Der Ratgeber für die erfolgreiche Reisefotografie, Teil 3
Tipps für die Kameraeinstellungen und Kamerabedienung
Einleitung
Kameraeinstellungen an Beispielen erklärt.
Hast du auch noch Angst vor der Vielfalt der Menü- und Programmeinstellungen? Du willst nichts falsch machen und nutzt sicherheitshalber die Programm-Vollautomatik. Die Tiefen des Kameramenüs sind für dich ein Buch mit sieben Siegeln.
Leider verschenkst du so viele Möglichkeiten zur individuellen Bildgestaltung, und verzichtest auf das entscheidende Plus an Bildqualität.
Die Kameraeinstellung ist kein Hexenwerk, wenn du erst einmal das Zusammenspiel der grundlegenden Parameter ISO, Blende und Zeit verstanden hast.

In Myrland auf den Lofoten wurde diese Welle mit 1/320 Sekunde beim Aufprall eingefroren.
1. Vollautomatik, Motivprogramme oder alle Werte manuell einstellen?
Deine Kamera bietet dir eine umfassende Auswahl von Automatiken, Motiv- und Kreativprogrammen an. Und immer noch die gute alte manuelle Einstellung. Anfänger und fototechnisch wenig Interessierte tendieren zu Ersterem, »ernsthafte« Fotografen mehr zu Letzterem.

Das Programmwählrad einer DSLR der gehobeneren Preisklasse zeigt keine Motivprogramme an.
Vollautomatiken arbeiten im Grunde auch nur mit den Parametern Zeit, Blende und Empfindlichkeit. Du verlässt dich dabei auf die vom Hersteller einprogrammierten Algorithmen. Das ist zwar bequem, schränkt aber die Kontrolle über dein Bild ein, und in etlichen Situationen sind die Automatiken einfach überfordert.
Motivprogramme verhelfen dir schon eher zu technisch besseren Bildern, sofern du sie mit Bedacht auswählst und in der passenden Situation einsetzt.
Fast alle Motivautomatiken sind selbsterklärend. Es gibt Sinnvolles, wie Landschafts-, Sport-, Portrait-, oder Nahaufnahmeprogramme. Und Unnützes, wie diverse Bild- und Farbeffekte, oder Spezialprogramme für schwarze Katzen, weiße Hunde, schräge Vögel, und was den Kameradesignern sonst noch so hippes einfällt.
Der Vorteil der Motivprogramme ist gleichzeitig deren größter Nachteil. Bei einer typischen Fototour triffst du permanent auf die unterschiedlichsten Motive und Eindrücke. Theoretisch müsstest du dauernd die jeweils passenden Motivprogramme dazu aussuchen. Zu oft geht dabei der nötige Programmwechsel vergessen. So werden viele Fotostrecken versehentlich mit unpassenden Einstellungen fotografiert. Das hat zur Folge, dass die Mehrzahl der Knipser nach einem Ausflug in die Motivprogramme zurück zur Vollautomatik schwenkt.

Beispielhaftes Motivprogrammwirrwarr einer Kompaktkamera.
Die klassischen Kameraprogramme Zeitautomatik, Blendenautomatik und manuelle Einstellung, heißen im Neusprech der Hersteller Kreativautomatiken. Diese Programme setzen Kenntnisse über die Wirkung von Belichtungszeit und Blende voraus. Sie bieten dafür dem Fotografen den gestalterischen Freiraum, diese Parameter einfach und gezielt für die Bildwirkung einzusetzen.

In Myrland auf den Lofoten trifft eine Welle auf den gleichen Felsen, nur wurde diesmal mit 1/4 Sekunde belichtet. Die wegfliegenden Tropfen ziehen Linien, es ist als ob die Welle explodieren würde.
1.1 Ein Plädoyer für die Kontrolle der Belichtungseinstellungen
Nehmen wir einmal an, es herrscht Abenddämmerung, die letzten Sonnstrahlen streifen über Büsche und Bäume, und du willst unbedingt gegen die Sonne fotografieren. Du hast dein Stativ mitgebracht und möchtest den lichtdurchfluteten, mediterranen Eindruck der vor dir ausgebreiteten Landschaft einfangen.
Nimmst du jetzt das Landschaftsprogramm, wird es aufgrund des recht schwachen Lichts die Blende weit öffnen, damit du verwacklungssichere kurze Belichtungszeiten bekommst. Die Kamera kann ja nicht wissen, dass du ein Stativ dabei hast. Mit der geöffneten Blende verfehlst du aber den eigentlichen Zweck der Landschaftsautomatik, Schärfe vom Nahbereich bis zum Horizont zu erhalten.
Was alternativ passieren kann: deine Automatik schließt die Blende für ausreichende Tiefenschärfe, schraubt dafür die Empfindlichkeit hoch, um auf schnelle Belichtungszeiten zu kommen. Du hast damit zwar die gewünschte Schärfentiefe, leider verstärkt sich mit der hohen Empfindlichkeit auch das Bildrauschen und die Bildqualität sinkt.
Setzt du in dieser Situation die Zeitautomatik ein, hast du eine bessere Kontrolle über deine Einstellungen. Der Kamera überlässt du die Wahl der passenden Belichtungszeit.
- Du befestigst deine Kamera auf dem Stativ und wählst den Bildausschnitt.
- Du stellst den niedrigsten ISO-Wert ein, damit vermeidest du Bildrauschen.
- Dann wählst du Blende 16 für einen großen Schärfenbereich.
- Du stellst auf einen Baum in mittlerer Entfernung scharf und drückst den Auslöser.
- Du kontrollierst dein Bild im Kameradisplay. Stimmt die Helligkeitsverteilung? Gibt es ausgefressene oder abgesoffene Partien?
- Du hast jetzt die Möglichkeit, die Belichtungskorrektur zu benutzen, um in einem Nachschuss die Belichtung zu optimieren.
Mit dieser Methode erhältst du ein perfekt belichtetes, rauschfreies Bild mit durchgehend hoher Schärfe. Wenn du dann noch im RAW-Format fotografierst, kannst du die endgültige Feinjustierung von Belichtung und Kontrast, Detailwiedergabe und Farbgebung, im RAW-Konverter an deinem Computer vornehmen.

Seit Kameras vermehrt über das Rückdisplay bedient werden, werden auch mehr Erklärungen angezeigt
Schärfe und Detailzeichnung lassen sich leider nicht im Nachhinein verbessern. Das muss schon bei der Aufnahme sitzen, da hilft dir leider auch das Schärfen in der Nachbearbeitung nicht wirklich.

Das dritte Bild von Myrland zeigt die ruhige, meditative Wirkung einer extrem lange Belichtung. Die Wellen werden zu einem sanften Nebel. Für 60 Sekunden Belichtungszeit war ein starkes Graufilter nötig, damit das Bild nicht total überbelichtet wird.
2. Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeit
Damit der Kamerasensor die korrekte Lichtmenge für ein ausgewogen belichtetes Bild bekommt, müssen drei Einstellwerte miteinander abgeglichen werden:
Zeit – Blende – Empfindlichkeit
Sie sind wechselseitig voneinander abhängig; verstellst du einen, musst du zur Kompensation einen der beiden anderen ändern.
Zur Verdeutlichung: für eine jeweils identische Belichtung gilt:
- Schließe ich die Blende um eine Stufe, muss ich die Zeit verdoppeln.
- Schließe ich die Blende um eine Stufe, muss ich die ISO-Zahl verdoppeln.
- Erhöhe ich die ISO auf das Doppelte, muss ich die Zeit halbieren.
- Erhöhe ich die ISO auf das Doppelte, muss ich die Blende eine Stufe schließen.
2.1 Die Belichtungszeit
Um schnell laufende Menschen, Tiere, oder Fahrzeuge scharf abzubilden, benötigst du sehr kurze Belichtungszeiten, mindestens eine 1/1000 oder 1/2000 Sekunde.
Du kannst Bewegung auch verwischt darstellen, indem du eine relativ lange Zeit wählst: Mit 1/15 Sekunde verdeutlichst du die Fließbewegung eines Baches. Fotografiere ich das vorbeifahrende Auto mit einer 1/15 Sekunde, erscheint es als undefinierbarer Farbfleck auf deinem Bild.
Es sei denn, du folgst beim Fotografieren dem Auto mit der Kamera. Bei diesem Mitziehen bleibt das Auto erkennbar scharf, und der Hintergrund löst sich dafür in unscharfe Farbstreifen auf. Diesen dynamischen Effekt kennst du bestimmt von Fotos aus dem Auto- oder Motorradrennsport.

Die Felsnadeln wurden abends mit 24mm Brennweite 1,6 Sekunden bei Blende f/10 belichtet. Das reicht für Schärfe von vorn bis hinten, und daszurückfließende Wasser zieht Spuren.
2.2 Die Blende
Jetzt kommt ein wenig Theorie zum Verständnis der Funktion der Blende. Kennst du dich damit aus, kannst du gerne weiterblättern.
2.2.1 Die Blende als Belichtungssteuerungs-Element
Die Blende vergleiche ich gerne mit einem Wasserhahn. Sie regelt die Menge Licht, welche durch das Objektiv fällt, wie der Wasserhahn die Wassermenge regelt.
Die Blendenzahl zeigt an, wie weit die Blende geschlossen ist. Je größer die Zahl, desto stärker ist der Hahn zugedreht, desto weniger Licht dringt durch das Objektiv zum Aufnahmesensor vor.
Die Schreibweise für die Blende sieht so aus: f/11. f steht für die Brennweite des Objektivs (focal length), der Schrägstrich ist ein Divisionszeichen.
Das bedeutet in unserem Fall, dass der Durchmesser der Durchlassöffnung 1/11 der Brennweite beträgt. Bei f/22 ist der Durchmesser nochmals um die Hälfte kleiner, bei f/5.6 ist er gegenüber f/11 verdoppelt.
Wenn du in Geometrie aufgepasst hast, weißt du, dass sich die Fläche des Kreises vervierfacht, wenn du den Kreisdurchmesser verdoppelst.
Mit einer Halbierung des Durchmessers reduziert sich die Fläche auf ein Viertel.
Diese Fläche ist in unserem Fall die Größe der Durchlassöffnung des Objektives. Daraus folgt, dass eine Verdoppelung des Durchmessers eine Vervierfachung des Lichtdurchlasses bedeutet. Also dringt auch die vierfache Menge Licht durch.
Die Zahlen der offiziellen Blendenreihe sind bewusst so gewählt, dass die jeweils nachfolgende Blende genau die Hälfte der Lichtmenge durchlässt.
Die offizielle Blendenreihe in ganzen Stufen:
f/1.0 – f/1.4 – f/2.0 – f/2.8 – f/4 – f/5.6 – f/8 – f/11 – f/16 – f/22 – f/32 …
<— Aufblenden Abblenden —>
Deine Kamera zeigt auch Zwischenwerte wie f/4.5, f/6.7 oder f/14 an. Das sind Zwischenstufen.
Für eine feinere Belichtungsabstimmung steuern Kameras die Blende in halben oder Drittelschritten.

Angaben auf einer 20-fach Superzoom-Kamera. Im Weitwinkelende beträgt die Lichtstärke f/2.8 und sinkt bis zum Teleende um mehr als 2 Stufen auf f/5.7.
Auf den Kameraobjektiven ist ebenfalls eine Blendenzahl eingraviert, z.B. 24-50mm F2.8. Das ist ein Zoomobjektiv mit einer größten Öffnung von f/2.8, was für diesen Objektivtyp schon ordentlich lichtstark ist. Diese Zahl wird auch als Lichtstärke des Objektivs bezeichnet.

Der Papageitaucher wurde mit 400 mm Brennweite bei Blende f/10 aufgenommen. Die Unschärfekreise im Hintergrund haben die typische 8-eckige Form der Blendenöffnung.
Weil die Blende ein relativer Wert ist, bestimmt die Brennweite den tatsächlichen Durchmesser.
Vergleichen wir einmal ein 400mm F2.8 Teleobjektiv mit einem Superweitwinkel-Objektiv mit 15 mm und der gleichen Lichtstärke.
Brennweite 400 mm : 2,8 = 143 mm Durchmesser
Brennweite 15 mm : 2,8 = 5 mm Durchmesser
Das bedeutet: ein 15mm-Weitwinkelobjektiv mit 5 mm breitem Durchlass lässt genauso viel Licht durch, wie ein 400mm-Teleobjektiv mit einem untertassengroßen Durchmesser.
2.2.2 Die Blende steuert die Schärfeverteilung im Bild
Die Blende reguliert nicht nur die Lichtmenge, ihre weit größere Bedeutung liegt in der Tatsache, dass sie die Ausdehnung des Schärfenbereichs beeinflusst.
