Von Schottland nach Schweden
Das ist der letzte Teil meines Radtour-Reiseberichts. Nachdem ich lange in Schottland unterwegs war wollte ich noch meine Freunde in Schweden besuchen, also verlängerte ich meine Reise nochmal um knapp 1500 Kilometer.
Holland ist so flach
Nach knapp sieben Wochen in England und Schottland erreichte ich schließlich wieder das Festland. Der Rest der Familie wartete am Fährhafen auf mich, denn sie wollten am nächsten Tag selbst nach Schottland fahren.
Es gab viel zu erzählen, immerhin hatten wir uns seit einer Ewigkeit nicht gesehen, und ich hatte unzählige Geschichten gesammelt. Ich sicherte meine Fotos, wir fuhren ein wenig in der Umgebung Amsterdams herum, und ich schlief diese Nacht auf dem Boden des Wohnmobils statt in meinem Zelt. Das Mobil ist mittlerweile viel zu eng für uns fünf. Mein Zelt ist gemütlicher! Am nächsten Tag fuhr ich früh los.

Holland! Irgendwo in der Nähe von Amsterdam
Mein Ziel war Kiel, denn von dort würde ich eine Fähre nach Göteborg nehmen, und der einfachste Weg dort hin führte an der Küste entlang. Ich hatte keine Karte von Holland dabei und auch kein Smartphone (da der Akku sowieso immer nur leer wäre), doch ich brauchte eigentlich auch keine Orientierungshilfe, immerhin musste ich nur darauf achten, das Meer immer links von mir zu haben.
Flaches Land und Regen, Regen, Regen
Holland war, vor allem verglichen mit Schottland und seinen grandiosen Bergen, mystischen Lochs und nebligen Tälern, ziemlich langweilig. Die höchste Erhebung, die ich auf dem gesamten Weg von Amsterdam bis zur deutschen Grenze zu meistern hatte, war der Deich auf dem ich hin und wieder entlang fuhr. Teilweise führte der Weg so lange geradeaus, dass ich bis zum Horizont keine Kurve ausmachen konnte. Dazu kam noch, dass es unablässig regnete.

Es ist zwar sehr angenehm, dort Rad zu fahren, aber sooo langweilig!

Immer nur geradeaus. Auf diesem Damm gibt es in über 30km nicht mal eine Kurve!

An der Küste entlang zu fahren lohnt sich landschaftlich nicht.
Vom Glück des Rückenwindes und spontanen Reisepartnern
Ich war trotzdem sehr gut gelaunt, und das hatte zwei Gründe: zum einen den Rückenwind, der als steife Brise mal ganz ausnahmsweise nicht von vorne oder von der Seite kam, sondern mich merklich antrieb. Zum anderen war da Michelle, eine Radlerin aus Deutschland, die in die selbe Richtung fuhr. Ich traf sie gleich am Anfang meiner Holland-Etappe. Wenn man zu zweit ist kann die Landschaft so langweilig sein wie sie will. Eigentlich war es sogar ganz gut, dass die Strecke so anspruchslos war, denn das hieß, dass wir gemütlich nebeneinander fahren konnten, um uns zu unterhalten.
Irgendwo unweit der deutschen Grenze verabschiedete sich Michelle, um mit einem Zug nach Hause zu fahren. Ihr Urlaub war knapp bemessen und so konnte sie insgesamt nur eine Woche unterwegs sein. Bei mir rief zwar keine Arbeit, doch auch ich musste bald einen Zug nehmen, damit ich rechtzeitig in Kiel war, um die Fähre noch zu erwischen. Wie ärgerlich! Gerne wäre ich die ganze Strecke gefahren.

Zum Glück traf ich Michelle, eine Krankenschwester aus Kassel. Sie war auch mit dem Rad unterwegs, und zu zweit war die langweilige Landschaft viel leichter auszuhalten.

In Deutschland musste ich einen Zug nehmen, um die Fähre noch zu schaffen.

Von Kiel nach Göteborg fährt man über Nacht.
Das Land der Roten Häusschen und endlosen Wäldern – Schweden
Als ich in Schweden ankam, änderte sich die Landschaft wieder. Es ist übrigens ein ganz anderes Erlebnis, wenn lange Zeit unterwegs ist und ein Land nach dem anderen besucht, statt nach zwei Wochen gleich wieder nach Hause zu fahren. Denn dann vergleicht man irgendwann die Länder untereinander, und nicht mehr mit Deutschland.
Schweden ist so eine Art Kompromiss zwischen Schottland und Holland, was den Anspruch an Radfahrer angeht. Es gibt keine hohen Berge und keinen ewigen Gegenwind, doch es ist dort auch nicht flach und langweilig. Eigentlich ist Schweden perfekt zum Radfahren geeignet, wenn man es gemütlich angehen will.
Man kann es natürlich auch sportlich statt gemütlich angehen, um große Strecken auf einmal zu meistern. Genau das tat ich auch. Ich wollte nämlich so schnell wie möglich bei meinen Freunden in Schweden sein, die ich schon viel zu lange nicht gesehen hatte. Sie veranstalteten wie jedes Jahr ein einwöchiges Festival für Freilerner, also Leute, die genau wie ich nicht zur Schule gehen oder gegangen sind.
Ich überrasche meine schwedischen Freunde und besuche das Freilerner Festival
Jedes Jahr hatte ich viel davon geredet, dass ich auch endlich mal kommen würde, und jedes Jahr wurde dann doch nichts daraus. Wir kamen eine Woche zu spät oder konnten nur im Winter kommen, das Wohnmobil war kaputt, etc… Also kündigte ich dieses Jahr meinen Besuch nicht so lautstark an. So klappt es vielleicht!

Ah, Schweden! Hier mach Radfahren richtig Spaß. Fiesen Wind oder hohe Berge machten mir hier nur selten das Leben schwer.

….und Wildcampen ist auch erlaubt!

