Rockport State Park, in dem wir vor zwei Wochen, waren, hatte uns verwöhnt mit seiner Schönheit und wirkt, wie der Antelope Canyon immer noch nach. Daher riss uns dieser Regenwald nicht so sehr vom Hocker, was nicht bedeutet, dass er nicht ansehnlich ist. Ich war total frustriert, weil ich beim lauten Spielen der Kinder einfach nicht die nötige Ruhe und Konzentration zum Fotografieren fand. Der Wald besteht aus so vielen kleinen und grossen Gewächsen, dass es seeehr schwierig war gute Bilder zu komponieren. Das Ganze endete darin, dass ich am Ende der Wanderung ins Visitor Center ging und ein Buch über den Park kaufte. Für uns beide war es das Konzentrieren auf die Fotografie sehr ermüdend und völlig ausgelaugt fuhren wir zum Strand.
Das ist „nur“ die Strasse vor dem National Park, im Park selbst haben wir aus wassergründen nicht mit der Digitalkamera fotografiert.
Unterwegs waren Noah und Amy eingeschlafen und daher konnten wir die Strände nicht erforschen. Das machte mich wahnsinnig traurig und ich bedauere immer noch, dass ich dort nicht mehr Zeit hatte. Auf dem Campingplatz im Park konnten wir nicht, weil unsere Fahrzeug zu lang ist. Es standen zwar verbotenerweise noch längere RV dort aber wir passten nicht mehr hin.
Wieder sehr viel Treibholz und der Strand aus flachen Kieselsteinen.
Hier gibt es überall Tsunami-Warnschilder. D.h. wenn es ein Erdbeben gibt muss man schleunigst an Höhe gewinnen oder ins Landesinnere fahren, denn das Erdbebengebiet liegt im Meer und das kann zu sehr hohen Flutwellen – den Tsunamis – führen. Wie sagt Rosi da: jeder Käs‘ hat Löcher. Das beunruhigt mich sehr und ich schlafen nicht so gut.
Die Fahrt war heute frustrierend. Ich dachte das Indianer Reservat, dass wir durchqueren mussten wäre landschaftlich und auch kulturell schön – denkste. Wir mussten, nach der Regenwalderfahrung, den schlimmsten Kahlschlag bisher ansehen. Sonst gibt es wenigstens an den Seiten der gerodeten Flächen noch Wald, hier ist fast alles kahl. Und zwar richtig. Meilenweit. FRUST.
Das war der Wald. Es wäre besser, wenn einige Bäume dazwischen stehen blieben.
Der Strand an dem wir heute Campen ist auch nicht überragend. Vor wenigen Jahren änderte der Fluss, der hier ins Meer fließt, seine Route und jetzt sitzen wir direkt davor. D.h. man kann aufs Meer hinausschauen aber nicht an den Strand, denn der Fluss müsste durchquert werden. Also, eine lange Wanderung an den Strand weiter nördlich, ein ganz flacher Sandstrand mit viel Müll, und dann waren die Kinder natürlich schon müde, eh wir am Meer waren. Na ja, wir unterhielten uns mit einer Familie, die uns freundlich darauf hinwies, dass es nicht gut ist, wenn Amy mit dem Abwasserschlauch spielt. Daran hatte ich noch nicht gedacht, dass es komisch aussehen muss, wenn unsere Kinder mit dem extra für diesen Zweck gekauften Schlauch (was aber niemand weiss) spielen. Jeder der uns sieht denkt, die wir lassen die Kids mit dem für Kacke benutzten Gülleschlauch hantieren. Die denken wahrscheinlich: „dumme deutsche Touristen, die sich nicht auskennen“ Ansonsten ist es hier wieder viel kälter. Ohne Jacke unbequem.
18. Mai, Nehalem State Beach, Oregon
Morgens sind wir nicht mehr ans Meer, weil die Wanderung dorthin zu anstrengend war. Wir hatten vor, unterwegs anzuhalten und an einem Strand zu laufen und die Kinder spielen zu lassen. Irgendwie waren die Strände, an denen wir schauten, nicht so schön und dann waren Noah und Amy eingeschlafen und wir wollten nicht halten, um die Beiden nicht zu wecken. Bei Astoria mussten wir den Columbia überqueren und dazu fuhren wir die längste, durchgängige Brücke (4,1 Meilen) über einen Fluss. Dort liegt die Grenze zu Oregon und das Wetter war entsprechend der Warnungen von Freunden, schlecht. „Leute aus Oregon werden nicht braun, sie rosten.“ „Oregonier können in zwei bis drei Richtungen auf Vulkane zeigen, jedoch sieht man diese vor Wolken nicht“ und so weiter …
Die ganze Küste von Oregon ist von Tsunami-Warnschildern bestückt und viele Schilder verweisen auf die Evakuierungsroute im Falle eines Erdbebens. Mir reicht eigentlich die Angst vor Erdbeben und hier muss man dann noch zusätlich, wenn überhaupt möglich, das Weite suchen. Die Tsunami Wellen können mehrere Meilen ins Land rein schwappen und so richten massiven Schaden an.
Wir besuchten jedenfalls den Strand bei Ecola State Beach und dort die Indian Beach. Das war prima, denn der Strand bestand aus Sand und Kieselsteinen. Ich hatte Spass beim Fotografieren, denn zwei Frauen aus Colorado lieen ihren Golden Retriever im Wasser rennen. Die Kinder bauten wieder Hütten aus Treibholz.
Das scheint auch Erwachsenen Freude zu bereiten, denn Hütten aus dem Treibholz findet man an jedem Beach.Teilweise sehr grosse und wunderbar gebaut. Dann suchten wir einen Campground in einem State Park weiter südlich, das Wetter war nun jedoch so schlecht, dass die Jungs und ich durchweicht vom Ausflug an den Strand zurückkamen. Ein Kopfschmerz trieb mich früh ins Bett aber am morgen war’s noch nicht besser.
19. Mai, Lincoln City
Es rieselte und nieselte und war tierisch neblig. Von überallher kam die Nässe. Noah hatte mittlerweile drei Jogginghosen nass und bei diesem Wetter trocknete nichts im Wohnmobil. Ich lief morgens 10 Minuten und war durch die Jacke hindurch nass. Der Neben verhinderte zudem den Blick weiter als 50 Meter. Mein Kopf war richtig „matschig“ und ich knatschig. Die Kinder fühlten sich nach einer Weile im Wohnmobil auch nicht mehr wohl und wir beschlossen nicht auf besseres Wetter zu warten und weiterzufahren. Weiter südlich, in Tillamook, gibt es eine Käsefabrik, die man besichtigen kann. Das ist doch ideal bei dem Wetter, gell? Im Homöopathie Buch fand ich ein Mittel für mich, dass passte – Magnesium phosphoricum- und das probierte ich aus. Es half und mir ging es so gut, dass ich sogar vergaß, dass ich Kopfschmerzen gehabt hatte. Die Käsefabrik war sehr interessant und die Jungs amüsierten sich köstlich. Durch Glasscheiben kann man das Treiben in der Fabrik betrachten und alles wir anhand von Videos erklärt. Der Käse steht zum Probieren aus und ausserdem können Souvenirs gekauft werden.
Tillamook-Käse-Fabrik
Als wir wieder draußen standen, hatte sich das Wetter erheblich gebessert und nur auf den höher gelegenen Straße war es noch neblig. Alles in allem ein beeindruckender Anblick. Hügel, Nebel, Wälder, Flüsse und das Meer. Dazu viele Kühe, die hier wahrscheinlich Schwimmflossen haben. In einem Shopping Outlet kauften die Kinder mal wieder Bücher – von wem die das wohl haben? und dann hielten wir in Lincoln City an einem Campingplatz am See mit einem 5 Minuten Weg zum Strand. Dort waren wir dann auch, damit die Kinder richtig toben konnten, was sie auch taten und hinterher badeten sie alle, denn zu viel nasser Sand war mitgekommen. Ich hatte viel Spaß beim Beachcombing und fand auch eine sehr schöne Muschel. Die Tidepools sind hoch interessant aber die Kinder liesßen wir nicht zu nah dran, denn es gibt „Sneaker“ Waves, d.h. Wellen, die unverhofft hoch ans Land kommen und durch die Kraft und den Sog Menschen ins Meer ziehen. Logischerweise sind diese sehr nah an den Tidepools. Morgen werden wir nach Portland fahren um Scott Noelle vom Liedloff Continuum Netzwerk zu treffen und am Montag ist Julia Butterfly dort in einem Bookshop und was glaubt ihr wer da hin will?
20. Mai, Portland, Oregon
Das Wetter war toll morgens und aus diesem Grund suchten wir uns einen schönen Strand. Die Fahrt nach Norden dauerte ein wenig, doch dann konnten unsere drei sich richtig lange austoben. Wir uns übrigens auch – ich suchte Muscheln und Gunter erkundete die Gegend mit dem Fernglas. Drei Felsen im Meer dienen Papageitauchern als Brutstätte, nur mit dem Fernglas erreichbar. Mein Kopf schmerzte übrigens wieder.
Das Bauwerk der Kinder im Vordergrund und die Heimat der Vögel im Hintergrund
Wir aßen Mexikanisch zu Mittag und dann übernahm Gunter das Fahren nach Portland während ich versuchte mich halbwegs zu kurrieren. In Portland wechselten wir und Gunter, der Navigator, las die Karte. Scott’s Haus fanden wir recht gut und die Kinder waren froh mal einen Garten zum Spielen zu haben. Scott und Beth haben eine dreijährige Tochter Olivia, daher ist es recht einfach mit Esra, Noah und Amy. Gegen Abend kamen die Jacksons zu Besuch, mit Tommy und Lillie und das Haus war voll. Schön mit „Gleichgesinnten“ zu reden. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass man Leute im Internet kennenlernen kann und man weis, dass man sich gut verstehen würde und dann versteht man sich tatsächlich wunderbar.
Christine und David mit Lillie, Beth und Scott und ich auf dem Spielplatz
Es war sehr warm nach dem Regen und die Kinder waren nur leicht bekleidet, was viel Fläche für Kunst bot. Olivia war sehr stolz, denn Esra hatte sich viel Mühe gegeben.
Außergewöhnlich war, dass Samstag Nachts die Strasse direkt neben unserem Wohnmobil aufgerissen wurde. Das Problem wäre eigentlich ein Kleines gewesen, wenn die Arbeiter nicht ein Rohr angebaggert hätten. Aber als wir alle im Bett waren, zogen auch die Bagger von dannen und wir verbrachten eine ruhige Nacht vor Scotts Haus.
21.Mai, Portland
Hier gibt es nicht viel zu berichten. Die meiste Zeit verbrachten wir mit den spielenden Kindern im Garten der Noelles. Unsere Drei mögen das sehr gern nur Olivia ist etwas überrumpelt von drei Eindringlingen mit denen sie ihr Spielzeug teilen muss. Damit sie etwas Ruhe finden konnte, fuhren wir mittags für 4 Stunden in die Stadt und besuchten die berühmten Portländischen Buchläden. Die sind hier besonders gross und gut – weil es viel regnet. Da haben die Leute mehr Zeit zum Lesen.
Beth las Julia Butterfly Hills Buch, denn sie will morgen mit mir zum Vortrag gehen. Und wir unterhielten uns alle den ganzen Tag über Communities und philosophische Dinge. Schön.
Beth und Olivia
Scott und Olivia
So sieht es dann aus. Und der Schrank oder was auch immer wird doch bald wieder weggeworfen, weil es keine Qualitätsarbeit ist. Frust.
22. Mai, Portland – Julia Butterfly Hill
Damit wir nicht dauernd in Scott’s Haus waren und wir auch mal raus mussten, fuhren wir zu den Gorges, d.h. dem Columbia River und einigen Wasserfällen. Die Fahrt zu den berühmten Multnoma Falls war recht kurz und nach einer kleinen Wanderung entschieden wir uns den Mount Hood näher zu betrachten. Das dauerte ziemlich lange und dann stellte sich heraus, dass man zum Parken in diesem schönen Gebiet eine Erlaubnis braucht, an die wir so schnell natürlich nicht herankamen. Wenn wir einen bestimmten Wasserfall gefunden hätten, hätten wir ein Ticket einfach riskiert, diese Chance bekamen wir jedoch nicht. Schade.
Portland, mit dem Zirkus im Vordergrund – eine schöne Stadt mit vielen alten Bäumen. Und vielen Eichhörnchen
Gegen 5:00 Uhr kamen wir bei den Noelles an und Beth hatte schon eine Lasagne vorbereitet. Lecker. Dann fuhren wir zu Julia Butterfly Hill – ich hatte sehr lange darauf gewartet und freute mich riesig, dass alles klappte. Glücklicherweise hatte Beth am Vormittag Eintrittskarten besorgt, denn ohne wären wir nicht in die First Unitarian Church gekommen. 150 Leute warteten vergeblich auf Einlass, denn alle Plätze waren besetzt.
Julia war einfach grossartig. Sie versuchte die Leute davon zu überzeugen, dass sie keine Heldin ist und machte sich über sich selbst lustig – nämlich, wie sie die Zeit in Luna (dem 180 Fuss hohen Baum) während des schwersten Sturms seit der Aufzeichnung des Wetters überstehen konnte. Ihrer Meinung nach nicht sonderlich würdig – aber wer hätte das schon? Sie verstand es ihre Emotionen während dieser Zeit sehr gut darzustellen und hatte die Gabe die Leute zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Als sie schilderte, wie sich ein Baum anhört, der gefällt wird – nämlich wie ein Lebewesen das schreit bevor es stirbt, bekam nicht nur ich eine Gänsehaut. Viele Bäume um Luna herum wurden gefällt während Julia darin wohnte und sie konnte beobachten, wie Luna „weinte“, nämlich Pfanzensaft auschied und zwar in grossen Mengen, was unter normalen Umständen völlig unnatürlich ist. Julia verglich es mit Trauer, die lange Zeit nachwirkt, denn das Harz wäscht sich nicht leicht ab. Ihre Hauptbotschaft an diesem Abend war, dass man das tun soll, was sich richtig anfühlt, denn nur dann lebt man richtig. Es tat ihr viel weher ein unzufriedenes Leben zu leben als alle Last und jeder Schmerz im Sturm auf Luna. Jeder sollte das tun, jeder ist sein eigener Held. Sehr weise für eine 25 jährige Frau – ich bin zutiefst beeindruckt.
Nach dem Vortrag signierte Julia ihr neues Buch, meins hatte ich zuhause gelassen, denn ich wusste, dass sie eigeltlich keine Heldin sein möchte. Aber kurz mit ihr sprechen wollte ich unbedingt. Also reihte ich mich in die Schlange der Wartenden ein und die war lange. Beth war nervös, denn sie wollte Olivia nicht zu lange mit Scott allein lassen und nachdem sie zuhause angerufen hatte sagte sie, wir müssten zurück. Ich wollte mit Julia reden. Also drängelten wir uns ganz nach vorne – wir wollten ja auch kein Autogramm sondern nur kurz was sagen. Ich lies Julia wissen, welchen Eindruck sie auf unsere Familie gemacht hat, denn unsere Jungs sassen den ganzen letzten Sommer in unserem Baum im Garten und beschützten ihn, nachdem sie mich vorm Computerbildschirm weinen sahen, als ich erstmals Julia Butterflys Homepage gefunden hatte. Schade, dass ich mir nicht mehr Zeit gelassen habe, aber wenn zu viele Leute anstehen bin ich doch rücksichtsvoll. Ich hätte noch viel zu sagen gehabt. Ein Mann fotografierte uns beim kurzen Gespräch und ich hätte zu gern das Bild, aber fragen konnte ich nicht, da keine Zeit war. Insgesamt war dieser Abend ein Höhepunkt der Reise für mich. Für alle die interessiert sind, ist hier ein Link zu Julia Butterflys Homepage. Schaut mal nach.
23. Mai, Waldport, Oregon
Wir hielten uns nicht mehr lange bei Scott auf, denn er musste arbeiten. In der Eile vergassen wir Amy’s Sandalen, zu dumm, denn wir haben nur zwei Paar Schuhe für sie, aber zurückfahren wollten wir auch nicht. Ich rief Scott an und bat die Schuhe nach Arcata zu schicken, denn dort werden wir in ein paar Tagen sein, ich hoffe es klappt, sonst haben wir ein Paar Schuhe weniger. Dann gingen wir Einkaufen und brauchten ziemlich lange, bis alles zusammen war und an der Kasse merkte Gunter, dass dieser Laden keine Kreditkarten akzeptiert. Also, den Einkaufswagen stehen lassen und auf einer Bank Geld besorgen, das hielt ziemlich auf. Ich versuchte Gunter von Julia’s Vortrag zu erzählen, was nicht klappte, weil ich immer wieder zu weinen anfing, weil wir immer wieder an gerodeten Gebieten vorbeifuhren und die Musik zudem traurig war – Bach. An einer Bucht suchten wir einen Campingplatz mit Laundry und direkt vor unserer Nase füllte ein Ehepaar 3 von 4 Maschinen. Dumm, die Betten waren schon abgezogen also mussten wir diese eine Maschine nutzen und dann später nach einer kurzen Fototour (es war so kalt am Meer) weitere Maschinen zu füllen. Das Ganze dauerte somit ewig und ich musste zigmal über den dunklen, kalten Campground laufen. Die Kids waren übrigens auch bis nach 11:00 Uhr munter, denn sie hatten während der Fahrt geschlafen und ich versuche müde wie ich bin, in dieses Geschreibe einen Sinn zu bekommen. Meine Gedanken bezüglich Julia Butterfly und Kindererziehung (darüber dachte ich den ganzen Tag nach) bringe ich später zu „Papier“. Komischer Tag, was? Er hat mich aber sehr viel weiter gebracht.
24. Mai, Sunset Bay State Park, Oregon Coast
Wir trödelten etwas denn ich hatte Internetanschluss, was ich ausnutzen wollte. Eine der schönsten Beaches sollte laut Reiseführer Neptun Beach sein und dort hielten wir. Ich fühlte mich wohl und erkundetet einige kleine „normale“ Tidepools als Gunter plötzlich aufgeregt rief – Seesterne. Ich hatte an jeder Beach danach Ausschau gehalten aber bisher auf dieser Reise noch keinen gesehen (ausser im San Diego Sea World und das gilt nicht.). Die schienen sich alle hierher verkrochen zu haben, denn dieser Anblick war unglaublich und die Seesterne und Muscheln unzählbar. Viel Zeit hatten wir nicht, denn die Flut kam rein aber unsere Fotogier konnte befriedigt werden. Hoffentlich haben wir richtig belichtet?. Hier unser bestes Bild mit der Digitalkamera:
Wahnsinn, was? Und es gab überall so viele.
„Fotoerschöpft“ (d.h. müde vom Komponieren der Fotos und gleichzeitig auf drei kleine Kinder am Meer Aufpassen) fuhren wir weiter. Doch nur wenige Meilen Richtung Süden gab es eine weitere Attraktion (im nicht Kindergerechten Abstand – die hatten sich noch nicht richtig erholt .), nämlich die grosste Meereshöhle der Welt, in der Seelöwen wohnen. Wir hielten an und wanderten, nachdem wir die 13$ Eintritt gezahlt hatten, zum Aussichtspunkt, denn alle Seelöwen lagen in der Sonne. Mit Fernglas hätte ich sie besser sehen können, das lag aber im Wohnmobil. Mit einem Fahrstuhl fuhren wir 70m tief in die Höhle. Dort konnte man leider nicht viel machen, denn es gab nur wenig Wege und duch ein kleines Loch im grossen Zaun konnten wir ein Foto machen. Aber gross war die Höhle schon. Ich fühlte mich oben jedoch wieder viel wohler. Im Giftshop, denn man unweigerlich durchqueren muss, fingen Esra und Noah an zu streiten, denn sie wollten jeder ein Kuscheltier. Amy ist immer solidarisch und macht dann mit. Lustig fand ich es in dem Moment eigentlich nicht, denn überall standen zerbrechliche, teure Glassouveniers und ausserdem war’s laut. Mit den nun richtig müden Kindern und zwei weiteren Kuscheltieren fuhren wir weiter und alle drei gönnten sich ein Schläfchen. In dem Sunset Bay State Park fanden wir einen ruhigen Campground. Wir alle wanderten zum Strand und erkundeten weitere Tidepools mit Krabben drin. Gegen Sonnenuntergangszeit fuhren wir an die Spitze der Bucht und Gunter fotografierte während ich mir einen warmen Tee gönnte. Ich hatte den ganzen Tag über Schmerzen im Brustkorb und wollte nicht in den Wind. Daher ging ich diesmal ganz früh, sogar vor den Kindern, ins Bett und versuchte mich mit einem 12 Stunden Schlaf zu kurrieren. Tat gut aber ich will troztdem versuchen Dr. Koch zu erreichen.
25. Mai, Gold City, Oregon
Den Arzt erreichte ich trotz Bemühungen nicht. Morgens (also in Deutschland abends) bekam ich nur den Anrufbeantworter, Abends (also früh morgens in D.) nur die Sprechstundenhilfe. Und jetzt ist die Telefonkarte leer.