Wenn ich die Blende schließe, wächst der scharfe Bereich vor und hinter der eingestellten Entfernung.
Das machen wir uns auf zwei Arten zunutze: Bei Landschaftsaufnahmen blenden wir ab, um eine große Schärfentiefe (vom Vordergrund bis zum Horizont) zu erhalten.
Bei Porträts oder Nahaufnahmen öffnen wir dagegen die Blende, damit sich der Hintergrund in Unschärfe auflöst. So hebt sich das Hauptmotiv plastisch davon ab.
Die Ausdehnung der Schärfezone ist mit dem Blendendurchmesser verbunden. Ihr kennt bestimmt die Zerstreuungskreise, diese mehr oder weniger runden Lichtflecken im unscharfen Hintergrund.
Diese hellen Flecken sind exakte Abbilder der Blendenöffnung. Schaut nochmal auf das obige Rechenbeispiel mit den Brennweiten. Da seht ihr vielleicht den Grund, warum Weitwinkelobjektive eine viel größere Schärfenzone haben.
Der Zerstreuungskreis des 15mm-Weitwinkelobjektivs ist bei gleicher Blende fast 30 mal kleiner als der des 400mm-Teleobjektivs. Ein unscharfes Objekt wird vom Tele als ein Haufen großer überlagernder Lichtflecke abgebildet. Das Weitwinkel mit seinen fast punktförmigen Unschärfekreisen bildet dieses Objekt immer noch erkennbar ab.

Die Blende f/9 reicht beim 24 mm Weitwinkel für die Schärfentiefe von der vorderen Möwe bis zum Leuchtturm aus.
2.3 Die Empfindlichkeit – der ISO-Wert
Du brauchst kurze Zeiten, damit du die Aufnahme nicht verwackelst. Gleichzeitig willst du die Blende für einen großen Schärfenbereich weit schließen. Warum kannst du dann nicht einfach die Empfindlichkeit hochstellen?
Das wäre natürlich ideal. Leider lässt mit steigender Empfindlichkeit die Bildqualität nach. Das Bildrauschen wird verstärkt, die Farben wirken matter, und die Details gehen zunehmend verloren.
Bis zu einem gewissen Grad ist eine Empfindlichkeitssteigerung vertretbar. Es kommt entscheidend darauf an, mit welcher Art Kamera du fotografierst. Als Faustregel gilt:
Je größer der Sensor, desto geringer das Rauschen!
Je mehr Pixel der Sensor hat, desto kräftiger das Rauschen!
Bei hochwertigen Kameras ist die Qualitätseinbuße bis etwa 1000 ISO unauffällig. Darüber hinaus nimmt die Bildqualität mehr oder weniger rapide ab.

Größe der Kamerasensoren im Vergleich
Erhöhe die ISO also nur, wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind, oder wenn du unbedingt kurze Belichtungszeiten UND Tiefenschärfe brauchst, wie zum Beispiel bei Sportveranstaltungen. Dafür bekommst du etwas körnigere Bilder, was aber kein Nachteil sein muss. Körnigkeit ist auch ein Gestaltungsmittel und wird oft mit Reportagefotos unter widrigen Bedingungen asoziiert.
2.4 Wie setzt du die Theorie ins praktische Fotografieren um?
GANZ EINFACH! Benutzt als Standardprogramm die Zeitautomatik, die ist mit der Abkürzung »A« oder »Av« (Aperture Value = fester Blendenwert) auf dem Programmwählrad oder im Display gekennzeichnet.
Du wählst zuerst die Blende vor. Eine weit geöffnete, wenn du dein Motiv vor dem Hintergrund freistellen willst, oder kurze Belichtungszeiten braucht. Eine geschlossene, wenn du einen großen Schärfentiefenbereich benötigst.
Dabei hältst du die Zeitanzeige im Auge und erhöhst notfalls die ISO, falls das Licht zu schwach ist und du ohne Stativ fotografierst.

Über die INFO-Taste rufst du einen Überblick über die wichtigsten EInstellungen auf.
2.5 Vollmanuelle Einstellung von Zeit und Blende
Nicht wenige Hobbyfotografen folgen dem aktuellen Retrotrend, die Belichtung rein manuell abzugleichen. Sie verstellen so lange von Hand Zeit und Blende, bis der Indikator auf der Belichtungsskala im Sucher auf der mittleren Null-Position steht. Sie messen punktuell mit der Spotmessung, und stellen die Entfernung manuell ein, frei nach dem Motto: »Zurück zu den Wurzeln«.
Das ist bestimmt lehrreich und spannend, kostet aber Zeit. Spontan können so die wenigsten fotografieren. Wir benutzen die Zeitautomatik, kombiniert mit der Belichtungskorrektur, und haben ähnlich gute Kontrolle über die Belichtung, uns sind damit schneller.
Der Manuell-Modus macht Sinn, wenn du einen Polarisationsfilter einsetzt und einen elektronischen Sucher oder das Kameradisplay zum Einstellen benutzt. So kannst du den Polfiltereffekt besser erkennen. Die Kameraautomatik würde beim Verdrehen des Polfilters in Echtzeit gegensteuern und die Einschätzung der Polfilterwirkung erschweren.
Wir setzen die manuelle Einstellung auch in Situationen ein, wo wir Bildserien fotografieren und absolut gleichmäßige Belichtung brauchen, wie z.B. bei Panoramaaufnahmen.
2.5.1 Welche Belichtungszeiten empfehlen wir?
Wir geben hier eine allgemeine Orientierungshilfe für die Belichtungszeitwahl:
- Schnell bewegte Objekte scharf abbilden: 1/1000 bis 1/8000 Sekunde.
- Menschen in normaler Bewegung: mindestens 1/125 Sekunde.
- Fließendes oder spritzendes Wasser scharf: 1/1000 Sekunde
- Fließendes oder spritzendes Wasser weich: 1/8 bis 1/30 Sekunde
- Mitziehen bei schnell bewegten Objekten: 1/15 bis 1/60 Sekunde
Die empfohlenen kürzesten Belichtungszeiten aus der Hand reichen von:
- 1/15 Sekunde in Weitwinkelstellung, bis
- 1/200 Sekunde in Telestellung
- bei längeren Telebrennweiten sind 1/500 bis 1/1000 Sekunde nicht verkehrt
- Wundere dich aber nicht, wenn bei 1/15 Sekunde die Menschen unscharf sind. Sie laufen ja herum, da brauchst du mindestens 1/125 Sekunde, wie oben geschrieben.

Die Pferde auf der Belle-Ile, mit dem Tele aufgenommen, heben sich wegen der geringen Schärfentiefe plastisch vom Hintergrund ab.
2.5.2 Welche Blendeneinstellungen sind in bestimmten Situationen sinnvoll?
Mit den Blendenzahlen verhält es sich etwas komplexer. Ähnlich wie bei den Brennweiten spielt auch hier die Sensorgröße eine Rolle.
Je kleiner der Sensor, desto größer ist die Schärfentiefe. Smartphones und Kompaktkameras haben einem dermaßen großen Schärfebereich, dass der Autofokus fast überflüssig ist. Für das Freistellen vor unscharfem Hintergrund sind diese Kameratypen nicht geeignet, weil du den Hintergrund überhaupt nicht unscharf bekommst..
Die nachfolgend genannten Blendenwerte und die Ratschläge gelten deshalb für Kameras mit Vollformat- oder APS-Sensoren.
Besitzt du eine Kamera des Micro-Four-Thirds Systems, solltet ihr die nächstoffenere Blenden stufe einsetzen. Also f/8 statt f/11 oder f/4 an Stelle von f/5.6.
Blende f/11 bis f/16 (f/8 bis f/11 für Micor-Four-Thirds)
Eignet sich für Landschaftsaufnahmen, die von vorne bis hinten scharf sein sollen. Stelle dabei auf eine mittlere Entfernung oder auf das bildbestimmende Element scharf.
Noch stärkeres Abblenden bis f/22 oder f/32 verschlechtert die Schärfe wieder. Das hat physikalische Gründe (Lichtbeugung an den Blendenlamellen).
Blende f/5.6 bis f/8
Das ist gewöhnlich der Bereich, in dem die Objektive die beste Abbildungsleistung zeigen. Gut für Schnappschüsse und allgemein Fotografieren aus der Hand.
Blende f/1.4 bis /2.8 (haben nur lichtstarke Objektive)
Für eine möglichst schmale Schärfenzone, ideal für das Freistellen vor unscharfem Hintergrund.
2.6 Die Hintergrundunschärfe
Unscharfer Hintergrund hängt von 4 Faktoren ab:
- Die Sensorgröße! Je größer der Sensor, desto stärker der Schärfeabfall weg vom eingestellten Schärfepunkt.
- Die Lichtstärke! Beim Standard-Zoom liegt die maximale Blendenöffnung bei f/3.5 bis f/5.6. Das ist zu wenig für einen wirklich unscharf aufgelösten Hintergrund. Lichtstarke Zooms haben eine größte Öffnung von f/2.8, Festbrennweiten von f/1.4.
- Die Brennweite! Wenn du Telebrennweiten benutzt, bekommst du auf einfachere Art einen unscharfen Hintergrund. Teleobjektive haben konstruktionsbedingt eine sehr geringe Schärfentiefe und eignen sich ideal zur Freistellung deines Motivs.
- Die Aufnahmeentfernung! Je näher du einen Gegenstand fotografierst, desto geringer ist der Schärfebereich, und desto stärker verschwimmt der Hintergrund.
Bei Makroaufnahmen kehrt sich das Problem um. Irgendwann bist du so dicht am Motiv dran, da musst du kräftig abblenden, sonst hast du nur einen wenige Millimeter tiefen Schärfebereich.
2.7 Die Belichtungskorrektur
Mit der Belichtungskorrektur kannst du Bilder bewusst dunkler oder heller belichten. Die Belichtungsautomatik weiß ja nicht, ob sie weißen Schnee oder eine schwarzen Kohlehalde vor der Linse hat. Sie versucht deshalb, alles mit einer durchschnittlichen Helligkeit aufzunehmen. Die „berühmten“ grauen Schneeaufnahmen aus dem Skiurlaub kennst du bestimmt.
Grundsätzlich werden dunkle Farben heller und helle Farben dunkler abgebildet. Mit der Belichtungskorrektur kannst du diesem Trend gegensteuern.
Bei der Dominanz von dunklen Farben (schwarze Katze im Kohlekeller) belichte eine bis zwei Blenden unter, sonst ist die Katze beleidigt.
Bei hellen Motiven (Schneelandschaft) belichtest du ein bis zwei Blenden über, damit verliert der Schnee den gefürchteten Grauschleier.
Die Belichtungskorrektur kannst du gut zum Optimieren deiner Fotos benutzen. Betrachte nach der Aufnahme das Bild im Kameradisplay. Wenn es dir zu hell erscheint, macht das Foto noch einmal mit Minus-Korrektur, wenn es zu dunkel wirkt, fotografiere nochmal mit Plus-Korrektur. Eine komfortable Entscheidungshilfe ist das Histogramm, das du über die Infotaste zum Kameradisplay zuschalten kannst. Das Histogramm zeigt dir die Belichtungsverteilung von dunkel bis hell an.
Die Belichtungskorrektur ist besonders wertvoll, wenn du im JPG-Format fotografierst, weil JPGs nicht so weitreichend nachbearbeitet werden können wie RAW-Bilder. Das RAW-Format hat einen größeren Kontrastumfang und nimmt Fehlbelichtungen weniger übel. Wir verwenden beim RAW-Format die Korrektur hauptsächlich, wenn die Gefahr besteht, dass helle Bildteile wegen krasser Überbelichtung ausfressen.
Für Fortgeschrittene erklären wir Schritt für Schritt, wie du Langzeitbelichtungen mit und ohne nd Filter bei Tag und bei Nacht machst.
Reisefotografie Tutorial
Smartphone-Fotografie mit dem Lumia 950
Fotografieren mit dem Windows-Phone Lumia 950
Startbildschirm mit Windows 10
Vor Kurzem nutzten wir auf dem Reisebloggertreffen in Köln die Gelegenheit, uns das Windows-Phone Lumia 950 für zwei Wochen auszuleihen.
Jetzt haben wir also auch so ein Brettchen in der Hand, mit einem Display, auf dem wir selbst mit der Lupe keine Pixel ausmachen können, und einer Kamera, die laut dem anwesenden Microsoft-Produktmanager aus dem Hause ZEISS stammt. Der Manager erklärt noch die Business-Funktionen und die Einbindung in die Windows-10-Welt, danach wird es für uns interessant, als es ans Fotografieren geht. Macht für uns als Fotografen und Blogger so ein Smartphone überhaupt Sinn? Brauchen wir sowas? Wir haben doch meist wesentlich leistungsfähigeres Equipment dabei.