Genau auf dieser Straße bin ich auch letztes Jahr gefahren, als ich mit meiner damaligen Freundin unterwegs war.
Mit all der Vorfreude im Gepäck fuhr es sich tatsächlich sehr leicht, ich legte sie 420 Kilometer von Göteborg nach Askö in zweieinhalb Tagen zurück. An einem sonnigen Mittag kam ich die kleine Schotterstraße entlanggefahren, an der die Farm meiner Freunde liegt. Sie deckten gerade einen Tisch unter dem Apfelbäumen als ich kam, pünktlich zum Mittagessen. Ich sorgte für eine große Überraschung, denn ich hatte ja wie gesagt nicht erwähnt, dass ich kommen würde.
Auf meiner ganzen Reise machte ich hier die längste Pause, ich blieb drei Wochen.
Ich half noch ein paar Tage mit den Vorbereitungen für das Freilerner Festival, immerhin kamen 150 Leute. Als sie schließlich kamen, fing die wohl beste Woche des Jahres an. So viele Leute auf einem Haufen, die alle auf die gleiche Art und Weise verrückt waren wie ich und meine Freunde! Es war prächtig!

Auf dem Camp bauten Andrew und Kyle ein Floss
Freilerner-Treffen in Schweden
Das Programm war sehr stark auf Freizeitaktivitäten ausgelegt und wurde größtenteils spontan erfunden. Jeden Tag standen Fußball, Cricket oder irgendwelche anderen Ballspiele auf dem Plan, wir bauten eine Kartoffelkanone, veranstalteten Spiele im Wald, ließen ein Floß zu Wasser und spielten nachts so lange in der Scheune Karten und Gesellschaftsspiele, bis die Sonne wieder aufging. Einige Leute hatten ihre Instrumente dabei, und es dauerte nicht lange, da hatten wir eine Band. Es machte Spaß, mal unter so vielen Freilernern zu sein. Auf einmal waren die wenigen, die in die Schule gingen oder gegangen waren, die „anderen“.

Freddie und Kai geben ein kleines Konzert.

Und schon ist eine Band draus geworden!

Auf der großen Wiese haben wir immer irgendwelchen Unsinn gemacht. Hier: Kartoffelkanone.

Oder wir haben eine alte Muskete (von 1815!) gefeuert

Es war Juli, aber manchmal waren alle angezogen, als wäre es Oktober.
Als die Woche vorbei war, schliefen wir erst einmal ein paar Tage lang.
Irgendwann war es dann Zeit, weiter zu fahren, und ich war wieder alleine.

Nach drei Wochen war es Zeit, sich wieder nach Süden aufzumachen.

Auch hier am Göta-Kanal war ich letztes Jahr gewesen.
Ich reise allein und bin nie einsam
Hab ich eigentlich schon einmal erzählt, wie toll es ist, allein zu reisen? Diese Reise war meine erste längere Tour, die ich ganz alleine gemacht hab. Keine Familie und keine Freundin dabei, nur mein Rad und ich. Aber einsam war ich nie, denn als Alleinreisender kam ich extrem leicht ins Gespräch mit den verschiedensten Leuten. Zum Beispiel geschah es mehrmals, dass sich meine Wege mit denen anderer Reisender kreuzten – und prompt hatte ich für ein paar Tage Gesellschaft. Wenn ich in einen Pub oder ein Café kam, wurde ich oft einfach so angesprochen („Hey, bist du in dem Siffwetter ganz bis hierher geradelt?! Wow! Setzt dich doch zu uns!“). Wenn man zu zweit oder gar zu fünft reist passiert das bei weitem nicht so oft – immerhin hat man seine Gesprächspartner ja schon dabei, und die Leute wollen nicht stören.
Ich konnte auch viele meiner Freunde besuchen, die in Nordeuropa verteilt sind. Hätte ich noch jemanden dabei gehabt, wäre das schwer geworden – wenn ich eine Woche bei einem Freund auf der Couch chrashe kommt es komisch, wenn ich einfach meinen Mitreisenden ungeladen mitbringe.
Und natürlich war ich so unabhängig wie noch nie! Alle Entscheidungen über die Route, das Essen oder den Schlafplatz lagen bei mir, es gab keine Diskussionen oder Kompromisse, die irgendwen unzufrieden stimmen.
Um von Meinen Freunden bei Stockholm nach Malmö an der Südspitze Schwedens zu radeln brauchte ich fünf Tage. Hier sind noch ein paar Bilder von der Strecke.

Wie idyllisch! Blauer Himmel, Sonnenschein, rote Häusschen… fast wie in einem Kinderbuch.

Mein treues Rad, lief die ganze Reise über ohne Probleme.

Hmpf. jemand hat das Kinderbuch zugemacht und einen von diesen finsteren schwedischen Krimis aufgeschlagen.

Alte amerikanische Autos sind in Schweden sehr beliebt.

ich besuchte noch ein paar Servas-Gastgeber. Unter anderen kam ich bei diesen Jungs unter.

Wieder in Deutshland. Auf der Fähre traf ich noch einen anderen Radler, zusammen fuhren wir nach Rostock rein.

Der Leuchtturm in Warnemünde.

In Rostock verbrachte ich einige Tage bei Clemens und Sebastian.
Alles in allem bin ich fast 4.000 Kilometer mit dem Rad gefahren (Und noch ein paar mehr mit Fähren und einem Zug). Ich war fast 3 Monate lang unterwegs, verbrachte die Hälfte der Zeit unterwegs und die andere bei alten Freunden oder neuen Bekannten. Es war einer der besten Sommer meines Lebens!