Heute fuhren wir weiter Richtung Süden und ich blieb öfter im Wagen. Ich möchte lieber kein Risiko eingehen, denn angeknackst bin ich auf alle Fälle. In Branon liefen wir gemütlich in der Sonne an den Gift Shops vorbeit und assen Fish and Chips zu Mittag. Schönes kleines Dorf.
hier ein Bild vom Hafen mit dem california Poppy
Dann schliefen die Kinder ein und ich beschloss, anzuhalten und auch zu ruhen. Dazu suchten wir den westlichsten Punkt vom kontinentalen (also ohne Alaska und Hawai) USA und Gunter las während wir schliefen.
Heute nacht stehen wir direkt am Meer und das macht hier so gefährliche Wellen, dass wir lieber nicht näher dran gehen. Den Kindern macht der Sand auch weiter hinten viel Spass und mir die Wellen mit dem Fernglas von der „Ferne“. Es sind bei Ebbe etwa 30 Meter, bei Flut möchte ich nicht wissen, oder soll ich doch mal raus schauen? Eher beängstigend. Der Fluss, der direkt vor unserer Tür ins Meer fließt oder es versucht spülte früher Gold mit sich. Das zog natürlich viele Leute hierher und Gunter meint der Sand wäre so oft durchgesiebt, ich solle mir die Mühe sparen. Vielleicht schau ich morgen doch mal.
Amy benutze mich als Wippe und bei dem „Wellengang“ kann man schlecht mit dem Fernglas schauen.
So, jetzt geh ich besser schnell ins Bett, aber ob ich bei den lauten Wellen schlafen kann?
26. Mai, Crescent City, California
Es regnete und regnete und der Wind wehte. Ungemütlich. Die Jungs spielten daher mal am Computer und wir fuhren dann Richtung Californien. Schade, denn wir hätten die schönste Küste bisher sehen und erforschen können. Es war aber so nass und kalt, dass wir immer nur kurz anhielten und schnell ein – zwei Bilder machten und mit klatschnasser Kamera wieder rein ins warme Auto zu schlüpfen. Schön sah es aus. Der Nebel (die Wolken) tief in den Bergen und Bäumen und das Meer. Irgendwann war es aber so neblig, dass man das Meer kaum noch sehen konnte. Wir gingen daher in Geschäfte und aßen gemütlich (mit quengeliger Amy) zu Mittag. Das Restaurant war nett, denn eigentlich war es für Einheimische und daher gab es grosse Portionen und es war lecker. Ich mag das Küsten Ambiente mit Bojen und Muscheln und Leuchttürmen sehr. Gegen Nachmittag waren wir dann in Kalifornien (dem ersten und letzten Staat auf unserer Reise – schnief) und das Wetter klarte soweit auf, dass wir einen Edelstein Spaziergang am Strand machten, d.h. man findet schöne, aber sehr kleine Edelsteine am Meer. Da ich wissen wollte, ob Scott die Schuhe abgeschickt hat, suchten wir einen Campground mit Internetanschluss und ausser Emails checken können wir hier auch nichts tun. Die Frau am Counter hatte vergessen uns die Sicherheitsnummern für die Toiletten und Duschen zu geben und daher können wir nicht mal diese Einrichtungen benutzen. Das Office macht morgen erst wieder um 11:00 Uhr auf und dann wollen wir längst unterwegs in die Redwoods sein. Dumm gelaufen.
Ich freue mich auf morgen, denn die Redwoods begeistern mich schon lange. Die tun mir gut. Natalie, die wir zu Beginn der Reise in SF getroffen hatten, bot uns übrigens ihre Wohnung zur Benutzung an. Toll was? Aber wir haben das Wohnmobil ja jetzt fast eine Woche länger und die drei Tage werden wir bei Dorothy und Frank wohnen. Ich freue mich jedoch sehr über das Angebot.
wunderschöne Felsformationen
ein grünes Schiff
27. Mai, Redwood National Park, California
Dieses Bid ist bezeichnend für den ganzen Tag. Es regnete in Strömen, seit ca. 12:00 Uhr Nachts und es sah auch nicht so aus, als ob es bald aufhören würde. Wenn man in höhere Gebiete kam fuhr man sozusagen durch die Wolken. Von den Aussichtspunkten sah man nichts, nur entfernt waren die Wellen zu hören. Eigentlich ist das das passende Wetter für dieses Gebiet. Die Coastal Redwoods können nur im milden Klima bei viel Feuchtigkeit wachsen und dann sehr hoch. Etwa 100 Meter hoch sind sie hier und der größte ist so hoch wie ein 35-stöckiges Haus. Die Redwoods wirken bei diesem Wetter besonders eindrucksvoll.
Wir hatten uns im starken Regen morgens nicht beeilt und ich checkte nochmals Emails ehe wir losfuhren. Ich hätte gern gewusst, ob Scott die Schuhe von Amy nun nach Arcata oder sonstwohin geschickt hat, leider keine Nachricht von ihm.
Esra’s Wackelzahn wackelte immer mehr, nur raus kam er nicht. Dann spielten die beiden im Alkoven und Esra biss Noah in den Hintern. Danach war der Zahn weg. Nach einiger Sucherei wanderte das gute Stück dann an einem sicheren Ort und wir werden bestimmt nie vergessen, dass Esra’s erster Zahn auf diese Art und Weise in Californien ausgefallen ist. Esra bat mich übrigens darum das hier aufzuschreiben, er kann so schön schmunzeln, wenn er frech ist.
Nun gut, wir fuhren trotz Regen durch den Redwood National Park und auch ohne große Wanderung bekommt man einen guten Eindruck von den Bäumen. Einige der Straßen können mit einem RV nicht befahren werden, was uns leider sehr einschränkt. Da am Montag Memorial Day ist, sind dummerweise alle schönen Campingplätze besetzt. Jetzt wird es ohen Reservierungen sowieso schwierig werden. Die meisten Plätze suchen wir nach Gefallen aus und meist wissen wir morgens nicht wie weit wir am Tag kommen. Viele Leute können diese Art „Planung“ nicht verstehen. Wir hatten, als wir losfuhren nur zwei grössere Ziele – San Diego und Victoria. Bisher klappte es super. Chaotisch ist es eigentlich nicht, spontan ist da das bessere Wort.
Falls das Wetter morgen besser ist, fahren wir nocheinmal in den Park zurück, ansonsten fahren wir weiter Richtung Süden, damit wir nicht anfangen zu rosten.
Sieht schön aus, gell? Das haben wir vom Auto aus gemacht, weil wir keinen Regenschirm für die Fotoapparate mit haben
28. Mai, Redwood National Park, California
Das Wetter war super. Also zurück in den Park. Auf der Fahrt flog uns ein Vogel in die Scheibe und er war tot. Oh, was war und bin ich traurig.
Am Campground im Park stand er sein voll aber wir fuhren trotzdem hin um zu fragen, wie es nach dem Wochenende aussieht. Wir wollten wissen, ob wir dann nach dem Memorial Day ständig Probleme haben werden einen schönen Campground zu finden. Und siehe da, wir bekamen sogar für heute einen Platz. Beim Durchfahren achteten wir nur auf die Grösse des Stellplatzes und daher endeten wir dann im Schlamm. Chaos. Noah war schon mit den Stiefen in Matsch – das geht ja noch. Die anderen haben leider keine Stiefel und Esra lässt gewöhnlich nicht lange auf sich warten. Er stand Knöcheltief mit den Wanderschuhen drin. Amy flitze mit den neuen ganz billigen Sandalen hinterher und rutschte sofort aus und landete in einer grossen Pfütze während Noah mit Stiefeln und allem Dreck aufs Klo ins Wohnmobil marschierte. Meine Güte – das sah alles aus, nach nur 10 Minuten. Ich dachte immer die Waschmittelwerbung im Fernsehen, in der die Kinder schutzig durchs Haus rennen und dann so nach 2 Minuten alles total verdreckt ist, wäre übertrieben. Ha, die untertreiben maßlos. Unsere Kinder können das in der Hälfte der Zeit. Ob ich eine Waschmittelfirma anrufen soll? Ich hätte da drei Profis zu bieten.
Matsch-Amy
Irgendwann, nach unzähligen, leckeren Bean Burritos, packten wir es zur Wanderung. Das war schön, denn die Wege waren zwar noch nass aber laufbar und von oben war es trocken. Wir wanderten lange und nahmen uns viel Zeit für die Fotografie. Für die Kinder gibt es auf dem Waldboden sehr viel zu entdecken. Hundertfüßler, Schnecken – viele verschiedene – Salamander, Farne und vieles mehr. Für uns war der Blick nach oben immer wieder umwerfend. Einer der schönsten Wälder den wir bisher gesehen haben. Die Redwoods haben eine ausserordentliche Wirkung auf mich. Man spürt die Weisheit und wenn man versucht, sich in die „andere Zeitrechnung“ der Bäume einzudenken, wird man sich seiner „Kleinheit“ und Vergänglichkeit bewusst. Was sind schon hundert Jahre für einen solchen Baum? Was sind schon 20 Meter?
ein mittelgrosser Redwood – es gab noch grössere
Da wir am Ranger-Häusschen vorbeikamen baten wir darum, den Platz zu wechseln. Wunderbar, jetzt haben wir einen ohne Matsch. Amy war müde und als wir von der Wanderung zurückkamen, legten sie und ich mich für eine Stunde hin. Die letzten beiden Nächte konnte ich nicht einschlafen und daher bin ich schnell erschöpft. Aber dann ging es wieder raus. Noch eine lange, dreistündige Wanderung durch den Wald, denn nur so erhält man einen tieferen Einblick. Und auf dem Rückweg gab es wieder kostenloses Fitnesstraining für Gunter und mich – Kinder und Kamerahiking. Jetzt sind alle mal früher im Bett, da müde und abgeschafft und ich möchte noch einmal Julia Butterflys Buch lesen, jetzt, wo ich sie reden hörte und kurz mit ihr sprach und inmitten der Redwoods sitze, für die sie sich so einsetzt.
29. Mai, Trinidad
Das Wetter blieb toll. Wir fuhren also zurück nach Norden um die Redwoods ohne Regen zu bewundern. Im Patricks Point State Park wanderten wir um die Mittagszeit und die langen Wanderungen vom Vortag saßen uns noch in den Knochen. Hier mussten wir zusätzlich ständig steile Hügel erklimmen. Mit Amy auf dem Arm kam ich sehr ins schwitzen, was bei kühlem Wind und angeknackster Lunge sehr unangenehm ist. Zum Mittagessen gab es Bean Burritos – ja schon wieder, geht schnell und ist nahrhaft. Die Jungs mögen sie lieber ohne Bohnen, denn das sieht ihnen zu sehr nach Hundefutter aus. Aber Burritos mit Schinken oder Käse schmecken auch gut. Wir wollen auch nicht mehr so oft Essen gehen, denn es ist zu teuer und schmeckt zudem nicht immer. Leider müssen wir in der Nähe von Arcata bleiben, da ich Scott gebeten hatte, Amy’s Schuhe dorthin zu schicken. Ansonsten wären wir heute gern weiter in den Süden gefahren, weil wir uns nach der Sonne und Wärme sehnen.
Egal ob man im Wald, am Strand oder in der Wüste ist – man muss ständig kehren.
Trinidad gefiel uns, ein kleines übersichtliches Dorf mit wunderschöner Bucht und toller Küste. Versehentlich landeten wir auf einer Scenic Route, die nicht für RV’s geeignet ist. Wenn man mal reingefahren ist, findet man aber kaum Platz zum Wenden. Ich war froh als wir mit Rangiererei wieder draußen waren. Trotzallem bekamen wir so die wunderbare Kuste zu sehen. Dann wollten wir in Arcata übernachten aber es gefiel uns nicht. Wir kauften also nur ein, in Eureka, und fuhren wieder nach Norden um da die Nacht zu verbringen. Die Kinder fanden viele interessante Müllteile auf dem Campground und spielten lange damit. Dann liefen wir durch das Dorf ans Meer und die Bucht um zu sehen, wo wir den Sonnenuntergang fotografieren können. Der Wind war sehr kalt, aber das Wetter ansonsten angenehm. Sonnig mit vielen dramatischen Wolken. Der Sonnenuntergang enttäuschte uns dann leider, denn die Sonner verschwand ganz plötzlich hinter weit entfernten Wolken. Schwubs, da war sie weg, ohne den Himmel mit roter Farbe zu verzieren. Die Jungs waren mal wieder toll, sie sind mittlerweile auch sehr sensibel für fotogenes Licht.
Den Leuchtturm fand ich besonders fotogen.
30. Mai, Mac Kerricher State Beach
Am morgen erreichte ich endlich Dr. Koch, der mir ein Mittel für meine Lunge empfahl, welches die Schmerzen erstmal verschlimmerte, dann aber etwas besserte. Ich solle mich warmhalten. Dumm, dass ich den Ausschaltknopf für diesen starken Sturm nicht finden konnte. Am Meer wirds dann nämlich kalt und wenn man sich zu warm anzieht, so wie ich, und immer Kinder trägt und dann schwitzt, ist’s schlecht. Wir fuhren noch ein Stück entlang der Küste und dann geht’s im Land weiter durch die Redwoodwälder. Wir fuhren an Luna, Julia Butterfly’s Baum, vorbei, konnten ihn natürlich nicht finden. Es gibt dort viele Hügel und Stafford, welches viele Häuser durch einen Erdrutsch nach dem Kahlschlag der Wälder verloren hatte, sahen wir auch. Direkt dahinter liegt der Humboldt State Park, durch den wir entlang des Avenue of Giants fuhren. Es wäre traumhaft, begegneten einem nicht immer die Lastwagen, die dicke Baumstämme geladen haben. Wie viele Old Growth Forests müssen noch daran glauben, ehe jemand vernünftig wird? Jedenfalls war der Wind auch im Wald nicht toll. Ich kann mir nur vage vorstellen, wie Julia sich oben auf den Hügel auf den Baum gefühlt hatte, in einem „richtigen“ Sturm. Wir versuchten zu wandern aber ich brach das ab, als ich kleinere Äste von den sehr grossen Bäumen fallen sah. Für die Kinder ist es sicher nicht so gut, wenn aus 80 Metern Höhe ein Ast, wenn auch ein kleiner, auf den Kopf fällt.
So ganz passten die Bäume dann doch nicht drauf, mit der Digitalkamera
Daher fuhren wir weiter, über eine kleine, recht kurz aussehende Strasse Richtung Westen, also Meer. Diese Strasse hatte es in sich: sehr eng, sehr kurvig und viel länger als erwartet. Das ist der Beginn des Highway 1.
Ich kann mir auch nicht erklären, wieso Amy von einem einzigen Granola Bar (Müsliriegel) so schmutzig werden kann? Sie mag es jedenfalls
Das Meer überrascht uns immer wieder, und dabei hatten wir es nur wenige Stunden lang nicht gesehen. Die Küste ist besonders für Fotografen traumhaft und uns blieb bei dem türkis- und smaragtfarbenen Wasser mit den wunderbaren weissen Wellenkappen die Luft weg. Nur der Sturm war so stark, dass ich mich überhaupt nicht traute raus zu gehen und Gunter machte auch nur das Fenster auf. Am Nachmittag fanden wir dann den Mac Kerricher State Park, der schön windgeschützt liegt, aber trotzdem nur 2 Minuten vom Meer weg. Die Kinder konnten ausgiebig spielen und dann gingen wir zum Meer, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Die Fotoapparate vibrierten so sehr im Wind, dass ich bezweifele, dass wir scharfe Fotos gemacht haben. Ausserdem war es trotz doppelter Kleidung und dicker Jacken sehr kalt. Die Wellen waren dafür jedoch besonders schön wild. Seehunde kann man hier auch sehen, die schwimmen im Meer, trotz Wellen und Felsen. Dieser Abend war einer der wenigen, an denen das Notebook und ich ruhten
Leider zu strake Kontraste, aber einen Eindruck bekommt man oder?
31. Mai, Mac Kerricher State Beach
Den ganzen Morgen verbrachten wir am Meer. Muscheln sammeln, Seehunde betrachten und fotografieren. Heute war es fast windstill und sonnig. Toll. Um 12:00 Uhr mussten wir aus dem Park raus aber wir liessen uns etwas mehr Zeit. Dann ging es erst Richtung Süden, nach Mendocino. Ich kann nur sagen, dass mich noch nie ein Dorf so beeindruckt hat – hier scheint es nur Künstler und „Alternative“ zu geben – also ganz nach unserem Geschmacke. Die Häuser sind einfach wunderschön, alle im victorianischem Baustil und das Meer ist von drei Seiten zu sehen und viele Hügel und, und und … Ach die Musik im Radio ist so schön, dass wir erstmals seit wir die Kassetten haben, Radio hören. Die Musik passt sehr gut in die Gegend und verstärkt den Eindruck, den man beim Fahren schon bekommt. Wir aßen in Fort Bragg im Restaurant zu Mittag, ich glaube das erste Mal seit einer Woche und die Kinder waren einfach toll. Dann schauten wir uns die Küste weiter oben nocheinmal an, denn am Tag zuvor hatten wir das wegen des Sturms nicht getan. Dann, weil es uns so gut gefiel, gingen wir genau auf den Platz, den wir die Nacht vorher schon hatten und ich las im Liegestuhl während Gunter die Karte studierte und drei glückliche Kinder gründlich schmutzig wurden. Zu gewohnter Zeit ging es wieder ans Meer zum foto… ihr wisst schon. Die Wellen leuchten so schön im Gegenlicht und der Sonnenuntergang ohne Sturm war angenehmer. Die Jungs sind mittlerweile darauf eingestellt, sich an unsere Anweisungen zu halten, wenn das Licht interessant wird. Klappt wunderbar. Es funktioniert auch immer, dass die Kinder etwas Wichtiges zu tun haben, wenn wir uns konzentrieren wollen, was sie Sache für alle einfach macht. Ich glaube, die Jungs erkennen mittlerweile die Ästhetik des sich ändernden Lichts und sie werden offener für Alles. Danach hatten die Kinder alle eine Dusche nötig und mit dem letzten Wasser wurden sie sauber.
1. Juni, Anchor Bay
Ich hatte als erstes Probleme, meine Haare zu waschen, denn es gab plötzlich in den Waschräumen kein heißes Wasser mehr. Später fanden wir raus, dass die Heizung kaputt war und einige Leute sogar eiskalt hatten duschen müssen. Irgendwann fand ich dann ein Häuschen, in dem ich meine Haare waschen konnte. Die Kinder spielten lange bevor wir weiter Richtung Süden, also San Francisco fuhren.
Die MacKerricher Beach, die Wellen knallten an den Strand
Die Strecke ist fantastisch aber auch gefährlich. Die Strasse ist eng, kurvig und an vielen Stellen geht es mehr als 50 Meter ins Meer runter. Ausserdem kommen ständig Logging Trucks, Lastwagen mit grossen Baumstämmen, entgegen. In einer kleinen Bucht mit Campground hielten wir und während die Kinder in den Bäumen spielten las ich in meinem spannenden Buch weiter und danach holte ich die Emails ab. Viel zu lesen, denn ich war einige Tage nicht mehr online. Dann gingen wir zum Sandstrand und plötzlich war es richtig warm. Nach und nach fielen die Kleidungsstücke und irgendwann gegen Ende des Ausflugs war Amy nackt. Auf sie mussten wir wieder besonders gut aufpassen, denn nach einer Weile hatte sie nur noch das Meer im Kopf und sie lief völlig ohne Angst hinein. Sie war kaum zu halten. Ich glaube die Kinder werden bald einen Schwimmkurs machen. Wasserratten, denn dann fühle ich mich wohler. Der ganze Tag tat gut, denn es war gemütlich und erstmals seit Carmel ganz zu Beginn unserer Reise konnte man sich am Strand mal hinlegen. Zum Abendessen gab es mal wieder Gegrilltes, denn es ist billiger und gemütlicher als Essen zu gehen.
Hier knallen die Wellen etwa 10 Meter vor dem Strand auf und daher ist es nicht so gefährlich für die Kinder. Das Wasser ist übrigens so eisekalt, dass ich nicht länger als 1 Minute mit den Füssen drin bleiben kann. Amy lässt sich davon nicht abschrecken. Esra wurde von einer Welle überrascht, und schaute perplex, als sie an seinen Hintern klatschte – eiskalt.