Schnappschuss im belgischen Viertel, Köln
leckerer Nachtisch im Lindner Hotel, Köln
Viola Lakritz, in Lightroom bearbeitet
Viola Lakritz, im Smartphone bearbeitet und vignettiert
Domblick, Lindner Hotel
Zumindest regt sich die Fotografenneugierde bei uns. Die Telefonfunktionen interessieren uns erst Mal weniger, wir haben auch keine SIM-Karte dabei. Das Einzige, was wir neben dem Fotografieren mit dem LumiA 950 noch probieren, ist mit dem WLAN des Lindner Hotels etwas im Internet surfen.
Fotos bei schwachem Licht
Das 8. Kölner Bloggertreffen startet mit einer Besichtigung des Lindner Hotel City Plaza. Dann gibt es einen Vortrag zum Fotografieren mit Smartphone und danach ziehen wir in der Abenddämmerung gemeinsam mit der Bloggertruppe durch das belgische Viertel. Es wird zusehends dunkler, aber das Lumia hält tapfer mit. Es erstaunt uns, wie leistungsfähig diese kleinen Fotochips heutzutage sind.
Die Dämmerungsleistung wird nur dadurch getrübt, dass das Lumia recht schnell auf längere Belichtungszeiten umstellt. Ist auch logisch, da die Empfindlichkeit nicht unendlich hochgezogen werden kann. Trotz eingebautem optischem Bildstabilisator werden Fotos aus der Hand zunehmend zum Glücksspiel, vor allem in den Innenräumen.
Die Kamera des Smartphones bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten, um dem zu begegnen. Ich habe zu spät dran gedacht, einfach eine passende Belichtungszeit manuell einzustellen. Mir macht das Fotografieren mit dem Handy viel Spaß. Der Bildschirm ist groß, die Darstellung brillant, die Einstellungen, die man vornehmen kann, sind sehr intuitiv. Das Auslösen funktioniert über einen Extraschalter oben am Smartphone oder über das Antippen des Bildschirms. Der Schärfepunkt ist mit einem Fingertipp auf das Display festgelegt und folgt auch den Gesichtern. Ist das Lumia ausgeschaltet, genügt ein Druck auf den Kameraauslöseknopf und es ist aufnahmebereit. Es geht also alles flott mit dem Gerät vonstatten, so wird man kaum einen Schnappschuss verpassen.
Ingwer Tee, abends in der Kneipe, bei äußerst schwachem Dämmerlicht aufgenommen
Nachts in der Stadt, Langzeit, angelehnt an der Laterne, Farben im Lumia entsättigt
Fotos bei Tageslicht
Zwei Tage später sind wir in Belgien im Hallerbos, dem Wald der blauen Blumen, denn es ist gerade Blütezeit und das wollen wir auf gar keinem Fall verpassen. Bei Tageslicht haben wir keine Probleme mit Verwacklungen. Übersichten und Detailaufnahmen sind von guter Qualität. Die Nahgrenze ist ordentlich und bei normalen Aufnahmen dominiert natürlich die Weitwinkelperspektive.
Das Lumia hat auch ein Zoom, das anfangs sogar in engen Grenzen optisch funktioniert, hat uns zumindest der Produktmanager erzählt. Aber sehr bald schaltet das Lumia sein Digitalzoom zu, welches bekanntermaßen keinen Qualitätsvorteil mehr bringt. Geringes Heranzoomen ist also zu empfehlen, stärkeres Zoomen sollte man unterlassen. Im Wald bin ich allerdings mehr mit meiner Spiegelreflex und dem Teleobjektiv beschäftigt und nutze das Handy eher für Selfies. Die würde ich mit meiner großen Kamera nicht so einfach hinbekommen.
Bildserien und Filme
Das Lumia filmt maximal in 4K-Auflösung, wir haben uns weise auf Full-HD beschränkt, um den Speicherplatz nicht vollzumüllen. Eine Micro-SD-Karte hatten wir leider nicht mitgenommen, aber die ungefähr 25 GB freien Speicherplatz des Smartphones nehmen eine Menge Bilder auf.
Ist der Film dann gespeichert, können wir direkt beliebige Frames als Einzelfoto extrahieren.Was sehr praktisch ist, wenn sie ein Motiv bewegt und man sich mit der Auslöseverzögerung des Handys schwer tut, den richtigen Moment zu erwischen.
Mit einem Fingerwischer öffnet sich die manuelle Kontrolle
Andere Möglichkeiten sind ein Burst-Modus, in dem viele Bilder schnell hintereinander aufgenommen werden und man das beste heraussucht. Und bei Blitzaufnahmen nimmt das Lumia parallel ein ungeblitztes Bild auf. Auf dem Display liegen die beiden Bilder übereinander, mit einem Schieberegler lässt sich der Blitzeffekt stufenlos ein- oder ausblenden. Wir finden das ziemlich cool, nachträglich die Stärke des Blitzes anpassen zu können.
Mehr als Gag gedacht sind bewegte Bilder. Im Burst-Modus aufgenommene Fotos legt das Lumia als GIF-ähnliches animiertes Bild ab, was fast immer für Erheiterung sorgt. Wir schaffen es bislang aber noch nicht, diese Datein so auf unser Notebook zu tranferieren, dass die Bewegung auch hier automatisch zu sehen ist. Mal sehen, vielleicht bekommen wir das noch hin? Eventuell wäre es gegangen, diese Fotos direkt vom Smartphone zum Beispiel auf Facebook hochzuladen.
Bei einigen speicherhungrigen Foto- oder Filmmodi geraten Vielfotografierer hin und wieder an ihre Grenzen, wenn das Lumia beschäftigt ist, den vollen Arbeitsspeicher in den Flashspeicher zu schreiben. Das ist uns in den zwei Wochen auch ein paar Mal im Eifer des Gefechts passiert.
Die Bearbeitung der Fotos in der Kamera ähnelt den Parametern, die einem bei Instagram zur Verfügung stehen. Mir macht das sehr großen Spaß.
RAW- oder JPG-Format?
Neben dem Standard-JPG-Format bietet das Lumia die Option, Fotos im DNG-Format zusammen mit einem kleineren JPG abzulegen. Die DNGs enthalten anscheinend keine eingebetteten Vorschaubilder, so gerät das Betrachten am Notebook zur Geduldsprobe. Nützlich ist das RAW-Format bei Aufnahmen mit feinstrukturierten Details. Die werden manchmal von der in-Kamera-Optimierung der JPG-Bilder in Mitleidenschaft gezogen.
Wir empfehlen deshalb für den alltäglichen Einsatz das JPG-Format, und für wertvolle und feinstrukturierte Motive das DNG-Format. Die interne Bearbeitung der Fotos fanden wir insgesamt sehr gut, warum sich also die Mühe mit dem DNG machen?
Aufnahmegeschwindigkeit
Bei gutem Licht und guten Kontrastverhältnissen stellt das Lumia flott scharf. Bei wenig Licht oder bei unserem dunkelfelligen Dackel dauert es schon ein Stück länger. Die Autofokusgeschwindigkeit einer Profi-Spiegelreflex darf man natürlich nicht erwarten. Eine feine Sache zur Umgehung der Autofokus-Verzögerung ist die manuelle Vorfokussierung.
Unser langer Dackel Grindel im Garten, das getigerte Fell kommt gut zur Geltung
Unser langer Dackel Grindel – damit tat sich das Smartphone schwer – Grindes ist zu wuselig
Manuelle Einstellungen und Nachbearbeitung
Viele Parameter, wie Belichtungskorrektur, ISO, Belichtungszeit und Entfernungseinstellung sind mit einem Antippen erreichbar. So lassen sich schnellere Zeiten bei ungenügenden Lichtbedingungen realisieren.
Noch wichtiger finden wir die manuelle Entfernungseinstellung. Allgemein sind Smartphones nicht mit dem schnellsten Autofokus gesegnet. Wir stellen einfach die Entfernung am Lumia manuell ein, und umgehen so bei bewegten Motiven oder bei schlechtem Licht die Autofokusverzögerung.
Die Nachbearbeitungsmöglichkeiten im Lumia 950 begeisterten uns enorm. Ich bin es gewohnt, die Fotos am »großen« Rechner anzusehen und zu optimieren. Das ist bei den Smartphonefotos aber gar nicht wirklich nötig. Von der Balance zwischen geblitzter und ungeblitzter Szene, dem Erstellen bewegter Bilder, bis zu der Korrektur von Tonwerten, Belichtung, Kontrast, Schärfe und Rauschverhalten, viele Bearbeitungs-Apps, darunter auch Photoshop-Express, machen es möglich. Das macht ja auch Sinn, weil man zeitnah und direkt vom Handy aus via Internet die ganzen Social Media Plattformen bedienen will. Ich finde es insgesamt spannend und spaßig, mit dem Lumia Fotos zu bearbeiten.
Noah putzt Fenster, Schnappschuss
Blume im Garten bei Sonnenschein
Und das ganze nochmal in 100% Ansicht – sieht super gut aus, wie wir finden.
Ausschnitt in Originalgröße
Fazit
Das Lumia 950 ist als Kamera unter guten Bedingungen zu hochauflösenden, scharfen Fotos in der Lage. Selbst in der Dämmerung ist es noch gut brauchbar, auch wenn die Detailzeichnung mit zunehmender Dunkelheit abnimmt. Die Bedienung der Fotofunktionen ist weitgehend selbsterklärend und auch für den Laien leicht zu verstehen.
Das Hauptproblem für uns ist nicht Lumia-typisch, es trifft gleichermaßen alle Smartphones und auch sucherlose Kameras, die über das Display bedient werden: die typische Smartphone-Fotohaltung mit ausgestreckten Armen vor dem Gesicht ist wenig geeignet für ein ruhiges und verwacklungsfreies Auslösen. Die Zahl der unscharfen Bilder steigt dramatisch an, so bald es dämmrig wird und die Kamera längere Zeiten wählt. Es sei denn, man drückt das Smartphone fest an eine Mauer und riskiert Kratzer, wenn man wie wir ohne Schutzhülle unterwegs ist. Merkt euch also:
Wer nicht stabilisiert, der verliert
Die Bildqualität reicht für die üblichen Zwecke voll aus, für Publikationen in Druckmedien dürfte es gerade noch gehen, falls die Aufnahmebedingungen optimal waren und nicht verwackelt wurde.
Sucherbild mit Grid und oben die erweiterte Schnell-Einstellleiste. Das meiste ist selbsterklärend.
In vielen Belangen kann das Lumia einer Kompaktkamera das Wasser reichen. Das fehlende optische Zoom wird durch die Tatsache kompensiert, dass das Smartphone immer dabei ist. Ich denke, dass auch für uns endlich die Zeit für ein Smartphone gekommen ist. Wahrscheinlich werden wir aber auf eine günstigere Version des Lumia zurückgreifen.
Herzlichen Dank an Janett von www.teilzeitreisender.de und Anja von Travel on Toast für die Organisation des Bloggertreffens in Köln. Es hat uns großen Spaß gemacht, dabei zu sein.
Herzlichen Dank auf für das Leihgerät an Pina von Microsoft.
#RBCGN #lumia950 #lumiacgn
Hallerbos, Belgien – Der Wald in Blau
Hallerbos-Waldweg
Aktuell: Neue Bilder und Text! Letztes Jahr besuchten wir den Wald nach der Tour in die Bretagne. Die Region eignet sich ideal als Zwischenstopp. Und da jetzt wohl niemand dort ist, können sich die Pflanzen und der Wald wohl erholen. Und wir können uns an den Fotos erfreuen. Viel Spaß damit.
Hallerbos – Ein Ausflug in den Wald der blauen Blüten
Ganz in der Nähe des Ballungsgebietes von Brüssel, südlich von Halle, liegt ein Waldstück voller Magie. Im Frühling blühen dort ungefähr drei Wochen lang die Hasenglöckchen, eine blaue Hyazinthenart. An vielen Stellen wirkt der Wald, als hätte jemand einen riesigen blauen Teppich verlegt.
Lichtdurchfluteter Hallerbos
Die Blütezeit – Ende April, Anfang Mai
Ende April waren wir auf dem Kölner Bloggertreffen zu Gast. Da bot sich im Anschluss ein Abstecher nach Belgien in den Hallerbos an. Hallerbos bedeutet „Wald von Halle“.
Wir hatten schon mit dem Gedanken gespielt, mit dem Wohnmobil dort hin zu fahren. Ein Glück, dass wir davon Abstand genommen haben. Selbst mit unserem VW-Bus war die Fahrerei im Umfeld des Waldes nicht ganz einfach.