Ich fuhr mit dem Zug nach Hause, weil ich eiligst noch Unterlagen für die Universität einschicken musste.
Orcas in Nord-Norwegen, eine fotografische Herausforderung
Im Winter zur Waltour nach Norwegen
Im Sommer sind wir schon seit Jahren immer in Norwegen um die Mitternachtssonne und die Tiere zu genießen und fotografieren. Schon oft traf ich Fotografen, die mir den Tipp gaben, doch mal im Winter zu kommen um die Orcas im Tysfjord zu fotografieren. Die Orcas sind nur im Winter, von ca. November bis Januar im Tysfjord, in der letzten Zeit eher im Vestfjord. Der norwegische Winter machte mich neugierig. Ich versuchte mir die Landschaft im Schnee vorzustellen und war schon vor Reisebeginn begeistert und aufgeregt. Im Winter nach Nord Norwegen zu reisen ist nicht unbedingt einfach, denn man braucht die unterschiedlichsten Fortbegewungsmittel. Nach zwei Flügen nahm ich den Bus zur Fähre und wurde nach einstündiger Überfahrt von Lodingen nach Bognes von einem Freund abgeholt. Ein ganzer Reisetag lag zwischen dem grauen, nassen Deutschland und dem verschneit, norwegischem Winterwunderland.
eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung
eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung
Zu den Orcas im Tysfjord
Am nächsten morgen ging ich sogleich auf die erste Waltour. Da wir Stunden auf dem Boot verbringen würden, waren alle sehr warm eingepackt. Weil man sich auf einem Boot nicht so bewegen kann, wie in der freien Natur, sollte man Schuhe wählen, die bis auf – 40°C warm halten, auch, wenn es so kalt nicht ist. Meine Füße waren also bestens versorgt, nur meine Handschuhe eigneten sich wenig, weil ich darin schwitzte und sehr bald kalte Finger hatte. Für Fotografen sind natürlich warme Hände essentiell. Nach dieser Erfahrung werde ich nur noch Handschuhe benutzen, mit denen ich auch ohne das Hochklappen der Fingerspitzen die Kamera bedienen kann. Bei Temperaturen von – 10°C und Wind auf dem Boot stecken die Fingerspitzen diese völlige Blöße nicht weg. Aber: man kann in Norwegen bestens Handschuhe kaufen und sollte sich zuhause nicht zu viele Gedanken darum machen.
Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen
Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen
Bei Regenwetter im Norden von Norwegen fotografieren
Regenwetter – es ist zwar schwierig, weil die Kamera dauern naß wurde aber die Fotos wirken autentisch und vermitteln die typische Stimmung im Fjord.
blasender Orca, Tysfjord, Norwegen
blasender Orca, Tysfjord, Norwegen
Nun, ich stand also auf dem Boot, der Leonora, und betrachtete begeistert die winterliche Landschaft. Dazu hatte ich nicht viel Zeit, schon sichteten wir die ersten Orcas. Seit 1992 werden im Tysfjord in Norwegen Orca Touren angeboten. (Seit einigen Jahren sammeln sich nicht nur Orcas, sondern auch Buckelwale und Finnwale im November recht zuverlässig in der Nähe von Tromsö)
Besonders gut eignet sich dieses Gebiet, weil die Orcas ab Oktober den Heringen in den Fjord folgen und man diesen relativ (im Vergleich zum offenen Meer) kleinen Fjord gut überschauen kann. So findet man mit sehr großer Sicherheit Wale auf den Touren, die je nach Licht und Witterung 5-8 Stunden dauern. Orcas sind so interessant für Walbeobachter, weil sie sehr soziale, in Gruppen lebende Säugetiere sind und man sehr viele verschiedene Aktivitäten vom Boot aus beobachten kann. Wenn die Tiere ruhige an der Wasseroberfläche liegen „schlafen“ sie, indem eine Gehirhälfte abschaltet, während die andere das lebensnotwendige Atmen steuert. Der Kapitän, Per Ole Lund, dreht das Boot dann ab, um den Tieren die nötige Ruhe zu ermöglichen.
Walbeobachtung vom Boot aus
Oft kann man den Gruppen in angemessenen Abstand folgen, wenn sie von einer Stelle im Fjord zum nächsten unterwegs sind. Diese Reisebewegungen der Wale zu beobachten ist fotografisch sehr interessant, denn man sieht, wie schnell und optimal angepaßt sie in ihrem Lebensraum sind. Oft hat man hier die Chance sehr dynamische Fotos zu machen.
Am belebtesten und fotografisch am herausfordernsten wird es, wenn man die Orcas beim gemeinsamen Jagen der Heringe erleben kann. Hier im Tysfjord haben die Wale ein ganz besondere Jagdmethode entwickelt, die man „Carousell Feeding“ nennt. Dabei treiben die Wale in Teamwork die Heringe mit Hilfe ihrer hellen Bauchunterseite immer enger zusammen. Mit Schlägen der Fluken über und unter Wasser werden die zur Kugel zusammengetriebenen Heringe danach betäubt und nach und nach einzeln verspeist. Manchmal, wenn man Glück hat, kann man sehen, wie die Heringe in einem letzten Versuch zu entkommen, aus dem Wasser springen.
Möwen und Adler bei der Waltour
Doch auch in der Luft warten schon tausende Möwen und sehr viele Seeadler, die auch einen Teil des Festmahls haben möchten. Welch ein Spektakel! Schwierig ist die Fotografie in solchen Momenten, weil es sehr viele Wale zu beobachten gibt, man aber nie weiss, wann ein Wal wo auftaucht. Man kann sich ein wenig an den Blasgeräuschen orientieren. In solchen Augenblicken werden auch die Orcas neugierig und strecken den Oberkörper aus dem Wasser um über der Wasseroberfläche zu sehen was passiert. Diese sogenannten „Spyhops“ sind besonders schön auf Fotos, aber auch Glükssache, denn der Blickkontakt zwischen Wal und Waltourist dauert nur wenige Sekunden. Nach einer solchen Waltour, auch, wenn sie anstrengend, kalt und evtl naß war, sieht man tatsächlich nur glückliche Menschen an Bord.
Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang
Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang
Doch warum ist die Orca Fotografie eine solche Herausforderung?
Da sich der Tysfjord oberhalb des Polarkreises befindet, werden die Tage im Winter immer kürzer, bis dann die Sonne Ende November gar nicht mehr über den Horizont und schon gar nicht über die Berge kommt. Diese Zeit vor der Polarnacht kann sehr schön sein, weil man sich sozusagen im ständigen Sonnenauf- oder auch untergang befindet. Das Licht und die Farben sind phänomenal, doch auch sehr schwach. Mit den neuen Digitalkameras ist man also sehr im Vorteil, weil man die Isozahl ständig den unterschiedlichen Lichtbedingungen anpassen kann. Man sollte für eine gute Fotoausbeute mehrere Tage einplanen, denn je nach Bewölkung bekommt man ganz unterschiedliche Stimmungen. Ich hatte an den 5 Tagen auf dem Meer sehr großes Glück und von klarem Himmel bis starken Regenfällen war alles dabei. An meinem letzten Tag, dem 24.11. kam ich sogar um 12:00 Uhr mittags nicht über 800 ISO.
Es lohnt sich also eher Anfang November einzuplanen, weil man dann evtl Sonnenlicht auf den Walen hat, was Ende November gar nicht mehr der Fall ist. Die Touren werden von Mitte Oktober bis ca. 20 Januar angeboten. Mittlerweile scheint es besser zu sein, etwas später zu fahren, weil die Wale eher später kommen.
Um eine weitere Perspektive zu sehen, buchte ich auch eine Tour mit dem Zodiac, einem sehr schnellen Schlauchboot. Von dieser Basis aus gibt es die Möglichkeit in besonderen Trockentauchanzügen auch mit den Orcas schwimmen zu gehen, was ich mir ersparte:-) Nun, später bereute ich es, denn in diesen Anzügen war man bestens für das Wetter, welches auf Regen umgestellt hatte, gerüstet. Am Ende waren alle naß auch die ohne diese Anzüge! Für die Kameraausrüstung war es ein Härtetest, denn zum Regen kam die Gischt hinzu, wenn das Zodiac mit hoher Geschwindigkeit über den Fjord schoss. Die Kameras, ich war mit zwei Canon 20d’s unterwegs, hielten das Ganze bestens aus, die Wassertropfen, die sich unweigerlich auf der Linse sammelten, unterstrichen die regnerische Stimmung. Ein Akku packte selbst bei -8°C und Wind ca. 800 Bilder. Bei einigen Leuten auf dem Boot setzte gerade bei diesen sehr niedrigen Temperaturen die Canon 350d zeitweise aus. Nach kurzem Aufwärmen des Akkus in der Hosentasche oder unter der Jacke waren diese Kameras nach wenigen Minuten wieder einsatzbereit.
Polarlicht Fotografie
Ja und wenn man dann Abends nicht zu müde ist, lohnt es sich immer, den Himmel im Blick zu halten, denn das Polarlicht ist für uns Deutsche doch eine sehr seltene Erscheinung, für die sich das Mitschleppen des Stativs auf alle Fälle lohnt.
Als Ausgleich zur reportageartigen Art der Fotografie an Bord eines Schiffes ist das Arbeiten mit Stativ und Drahtauslöser eine schöne Art der Meditation und ein toller Abschluß einer fotografisch anspruchsvollen Reise!
Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?
Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?
Anmerkung im Oktober 2022:
Die Touren wurden bisher, wie hier beschrieben im Tysfjord veranstaltet. Jedoch änderten die Orcas ihre Route. Sie sind jetzt weiter im Norden in der Nähe von Tromsö zu finden.
Fotogalerie OrcasPolarlicht fotografieren
Mit Hund nach Sylt
Trubelige Ferieninseln sind für Hundebesitzer eher stressige Reiseziele. In der Saison. Außerhalb des größten Andrangs von Touristen ist die beliebteste deutsche Insel Sylt jedoch ein Paradies für Vierbeiner. Wir testeten die Insel während der Sylter Hundstage im März. Dackel Grindel war begeistert – wir auch!
Weststrand von Sylt
Drei Reicherts mit Dackel im Hotel
Nachdem wir eine Woche lang in List in einer sehr gemütlichen Ferienwohnung gewohnt hatten, ist es für uns an der Zeit, mal was Neues zu erleben. Als wir zu fünft unterwegs waren, kamen Hotels aus Kostengründen nicht in Frage. Das lag dann nicht an dem Übernachtungskosten sondern an der Tatsache, dass es schwierig ist, drei Teenager mit Restaurantkost satt zu bekommen ohne ein großes Loch in die Reisekasse zu reißen.
Auf Sylt sind wir zu dritt plus Dackel unterwegs und dürfen zwei Tage im Lindner Strand Hotel Windrose in Wenningstedt übernachten. Die Nähe zum Strand ist fantastisch. Einmal die Straße überqueren, 50 Meter über die Aussichtsplattform und dann die neue große Treppe zum Weststrand hinunter. Wir laufen diese Strecke während der nächsten zwei Tage andauernd, brauchen das Auto fast gar nicht.
Dackel Grindel am Ellenbogen, Insel Sylt
Hundefreundliches Hotel Lindner auf Sylt
Das Hotel Windrose ist als hundefreundlich bekannt, und tatsächlich finden wir bei unserer Ankunft neben dem obligatorischen Hundekorb mit Kuscheldecke ein großes Hundepaket mit Futterproben, Leckerlis, ein Hundemagazin und ein Hundehandtuch vor. Grindel probiert genüsslich die Leckerbissen, im Magazin mag sie aber nicht schmökern.
Nach einem ausgiebigen Frühstück unsererseits kann es unsere Dackeldame Grindel am nächsten Morgen kaum erwarten, über die neu errichtete Holztreppe hinunter ans Meer zu laufen. Anfang März ist der Sylter Weststrand noch fast menschenleer und die Hunde dürfen noch frei herumtoben. Sobald wir am Fuß der Treppe ankommen, fliegt Grindel förmlich über den Strand, die Pfoten berühren kaum den Sand und die Schlappohren flappen wie Flügel, als stünde unser Dackel kurz vor dem Abheben. Manchmal gibt es fast nichts schöneres auf der Welt, als unserem Hund zuzusehen, wie er überglücklich über den Strand fegt. Und das mit einer Ausdauer und Kondition, die uns immer wieder staunen lässt.