2. Juni, Sugar Loaf Ridge State Park, Nappa Valley
Wir schliefen lange, komisch, es wird immer später. Dann überspielte ich die Homepage und checkte Emails und die Jungs wollten noch einmal an den Strand. Diesmal hatten wir alle kurze Hosen und T-Shirts an und es war kalt, brrr. Die RV Nachbarn, hatten einen Sohn und daher kamen wir insGespräch. Die Männer waren Abalone Taucher und ich hatte schon länger ein Auge auf die schönen grossen Muscheln (eigentlich Schnecken) geworfen. Also einfach fragen und siehe da, es klappt und wir bekamen zwei grosse wunderschöne Muscheln geschenkt. Ich fühlte mich ein wenig schlecht, weil die Schnecke, die darin lebte ja dafür getötet wurde, aber die Leute hätten sie sowieso gegessen. Ausserdem sagte die Frau, dass sie schon so viele Schalen zu hause hätten, dass es gar kein Problem ist uns welche abzugeben. Ich freu mich jedenfalls. An der Küste liegt ein altes russisches Fort, dass wir vor allem besuchten, weil ich so starke Kopfschmerzen hatte und mich ausruhen musste. Eine halbe Stunde Liegen tut dann gut, wäre da nicht der Hund in einem Wohnmobil gewesen, der ohne Unterbrechung bellte.. Aber dann nach weiteren Bean Burritos (essen wir noch was anderes??), war ich halbwegs wiederhergestellt und wir besichtigten das Fort. Das war was für die ganze Familie: die Kinder waren vor allem von den Türmen mit den Kanonen angetan und mir gefielen die Räume, die autenthisch eingerichet waren. Auch das Visitor Center ist gut mit Informationen über die Indianer, die auf dem Hügel gelebt haben bevor die Russen kamen, die Tierwelt und das russische Fort bestückt.
Ein Mann fotografierte uns hoch oben im Turm
schöne Stimmung mit alten Flaschen
Die weitere Strecke an der Küste war atemberaubend, vor allem, wenn man rechts aus dem Wohnmobil schaute und eigentlich nichts mehr unter uns sah. Die Strasse ist eng, gewunden, hoch, steil und gefährlich. Aber man kann ja langsam machen. Eine Seehundsiedlung beobachteten wir noch mit dem Fernglas und dann fuhren wir ins Land rein, denn die Küste ist so weit im Süden am Wochenende sehr voll. Jetzt kommen wir auch in die Saison rein und wir müssten besser planen und vorher reservieren. Jedenfalls fuhren wir ins Nappa Valley, ein hügeliges, gemütliches Weingebiet und Esra freute sich Weinreben zu sehen. Ob er sie doch vermisst? Wieder fanden wir den geplanten Campground nicht und nahmen die 2. Wahl, einen Platz der hoch in den Bergen liegt und nur über eine enge, gewundene, steile Strasse zu erreichen ist. Aber jetzt, nach fast 3 Monaten klappt es mit dem Wohnmobil und wir waren schon den ganzen Nachmittag solche „schönen“ Strassen gefahren. Der Platz war auch sehr voll und die Kinder und Jugendlichen sehr laut. Unsere drei machen dann natürlich mit. Wie soll man auch erklären, dass man in der Natur ruhig ist, wenn drumherum alles rumgrölt und im Bach badet?
Ich sortierte unsere Muschelsammlung und stellte fest, dass es Probleme mit der sicheren Verpackung geben könnte. Ausserdem ist die grosse Menge erstaunlich und Esra, der mir geholfen hat beim Sortieren wollte sich nicht recht von den Sammelstücken trennen. Ich habe irgedwie gar keine Lust auf das Packen, nach drei Monaten hat sich einiges angesammelt und das merkt man im Wohnmobil kaum, denn so nach und nach verschwindet einfach alles im Schrank. Na ja, wir haben ja einen Koffer mehr als vorher.
Esra hat ein Reh entdeckt. Wir nahmen Stöcke mit, denn wieder wurde vor einem Cougar gewarnt und wurden plötzlich wegen Wood gathering – unerlaubtem Holzsammeln beschuldigt. Cougar Stöcke sind jedoch erlaubt, das steht auf jedem Schild, man solle einen grossen Stock zur Verteidigung mitnehmen, tse, tse. Also dem Cougar eins übers Dach hauen, aber nicht verbrennen.
Am Abend schaute ich länger mit allen Kindern (nacheinander) nach den Sternen und wir suchten Waschbären. Fanden aber zweitere nicht. Ich rief Jean Liedloff an und erzählte, dass ich mit Fatah zusammen die deutsche Homepage und Adressenliste für das Continuum Netzwerk betreue. Sie bat ein Treffen an und wir machten einen Termin für den nächsten Tag aus. Etwas Bammel hatte ich schon, denn ihr Buch „Auf der Suche auf dem verlorenen Glück“ hatte mich vor ein paar Jahren so beeindruckt, dass ich für dieses Netzwerk aktiv wurde. Schön einmal mit ihr selbst zu reden und sie dann auch wirklich zu treffen.
3. Juni, Mill Valley und Big Basin
Um 1:00 Uhr wollten wir uns mit Jean in Mill Valley treffen und das war noch ein Stück zu fahren. Also machten wir uns und das Wohnmobil fertig und fuhren los. Der Verkehr wird immer stärker in der Nähe von SF und es macht mit dem Wohnmobil wenig Spaß. Mill Valley hatte ich als sehr klein in Erinnerung und plötzlich war es so gross. Das Book Depot, ein Cafe mit Buchladen, fanden wir und ich kannte es noch von früher. Vor 12 Jahren hatte ich dort, direkt an dieser Stasse, bei Bread and Roses als freiwillige Helferin gearbeitet und damals einen ganzen Mittag mit Robin Williams zusammen Briefe fertig gemacht ohne zu realisieren, wer es ist. Ein Jahr später ging mir dann beim „Club der toten Dichter“ ein Licht auf – peinlich. Der hatte damals sicher gedacht, dass ich ganz schön ignorant bin. Jean ist größer, als ich sie mir vorgestellt hatte aber ich erkannte sie und sie war sehr nett und ganz natürlich. Das Essen bestellen und abholen mit den Kindern war etwas anstrengend aber irgendwie klappte es und wir konnten die Stühle gut organisieren. Es war eng im Cafe. Das Gespräch mit Jean war schön, denn sie ist sehr offenen und überhaupt nicht weltfern, wie man es von einer so berühmten Schriftstellerin erwarten könnte. Wir besprachen einiges vom Netzwerk und als die Kinder nach 2 Stunden laut und müde wurden ging Gunter mit ihnen vor das Cafe, aber dort drehten sie noch mehr auf und eine Frau beschwerte sich sogar, weil unsere „tasmanischen Devils“ (siehe weiter vorne bei Yellowstone) so schrill schieen. Also machte sich meine Familie auf den Weg ins Wohnmobil und ich fuhr mit Jean nach Sausolito, wo sie wohnt, um etwas zu holen. So konnte ich auch ihr Hausboot sehen und die Katze kennenlernen. Ausserdem freute ich mich über den Free Tibet Aufkleber auf ihrem Auto.
Danach gab es eine Tour mit Jean durchs Wohnmobil und wir fuhren wieder Richtung Süden, denn wir wollten im Big Basin State Park übernachten, was leider nicht klappte, weil wir zu spät ankamen und der Park voll war. Schade, denn die Strecke dorthin ist kein Zuckerschlecken mit all den engen Kurven und den verrückten Auto- und Motorradfahrern, die an unmöglichen Stellen überholen. Ausserdem waren wir mal wieder quer durch SF gefahren, ach was hat die Stadt einen Flair. Und wieder verschliefen die Kinder die Golden Gate Bridge. Aber im Big Basin State Park war es frustrierend anzukommen und keinen Platz zu bekommen und dann so müde und erschöpft von allen Erlebnissen und Eindrücken und Ideen, die man den Tag über hat eine weitere halbe Stunde enge Kurven mit dem grossen RV zu fahren. In einem privaten, schäbigen PV Park ohne Komfort und dazu noch mit vielen abgeholzten grossen Redwoods lernten wir Australier kennen, die mit ihren 2 und 22 Monate alten Kindern durch die USA reisen. Ein doch noch recht lustiger Abschluss des Tages.
4. Juni, Big Basin, Santa Cruz
Den Morgen fingen wir gemütlich an. Die Kinder spielten mit Kathrine, dem australischen Mädchen und wir unterhielten uns mit den Eltern und deren Freunden. Die Sonne schien und die Bäume strahlten ihre Ruhe aus. Um einen schönen sonnigen Tag am Strand zu verbringen fuhren wir nach Santa Cruz, aber das Wetter war am Meer gar nicht schön. Sehr neblig und kühl. „Strawberry fields forever“ dachte ich, als wir an den grossen Erdbeerfeldern vorbeifuhren und da man sie auch billig kaufen konnte mampften wir alle welche. Die Campgrounds an den State Beaches waren nach wie vor alle belegt, schade. Also fuhren wir zurück in die Redwoods auf einen Campground mit Hook up und Laundry. Da wir hier nicht mit Karte bezahlen konnten sind wir jetzt bis auf 1$ 45 c geldlos, was sich nicht sonderlich gut anfühlt. Wir haben aber wieder saubere Wäsche, aufgeladenen Batterien und einen absolut ruhigen, fotolosen Tag. Im Swimmingpool entspannten wir uns, bis die Redwoods die Sonne verdeckten, im Schatten ist es sofort unangenehm kalt, auch wenn die Sonne sehr wärmt. Ich war den ganzen Tag über mit den Gedanken beim Gespräch mit Jean Liedloff. Der vorige Tag wirkt nach und ich habe einige gute Ideen. Morgen werden wir den zweiten Anlauf zum Montery Aquarium nehmen, denn vor 2 Monaten hatten wir es ja aus Zeitmangel nicht gepackt. Jetzt müssen wir die letzten Tage geniessen. Ein seltsames Gefühl nur noch 5 Tage im Wohnmobil zu haben.
5. Juni, Monterey – mal wieder
Heute gibt es nicht viel zu berichten. Wir hatten so wenig Geld, dass wir nicht mal billige Erdbeeren kaufen konnten. Die werden auf riessigen Feldern angebaut und gerade geerntet. Lecker. In Monterey wollten wir erstmal das Nötigste besorgen – Klopapier und Windeln, bekamen es aber nicht, zumindest nicht so günstig wie gedacht. Dann holte Gunter ein letztes Mal Geld und wir assen in einem tollen Restaurante, „The Fresh Choice“, in dem es „all you can eat“ gibt. So viel man essen kann, das ist besonders gut für Gunter. Ich packe eh nicht so viel. Jedenfalls können die Kinder jeder etwas unterschiedliches und sogar noch Frozen Yogurt zum Nachtisch essen. Ich hielt es nicht länger aus mit den langen Haaren und wartete eine Weile, bis ich „gemäht“ wurde. Das kostete nur 11$, aber dafür werden die Haare anscheinend nicht gewaschen. Es gab jedenfalls keine Waschbecken, jeder bekam die Haare mit eine Sprühdose nassgemacht und dann geschnitten. Ich fühle mich jetzt wieder wohl. Für das Aquarium war es wieder zu knapp. Daher verbrachten wir einen sehr gemütlichen Nachmittag am Meer. Die Tidepools sind sehr belebt und der Sand voller Muscheln. Also für jeden das Richtige. Esra hat Noah übrigens von Jeans überzeugt, denn die haben im Gegensatz zu Jogginghosen Hosentaschen und in die kann man Muscheln stecken. Der Sonnenuntergang war seltsam. Zuerst war es den ganzen Mittag über sonnig ohne eine Wolke, dann zog es sich rechtzeitig zum Abend hin zu und wir dachten der Sonnenuntergang fiele ins Wasser. Aber kurz bevor die Sonne unterging, konnte man sie aus den Wolken hervorkommen sehen. Schön. Es wurde wieder sehr kalt und feucht. Wir übernachten auf dem Motelparkplatz, wie vor 2 Monaten, jedoch doppelt so teuer, da Hochsaison. Auch das Internet kostet erstmals 3 $, etwas übertrieben.
6. Juni, Big Sur
Irgendwie haben wir Probleme mit dem Aquarium. Wir haben Angst davor, dass es genauso „amerikanisch“ ist wie Sea World, mit all den Gift shops und Shows und so. Und wir wollen das Wohnmobil nicht mehrere Stunden in einem der grössten Touristengebiete unbeaufsichtigt stehen lassen. Also entschieden wir uns wieder für einen Strand. Den State Beach am Carmel River. Die Kinder können sich nach wie vor sehr gut im Sand und mit dem Holz beschäftigen und Gunter uns ich genossen einfach mal die Sonne. Dann fuhren wir unsere Lieblingstreke: den Highway 1 nach Big Sur. Diesmal hing in den Hügeln der Nebel und das wirkt besonders schön.
In dieser Gegend wohnen sehr viele berühmte Leute, tolle Aussicht und sehr teuer. Aber meistens kalt. In Big Sur trafen wir wieder Susanne und diesmal war auch Werner, ihr Mann, da. Wir mieteten den RV auf einem Campground direkt Fluss ein und bekamen einen Rabatt mit Werners Hilfe. Die Kinder waren innerhalb weniger Minuten klatschnass, denn es war heiss und der Big Sur River so schön kühl. Dann fuhren wir mit Susannes Bus hoch auf den Berg in deren Haus. Alle zusammen mit den zwei Neufundländern im Westfalia VW Bus. Der Bus hat’s gepackt. Der Nachbarshund, ein Golden Retriever, hat Nachwuchs und die 9 sechs Wochen alten Welpen wurden von uns allen geknuddelt.
Das Bild passt zu Big Sur, denn hier geht Alles langsamer. An der Tankstelle steht: „Take it easy, you’re in Big Sur“ und auch Susanne meint, dass die Handwerker hier eher „manana“ kämen, wenn überhaupt.
Gunter packte es nach einigem Probieren ein Computerspiel auf Susannes Laptop zu installieren (das versuchte sie schon lange und es hatte noch nie geklappt) und ich schaute mit ihr ein paar Fotos von der Reise an. Gegen Abend fuhren wir an die Beach, zum Sonnenuntergang. Und siehe da, es war wieder kalt, brrrrr. Und windig. Also an einem Tag kann man hier wirklich alles haben, von Hitze und kurzen Hosen, bis Kälte und Winterjacke.
eine Impression von der Dirtroad zu den Motzels
Susanne,Werner, Sally und Amy jedem seine Amy
Mit dem letzten Film fotografierten wir diese schönsten Minuten des Tages und plauderten dann mit Werner, der uns zum RV zurückbrachte noch über Tratsch aus der Heimat und aus Big Sur. Sehr interessant. Also haben wir heute Stellen gefunden, die wir mit diesem Riesenfahrzeug nie gesehen hätten und die Kinder genossen es ,mit jemand anderem als uns zu reden.
7. Juni, Sunset Beach
Am Morgen schnitt ich zuerst Esra’s Haare. Na ja, ein bisschen besser war’s danach aber ein Super Friseur bin ich nicht. Jetzt sieht er aber wieder was. Dann holte uns Susanne ab und wir knuddelten noch einmal Welpen und betrachteten ein kleines Käztchen, dass wohl zu früh zur Welt kam. Die Katzenmutter hatte nur dieses eine Kätzchen geboren, vier weitere waren im Bauch gestorben und sie war operiert worden. Deshalb musste das Kleine mühsam, tröpfchenweise gefüttert werden.
Haareschneiden im Wald
drei Tage altes Katzenbaby, Werner sagt weisse Katzen können in Big Sur nicht überleben, denn es gibt viele Raubvögel (Adler und Condoren) und Pumas. Erschreckend, aber darauf achten die Leute hier.
Die zwei passen gut zusammen. Im Hintergrund die 8 Geschwister.
Julia Pfeiffer Burns State Park, hier fällt der Wasserfall direkt ins Meer.
Ansonsten redeten wir mit Werner (übrigens sein 40zigster Geburtstag) und Susanne. Gegen Mittag fuhren wir in Richtung Süden, denn wir wollten den Julia Pfeiffer Burns State Park sehen, wo ein Wasserfall direkt ins Meer fällt. An einem Aussichtspunkt aßen wir Burritos und dummerweise hatte ich wieder mal starke Kopfschmerzen. Dann fuhren wir im starken Verkehr nach Watsonville, wo wir im Sunset Beach State Park einen Campground fanden. Am Wochenende ist der immer voll und daher dachten wir es wäre etwas Besonderes. Aber man kann nicht mal zu Fuss zum Meer und der Sunset war wegen Bewölkung völlig uninteressant.
8. Juni, Half Moon Bay
Mein Kopfschmerz hatte sich zur Migräne ausgeweitet und mir gings kotzelend. Im RV ist es unmöglich ein ruhiges Eckchen zu finden und nach einer Weile ging es mir so schlecht, dass wir einen Arzt gesucht haben. Leider bekam ich erst 2 Stunden später einen Termin und musste dann mit absolutem Pochschädel zig Formulare ausfüllen und nochmal 30 Minuten warten. Eigentlich hätte ich lediglich ein Rezept für Migränetabletten gebraucht aber so einfach ist das nicht. Die Ärztin war sehr nett und hatte das Medikament sogar als Probe da. Dann dauerte es nochmal ewig, bis ich bezahlt hatte und endlich zur wartenden Familie zurückkam. Gunter fuhr gen Norden während wir alle schliefen. An einem Beach hielt er an und las während wir weiterschliefen und ab 5:00 Uhr konnte ich wieder gerade aus den Augen schauen. Wir gingen einkaufen, Vitamine sollte ich nehmen, und dann auf den Campingplatz, der wegen SF Nähe unverschämt teuer ist (auch das Internet soll 5$ kostet und da verzichte ich lieber). Tja und jetzt müssen wir mit dem Packen beginnen. Übermorgen muss das Wohnmobil um 11:00 Uhr in Oakland sein und bis dahin sollten wir unseren seit drei Monate wachsenden Wäche- und Bücherberg verstaut haben. Das macht in diesem engen Ding mit drei munteren Kindern wenig Laune. Ausserdem sollte das Gefährt innen und aussen sauber sein. Eine Ladung Wäsche, Noah hatte heute nacht eine Riesenpfütze in unser Bett gemacht (besonders angenehm im Wohnmobil und mit Kofweh) konnten wir dummerweise nicht waschen, da dieser grosse RV Platz nur 3 Waschmaschinen hat, wovon eine defekt ist. Diese beiden anderen waren natürlich ständig besetzt. Schlecht, denn weit aufschieben können wir das jetzt nicht. Mit dem letzten Film nahm ich heute abend den Sonnenuntergang auf. Es klarte rechtzeitig auf und war ganz in Ordnung. Ansonten regente es heute tagsüber nicht, war aber insgesamt feucht. D.h. die Klamotten fühlen sich immer klamm an.
9. Juni, San Leandro
Wir fuhren über Woodside, das romantisch in den Wäldern liegt und Palo Alto nach San Leandro. In Woodside machten wir Lunch und aßen die letzten Bean Burritos, in Palo Alto gingen wir noch einmal in unseren Lieblingsfotoladen und besorgten zur Sicherheit 2 Filme und dann suchten wir unseren Weg auf die andere Seite der Bay, wo wir gerade noch rechtzeitig ankamen und den reservierten Stellplatz aufsuchten, es war übrigens der letzte und zum Glück hatten wir reserviert, unsere erste wirklich nötige Vorherplanung. Die ganze Nacht packten wir zusammen und dabei hatten wir einen Tag zuvor schon 3 Koffer fertig gehabt. Überall fanden wir noch Kleinigkeiten und die Bücher nahmen doch recht viel Platz weg. Also brachen wir zu später Stunde nochmal auf, um einen Koffer zu kaufen. Ausserdem mussten wir tanken, Gas auffüllen und den Wagen von außen putzen, von innen war er sauber. Insgesamt dauerte es bis 2:00 Uhr und wie immer wenn man etwas dringend braucht hatten wir kein Gas auffüllen können und wir sahen keine für das Wohnmobil passende Waschanlage. Vorher sind wir andauernd drübergestolpert, aber zu früh hätten wir es auch nicht machen dürfen, denn dann wäre das Gas wieder leer und das Fahrzeug wieder schmutzig geworden. An diesem Abend sahen wir übrigens den schönsten Sonnenuntergang, aber keine dazu passende Gegend. Außerdem hätten wir keine Zeit für Fotos gehabt.
Gunter beim erschöpfenden Räumen
10. Juni, San Francisco
Das Abgeben des Wohnmobils war extrem lästig und stressig. In aller Frühe waren wir munter und räumten, denn es gab noch viel, dass wir nicht mitnehmen wollten. Das Meiste verschenkte ich an eine Frau neben uns, und wir kamen ins Gespräch. Sie war eine sehr stolze Indianerin und lebte mit ihrem Mann immer da, wo er arbeitet. Sie hatte Heimweh.
