Im Jahr 2017 bin ich sehr spät in die Smartphone-Fotografie eingestiegen. Das hatte meiner Meinung nach große Vorteile, so spät damit anzufangen. Ich kann die Fotografie mit dem Smartphone dadurch wesentlich besser genießen. Warum das so ist und warum der Spaßfaktor für mich enorm wichtig ist, beschreibe ich in diesem Artikel.

Gabi bei der Arbeit, Ostseeküste – Selfie mit dem Smartphone
Hurra, mein erstes »richtiges« Smartphone
Durch einen Glücksfall fand ein Huawei Mate 9 Smartphone zu mir. Ich fang am besten ganz von vorne an: Astrid, eine langjährige Blogleserin, die wir durch unser Geschreibsel zu Wohnmobiltouren angeregt hatten, war zufällig mit Ehemann und neuem Wohnmobil in unserer Gegend unterwegs. In der Lieblingspizzeria und ein paar Tage später beim Chinesen, tauschten wir beim Essen angeregt Tipps und Erfahrungen zum Reisen mit dem Mobil aus. Wir sprachen über die Fotografie während ein laut donnerndes Gewitter ergiebigen Regenmengen über uns herabschüttete. Blitze zuckten einer nach dem anderen vom Himmel. Gerds Wetterapp zeigte den Wolkenverlauf und wir wussten genau, wann der Regen wieder aufhören würde. Fantastisch, auf der App zogen die Wolken über die Landkarte, und im wahren Leben machten sie das auch, und zwar auf die Minute exakt. Diese Info war uns wichtig, denn wir waren alle mit dem Rad unterwegs. Wie nützlich doch Smartphones sein können. Jetzt verschob sich das Gespräch hin zu den Smartphones und wie gut die Dinger mittlerweile sind.
Ok, ok mein erstes Smartphone war ein Lumia 650 Dual SIM
Ich saß mit meinem günstigen Windows-Phone am Tisch und staunte beim Vergleich. Wegen mangelnder Systempflege ist mein Smartphone gar nicht mehr so smart, sondern primär Phone. Die Karten-App MapsMe hätte ich so gern, die gibt es aber für das Windows-Phone nicht. Genauso wenig wie ein Schrittzähler oder so ähnliche banale Apps. Zum Fotografieren nutzte ich das Windows Smartphone kaum, aber ich filme damit recht gern. Und weil es Dual-SIM fähig ist, ist es auf Reisen mit einer lokalen SIM-Karte mein Internet-Router.
In letzter Zeit hatte ich immer öfter darüber gelesen und gehört, dass man mit Smartphones ernsthaft fotografieren kann. Die Qualität der Fotos ist so überzeugend, dass sie mittlerweile die Kompaktkameras fast vollständig vom Markt verdrängt haben. Bei einem Kölner Bloggertreffen durfte ich das damalige Top-Windows-Phone Lumia 950 eine Woche lang ausprobieren, aber ernsthaft habe ich die Smartphonefotografie bislang nicht betrieben. Die Fotoqualität hatte mich vor zwei, drei Jahren noch nicht so überzeugt, dass ich viel Geld für dieses Spitzenmodell investieren wollte. Vor allem aber störte mich, die eingeschränkte Auswahl an Windows Smartphone Apps. Nun, das Thema hat sich jetzt eh erübrigt. Es war im Rückblick richtig, dass ich mir die Ausgabe damals sparte.
Fotografie mit Smartphones
Mein Smartphone hatte also keine der coolen aktuellen Foto-Features, es war mir aber trotz all der Mängel ans Herz gewachsen. Ich hatte es halt immer in der Hosentasche, als Notitzgerät ist es durchaus brauchbar und ich hatte immer allerlei »ernsthafte« Reisefotos von meiner Spiegelreflex zum Vorzeigen drauf.
Astrid, die Smartphone Expertin
Astrid ist Smartphone Expertin. Sie ist eine leidenschaftliche Fotografin mit einem begnadeten Blick fürs Motiv, sie probiert gerne und intensiv neue Technologien aus, in diesem Fall High-End-Smartphones. Astrids Empfehlung und Einschätzung der Smartphonefotografie machte mich unglaublich neugierig. Anscheinend strahlten meine Augen so sehr, dass Astrid mir kurze Zeit später ein Huawei Mate 9, welches bei ihr ungenutzt herumlag, günstig verkaufte. Großartig! Ich kann hier gar nicht beschreiben, wieviel Spaß ich während der nächsten Wochen hatte.
Ich weiß, was du denkst. Die Gabi hängt ja Jahre hinterher! Ja, das ist mir bewusst. Das macht mir aber nichts aus. Ich bin überzeugt, dass mir, der relativ späte Einstieg nicht nur einiges an Geld gespart hat, sondern der Hauptgrund für meine jetzige Begeisterung für die Smartphones ist.
Ich konnte den Spaß jetzt umso mehr genießen, weil ich direkt ein Highend Gerät in der Hand hielt und nicht mit der neuen Technik gewachsen, sondern hineingeworfen worden war. Das Huawei Mate 9 wirkt auf mich als Smartphone-Neuling tatsächlich futuristisch. Unglaublich, wie weit die Technik heute ist!
Warum jetzt in die Smartphone Fotografie einsteigen?
Die Smartphone Fotografie hat gerade in der letzten Zeit ein erstaunliches Qualitätsniveau erreicht; Fotosoftware und Bedienung haben gewaltige Fortschritte gemacht, und auch die Sensorfläche ist dezent gewachsen. Es fängt also an, richtig spannend zu werden. Zumindest als Ersatz für eine Kompaktkamera.
Das Huawei Mate 9, eines der Top-Fotosmartphones, hat bei mir in nahezu Nullzeit einen gewaltigen WOW Effekt generiert. Und dabei hänge ich gerade wieder hinterher mit der Technologie – es gibt bereits leistungsfähigere Nachfolger auf dem Markt. Ich war jedenfalls völlig geflashed und überwältigt von der Bildqualität und den vielen Einstell-Möglichkeiten und verspielten Features. Ich kam mir vor, wie ein kleines Kind an Heiligabend, mitten in einem Haufen Weihnachtsgeschenke.

Brunnen in Rostock – Langzeitbelichtung mit dem Huawei Mate 9
Die Fotografin mit dem Foto-Spielzeug
Das Huawei Mate 9 ist schwer und riesengroß. Als Phablet werden diese Dinger oft bezeichnet, weil sie ein Mittelding zwischen Telefon und Tablet sind. Der Bildschirm ist brillant. Das Huawei fühlt sich edel und wertig an.
Zuerst muss ich mich notgedrungen etwas genervt und ungeduldig durch alle nötigen Anmeldungen, Updates und Nutzungsbedingungen hindurchhangeln. Dann die Google Kontoanmeldung, damit ich Apps installieren kann. Ich teste die vorinstallierten Apps, schieße meine ersten Fotos und probiere alle Funktionen aus, die ich finden kann.

Dackel Grindel – Huawei Mate 9, fast nass geleckt
Intuitive Bedienbarkeit des Smartphones
Leider lese ich Bedienungsanleitungen erst, wenn ich hängen bleibe. Funktionen, die ich gar nicht erst erwarte, finde ich deswegen auch nicht auf Anhieb. Das ist mir erst einmal egal, ich will die Smart-Phonografie bewusst spielerisch angehen. Es ist eine Herausforderung und Freude, alles selbst herauszufinden zu können. Intuitive Bedienbarkeit ist immerhin ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.
Mannigfaltige Fotoprogramme
Irgendwie ist das wie eine Schatzsuche: Was gibt es noch für fantastische Features, die ich bei einer Smartphone-Kamera gar nicht erwarten würde:
- Langzeitbelichtung
- Lichtmalerei
- Nachtaufnahme
- Licht und Graffiti
- seidiges Wasser
- Sternspuren
- Panorama
- HDR
- Monochrome
- Zeitraffer.
- Da gibt es den Portraitmodus mit Gesichtsverschönerung
- die Einstellung »große Blende« für das nachträgliche Festlegen der Schärfentiefe und so viele mehr.
Mir macht das Erkunden des Smartphones so viel Freude, dass meine Kinder nur noch amüsiert den Kopf schütteln und anmerken, dass die Mama ein neues Spielzeug hat. Die Kids müssen anfangs oft als Model her halten.
Meine Lieblingsfotofeatures des Smartphones in der Kürze
1. Die »Große Blende«, übersetzt ist das die offene Blende und Freistellen
Die Bezeichnung ist etwas verwirrend für einen Fotografen, weil ich für einen unscharfen Hintergrund eine offene, also kleine Blende benötige. Im Smartphone kann ich auch in den Profieinstellungen keine Blende einstellen, denn die ist fix. Aber ich habe die Möglichkeit, »große Blende« zu wählen. Dann kann ich den Tiefenschärfebereich auf dem Foto nachträglich anpassen und zwar:
- in der Stärke. Ich kann also die Blende weiter öffnen oder schließen und
- ich kann entscheiden, auf welchem Punkt im Foto die Schärfe liegt.
Der Weichzeichner ist ein Softwareeffekt. Also nicht wie in der Spiegelreflexkamera ein physikalische Unschärfe durch die offene Blende. Am großen Bildschirm sieht man, dass es an den Übergängen nicht immer optimal passt, auf dem Smartphonebildschirm selbst fällt es nicht auf.