Hasenglöckchen im Sonnenschein
Hasenglöckchen im Sonnenschein
luftig, frischer Wald mit blauen Hasenglöckchen
Farbenpracht – Hallerbos, Belgien
Farbenpracht – Hallerbos, Belgien
Chaotische Verhältnisse bei der Parkplatzsuche
Je näher wir unserem Ziel kommen, desto enger werden die Straßen. Straßen ist übertrieben, die Wege sind kaum breiter als unser Bus. Die Straßenränder sind komplett zugeparkt. Wir irren eine ganze Weile über enge, verschlungene Wege. Ich werde langsam ungeduldig, denn das Nachmittagslicht ist perfekt und ich will endlich fotografieren. Doch die Sucherei dauert noch. Die Zufahrt zum Parkplatz Nummer 8, der dicht am größten Hasenglöckchengebiet liegt, ist gesperrt. Wir fahren eine Umleitung und landen wieder in schmalen Gassen. Zu guter letztfinden wir die Einfahrt zum Parkplatz Nummer 1.
Trotz Halteverbotschildern ist die Zufahrt zum eigentlichen Parkplatz von hilflos rangierenden Fahrzeugen blockiert. Es ist Sonntagnachmittag, und kein guter Tag für einen solchen Ausflug. Schließlich löst sich das Autoknäuel auf und wir sichern uns ein Plätzchen am Waldeingang. Ein enger Wanderpfad führt in den blühenden Wald.
Viele Wege führen in die Irre, Hallerbos
Bitte auf den Pfaden bleiben
Rechts und links der Pfade sind alle Blümchen zertrampelt, trotz der vielen Hinweisschilder, die das Verlassen der Pfade untersagen. Das ist so was von Scheiße. Plattgetretene Blümchen sterben ab und wachsen nicht mehr nach. Sie sind weg, für immer!
Wir fangen an zu fotografieren. Es ist schon 17:00 Uhr und die Masse der Sonntagsbesucher ist auf dem Weg zu den umliegenden Restaurants oder nach Hause. Es wird ruhiger. Wir haben trotzdem noch viel Gelegenheit, uns über die Leute zu ärgern, die für Selfies in die Blüten hineinstapfen.
Die Sonne scheint, der Himmel über den Wipfeln ist blau. Das immer noch grelle Licht ist eher suboptimal. Macht aber nichts, es gefällt uns hier.
Vor allem, weil der Wald auch ohne Fotografenaugen traumhaft schön ist. Die Luft ist frisch, und die Blüten strömen einen intensiven Geruch aus. Der sporadisch auftretende Fluglärm nervt etwas, doch der hört bald auf.
Waldweg im Hallerbos
Hallerbos, Belgien
Hasenglöckchen, Hallerbos
Urige Bäume im Hallerbos
Zur besten Fotozeit sind wir allein im Wald
Als die Sonne tief am Horizont steht, sind wir fast allein im Wald. Es ist still geworden, es riecht gut, und es sieht super gut aus. Der Wind rüttelt leicht an den saftigen, frühlingsgrünen Blättern. Den attraktivsten Platz im Wald haben wir noch nicht gefunden – deswegen sind wir ganz allein. Keine Fotografen, keine Spaziergänger, nur unsere Stative und wir beide. Es macht sehr großen Spaß, dieses natürliche Farbspektakel fotografisch einzufangen.
ein kleiner Sonnenstrahl schafft es noch in den Wald
frische Grün vor strahlendem Stamm, Hallerbos
frische Grün vor strahlendem Stamm, Hallerbos
Nach Sonnenuntergang werden die Farben ausgeglichener
Noch haben wir auch keine Idee, wo wir die Nacht verbringen werden. Nach Anbruch der Dunkelheit suchen wir ein Hotel. Dummerweise ist eine Minute vor uns ein ganzer Bus polnischer Touristen angekommen und verstopft die Rezeption. Wir stehen uns die Beine in den Bauch. Eine junge Dame hat Sonderwünsche, und so geht eine weitere Stunde ins Land, bis wir nach 22:00 Uhr endlich die Karte für’s Zimmer in der Hand halten. Gunter hat sich zwischendurch eine Schachtel Nudeln aus dem gegenüberliegenden Imbiss geholt. Mein Magen knurrt auch. Das Hotelrestaurant schließt gleich, und es gibt nur noch Salatbüffet. Ich hätte gerne einen kleinen Salatteller. 18 Euro will der Ober dafür kassieren, er hat kein Entgegenkommen. Wahrscheinlich wird das ganze Essen sowieso gleich in den Müll geworfen. So hole ich mir kurz vor Ladenschluss schnell noch einen plastikverpackten Salat aus dem Imbiss. Wegen es unnötigen Plastiks habe ich ein schlechtes Gewissen.
Frisches Grün im Hallerbos
Kleiner Baum im Hallerbos
Zweiter Tag im Wald
Trotz der bequemen Betten sind wir früh auf den Beinen. Frühstück hatten wir keines mitgebucht. Heute wollen wir endlich die Hauptregion der Blüten im Wald besuchen. Doch alle Straßen zum Parkplatz 8 sind gesperrt. Auch den Parkplatz 9 erreichen wir nicht. Wieder kurven wir vergeblich eine Stunde durch enge, winklige Gassen und über schmale Wege. Auf dem Parkplatz 4 finden wir schließlich einen Platz für unseren Bus und laufen umgehend los. Die Sonne scheint am wolkenlosen Himmel, hier im Wald wäre uns Nebel oder sogar leichter Regen lieber gewesen. Schade, ein wenig früher hätten wir vor Ort sein müssen.
Hallerbos, Belgien
An diesem Montagmorgen gehört der Wald uns fast allein. Nur ein paar Fotografenkollegen sind mit Stativen unterwegs, und sie verhalten sich wesentlich respektvoller gegenüber der Flora, als die gestrigen Sonntagsausflügler. Niemand trampelt heute auf den Blumen herum. Aus allen Richtungen überfluten Eindrücke und Motive unsere Sinne. Wir fotografieren auch noch, als das Licht gegen Mittag zu grell wird. Dieser Hallerbos ist einfach traumhaft und ich empfehle euch unbedingt einen Besuch.
Hallerbos im Gegenlicht
Ich habe mir schon überlegt, soll ich wirklich darüber schreiben und Fotos zeigen? Wird der Wald dann nicht noch mehr überlaufen und plattgetreten?
Ja, ich denke schon, dass ich drüber schreiben sollte. Sonst würdest du das hier ja auch nicht lesen. Diesen malerischen Wald sehen und fotografieren zu können, weckt Erstaunen und Ehrfurcht vor der Natur. Die Zahl der Wochenendbesucher zeigt, dass wir Menschen die Schönheit in der Natur suchen und brauchen. Ich wünsche mir nur, dass die Überwachung und die Ausschilderung verbessert werden, bevor der Blumenteppich unrettbar zertrampelt ist, und appelliere an alle, die hierher kommen, etwas Rücksicht zu nehmen. Auch die Parkplätze zu den Waldwegen könnten etwas besser ausgeschildert sein.
früh morgens im Wald
Frisches Grün – der Frühling kommt in großen Schritten
Ein Hasenglöckchen steht allein im Wald
Bäume
Waldimpressionen
Waldpfad
Luftig, frisch, wohlriechend, guttuend
Was mich am meisten fasziniert, ist dieser Kontrast: die Gassen, die Häuser, die überall parkenden Autos wirken sehr trist und abweisend. Selbst bei stahlendem Sonnenschein. Anscheinend sagt uns die belgische Nachkriegs-Architektur nicht wirklich zu. Dann der Pfad in den Wald und eine neue, wunderschöne Welt voller Ästhetik tut sich auf. Und die Natur, sie tut so gut. Warum ist die Natur so schön? Damit wir sie genießen können. Damit wir sie genießen!
Hallerbos im Gegenlicht
Weg im Hallerbos
Praktische Tipps:
Absperrungen am Wegesrand
Buchenwald mit Hasenglöckchen
Drei Jahre später
Einen Stellplatz zu finden…
Wir kommen gerade von unserer Bretagne-Tour zurück und haben gerade die schlimmsten Staus des Oster-Rückreiseverkehrs hinter uns gebracht. Eine zweitägige Verschnaufpause in Hallerbos tut uns bestimmt gut, bevor es endgültig nach Hause geht.
Wohnmobil-Stellplätze beim Wald von Hallerbos sind rar. Die Parkplätze rund um das Waldstück sind nicht zur Übernachtung freigegeben. Der nächste Stellplatz für Wohnmobile ist in Huizingen, nordöstlich von Halle. Den zu finden ist nicht so leicht, wie gedacht. Trotz Navi fahren wir wiederholt an der gut getarnten Einfahrt vorbei, bis ein freundlicher Anwohner Mitleid mit uns kriegt und uns zur Einfahrt lotst.
Der Campingplatz Oasis ist ein Mobilhome-Platz mit fest installierten Wohneinheiten, direkt an der Autobahn. Wohnmobile kommen eher selten hier hin. Mit Müh und Not finden wir ein halbwegs gerades, geschottertes Plätzchen. Die Alternative wäre eine schräge Wiesenecke, in der sich tiefe Fahrrinnen abzeichnen.
Irgendwie machen wir den Platzwart ausfindig, ein klappriges Männchen, das schon stark auf die Hundert zu geht, und zahlen. Der Greis meint, Hallerbos ist nur zwei Kilometer entfernt, und so machen wir uns erwartungsvoll auf den Weg.
Aber erst müssen wir die Autobahn über- oder unterqueren, einige steile Hügel auf und ab fahren, und im Endeffekt sind es doch gut sechs Kilometer bis zum Wald. Luftlinie sind es zwei Kilometer – das ist schon ein Unterschied.
Hasenglöckchen mit Buchenwald
Blick nach oben, Hallerbos
Hallerbos 2016 – was hat sich geändert
Der Wald ist noch genauso schön, wie vor zwei Jahren, die Wege genauso verwirrend. Trotz der an den Pfaden kostenlos erhältlichen Karten verlaufen wir uns dauernd und kommen nicht richtig vom Fleck. Und selbst mit Fahrrädern sind wir im Wald nicht wesentlich schneller als zu Fuß. Erst spät nachmittags erreichen wir unsere Lieblingsstellen.
Was sich offensichtlich geändert hat, ist die Zugänglichkeit verschiedener Waldabschnitte. Die kleineren Pfade sind alle gesperrt, die größeren Wanderwege sind mit Seilabsperrungen eingefasst, die „Wald betreten verboten“ signalisieren. Da wurden die Touristenmassen anscheinend so gewaltig, dass die Parkverwaltung die Notbremse ziehen musste, um den Bestand der blauen Hasenglöckchen zu schützen.
Hallerbos im Gegenlicht
Berichten, oder nicht berichten, das ist hier die Frage
Wir lieben den Wald von Hallerbos und fühlen uns dort tierisch wohl. Hallerbos ist ein fantastisches Ziel für Fotografen aus aller Welt, und leidet aber zunehmend an den immer weiter steigenden Besucherzahlen. Nicht umsonst ist Übernachten in der Umgebung entweder kompliziert oder teuer.
Einerseits wollen wir anderen Fotografen und Waldliebhabern diese wunderschöne Location nicht vorenthalten, andererseits sorgen wir mit unserer Berichterstattung für noch mehr Zulauf und tragen somit zur Zerstörung dieses Erholungsgebietes bei.
Darum der dringende Appell an unsere Leser: Fahrt auf jeden Fall einmal hin zum Wald nach Halle, aber bleibt um Gottes Willen auf den Pfaden und haltet euch an die Anweisungen der Parkverwaltung. Nur so können wir noch lange dieses schöne Stück Erde geniessen.
Reisefotografie – kreativer Einfluß der Brennweite auf die Bildgestaltung
In diesem Teil unseres umfassenden Reisefotografie Tutorials zeigen wir dir, wie du Brennweiten kreativ einsetzt und welche Menüeinstellungen sinnvoll sind, um bestmögliche Bildqualität aus deiner Kamera herauszuholen.
1. Der kreative Einsatz der Brennweiten
Weitwinkelobjektive sind nicht nur dazu gedacht, soviel wie möglich aufs Bild zu bringen, und ein Tele ist nicht nur ein bequemes Instrument für Lauffaule.
Weitwinkelbrennweiten vergrößern den Vordergrund überproportional, der Hintergrund wird relativ klein abgebildet. Er rückt in weite Ferne. Vorder- und Hintergrund werden mit dem Weitwinkelobjektiv weit auseinandergezogen.