Dann fuhren wir los um Gas füllen zu lassen und die Leute bei UHaul (einem Umzugswagenvermieter) waren unbeschreiblich langsam und uns lief die Zeit davon, denn jede Stunde, die man zu spät kommt kostet 50 DM. Außen waschen konnten wir das Wohnmobil nicht mehr, wir waren die Einzigen. Rechtzeitig bei Cruise Amerika dauerte es dann ewig, bis sich etwas tat. Es waren etwa 15 Familien zur Rückgabe da und nur wenige Mitarbeiter, die die Abrechnung machten. Wir sassen also in der Hitze auf den Koffern während Gunter drinnen wartete. Die Leute im Büro waren zu einigen Leuten sehr unfreundlich und machten sogar in deren Beisein Witze über sie, sie dachten wohl die ganze Sippe dummer Deutscher verstehe kein Englisch. Zum Glück hatten wir wenig Probleme, wenn man bedenkt, dass das Fahrzeug aussen richtig schmutzig war und wir vier Tage per Telefon verlängert hatten. Ausserdem hatten wir auch einen Reifen wechseln lassen müssen, was bei anderen die auch im Büro waren grosse Probleme bei der Abrechnung bereitet hatte. Dann waren wir nach mehr als einer Stunde endlich fertig und warteten auf den Transfer. Aber jeder Fahrer der kam bevorzugte die Leute, die zum Flughafen mussten und lies uns stehen. Wir warteten also nochmal mehr als 1 Stunde und dann waren keine Flughafenleute mehr da und jemand musste uns mitnehmen. Den Weg zu Dorothy und Frank mussten wir allerdings genau erklären. Ziemlich müde, verschwitzt und mit 13 Stücken Gepäck und drei Kindern kamen wir in der Stoneman Street an. Dorothy und Frank warteten schon und wir wurden einige Tage völlig ohne Sightseeing verwöhnt.
Ich nutzte die Chance und nahm ein Bad mit Amy, stellte aber traurig fest, dass US Badewannen wohl generell nur zum Sitzen und nicht zum Liegen sind. Schön war’s trotzdem.
Abends schliefen die Kinder so nach und nach ein und wir machten ihnen ein Nest auf dem Boden, da nicht genügend Betten da waren. Amy schlief bei uns im Bett.
11. Juni, San Francisco
Dorothy ist vom Disney Film „Tarzan“ ganz angetan und sagte, wir sollen ihn anschauen. Das machte den Kindern und uns Spaß. In den folgenden Tagen sahen sie ihn bestimmt drei Mal. Wir wurden bekocht und mussten gar nichts machen, ausser das Gepäck auf 12 Stücke zu veringern und etwas besser zu organisieren. Ich kenne Dorothy und Frank nun schon seit 12 Jahren und erst jetzt haben wir so viel Zeit miteinander verbracht, dass wir uns richtig kennenlernen konnten. Es klappte alles wunderbar, mit den Kindern und dem Essen und auch die flauschigen hellgrünen Teppiche und das weisse Sofa überlebten unseren Besuch fleckenfrei. Der Blick aus dem Fenster ist einfach traumhaft und ich musste mich mehrfach vergewissern, dass wir in SF sind. Dorothy und Frank waren einfach kindertauglich locker mit den Kindern und wir hatten wahnsinnig viel Spaß zusammen. Nur Dorothy wollte sich nicht fotografieren lassen, was teilweise zu Problemen führte, ihr kennt uns ja.
Teresa signiert ihr Bild
Gegen Mittag fuhren wir zum Mexikaner und danach zu Teresa, denn Dorothy hatte ein Bild auf meiner Homepage gesehen und wollte es kaufen. Wir freuten uns Teresa „Auf Wiedersehen“ sagen zu können und bekamen noch ein Bild geschenkt für ihren zweiwöchigen Urlaub in Deutschland vor 10 Jahren. Ich freute mich natürlich darüber. Für Teresa war es auch gut, ein weiteres Bild verkaufen zu können. Abends gingen Dorothy und Frank Tanzen und wir ruhten uns einfach aus.
Im Fernsehen, was wir ja überhaupt nicht gewohnt sind, lief eine Dokumentaion über giftige Tiere in den USA und mir lief’s eiskalt über den Rücken. Die Spinnenviecher sind so winzig und so giftig. Menschen können innerhalb weniger Stunden nach dem Biss sterben. zum Glück sahen wir das nach der Reise. Dorothy und Frank kamen ziemlich früh zurück und wir schauten Barry Lyndon, ein extra langer Kubrik-Film mit gepflegtem Englisch. So konnten wir die verpassten Kinofilme der letzten 7 Jahre aufholen (nicht ganz).
12. Juni, San Francisco
Am morgen sahen wir das Ende des Films und unterhielten uns fleißig. Wir wollten Natalie und Tamar (von einer anderen Mailingliste) besuchen und hatten Termine für den Golden Gate Park ausgemacht. Irgendwie klappte es aber nicht, da Tamar, die behindert ist, keine Hilfe für die Fahrt nach SF bekam. Also fragte ich Frank, ob er mich und Esra nicht fahren könnte. Das war am einfachsten und ich bin beruhigter, denn für die Kleinen hätten wir keine Kindersitze gehabt. Also fuhren wir erst zu Natalie und ich gab ihr ein ausgeliehenes Buch und einige Kleider und Jacken, die Amy zu klein geworden waren. Sie überreichte mir das Weltbeste Geschenk für reisende Mütter: etwa 30 kleine, mit Zeitungskomiks eingepackte Spielsachen für den Flug. Damit sollten wir die Kinder während des langen Flugs bei Laune halten. Klappte SUPER. Vielen Dank Natalie.
Mit Natalie im Selbstportrait
Mit Tamar von Frank fotografiert
Dann ging es weiter nach Oakland, wo Tamar wohnt. Sie kann durch ihre Behinderung nicht richtig sprechen aber nach einer Weile verständigten wir uns sehr gut. Esra spielte mit der kleine Katze, Magic und auch Frank unterhielt sich mit Tamars Helferin. Schön Tamar endlich mal kennenzulernen. Ihre hochinteressanten Emails lese ich schon lange und es ist immer spannend, die Leute dahinter einmal zu treffen. Herzlichen Dank an Frank für das Fahren, denn mit dem Bus und der BART hätte alles ewig gedauert, vor allem für Tamar im Rollstuhl, der übrigens einen Free Tibet Aufkleber dran hat. Gunter war während dieser Zeit auf die Bernal Heights gewandert und die Kleinen somit etwas müde vom Laufen.
13. Juni, San Francisco
Wir hatten einen Transfer zum Flughafen ausgemacht und verbrachten den letzten Morgen mit dem endgültigen Fertigmachen des Gepäcks. Die Kinder hatten einige Sachen im Haus verteilt und wir wollten Nichts vergessen. Ausserdem wollten wir den Flug angenehm gestalten und daher war einige Planung nötig. Natelie’s Geschenke, etwas zu Trinken und Essen und die Digitalkamera waren im Rucksack. Wir waren 2 Stunden vor Abflug am Flughafen aber die Schlange der Wartenden vor dem Lufthansa Schalter war ziemlich lang und es dauerte eine Stunde, außerdem bekamen wir wieder ungünstige Sitze, denn in der letzten Reihe können die Sitze nicht ganz zurückgelehnt werden, was zu Beengung führt, wenn die Leute vorne dran schlafen. Wir quälten uns lange mit drei übermüden Kindern aber es war einfach viel zu eng. Dann legten wir Noah auf den Boden vor uns und Ersa und Amy hatten mehr Platz, wir aber nicht.
beim Einchecken
schlafende Rasselbande
Dann wechselten die Jungs, und nach dem Frühstück etwa 40 Minuten vor der Landung weckten wir sie alle nacheinander und es wurden die letzen Päckchen von Natalie ausgepackt. Zwei Rennautos fanden begeisterte Besitzer und damit spielten die Jungs während wir unsere 12 Gepäckstücke einsammelten. Der Transfer nach Hause klappte auch wunderbar und nun hat Bubenheim uns wieder.
15. Juni, Mainz
Wir wollten unsere Filme so schnell wie möglich abgeben, denn unsere Neugierde ist überbordend. Also fuhren wir umgehend mit Noah und Amy nach Mainz. Wir fanden einen schönen Parkplatz und Gunter wollte gerade den Parkschein ziehen. Dort stand bereits ein Mann, der kurz vorher eingeparkt hatte. Als es zum Blickkontakt zwischen ihm und mir kam, lächelte ich, wie in den USA üblich. Das war wohl zuviel. Der Mann meckerte mich an: “ Was denken sie sich dabei, anderen Leuten den Parkplatz wegzunehmen?“ „Habe ich ihnen denn einen weggenommen?“ fragte ich völlig verdutzt. Dann kam es: Wir sollten der arbeitenden Bevölkerung die Parkplätze nicht wegnehmen und gefälligst mit dem Bus fahren. War ich wohl zu gut gelaunt für die Deutschen? Herzlich Willkommen, daheim!
Wohnmobiltour durch die USA, drei kleine Kinder, drei Monate, live Bericht aus dem Jahr 2000, Teil 2
Der zweite Teil des „live“ Reiseberichtes aus dem Jahr 2000
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5.April, Joshua Tree National Monument
Wir kamen wieder spät los, da alle nochmal in die Pools wollten. So was muss man schließlich ausnutzen, gell? Die Stögmüllers waren auch nochmal da. Sie schenkten uns zum Abschied ein Kochbuch, welches ihre Tochter geschrieben hat. Alle Rezepte waren von Evi gekocht und von Hans gekostet und abgesegnet worden.
Dann fuhren wir nach Indio, die nächste grössere Stadt, da uns das Bargeld ausgegangen war. Jetzt haben wir den Scheinevorrat aufgefüllt und müssen auch drauf aufpassen. In der Stadt, die unter dem Meeresspiel liegt, war es unerträglich heiß. Noah wurde fürchterlich quengelig und er wollte zurück nach Bubenheim fahren. Für die Kinder kauften wir Badehosen und Anzüge und ich hoffe wir bekommen bald Gelegenheit diese zu benutzen. Die Fahrt nach Joshua Tree war langweilig für die Kinder. Aber in Joshua Tree machten wir Stopps um uns anzumelden und zu fotografieren. Ich bin etwas nervös und mache mir zu viele Gedanken um die Kinder. z.B fotografierten wir in einem Kakteengarten, und da ich schon zu viele Splitter aus den Kids herausholen musste, war ich übernervös und das überträgt sich auf den Rest der Familie. Aber ich hatte wirklich Angst, dass eines der Kinder in einen Kaktuss fällt und das wäre fatal. Ausserdem gibt es hier Klapperschlangen und Taranteln und Amy greift nach wie vor überall hinein um alles zu begreifen. Amy ist noch nicht offen für Erklärungen und hier gibt es jeden Tag etwas neues, was man ihr nicht gut erklären, und sie nicht ausprobieren lassen kann.
Ein Joshua Tree (ausgesprochen – dschoschwetrie), sie werden sehr groß und bieten Lebensraum für viele Tiere, auch wenn sie abgestorben sind.
Der Kakteengarten mit Cholla Kakteen, dort geht die colorado desert in die mojave desert über. Das äusserte sich so, dass es in diesem Streifen, wo die Wüsten sich treffen, Pflanzen beider Systeme zu finden sind.
Der Campingplatz ist heute kostenlos, nur der Park kostet 10 $ Eintritt. Ich habe eine Golden EaglePass gekauft, der kostet 50$ und wir können damit innerhalb eines Jahres kostenlos in alle National Parks. Hook up haben wir nicht und daher kann ich momentan nicht mehr schreiben, die Batterie hält nur 2 Stunden. Esra fühlt sich sehr wohl und er klettert sehr sicher die Felsen hoch und etwas langsamer wieder runter. Hier ist es wieder etwas kühler da wir 1000m über dem Meeresspiegel sind. Weiter unten, wir waren bis ca 60m unter Meeresspiegel, ist es wirklich extremst heiß und sogar die Kinder beschwerten sich.
6. April, Joshua Tree –> Needles, California
imposant, nicht wahr? Ein Wald in der Wüste.
Joahua Trees sind ganz besondere Bäume (zumindest für mich). Sie wachsen unter schwierigsten Bedingungen und sehen genauso bizarr aus. Man kann das Alter nur schätzen und denkt, dass die ältesten bis zu 1000 Jahre alt sind. Vielleicht strahlen sie daher eine Ruhe aus, wie die Redwoods. Der grösste Baum im Joshua Tree National Park ist 12 m hoch und hat eine Baumkrone von 10 m Durchmesser. Das ist natürlich mit der Grösse der Redwoods nicht zu vergleichen, man muss bedenken, dass diese Bäume in der Wüste wachsen und kaum Wasser erhalten. Zeitweise gibt es waldähnliche Ansammlungen der Joshua Trees. Diese wachsen bevorzugt in höheren Wüstengegenden, in der Tiefebene sind diese Bäume überhaupt nicht zu finden.
Ursprünglich wollten wir sehr früh auf dem Keys View sein, 1581m hoch bietet er eine atemberaubende Aussicht auf den schneebedeckten Mount San Jacinto,und die San Andreas Fault, die wegen der Erdbeben berühmt ist. Da die Kinder sehr spät einschlafen , schlafen sie morgens halt länger. Um 9:00 Uhr fuhren wir los und Amy war auf dem Aussichtspunkt schlecht gelaunt. Sie schrie, als Gunter sie hielt, und irgendjemand sagte: stop it now! Na ja, so ist es eben. Wir finden es auch nicht gut wenn unser Kind unglücklich ist aber so schlimm war es wiederum nicht. Es war sehr ruhig und bedächtig und Kinder sind dann von Naturliebhabern nicht erwünscht. Nun gut, bei mir war sie sofort wieder ruhig. Ausserdem hörte ich nicht weit zum ersten Mal eine Klapperschlange klappern, wow. Gänsehaut. und wir entschlossen uns, doch nicht noch einen Tag zu bleiben. Wir wussten nicht recht, was wir den ganzen Tag in der Hitze machen sollten, denn den Generator, den man für die Klimaanlage braucht, wenn man keinen Stromanschluss hat, darf man im National Park nur zweimal für je eine Stunde laufen lassen. Ich kann das sehr gut verstehen, denn die Dinger sind nicht nur laut, sie stinken auch. Bevor wir Joshua Tree verließen, wollten wir wenigstens eine Wanderung machen. Wir gingen dazu in das „Hidden Valley“, ein Rundwanderweg, der 1 Meile lang ist. Oft müssen wir über Steine klettern und die Wanderung ist recht anstrengend, vor allem, weil wir um 11:00 Uhr losgelaufen sind und voll in die Mittagshitze kamen. Esra und Noah liefen sehr gut mit und wir konnten eine Menge Eidechsen sehen. Da dachte ich oft an meinen Bruder Andi, denn der besaß früher ein Terrarium mit diesen Tieren. Das wiederum fand übrigens vor allem Esra hoch interessant. Ansonsten wollte erst Esra, dann Noah nach Hause zu ihrem Freund Niklas. Den werden wir demnächst mal anrufen. Amy bewältigte die Wanderung in der Rückentrage, gut eingepackt und mit Sonnenschutzfaktor 45. Ich bekam leider trotz Sonnencreme einen heftigen Sonnebrand auf den Oberarmen, auaaa! Und danach nahm ich auch Sonneschutzfaktor 45 und trotzdem bin ich rot und alle anderen haben nichts.
Nun aber zum Hidden Valley: Das Tal liegt versteckt hinter Hügeln und aus diesem Grund haben früher oft Pferde- und Rinderdiebe die Tiere dorthingetrieben um sie zu verstecken. Die Indianer sind auch oft durch dieses Gebiet gekommen und sie konnten sehr gut mit dem Leben in der Wüste umgehen. Sie kannten alle Pflanzen und welche Wurzeln nutzbar sind, um ohne große Probleme zurecht zu kommen. Für mich ist das erstaunlich, denn die Wüste macht einen lebensfeindlichen Eindruck. Die Gegend wirkt ausnehmend bedrohlich. Trotzdem ist alles perfekt aufeinander abgestimmt und wahnsinnig faszinierend. Wahrscheinlich geht eine Mutter von kleinen Kindern mit anderen Augen und vor allem Hintergedanken durch die Welt – Beschützerinstinkt.
Kurz bevor wir losfahren wollten, also schon wieder im Wohnmobil, lief ein Coyote (ausgesprochen: Keiotiie) an uns vorbei. Ich war völlig platt. Am helligsten Tag, mitten durch die Touristen (nun gut, es war niemand draußn). Jetzt habe ich einen gesehen, nachdem ich sie schon ein paar Nächte lang heulen hörte. Ein Foto war nicht drin, denn es ging zu schnell.
Die Fahrt nach Needles, kurz vor der Grenze zu Nevada, verlief problemlos. Die Strecke führt durch ein ausgetrocknetes Seebett, was ein seltsames Gefühl verursacht und ansonsten durch sehr viel Wüste. Jedoch weitgehend ohne Pflanzen. Hier in Needles gab es im letzten Jahr zwei Regentage, einen im Juni und einen im August und ich muss sagen, dass mir die Sonne unter Dauerbescheinung ziemlich auf die Nerven ging. Sie brennt hier unbarmherzig und Hitze kann ich nicht gut vertragen. Gunter fühlt sich dagegen wohl. Ob Wüste eher was für Männer ist? Die Ehepaare, die wir bisher trafen waren nämlich auch alle so eingestellt: die Frauen lieben die Wälder und die Männer die Wüsten. Was meint ihr?
So glatt, wie der Highway aussieht, ist er nicht. Es kostete viel Mühe, das Fahrzeug auf der Straße zu halten. Manchmal gab es sogar eine Kurve.
Nach der ca. 3 stündigen Fahrt hatten wir uns ein Pool verdient. Diesmal war das Wasser kalt, was Amy nicht davon abhält rein zu gehen. Esra lernt vielleicht das Schwimmen noch. Jedenfalls traut er sich schon es zu probieren. Noah will nicht. Amy paddelt ohen Anleitung ganz heftig und ich denke sie könnte es als erste lernen. Die fällt übrigens immer noch jeden Tag auf. Wir werden mehrmals täglich auf das freundliche, liebenswerte Mädchen angesprochen. In ihrem neuen Badeanzug, der zusätzlich auch den Bauch vor Schrammen schützt, sah sie besonders hübsch aus. (in den heißen Quellen verschrammte sie sich den Bauch, weil sie dauernd ins Becken rein wollte und über den Rand geschabt ist, autsch)
So, jetzt geht es mit Klimaanlage ins Bett. Die brummt genauso laut wie die Heizung.
7. April Needles –> Valley of Fire, Nevada
Zum erstenmal störte mich der Schmutz im Wohnmobil so gewaltig, dass ich mir die Zeit nahm, das Wohnmobil gründlichst zu putzen. Was nicht heißen soll, dass wir es bisher nicht sauber gemacht hatten. Es dauerte bis 11:00 Uhr, bis auch die Tanks geleert und Wasser gefüllt war.
Die Kinder spielten draußen im Schatten mit Steinen während ich beschäftigt war und abends hatten sie einen Tan (braune Hautfarbe), die selbst nach dem Duschen noch vorhanden war. Bisher wusch sich die schöne Hautfarbe abends wieder ab, da ich Lichtschutzfaktor 45 benutze (mir wäre es lieber ohne diese „Chemie“, die Sonne lässt sich jedoch nicht vermeiden). Ich dachte im Schatten wäre es ohne Creme in Ordnung. In der Tiefebene ist es unerträglich heiß, das hatte ich schon erwähnt aber die Hitze ist so unglaublich, dass ich es nocheinmal betonen will. Um die Mittagszeit sollte man sich nicht im Freien aufhalten.
Die Fahrt war langweilig, weil in dieser Gegend nicht viel zu sehen ist und wir daher auch sehr wenig Stopps einlegen konnten. In Kingman (erstmals waren wir in Arizona) tankten wir und wollten den Kindern einen großen Truckstop zeigen. Leider fanden wir den nicht, schade. Das Benzin ist in Arizona 50 c pro Gallone billiger. Kalifornien ist insgesamt sehr teuer. Dann fuhren wir weiter über den Hoover Damm und kamen nach Nevada. Dann mussten wir durch Las Vegas. Wie schön es doch in einem Wohnmobil ist, konnten wir hier erfahren, denn mitten im Highwaygewirr musste Noah ganz dringend auf die Toilette. Gunter setzte ihn während der Fahrt aus Klo und die Hose blieb trocken. Das machen wir nur in Notfällen und es ist gut zu wissen, dass man diese Option hat. Gegen Nachmittag kamen wir ins Valley of Fire und alles sah plötzlich wunderschön aus. Die öde Wüste hörte auf und es kamen rote Felsformationen zum Vorschein. Der graue Kalkstein ist in der See entstanden und viel älter als der rote Sandstein, der aus einer riesigen Sandwüste entsanden ist. Beides zusammen ergibt diese wunderbaren Muster und vor allem Abends sieht es aus, als stünde das Tal in Flammen, daher auch der Name.
Mitten im Park auf sehr schönen Plätzen mit überdachten Sitzgelegenheiten (ach so sehr ersehnter Schatten) kann man für 12 $ übernachten. Wir freundeten uns gleich mit einem Ehepaar aus Vancouver an und fühlten uns wohl.
Mit der Digitalkamera kann man diese Landschaft nicht ernsthaft fotografieren. Die Farben sind viel intensiver. Sorry!