Große Blende, Boot in Rostock

Große Blende, Hafen Rostock

Fisch am Strand
2. Die Panoramafunktion
Die ist natürlich toll. Einfach das Smartphone langsam bewegen und schon wird ein Panorama zusammengestellt. Innerhalb von Sekunden. Ich nutzte diese Funktion extrem oft, auch in dunklen Räumen – was nicht zu den allerbesten Ergebnissen führt. Aber es funktioniert trotzdem.
Es dauerte eine Weile, bis ich herausfand, dass der kleine Pfeil oben in der Ecke es sogar ermöglicht, dass ich Hochformat Panoramen machen kann. In Rostock bemerkte ich, dass es wesentlich bessere Ergebnisse bringt, wenn ich die Panoramen mit einem Selfie Stick aufnehme. Das ermöglicht eine ruckel-ärmere Aufnahme, weil ich gleichmäßiger aus der Hand drehe. Das Endergebnis ist wesentlich schärfer als Aufnahmen ohne Selfie Stick. Es ist mir damit möglich, auch in den Abendstunden im schwächeren Licht, scharfe Panoramen aufzunehmen.

Panorama in Rostock – Abendstimmung

Panorama in Rostock – hier muss man zusehen, dass die Leute nicht durchs Foto laufen

Panorama im Leuchtturm Dahmeshöven – funktioniert auch recht gut in engen Räumen
3. Lichtmalerei, Langzeitaufnahmen mit dem Smartphone
Die Lichtmalerei ist die Funktion für Langzeitaufnahmen. Da gibt es vier Unterpunkte zum Auswählen:
- Rücklichtspuren – Autos in der Nacht
- Lichtgraffiti – Wunderkerzen oder Taschenlampe. Da kannst du etwas mit Licht schreiben. Das coole: Du musst nicht spiegelverkehrt schreiben, das Foto wird direkt gespiegelt. Der Blitz ist nach 5, 10 oder 15 Sekunden zuschaltbar, sodass auch die Person scharf abgebildet wird.
- seidiges Wasser – für Langzeitbelichtungen von Wasser in der Dämmerung
- Sternenspuren – längere Langzeitaufnahmen in der Nacht

Langzeiteinstellungen bei Huawei
Bei allen Modi startet der Klick auf den Auslöser und ein zweiter Klick auf den Auslöser stoppt die Aufnahme. Während man in Echtzeit sehen kann, wie sich das Foto entwickelt.
Die Kameramöglichkeiten des Huawei Mate 9 ist so vielfältig und durchdacht, dass ich da besser einen weiteren Blogbeitrag dazu verfassen möchte. Weitere coole Features sind das 3D-Panorama, die Profieinstellungen, »große Blende« und Beautymodus auch im Video zu nutzen und vieles mehr.

Brunnen in Rostock, Langeitaufnahme mit dem Smartphone

Auch Nachts geht noch was – Feuerpois, Rostock, Huawei Mate 9

Straßenbahn in Rostock – Lichtspuren sind auch mit dem Smartphone möglich

Langzeitaufnahme am Meer – sogar in der Dämerung funktionieren Langzeitaufnahmen mit dem Smartphone
4. GPS-Daten der Fotos
Endlich habe ich einmal ein Smartphone, welches auf einer Landkarte und in der Bildinformation angezeigt wird, wo die Fotos aufgenommen sind. Das wird mir zukünftig auf Fototouren die exakte Standortbestimmung enorm erleichtern. Ich radelte extra in den ersten Tagen fotografierend durch die Gegend, um zu sehen, wo überall Fotos auf der Landkarte auftauchen.
Smartphone-Neuling in der heutigen Zeit
Trotzdem stelle ich mir die Frage: Warum, macht so ein Smartphone oder besonders die Smartphonefotografie so viel Freude? Die Fotografiererei mit dem Handy hat ja durchaus ihre Limitierungen, und kann die professionelle Kameraausrüstung nicht ersetzen – zumindest, wenn man wie ich hochwertige Fotos für Kalenderverlage braucht.
Das hier wären ein paar Gründe, warum es so viel Freude macht mit dem Smartphone zu fotografieren:
- Die Bedienung ist kinderleicht, einfach Foto-App aufrufen und abdrücken, den Rest erledigt dein Handy.
- Die Foto-Features sind ein wunderbares Spielzeug. Weil es unendlich viele Möglichkeiten gibt, und andauernd neue Apps hinzukommen, gibt es ständig was Neues zu Entdecken und auszuprobieren.
- So ein Smartphone, selbst ein großes Phablet, ist trotzdem klein, flach und handlich. Es trägt kaum auf und ist immer dabei. Und was man griffbereit hat, nutzt man auch.
- Die Displays sind mittlerweile so gut, dass die Fotos einfach farbiger und brillanter aussehen als ausgedruckt oder am Computermonitor. Das aufgenommen Foto sieht man direkt in voller Pracht. Das Display einer Spiegelreflex ist dagegen um einiges kleiner und weniger kontrastreich.
- Das Smartphone ist nicht nur ein Fotoapparat, sondern gleichzeitig ein kleiner, leistungsfähiger Computer. Es verbindet in handlicher Form zwei bisher getrennte Prozesse:
Das Fotografieren, die Nachbearbeitung und das Verteilen auf Social Media Plattformen. Upps, das waren ja jetzt sogar drei Prozesse. Genial!
Rückblick in die nicht zu weite Vergangenheit
Damals legten wir noch »lichtsstarke« 400 ISO Filme in die Kamera ein, für Aufnahmen bei schwachem Licht. Wir warteten nach längeren Reisen wochenlang auf die Rücksendung unserer Diafilme. Wir entwickelten Filme noch selbst und fertigten zuerst Kontaktabzüge an, von denen wir dann die Fotos auswählten. Diese ausgewählten Bilder entwickelten wir liebevoll aber auch teilweise in mühsamer Geduldsarbeit im nach Fotochemie stinkenden dunklen Raum. Danach lagen auf dem Wohnzimmerboden die Abzüge auf Zeitungspapier zum Trocknen aus.
Jetzt macht ein kleines Gerät, welches ursprünglich mal als Telefon angefangen hatte, das alles auf einmal und zwar ohne Wartezeiten. Vom Internet und dessen Möglichkeiten mal ganz abgesehen. Denn heutzutage können wir die Fotos schießen, bearbeiten und innerhalb von Sekunden live ins Internet stellen. Mein Sohn kann in China oder Schweden, wo er halt gerade ist, sehen was wir daheim machen, und wir kriegen mit, wo er sich so rumtreibt.
Multifunktionalität eines Smartphones
Die Vielschichtigkeit des Gerätes hört ja bei der Fotografie nicht auf, nein, das geht noch einen ganzen Schritt weiter. Das Telefon ist vergleichbar mit einem Schweizer Messer, nur viel, viel besser.
Das Huawei – ja jedes Smartphone – ist nicht nur Fotoapparat, sondern es vereint zahlreiche Geräte in einem. Immer ausgefeiltere Apps fügen ständig weitere Funktionen hinzu. Stell Dir mal vor, du hättest von einem Zeitreisenenden dieses Wundergerät vor 25 Jahren in die Hände bekommen?
Ich empfehle diese täglichen Wunder, die langweiliger Alltag geworden sind, bewusster zu genießen!
Nur mal zur Erinnerung, denn beim oben beschriebenen Beispiel geht es ja nur um den fotografischen Aspekt des Smartphones, es kann ja so viel mehr. Ein Smartphone ist: Taschenrechner, Kalender, Wecker, Uhr, Kompass, Wasserwaage, MP3 Player, Videoabspielgerät (durch die Anbieter im Internet ist es gleichzeitig Kino), Fotoalbum, Fotoapparat, Videokamera, Videokonferenzcenter, Fittnessmessgerät, Taschenlampe, Landkarte, Navi, Notizblock, Tonaufnahmegerät, Computer für Filmschnitt und Bildbearbeitung, Social Media Interface, Spiegel, Bücherei, Vokabeltrainer, ja und spielen kann man auch. Und natürlich telefonieren.
Mit dem Smartphone arbeiten kommt mir vor wie Spielen
Irgendwie kommt mir die Arbeit mit dem Smartphone wie Spielen vor. Und jedesmal, wenn ich wieder was Neues entdecke, bin ich aufgeregt und freue ich mich wie ein kleiner Hund vorm Spaziergang. Warum sich dieses Gefühl einstellt kann ich bis jetzt allerdings nicht exakt auf den Punkt bringen. Hast du Vorschläge, an was es denn liegen kann?
Das Smartphone eignet sich bestens für Selfies
Das beliebteste Motiv, welches mit Smartphones aufgenommen wird, ist der Fotograf selbst. Mir waren Fotos von mir selbst bisher eher unwichtig. Ich machte die eigentlich nur hin und wieder mit der kleinen GoPro.
Ich weiß jetzt auch warum Smartphone Selfies so beliebt sind: die Fotos sehen viel besser aus, als mit einer Kamera aufgenommen. Beim Smartphone gibt es spezielle Gesichtserkennungsfunktionen und sofortige Beautyretusche. Schon beim Fotografieren, nicht beim Nachbearbeiten werde ich verschönert. Hach, welch Schmeichelei. Wer kann da wiederstehen?