Grindel ist wasserscheu – schafft sie es über den Priel?
Ja, sie schafft es!
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Sylter Hundstage im März und November
Wenningstedt steht zudem vom 6. bis 11. März ganz im Zeichen der Sylter Hundstage. Ein ausführliches Programm mit allerhand Aktivitäten erwartet die Vierbeiner. Hundespaziergänge in der Natur, Hundetrainingskurse, Vorträge über Erste Hilfe und Hundeverhalten, ein Kochkurs für Hunde und mehr wird angeboten.
Wir nehmen wegen der knappen Zeit an keinem Kurs teil, und unserem Dackel genügt es vollkommen, wenn er den Strand umgraben darf. Obendrauf sind wir auch durch unsere Fotografie voll ausgelastet. Nur die Hundemesse im benachbarten Kursaal³ schauen wir uns gemeinsam mit Grindel an. Hier gibt es alles, was das Hundeherz begehrt. Von Leinen über Hundekörbchen, Hundebekleidung und natürlich eine Riesenauswahl an Futter und Leckereien. Die freundlichen Aussteller verwöhnen unseren Dackel mit Leckerlis, was Grindel gnädig über sich ergehen lässt.
Ohne Verschnaufpause geht es hinterher wieder zum Weststrand zum Toben. Sehr vielen anderen Hunden begegnen wir nicht am Strand. Die kleineren fordert Grindel sofort zum Spielen auf, die größeren hält sie mit lautem Gekläffe auf Distanz, da hat sie Respekt vor den tapsigen Vorderpfoten ihrer Artgenossen.
Bald wird diese Freiheit vorbei sein. ab 15. März gilt an vielen Strandabschnitten wieder die saisonale Leinenpflicht. Dann gibt es jedoch überall bestimmte Gebiete auf denen Hunde spielen können.
_______________________________________________________________Das Dackel-Buch „Wir dackeln durch Europa“
Weniger hundeaffine Menschen finden auf Sylt kaum Gelegenheit, sich über canine Stoffwechselendprodukte zu echauffieren. Verständlich gesagt: Wir finden nur selten Hundehäufchen auf den Wegen oder an den Stränden. Überall gibt es vorsorglich Spender für Hundekotbeutel und Mülleimer, was von den Hundebesitzern dankbar angenommen und genutzt wird.
Wer neugierig geworden ist und seinem Vierbeiner einen Besuch der Sylter Hundstage gönnen möchte, muss nicht bis zum nächsten Jahr warten. Die nächsten Hundstage finden vom 6. bis 11. November statt. Dann ist der heftige Trubel der Saison vorüber und die Hunde können wieder frei auf dem 40 Kilometer langen Weststrand herumrennen.
Mehr über Sylt hier bei uns im Blog
Das Dackel-Buch: „Wir dackeln durch Europa“
Nordlicht auf Sylt – am nördlichsten Ende von Deutschland
Seit Tagen war das Wetter grau in grau mit sporadischen Regenschauern. Dann klarte es heute endlich etwas auf. Wir waren den ganzen Tag auf den Beinen und freuten uns über das Sonnenlicht. Es machte riesigen Spaß zu fotografieren, da die Sonne selbst kleinste Details zum Leuchten brachte.
Bis nach Sonnenuntergang standen wir am Strand, da war die Stimmung wieder verflogen und esregnete uns schon wieder auf die Linsen. Nun denn, Kameras eingepackt und ab in die warme Stube!
Die Nordlichtvorhersagen und die einschlägigen Internetforen habe ich täglich im Blick. Das war unser großes Glück. Die Chance, dass ein starker Sonnensturm auf das Erdmagnetfeld trifft, standen theoretisch gut. Doch da waren noch die Wolken, die eine Beobachtung verhindern würden.
List West bei Tag, Sylt
Langzeitbelichtung mit ND Filter um den Strum darzustellen
List West Leuchtturm, Sylt, Deutschland
List West bei Tag, Sylt
Langzeitbelichtung mit ND Filter
Nordlichtwarnung und raus
Wir lagen bequem auf dem Sofa und schauten uns gerade eine Tatortfolge an. Immer wieder ging ich kurz raus auf die Veranda und checkte die Wetterlage: unf siehe da, zwischen der aufreissenden Wolkendecke funkelten Sterne am Himmel. Schnell hatten wir Jacken und Mützen übergezogen, die Kamerarucksäcke geschnappt und auf dem Weg zum Sylter Ellenbogen. Der Leuchtturm List West, das nördlichste Bauwerk Deutschlands war unser nächtliches Ziel.
Und da war es tatsächlich am Himmel zu sehen, das Nordlicht, tief unten am Horizont. Wir fotografierten drauf los, bis der heraufziehende Wolkenvorhang das Schauspiel beendete. Da waren wir mal wieder zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen. Nur ein paar vereinzelte Sterne schafften es noch, ihr Licht durch vereinzelte Wolkenlücken zu mogeln. Hoch zufrieden mit der Ausbeute kehrten wir zurück ins Warme. Der Tatort war schon vorbei, lief aber zeitversetzt im dritten Programm, und so klemmten wir uns wieder aufs Sofa und schauten Thiel und Professor Börne bei ihren Ermittlungen zu.
Nach Mitternacht checkten wir nochmal den Himmel, die Wolken hatten sich wieder verzogen. Also nochmal rein in die Klamotten und mit unserem VW-Bus hoch zum Ellenbogen gedüst. Wieder stapften wir durch den sandigen Weg zum Leuchtturm und schafften es gerade noch, das letzte zaghafte rote Nordlichtflackern auf die ersten Bilder zu kriegen. So ein Mist, da hatten wir doch tatsächlich den zweiten Nordlichtausbruch mit roten Strahlen verpasst.
Na ja, wir wollen nicht zu gierig sein, das grüne Nordlicht haben wir immerhin eingefangen. Und wir sind dankbar dafür, das der Wettergott ein Einsehen gehabt und uns die Wolkenlücken besorgt hat.
Grünes Nordlicht am Leuchtturm List West, Sylt, Deutschland. Die Wolken kamen schnell, und dann war die Show vorbei
Nordlicht beim List West, Sylt
Ein kurzer Anflug von rotem Nordlicht nach Mitternacht, bis die Wolken heraufziehen