Die Straßen folgen der Landschaft, dh es gibt keine Brücken, und es macht der ganzen Familie Spass über oder zwischen den Hügeln zu fahren. Schön gemächlich natürlich, damit man auch viel sieht. Abends machten wir eine Wanderung zum Mouse’s Tank. Dieser Wanderweg führt zu einem Becken, welches nach starken Regenfällen mehrere Monate Wasser halten kann. Dorthin hatte sich 1897 ein Indianer Names Mouse geflüchtet und lange Zeit versteckt. Warum ist historisch nicht belegt. Er wurde Jahre später dort bei einer Schiesserei ermordet. Die Wanderung dorthin ist für kleine Kinder anstrenged, da man überSand laufen muss und nicht richtig von der Stelle kommt.
Wir genossen das Abendlicht und hätten gerne länger fotografiert, jedoch dauert diese wunderbare Zeit nur wenige Minuten. Abends machten wir wieder ein Feuer um das Abendessen zu grillen. Es gab Hühnerbrust mit Reis. Esra und Noah spielten mit einem Jungen und waren traurig, als er wieder gehen musste. Die Verständigung klappt unter den Kindern recht gut, nur selten ist Esra frustriert, wenn er nicht richtig kommunizieren kann. Vor kurzem sagte sogar Amy „hi“, als jemand vorbeilief. So schnell kann man eine Sprache lernen. Da der Campground in einem Tal liegt, hallt es und Stimmen werden durch das ganze Tal getragen. Ich hatte Probleme das den Kindern klar zu machen. Daher ging ich ganz früh mit ins Bett. Dann schlafe ich nicht gut, da ich nach 6 Stunden ausgeschlafen bin und es noch tiefe Nacht ist. Dann wenn ich aufstehen sollte, schlafen ich wieder ein. Gunter las im Freien und am nächsten Morgen erzählte er uns von den vielen Fledermäusen, die Nachts die Motten fangen. Schade, die hätte ich sehr gerne gesehen.
8. April, –> Hurricane, Utah
Am Morgen wanderten wir nocheinmal im nördlichsten Bezirk des Parks, dem White Dome. Dort führt der Wanderweg auch durch feinen Sand was das Laufen für Kinder erschwert. Wir erklommen daher Felsen aber diese wurden nach kurzer Zeit so hoch und steil, dass es uns zu gefährlich wurde und wir umkehrten. Die Hitze in den Felsen ist schier unerträglich und daher waren 45 Minuten sowieso lang genug. Die Spuren im Sand sind faszinierend. Es gibt zahlreiche Eidechsen, die überall feine Muster in den Sand zeichnen. Zwischendrin gab es Spuren von größeren Echsen, von denen wir eine sahen. Diese heissen Chuckawalla und sind ca. 40 cm lang und ziemlich massiv. Ich wollte gerde das richtige Objektiv auf die Kamera schrauben als Gunter dieses Tier verscheuchte, weil er näher heranging. Schade! Das Chuckawalla fand in einer recht klein aussehenden Ritze im Fels Platz und nur der Schwanz schaute ein kleines Stück heraus. Die Kinder waren fasziniert.
Um der Hitze zu entgehen fuhren wir weiter. Die Kanadier hatten uns erzählt, dass in Overton eine Country Fair stattfände, also fuhren wir dahin. Leider kostete es wieder einmal Eintritt aber wir gingen trotzdem hinein. Eine solche Fair (ähnlich dem Jahrmarkt bei uns) hatten wir in den USA noch nicht besucht. Die Tierausstellungen der Farmer intressierten mich am meisten, vor allem die Hunde. Wir durften drei Wochen alte Border Collie Welpen bestaunen. Dann sahen wir alte Motoren, Traktoren und Autos und ihr könnt euch denken, wen wir da nicht mehr wegbekamen. Egal wie laut es war und wie sehr es stank, Esra wollte alles wissen und bleiben und staunen. Amy bekam vom Lärm ein wenig Angst, fand es aber auch schön. Mir war es einfach viel zu heiß. Ich hatte das Gefühl trotz Hemd, dass ich mit längeren Ärmeln anhatte, zu verbrennen.
Zweimal konnten Esra und Noah Karusell fahren, dann war es auch ihnen zu heiss. Schade, dass wir nicht nochmal später am Abend hingehen konnten. Das wäre sicher sehr interessant geworden.
Hier für Bianca und Lutz noch eine Hill Billy Wetterstation, die auch funktioniert:
Das ist ein Stein, der an einem Draht hängt und unten steht:
wenn er nass ist –> es regnet.
wenn er weis ist –> es schneit.
wenn er einen Schatten wirft –> die Sonne scheint.
wenn er sich bewegt –> es ist windig.
in Californien –> es ist ein Erdbeben.
Und wie deutlich zu sehen ist –> wir hatten Sonne!
Wir fuhren weiter in Richtung Zion National Park und verbrachten die Nacht in Hurricane, in einem RV Resort, denn wir wollten die Klimanalage laufen lassen und in ein Schwimmbad. Es ist erstaunlich, Amy kann schon recht gut schwimmen und Noah bekommen wir immer noch nicht ins Wasser.
Ansonsten gehen mir mittlerweile die vielen Gebots- und Verbotsschilder auf die Nerven. Überall steht was man zu tun und zu lassen hat. Das ist sogar Esra und Noah schon aufgefallen und sie haben viele Bilder gemalt mit Verbotsschildern. In Deutschland sieht man das glücklicherweise nicht so oft. Ich habe fast das Gefühl, dass diese Schilder mache auf dumme Gedanken bringen können. An einem Tennisplatz steht z.B. no skating, or anything else –> ich wäre nicht auf die Idee gekommen etwas anderes als dort Tennis zu spielen, aber wenn man darüber nachdenkt, wäre der Platz schon gut zum Rollerskaten. Selbst an einem normalen Einkaufswagen hängen 4 Verbotsschilder. Das Kind darf nicht im Wagen selbst sitzen, es darf nicht stehen, es darf nicht unbeaufsichtigt sein, es muss angeschnallt werden. Wow überall sind diese Schilder. An dem Cola-Automat steht, dass man ihn nicht schütteln soll, es könnte schlecht für die Gesundheit sein oder sogar tödlich enden. Diese Automaten sind groß und irgendwann muss mal jemand darunter gelegen haben nachdem ein Quarter hängen blieb und er daran geschüttelt hatte. Jetzt muss jeder diese Schilder lesen. Wenn’s ganz schlimm kommt steht noch dabei: „it’s the law“ – so sagte es das Gesetz. Nach einem langen Tag unterwegs ist man so viele Schilder begegnet, dass man keines mehr sehen kann.
9. April, Zion National Park, Utah
Wir kamen recht spät an, da wir unterwegs an Indianerläden gehalten hatten und Lebensmittel eingekauft hatten. zuerst war im National Park kein Campingplatz frei, aber so gegen 3:00 Uhr waren wieder welche verfügbar und wir checkten für zwei Nächte mitten im Park ein. Das hat wie immer den Vorteil, dass man weit mehr von der Natur sieht, als wenn man ausserhalb übernachtet. Ausserdem hat jedes Fahrzeug mehr Platz. Ein Nachteil ist, dass es nur Toiletten aber keine Duschen gibt.
Um den Park kennenzulernen und da die Kinder den Fluss, den Virgin River, sehr mögen, liefen wir den Riverside Trail entlang (Round Trip ist der 3,3 km lang und Noah hat es auch fast ganz gepackt) . Der führt zu den Narrows, die sehr berühmt und wahnsinnig anstrengend zu erwandern sind. Man muss nämlich durch den Fluss laufen, da der Canyon so eng ist, dass kein Wanderweg Platz findet. Wir liefen natürlich nur zu der Stelle, an der der Weg aufhört. Gunter fotografierte viel, ich war viel zu überwältigt von den sehr hohen Bergen rings herum. Ein wahnsinniges Gefühl in dem Canyon. Irgendwie auch beängstigend, denn einige Felsen sehen aus als könnten sie herunterfallen, was auch von Zeit zu Zeit geschieht. Im Jahre 1981 sei ein 15000 Tonnen Fels in den Canyon gestürzt und im Tal gab es dadurch einen Wind mit fast 180 km/h. Bäume brachen durch den Wind ab. Das ist ein natürlicher Vorgang, dass ein Canyon nicht nur durch den Fluss breiter wird, sondern auch durch Erosion. Einen Tag vor dem Ereignis 1981 hatte es stark geregnet und daher konnte sich der Fels lösen.
Einige Rehe blieben trotz der Leute auf dem Campingplatz. Man soll ihnen jedoch nicht zu nah kommen, denn sie können sich bedroht fühlen und sich verteidigen.
Unser RV (Recreational Vehicle) im Canyon
So sehen die Felsen hier aus, sehr rot und sehr hoch. Die Bäume haben gerade frische hellgrüne Blätter. Noch schöner, wenn man aus der Wüste kommt.
Die Kinder spielten am Wasser während wir fotografierten. Später gingen wir noch einmal vom Campingplatz aus an den Fluss und Gunter entdeckte einen großen Hundertfüssler (Centipedes). 15-20 cm lang und auch recht dick, mit Zangen vorne. Wieder im Camper lasen wir in unserem neuen, schlauen Buch nach und waren erstaunt zu erfahren, dass dieses Tier sehr gftig ist. Die Hundertfüßler beißen und geben dabei Gift ab. Das ist dann ungefähr mit einem Wespenstich zu vergleichen. Etwas schlimmer, da das Gift äußerst wirksam ist. Zum Glück geben sie nur eine geringe Menge davon ab. Für Kinder kann es jedoch sehr unangenehm werden und ein Arztbesuch wäre auf alle Fälle nötig. Ich war nicht begeistert, denn alle drei hatten den ganzen Tag am Fluss gespielt und immer wieder Steine und Sand aufgehoben. Diese Tiere scheinen jedoch recht selten vorzukommen und sie beißen auch nicht sofort, sondern nur wenn sie sich richtig bedroht fühlen.
Auf dem Weg zum Wohnmoblil trafen wir ein sehr nettes, lustiges Ehepaar aus Alaska. Wir unterhielten uns während die Kinder, die mittlerweile müde waren, mit Steinen spielten. Davon gibt es hier ja jede Menge. Diese Gespräche mit anderen Campern sind sehr interessant und man lernt neues. Wohin man fahren soll und wo nicht, alles über Wohnmobile, über Land und Leute. Ausserdem macht es mir immer Spaß mal länger Englisch zu reden. Anscheinend wird mein Englisch jetzt nach 4 Wochen besser, denn die meisten Leute loben es, was mir in den ersten Wochen nicht passiert ist. Amy grüßt die Leute auch schon mit dem typischen „hi“ So süss. Die Jungs können das mittlerweile perfekt und sie lernen ein wenig Englisch.
Na ja, jedenfalls fiel Noah ein grösserer Stein auf den kleinen Zeh und das Gejammere war groß. Aber auch Amy war müde und wollte auf den Arm, also trug ich sie auch. Gunter trug Esra, weil der auch müde war und wir hatten zwei Fototaschen und zwei Stative mit. Andere bezahlen für ein Fitnessstudio viel Geld, wir bekommen das kostenlos in den allerschönsten Gegenden noch dazu. Ausserdem sind unsere „Gewichte“ die Schönsten der Welt.
Am Wohnmobil wurde es auch nochmal chaotisch, da alle so müde waren, dass nichts schnell genug ging. Esra grillte im Nachbarfeuer Würstchen, die aber ständig in den Dreck fielen. Noah stürzte kopfüber aus dem Wohnmobil und hatte eine Beule am Kopf und Schmerzen im Bein und Amy war zu müde um noch einmal die Wickelprozedur über sich ergehen lassen zu wollen. Wir selbst hätten auch gerne was gegessen.
Hier ist die Digitalkamera mit den Kontrasten überfordert.
10. April, Zion National Park, Utah
Als wir morgens aufwachten stellten wir entsetzt fest, dass durch die Bauarbeiten für den Shuttleservice, der Campingplatz erheblich betroffen war. Unweit unseres Platzes wurde Teer abgeladen und viele Laster und Bagger versorgten uns mit Dieselgeruch. Zu dumm, dass wir uns für zwei Nächte angemeldet hatten, denn das war eindeutig ein Grund weiterzureisen. Wir mieden den Platz soweit es ging aber belästigt wurden wir trotzdem. Schade.
Der geplante Shuttleservice macht jedoch Sinn, denn es fahren zu viele Autos und Wohnmobile durch den Park. Ab Mitte Mai wird das verboten sein und aus diesem Grund werden überall Bushaltestellen gebaut. Dann können alle Leute die Busse benutzen, die kostenlos sind, und es wird wieder ruhiger im Park. Wir selbst kamen diesmal nur in den einen Teil des Parks, weil das Wohnmobil wegen seiner Übergrösse nicht ohne Eskorte durch den Tunnel fahren darf. Das kostet 10 $ und bedeutet, dass der Verkehr aus der Gegenrichtung angehalten wird damit man in der Mitte durchfahren kann. Wir konnten auf der einen Seite genug besichtigen und verzichteten daher darauf.
Nachdem wir ein Wanderbuch für Familien gekauft hatten, dachten wir, dass wir ohne große Probleme zum Emerald Pool laufen könnten. Ich kannte diesen Weg noch von früher und wäre ihn jetzt mit den Kindern eher nicht gelaufen. Amy war wie immer in der Rückentrage und wir hatten Fotoapparate und Proviant mit. Bis zum ersten Pool, der auch zwei Wasserfälle hat ging es ganz bequem also beschlossen wir weiter zu gehen.
Kein Regen, der Wasserfall, unter dem man durchlaufen muss.
Danach wurde es jedoch anstrengend. Es ist sehr felsig und selbst für uns war es Arbeit. Noah hatte wirklich einiges zu leisten. Aber beide Jungs kamen alleine bis zu dem oberen Emerald Pool. Das sind Becken, direkt an den hohen Felswänden, die mit Wasser gefüllt sind.
Auf dem Weg sahen wir einen 12-15 cm großer Käfer, den Amy natürlich gleich mitnehmen wollte.
Noah auf dem Wanderweg, ja so sah der aus. Er musste sich immer wieder setzen damit er die Hindernisse überwinden konnte
am Emerald Pool, Esra war eigentlich begeistert, er wollte nur nicht fotografiert werden.
Bei Sonnenschein sollen die Pools grün schimmern. Es war jedoch bedeckt (übrigens das erste Mal in fast 4 Wochen) und gerade als wir uns zum Picknick niederlassen wollten donnerte es. Schreck. In diesen Bergen muss ein Gewitter richtig laut sein. Wir bekamen einen Vorgeschmack. Ich war für sofortigen Aufbruch, da wir schon 1 1/2 Stunden für den Aufstieg gebraucht hatten und nun war Noah müde und ich rechnete mit mindestens nocheinmal 1 1/2 Stunden. Schade, wir hatten uns auf ein ganz gemütliches Päuschen gefreut und hatten auch eins verdient. Wir maschierten also wieder nach unten, und es stellte sich heraus, das der Regen noch wartete. Wieder unten im Tal bekamen Esra und Noah je eine Silberne Pfeife verliehen, weil sie eine so anstrengede Wanderung gepackt hatten. Diese Pfeiffen sind für einen Notfall gedacht, damit die Kinder, falls sie verloren gehen sollten, auf sich aufmerksam machen können. Die beiden hatten ihren Spaß und sagten den ganzen Mittag über „Notfall“, um dann laut zu pfeifen.
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, andere Leute mit deren Kamera vor Sehenswürdigkeiten zu fotografieren. Entweder werde ich gefragt oder ich biete es an, wenn sich die Leute zu sehr abmühen. Ich fand es heute lustig eine Familie zu treffen, die ich in Joshua Tree National Monument schon fotografiert hatte. Die Frau errinnerte sich begeistert daran.
Da die Bewölkung sich immer mehr zuzog, fuhren wir nach Springdale, dem Ort direkt am Eingang zum National Park. Ich wollte in der Bibliotek mit dem Notebook ins Internet um die Emails abzuholen, aber es klappte nicht. Dann gingen wir chinesisch Essen. Im Park schien es zu regnen und es wurde sehr stürmisch und kalt. Wir hatten alle einen Durchhänger was wohl mit dem Druckabfall in der Luft zu tun hatte. Erst gegen Abend machten wir noch eine angenehme Wanderung am Fluss lang. Der Weg war einfach und man konnte die Berge ringsherum gut sehen, weil man nicht mitten in Canyon steht.
Danach grillten wir und das Abendessen war wieder zu chaotisch, weil wir zu spät angefangen hatten. Das nächste Mal planen wir besser. In dieser Nacht wurde es wieder sehr kalt und ich fror. Am nächsten Morgen war ich entsprechend verspannt, und diese Verspannung mit der starken Geruchsbelästigung der Baustelle verbunden, entwickelte sich im Laufe des Tages zu einer Migräne.
11. April Grand Canyon, North Rim, Arizona
Auf solchen Tafeln wird in den Parks alles erklärt
Mit leichten Kopfschmerzen fuhr ich los, als wir am Grand Canyon ankamen war es eine ausgewachsene Migräne und ich musste mich hinlegen. Einen Campingplatz hatten wir unterwegs leider nicht gefunden, es sollten jedoch zwei Schleifen auf dem Platz im Park freigemacht worden sein. Gunter ging mit den Kindern raus und ich versuchte mich auszuruhen. Esra und Noah waren mit den Kiefernzapfen und dem Schnee kreativ.
Gegen Abend gingen wir alle zusammen an den Rand des Canyons, da dort ein relativ kurzer Wanderweg ist und man einen ersten Eindruck bekommen kann. Der Blick auf den Grand Canyon war wirklich überwältigend. Es waren kaum Leute da, da auf der nördlichen Seite sowieso weniger Touristen (insgesamt kommen jedes Jahr 5 Millionen Menschen) sind und um diese Jahreszeit eigentlich noch geschlossen ist. Hier fallen im Winter 7,7 m Schnee und davon war noch was zu sehen. Amy war in der Rückentrage und wir mussten „nur“ auf die Jungs aufpassen. Der Weg ist recht gut zu laufen nur geht es teilweise beidseitig steil in die Tiefe. Mir fiel die Sonnenblende aus der Tasche, diese purzelte ziemlich weit, bis sie von einem Ast aufgehalten wurde. Ein falscher Schritt kann tödliche Folgen haben und daher ließen wir die Kinder nicht von der Hand und fotografierten nur an ganz sicheren Plätzen. Meine letzte Batterie in der Kamera war schon eine Weile schwach und es gibt doch keinen besseren Platz zum Versagen als hier. Eine atemberaubende Aussicht und kein Laden in 200 km Entfernung. Als ich das letzte Mal am Grand Canyon war belichtete ich einen 100 ASA Film als 50 ASA. Komisch was? Jetzt habe ich vom Sonnenaufgang nur digitale Bilder. Die Ersatzbatterien, die wir mitgenommen haben scheinen sich während des Flugs entladen zu haben, denn keine hielt länger als einen Film.
Es stellte sich heraus, dass wir einen wunderbaren Platz zum Übernachten nur 1 Meile vom Aussichtspunkt haben durften und der war sogar kostenlos. Meine Kopfschmerzen quälten mich noch die ganze Nacht und erst am morgen ging es etwas besser. Hier ein Bild vom Platz im Wald, fast ganz allein und prima saubere Luft.
Auf die Kälte waren wir hier vorbereitet, denn wir trugen alle doppelte Schlafanzüge. Es fror niemand, obwohl es sehr kalt war.
12. April, Grand Canyon –> Flagstaff
Um uns Nerven zu sparen, ging Gunter, der noch frische Batterien im Fotoapparat hat, zum Canyon und ich machte Frühstück und wickelte Amy und zog Esra und Noah an. Dann ging ich kurz, um ein wenig Ruhe zu finden und ich rief noch zuhause an. Dann fuhren wir nach Flagstaff, eine lange Fahrt. Wir legten bei den Cliff Dwellers eine Pause ein und Esra war erstaunt, zu sehen, wie die Indianer gebaut haben.
Die Felsen wurden in das Haus integriert und somit war es fast nicht von der Landschaft zu unterscheiden. Leider konnte ich nichts Näheres herausfinden. Unseren Lunch nahmen wir auch an einem Trading Post ein und wieder konnten die Kinder Indianer sehen. Seither reden wir wieder den ganzen Tag über Cowboys und Indianer.
Es ist erstaunlich wie schnell die Landschaft sich ändert. Aus dem Hochgebirge des Grand Canyon mit den vielen Nadelbäumen kommt man in einen Wachholderwald und danach sehr abrupt in die Wüste. Zwischendrin geht es einige Kilometer durch eine Art Painted Desert, was bei Tageslich eher nach Erzhügel aus dem Bergbau aussieht. Bei Abendlich sicher sehr interessant. Bei Flagstaff wird es langsam hügelig und zunehmend bergiger und plötzlich ist man wieder im Wald. Das passiert alles innerhalb von ca. 3 – 4 Stunden.
Jetzt sind wir in Flagstaff und haben mal wieder Strom, um alle Batterien aufzuladen. Der Lärm und Gestank der Stadt nervt und dass obwohl wir ausserhalb übernachten. Ich gewöhne mich zu sehr an die Einsamkeit.