Familienfoto mit dem Huawei und Selfiestick – nein Amy war nicht geschminkt, das hat das Handy gemacht.
Fotografieren lernen mit dem Smartphone – oder das Smartphone als Einstieg in die Fotografie
Es ist leicht, mit Hilfe des Smartphones den Einstieg in die Fotografie zu finden. Leute, die vorher nichts mit Fotos am Hut hatten, fangen plötzlich an zu knipsen. Wenn die Freude am Fotografieren wächst und die fotografischen Ansprüche steigen, werden sie sich später vielleicht auch eine »richtige« Kamera zulegen. Oder eben das Smartphone mit nützlichem Zubehör aufmotzen. Dazu schreibe ich aber in einem extra Blogbeitrag mehr.
Und was meinst du? Warum macht das Fotografieren mit dem Smartphone soviel Spaß? Und bekommt man trotz all der Freude auch noch tolle Fotos hin?
Buchrezension: 1000 Places To See Before You Die
Die zwei Bände von „1000 Places To See Before You Die“ sind 2018 in überarbeiteter und aktualisierter Neuauflage im VISTA POINT Verlag erschienen.
Band 1 ist der Reisebuchklassiker der New Yorkerin Patricia Schultz, die hier die weltweit 1000 interesanntesten Ziele auf 1200 Seiten vorstellt.
Band 2 mit knapp 1200 Seiten, beschränkt sich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz, und ist von einem 40-köpfigen Autorenteam verfasst.
1000 Places – Buchrezension
Zu Band 1, 1000 Places von Patricia Schultz
Nach Kontinenten geordnet, beschreibt die Autorin auf je einer Seite ausführlich ihre weltweiten Lieblingsreiseziele. Die Texte sind kurzweilig und treffend geschrieben, und sehr informativ. Dahinter steckt eine gewaltige Menge an fundierter Recherchearbeit.
Am Ende jeder Beschreibung steht der Info-Teil: Wo liegt das Reiseziel, wo finde ich nähere Informationen, wo finde ich eine Unterkunft, wo speise ich gepflegt, wann ist die beste Reisezeit.
Die Bilder haben alle eine Beschreibung, sind allerdings recht klein abgedruckt. Und nicht jeder Artikel ist bebildert. Mehr und größere Bilder hätten wahrscheinlich das Buch noch weiter aufgebläht, es ist so schon mit knapp 1,3 kg ein ziemlicher Brocken. Trotzdem irgendwie schade.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Auswahl der Unterkünfte und der Restaurants. Patricia Schultz kann sich es erlauben, sich in den besten Hotels vor Ort einzuquartieren und fein zu dinieren. Das spiegelt sich auch in den Empfehlungen wider. Für Weltreisende, die auf ihr Budget achten müssen, sind die vorgestellten Quartiere schlichtweg unbezahlbar.
Zu Band 2, 1000 Places Deutschland, Österreich, Schweiz
Der Zwillingsband zu Patricia Schultzes Bestseller ist nur unwesentlich dünner und leichter. Das Layout ist identisch, die Bilder sind im Gegensatz zum Weltreiseband eine Idee größer und jeder Artikel hat eins bekommen. Das macht schon einen Unterschied.
Mich hat es überrascht, wie viele interessante Places es in unserer Gegend gibt. Sie sind ausführlich beschrieben mit umfangreichem Detail- und Hintergrundwissen. Da kriegt man direkt Lust, schnell mal hinzufahren.
Unter Places verstehen die Autoren nicht nur Gebäude, Museen und Landschaften, auch Veranstaltungen wie der Kölner Karneval, Staatstheater oder Festivals sind mit eigenen Artikeln vertreten.
Der Info-Teil beschreibt die Lage der Sehenswürdigkeit, nennt Öffnungszeiten, Eintrittspreise, herausragende Restaurants und Quellen für weiterführende Informationen. Übernachtungsmöglichkeiten sind hier nicht erwähnt.
Während in Band 1 der Schwerpunkt der Beschreibungen verstärkt auf Regionen weltweit liegt, sind es in Band 2 hauptsächlich konkrete Ausflugsziele. Für einen Amerikaner wäre das bestimmt der absolute Informations-Overkill, für uns Mitteleuropäer ist es ein wertvoller Ratgeber, um die Heimat näher kennenzulernen und aus neuem Blickwinkel zu sehen.
Fazit
„1000 Places To See Before You Die“ haben absolut eine Kaufempfehlung verdient.
Sie sind nicht nur wertvolle Ratgeber für die Reiseplanung, sondern auch kurzweilige Unterhaltung zum Schmökern und Träumen.
Die beiden broschierten Bände sind mit ihren knapp 2,5 kg Gesamtgewicht nicht unbedingt fürs leichte Reisegepäck ideal, dafür deutet das Gewicht schon die gewaltige Menge an Information an, die hier geboten wird.
Uns persönlich hat der Deutschland-Österreich-Schweiz Band eher zugesagt. Die beschriebene Region ist wesentlich kleiner, dafür konnten natürlich die Sehenswürdigkeiten ausführlicher und detaillierter vorgestellt werden. Dieser Band ist für Wochenendausflugs- oder Kurzreiseplanung bestens geeignet.
Dagegen ist der globale Reiseführer mehr Inspiration und Information für Fernreisen oder die große Weltreise.
Wir bekamen die beiden Bände als Rezensionsexemplare.
Smartphone-Fotografie macht Spaß
Im Jahr 2017 bin ich sehr spät in die Smartphone-Fotografie eingestiegen. Das hatte meiner Meinung nach große Vorteile, so spät damit anzufangen. Ich kann die Fotografie mit dem Smartphone dadurch wesentlich besser genießen. Warum das so ist und warum der Spaßfaktor für mich enorm wichtig ist, beschreibe ich in diesem Artikel.
Gabi bei der Arbeit, Ostseeküste – Selfie mit dem Smartphone
Hurra, mein erstes »richtiges« Smartphone
Durch einen Glücksfall fand ein Huawei Mate 9 Smartphone zu mir. Ich fang am besten ganz von vorne an: Astrid, eine langjährige Blogleserin, die wir durch unser Geschreibsel zu Wohnmobiltouren angeregt hatten, war zufällig mit Ehemann und neuem Wohnmobil in unserer Gegend unterwegs. In der Lieblingspizzeria und ein paar Tage später beim Chinesen, tauschten wir beim Essen angeregt Tipps und Erfahrungen zum Reisen mit dem Mobil aus. Wir sprachen über die Fotografie während ein laut donnerndes Gewitter ergiebigen Regenmengen über uns herabschüttete. Blitze zuckten einer nach dem anderen vom Himmel. Gerds Wetterapp zeigte den Wolkenverlauf und wir wussten genau, wann der Regen wieder aufhören würde. Fantastisch, auf der App zogen die Wolken über die Landkarte, und im wahren Leben machten sie das auch, und zwar auf die Minute exakt. Diese Info war uns wichtig, denn wir waren alle mit dem Rad unterwegs. Wie nützlich doch Smartphones sein können. Jetzt verschob sich das Gespräch hin zu den Smartphones und wie gut die Dinger mittlerweile sind.
Ok, ok mein erstes Smartphone war ein Lumia 650 Dual SIM
Ich saß mit meinem günstigen Windows-Phone am Tisch und staunte beim Vergleich. Wegen mangelnder Systempflege ist mein Smartphone gar nicht mehr so smart, sondern primär Phone. Die Karten-App MapsMe hätte ich so gern, die gibt es aber für das Windows-Phone nicht. Genauso wenig wie ein Schrittzähler oder so ähnliche banale Apps. Zum Fotografieren nutzte ich das Windows Smartphone kaum, aber ich filme damit recht gern. Und weil es Dual-SIM fähig ist, ist es auf Reisen mit einer lokalen SIM-Karte mein Internet-Router.
In letzter Zeit hatte ich immer öfter darüber gelesen und gehört, dass man mit Smartphones ernsthaft fotografieren kann. Die Qualität der Fotos ist so überzeugend, dass sie mittlerweile die Kompaktkameras fast vollständig vom Markt verdrängt haben. Bei einem Kölner Bloggertreffen durfte ich das damalige Top-Windows-Phone Lumia 950 eine Woche lang ausprobieren, aber ernsthaft habe ich die Smartphonefotografie bislang nicht betrieben. Die Fotoqualität hatte mich vor zwei, drei Jahren noch nicht so überzeugt, dass ich viel Geld für dieses Spitzenmodell investieren wollte. Vor allem aber störte mich, die eingeschränkte Auswahl an Windows Smartphone Apps. Nun, das Thema hat sich jetzt eh erübrigt. Es war im Rückblick richtig, dass ich mir die Ausgabe damals sparte.
Fotografie mit Smartphones
Mein Smartphone hatte also keine der coolen aktuellen Foto-Features, es war mir aber trotz all der Mängel ans Herz gewachsen. Ich hatte es halt immer in der Hosentasche, als Notitzgerät ist es durchaus brauchbar und ich hatte immer allerlei »ernsthafte« Reisefotos von meiner Spiegelreflex zum Vorzeigen drauf.
Astrid, die Smartphone Expertin