Teleobjektive haben einen sehr engen Blickwinkel. Sie betonen den Hintergrund und holen ihn näher heran. Vorder- und Hintergrund rücken im Bild dicht zusammen. Damit werden auch die Größenproportionen wahrheitsnäher abgebildet.
Kreuz von Kapelludden auf Öland. Nah am Kreuz stehend, mit 18 mm Weitwinkel augenommen wirken die Fischerhütten relativ klein.
Kreuz von Kapelludden auf Öland. Gehe ich etwas weiter weg und benutze ein leichtes 55 mm Tele, erscheinen die Hütten in Relation zum Kreuz viel größer.
Das eröffnet unzählige Möglichkeiten für das Spiel mit der Perspektive:
Hast du dich nicht schon darüber geärgert, dass die mächtigen Berge auf dem Gruppenbild mickrig aussehen und ganz und gar nicht imposant wirken?
Der Fotograf hat wahrscheinlich dicht vor der Gruppe gestanden, wollte gleichzeitig viel aufs Bild bekommen und hat darum eine Weitwinkelbrennweite eingesetzt.
Wäre er hundert Meter zurück gegangen, und hätte ein Tele benutzt, wären die Größenverhältnisse ausgeglichener.. Die Berge im Bild wären jetzt keine kleinen Steinhaufen, sondern würden mächtig und imposant über den Leuten thronen.
Ein Beispiel für Vordergrundbetonung haben wir auf den Shetland-Inseln bei den Ponys eingesetzt. Die weichen samtigen Schnauzen haben uns dermaßen fasziniert, dass wir sie unbedingt prominent ins Bild setzen wollten. Wir haben dafür unsere stärkste Weitwinkelbrennweite eingesetzt, den Ponys die Kamera direkt vor die Schnauze gehalten, und dann eine ganze Bildserie geschossen. Auf den Bildern dominiert die Pony-Schnauze das Bild total, und lädt geradezu zum Anfassen ein. Alles andere drumherum, wie Weide, Zäune und Wolken, ist nur Beiwerk.
Das Shetland Pony wurde mit 11mm Weitwinkel bei blende f/8 und mit Aufhellblitz fotografiert.
Über den kreativen Einsatz von Brennweiten ist schon so viel geschrieben worden. Wir wollen nicht alles nochmal wiederkäuen, sondern dich an dieser Stelle ermuntern, intensiv damit herum zu experimentieren. Das ist mehr wert als tausend Bücher zu lesen.
Das gemäßigte Tele bringt den aufziehenden Schneesturm groß ins Bild.
Das gleiche Motiv, nur mit Weitwinkel aufgenommen. Die Sturmwolke ist von blauem Himmel umgeben und wirkt kleiner, nicht mehr so bedrohlich.
2. Wichtige Kamera-Grundeinstellungen
In diesem Abschnitt tauchen wir in die Tiefen des Kameramenüs ab. Neben Zeit, Blende und ISO, die für die Belichtung zuständig sind, gibt es noch andere Basis-Einstellungen, die Einfluss auf die Qualität der Aufnahme haben. Zum Glück musst du die meisten davon nur ein einziges Mal korrekt einstellen.
2.1 Das Dateiformat
Hier hast du die Wahl zwischen RAW- und JPG-Format. RAW-Dateien fallen gegen JPGs hinsichtlich Brillanz und Farbe auf den ersten Blick deutlich ab. Das liegt daran, dass die JPG-Bilder automatisch in der Kamera verarbeitet und optimiert werden, während du deine RAW-Bilder später selbst am Computer bearbeitest.
Eine RAW-Datei kannst du dir wie einen Stapel verschiedener Bildversionen vorstellen. Im RAW-Format stecken viel mehr Daten drin, als du auf den ersten Blick siehst.
Selbst krass fehlbelichtete und farbstichige Bilder lassen sich aus einer RAW-Datei noch rekonstruieren. Wegen des hohen Informationsgehaltes sind RAW-Dateien um ein Vielfaches größer als JPGs. Und für die Bearbeitung am Computer benötigst du einen RAW-Konverter. Diese Bildoptimierung wird, angelehnt an die klassische Dunkelkammerarbeit, Entwicklung genannt. Entsprechende Programme liegen meist den Kameras bei, oder du kaufst dir die Software von Adobe Lightroom, Capture One oder DxO Optics.
Ein Tipp: Wenn du deine Bilder normalerweise als JPG speicherst, weil du mit RAW-Dateien wenig anzufangen weisst, oder du nicht nachbearbeiten willst, beachte bitte folgendes:
Bei interessanten Motiven, oder schwierigen Lichtverhältnissen, welche das JPG-Format wahrscheinlich überfordern, stell in deinem Kameramenü die Bildspeicher-Option so ein, dass JPG- und RAW-Format parallel gespeichert werden. Die RAW-Datei hast du dann als Edelreserve in der Hinterhand und du kannst dich bei Bedarf an der RAW-Entwicklung versuchen.
2.2 Der Bildstil
Mit dem Bildstil bestimmt ihr die allgemeine Bildwirkung. Soll es bunt und grell wirken, oder doch eher luftig und sanft?
Kontrast, Farbsättigung, Farbton und Schärfe sind in Voreinstellungen festgelegt. Bei »Neutral« und »Natürlich« sind die Farben verhalten, bei »Landschaft« sind sie kräftig bunt. Der »Porträt«-Stil bewirkt gedämpfte Farben und einen weichen Eindruck durch verhaltenes Schärfen.
Wir benutzen meist die Bildstile »Landschaft« und »Neutral«.
Bildstil: Landschaft. Bunte kräftige Farben direkt aus der Kamera.
Bildstil: Neutral. Dezente Farbgebung, passt mehr für Portraits. Dieses Bild ist ebenfalls ohne Nachbearbeitung.
Andere Bildstile wie »Sepia« oder »Monochrom« sind absolut unnütz. Mit denen wird die komplette Farbinformation aus der Aufnahme entfernt, und lässt sich nicht mehr zurückholen, außer du benutzt das RAW-Format. Diese Effekte kannst du ausgiebig am Computer auf tausend verschiedene Arten mit der Bildbearbeitungssoftware ausprobieren.
Bildstil: Monochrom. Damit kannst du wenig anfangen. Ein Farbbild bietet in Verbindung mit einem Schwarz-Weiß-Konverter tausend Mal mehr Möglichkeiten der Kontraststeuerung.
2.3 Der Weißabgleich
Der Weißabgleich sorgt dafür, dass Weiß auch im Bild weiß bleibt, und nicht gelblich oder lila wird. Wir nutzen den automatischen und den benutzerdefinierten Weißabgleich. Der automatische Weißabgleich bringt fast immer akzeptable Ergebnisse. Und da wir im RAW-Format fotografieren, ist ein falscher Weißabgleich nicht tragisch, wir können ja bei der Entwicklung die Farbtemperatur auf beliebige Werte nachregeln.
Den benutzerdefinierten Weißabgleich stellen wir bei farbkritischen Motiven ein, wenn die Farbtemperatur exakt stimmen muss. Dafür benötigst du eine postkartengroße Neutralgraukarte, zur Not geht auch ein weißes DIN A4-Blatt. Das wird für die Referenzmessung vor Ort abfotografiert. Zusätzlich muss dieses Bild im Kameramenü als Referenzaufnahme ausgewählt werden. Erst dann nimmt die Kamera die nachfolgenden Bilder farbrichtig auf.
Merke: Weißabgleich und Bildstil lassen sich bei RAW-Dateien jederzeit nachträglich ändern!
2.4 Der Autofokus – die beiden Grundeinstellungen
Wir setzen bei der Mehrzahl unserer Aufnahmen den One-Shot-Autofokus, kombiniert mit manueller Messfeld-Wahl ein. Die Entfernungseinstellung speichern wir über den halb durchgedrückten Auslöser. Das die sicherste Methode für das bewusste Platzieren der Schärfe auf einen bestimmten Punkt, wenn auch nicht die allerschnellste.
Für bewegte Motive und Actionaufnahmen schalten wir auf den kontinuierlichen Autofokus um.
Den kombinieren wir mit automatischer Messfeldauswahl und Bewegungsverfolgung. Das ist die schnelle Methode für dynamische Motive, wenn auch nicht die sicherste.
ACHTUNG: Nicht alle Kameramodelle und Objektive sind entsprechend leistungsfähig für eine Bewegungsverfolgung, auch wenn alle diese Option zulassen.
Tipp: Teste den kontinuierlichen Autofokus deiner Kamera gründlich, bevor du auf eine längere Reise gehst. Damit kriegst du ein Gefühl dafür, was du deiner Ausrüstung zutrauen kannst.
Die »intelligenten« Autofokus-Vollautomatiken mit kombinierter Gesichts-, Bewegungs-, Offene-Augen- und Lächeln-Erkennung sind in der Theorie ideal, in der Praxis kommt es aber immer wieder zu Fehlfokussierungen. Die Automatik mag plötzlich den verästelten Wald im Hintergrund lieber als die davorstehenden Personen, und daheim stellst du dann entsetzt fest, dass der einmalige Schnappschuss unscharf ist.
Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass die Gesichtserkennung im Nahbereich gut funktioniert. Sobald aber die Person weiter entfernt steht, legt die Automatik die Schärfe oft auf den Hintergrund, obwohl der Schärfeindikator eindeutig auf dem Gesichtsbereich liegt.
2.5. Sonstige Einstellungen
Es gibt noch weit mehr Einstellmöglichkeiten im Kameramenü und in den sogenannten Custom-Einstellungen. Diese sind in erster Linie dazu da, die Kamera möglichst gut an deine Bedürfnisse und deine Arbeitsweise anzupassen.
Arbeite dich an einem ruhigen Abend durch die verschiedenen Einstellebenen des Kameramenüs, nimm das Kamerahandbuch zum Nachschlagen und probiere die unterschiedlichen Einstellungen durch.
Bei Menüpunkten, wie Tonwert- oder Farboptimierung, solltest du vor und nach dem Verstellen ein paar Testbilder schießen. Vergleiche die Testdateien miteinander. Neben der Farbabstimmung und dem Kontrasteindruck richte dein Augenmerk (bei 100%iger Darstellung) auf Detailwiedergabe, Rauschverhalten und auf die Hell-Dunkel-Kantenübergänge.
3. Überflüssige Menü-Einstellungen
3.1 Das Digitalzoom
Diese Funktion bringt absolut keinen Qualitätsgewinn! Sie schneidet nur den Randbereich des Bildes rundherum ab, die Bildmitte wird vergrößert. Damit simuliert die Kamera einen engeren Bildwinkel, und täuscht eine Teleaufnahme vor. Mit dem Digitalzoom gemachte Bilder haben entsprechend geringere Auflösung. Diese Art des Beschneidens kannst du effektiver am PC durchführen. Hier kannst du nicht nur die Bildgröße, sondern auch die Position des Ausschnitts frei wählen.
3.2 Farbfilter, Effektfilter, Sepia-Modus, Schwarzweiß-Modus und andere Bildverfremdungen
Ob Bildstil, Effektfilter oder Motivprogramm, dieses Bündel an Bildwerkzeugen ist unnütze Spielerei. Als Resultat hast du ein Bild, welches mit einem einzigen, nicht mehr rückgängig zu machenden Effekt verschandelt ist.
Fotografiere einfach ein farbiges und unverfälschtes Bild. Am PC kannst du deinem Spieltrieb dann freien Lauf lassen. Da kannst du hunderte von Effekten anwenden und alle gelungenen Varianten speichern. Speziell die Schwarz-Weiß-Konvertierung kannst du am PC viel besser und genauer durchführen.
3.3 Rauschunterdrückung bei hohen ISO
Bildrauschen automatisch entfernen, das hört sich verlockend an: du schaltest die Rauschunterdrückung ein, und hast im Handumdrehen ein glattes, sauberes Bild.
Die Sache hat leider einen Haken: Diese Funktion beseitigt zwar effektiv die Körnigkeit im Bild, aber gleichzeitig auch die feinen Strukturen. Haare, Wiesengras, Äste oder Laub mutieren zu unschönen matschigen Farbflecken. Da ist mir ehrlich gesagt ein bisschen Rauschen lieber. Das kann ich bei der Bildbearbeitung gezielt und fein gesteuert vermindern, und gleichzeitig auf die Bilddetails Rücksicht nehmen.
3.4 Datumseinblendung und Bilderrahmen
Die Unsitte der Datumseinblendung ist völlig veraltet und hat auch bei Dokumentaraufnahmen keine Beweiskraft mehr. Das digitale Bild enthält sowieso in den Metadaten die Werte für Zeit, Datum, zusätzlich noch viele Kamera- und Belichtungseinstellungen. Wenn du diese Daten wirklich in dein Bild hineinkopieren willst, kannst du das nachträglich ohne viel Aufwand mit deiner Bildbearbeitungssoftware bewerkstelligen. In jeder beliebigen Größe, Farbe und Position.