13. April, Sedona, Arizona
In Flagstaff fand ich erstmals ein central modem hook up (so nennt sich ein zentraler Modemanschluss) an einem Münzfernsprecher. Ich sass also im Freien, im Staub der Autos, und loggte mich ins Internet ein. Nach einigem Probieren klappte es tatsächlich und ein weiterer Teil der Homepage wanderte ins Internet. Etwas aufgefallen bin ich schon und einige Jungs beäugten mein Notebook interessiert.
Esra ist von den großen Lastwagen fasziniert und immer wieder malt er welche mit ganz vielen Reifen. Manchmal erklärte ich, dass das nicht geht, mit so vielen Reifen. Tja, aber in den USA ist außergewöhnliches möglich. Hätte ich es nicht gesehen, ich würde es nicht glauben: vorm Campingplatz stand doch tatsächlich ein Lastwagen mit 82 Reifen. Der fuhr intelligenterweise nur nachts und konnte daher tagsüber bewundert werden. Die Digitalkamera hatte Probleme das Gefährt abzulichten. Trotzdem ein Bild, für Esra und ich sag nichts mehr.
Sehr viele Leute haben uns bisher auf Sedona hingewiesen. Das liegt ca. 30 Minuten südlich von Flagstaff und ist wärmer und grüner. Die Fahrt auf der Highway 89A bietet fantastisch Landschaft, ist aber kurvig. Die frischen, grünen Blätter an den Bäumen sind ein sehr hoher Kontrast zu den roten Felsen und Steinen und Sand. Wunderschön! Als wir jedoch ankamen erkannten wir, dass sehr viele Leute das wunderschön finden. Auf der ganzen Strecke gab es Halte- und Parkverbotsschider, und in Sedona selbst ist es schwierig ein Wohnmobil zu parken. Es ist touristisch, sehr viele Giftshops, Restaurantes (noch teurer als sonst) und Anbieter von Touren (mit Jeep, Flugzeug oder Hubschrauber). Das ist alles für uns Fünf nicht bezahlbar. Aber hier gibt es logischerweise auch Fotografen und somit Fotogeschäfte, und ich habe wieder Batterien für meine Olympus. In Flagstaff konnte ich nämlich keine finden und ich war schon sehr verzagt. Ausserhalb entdeckten wir eine Pizzeria, die sogar ein Telefon hatte, von dem aus ich am Tisch telefonieren konnte. Ich rief meinen Bruder Andi an, der glücklicherweise um 23:30 Uhr noch wach ist. Die Jungs waren außer sich vor Freude und beide mussten unbedingt telefonieren. Schade, dass Andi nicht mit hier ist. Jetzt sind wir auf einem Campingplatz am Bach, dem Oak Creek (deshalb ist das hier auch der Oak Creek Canyon) und die Kinder sind sich einig, dass der viel besser ist als ein Spielplatz. Der Bach ist nämlich sehr wasserarm und es gibt zahlreiche Felsen, auf denen man balancieren kann. Das bereitet logischerweise viel Freude. Ansonsten ist es ruhig und es gibt für 15$ nur ein Plumpsklo – daran sieht man, dass man im Touristengebiet ist.
Esra hat Spaß mit dem neuen Wischmopp, den ich kaufte, damit man den Boden nicht mehr auf den Knien rutschend putzen muss.
14. April, Sunset Crater Monument
Schon am frühen Morgen wollte Noah an den Fluss, na ja, eher Bach. Das Klettern macht übrigens nicht nur Kindern Spaß. Es ist erstaunlich, wie anregend Esra’s Fragen für mich sein können. Wer hat denn die Steine so schlecht hierher gelegt? (Weil er manchmal nicht weiterkam) Wie hat die Natur die Steine hingelegt? Warum geht der Wasserläufer nicht unter? Schläft er unter oder über Wasser? Wo kommt das Wasser her und wie lange ist es schon da? Als alle Schuhe und Hosen nass waren, was auch mit wenig Wasser klappt, zogen wir weiter.
Am Abend zuvor hatten wir Probleme die weitere Route zu planen. Erstmal sollte man hier sowieso nicht planen, weil dann der ausgesuchte Campingplatz doch noch nicht geöffnet ist und zweitens wollten Gunter und ich in verschiedene Richtungen. Ich würde gern mehr im Indianergebiet bleiben und zum Canyon de Celly fahren. Der ist im Navajo Gebiet und beeindruckend, wie wir schon vor 7 Jahren erfahren durften, leider aber weit weg. Richtung New Mexico. Gunter will eher zum Bryce Canyon und Canyonlands, weil das fotografisch fantastisch ist. Auf alle Fälle will ich einen Tag einplanen zum Edelsteinsammeln in Utah und dass fand Esra’s volle Begeisterung: „Au ja, Edelsteine sammeln für Oma Edeltraud.“ (der Zusammenhang ist mir erst dann aufgefallen) Steine mögen alle drei sehr gerne. Ständig finden sich welche im Wohnmobil. Nun gut, wir nahmen Gunters Route und der Plan war am Sunset Crater Monument zu campen, damit wir nicht so weit fahren müssen. Der Krater liegt nur wenige Kilometer nördlich von Flagstaff und bietet viel Interessantes. Ausserdem gibt es Ruinen von Indianer-Gebäuden. Und was glaubt ihr? Der Campground ist noch geschlossen. Plan 1 ging in die Hose. Trotzdem ist das Monument absolut sehenswert. Die schwarzen Lavafelder sind interessant und lassen uns unserer „Grösse“ bewusst werden. Es ist erstaunlich, dass Pflanzen einen Weg finden hier zu wachsen. Das Visitorcenter ist sehr informativ und es gibt auch für Kinder einiges zu sehen. Der kleine Rundwanderweg durch das Lavafeld ist selbst bei Sturm, wie an diesem Morgen, wandernswert und Esra und Noah lernten so etwas über Vulkane. Hier war es übrigens unter Strafe (250$) verboten Steine mitzunehmen, denn das Lavagestein ist begehrt, weil es auf Wasser schwimmt. Wenn jeder Besucher einen Stein mitnehmen würde, könnte man in einigen Jahren den Park zumachen, bei den vielen Besuchern, die jährlich kommen. Ich musste auf Amy achten, da sie ständig einen Stein in der Hand hat. 250$ Strafe ist mir zu teuer für ein kleines Andenken.
Wir gingen dann zu Plan 2 über, nämlich in Tuba City, in der Nähe des Hopi Reservates, zu campen. Dort gibt es viel über Indianer zu erfahren und Dinosaurierspuren in den Steinen. Auf dem Weg durch das Wupatki National Monument, dass sich an den Sunset Crater anschliesst, wurde das Wetter immer schlechter. Der Sturm brachte Wolken und die Berge, die San Francisco Mountains, zogen sich zu. Der Sturm wurde immer stärker und fotografieren war trotz der tollen Stimmungen nicht mehr möglich. Lichtstimmungen sind bei Wetterwechsel (vor allem vor und nach Stürmen) am schönsten aber der Fotoapparat ist bei Sturm nicht mal mit dem Staiv zu halten.
Hier könnte man die San Francisco Mountains sehen. Vor uns lag leider ein Sandsturm.
In Tuba City war es so stürmisch, dass die Kinder nicht mal aussteigen wollten. Also fuhren wir weiter nach Page, das an der Grenze zu Utah ist. Uns allen wurde die Fahrt zu lang. Nach einem Bean Burrito Abendessen (wenn man eine für die Kinder neue Speise einführt, sollte man darauf achten, dass sie wirklich hungrig sind, denn dann probieren sie alles. Ansonsten kann es passieren, dass sie sagen, das ess ich nicht.) checkten wir auf einem Campground mit Indoorpool ein. Das Schwimmen tat gut und die lange Fahrt war bald vergessen. 2 Stunden waren wir im Wasser und wechselten zwischen normalen Schwimmbecken und Jaccuzzi, einem heissen Whirlpool. Hatte ich nicht kurz vorher meine Badewanne zuhause vermisst? Heute abend konnte ich dann sogar beim Wäschewaschen ins Internet. Ein Anschluss in der Laudry macht Sinn, nicht wahr?
Morgen könnten wir einen sehr berühmten Canyon besuchen, den Antelope Canyon. Bilder von diesem sehr schmalen, eher unterirdischen Canyon bewundern Gunter und ich schon lange, nur wussten wir nie genau, wo der ist. Jetzt sind wir aus Zufall genau richtig gelandet, und vielleicht klappt es.
15. April, Page – Antelope Canyon, Arizona
Juhuh, wir packten es mit allen drei Kindern, die übrigens keinen Eintritt zahlen mussten, in den Lower Antelope Canyon zu gehen. Für uns kostete es 17,50 $ pro Person, und das war es wert. Der Eingang liegt versteckt und ein Führer begleitet die Besucher daher bis dorthin. Leitern erleichtern den Abstieg trotzdem hatte Gunter, mit Amy auf dem Rücken, Probleme, hindurchzukommen, weil es eng und gewunden war. Hier ein Bild von mir am Eingang:
Die Spalte, die Oben noch offen ist, ist teilweise sehr eng. Von aussen ist nicht erkennbar, was unten wartet. Der Canyon ist am ehesten mit einer Kathedrale vergleichbar. Etwas Erfürchtiges geht von ihm aus. „Die längste Kathedrale der Welt“ Trotz aller Schönheit fühlte ich mich sehr beengt und, da Flash Floods das Leben gefährden können auch ängstlich. Unten erzählte dann auch noch ein Mann gleich zu Beginn, dass letzten Sommer 12 Leute durch eine plötzlich Flut umgekommen sind. 11 Leichen wurden nur gefunden, der 12. liegt noch irgendwo versteckt. Muss er denn einer Familie mit drei kleinen Kindern so Angst einjagen. Das Wetter war super, daher war überhaut nicht mit einer Flut zu rechnen. Später redete ich mit einer Fotografin und sie konnte mich beruhigen. Wenn eine Flood kommt, würden die Indianer, in deren Gebiet die Canyons liegen, mit einer Signalhupe warnen und dann Seile von oben herunter lassen. Danach ging es mir besser. Wir wanderten eine ganze Weile und immer wieder sah man faszinierende Formationen. Unten ist es jedoch sehr eng und es ist teilweise nicht genügend Platz für das Stativ, dass unbedingt nötig ist, wegen der langen Belichtungszeiten. Einen Tipp, den wir uns gleich zu Beginn abschauen konnten, war, Staub in die einfallende Sonne zu werfen. Nur so kann man die Sonnenstrahlen sichtbar machen. Wir hatten jedenfalls dafür die allerbesten Assistenten. Esra hatte gleich zu Beginn versehentlich mein Staiv umgestoßen und es landete im Staub. Die Feststellschrauben liessen sich entsprechend schlecht bedienen. Und das an einem Ort, der einem Staiv das letzte abverlangt. Ja, ja, der liebe, allgegenwärtige Staub.
Unten im Antelope Canyon mit der Digiknipse
Ganz zum anderen Ausgang konnten wir nicht wandern, oder besser klettern, denn es wurde so eng, dass Gunter mit Amy in der Rückentrage nicht weiterkam. Der Canyon ist ungefähr ein Kilometer lang und die Canyonwände ca. 35 m hoch. Man läuft ganz unten am engen Canyonboden. Das Fotografieren strengt sehr an, denn durch die Enge ist man beschränkt und das ganze Ereignis ist so überwältigend, dass man nach einer Weile nicht mehr Komponieren kann. Ich denke hier ist es nur möglich nach vielen Besuchen perfekte Fotos zu machen. Irgendwann kommen wir wieder.
Aber im Prinzip ist das alles egal – es ist sehr großer Wunsch von uns in Erfüllung gegangen: diese schöne Stätte einmal selbst gesehen und erwandert zu haben. Also an alle Fotografen: macht in Page unbedingt Halt und schaut euch dieses Wunderwerk an.
Als wir nach ca. 1 1/2 – 2 Stunden wieder nach oben kamen, kam uns die Welt sehr verändert vor. Ein seltsames Gefühl. Ich konnte mich noch mit der Fotografin unterhalten und ihr unsere Kinderbilder zeigen. Sie war völlig platt, denn so gute Portraits hätte sie schon lange nicht mehr gesehen. Ein Lob von einer Fotografin ist mir besonders wichtig, denn sie weiß, worum es geht.
Nach dem Mittagessen (chinesisch-amerikanisch) betrachtete ich mir noch einmal die Fotos von Michael Fatali. Das ist ein berühmter Fotograf, der eine Gallerie in Springdale hat. Dort konnten wir zum ersten Mal seine Kunstwerke bewundern und seine Bilder ziehen mich seither magisch an. Auch die sehr nette Frau in der Galerie erhielt eine von unseren Karten.
Die Stadt Page ist durch den Glen Canyon Damm berühmt und überhaupt erst entstanden. Denn hier wohnen die Dammbauer. Der Colorado wird an dieser Stelle gestaut und es entstand der Lake Powell, der 185 Meilen lang ist. Ein See gibt der Wüste einen ganz eigenen Charakter. Die Landschaft wirkt meiner Meinung nach surreal. Esra und Noah hinterfragten jedoch nichts, sie liebten das Wasser und die Steine.
Heute abend ging ich mit den Kindern nocheinmal schwimmen. Gunter’s Füße sind wund, da die Wüstenluft die Haut austrocknet, ich habe übrigens auch Probleme. Das Pool war heute jedoch zu kalt und die Klimanalage bließ von oben kalte Luft herunter, was die Freude trübte und unseren Wasserspaß verkürzte. Amy schwamm mit Schwimmarmen durch das ganze Becken.
16. April, Bryce Canyon, Utah
Wir fuhren wie (leider) fast immer relativ spät los. Bis wir alle, samt Wohnmobil, fertig sind, kostet Zeit und es ist besser, wenn die Kinder morgens eine Weile im Freien spielen können. Im Walmart besorgten wir noch einiges Nötige und danach fuhren wir den Highway 89 Richtung Norden. Arizona hat keine Sommerzeit und daher mussten wir die Uhr umstellen, mal wieder. Der neue Nationalpark, Grand Staicase Escalante, liegt auf der Route, aber noch gibt es keine befestigte Straße in den Park hinein. Der Highway kreuzt einen Wildwechsel und sehr frustriert betrachteten wir die vielen toten Rehe am Wegesrand, die teils von Greifvögeln verspeist werden. In Kanab, dass für viele Westernfilme (auch rauchende Colts, Lassie und viele mehr) bekannt ist aßen wir mexikanisch-amerikanisch zu Mittag. Jedes kleine Städtchen hat seine eigene, interessante Seite. Amy mag übrigens gern scharf essen. Das Chili hat ihr sehr geschmeckt. Am Nachmittag erreichten wir Bryce Canyon National Park, in dem wir auch die Nacht verbringen. Der Blick von oben herab ist ergreifend. Schade, dass es etwas bewölkt war, denn die Sonne verleiht diesem Canyon eine besonders schöne rot-orangne Farbe.
Kurz entschlossen wanderten wir in den Canyon hinein. Eigentlich waren wir nur neugierig und wollten sehen, wie es dort unten wirkt. Dann entschlossen wir uns den ganzen Navajo Trail zu wandern. Sehr ergreifend, denn die sogeannten Hoodoos (Pfeiler aus Stein), die von oben so klein wirken, entfalten plötzlich ihre wahre Größe. Ich fühlte mich wie eine Spielzeugfigur und kam mir teilweise entsprechend hilflos und ungeschützt vor. Auf die Kinder mussten wir wieder besonders aufpassen und wie immer, wenn es besonders ergreifend ist, hatte ich keinen extra Film mit. Ein SW Film war noch in der Tasche und nun bin ich sehr gespannt. Es ist erstaunlich, dass Bäume im Canyon wachsen und auch so groß werden können. Da der Bryce Canyon 2700 m hoch liegt, ist es recht kühl und es liegt streckenweise Schnee. Beim Aufstieg merkte ich die Höhe sehr, denn ich kam ziemlich ins Schnaufen. Esra und Noah laufen inzwischen 3 km ohne Probleme, nur beim Aufstieg meckerten sie etwas. Kleine Pausen ermöglichten aber einen angenehmen Rückweg. Die Digitalkamera versagt bei hohen Kontrasten, schade, aber ich glaube, ihr bekommt trotz allem einen Eindruck. Und wieder, wie beim Antelope Canyon, der bei mir übrigens sehr nachwirkt, verändert eine Wanderung die Sichtweise. Die ergreifende Schönheit kombiniert mit der schier unvorstellbaren Größe, aber auch der Gefahr die davon ausgeht, belebt mich spirituell sehr. Seit ich aus dem Antelope Canyon heraus bin, ist die Welt hier oben verändert, als hätte ich einen Einblick in ein „geheimes“ Wissen erhaschen dürfen. Ich hoffe, die Wirkung hält lange an..
17. April, Bryce Canyon –> Green River
Amy fühlte sich abends nicht gut, oder es war der Vollmond, der sie fürchterlich nervös machte. Sie schlief jedenfalls die ganze Nacht nicht, auch Stillen beruhigte sie nicht. Es wurde in der Nacht zudem kalt, unter dem Gefrierpunkt und ich fror. Hier gibt es fast nur Polyesterdecken zu kaufen und von denen ist die Qualität so schlecht, dass wir noch keine gekauft haben. Bevor es weiter Richtung Norden geht, müssen wir irgend etwas finden.
Morgens machten wir es so wie im Grand Canyon, wir fuhren alle im Schlafanzug und ungewaschen und ohne Frühstück zum Sunrise Point, der glücklicherweise nur 1 Meile vom Campingplatz entfernt ist. Seht ihr, dass ist ein weiterer Vorteil des Motor Homes. Ich durfte diesmal fotografieren während Gunter das Frühstück zubereitete. Das Licht war herrlich, nur musste ich sehr auf das Gegenlicht achten. Danach war Gunter dran. Gut gell? Nach dem Frühstück gingen wir nocheinmal alle zusammen auf einen leichten Wanderweg, den queens Garden Trail. Da muss man aufpassen, dass keines der Kinder den Abhang runterruscht aber ansonsten geht es gemächlich. Esra hat einen Schnupfen mit Halsweh, Noah und Amy und Gunter und ich übrigens auch, und daher wurde die Wanderung verkürzt Man muss ja nichts übertreiben. Am Tag zuvor hatte ich einen Eimer mit Schaufeln für die Kinder gekauft und nun wollten sie natürlich ans Meer. Tja, das liegt nicht gerade um die Ecke, den Gefallen konnten wir Noah nicht tun.
Auf der Fahrt Richtung Arches National Park merkte ich dann, dass wir die Nacht zuvor definitiv nicht genügend Schlaf bekommen hatten. Auch die ruhige, genau auf die Gegend abgestimmte Musik von Nakai, half nicht und erstmals legte ich mich während Gunter fuhr, hinten ins Bett. Dummerweise suchte ich mir den denkbar ungünstigsten Moment aus, denn es begann die Fahrt auf einen über 3000m hohen Berg, die Kurven machten ein Schläfchen unmöglich und ihr könnt euch vorstellen, wie mir zumute war, als ich den Kopf hob und nur noch Himmel gesehen habe. Wo um Gottes Willen fuhr Gunter hin. Also kein Schläfchen, dann fahr lieber ich. Erst nachmittags konnte ich mal 15 Minuten ruhen.
Auf diesem grauen „Gestein“ wächst nichts. Teilweise fühlt man sich wie auf dem Mond.
Das Mittagessen war ein Reinfall. Es war teuer und schmeckte nicht und die Kinder waren sehr quengelig. Gute Kombination was? Da hätten wir besser selbst was gekocht.
Da es nur langsam voranging, dauerte es länger als erwartet und die Kinder schliefen zwei mal – das ist schlecht. Da Moab noch zu weit weg ist halten wir in Green River und heute abend hat mir die Nachbarin, die übrigens heute 52 Jahre verheiratet war, versteinerte Dinosaurierknochen geschenkt. Ich hatte gesehen, dass sie Steine gesammelt hatten und fragte daher nach. Toll, was? Und die Steine sind wunderschön.
Ein kleiner Spaziergang führte uns heute abend zu einen Truckstop, ausnahmsweise mal kein National Monument. Wir alle fanden das sehr interessant und werden morgen vielleicht mal jemanden fragen, ob wir in so einen Truck hineinschauen dürfen. Esra und Noah finden es nämlich toll, dass das im Prinzip auch Wohnmobile sind. Ein Truckstop ist ein Laster Campingplatz. Ein Wohnmobil ist übrigens ein Menschenlaster. Ein Laster mit Schrottautos ist ein Wegbringer und einer mit neuen Autos ein Hinbringer. Soviel zum Esra-Noah Reisevokabular.
Nach dem Spaziergang waren die Kinder jedoch nicht dazu zu bewegen, ins Bett zugehen, denn sie alle hatten heute während der Fahrt zu viel geschlafen. So jetzt gehe ich besser zur Ruh‘.