Astrid ist Smartphone Expertin. Sie ist eine leidenschaftliche Fotografin mit einem begnadeten Blick fürs Motiv, sie probiert gerne und intensiv neue Technologien aus, in diesem Fall High-End-Smartphones. Astrids Empfehlung und Einschätzung der Smartphonefotografie machte mich unglaublich neugierig. Anscheinend strahlten meine Augen so sehr, dass Astrid mir kurze Zeit später ein Huawei Mate 9, welches bei ihr ungenutzt herumlag, günstig verkaufte. Großartig! Ich kann hier gar nicht beschreiben, wieviel Spaß ich während der nächsten Wochen hatte.
Ich weiß, was du denkst. Die Gabi hängt ja Jahre hinterher! Ja, das ist mir bewusst. Das macht mir aber nichts aus. Ich bin überzeugt, dass mir, der relativ späte Einstieg nicht nur einiges an Geld gespart hat, sondern der Hauptgrund für meine jetzige Begeisterung für die Smartphones ist.
Ich konnte den Spaß jetzt umso mehr genießen, weil ich direkt ein Highend Gerät in der Hand hielt und nicht mit der neuen Technik gewachsen, sondern hineingeworfen worden war. Das Huawei Mate 9 wirkt auf mich als Smartphone-Neuling tatsächlich futuristisch. Unglaublich, wie weit die Technik heute ist!
Warum jetzt in die Smartphone Fotografie einsteigen?
Die Smartphone Fotografie hat gerade in der letzten Zeit ein erstaunliches Qualitätsniveau erreicht; Fotosoftware und Bedienung haben gewaltige Fortschritte gemacht, und auch die Sensorfläche ist dezent gewachsen. Es fängt also an, richtig spannend zu werden. Zumindest als Ersatz für eine Kompaktkamera.
Das Huawei Mate 9, eines der Top-Fotosmartphones, hat bei mir in nahezu Nullzeit einen gewaltigen WOW Effekt generiert. Und dabei hänge ich gerade wieder hinterher mit der Technologie – es gibt bereits leistungsfähigere Nachfolger auf dem Markt. Ich war jedenfalls völlig geflashed und überwältigt von der Bildqualität und den vielen Einstell-Möglichkeiten und verspielten Features. Ich kam mir vor, wie ein kleines Kind an Heiligabend, mitten in einem Haufen Weihnachtsgeschenke.
Brunnen in Rostock – Langzeitbelichtung mit dem Huawei Mate 9
Die Fotografin mit dem Foto-Spielzeug
Das Huawei Mate 9 ist schwer und riesengroß. Als Phablet werden diese Dinger oft bezeichnet, weil sie ein Mittelding zwischen Telefon und Tablet sind. Der Bildschirm ist brillant. Das Huawei fühlt sich edel und wertig an.
Zuerst muss ich mich notgedrungen etwas genervt und ungeduldig durch alle nötigen Anmeldungen, Updates und Nutzungsbedingungen hindurchhangeln. Dann die Google Kontoanmeldung, damit ich Apps installieren kann. Ich teste die vorinstallierten Apps, schieße meine ersten Fotos und probiere alle Funktionen aus, die ich finden kann.
Dackel Grindel – Huawei Mate 9, fast nass geleckt
Intuitive Bedienbarkeit des Smartphones
Leider lese ich Bedienungsanleitungen erst, wenn ich hängen bleibe. Funktionen, die ich gar nicht erst erwarte, finde ich deswegen auch nicht auf Anhieb. Das ist mir erst einmal egal, ich will die Smart-Phonografie bewusst spielerisch angehen. Es ist eine Herausforderung und Freude, alles selbst herauszufinden zu können. Intuitive Bedienbarkeit ist immerhin ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.
Mannigfaltige Fotoprogramme
Irgendwie ist das wie eine Schatzsuche: Was gibt es noch für fantastische Features, die ich bei einer Smartphone-Kamera gar nicht erwarten würde:
Mir macht das Erkunden des Smartphones so viel Freude, dass meine Kinder nur noch amüsiert den Kopf schütteln und anmerken, dass die Mama ein neues Spielzeug hat. Die Kids müssen anfangs oft als Model her halten.
Meine Lieblingsfotofeatures des Smartphones in der Kürze
1. Die »Große Blende«, übersetzt ist das die offene Blende und Freistellen
Die Bezeichnung ist etwas verwirrend für einen Fotografen, weil ich für einen unscharfen Hintergrund eine offene, also kleine Blende benötige. Im Smartphone kann ich auch in den Profieinstellungen keine Blende einstellen, denn die ist fix. Aber ich habe die Möglichkeit, »große Blende« zu wählen. Dann kann ich den Tiefenschärfebereich auf dem Foto nachträglich anpassen und zwar:
Der Weichzeichner ist ein Softwareeffekt. Also nicht wie in der Spiegelreflexkamera ein physikalische Unschärfe durch die offene Blende. Am großen Bildschirm sieht man, dass es an den Übergängen nicht immer optimal passt, auf dem Smartphonebildschirm selbst fällt es nicht auf.
Große Blende, Boot in Rostock
Große Blende, Hafen Rostock
Fisch am Strand
2. Die Panoramafunktion
Die ist natürlich toll. Einfach das Smartphone langsam bewegen und schon wird ein Panorama zusammengestellt. Innerhalb von Sekunden. Ich nutzte diese Funktion extrem oft, auch in dunklen Räumen – was nicht zu den allerbesten Ergebnissen führt. Aber es funktioniert trotzdem.
Es dauerte eine Weile, bis ich herausfand, dass der kleine Pfeil oben in der Ecke es sogar ermöglicht, dass ich Hochformat Panoramen machen kann. In Rostock bemerkte ich, dass es wesentlich bessere Ergebnisse bringt, wenn ich die Panoramen mit einem Selfie Stick aufnehme. Das ermöglicht eine ruckel-ärmere Aufnahme, weil ich gleichmäßiger aus der Hand drehe. Das Endergebnis ist wesentlich schärfer als Aufnahmen ohne Selfie Stick. Es ist mir damit möglich, auch in den Abendstunden im schwächeren Licht, scharfe Panoramen aufzunehmen.
Panorama in Rostock – Abendstimmung
Panorama in Rostock – hier muss man zusehen, dass die Leute nicht durchs Foto laufen
Panorama im Leuchtturm Dahmeshöven – funktioniert auch recht gut in engen Räumen
3. Lichtmalerei, Langzeitaufnahmen mit dem Smartphone
Die Lichtmalerei ist die Funktion für Langzeitaufnahmen. Da gibt es vier Unterpunkte zum Auswählen:
Langzeiteinstellungen bei Huawei
Bei allen Modi startet der Klick auf den Auslöser und ein zweiter Klick auf den Auslöser stoppt die Aufnahme. Während man in Echtzeit sehen kann, wie sich das Foto entwickelt.
Die Kameramöglichkeiten des Huawei Mate 9 ist so vielfältig und durchdacht, dass ich da besser einen weiteren Blogbeitrag dazu verfassen möchte. Weitere coole Features sind das 3D-Panorama, die Profieinstellungen, »große Blende« und Beautymodus auch im Video zu nutzen und vieles mehr.
Brunnen in Rostock, Langeitaufnahme mit dem Smartphone
Auch Nachts geht noch was – Feuerpois, Rostock, Huawei Mate 9
Straßenbahn in Rostock – Lichtspuren sind auch mit dem Smartphone möglich
Langzeitaufnahme am Meer – sogar in der Dämerung funktionieren Langzeitaufnahmen mit dem Smartphone
4. GPS-Daten der Fotos
Endlich habe ich einmal ein Smartphone, welches auf einer Landkarte und in der Bildinformation angezeigt wird, wo die Fotos aufgenommen sind. Das wird mir zukünftig auf Fototouren die exakte Standortbestimmung enorm erleichtern. Ich radelte extra in den ersten Tagen fotografierend durch die Gegend, um zu sehen, wo überall Fotos auf der Landkarte auftauchen.
Smartphone-Neuling in der heutigen Zeit
Trotzdem stelle ich mir die Frage: Warum, macht so ein Smartphone oder besonders die Smartphonefotografie so viel Freude? Die Fotografiererei mit dem Handy hat ja durchaus ihre Limitierungen, und kann die professionelle Kameraausrüstung nicht ersetzen – zumindest, wenn man wie ich hochwertige Fotos für Kalenderverlage braucht.
Das hier wären ein paar Gründe, warum es so viel Freude macht mit dem Smartphone zu fotografieren:
Das Fotografieren, die Nachbearbeitung und das Verteilen auf Social Media Plattformen. Upps, das waren ja jetzt sogar drei Prozesse. Genial!
Rückblick in die nicht zu weite Vergangenheit
Damals legten wir noch »lichtsstarke« 400 ISO Filme in die Kamera ein, für Aufnahmen bei schwachem Licht. Wir warteten nach längeren Reisen wochenlang auf die Rücksendung unserer Diafilme. Wir entwickelten Filme noch selbst und fertigten zuerst Kontaktabzüge an, von denen wir dann die Fotos auswählten. Diese ausgewählten Bilder entwickelten wir liebevoll aber auch teilweise in mühsamer Geduldsarbeit im nach Fotochemie stinkenden dunklen Raum. Danach lagen auf dem Wohnzimmerboden die Abzüge auf Zeitungspapier zum Trocknen aus.