Die Bilderrahmenfunktion findet sich meist in Kompaktkameramodellen für den Gelegenheitsknipser, und als App in Smartphones und Tablets. Das ist ganz lustig, wenn ihr mal schnell liebe Grüße über Facebook schicken wollt, nur mit so einem eingerahmten Bild kannst du sonst nicht viel mehr anfangen.
Nochmal unser Papageitaucher. Wenn schon Rahmen, dann mit der Bildbearbeitung an einer Kopie des Originals.
Reisefotografie Tutorial
Kameraeinstellungen Zeit, Blende und ISO an Bildbeispielen erklärt
Der Ratgeber für die erfolgreiche Reisefotografie, Teil 3
Tipps für die Kameraeinstellungen und Kamerabedienung
Einleitung
Kameraeinstellungen an Beispielen erklärt.
Hast du auch noch Angst vor der Vielfalt der Menü- und Programmeinstellungen? Du willst nichts falsch machen und nutzt sicherheitshalber die Programm-Vollautomatik. Die Tiefen des Kameramenüs sind für dich ein Buch mit sieben Siegeln.
Leider verschenkst du so viele Möglichkeiten zur individuellen Bildgestaltung, und verzichtest auf das entscheidende Plus an Bildqualität.
In Myrland auf den Lofoten wurde diese Welle mit 1/320 Sekunde beim Aufprall eingefroren.
1. Vollautomatik, Motivprogramme oder alle Werte manuell einstellen?
Deine Kamera bietet dir eine umfassende Auswahl von Automatiken, Motiv- und Kreativprogrammen an. Und immer noch die gute alte manuelle Einstellung. Anfänger und fototechnisch wenig Interessierte tendieren zu Ersterem, »ernsthafte« Fotografen mehr zu Letzterem.
Das Programmwählrad einer DSLR der gehobeneren Preisklasse zeigt keine Motivprogramme an.
Vollautomatiken arbeiten im Grunde auch nur mit den Parametern Zeit, Blende und Empfindlichkeit. Du verlässt dich dabei auf die vom Hersteller einprogrammierten Algorithmen. Das ist zwar bequem, schränkt aber die Kontrolle über dein Bild ein, und in etlichen Situationen sind die Automatiken einfach überfordert.
Motivprogramme verhelfen dir schon eher zu technisch besseren Bildern, sofern du sie mit Bedacht auswählst und in der passenden Situation einsetzt.
Fast alle Motivautomatiken sind selbsterklärend. Es gibt Sinnvolles, wie Landschafts-, Sport-, Portrait-, oder Nahaufnahmeprogramme. Und Unnützes, wie diverse Bild- und Farbeffekte, oder Spezialprogramme für schwarze Katzen, weiße Hunde, schräge Vögel, und was den Kameradesignern sonst noch so hippes einfällt.
Der Vorteil der Motivprogramme ist gleichzeitig deren größter Nachteil. Bei einer typischen Fototour triffst du permanent auf die unterschiedlichsten Motive und Eindrücke. Theoretisch müsstest du dauernd die jeweils passenden Motivprogramme dazu aussuchen. Zu oft geht dabei der nötige Programmwechsel vergessen. So werden viele Fotostrecken versehentlich mit unpassenden Einstellungen fotografiert. Das hat zur Folge, dass die Mehrzahl der Knipser nach einem Ausflug in die Motivprogramme zurück zur Vollautomatik schwenkt.
Beispielhaftes Motivprogrammwirrwarr einer Kompaktkamera.
Die klassischen Kameraprogramme Zeitautomatik, Blendenautomatik und manuelle Einstellung, heißen im Neusprech der Hersteller Kreativautomatiken. Diese Programme setzen Kenntnisse über die Wirkung von Belichtungszeit und Blende voraus. Sie bieten dafür dem Fotografen den gestalterischen Freiraum, diese Parameter einfach und gezielt für die Bildwirkung einzusetzen.
In Myrland auf den Lofoten trifft eine Welle auf den gleichen Felsen, nur wurde diesmal mit 1/4 Sekunde belichtet. Die wegfliegenden Tropfen ziehen Linien, es ist als ob die Welle explodieren würde.
1.1 Ein Plädoyer für die Kontrolle der Belichtungseinstellungen
Nehmen wir einmal an, es herrscht Abenddämmerung, die letzten Sonnstrahlen streifen über Büsche und Bäume, und du willst unbedingt gegen die Sonne fotografieren. Du hast dein Stativ mitgebracht und möchtest den lichtdurchfluteten, mediterranen Eindruck der vor dir ausgebreiteten Landschaft einfangen.
Nimmst du jetzt das Landschaftsprogramm, wird es aufgrund des recht schwachen Lichts die Blende weit öffnen, damit du verwacklungssichere kurze Belichtungszeiten bekommst. Die Kamera kann ja nicht wissen, dass du ein Stativ dabei hast. Mit der geöffneten Blende verfehlst du aber den eigentlichen Zweck der Landschaftsautomatik, Schärfe vom Nahbereich bis zum Horizont zu erhalten.
Was alternativ passieren kann: deine Automatik schließt die Blende für ausreichende Tiefenschärfe, schraubt dafür die Empfindlichkeit hoch, um auf schnelle Belichtungszeiten zu kommen. Du hast damit zwar die gewünschte Schärfentiefe, leider verstärkt sich mit der hohen Empfindlichkeit auch das Bildrauschen und die Bildqualität sinkt.
Setzt du in dieser Situation die Zeitautomatik ein, hast du eine bessere Kontrolle über deine Einstellungen. Der Kamera überlässt du die Wahl der passenden Belichtungszeit.
Mit dieser Methode erhältst du ein perfekt belichtetes, rauschfreies Bild mit durchgehend hoher Schärfe. Wenn du dann noch im RAW-Format fotografierst, kannst du die endgültige Feinjustierung von Belichtung und Kontrast, Detailwiedergabe und Farbgebung, im RAW-Konverter an deinem Computer vornehmen.
Seit Kameras vermehrt über das Rückdisplay bedient werden, werden auch mehr Erklärungen angezeigt
Schärfe und Detailzeichnung lassen sich leider nicht im Nachhinein verbessern. Das muss schon bei der Aufnahme sitzen, da hilft dir leider auch das Schärfen in der Nachbearbeitung nicht wirklich.
Das dritte Bild von Myrland zeigt die ruhige, meditative Wirkung einer extrem lange Belichtung. Die Wellen werden zu einem sanften Nebel. Für 60 Sekunden Belichtungszeit war ein starkes Graufilter nötig, damit das Bild nicht total überbelichtet wird.
2. Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeit
Damit der Kamerasensor die korrekte Lichtmenge für ein ausgewogen belichtetes Bild bekommt, müssen drei Einstellwerte miteinander abgeglichen werden:
Zeit – Blende – Empfindlichkeit
Sie sind wechselseitig voneinander abhängig; verstellst du einen, musst du zur Kompensation einen der beiden anderen ändern.
Zur Verdeutlichung: für eine jeweils identische Belichtung gilt:
2.1 Die Belichtungszeit
Um schnell laufende Menschen, Tiere, oder Fahrzeuge scharf abzubilden, benötigst du sehr kurze Belichtungszeiten, mindestens eine 1/1000 oder 1/2000 Sekunde.
Du kannst Bewegung auch verwischt darstellen, indem du eine relativ lange Zeit wählst: Mit 1/15 Sekunde verdeutlichst du die Fließbewegung eines Baches. Fotografiere ich das vorbeifahrende Auto mit einer 1/15 Sekunde, erscheint es als undefinierbarer Farbfleck auf deinem Bild.
Es sei denn, du folgst beim Fotografieren dem Auto mit der Kamera. Bei diesem Mitziehen bleibt das Auto erkennbar scharf, und der Hintergrund löst sich dafür in unscharfe Farbstreifen auf. Diesen dynamischen Effekt kennst du bestimmt von Fotos aus dem Auto- oder Motorradrennsport.
Die Felsnadeln wurden abends mit 24mm Brennweite 1,6 Sekunden bei Blende f/10 belichtet. Das reicht für Schärfe von vorn bis hinten, und daszurückfließende Wasser zieht Spuren.
2.2 Die Blende
Jetzt kommt ein wenig Theorie zum Verständnis der Funktion der Blende. Kennst du dich damit aus, kannst du gerne weiterblättern.
2.2.1 Die Blende als Belichtungssteuerungs-Element
Die Blende vergleiche ich gerne mit einem Wasserhahn. Sie regelt die Menge Licht, welche durch das Objektiv fällt, wie der Wasserhahn die Wassermenge regelt.
Die Blendenzahl zeigt an, wie weit die Blende geschlossen ist. Je größer die Zahl, desto stärker ist der Hahn zugedreht, desto weniger Licht dringt durch das Objektiv zum Aufnahmesensor vor.
Die Schreibweise für die Blende sieht so aus: f/11. f steht für die Brennweite des Objektivs (focal length), der Schrägstrich ist ein Divisionszeichen.
Das bedeutet in unserem Fall, dass der Durchmesser der Durchlassöffnung 1/11 der Brennweite beträgt. Bei f/22 ist der Durchmesser nochmals um die Hälfte kleiner, bei f/5.6 ist er gegenüber f/11 verdoppelt.
Wenn du in Geometrie aufgepasst hast, weißt du, dass sich die Fläche des Kreises vervierfacht, wenn du den Kreisdurchmesser verdoppelst.
Mit einer Halbierung des Durchmessers reduziert sich die Fläche auf ein Viertel.
Diese Fläche ist in unserem Fall die Größe der Durchlassöffnung des Objektives. Daraus folgt, dass eine Verdoppelung des Durchmessers eine Vervierfachung des Lichtdurchlasses bedeutet. Also dringt auch die vierfache Menge Licht durch.
Die Zahlen der offiziellen Blendenreihe sind bewusst so gewählt, dass die jeweils nachfolgende Blende genau die Hälfte der Lichtmenge durchlässt.
Die offizielle Blendenreihe in ganzen Stufen:
f/1.0 – f/1.4 – f/2.0 – f/2.8 – f/4 – f/5.6 – f/8 – f/11 – f/16 – f/22 – f/32 …
<— Aufblenden Abblenden —>
Deine Kamera zeigt auch Zwischenwerte wie f/4.5, f/6.7 oder f/14 an. Das sind Zwischenstufen.
Für eine feinere Belichtungsabstimmung steuern Kameras die Blende in halben oder Drittelschritten.
Angaben auf einer 20-fach Superzoom-Kamera. Im Weitwinkelende beträgt die Lichtstärke f/2.8 und sinkt bis zum Teleende um mehr als 2 Stufen auf f/5.7.
Auf den Kameraobjektiven ist ebenfalls eine Blendenzahl eingraviert, z.B. 24-50mm F2.8. Das ist ein Zoomobjektiv mit einer größten Öffnung von f/2.8, was für diesen Objektivtyp schon ordentlich lichtstark ist. Diese Zahl wird auch als Lichtstärke des Objektivs bezeichnet.
Der Papageitaucher wurde mit 400 mm Brennweite bei Blende f/10 aufgenommen. Die Unschärfekreise im Hintergrund haben die typische 8-eckige Form der Blendenöffnung.
Weil die Blende ein relativer Wert ist, bestimmt die Brennweite den tatsächlichen Durchmesser.
Vergleichen wir einmal ein 400mm F2.8 Teleobjektiv mit einem Superweitwinkel-Objektiv mit 15 mm und der gleichen Lichtstärke.
Brennweite 400 mm : 2,8 = 143 mm Durchmesser
Brennweite 15 mm : 2,8 = 5 mm Durchmesser
Das bedeutet: ein 15mm-Weitwinkelobjektiv mit 5 mm breitem Durchlass lässt genauso viel Licht durch, wie ein 400mm-Teleobjektiv mit einem untertassengroßen Durchmesser.
2.2.2 Die Blende steuert die Schärfeverteilung im Bild
Die Blende reguliert nicht nur die Lichtmenge, ihre weit größere Bedeutung liegt in der Tatsache, dass sie die Ausdehnung des Schärfenbereichs beeinflusst.
Wenn ich die Blende schließe, wächst der scharfe Bereich vor und hinter der eingestellten Entfernung.
Das machen wir uns auf zwei Arten zunutze: Bei Landschaftsaufnahmen blenden wir ab, um eine große Schärfentiefe (vom Vordergrund bis zum Horizont) zu erhalten.
Bei Porträts oder Nahaufnahmen öffnen wir dagegen die Blende, damit sich der Hintergrund in Unschärfe auflöst. So hebt sich das Hauptmotiv plastisch davon ab.