18. April, Green River –> Provo, Utah
Und wieder wurden alle Pläne zerschossen. Wir wollten nach Moab und in den Arches National Park, es zog jedoch ein Sturm auf und nach dem Frühstück im Truckstop, packten wir es fast nicht bis ins Wohnmobil. Überall kann man lesen, dass die Canyons durch Wasser und Wind entstanden sind, jetzt kann ich mir lebhaft vorstellen, welche Rolle der Wind spielt. Es fliegt soviel Sand durch die Luft, dass der Wind wie Sandpapier wirken muss. Absolut kraftvoll. Die Natur ist übrigens gut auf den Sturm eingestellt, man denke nur an das Tumbleweed, welches seine Samen mit Hilfe des Windes verbreitet. Diese Pflanzenteile rollten heute den ganzen Tag vor unserem Wohnmobil über die Straße um sich danach in Zäunen zu verfangen.
Das Telefonieren klappt jetzt übrigens wunderbar, denn sehr oft stehen Telefone auch in Restaurants am Tisch. Da sich Telefonkarten durchgesetzt haben kann von jedem Telefon aus für den Telefonbesitzer kostenlos, mit der Karte telefoniert werden. Gunter rief heute früh beim Kaffee seine Mutter an, während wir auf das Frühstück warteten. Übrigens das erste Frühstück im Restaurant seit wir unterwegs sind, wir waren einfach mal zu faul und das Wetter zu schlecht.
Ein weiteres Telefonat mussten geführt werden, da Esra und Amy so stark erkältet sind, dass ich mit einem Homöopathen sprechen wollte.Esra klagte über Schmerzen im Brustkorb und er hat Schnupfen und Amy ist erkältet und dabei sehr unruhig, ausserdem hat sie immer noch jeden Tag vereiterte Splitter in den Händen. Dr Koch, unser Hausarzt, ist in Urlaub. Komisch, das ist immer so. Aber Dr. Theisen, der Vertretung in der Praxis hat, half mir weiter. Die Homöopathie hat sehr viele Vorteile, was? Die Mittel halfen und den beiden ging es heute abend schon besser.
Was macht man also mit kranken Kindern in schlechtem Wetter? Wir versuchten dem Sturm zu entkommen und fuhren Richtung Norden. Dort hatten wir dann keinen Sand- sondern einen Schneesturm. Das Fahrzeug hatte einen Ölwechsel nötig (alle 3000 Meilen sollte der gemacht werden) und das konnte erledigt werden während die Kinder schliefen. Die Werkstatt war recht eng und das Wohnmobil passte an allen Seiten exakt hinein. Stolz!- ich bin nirgends hängen geblieben. Dann besuchten wir in Price das Prehistorische Museum, in dem wir die Dinosaurier und Indianerkultur anschauen konnten. Esra interessierte sich am meisten für die Indianer.
Ölwechsel
Tipi
Hier noch zwei Bilder vom Museum
Danach ging es weiter im Sturm durch die Berge, es strengte mich an, das Fahrzeug überhaupt auf der Straße zu halten. Die Impressionen der Berge, die durch das Wetter verstärkt wurden, waren jedoch wunderbar. In Provo angekommen gingen wir erst mal in Geschäfte, denn es war immer noch zu windig um draussen etwas zu unternehmen. zuerst waren die Kinder sehr aufgekratzt, dann freundeten sie sich in einem Buchladen jedoch mit einem jungen Mann an, der deutsch spricht. Er hörte geduldig zu und die Beiden überschlugen sich vor Erzähleifer. Von den Edelsteinen für Edeltraud erzählen sie immer, denn sie sind stolz auf die angemalten Steine. Ich fand CD’s die ich schon lage gesucht habe und merke gerade, dass ich sie auf dem Notebook hören kann während ich schreibe. Sehr spät waren wir auf dem Campingplatz und jetzt reicht es mir auch.
mit neuem Freund im Buchladen.
19. April, Provo, Utah
Über heute gibt es nicht viel zu berichten. Viel zu spät erwachten wir, denn die Kinder schlafen immer später ein abends. Sie sind aufgedreht und ziemlich wuselig wenn sie ins Bett sollen. Das hier ist der erste Campingplatz, der für den Internetzugang Geld verlangt. Unfair ist das. Die Bridal Veil (Brautschleier) Wasserfälle sind in der Nähe von Provo und es gibt einen für Kinder geeigneten Wanderweg. Wir fanden den Ort gut, jedoch wird der Weg erst im Mai geöffnet. Schade, keine Natur heute. Daher suchten wir in der Stadt nach einem kinderfreundlichen Restaurant. Wir landeten mal wieder in einer Mall bei einer Pizza, diese bekam uns jedoch überhaupt nicht. Pizzas hier sind recht fettig und diese widerstrebte mir schon beim Essen. Gewaltige Magenprobleme quälten mich danach und Noah machte sogar in die Hose (kein Pipi.). Nachdem ich ihn wieder sauber hatte war mir richtig übel.
In einem Einkaufszentrum sahen wir ein Fotostudio speziell für Kinder. Es war sehr interessant die wunderbaren, kreativen und teilweise „handcolorierten“ Fotos zu sehen.Die Kameras waren alle Digital und ich denke die Koloratur wird auch im Computer gemacht. Etwa 120$ kostet so ein Foto.
Gegen nachmittag klarte der Himmel auf und die Sonne schien. Die Kinder kletterten auf einem Spielplatz, sie fühlten sich wohl. Der Utah Lake ist sehr nah am Campground und wir verbrachten einige Stunden am See. Hier können Noah und Amy Steine werfen und Esra mit dem Treibholz ein Haus bauen. Sind die Wolken erst man weg, kann man sehen, wieviele schöne Berge die Stadt umschliessen und alles wirkt viel freundlicher.
Die Landschaft hat sich seit unserem letzten Stopp völlig geändert. Die Berge sind schneebedeckt, es wächst Gras und auch die Bäume müssen nicht gegossen werden, damit sie wachsen können. Hier blüht viel inmitten der Stadt, viele Tulpen und Bäume. Das alles ist sehr erfrischend nach der Wüste. Nur warm anziehen muss man sich, und morgens wird man möglicherweise vom Rasenmäher geweckt.
Was uns zur Zeit wirklich nervt, ist das Essen. Wir würden gerne etwas herzhaftes zu uns nehmen, dass zudem einen natürlichen Gehalt an Nährstoffen und Vitaminen hat. Seit Monterey, wo wir vor einigen Wochen waren, haben wir kein gutes Geschäft mehr gefunden. Heute kochten wir eine Hühnerbrühe und selbst diese schmeckt süß. Nach Salz ist Zucker der mengenmäßig größte Bestandteil. Und diese Brühe ist von Knorr. Brot fehlt uns sehr. Das labberige Toastbrot nervt. Es ist auffallend, dass den Lebensmitteln zuerst alles entzogen wird, um ihnen dann künstliche Inhaltsstoffe zuzufügen. Das nennt sich dann „enriched“. Gestern freuten wir uns über einen Naturkostladen – wir bekamen einen Schreck. Auch hier gibt es nur labberiges Toastbrot aber viele Vitamintabletten. Der ganze Laden war voller Tabletten. Teils aus Kräutern, aber wo findet man denn naturbelassene Lebensmittel? Entweder wir finden diese Läden nicht, oder es gibt sie nicht. Ich werde mal Leute fragen, die hier wohnen.
Mit den Restaurants ist es auch für uns schwierig. Entweder sie sind bezahlbar aber nicht schmackhaft oder sie sind teuer und das Essen schmeckt. Meist sind die letzteren so nobel, dass man schon am Gesicht der Empfangsdame sehen kann, wie sehr sie sich über drei nette, kleine, ruhige Kinder freut. Unsere sind zudem immer „sehr“ sauber.
20. April, Provo –> Twin Falls, Idaho
Nach einem Email Check fuhren wir einkaufen und ich bin eigentlich beruhigt, dass es kein gutes Brot gibt. Wir hätten nichts für drauf, denn guter Käse ist unbezahlbar. Ein Kilo Gouda, von wenig guter Qualität, kostet sage und schreibe 50 DM. Eine kleine Packung Boursin kostet 11 DM, unglaublich was? Leute esst Käse, ihr wisst gar nicht wie gut es euch geht. Ich esse nur Hüttenkäse und der schmeckt lecker, es könnte jedoch passieren, dass er mir in ein paar Wochen aus den Ohren raus kommt. Gunter meinte gerade, ich sollte auch erwähnen, dass er gute Wurst, Schinken und Salami vermisst. Wie beim Käse. Nach weiteren Bücherkäufen fuhren wir in Richtung Salt Lake City. Eigentlich hatten wir vor, dort einen Tag zu verbringen. Schon einige Kilometer vorher konnte man den Smog und die große Stadt sehen sehen, den großen Salzsee sah man jedoch nicht. Bauarbeiten rund um die Stadt, für die Olympischen Winterspiele 2002, erschwerten auf zig Kilometer Länge das Vorankommen. Kurz entschlossen fuhren wir also weiter, um wieder zurück in die Natur zu kommen. Wieder wechselt die Landschaft ihr Bild und es ist Landwirtschaft angesagt. Nach einigen Stunden im Fahrzeug wird es den Kindern logischerweise langweilig und wir versuchen sie zu unterhalten. Am Abend fanden wir einen Spielplatz und da konnten sie alle toben während ich versuchte, die Wäsche sauber zu bekommen. Richtig sauber wird sie leider nie. Einmal kam sie glatt schmutziger raus als ich sie reingesteckt habe, vielleicht ein neues Wunder?
Ein Abenteuer besonder Art ist das Duschen. Was, das könnt ihr euch nicht vorstellen? Ganz einfach. Ich friere und möchte mich unter der Dusche entspannen und aufwärmen. Mir ist also schon kalt, wenn ich in den Raum reinkomme. Ich ziehe mich im engen Kabinchen aus und friere noch mehr, weil keine Heizung, sondern die Klimaanlage läuft. Brrr! Also schnell unter das heiße Wasser. UHMM, es ist aber KALT und ich kann nicht weg, weil das Kabinchen zu eng ist. Nach einer ewig langen Zeit wird das Wasser dann heiß, zu heisß und ich drehe hektisch eine achtel Umdrehung am Hahn, und was passiert? Es wird ganz plötzlich wieder eiskalt. Brrr. Schnell wieder andersrum und möglichst klein machen, denn die Klimaanlage bläst auf die Stellen, die nicht vom spärlichen Wasserstrahl getroffen werden. Dann muss ich doch irgendwann das Wasser abdrehen, wenn ich Glück habe wirds nochmal kurz eisig und dann im engen Kabinchen anziehen. Die Klammotten rutschen nicht so doll auf der noch feuchten Haut und ich wackele rum. Aber endlich habe ich es geschafft. Meine heiße, entspannende Dusche ist beendet und wieder einmal habe ich sie sogar überlebt. Noch lustiger ist es übrigens, wenn eines der Kinder mitduscht, denn dann ist der unfreiwillige Temperaturwechsel nicht nur spür- sondern auch hörbar. Und es ist besonders lustig, im kleinen Kabinchen mit zweien und einmal lief Amy nackig raus und war gerade dabei, das Handtuch ins Klo zu stopfen. Wie komm ich bloß auch nackig hinterher, wenn das Handtuch weg ist?
21. April, Thousand Springs, Idaho
Pläne? funktionieren nicht.
Esra und Noah essen nicht so gut, da sie einiges nicht kennen. Deshalb kaufte ich gestern diese Schüsseln, die denen der Teletubbies ähneln, und siehe da sie wurden leer. In diese Dinger ist einfach ein Strohhalm eingebaut. Die Kinder können dann Suppe oder Milch von den Cornflakes leer trinken, ohne die Schüssel anzuheben.
Heute früh fuhren wir zu den Shoshone Falls, die beeindruckend sind und wie immer, wenn etwas beeindruckend ist, kostet es Eintritt. Als könnte jemand einen Wasserfall besitzen. Das fällt mir immer mehr auf, auf dieser Reise. Vor 7 Jahren konnte man wenigstens ab und zu etwas kostenlos sehen. Wir haben in doppelter Hinsicht Glück: Im Frühling rauscht es kräftig, denn es ist noch viel Wasser da. Später wird das meiste davon für die Landwirtschaft abgezogen. Überall stehen Bewässerungsrohre auf Rädern, denn ohne zusätzliches Wasser scheint nichts zu wachsen. Und zweitens steht morgens die Sonne so gut, dass ein Regenbogen über die ganze Fläche zu sehen ist. Wunderschön sah es aus und wir konnten in aller Ruhe fotografieren ehe die Menschenmassen kamen.
Stellt euch das Rauschen vor.
Unser Plan war, später, wenn das Licht besser ist nocheinmal zu kommen. Drei Meilen in Richtung Osten gibt es die Twin Falls, nach denen die Stadt benannt ist und diese wollten wir dann auch besichtigen. Aber zuerst waren wir alle hungrig und daher suchten wir ein Restaurant. Das im Prospekt genannte chinesische hatte keinen Parkplatz für uns. Gunter dachte, dass wir dann ja in Richtung der heißen Quellen fahren könnten, die auch einen Campingplatz angeschlossen haben. Wir fuhren und fuhren und irgendwann meinte ich, dass es wohl zu weit zum zurückfahren ist. Also keine Wasserfälle am Abend. Die Hot Springs mit Campingplatz, die wir herausgesucht hatten waren seltsam. Die Fahrzeuge standen sehr dicht und die Pools kosteten extra Eintritt, und zwar 5 $ pro Person und Stunde. Einen Platz auf dem Campingplatz könnten wir noch bekommen aber am Teich. In dem würden reichlich Alligatoren schwimmen, das wüde uns ja nicht stören. Ha? Nein, nein nur weg. Amy und Noah lieben Seen. Gunter meinte Alligatoren wären doch interessant für die Kids – Scherzbold. Na ja, zum nächsten Campingplatz mit Hot Springs. Der macht am Osterwochenende auf, haben wir doch, oder? Nein, nicht in den USA. Da fängs alles erst morgen an. Also noch weiter. Dann endlich ein Campingplatz der offen ist und ein Pool hat, dass man bezahlen kann. Amy musste übrigens eine spezielle Windel fürs Schwimmbad anziehen, kostet extra. In die Hot Mineral Tubs konnten wir auch hier nicht, 6,50 $ pro Person und Stunde. Aber wir schwammen so eine Stunde und gingen dann noch am Fluss ohne Alligatoren spazieren. Es gab ein Gewitter und Regen mit schönem Regenbogen. Der erste Regen, den wir richtig aufs Dach prasseln hörten seit wir unterwegs sind. Wir haben eine wunderbaren Aussicht, denn gegenüber vom Fluss, dem Snake River, befinden sich viele Wasserfälle. Ich konnte zwar keine Tausend zählen, aber daher der Name vom Ort.
22. April, Boise, Idaho
Ohne große Ereignisse fuhren wir nach Boise, eine recht langweilige Strecke, durch ein Sandsturmgebiet, den wir glücklicherweise nicht antrafen. Boise interessiert mich schon sehr lange, denn der Name bedeutet „die Stadt der Bäume“ und ich wollte wissen, ob der Name der Stadt gerecht wird. In der Stadteinfahrt von Osten her bekommt man nicht den Eindruck, aber, die Wohngebiete sind wunderschön. Jedes Grundstück hat mehrere alte Bäume und von weitem sieht das Wohngebiet aus wie ein Wald. Sehr angenehm. Insgesamt hat die Stadt auch nicht die abschreckende Grösse. Sibylle, eine Freundin, wegen der wir hier her gefahren waren, wohnt im Vergleich zu San Francisco, wo sie eine sehr kleine Wohnung hatten, sehr schön.
Jedenfalls versuchte ich von unterwegs Sibylle anzurufen. Dummerweise erreichte ich sie nicht und wir wussten in Boise nicht wohin, da die Straße nicht in der Karte stand. Gleich die erste Einfahrt in Boise führt zu einem Factory Outlet. Freu – da kann man direkt von den Firmen günstig einkaufen. Ein Levis Laden war auch dabei und Rosi, meine beste Freundin, braucht Jeans, die es in Deutschland nicht gibt. Für 30$ konnte ich sie kaufen und damit ich auch die korrekte Menge und Farbe mitbringe rief ich sie direkt an und fragte nach. So einfach geht das mit den Telefonkarten. Gunter und ich bekamen eine Hose für „Besser“, also eine beige Stoffhose und Esra und Noah auch jeder ein Hemd. Braucht noch jemand Jeans, falls wir wieder mal ein Levis Outlet sehen?
Ich rief wieder Sibylle an und niemand war da, also beschlossen wir, durch die Wohngebiete zu fahren. Wir fanden die Straße aber nicht. Das Visitorcenter konnten wir mit dem Wohnmobil nicht anfahren, weil es keine Parkmöglichkeit gibt. Dumm was? Ein bewachter Parkplatz kostete doch glatt 20$ und wir brauchen 2 Stellplätze. Besser nicht.
Wir tankten und drucksten rum und endlich erreichte ich Sibylle und endlich parkten wir unser Wohnmobil vor deren Garage. Die Kinder gingen sofort mit Sean und Dean, Sibylle’s und Gary’s Söhne, auf das große (!) Trampolin im Garten. Jetzt konnten sie richtig mit großen Jungs toben. Amy liebte den Border Collie Alex sofort, oder umgekehrt?
typisch Border Collie, der hält die Kinder zusammen, wenn er schon keine Schafe bekommt
Das ist ein Knäuel aus Sean, Dean, Noah und Esra auf dem Trampolin
Es war schön Sibylle und ihre Familie, die wir nur alle paar Jahre sehen, mal länger zu treffen. Die Kinder spielten toll miteinander, obwohl die Verständigung schwierig war und für uns war es ein gutes Gefühl in einem echten Haus zu sein. Sibylle hatten wir zum ersten Mal in SF vor über 10 Jahren getroffen. Ihr Vater, einer von Gunter’s Arbeitskollegen, bat uns damals darum und seither sind wir Freunde. Sie ist damals als Au Pair nach SF gekommen und verliebte sich dann in ihren jetzigen Mann. Jetzt ist sie Amerikanerin und es ist schade, dass sie mit den Söhnen nicht Deutsch gesprochen hat. Jedenfalls hatten wir eine tolle Zeit, auf dem Trampolin, im Garten und beim Grillen. Wir schliefen im Wohnmobil weil das am einfachsten ist und am morgen rief Esra Sibylle an, denn Gary hatte sein Handy im Wohnmobil gelassen.
23. April, Boise, Idaho
Sibylle war dem Internet gegenüber eher negativ eingestellt daher zeigte ich, was positiv daran ist. Wir schauten, ob Yellowstone schon offen ist und fanden die Information recht schnell: ab Mitte April. Border Collies interessierten uns und wir suchten etwas über diese Hunde im Netz. Und siehe da ein Border Collie namens Riley in Boise sollte schnellstens ein Zuhause finden, denn ansonsten würde die Hündin am nächsten Tag eingeschläfert werden. Entsetzt schauten wir auf den Bildschirm bis plötzlich Sibylle eine Idee hatte: es gibt einen Border Collie Rescue. Von dieser Organisation werden diese Hunde aus den Tierheimen geholt. Border Collies sind so intelligent und müssen ständig beschäftigt werden, dass Tierheime auf sie eine sehr negative Wirkung haben. Wenn sie andere Hunde ständig bellen hören und mit zu vielen Hunden zusammen eingesperrt sein müssen und nicht gefordert werden, werden sie hysterisch. Das wiederum führt dazu, dass niemand einen solchen Hund nehmen möchte und das führt wiederum dazu, dass sehr viele Border Collies eingeschläfert werden. Daher setzt sich diese Organisation für die Hunde mit den besonderen Anforderungen ein. Also hier Sibylles Plan: Sie rief in dem Tierheim an, in dem Riley war und hinterließ die Nummer von der oben genannten Organisation. Dann rief sie die Organisation an und hinterließ die Nummer vom Tierheim und beide bekamen Sibylles Nummer. Der Plan funktionierte: Bis zum Abend hatte Riley ein neues Zuhause und wir alle waren glücklich. Soviel zu den Vorteilen des Internets und eines guten Menschen. Danke Sibylle!
Hier ist Sibylle mit Esra, der gebadet hatte und von ihr die Haare gewaschen bekam
Gary, von Sean fotografiert
Die Kinder spielten den ganzen Tag im Garten und auf dem Trampolin und alle waren irgendwann tierisch müde, dass weiteres Spielen gefährlich wurde. Jetzt nach 6 Wochen auf der Reise haben sich die Kids daran gewöhnt während der Fahrt zu schlafen und das fehlte an diesem Tag. Ausserdem waren alle am Tag zuvor bis 12:00 Uhr nachts auf, definitiv zu wenig Schlaf. Zur Beruhigung durften dann alle einen Walt Disney Film anschauen und das Gelächter war groß. Ansonsten merkten wir nicht, dass Ostersonntag war. Viele Geschäfte hatten geöffnet, die Nachbarn mähten den Rasen, die auf der anderen Seite bauten ein Whirlpool ein, und Sibylles Familie feierte auch nicht mit Ostereiern.