Jetzt macht ein kleines Gerät, welches ursprünglich mal als Telefon angefangen hatte, das alles auf einmal und zwar ohne Wartezeiten. Vom Internet und dessen Möglichkeiten mal ganz abgesehen. Denn heutzutage können wir die Fotos schießen, bearbeiten und innerhalb von Sekunden live ins Internet stellen. Mein Sohn kann in China oder Schweden, wo er halt gerade ist, sehen was wir daheim machen, und wir kriegen mit, wo er sich so rumtreibt.
Multifunktionalität eines Smartphones
Die Vielschichtigkeit des Gerätes hört ja bei der Fotografie nicht auf, nein, das geht noch einen ganzen Schritt weiter. Das Telefon ist vergleichbar mit einem Schweizer Messer, nur viel, viel besser.
Das Huawei – ja jedes Smartphone – ist nicht nur Fotoapparat, sondern es vereint zahlreiche Geräte in einem. Immer ausgefeiltere Apps fügen ständig weitere Funktionen hinzu. Stell Dir mal vor, du hättest von einem Zeitreisenenden dieses Wundergerät vor 25 Jahren in die Hände bekommen?
Ich empfehle diese täglichen Wunder, die langweiliger Alltag geworden sind, bewusster zu genießen!
Nur mal zur Erinnerung, denn beim oben beschriebenen Beispiel geht es ja nur um den fotografischen Aspekt des Smartphones, es kann ja so viel mehr. Ein Smartphone ist: Taschenrechner, Kalender, Wecker, Uhr, Kompass, Wasserwaage, MP3 Player, Videoabspielgerät (durch die Anbieter im Internet ist es gleichzeitig Kino), Fotoalbum, Fotoapparat, Videokamera, Videokonferenzcenter, Fittnessmessgerät, Taschenlampe, Landkarte, Navi, Notizblock, Tonaufnahmegerät, Computer für Filmschnitt und Bildbearbeitung, Social Media Interface, Spiegel, Bücherei, Vokabeltrainer, ja und spielen kann man auch. Und natürlich telefonieren.
Mit dem Smartphone arbeiten kommt mir vor wie Spielen
Irgendwie kommt mir die Arbeit mit dem Smartphone wie Spielen vor. Und jedesmal, wenn ich wieder was Neues entdecke, bin ich aufgeregt und freue ich mich wie ein kleiner Hund vorm Spaziergang. Warum sich dieses Gefühl einstellt kann ich bis jetzt allerdings nicht exakt auf den Punkt bringen. Hast du Vorschläge, an was es denn liegen kann?
Das Smartphone eignet sich bestens für Selfies
Das beliebteste Motiv, welches mit Smartphones aufgenommen wird, ist der Fotograf selbst. Mir waren Fotos von mir selbst bisher eher unwichtig. Ich machte die eigentlich nur hin und wieder mit der kleinen GoPro.
Ich weiß jetzt auch warum Smartphone Selfies so beliebt sind: die Fotos sehen viel besser aus, als mit einer Kamera aufgenommen. Beim Smartphone gibt es spezielle Gesichtserkennungsfunktionen und sofortige Beautyretusche. Schon beim Fotografieren, nicht beim Nachbearbeiten werde ich verschönert. Hach, welch Schmeichelei. Wer kann da wiederstehen?
Familienfoto mit dem Huawei und Selfiestick – nein Amy war nicht geschminkt, das hat das Handy gemacht.
Fotografieren lernen mit dem Smartphone – oder das Smartphone als Einstieg in die Fotografie
Es ist leicht, mit Hilfe des Smartphones den Einstieg in die Fotografie zu finden. Leute, die vorher nichts mit Fotos am Hut hatten, fangen plötzlich an zu knipsen. Wenn die Freude am Fotografieren wächst und die fotografischen Ansprüche steigen, werden sie sich später vielleicht auch eine »richtige« Kamera zulegen. Oder eben das Smartphone mit nützlichem Zubehör aufmotzen. Dazu schreibe ich aber in einem extra Blogbeitrag mehr.
Und was meinst du? Warum macht das Fotografieren mit dem Smartphone soviel Spaß? Und bekommt man trotz all der Freude auch noch tolle Fotos hin?
Esras Radtour durch die Alpen: 800 Kilometer über die höchsten Straßenpässe Europas.
Wildcampen mit Aussicht. Hier an der Anfahrt zum zweithöchsten Alpenpass, dem Cold de la Bonette.
Sommer 2016: Meine Reise über die Alpen nahm ihren Anfang in einem trägen Geoinformatik-Seminar, als mich Falk, ein Kommilitone, fragte: „Sag mal Esra, du fährst doch so viel Rad… hast du Lust, mal die französischen Alpen zu überqueren?“. Ich war zwar noch nie in den Alpen gewesen, doch natürlich sagte ich zu. Ich bin gerne spontan und optimistisch – eine Verhaltensweise, die sich schon auf einigen Radtouren bewährt hat, und ich nun auch anwende, wenn ich nicht gerade auf Tour bin. Ein paar Wochen später saßen wir im Zug zum Genfer See. Unser Ziel war das Mittelmeer, 800 Kilometer weit entfernt. Auf unserem Weg von Lausanne nach Nizza folgen wir meistens der Route des Grandes Alpes. Die höchsten Straßenpässe in den Alpen lagen auf dieser Strecke, Falk hatte beim Planen der Route keinen Pass ausgelassen.
Die Route ist sowohl bei Radlern als auch bei Motorradfahrern sehr beliebt. An sonnigen Tagen haben wir stets viel Gesellschaft. Wir schlafen im Zelt, und das meistens in der freien Natur – kein Problem, solange man seinen Müll wieder mitnimmt und auch ansonsten keine Spuren in der Landschaft hinterlässt.
Falk und Ich an einer kleineren Passhöhe.
Alpenpässe – eine neue Art des Radfahrens.
Sechster August 2016: Den ganzen Morgen fahren wir schon bergauf. Über uns steht die pralle Sonne, unter uns erstreckt sich das Tal der Isere, welches mit 2000 Höhenmetern schon höher liegt als so mancher Pass. Die Auffahrt zum Col de L’Iseran, dem höchsten Straßenpass Europas, ist eine langwierige Angelegenheit. Mehr als 40 Kilometer geht es bergauf, bis auf 2770 Meter über dem Meeresspiegel. Doch das viele Kurbeln macht sich bezahlt: zum einen sind da die phänomenalen Aussichten, die einen nach jeder Kurve aufs Neue beeindrucken. Zum anderen gilt ja nach wie vor das Prinzip, dass alles, was raufgeht, auch wieder runter kommt. Die Straße auf der anderen Seite der Passhöhe verläuft nämlich genau so wie die, die wir seit gestern Abend rauf fahren – über 40 Kilometer Abfahrt bereiten uns schon Vorfreude. Ich krame die GoPro aus der Tasche, klemme sie an den Lenker, und den Großteil der nächsten Stunde geht es rasant bergab. Der Tacho zeigt zuvor unerreichte Geschwindigkeiten, jetzt fahren wir mit den Motorradfahrern mit, statt von ihnen überholt zu werden. Die Landschaft wandelt sich in einem Tempo, das ich vorher noch nicht auf einer Radtour erlebt hatte: eine karge Steinwüste auf dem Gipfel, die selbst im August noch mit Schneeresten gespickt ist, metamorphosiert in ein grünes Tal mit drückender Sommerhitze. Unten kommen wir mit einem breiten Grinsen an, das man von Kindern kennt, die gerade zusammen was ausgefressen haben. Der Rausch der Geschwindigkeit hält sich noch ein paar Minuten, wir vergleichen die Höchstwerte auf unseren Tachos und reden darüber, welche Abschnitte und Kurven uns am besten gefallen haben. Lange geht es dann aber nicht auf einer ebenen Talstraße entlang. Der nächste Pass wartet, das Spiel beginnt von vorne.
Der höchste Straßenpass in den Alpen, der Col de L’Iseran.
Die Mondlandschaft kurz vor der Passhöhe des Col du Galibier.
Weiter unten am Galibier ist es noch grün.
Ich habe ein Video mit den Abfahrten gemacht. Insgesamt war es über eine Stunde Material, welches wir hier und da gesammelt haben. Die GoPro war nur gelegentlich am Lenker.
Die Besonderheiten des Reiserads
Mit unseren voll beladenen Reiserädern, die mit über 30kg nicht gerade leicht sind, ist die Alpentour eine besondere Herausforderung. Doch wir schaffen die Pässe genau wie die Rennradler auf den leichten Carbon-Rädern, und bei den Abfahrten drückt dafür das Gewicht die Geschwindigkeit noch ein wenig nach oben.
Mein Rad am klaren Bergsee, an dem wir bei der Anfahrt des Cormet de Roselend vorbeikamen.
Da wir mit dem Rad unterwegs sind, bekommen wir viel mehr von den Alpen mit als die anderen Verkehrsteilnehmer. Alle Sinne werden aktiv, und man kann jederzeit am Straßenrand halten, um eine besonders schöne Aussicht zu genießen oder etwas Interessantes zu inspizieren. Wir erleben neben den Aussichten auch den Geruch der alpinen Nadelwälder, bei den Abfahrten pfeift uns der Wind um die Ohren, und vor allem spüren wir die Steigungen. Wer eine Reise intensiv erleben will, sollte das Fahrrad nehmen. Auch der Kontakt mit anderen Menschen lässt sich vom Rad aus leicht finden. Oft fahren wir mit anderen Radlern die Pässe auf und plaudern über Reisen, Fahrradmechanik oder die Tour de France. Das ist nur dann problematisch, wenn der andere ein federleichtes Rennrad unter dem Allerwertesten hat und ein ordentliches Tempo vorlegt. Ich gerate einige Male ins Schwitzen, weil ich nicht zurückbleiben und somit das Gespräch beenden will.