Die Ausdehnung der Schärfezone ist mit dem Blendendurchmesser verbunden. Ihr kennt bestimmt die Zerstreuungskreise, diese mehr oder weniger runden Lichtflecken im unscharfen Hintergrund.
Diese hellen Flecken sind exakte Abbilder der Blendenöffnung. Schaut nochmal auf das obige Rechenbeispiel mit den Brennweiten. Da seht ihr vielleicht den Grund, warum Weitwinkelobjektive eine viel größere Schärfenzone haben.
Der Zerstreuungskreis des 15mm-Weitwinkelobjektivs ist bei gleicher Blende fast 30 mal kleiner als der des 400mm-Teleobjektivs. Ein unscharfes Objekt wird vom Tele als ein Haufen großer überlagernder Lichtflecke abgebildet. Das Weitwinkel mit seinen fast punktförmigen Unschärfekreisen bildet dieses Objekt immer noch erkennbar ab.
Die Blende f/9 reicht beim 24 mm Weitwinkel für die Schärfentiefe von der vorderen Möwe bis zum Leuchtturm aus.
2.3 Die Empfindlichkeit – der ISO-Wert
Du brauchst kurze Zeiten, damit du die Aufnahme nicht verwackelst. Gleichzeitig willst du die Blende für einen großen Schärfenbereich weit schließen. Warum kannst du dann nicht einfach die Empfindlichkeit hochstellen?
Das wäre natürlich ideal. Leider lässt mit steigender Empfindlichkeit die Bildqualität nach. Das Bildrauschen wird verstärkt, die Farben wirken matter, und die Details gehen zunehmend verloren.
Bis zu einem gewissen Grad ist eine Empfindlichkeitssteigerung vertretbar. Es kommt entscheidend darauf an, mit welcher Art Kamera du fotografierst. Als Faustregel gilt:
Je größer der Sensor, desto geringer das Rauschen!
Je mehr Pixel der Sensor hat, desto kräftiger das Rauschen!
Bei hochwertigen Kameras ist die Qualitätseinbuße bis etwa 1000 ISO unauffällig. Darüber hinaus nimmt die Bildqualität mehr oder weniger rapide ab.
Größe der Kamerasensoren im Vergleich
Erhöhe die ISO also nur, wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind, oder wenn du unbedingt kurze Belichtungszeiten UND Tiefenschärfe brauchst, wie zum Beispiel bei Sportveranstaltungen. Dafür bekommst du etwas körnigere Bilder, was aber kein Nachteil sein muss. Körnigkeit ist auch ein Gestaltungsmittel und wird oft mit Reportagefotos unter widrigen Bedingungen asoziiert.
2.4 Wie setzt du die Theorie ins praktische Fotografieren um?
GANZ EINFACH! Benutzt als Standardprogramm die Zeitautomatik, die ist mit der Abkürzung »A« oder »Av« (Aperture Value = fester Blendenwert) auf dem Programmwählrad oder im Display gekennzeichnet.
Du wählst zuerst die Blende vor. Eine weit geöffnete, wenn du dein Motiv vor dem Hintergrund freistellen willst, oder kurze Belichtungszeiten braucht. Eine geschlossene, wenn du einen großen Schärfentiefenbereich benötigst.
Dabei hältst du die Zeitanzeige im Auge und erhöhst notfalls die ISO, falls das Licht zu schwach ist und du ohne Stativ fotografierst.
Über die INFO-Taste rufst du einen Überblick über die wichtigsten EInstellungen auf.
2.5 Vollmanuelle Einstellung von Zeit und Blende
Nicht wenige Hobbyfotografen folgen dem aktuellen Retrotrend, die Belichtung rein manuell abzugleichen. Sie verstellen so lange von Hand Zeit und Blende, bis der Indikator auf der Belichtungsskala im Sucher auf der mittleren Null-Position steht. Sie messen punktuell mit der Spotmessung, und stellen die Entfernung manuell ein, frei nach dem Motto: »Zurück zu den Wurzeln«.
Das ist bestimmt lehrreich und spannend, kostet aber Zeit. Spontan können so die wenigsten fotografieren. Wir benutzen die Zeitautomatik, kombiniert mit der Belichtungskorrektur, und haben ähnlich gute Kontrolle über die Belichtung, uns sind damit schneller.
Der Manuell-Modus macht Sinn, wenn du einen Polarisationsfilter einsetzt und einen elektronischen Sucher oder das Kameradisplay zum Einstellen benutzt. So kannst du den Polfiltereffekt besser erkennen. Die Kameraautomatik würde beim Verdrehen des Polfilters in Echtzeit gegensteuern und die Einschätzung der Polfilterwirkung erschweren.
Wir setzen die manuelle Einstellung auch in Situationen ein, wo wir Bildserien fotografieren und absolut gleichmäßige Belichtung brauchen, wie z.B. bei Panoramaaufnahmen.
2.5.1 Welche Belichtungszeiten empfehlen wir?
Wir geben hier eine allgemeine Orientierungshilfe für die Belichtungszeitwahl:
Die empfohlenen kürzesten Belichtungszeiten aus der Hand reichen von:
Die Pferde auf der Belle-Ile, mit dem Tele aufgenommen, heben sich wegen der geringen Schärfentiefe plastisch vom Hintergrund ab.
2.5.2 Welche Blendeneinstellungen sind in bestimmten Situationen sinnvoll?
Mit den Blendenzahlen verhält es sich etwas komplexer. Ähnlich wie bei den Brennweiten spielt auch hier die Sensorgröße eine Rolle.
Je kleiner der Sensor, desto größer ist die Schärfentiefe. Smartphones und Kompaktkameras haben einem dermaßen großen Schärfebereich, dass der Autofokus fast überflüssig ist. Für das Freistellen vor unscharfem Hintergrund sind diese Kameratypen nicht geeignet, weil du den Hintergrund überhaupt nicht unscharf bekommst..
Die nachfolgend genannten Blendenwerte und die Ratschläge gelten deshalb für Kameras mit Vollformat- oder APS-Sensoren.
Besitzt du eine Kamera des Micro-Four-Thirds Systems, solltet ihr die nächstoffenere Blenden stufe einsetzen. Also f/8 statt f/11 oder f/4 an Stelle von f/5.6.
Blende f/11 bis f/16 (f/8 bis f/11 für Micor-Four-Thirds)
Eignet sich für Landschaftsaufnahmen, die von vorne bis hinten scharf sein sollen. Stelle dabei auf eine mittlere Entfernung oder auf das bildbestimmende Element scharf.
Noch stärkeres Abblenden bis f/22 oder f/32 verschlechtert die Schärfe wieder. Das hat physikalische Gründe (Lichtbeugung an den Blendenlamellen).
Blende f/5.6 bis f/8
Das ist gewöhnlich der Bereich, in dem die Objektive die beste Abbildungsleistung zeigen. Gut für Schnappschüsse und allgemein Fotografieren aus der Hand.
Blende f/1.4 bis /2.8 (haben nur lichtstarke Objektive)
Für eine möglichst schmale Schärfenzone, ideal für das Freistellen vor unscharfem Hintergrund.
2.6 Die Hintergrundunschärfe
Unscharfer Hintergrund hängt von 4 Faktoren ab:
Bei Makroaufnahmen kehrt sich das Problem um. Irgendwann bist du so dicht am Motiv dran, da musst du kräftig abblenden, sonst hast du nur einen wenige Millimeter tiefen Schärfebereich.
2.7 Die Belichtungskorrektur
Mit der Belichtungskorrektur kannst du Bilder bewusst dunkler oder heller belichten. Die Belichtungsautomatik weiß ja nicht, ob sie weißen Schnee oder eine schwarzen Kohlehalde vor der Linse hat. Sie versucht deshalb, alles mit einer durchschnittlichen Helligkeit aufzunehmen. Die „berühmten“ grauen Schneeaufnahmen aus dem Skiurlaub kennst du bestimmt.
Grundsätzlich werden dunkle Farben heller und helle Farben dunkler abgebildet. Mit der Belichtungskorrektur kannst du diesem Trend gegensteuern.
Bei der Dominanz von dunklen Farben (schwarze Katze im Kohlekeller) belichte eine bis zwei Blenden unter, sonst ist die Katze beleidigt.
Bei hellen Motiven (Schneelandschaft) belichtest du ein bis zwei Blenden über, damit verliert der Schnee den gefürchteten Grauschleier.
Die Belichtungskorrektur kannst du gut zum Optimieren deiner Fotos benutzen. Betrachte nach der Aufnahme das Bild im Kameradisplay. Wenn es dir zu hell erscheint, macht das Foto noch einmal mit Minus-Korrektur, wenn es zu dunkel wirkt, fotografiere nochmal mit Plus-Korrektur. Eine komfortable Entscheidungshilfe ist das Histogramm, das du über die Infotaste zum Kameradisplay zuschalten kannst. Das Histogramm zeigt dir die Belichtungsverteilung von dunkel bis hell an.
Die Belichtungskorrektur ist besonders wertvoll, wenn du im JPG-Format fotografierst, weil JPGs nicht so weitreichend nachbearbeitet werden können wie RAW-Bilder. Das RAW-Format hat einen größeren Kontrastumfang und nimmt Fehlbelichtungen weniger übel. Wir verwenden beim RAW-Format die Korrektur hauptsächlich, wenn die Gefahr besteht, dass helle Bildteile wegen krasser Überbelichtung ausfressen.
Für Fortgeschrittene erklären wir Schritt für Schritt, wie du Langzeitbelichtungen mit und ohne nd Filter bei Tag und bei Nacht machst.
Reisefotografie Tutorial
Anleitung: Die kostenlosen Nik Filter Stand-Alone installieren
AKTUELL September 2020: Die Firma DxO hat die NIK-Filter Suite von Google schon vor einiger Zeit übernommen und weiterentwickelt. Die FIlter sind jetzt schon in der Version 3 in die DxO Software integriert. Trotzdem bietet DxO noch eine Möglichkeit, die kostenlose alte Version 1 gegen Angabe der Email-Adresse herunterzuladen. Der Downloadlink steht weiter unten.
Die wahrscheinlich letzte Gelegenheit, an diese mächtige Filtersammlung heranzukommen. Damit kannst du Bilder verbessern, verfremden, in Schwarzweiß konvertieren, Entrauschen, Schärfen, HDR-Aufnahmen erstellen …
UPDATE 06/2021: Wie es aussieht, ist die Schonfrist abgelaufen. Der Link führt auf die kostenlose 30-Tage-Demoversion von DXO. Eine Zeit lang konnte man nach Registrierung mit der Email auf eine kostenlose ältere Version zugreifen. Vielleicht geht das ja noch. Probiere es mal aus und melde dich. Ich bin bei DXO registriert, da geht gleich mein Konto auf. Auch die Links zur alten Google-Version existieren nicht mehr. Du kannst aber einmal hier nachschauen: https://archive.org/details/nikcollection-full-1.2.11. Viel Glück
In einem eigenen Artikel stellen wir die einzelnen Module der NIK-Collection genauer vor. Dort findest du auch noch viele weitere Beispiele für die Bildbearbeitung:
Die NIK-Filter: Freie und Bezahl-Version. Ein Vergleich
Die einige hundert Megabyte große Nik-Collection verlangt einiges an Rechenpower von deinem Computer und deiner Grafikkarte. Wenn die Programme also eine Weile zum Öffnen brauchen, und wenn sich die Filtereinstellungen nur ruckelig vornehmen lassen oder nur verzögert reagieren, ist dein Notebook/PC wahrscheinlich etwas schwachbrüstig.
Mit Analog Efex auf Alt getrimmt
Anleitung zur Installation der kostenlosen Nik Filter unter Windows:
Die NIK-Collection gibt es jetzt aktuell noch unter:
https://nikcollection.dxo.com/nik-collection-2012/
DxO verweist zwar auf der Seite auf seine aktuelle Version und den 30-Tage-Trial, darunter kommst du aber zum Download für die ältere Windows-, bzw. Mac-Version. Du musst halt deine Email-Adresse hinterlassen, um da ranzukommen. Auch so eine Art Kundenbindung.
Starte nach dem vollendeten Download die Installation mit Doppelklick auf die Datei.
Beim Weiterklicken erscheint ein Fenster mit den auf deinem Rechner installierten kompatiblen Anwendungen, für welche die Nik-Filter gedacht sind.
Das können sein: Photoshop, Lightroom, Photoshop Elements oder Adobe Bridge.
Klicke auf Weiter bis zum Abschließen der Installation.
In Adobe Lightroom findest du die Nik-Filter im Kontext-Menü der rechten Maustaste.
In Photoshop tauchen die Nik-Filter in einem eigenen Fenster auf.