Der Sonnenuntergang war heute übrigens auch wunderschön gewesen. Nicht so klassisch knallig rot-orange, mehr in dezenten Gelbtönen, die gut mit dem weißgrau der Wolken und dem Blau des Himmels harmonierten.
Alles in Allem ein fotografisch sehr ergiebiger Tag nach all dem vorherigen Einheitsgrau.
Was mich besonders freute: Das Nordlichtfoto wurde Titelblatt meines Leuchtturm Kalenders bei Delius Klasing.
List West Leuchtturm, Sylt, Deutschland
Wir haben übrigens ein Buch über die Nordlichtfotografie geschrieben!
Dein Weg zum Nordlichtbuch, Gabi & Gunter Reichert
Anreise nach Sylt mit dem Autozug
Sylt steht für Meer, Sandstrand, Leuchtturm und Urlaub
Höre ich den Namen Sylt, sehe ich Sandstrände, Wellen, Holzstege und Leuchttürme vor meinem inneren Auge. Die deutsche Insel Sylt steht als Synonym für Urlaub. Wie bei anderen Inseln auch gibt es süchtige Syltfans. Sie besuchen die Insel, wann immer sich die Gelegenheit bietet.
Leuchttürme auf Sylt
Auf Sylt gibt es zig berühmte Leuchttürme. Hier steht das nördlichste Gebäude Deutschlands: der Leuchtturm List West. Warum wir es bisher noch nicht auf die bekannteste deutsche Insel geschafft haben, ist mir selbst ein Rätsel.
Aber jetzt ist es endlich soweit. Wir besuchen Sylt Ende Februar, weit außerhalb der Saison. Oder gibt es auf Sylt überhaupt noch ein außerhalb? In den Fenstern etlicher Ferienwohnungen brennt Licht. Doch am Strand ist es einsam. Der Sturm mag daran schuld sein. Er peitscht den Sand horizontal über den Strand. Die Schneeflocken haben mehr die Konsistenz von Eisbällen und stechen wie Akupunkturnadeln in unsere Gesichter. Trotzdem ist es eine Wonne, die frische, salzige Seeluft tief in die Lungen hineinzuziehen.
Ferienwohnung mieten ist ganz einfach
Wir haben eine Ferienwohnung in List unweit des berühmten Ellenbogens gemietet. Da wir intensiv an unserem Nordlichtbuch gearbeitet hatten und auch noch mitten in der Planung einer Fotoreise stecken, buchten wir extrem kurzfristig. Wenige Tage vor der geplanten Abreise suchte Gunter eine hundetaugliche Wohnung. Herr Claussen von List-Info reagierte sofort auf die Anfrage und rief umgehend zurück. Ruckzuck waren die Modalitäten geklärt, wir würden einfach bei Ankunft bar zahlen. Wir hatten unsere Wohnung auf Sylt.
Weststrand auf Sylt
Treppe zum Weststrand auf Sylt
Strandzugang Weststrand Sylt
Mit dem Autozug auf die Insel
In den letzten Jahren hatten wir schon viele Inseln besucht. Darunter einige harmlose – du fährst über eine Brücke und schon bist du dort. In Deutschland gehören Fehmarn, Rügen, Usedom, Poehl zu dieser Gruppe, in Schottland die Isle of Skye und in Schweden Öland.
Andere Inseln, sind relativ leicht mit einer Fähre zu erreichen. Die Isle of Lewis in Schottland ist nur eineinhalb Fährstunden von Skye entfernt. Die dänische Insel Bornholm liegt schon einsamer. Die Fähre ist relativ teuer, die Fahrt dauert auch länger. Die Shetland-Inseln, sind für uns am aufregendsten. Das Meer nördlich des schottischen Festlands hat das Prädikat wild mehr als verdient. Die 15-stündige Fährfahrt bei Windstärke 9 war extrem anstrengend aber auch aufregend.
Sylt gehört irgendwie zur ersten Gruppe. Sie ist seit 1924 mit dem Hindenburgdamm mit dem Festland verbunden, nur kann man da nicht so einfach mit dem Auto drüberfahren. Der Damm ist exklusiv für den Zugverkehr bestimmt. Damit gehört Sylt auch ein bißchen zur zweiten Inselgruppe, denn die Überfahrt muss gebucht und bezahlt werden. So wie bei einer Fähre. Wir waren etwas aufgeregt, wie das wohl klappen würde, mit dem VW Bus auf den Zug zu fahren? Wäre es so, wie bei einer Fähre?
Wir waren spät dran. In Niebüll stand auf einer Anzeigentafel, dass immer 5 Minuten nach der vollen Stunde ein Autozug fahren würde. Es war 15:04 Uhr, als wir ankamen. Zu spät also. Wir kauften per EC Karte ein Hin-und Rückfahrschein für 93 Euro und fuhren durch die Schranke. Wir folgten einfach den Ampeln und landeten völlig problemlos auf dem Zug. Ganz ohne Aufregung oder irgendwelche Schwierigkeiten. Um Platz zu sparen, fuhr ich relativ dicht auf den Wagen vor uns auf, zog die Handbremse und machte den ersten Gang rein. Wir sollten das Lenkradschloss nicht einrasten, kam eine Durchsage über den Lautsprecher und angeschnallt bleiben. Da saßen wir nun, hoch oben auf dem Zug. Ratternd begann er sich zu bewegen. Ich versuchen einen Tee zu trinken. Es wollte mir nicht gelingen. Der Zug rüttelte so stark, dass mein Tee aus der Tasse schwappte. Bei der ruppigen Fahrt gelangte mehr Tee auf meinem Pullover als im Mund.
Es war cool, so hoch auf dem Zug. Die Aussicht war klasse, ich musste mich nicht auf die Straße konzentrieren, sondern konnte mich ausgiebig umschauen. Es irritierte mich nur etwas, dass so dicht vor uns ein Auto stand. Ich halte gern Abstand beim Fahren. Der Blick über die Wattlandschaft gefiel mir am besten. Leider hatte ich die Kamera unerreichbar im hinteren Teil des Autos. Wir waren so schnell auf dem Zug gefahren, dass mir keine Zeit geblieben war sie zu holen.
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Nach circa 50 Minuten kamen wir auf Sylt an und das Herunterfahren war genauso einfach, wie das Drauffahren.
Sylt begeisterte mich auf den allerersten Blick. Die hohen Dünen, die wir von der Straße gen Norden aus sahen, wirken wild und natürlich. Endlich mal kein Kulturland!
Schöne, helle Ferienwohnung im Norden von Sylt
Wir fanden das Büro für die Ferienhausvermietung sehr schnell, bezahlten bar und fuhren zur Wohnung. Alles pickobello, sauber, hell und freundlich.