Und in den zehn Tagen, die wir von Lausanne nach Nizza brauchen, geschieht es uns sogar gleich zwei Mal, dass uns fremde Leute ihre Gastfreundschaft anbieten, als wir sie nach dem Weg zum nächsten Zeltplatz fragen. Obwohl unsere Gastgeber teilweise kein Wort Englisch sprechen und sich unser Französisch auch nur auf das beschränkt, was man zum Baguette-kaufen benötigt, haben wir eine Menge Spaß.
Am Col de la Bonette hatten wir weitere Radfahrer getroffen. Foto von Falk.
Diese Meilensteine informierten uns über die Steigung des nächsten Kilometers (8%), die Entfernung bis zur Passhöhe (8km) und die aktuelle Höhe (1310m ü.N.N.)
Wir lebten wie Gott in Frankreich, was das Essen anging.
Wandelnde Landschaften
Mit jeder überquerten Passhöhe, die uns näher an die Küste heranbringt, finden wir eine leicht veränderte Landschaft vor. Waren wir noch in der Schweiz durch dunkle Nadelwälder an kantigen Berghängen gefahren, so werden unsere Aussichten im Laufe der Reise immer mediterraner. Die Erde wird heller, die Formen der Berge ändern sich, sandiger Boden lässt bunte Pflanzen sprießen, und auch an den kleinen Bergdörfern kann man einen Wandel erkennen. Hier macht sich nun die Wahl unseres Studienfaches bezahlt – als Geographiestudent schaut man sich die Welt mit anderen Augen an, und wir versuchen unablässig, uns mit möglichst vielsilbigen Fachwörtern aus der Bodenkunde oder der Geomorphologie zu übertrumpfen. Es macht Spaß, so viele Dinge aus den Vorlesungen in der Landschaft wiederzuerkennen.
Wolkenfetzen in den Bergen, Cormet de Roselend.
Die Straße ist hier in Südfrankreich in eine Steilwand gehauen.
Ein französisches Bergdorf.
Im Laufe der Tour fällt uns auch auf, dass jeder Pass seine eigene „Persönlichkeit“ hat. Manche sind klein und man macht sie zum Frühstück, andere sind von monumentalen Ausmaßen. Der Col du Izoard ist von wunderschönen Gesteinsformationen und gewundenen Straßen geprägt, den Cormet de Roselend fahren wir im Nebel rauf und können uns an den Wolkenfetzen im Nadelwald und dem intensiv blauen Bergsee gar nicht sattsehen. Manche Pässe bringen uns nah an unsere Grenzen, wie der Col du Galibier, der bei der Tour de France ein berüchtigter Widersacher des Pelotons ist. Manche Abfahrten sind rasend schnell, doch manchmal windet sich die Straße auch mit Serpentinen die Berge herunter und wir müssen immer wieder abbremsen. Dadurch werden unsere Felgen gefährlich heiß, wir müssen Pausen zu Abkühlen einlegen.
Noch mehr Wolkenfetzen im Wald.
Die Gesteinsformationen des Col de Izoard.
Mehr als nur Urlaub: Die Wirkung von Bergpässen auf das Selbstvertrauen.
Jeder Pass hinterlässt bei uns seinen Eindruck. Und am Ende merken wir, dass die Reise mehr als eine Reihe sehr spaßiger Abfahrten war. Ich war nämlich vor dem ersten Anstieg sehr nervös und etwas skeptisch gewesen, ob wir wirklich die höchsten Pässe der Alpen knacken könnten. Doch mit jedem Pass, den wir hinter uns lassen, wächst unser Vertrauen in unsere Ausdauer und unsere Beinmuskeln. Wenn wir mit unseren voll beladenen Rädern oben auf der Passhöhe stehen, wo selbst Rennradfahrer stolz vor dem Schild mit der Höhenmeterangabe posieren, sind wir wirklich stolz auf unsere Leistung. Es ist die Zufriedenheit einer bewältigten Herausforderung, die zuvor geradezu einschüchternd gewirkt hat. Und dieses Gefühl gibt uns beiden auch eine andere Sichtweise auf Probleme und Herausforderungen mit. Denn jetzt erwische ich mich tatsächlich manchmal beim Gedanken „Hey, Esra, du hast die höchsten Pässe in den Alpen bezwungen – dann schaffst du jetzt auch diese Hausarbeit“.
Stolz und verfroren an der Passhöhe des Roselend.
Schließlich erreichen wir unser Ziel, Nizza. Und werden prompt enttäuscht. Touristenmengen weit und breit, Preise die an Raub grenzen, und ein Hotel, das in jedem kitschigen Krimi als Fundort einer Drogenleiche dienen könnte. Wir sind offensichtlich verwöhnt von den Alpen, und müssen nun hier ausharren, bis uns der Nachtzug nach Hause bringt. Wir fahren nach Monaco, das liegt ja nur 25 Kilometer im Osten, doch das füllt nur einen Vormittag. Viel zu tun gibt es nicht in Nizza, außer sich an den Strand zu setzen und mal einfach nichts zu machen. Aber vielleicht brauchen wir auch gerade das, nach unserer Alpentour.
Ziel erreicht! Wir stehen an der Strandpromenade in Nizza.
Jetzt sind zwei Tage auspannen angesagt.
Mit wenig Geld von Budapest nach Zürich – Radreise von Esra & Josi
Ein einzelnes Zelt steht in der ungarischen Landschaft, daneben liegen zwei Fahrräder, und darauf scheint die Morgensonne. Es ist gerade mal halb sieben, doch unser Zelt ist schon auf dem besten Weg, ein kleines Gewächshaus zu werden. Wie gewohnt fängt also auch dieser Tag der Radreise früh an, wir packen alles zusammen und sind lange vor acht Uhr schon auf der Straße; für Studenten ist das noch mitten in der Nacht!
Wildcampen auf einem Feld in Ungarn
Unsere Route, 1.500 km durch fünf Länder in Zentraleuropa, ist auf Josis Tage als Au-Pair-Mädchen zurückzuführen. Vor Jahren war sie gleich zweimal für längere Zeit als Au-pair-Mädchen tätig, das erste Mal bei einer Familie in Ungarn, das zweite Mal in der Schweiz. Da sie mit beiden Familien noch befreundet ist, verbanden wir kurzerhand einen Besuch in Ungarn mit einem Besuch in der Schweiz, indem wir die Strecke mit dem Rad zurücklegten. Die Reise wurde auch eine Übung in Sparsamkeit, ohne dass wir unter Mangel leiden mussten. Wir hatten ein selbstbestimmtes Budget von 15€ am Tag. Da wir immer kostenlos übernachteten und auch keine Ausgaben für Transport hatten (Radfahren kostet nichts, wenn man Verschleiß mal außen vorlässt), waren diese 15€ auch oft genug für einen täglichen Restaurantbesuch.
Morgennebel begleitet das Zusammenpacken irgendwo in Deutschland.
Erste Etappe Ungarn – gemütliche Ländlichkeit in drückender Hitze.
Die Reise war Josis erste Tour mit dem Rad, und sie begann mit einem Tag, der auch erfahrene Radreisende an ihre Grenzen bringen konnte. Über 100 Kilometer lagen zwischen dem verwinkelten Budapest und der Farm von Josis Freunden, und bei knapp 40° Celsius und einer gnadenlos brennenden Sonne war die Strecke eine ausgesprochen schweißtreibende Angelegenheit. Dabei bot die ungarische Landschaft an sich genau das, was man sich als Radfahrer wünscht: Breite, wenig befahrene Straßen, ein paar Hügel, damit es nicht langweilig wird, und ansonsten Wälder, Wiesen und Dörfer, die einem beim Durchfahren einen Einblick in die ungarische Lebensweise auf dem Land bieten.
Josi, meine Freundin, mit ihrem Reiserad.
Die Woche auf dem Bauernhof von Josis ehemaliger Gastfamilie war wie eine Reise in die Zeit, aus der die Kindheitsgeschichten meiner Oma kommen. Nutztiere mussten versorgt werden, frisches Wasser konnte man aus dem Brunnen hochkurbeln, und für die typisch ungarische Gulaschsuppe wurde der gusseiserne Topf über ein offenes Feuer gehängt. Mal ein richtiger „Urlaub auf dem Land“. Irgendwann hatten wir dann aber auch wieder den Drang, die Landstraßen Ungarns unter den Reifen zu haben. Nächstes Ziel: Bratislava in der Slowakei.
Gulaschküche auf dem Ungarischen Land.
Unsere Räder, abfahrbereit auf der Farm. Nach einer Woche ging es weiter.
Bratislava, Wien, und der Donauradweg – unterwegs auf einem überfüllten Radweg.
In Bratislava und Wien kamen wir bei Servas-Gastgebern unter. Servas ist eine Friedensorganisation, die eine verbesserte Völkerverständigung anstrebt. Dieses Ziel wird umgesetzt, indem man Reisende zusammenbringt mit Leuten, die gerne Reisende aufnehmen. Josi und ich sind beide Mitglieder bei Servas und haben somit Zugriff auf die Gastgeberlisten, in denen lauter spannende Menschen auftauchen. Wir finden es beide viel angenehmer, bei „normalen Leuten“ unterzukommen, statt irgendeine günstige Jugendherberge aufzusuchen. Dadurch erfährt man meist mehr über die Stadt, in der man sich gerade befindet. Wenn man Glück hat, führen einen die Gastgeber auch ein bisschen herum; so war es in Wien, wo wir bei einem Paar unterkamen, die auch sehr gerne Rad fahren, und uns auf diese Weise die Stadt gezeigt haben.