Esra baute die Rohre des Whirlpools um und Noah sprang auf dem Trampolin. Amy mag das übrigens auch sehr gern. Gunter und ich spielten mit Alex, den Border Collie. Irgendwie fehlt uns unsere Scharek. Esra hörte zu, als mir Sibylle vom Labrador erzählte, der wenige Monate zuvor gestorben war. Er erzählte das wiederum Noah der dann später völlig aufgelöst zu mir kam. „Ich will aber, dass Scharek noch lebt, wenn wir heimkommen. Ich will ihn streicheln.“ Zum Glück konnte ich Noah beruhigen. Man sollte vorsichtiger sein, über was man redet.
Sean in der Küche
Dean mit Alex im Selbsportrait
Damit unser Fahrzeug zukünftig bessere Musik hat, überspielte ich meine gekauften CD’s auf Kassette, wir wuschen Wäsche, die diesmal auch richtig sauber wurde, und saßen abends vorm Kaminfeue. Die Wärme eines Feuers ist so angenhem. Sean und Dean hatten viel Spaß mit dem Notebook und den Computerspielen von Esra und Noah und sie machten wahnsinnig viele Bilder mit unserer Digitalkamera. Tolle Sachen kamen dabei raus.
Also alles in allem ein ruhiges und erfolgreiches Wochenende. Herzlichen Dank an Sibylle und Gary.
24. April, Stanley
Sibylle und Gary mussten arbeiten und die Jungs in die Schule. Kein Feiertag. Wir verabschiedeten uns recht früh.
Das Wohnmobil zeigte wieder dieses „Service Engine Soon“ an und wir mussten in die Werkstatt. Boise ist recht groß und hat daher einige Werkstätten, ein guter Ort also. Nach einem Gespräch mit Cruise America fuhren wir eine Ford Werkstatt an und kamen wieder sofort dran. Der Mechaniker arbeitete, während wir im Wohnmobil blieben und zusahen. Schnell spürte er die Probleme auf. Ein Rohr war nicht angeschlossen und daher kamen die Benzindämpfe aus dem Tank und die Lampe leuchtete. Das letzte Mal wurde einfach die Lampe abgeschaltet, jetzt ist der Fehler behoben. Und die Cruise Contol, also der Tempomat, der bisher nicht funktionierte, wurde endlich und wahrscheinlich zum ersten Mal eingeschaltet. Nach etwa 45 Minuten war alles fertig und nach einer Unterschrift mit den Worten „auf Garantie“, fuhren wir weiter.
Zwei große Buchläden gibt es in Boise und dort ließen wir etwas Geld. Für Sibylle kauften wir ein Buch über Border Collies und legten es vor ihre Tür.
Für diesen Tag hatten wir uns vorgenommen nach Stanley zu fahren. Das liegt in den Bergen, nördlich von Boise. Die Strecke ist wunderschön. Klare Flüsse, grüne Hügel, Seen und urige Blockhütten. Immer höher geht es hinaus in den Schnee und es wurde alpiner mit viel Nadelwald. Doch mit einem Schild fing es pötzlich an: Lawinengefahr. Und kurz darauf sahen wir warum. Die Berge waren kahl bis auf wenige tote Bäume. Wurde hier Kahlschlag betrieben, wie ich schon gelesen habe? Dann werden alle großen Bäume geschlagen und mit Hubschraubern herausgeholt. Diese zerstören durch den Sog ihrer Propeller die Bäume, die noch stehen. Und danach wird das ganze Gebiet mit Napalm (!) eingenebelt und das restliche Leben zerstört. So sah es aus und bis jetzt konnten wir nicht herausfinden, was passiert ist. Ein Mann sagte ein großen Feuer hätte den Wald zerstört aber dazu sah ich viel zu viele Baumstümpfe. Ich werde morgen nocheinmal fragen. Auf einer Strecke von mindestens 30 Minuten (40km) war der Wald tot.
Der ausgesuchte und ab April offene Campingplatz war nach 3 langen Stunden Fahrt geschlossen. Zum Glück konnten wir im Dorf (69 Einwohner) auf einem Motelparkplatz einen Stellplatz bekommen. Mit wunderschönem Blick auf die Sawtooth Mountains (da die Bergkette gezackte Gipfel hat). Es ist recht kühl und ich hoffe wir frieren nicht, die Heizung brummt jedenfalls dauernd.
25. April, Craters of the Moon
Noch eine kurze Information zu Stanley: Das ist der einzige Ort in den USA an dem sich drei Scenic Routes (also Straßen durch besonders schöne Gegenden) treffen. Schön ist es wirklich (von dem toten Wald mal abgesehen).
Ich fror die ganze Nacht, trotz dreilagiger Kleidung. Die anderen sind warm. Warum bin ich auch so verfroren? Das Wetter war nicht erfreulich, denn die schönen Berge, die Abends zuvor noch da waren, waren in Wolken verschwunden. Es nieselte, manchmal schneite es auch und es wurde Zeit den Berg zu verlassen. Einen Pass mussten wir glücklicherweise nur überqueren und der reichte mir auch. Die Abhänge an der Straße erlauben keinen Fehler und daher fuhr ich extrem langsam, denn die Straße war rutschig.
Mit einem SW Film hätte man sehr schöne Bilder machen können aber mir war es lieber uns mit den Kindern sicher aus diesem Gebiet zu bekommen. Nach der Abfahrt war ich so KO, dass ich Gunter bat zu fahren und ich ruhte mich dann im hinteren Bett aus. Wir kamen gegen Mittag im Craters of The Moon National Park an. Hier wie auch im Sunset Crater National Park bei Flagstaff, gibt es Vulkane. In diesem Park gibt es eine ganze Menge und sie sind zuletzt vor 2000 Jahren ausgebrochen. Im Visitor Center kann man sich gut informieren. Es gibt Schautafeln und einen Film über die Gegend. Alle drei Kinder hatten am Film den größten Spaß, während sie ihn zum zweiten und dritten Mal schauten sah ich die Bücher an. Beim Rausgehen machte Amy ein Regal kaputt, peinlich. Es war richtig kaputt. Ich entschuldigte mich und spendete etwas mehr. Dann im Park wanderten wir den Inferno Cone, (1884m) hoch. Da ein kräftiger Wind wehte und die Luft recht kalt ist, war es ziemlich anstrengend. Aber auch die Jungs schafften es. Unterwegs betrachteten wir die Steine, die außergewöhnlich leicht sind, typisch Basaltgestein. Das glitzert so schön und Esra und Noah freuten sich über so viele „Edelsteine.“
ein Baum auf dem Gipfel, der zog die Kinder magisch an
einer der Sputter Cones
Wir hätten gerne mehr angesehen aber alle drei schliefen sofort ein nachdem wir weiterfuhren. (Noch Schlaf nachholen nach dem Wochenende bei Sibylle?) Wecken hat dann keinen Sinn und eine Nacht wollten wir nicht verbringen, denn es war zu kalt und stürmisch. Sehr interessant ist dieser National Park, denn er bietet die vielfältigsten Sehenswürdigkeiten Vulkane betreffend, so z.B. Höhlen, die entstehen, wenn die Lava oben im Lavafluss erstarrt und unten weiterfliesst. Ausserdem kann man die Auswirkungen der Vulkanausbrüche aus den verschiedensten Zeiten bestaunen und vor allem was das Wetter nach all den Jahren daraus macht.
Also auf nach Idaho Falls, die nächste grössere Stadt auf dem Weg nach Yellowstone. Sehr langweilige Strecke, sehr gut, dass wir jetzt den Tempomat haben.
Heute abend gab es mexikanisches Essen, hmmm scharf. Meine Halsschmerzen waren am nächsten Morgen weg. Und dann Wäsche waschen und Bericht schreiben. Das Internet kostet hier wirder was aber glücklicherweise nur 50c.
Mithilfe eines Buches kann man alles besser erklären: hier geht es um Vulkane, Geysiere und Erdbeben
26. April, Grand Teton National Park, Wyoming
Unser Plan war es, durch den Grand Teton National Park nach Yellowstone zu fahren. Ich suchte im Internet den Wetter- und Straßenbericht und da keine gesperrten Straßen angegeben waren (ich hatte nur nach Yellowstone gesehen) fuhren wir los. Die Scenic Route zum National Park ist atemberaubend. Der Snake River, den wir schon in Twin Falls bestaunt hatten und der uns immer wieder begegnete, fliesst elegant durch die Berge. Vom Palisades Damm wird der Fluss zum langen, in den Bergen liegenden Palisades Lake gestaut. Die Fahrt entlang ds Sees ist ergreifend. Dann werden die Berge immer höher und schneebedeckter. Der Blick auf die Grand Tetons ist schlicht weg grandios. Im Visitor Center erfuhren wir dann, dass die Straße zum Yellowstone National Park geschlossen ist. Pläne? In der Einfahrt zum Grand Teton erfuhren wir dann, dass im Prinzip auch der ganze Park, bis auf 4 Meilen, geschlossen ist.
Dumm, und der Weg ausenherum ist weit. Echt! Es gibt so viel unbewohntes Land, kaum zu glauben. Campingplätze gibt es übrigens auch kaum, denn es ist zu früh und das Wetter zu unbeständig. Wir wanderten 1 Stunde, damit alle raus kamen und wir wenigstens etwas vom Park sehen konnten. Die Grand Tetons sind noch schöner näher dran und der Park ist für die Sommermonate sicher bestens zu empfehlen, denn die Wanderwege führen ziemlich weit in die Berge hinein und es gibt einige Seen. Vielleicht kommen wir irgendwann mal wieder. Wir packten es jedenfalls zur großen Freude von Noah an einen kleinen Wasserfall. Dort trafen wir ein Murmeltier, welches recht scheu war aber unsere Geduld ermöglichte schöne Bilder (leider nicht mit der Digitalkamera).
Damit wir die Strecke noch schafften, die uns unerwünschter Weise aufgebürdet wurde, fuhren wir nach einem selbst gekochten Mittagessen los. An „normalen“ Tagen versuchen wir nicht mehr als 3 Stunden, und die in der Mittagszeit, zu fahren. Das klappt sehr gut, denn so haben die Kinder trotz ständig wechselnder Umgebung ihre nötige Routine. (Bei Sibylle haben wir gemerkt, was geschieht, wenn diese gestört wird – es ist zu anstrengend für die Kinder die Ereignisse zu verarbeiten). Heute fuhren wir länger und es endete nicht gut.
Weitere Straßen, die wir benutzen wollten waren im Winter gesperrt, also jetzt noch, Ende April noch unbefahrbar. Wir fanden keinen Campingplatz und fuhren und fuhren. Dann endlich eine Tankstelle und ein Schild RV! Gunter tankte mit der Kreditkarte, denn die Tankstelle hatte schon geschlossen. Dann ging er zum Office des Campingplatzes und ich fuhr hinterher. Das Office war zu und kein Campingplatz in Sicht. Wieder auf der Straße fuhr ich dann über ein Hindernis, irgendetwas scharfkantiges, und ein unverkennbares Geräusch – pffffffffffffffffff. Ein hinterer Reifen war platt. Hier gibt es Nichts. Nur eine geschlossene Tankstelle und ein nicht vorhandener Campingplatz. Da das Wohnmobil hinten Doppelreifen hat, fuhren wir bis zum Telefon an einem geschlossenen Restaurant. Dort erreichte Gunter nach einer halben Stunde Cruise America. Wir bekamen Instruktionen, was zu machen ist: Den Reifen wechseln lassen, die Rechnung aufheben, denn es wird ersetzt und dann einen neuen Reifen bei Goodyear besorgen. Werkzeug gibt es im Wohnmobil nicht, da die Reifen nicht selbst gewechselt werden sollen. Ich glaube das ist auch nicht so einfach. Nur leider sind wir mitten im Nichts, vor Yellowstone im April. Wir könnten langsam bis zur Werkstatt weiterfahren, was wir taten, nur leider war diese auch schon zu. Einen Campingplatz gibt es nicht und somit stehen wir auf einem Tankstellenparkplatz für die Nacht. Ein Truck leistet uns seit 2 Stunden Gesellschaft, worüber sich die Jungs gefreut haben. Wir erreichten jemanden, der hinter der Tankstelle wohnt und baten um Erlaubniss, hier übernachten zu dürfen. Das ist in Idaho, wo wir sind, erlaubt. Morgen früh wird um 9:00 Uhr jemand den Reifen wechseln und dann können wir hoffentlich nach Yellowstone. Und jetzt waren wir so nach dran, dass wir ganz früh im Park hätten sein können.
Am nächsten Morgen beim Reifenwechsel. Das klappte problemlos, und ich weiß nun warum kein Werkzeug im Fahrzeug ist. Wir hätten das nie geschafft. Einen neuen Reifen müssen wir nun besorgen.
27. April, Yellowstone, Wyoming
Der Reifenwechsel klappte und es ging ohne Ersatzrad weiter in Richtung Yellowstone. Dieser Park, der der erste Naturschutzpark weltweit war (seit 1872), ist schwer zu beschreiben, denn er bietet unheimlich vielfältige Attraktionen. Der Name Yellowstone kommt vom gelben (Yellow) Gestein (Stone) im Canyon des Parks. Es gibt nirgends mehr Geysire als hier, auch nicht in Neuseeland und Island. Dieses Gebiet wurde von großen Vulkanausbrüchen, vor 2 und 1,2 Millionen Jahren und der letzte vor 600 000 Jahren, geformt. Es enstand ein 28 mal 47 Meilen großes Becken, in dem der Vulkan noch durch die heissen Quellen, die Geysiere und Fumarolen tätig ist. Landschaftlich gibt es Wüsten im Norden, alpine Gebiete Nahe des Mount Washburn und auf 60% des Parkgebiets wachsen Wälder.
Benutzt man den westlichen Eingang des Parks, kann man einen Eindruck davon bekommen, was Waldbrände bewirken können. 1988 brannte es in Yellowstone und das Feuer richtete im Park sehr großen Schaden an. Jetzt nach 12 Jahren kommen kleine Bäume nach, es wird jedoch noch viele Jahre dauern, bis das Gebiet wieder annähernd wie ein Wald aussieht.
Die meisten Straßen sind Ende April noch geschlossen und daher hatten wir nicht sehr viel Auswahl, was nicht heißt, dass man sich in diesem Gebiet allein Wochen aufhalten könnte ohne, dass es langweilig wird. Wir entschieden uns für den weltberühmten Geysir, Old Faithful, und schon auf dem Weg dorhin konnten wir einen Eindruck der unglaublichen Schönheit des Parks erleben. Überall dampft und sprudelt es, und wir entdecken viele Tiere. Das alles kombiniert mit Bächen, Flüssen und Bergen macht die Reise fast unwirklich. So war es vor hunderten Jahren in vielen Gegenden der USA (von den vielen heißen quellen mal abgesehen) und wir stellen uns immer wieder vor, wie sich die Indianer gefühlt haben müssen, die ja bis zur Einbürgerung der Pferdes (durch die Spanier im 15. Jahrhundert) zu Fuß unterwegs waren und dann die Siedler, die mit ihren Planwagen durch das ungestörte (unberührt stimmt nicht ganz, denn die Indianer lebten hier schon) Land kamen.
Ich fuhr ganz langsam, damit wir alles in uns aufnehmen konnten und wir sahen Koyoten, die an Büffelherden vorbeizogen. An den Bächen wohnen außergewöhnliche Vögel und es gibt verschiedene Reharten. Die Tiere werden nicht verscheucht, weil glücklicherweise zu dieser Jahreszeit kaum Touristen da sind, denn das Wetter ist unstabil und kann von schönem Sonnenschein zum Schneesturm wechseln und das innerhalb von Minuten. Wir hatten Glück, denn die Sonne schien und erst als sich Wolken zusammenzogen fuhren wir weiter.
Im Jahre 1900 gab es nur noch 50 Büffel, jetzt sieht man sie hier in Yellowstone wieder überall. Die Besucher sollen ihnen jedoch nicht zu nah kommen, denn sie greifen an, wenn es ihnen zu viel wird.
Als wir am Old Faithful ankamen sprühte gerade das Wasser nach oben, das heisst dann, dass die nächste Eruption ca. 80 Minuten auf sich warten lässt. Wir bereiteten also unser Mittagessen, Salat und Eier mit Brot, vor und genossen die Ruhe. Ziemlich pünktlich hatten wir dann die Kameras aufgebaut und wir versuchten Langzeitaufnahmen zu machen. Eine Eruption dauert jedoch nur wenige Minuten und ich machte das Bild mit der Digitalkamera erst, als das Beste vorbei war.
Damit man bei der Besichtigung der heißen Quellen, Schlammpools und Fumarolen keine heißen Füße bekommt, wurden Holzstege gebaut. Das thermale Gebiet ist für Besucher recht gefährlich, denn die Erdkruste ist teilweise sehr dünn und Menschen können in kochendes Wasser, oder machmal auch Säure einbrechen. Bären halten sich jedoch nicht an die Hinweisschilder, dass man auf dem Weg bleiben soll, wie die Fussspuren bezeugen. Bären haben wir nicht getroffen. Die Digitalkamera behielt ich im Dampf der Quellen auch in der Tasche, denn sie ist zu empfindlich. Ich hoffe, dass meine Olympus diesen anstrengenden Ausflug überlebt. Ab und zu blieb mir im Schwefelgestank die Luft weg, aber ich bekam keinen Asthmanafall. Wahrscheinlich war ich dazu zu beschäftigt. Auf diesem Bild sieht man den abgebrannten Wald im Hintergrund.
Erst gegen abend fuhren wir an den nördlichen Ausgang des Parks um uns dort einen Campingplatz zu sichern. Danach wanderten wir noch einmal für 2 Stunden an den Mammoth Hot Springs, welche schöne Terassen bilden. Esra rief plötzlich recht aufgeregt:“Ein Coyote.“ Dieser lief nur wenige Meter an uns vorbei und erkletterte die Terassen. Ein sehr schöner Anblick. Ich bin übrigens der Meinung, dass Coyoten immer so aussehen wie gestresste Geschäftsmänner. Ohne nach rechts oder links zu schaün immer schnell geradeaus. Hier ein Bild ohne Coyote, denn wir alle waren nur platt.
Dann unterhielt ich mich mit einem Ehepaar, deren Englisch so seltsam klang. Ich schloss haarscharf vom Känguru auf dem T-Shirt auf Australien und lag „fast“ richtig – sie kommen aus Tasmanien. Gunter war schon vorgegangen und ich stellte ihm unsere neuen Freunde vor. Wahnsinn, man trifft jemanden und noch dazu aus einem fernen Land und man versteht sich wunderbar. Wir tauschten Karten und Emailadressen aus und sagten Tschüß. Und dann viel später Abends, ich war mal früh im Bett, weil ich keinen Strom mehr für den Computer hatte, klopfte es an unserer Tür. Das erste Mal, seit wir unterwegs sind. Und siehe da, Mark und Lorainne standen mit 8 Bier da. Wir unterhielten und bis 12:30 Uhr so nach und nach waren alle Kinder eingeschlafen und es wurde ruhiger. Damit wir wissen, wie es in Tasmanien aussieht, bekamen wir einige Postkarten, unter anderem von einem Tasmanischen Devil (Teufel), der wegen des fürchterlichen Geschreis diesen Namen bekam. Der Schrei sei ganz schrill und Gunter und ich lachten, denn manchmal haben wir drei Tasmanische Teufel im Wohnmobil. Ein sehr schöner Abend. Herzlichen Dank an Mark und Lorainne.
28. April, Yellowstone, Wyoming
Irgendwie waren wir alle müde, komisch was? Recht spät also, nach einem Haferbreifrühstück, fuhren wir wieder in den Park. Zu den Undine Falls zum fotografieren. Aber irgendwie klappte es nicht gut, denn das Licht war ungünstig. Dann wanderten wir noch für eine Stunde zu einem anderen Wasserfall, der auch schlecht zu fotografieren war. Die Wanderung machte jedoch Spaß. Ich hätte gern noch einmal die Terrassen fotografiert aber als wir wieder dort waren, war auch hier das Licht schlecht. Man müsste wirklich viele Tage, oder gar Wochen, wahscheinlich eher Monate, in einem Park bleiben um spitzen Fotos zu machen. Vielleicht irgendwann einmal?
Hier eine heisse Quelle, die Farbe im Vordergrund entsteht durch Bakterien und Algen.
Wir haben uns nun entschieden doch nicht gleich nach Kanada hineinzufahren, denn im Gebirge ist es noch zu kalt und zu viele Straßen sind gesperrt. Daher fahren wir nun quer durch Montana und Idaho und dann nach Washington und von dort nach British Columbien. Die Fahrt war sehr interessant heute, denn das vorhergesagte Wetter ging überall als Schnee und Regen herunter, was zu wunderschönen Impressionen führte. Wahscheinlich wären wir in Yellowstone nun eingeschneit.
In den Bergen von Montana, sehr einsam, aber wunderbar.