Wir stellten nur schnell die Taschen ab und fuhren direkt zum Weststrand um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Hier merkten wir erst, wie kalt es doch ist. Die Handschuhe sind noch in der Reisetasche. Die Finger frieren mir beim Handtieren mit den Filtern fast ab.
Leider war das erstmal die einzige ernsthafte Fotosession. Das Wetter schwenkte in Schneesturm um, allerdings in der Nacht, die nächsten Tage brachten erstmal langweiligen Regen. Wir warten auf wechselhaftes Wetter und melden uns hoffentlich bald mit stimmungsvollen Fotos.
Diese Reise wird unterstützt von FeWo Direkt. Wir bedanken uns ganz herzlich. Unsere Meinung bleibt dadurch jedoch unbeeinflußt.
Sommer-Radtour, Teil 7: warum es von Vorteil ist, allein unterwegs zu sein
Von Schottland nach Schweden
Das ist der letzte Teil meines Radtour-Reiseberichts. Nachdem ich lange in Schottland unterwegs war wollte ich noch meine Freunde in Schweden besuchen, also verlängerte ich meine Reise nochmal um knapp 1500 Kilometer.
Holland ist so flach
Nach knapp sieben Wochen in England und Schottland erreichte ich schließlich wieder das Festland. Der Rest der Familie wartete am Fährhafen auf mich, denn sie wollten am nächsten Tag selbst nach Schottland fahren.
Es gab viel zu erzählen, immerhin hatten wir uns seit einer Ewigkeit nicht gesehen, und ich hatte unzählige Geschichten gesammelt. Ich sicherte meine Fotos, wir fuhren ein wenig in der Umgebung Amsterdams herum, und ich schlief diese Nacht auf dem Boden des Wohnmobils statt in meinem Zelt. Das Mobil ist mittlerweile viel zu eng für uns fünf. Mein Zelt ist gemütlicher! Am nächsten Tag fuhr ich früh los.
Holland! Irgendwo in der Nähe von Amsterdam
Mein Ziel war Kiel, denn von dort würde ich eine Fähre nach Göteborg nehmen, und der einfachste Weg dort hin führte an der Küste entlang. Ich hatte keine Karte von Holland dabei und auch kein Smartphone (da der Akku sowieso immer nur leer wäre), doch ich brauchte eigentlich auch keine Orientierungshilfe, immerhin musste ich nur darauf achten, das Meer immer links von mir zu haben.
Flaches Land und Regen, Regen, Regen
Holland war, vor allem verglichen mit Schottland und seinen grandiosen Bergen, mystischen Lochs und nebligen Tälern, ziemlich langweilig. Die höchste Erhebung, die ich auf dem gesamten Weg von Amsterdam bis zur deutschen Grenze zu meistern hatte, war der Deich auf dem ich hin und wieder entlang fuhr. Teilweise führte der Weg so lange geradeaus, dass ich bis zum Horizont keine Kurve ausmachen konnte. Dazu kam noch, dass es unablässig regnete.
Es ist zwar sehr angenehm, dort Rad zu fahren, aber sooo langweilig!
Immer nur geradeaus. Auf diesem Damm gibt es in über 30km nicht mal eine Kurve!
An der Küste entlang zu fahren lohnt sich landschaftlich nicht.
Vom Glück des Rückenwindes und spontanen Reisepartnern
Ich war trotzdem sehr gut gelaunt, und das hatte zwei Gründe: zum einen den Rückenwind, der als steife Brise mal ganz ausnahmsweise nicht von vorne oder von der Seite kam, sondern mich merklich antrieb. Zum anderen war da Michelle, eine Radlerin aus Deutschland, die in die selbe Richtung fuhr. Ich traf sie gleich am Anfang meiner Holland-Etappe. Wenn man zu zweit ist kann die Landschaft so langweilig sein wie sie will. Eigentlich war es sogar ganz gut, dass die Strecke so anspruchslos war, denn das hieß, dass wir gemütlich nebeneinander fahren konnten, um uns zu unterhalten.
Irgendwo unweit der deutschen Grenze verabschiedete sich Michelle, um mit einem Zug nach Hause zu fahren. Ihr Urlaub war knapp bemessen und so konnte sie insgesamt nur eine Woche unterwegs sein. Bei mir rief zwar keine Arbeit, doch auch ich musste bald einen Zug nehmen, damit ich rechtzeitig in Kiel war, um die Fähre noch zu erwischen. Wie ärgerlich! Gerne wäre ich die ganze Strecke gefahren.
Zum Glück traf ich Michelle, eine Krankenschwester aus Kassel. Sie war auch mit dem Rad unterwegs, und zu zweit war die langweilige Landschaft viel leichter auszuhalten.
In Deutschland musste ich einen Zug nehmen, um die Fähre noch zu schaffen.
Von Kiel nach Göteborg fährt man über Nacht.
Das Land der Roten Häusschen und endlosen Wäldern – Schweden
Als ich in Schweden ankam, änderte sich die Landschaft wieder. Es ist übrigens ein ganz anderes Erlebnis, wenn lange Zeit unterwegs ist und ein Land nach dem anderen besucht, statt nach zwei Wochen gleich wieder nach Hause zu fahren. Denn dann vergleicht man irgendwann die Länder untereinander, und nicht mehr mit Deutschland.
Schweden ist so eine Art Kompromiss zwischen Schottland und Holland, was den Anspruch an Radfahrer angeht. Es gibt keine hohen Berge und keinen ewigen Gegenwind, doch es ist dort auch nicht flach und langweilig. Eigentlich ist Schweden perfekt zum Radfahren geeignet, wenn man es gemütlich angehen will.
Man kann es natürlich auch sportlich statt gemütlich angehen, um große Strecken auf einmal zu meistern. Genau das tat ich auch. Ich wollte nämlich so schnell wie möglich bei meinen Freunden in Schweden sein, die ich schon viel zu lange nicht gesehen hatte. Sie veranstalteten wie jedes Jahr ein einwöchiges Festival für Freilerner, also Leute, die genau wie ich nicht zur Schule gehen oder gegangen sind.
Ich überrasche meine schwedischen Freunde und besuche das Freilerner Festival