Peter, unser Servas-Gastgeber in Bratislava. Er fährt selbst gerne Rad und wir erzählten viel mit ihm.
Unsere Gastgeber in Wien verbrachten den halben damit, uns die Stadt zu zeigen. Ein wirklich schöner Stadtbummel auf den Rädern.
Im Prinzip ist Servas wie Couchsurfing, nur klappt es meiner Erfahrung nach schneller, einen Gastgeber zu finden, da die Telefonnummern oft dabeistehen. Und natürlich kosten die Übernachtungen nichts.
Der Donauradweg führte uns aus Wien heraus und weiter nach Westen, doch wirklich warm wurden wir mit diesem hochfrequentierten Asphaltstreifen nicht. Zum einen konnten wir kaum nebeneinander fahren und uns unterhalten, der Verkehr an anderen Radfahrern war einfach zu groß. Hier trifft man alle Radfahrer, die sich nicht auf eine ruhige Landstraße trauen oder eine entschiedene Abneigung gegen jegliche Steigungen hegen. Zum anderen bietet die Lage des Radweges direkt neben einem breiten Fluss wie der Donau perfekte Konditionen für einen fiesen Wind. Und der schien einfach immer in die falsche Richtung zu wehen.
Der Donauradweg war nur an bewölkten Tagen (wie hier) frei von anderen Radfahrern.
Einen kleinen Abstecher mussten wir uns dann doch gönnen. Ich hatte eine nette Familie in der Servas Gastgeberliste gefunden, die 20 Kilometer abseits der Donau im „Mühlviertel“ lebten. Was ich nicht wusste: Das Mühlviertel ist eine sehr hügelige Landschaft in Österreich, und unsere 20 Kilometer gingen dort mit 700 Höhenmetern einher. Nach einem bereits recht anstrengenden Tag war Josi kaum begeistert von dieser Erkenntnis, und ich vertröstete sie jedes Mal: „Schau, nach der Kurve / nach der Hügelkuppe geht’s bestimmt wieder flach weiter!“ Natürlich hatte ich keine Ahnung, und mein Optimismus war immer fehl am Platz. Im Mühlviertel gibt es keine ebenen Straßen. Jetzt wird es schwierig, Josi eine Alpenradtour aufzuschwätzen…
Das ausgesprochen hügelige Mühlviertel.
Urlaub im eigenen Land
Auf dem Weg von Budapest nach Zürich muss man durch Deutschland durch, wenn man nicht gerade Alpenpässe sammeln möchte. Das Lustige daran ist, dass das Heimatland dann plötzlich einfach zu einem weiteren Teil der Reise wird. Ein Land, welches man beim Durchfahren mit den Augen des Touristen betrachtet, welches man mit einer gewissen Offenheit betritt, Neues zu finden. Natürlich hat es dabei geholfen, dass wir durch Bayern gefahren sind, von vielen bekanntermaßen gerne als fremdes Land bezeichnet. Besonderen Spaß hatten wir hier in den vielen Brauereien (genauer gesagt: Ich hatte dort meinen Spaß. Josi trinkt kein Bier). Und was die Straßen und Radwege angeht: Deutschland halt, kennt man. Alles relativ sauber und ordentlich, von Ungarn kommend auf jeden Fall beeindruckend. Das Wildcampen war auch hier kein Thema. Entweder fragten wir einen Bauern nach Erlaubnis, was sehr gut funktionierte, oder wir suchten uns einfach ein abgelegenes Plätzchen und hinterließen es genauso, wie wir es vorgefunden hatten.
Die Schweiz – Peinlich sauber, sündhaft teuer, wunderschön.
Beim sparsamen Reisen gibt es eine Reihe von Regeln, die es dringend zu beachten gilt: schlaf im Zelt, geh nicht oft in teure Restaurants, nutz ein kostengünstiges Transportmittel… und fahr nicht in die Schweiz! Diese letzte Regel konnten wir nur brechen, weil wir dort Freunde von Josi besucht haben. Wenn man nämlich nicht bei Freunden unterkommt, eignet sich dieses Land sehr gut dazu, zwei Monatssätze BAföG in einer Woche zu verheizen. Portion Pommes: 10,00€. Die billigsten Cornflakes im Supermarkt: 6,00€. Döner: 11,50€. Die Preise sind nichts für ein Studentenportemonnaie.
Der Blick auf Zug in der Schweiz.
Und doch, man muss es sagen: Es lohnt sich. Die Schweiz ist wunderschön. Dörfer wie aus dem Bilderbuch, perfekt gelegen in malerischer Berglandschaft. Landstraßen zum Dahinschmelzen, mit Asphalt, der gefühlt nie älter als ein halbes Jahr ist, die sich durch Wälder und vorbei an Kuhweiden schlängeln. Und alles ist so blitzeblank sauber! Schon wenn man aus Deutschland kommt, fällt der Kontrast auf. Wir kamen aber aus Ungarn, wo Müll am Straßenrand ein eher gängiger Anblick ist, und daher stach uns die nahezu vollkommene Abwesenheit jeglicher Verunreinigungen noch mehr ins Auge. Wenn ich Leuten von dieser Besessenheit der Schweizer mit Sauberkeit ein Bild machen möchte, erzähle Ich gerne vom Altglascontainer-Putzlastwagen. Josi und ich liefen in der Kleinstadt ihrer Gastfamilie die Straße hinunter und wurden nicht nur Zeugen davon, wie der Altglascontainer geleert wurde, sondern auch von seiner spektakulären (für nicht-Schweizer jedenfalls…) Reinigung. Ein zweiter Lastwagen stand nämlich bereit, hievte den Container per Kran-Arm hoch, und zwei große Rollen, wie man sie aus der Auto-Waschanlage kennt, führten den Container optisch zurück zu dem Zustand, in dem er einst das Fließband verließ. Ein Arbeiter spritze das saubere Ding nochmal zur Sicherheit mit einem Hochdruckreiniger ab, dann konnte es wieder mit Altglas gefüttert werden.
Die Container-Reinigungsanlage
Eine wunderbar breite Landstraße mit Fahrradstreifen!
Diese Aufmerksamkeit zum Detail ist nicht nur Altglasontainern vorbehalten, der Gesamteindruck ist entsprechend beeindruckend. Wir genossen die Zeit in der Schweiz sehr, wozu den Großteil natürlich Josis Gastfamilie beitrug. Wir fühlten uns aber auch mehrmals etwas fehl am Platz, zum Beispiel, als wir durch Zürichs „Reichenviertel“ radelten. Es war eine Welt für Menschen, deren Häuser mit Ausblick schon weit im Achtstelligen Bereich rangierten, und nicht für zwei zeltende Radfahrer, die nicht ganz so oft duschen, wie sie das zuhause tun würden.
Trotz dem Schweiz-Besuch: Pro Kopf Ausgaben von 450€ für einem Monat Reise!
Vorweg: diese doch sehr bescheidene Summe haben wir nur erreichen können, weil wir zwei Wochen bei Freunden verbrachten. Doch das ist eben auch einfach ein weiterer Weg, sparsam zu Reisen. Transport und Übernachtungen sind die größten Geldgräber, und wenn man daran sparen kann, wird die Reise sehr schnell sehr günstig. Um es nochmal zusammenzufassen: Mit Zelt und gelegentlichen Servas-Besuchen lernt man nicht nur Land und Leute besser kennen, man spart auch gut; vor allem, wenn man sich traut, wild zu campen. Das Rad ist billig in der Wartung und trinkt kein Benzin. Und eine gute Wahl des Reiselandes bestimmt, ob das Bier 1,00€ kostet (Budapest), oder 9,00€ (Zürich). „Ich hab kein Geld“ ist ein Klagegesang, der in meinen studentischen Kreisen oft angestimmt wird, doch das soll doch niemanden aufhalten müssen, in der vorlesungsfreien Zeit eine tolle Reise zu erleben!
Übersichtsseite Radreisen in Europa
Leuchtturm Kalender 2019
Im Jahr 2019 gibt es Fotos aus Portugal, Spanien, Schweden und der Bretagne
Diesmal gefällt mir die Mischung des Leuchtturm Kalenders ganz besonders gut. Das könnte ich jedes Jahr schreiben. Ich bin einfach stolz, dass dieser Kalender bereits im achten Jahr erscheint.
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Phare du Millier, Bretagne
Phare de Créac‘h, Ouessant, Bretagne
När Fyr, Gotland, Schweden
Cabo Trafalgar, Andalusien
Faro Cabo Silleiro, Galizien, Spanien
Skansudde, Gotland, Schweden
Der Leuchtturm – Penedo da Saudade, Portugal
Gränna am Vättern, Schweden
Phare de Saint-Mathieu, Bretagne
Vanäs Fyr, Vättern, Schweden
Cabo São Vicente, Algarve
Phare de Nividic, Ile d’Ouessant, Bretagne
Esra’s Auslandssemester in Göteborg – Rückblickende Gedanken
Das Auslandssemester neigt sich dem Ende zu, morgen ist das letzte Seminar an der Uni. Bald sitze ich wieder im Zug nach Deutschland und die Monate hier in Schweden werden früher oder später unter „Gute alte Zeit“ archiviert. Wie war es denn nun so, ein halbes Jahr in Skandinavien zu leben und zu studieren? Was waren die größten Unterschiede im Alltag? Ich habe mal ein paar Punkte zusammengeschrieben, die für mich das Leben hier wirklich schön (und manchmal umständlich) gemacht haben.