In Photoshop Elements tauchen die Nik-Filter in einem eigenen Fenster auf.
Bei Adobe Bridge zeigt sich bei mir nur HDR-Efex Pro in einem Untermenü.
Stand-Alone-Betrieb der Nik-Collection
Normalerweise sind die Module der Nik-Collection in Verbindung mit einem Bildbearbeitungsprogramm vorgesehen, außer HDR-Efex Pro. Es gibt aber einen Trick, die Module im Standalone-Modus zu betreiben:
Zuerst musst du die Nik-Collection installieren. Das kann in seltenen Fällen daran scheitern, dass kein kompatibles Bildbearbeitungsprogramm installiert ist.
In diesem Fall lade dir eine Demo-Version von Adobe Lightroom oder Photoshop Elements herunter und installiere die vorher. Dafür musst du dich mit einer Email-Adresse bei Adobe registrieren.
Gehe nach der Installation der Nik-Filter in das Programmverzeichnis der Installation. Meist ist das C:\Program Files\Google\Nik Collection\
Darunter findest du die einzelnen Modul-Ordner. In jedem dieser Modul-Ordner findest du die entsprechende .exe-Datei. Im Sharpener Pro-Ordner sind es zwei, eine für das Pre-Sharpening, eine für das Output-Sharpening.
Du kannst zwar jede .exe-Datei doppelklicken und starten, kannst damit aber nicht deine Bilder öffnen. Dazu gibt es einen Trick:
Mit Rechtsklick auf die .exe-Datei wählst du „Senden an“ „Desktop (Verknüpfung)“.
Damit legst du das Icon des Nik-Filtermoduls auf deinem Desktop ab.
Im nächsten Schritt ziehst du das .tif oder .jpg Bild, welches du bearbeiten willst, mit der Maus auf das Icon. Das Programm öffnet sich und du kannst das Bild bearbeiten.
Nik-Collection unter Faststone Image Viewer
Im Faststone Viewer (www.faststone.org) habe ich mir unter Einstellungen-Einstellungen-Programme einige Links auf die .exe-Dateien der Nik-Filter hinzugefügt. Jetzt kann ich mit der rechten Maustaste auf ein beliebiges Bild klicken und kann es im Kontextmenü unter dem Punkt „Mit ext. Programm bearbeiten“ in einem der Nik-Programme öffnen und bearbeiten.
Über das Kontext-Menü vom Faststone Image Viewer kann ich ebenfalls die Nik-Filter aufrufen und meine Bilder bearbeiten.
Ich gehe davon aus, dass diese Methode auch anderen Bildbetrachtern, wie Irfanview und Xnview funktioniert. Voraussetzung ist nur, dass auf externe Programme verlinkt werden kann.
ACHTUNG: Bevor du die Aktion mit „Speichern“ beendest, solltest du dir bewusst sein, dass dein Ausgangsbild mit der bearbeiteten Version überschrieben wird. Willst du dein Original auch für andere Bearbeitungen benutzen, mache dir besser vor der Bearbeitung ein paar Arbeitskopien, mit denen du experimentieren kannst.
Weitere Hinweise zur Bearbeitung, Anleitungen, Tutorials und Tipps findest du in haufenweise im Internet.
Nik Filter Vergleich, links ohne, rechts mit Nik
Die aktuelle Version 3 der Nik-Collection bietet wieder neue Plugins. Jetzt ist z.B. auch die Perspektive-Korrektur integriert. Und für Lightroom Classic User: Nik-Filter lassen sich jetzt direkt aus Lightroom starten und nicht-destruktiv anwenden. Informationen von DxO unter:
https://nikcollection.dxo.com/de/
Die Nik-Filter in neuester Version sind gerade bei DxO im Angebot (20.09.2020) für 100 € anstatt 149 €. Vergleichst du die Menge der Möglichkeiten der Bildbearbeitung, ist das ein absolutes Schnäppchen, auch im Vergleich mit der noch freien älteren Version.
Was du alles mit den Nik Filter machen kannst und wie wir sie nutzen kannst du in diesem Blogbeitrag nachlesen:
Als Familie auf Tour – Sieben Gründe warum Kinder auf Reisen besser lernen als in der Schule
Wir waren schon immer viel mit unseren Kindern unterwegs. Vor der Schule bereisten wir die USA, Kanada und Neuseeland. Das tat dem Familienzusammenhalt gut, wochenlang auf engem Raum im Reisemobil zu wohnen und die Welt zu erleben. Unsere Kinder waren unterwegs immer neugierig, wissbegierig, ausgeglichen und fröhlich. Als die Kids zur Schule gingen, nutzten wir zwangsläufig die Ferienzeiten zum Reisen. Uns fehlten jedoch die Langzeitreisen. In zwei Wochen mal schnell in die Bretagne ist stressig. An Termine gebunden sein hemmt die Spontanität. Wenn es uns wo super gut gefällt, können wir nicht bleiben. Die Zeit drängte, pünktlich zum Schulbeginn mussten wir ja wieder zurück sein.
Im Jahr 2009 wagten wir endlich den Absprung: Wir nahmen ein halbes Jahr Auszeit, zogen mit unserem Wohnmobil los und erkundeten das nördliche Europa. Das hat uns so gutgetan, dass Gunter im Jahr darauf seinen Job endgültig kündigte, und seither reisen wir gemeinsam etwa sechs Monate im Jahr.
Heute Abend werden wir – Esra und Noah, und Gabi und Gunter – im Rahmen der Bildungskonferenz im Interview zu hören sein. Hier stellen wir ein paar unserer Erkenntnisse in kompakter Form vor.
Wandern auf der Isle of Skye
1. Selbstbestimmtes Lernen ist wahres Lernen
Lernen kann man nicht erzwingen. Lernen findet sowieso nur im eigenen Kopf statt. Das englische Sprichwort bringt es für mich auf den Punkt: »When the Student is ready, the teacher will appear« Auf Deutsch in etwa: »Wenn du bereit bist, wird Dein Lehrer auftauchen« Oder, wenn du dich für ein Thema interessierst, wirst du einen Weg finden, dir Wissen dazu anzueignen. Du wirst dir in der Regel selbst einen Mentor suchen, oder ein Video im Internet oder ein Buch. Jedenfalls wirst du automatisch lernen, wenn du für das Thema brennst. Dieses aus eigenem Interesse angeeignete Wissen wird sich in deinem Kopf und Verständnis festsetzen. Das ist das wahre Lernen. Das ist ein Wissen, welche dauerhaft bestehen bleibt.
2. Selbstbestimmtes Lernen funktioniert am besten, wenn die ganze Familie ein selbstbestimmtes Leben lebt.
Wir erkannten, dass unsere Kinder sich wesentlich wohler fühlen, wenn sie frei ihren Interessen nachgehen konnten. Doch wie ist das in unserer Gesellschaft umsetzbar? Wenn die Eltern jeden Tag arbeiten gehen, ist ein Miteinader in der Familie schwer möglich. Die Woche wird in Arbeits-/Schultage, Wochenende, und Feierabend aufgeteilt. Für uns war es, auch aufgrund der rechtlichen Lage in Deutschland, der einzige Weg, den »sicheren« Job zu kündigen und gemeinsam hinaus in die Welt zu ziehen. So nahmen die Kinder an unserem Leben teil, sie lebten in der Welt der Erwachsenen. So macht selbstbestimmtes Lernen, welches ja dabei permanent stattfindet, für die Familie Sinn und Spaß obendrein. Sie lernen nicht an künstlichen für den Schulunterricht geschaffenen Szenarien, sondern an der Realität. Das Leben erleben ist unser Motto.
3. Kinder brauchen die Natur
Je mehr wir in der Natur unterwegs waren, desto weniger künstliche Unterhaltung brauchten unsere Kids. Mit Treibholz Häuser bauen, Steine ins Wasser werfen, schauen, wie lange ein Tannenzapfen im Fluss schwimmt, Tiere beobachten. Das tat den Kindern in jungen Jahren äußerst gut. Gekauftes Spielzeug wurde unwichtiger, je länger wir auf Reisen waren. Aber auch mit den Kindern im Teenageralter macht es riesigen Spaß Wanderungen zu unternehmen, Nordlichter zu erleben und sich bewusst zu machen, dass wir alle Teil der Natur sind.
4. Beim mühelosen Lernen verschmelzen die Themen immer miteinander
Es ist nahezu unmöglich, ein Schulthema isoliert zu erlernen. Sprachen sind dazu da, sich mitzuteilen oder etwas zu erfahren. Am besten lernst du eine Sprache, wenn du dich für ein bestimmtes Thema interessierst, welches nur in dieser Sprache kommuniziert wird.
Und meist fällt ein Thema auch in zwei oder mehr Fachbereiche. Wenn wir zum Beispiel mit einem Norweger über Fischerei und Überfischung sprechen, das ist dann fachübergreifend Geschichte, Ökonomie, Gesellschaftskunde und Biologie. Und natürlich findet das Gespräch in Englisch statt.
5. Das Familienleben ist harmonisch, wir leben nicht nur nebeneinander her.
Durch die viele Zeit, die wir gemeinsam unterwegs verbracht haben, kennen wir uns untereinander sehr gut. Unser Zusammenhalt ist viel stärker als er es noch zu Schulzeiten war. Damals brachte jeder seinen Stress von der Schule oder der Arbeit mit, zuhause entludt sich die Anspannung und wir pflaumten uns oft an. Mittlerweile verstehen wir uns oft schon ohne Worte, wir arbeiten als eingespieltes Team zusammen.
6. Lernen sieht man von außen nicht
Oft merkten wir es nicht sofort, wenn die Kinder etwas Neues gelernt hatten. Zum Beispiel verbrachten Esra und Noah enorm viel Zeit damit, Warhammer-Figuren zusammenzubauen und zu bemalen. Natürlich wollten sie sich auch mit anderen Fans austauschen. Sie wurden im Internet aktiv, schrieben auf englischsprachigen Foren und suchten dort nach Rat und neuen Ideen.
Als Mutter der Beiden erschien mir das anfangs als reine Zeitverschwendung. Doch als Esras Englisch-Prüferin ihn für sein makelloses geschriebenes Englisch lobte, erkannte ich, dass auch scheinbar nutzlose Beschäftigungen wichtig sind. Nebenbei lernten die beiden Wichtiges über selbstständige Organisation und Planung, und fanden Wege, wie man sich effizient Wissen und Techniken aneignet. Außerdem bot diese eher meditative Tätigkeit viel Raum zum Hören von Hörbüchern. Da kann man sich ne Menge Literatur so nebenher reinziehen.
7. Glückliche Menschen sind wichtig für eine funktionierende Gesellschaft
Natürlich profitiert die gesamte Gesellschaft davon,, wenn jemand seinem Tun mit viel Leidenschaft nachgeht, statt seinen Job nur lustlos auszuführen, in sehnsüchtiger Erwartung des Wochenendes. Unserer Erfahrung nach fällt es selbstbestimmt Lernenden leichter, ihre Interessengebiete zu finden und darin zu glänzen. Tendenziell finden sich Freilerner regelmäßig in der Spitzengruppe bei Berufsausbildung und Studium wieder. Tatsächlich üben alle erwachsenen Freilerner in unserem Bekanntenkreis inzwischen einen Beruf aus, auf den sie schon seit Jahren hingearbeitet haben und der sie glücklich macht. Solche Menschen braucht die Gesellschaft!
Mittlerweile legten alle drei Kids nach Jahren des freien Lernens externe Schulabschlüsse ab. Esra machte das Abi, Noah und Amy den Realschulabschluss. Für uns war es eine erstaunliche Erkenntniss, dass für einen Realschulabschluss zwei Monate effektive Lernzeit von etwa 6 Stunden am Tag für einen guten Abschluss ausreichen. Den Schulstoff so geballt zu lernen ist der Hauptvorteil der externen Abschlüsse. Mathe zum Beispiel wird auf so kleine Happen aufgeteilt, dass der Sinn hinter den Übungen verloren geht. Ich vergleiche das mit einem Lied, welches zu langsam – viel, viel zu langsam – gespielt wird. In einem weg gelernt versteht man die Zusammenhänge, ja das macht das sogar großen Spaß.
Zur Zeit lernt Noah für das Abi und Amy übt sich im Geschichtenschreiben.
So in etwa erzählen wir in unserem Interview beim Bildungskongress, den du noch bis morgen kostenlos anhören kannst.
PS Ich selbst habe das Abi auf dem 2. Bildungsweg gemacht. Das beruhigte mich auch im Bezug auf unsere Kinder, denn ich wusste, wenn man das Abi will, dann kann man es jederzeit machen. Notfalls eben im 2. Bildungsweg.