Jedes Jahr hatte ich viel davon geredet, dass ich auch endlich mal kommen würde, und jedes Jahr wurde dann doch nichts daraus. Wir kamen eine Woche zu spät oder konnten nur im Winter kommen, das Wohnmobil war kaputt, etc… Also kündigte ich dieses Jahr meinen Besuch nicht so lautstark an. So klappt es vielleicht!
Ah, Schweden! Hier mach Radfahren richtig Spaß. Fiesen Wind oder hohe Berge machten mir hier nur selten das Leben schwer.
….und Wildcampen ist auch erlaubt!
Genau auf dieser Straße bin ich auch letztes Jahr gefahren, als ich mit meiner damaligen Freundin unterwegs war.
Mit all der Vorfreude im Gepäck fuhr es sich tatsächlich sehr leicht, ich legte sie 420 Kilometer von Göteborg nach Askö in zweieinhalb Tagen zurück. An einem sonnigen Mittag kam ich die kleine Schotterstraße entlanggefahren, an der die Farm meiner Freunde liegt. Sie deckten gerade einen Tisch unter dem Apfelbäumen als ich kam, pünktlich zum Mittagessen. Ich sorgte für eine große Überraschung, denn ich hatte ja wie gesagt nicht erwähnt, dass ich kommen würde.
Auf meiner ganzen Reise machte ich hier die längste Pause, ich blieb drei Wochen.
Ich half noch ein paar Tage mit den Vorbereitungen für das Freilerner Festival, immerhin kamen 150 Leute. Als sie schließlich kamen, fing die wohl beste Woche des Jahres an. So viele Leute auf einem Haufen, die alle auf die gleiche Art und Weise verrückt waren wie ich und meine Freunde! Es war prächtig!
Auf dem Camp bauten Andrew und Kyle ein Floss
Freilerner-Treffen in Schweden
Das Programm war sehr stark auf Freizeitaktivitäten ausgelegt und wurde größtenteils spontan erfunden. Jeden Tag standen Fußball, Cricket oder irgendwelche anderen Ballspiele auf dem Plan, wir bauten eine Kartoffelkanone, veranstalteten Spiele im Wald, ließen ein Floß zu Wasser und spielten nachts so lange in der Scheune Karten und Gesellschaftsspiele, bis die Sonne wieder aufging. Einige Leute hatten ihre Instrumente dabei, und es dauerte nicht lange, da hatten wir eine Band. Es machte Spaß, mal unter so vielen Freilernern zu sein. Auf einmal waren die wenigen, die in die Schule gingen oder gegangen waren, die „anderen“.
Freddie und Kai geben ein kleines Konzert.
Und schon ist eine Band draus geworden!
Auf der großen Wiese haben wir immer irgendwelchen Unsinn gemacht. Hier: Kartoffelkanone.
Oder wir haben eine alte Muskete (von 1815!) gefeuert
Es war Juli, aber manchmal waren alle angezogen, als wäre es Oktober.
Als die Woche vorbei war, schliefen wir erst einmal ein paar Tage lang.
Irgendwann war es dann Zeit, weiter zu fahren, und ich war wieder alleine.
Nach drei Wochen war es Zeit, sich wieder nach Süden aufzumachen.
Auch hier am Göta-Kanal war ich letztes Jahr gewesen.
Ich reise allein und bin nie einsam
Hab ich eigentlich schon einmal erzählt, wie toll es ist, allein zu reisen? Diese Reise war meine erste längere Tour, die ich ganz alleine gemacht hab. Keine Familie und keine Freundin dabei, nur mein Rad und ich. Aber einsam war ich nie, denn als Alleinreisender kam ich extrem leicht ins Gespräch mit den verschiedensten Leuten. Zum Beispiel geschah es mehrmals, dass sich meine Wege mit denen anderer Reisender kreuzten – und prompt hatte ich für ein paar Tage Gesellschaft. Wenn ich in einen Pub oder ein Café kam, wurde ich oft einfach so angesprochen („Hey, bist du in dem Siffwetter ganz bis hierher geradelt?! Wow! Setzt dich doch zu uns!“). Wenn man zu zweit oder gar zu fünft reist passiert das bei weitem nicht so oft – immerhin hat man seine Gesprächspartner ja schon dabei, und die Leute wollen nicht stören.
Ich konnte auch viele meiner Freunde besuchen, die in Nordeuropa verteilt sind. Hätte ich noch jemanden dabei gehabt, wäre das schwer geworden – wenn ich eine Woche bei einem Freund auf der Couch chrashe kommt es komisch, wenn ich einfach meinen Mitreisenden ungeladen mitbringe.
Und natürlich war ich so unabhängig wie noch nie! Alle Entscheidungen über die Route, das Essen oder den Schlafplatz lagen bei mir, es gab keine Diskussionen oder Kompromisse, die irgendwen unzufrieden stimmen.
Um von Meinen Freunden bei Stockholm nach Malmö an der Südspitze Schwedens zu radeln brauchte ich fünf Tage. Hier sind noch ein paar Bilder von der Strecke.
Wie idyllisch! Blauer Himmel, Sonnenschein, rote Häusschen… fast wie in einem Kinderbuch.
Mein treues Rad, lief die ganze Reise über ohne Probleme.
Hmpf. jemand hat das Kinderbuch zugemacht und einen von diesen finsteren schwedischen Krimis aufgeschlagen.
Alte amerikanische Autos sind in Schweden sehr beliebt.
ich besuchte noch ein paar Servas-Gastgeber. Unter anderen kam ich bei diesen Jungs unter.
Wieder in Deutshland. Auf der Fähre traf ich noch einen anderen Radler, zusammen fuhren wir nach Rostock rein.
Der Leuchtturm in Warnemünde.
In Rostock verbrachte ich einige Tage bei Clemens und Sebastian.
Alles in allem bin ich fast 4.000 Kilometer mit dem Rad gefahren (Und noch ein paar mehr mit Fähren und einem Zug). Ich war fast 3 Monate lang unterwegs, verbrachte die Hälfte der Zeit unterwegs und die andere bei alten Freunden oder neuen Bekannten. Es war einer der besten Sommer meines Lebens!
Ich fuhr mit dem Zug nach Hause, weil ich eiligst noch Unterlagen für die Universität einschicken musste.
Es ist fertig – das Buch „Dein Weg zum Nordlichtfoto“
Wenn du schon immer davon geträumt hast, einmal das Nordlicht in seiner ganzen Pracht zu erleben und auch zu fotografieren, dann bist du hier richtig! Unser Buch ist Reiseführer, Foto-Anleitung und Erlebnisbericht in einem.
Dein Weg zum Nordlichtbuch, Gabi & Gunter Reichert
Zur Beschreibung des Buches im Buchladen der 5reicherts.