Die Walderreichbarkeit
Meine bescheidene Bleibe (ein Container, nett ausgebaut) liegt sehr zentral, die Stadtmitte ist keine zwei Kilometer entfernt. Trotzdem liegt wortwörtlich direkt vor meiner Haustür ein Hektar Wald. Überall in der Stadt sind Parks oder kleine Stücke Wald, die an den steilen Hängen der Hügel wachsen, die man nicht bebaut hat. Das Grün vor meinem Container ist aber kein Park mit angelegten Wegen und gepflegten Bäumen, es ist einfach eine kleine Enklave Wald in der Stadt, mit einer kleinen moorigen Fläche, einem Trampelpfad und einem Picknicktisch am anderen Ende, wo die Aussicht toll ist.
50 Meter von meiner Haustür entfernt war im März der Boden noch eingefroren.
Bei Nebel wurde aus dem natürlichen Refugium ein Hexenwald.
Hinter dem Wald hat man eine schicke Aussicht.
Und wenn man einen Kilometer nach Süden läuft und den Botanischen Garten durchquert, kommt man ins Naturreservat. Das ist einfach ein großer Wald, mit Seen und Wanderwegen, direkt im Süden der zweitgrößten Stadt Schwedens. Da ich gerne in der Natur herumlaufe, habe ich das Grünflächenangebot Göteborgs sehr genossen. Zuhause vermisse ich die Bäume – Rheinhessen ist die waldärmste Gegend in ganz Deutschland.
Allemansrätten (Das „Jedermannsrecht“)
Und wo wir gerade bei der Natur sind: In Schweden wird das Outdoor-Leben großgeschrieben. Wandern gehen, Kanufahren, Klettern, und Skifahren genießen hier allesamt Volkssportstatus. Und da die Schweden gerne in der Natur sind, ist es hier auch legal, auf allen wilden Grünflächen zu zelten.
Als Josi, meine Freundin, letztens hier war, haben wir also einfach die Räder genommen und sind mit einem geborgten Zelt irgendwo hingefahren. Nach ein paar Stunden waren wir am Meer, ein gutes Stück entfernt von der nächsten kleinen Siedlung, und hatten komplett unsere Ruhe. Wildgänse und Möwen haben die Luft mit einer wunderbaren Geräuschkulisse gefüllt, und das stille Wasser war nur ein bisschen zu kalt, um darin zu schwimmen (versucht haben wir es natürlich trotzdem).
Mit dem Rad ans Ende der Straße – und noch ein bisschen weiter!
Zelten ist überall erlaubt.
Josi und ihre Spiegellung im Dämmerlichtt.
Rad!
Und während man in Deutschland das Zelt beim Wildcampen immer schön verstecken muss, dass auch ja kein übereifriger Spaziergänger morgens um halb sieben die Polizei zwecks Verjagen der Camper ruft, kann man hier in Schweden ganz entspannt auf jeder passenden Fläche im Freien das Zelt aufschlagen. Himmlisch!
Systembolaget und ökonomischer Vegetarismus
Um wieder thematisch von der Natur in die Stadt zurückzukehren: Das Einkaufsverhalten ist hier in Schweden definitiv anders als zuhause. In Deutschland plant man seine Einkäufe brav um den heiligen Sonntag herum, an dem die Pforten aller Supermärkte mit der Selbstverständlichkeit des Amens in der Kirche verschlossen bleiben. Hier in Schweden (genau wie im Großteil vom Rest der Welt) stößt dieses Konzept auf Stirnrunzeln. Hier hat nämlich alles auf, bis auf Systembolaget. Das ist der einzige Laden, der Alkohol mit mehr als 3,5 Umdrehungen verkaufen darf. Staatlich kontrolliert, mit astronomischen Preisen und drakonischen Öffnungszeiten (Der Laden macht samstags bereits um 15 Uhr zu!) kauft man hier das Bier nicht Kisten-, sondern Dosen-weise. Die billigste Fasche Vodka ist aus Plastik und kostet trotz Desinfektionsmittelgeschmack noch über 20€, und das billigste Dosenbier will immerhin noch mit über einem Euro bezahlt werden. Damit will der Schwedische Staat den Alkoholkonsum seiner Bevölkerung in Grenzen halten. Weniger Alkohol als die Deutschen trinken die Schweden jedoch nicht. Sie trinken ihren Alkohol nur eben an weniger Tagen im Jahr. Eine Party wird hier der Preise wegen auch ohne Alkohol vom Gastgeber organisiert, außer die Person ist reich wie ein Ölscheich. Es bringt einfach jeder Sein Bier selbst mit.
Was das Essen angeht, so ist das Angebot nicht viel anders als in Deutschland, nur muss eben das ganze Gemüse auf seinem Weg vom Süden nochmal tausend Kilometer mehr im Lastwagen verbringen und ist daher etwas kleiner und älter. Und wenn ein Stück Fleisch auf dem Kassenband liegt, weint das Portemonnaie bittere Tränen. Das führt dazu, dass ich mich hier weitgehend vegetarisch ernährt habe. Eine Packung Hühnchen hat nur zu seltenen Anlässen seinen Weg in meine Pfanne gefunden.
Bildertouren
Wenn man mitten in einer schönen Stad lebt und dazu noch Sohn zweier Fotografen ist, dann zieht es einen immer wiederbei gutem Licht nach draußen. Ich habe es sehr genossen, immer wieder mit der Kamera und gelegentlich dem kleinen Rollei Stativ die Stadt zu fotografieren. Ob bei Nebel im Winter oder der späten Dämmerung im Sommer, Göteborg hat immer ein Motiv zu bieten.
Blaue Stunde an der berühmten Fischkirche.
Neblige Stimmung über der Hauptverkehrsstraße.
Nach 23 Uhr geht im Sommer immer noch was ab am Himmel.
In der Nähe des Hafens und der Innenstadt.
Mein 133. Sonnenuntergang in dieser tollen Stadt.
Und nochmal Nebelstimmung vom feinsten!
Fahrradinfrastruktur, Spikesreifen und die Fahrradküche
Wer mich kennt weiß, dass ich selten auf vier Rädern unterwegs bin. Zwei sind mir viel lieber, und deswegen habe ich mein Fahrrad auch mit nach Göteborg gebracht. Und ich muss wirklich sagen: zum Radfahren ist diese Stadt perfekt geeignet. Überall hin führt ein Radweg, teilweise auch schön getrennt von Fußwegen und Straße, damit sich dort keiner drauf verirrt. Die erstklassige Beschilderung lässt einen entspannt auch ohne Karte auf dem Handy fahren, denn jeder Stadtteil in der Nähe ist auf den Schildern aufgeführt. Viele Radwege haben auch einen Mittelstreifen, wie eine richtige Straße, und die Autofahrer in Göteborg sind sehr rücksichtsvoll, weil sie ja daran gewöhnt sind, mit Radlern die Stadt zu teilen. Es ist also ein Fahrradparadies! …Naja, nicht ganz. Manchmal ist der Radweg immer auf der falschen Straßenseite, man muss diese also dauernd wechseln. Und nicht jeder Weg ist brav getrennt vom Fußweg, was bedeutet, dass die Klingel schnell ausleiert.
Mein treues Rad lauert auf die nächste Fahrt.
Die Radwege sind teilweise so breit wie die Straße.
Im Januar war auf jeden Fall noch ein Stück Spezialausrüstung notwendig: Spikesreifen. Zwar wird immer und überall gestreut (zum Glück kein Salz), aber doch will man bei eisigen Konditionen die kleinen Stahlnoppen am Reifen haben. Das tiefe Summen der Reifen auf Asphalt ist dann überall zu hören, denn viele Radfahrer von hier lassen sich nicht von ein paar Grad unter Null und Schneegestöber aus dem Sattel treiben.
Und wer ohne Rad gekommen ist, kann ganz schnell eins bekommen, man muss nur zu „Cykelkötek“ gehen: der Fahrradküche. Das ist eine große, öffentliche Fahrradwerkstatt in der Nähe des Zentrums, wo alle alten, eingesammelten Räder der Stadt hingebracht werden. Wenn ein Mietshausbesitzer alle Jahre wieder die hinterlassenen Drahtesel vor seiner Immobilie abflext, dann landen die in der Fahrradküche. Und dort kann man für 5€ Mitglied werden, sich eines der rostigen, klapperigen Gestelle mit zwei platten Reifen aussuchen, und es mithilfe eines riesengroßen Magazins an Werkzeugen und kostenlosen Ersatzteilen wieder in einen fahrbaren Untersatz verwandeln. Genau das habe ich für Josi getan, damit sie hier auch ein Rad hatte, als sie mich mehrmals besuchen kam.
Alles in allem kann ich kaum etwas Negatives über dieses Semester sagen. Die Uni war Top, die Kurse spannend, und ich habe tatsächlich auch zwei, drei echte Freunde kennen gelernt, mit denen ich auch weiterhin in Kontakt sein werde. Nur mein Konto, das hat hart einstecken müssen. Grün und blau geschlagen liegt es in der Ecke und will nach Hause, wo eine Fahrradtasche voll mit den günstigeren Lebensmitteln im Supermarkt nicht 40€, sondern 15€ kostet.
Im April hab ich mal alle zusammengetrommelt, um ein Gruppenfoto zu machen.
Noch eins!