Ich hatte gar nicht viel geschlafen, wurde trotzdem ohne Wecker wach als mir schon fast die Sonne in Gesicht schien. Da dauerte keine Minute und ich war in den Klamotten und vor der Tür. Es war kurz nach 6:00 Uhr und der Tag würde ein langer werden….
Fotografische Arbeit mit dem Tilt/Shift Objektiv am frühen Morgen – Leuchtturm Hirtshals
Nach einem regnerischen Tag ist Sonnenschein frühmorgens umso schöner. Ich genoss die ruhige fotografische Arbeit.
Für diese Reise hatte ich mir vorgenommen, mich endlich in das Tilt/Shift Objektiv einzuarbeiten. Ich hatte letztens das Buch von Rainer Mirau dazu gelesen, brauche aber dringend praktische Erfahrung mit der Linse. Beim Leuchtturm Rubjerg Knude hatte ich es im Sturm bereits ausprobiert. Es ist super scharf und es hat den Vorteil, dass ich weniger, dafür bedachter fotografiere, weil ich Schärfe und Belichtungszeit per Hand einstellen muss.
Ich denke, dass es mir daheim die Nacharbeit am Computer erleichtern wird. Außerdem ist es immer gut, von einer gewohnten Routine abzuweichen.
Der Leuchtturm von Hirtshals in Dänemark
Die Bunker am Leuchtturm Hirtshals
Die Bunker rund um den Leuchtturm von Hirtshals waren geöffnet, so informierten wir uns und lasen alle Informationstafeln. Esra und ich besichtigten den Leuchtturm und nutzten die Gelegenheit, die GoPro weiter zu testen. Da wir nicht die Actiontypen sind, müssen wir uns für das Gerät was Interessantes ausdenken. Was können wir aus diesem kleinen Ding an Kreativität und vor allem Spaß wohl herausholen?
Die GoPro für „Normale“ – Fotoinspirationen

Esra rennt , die GoPro auf dem Helm

Rubjerg Knude und Sand

Leuchtturm in Hirtshals

Leuchtturm in Hirtshals
Der Leuchtturm Rubjerg Knude nach dem Regen
Da die Sonne strahlte, fuhren wir nach dem Entleeren der Toilette – kostenlos an der Tankstelle östlich von Hirtshals – nach Rubjerg Knude zurück. Jetzt sah die Düne völlig verwandelt aus: überall Fussspuren im nassen, klebrigen und gar nicht mehr rieselfreudigen Sand. Es sah nicht wirklich besser aus! So ist das halt! Zwar war das Wetter nun heiter, aber der Sand zertrampelt. Es gab keinen Zentimeter Düne ohne Spuren. Wir hinterließen dann auch noch welche.
Hüpften, rannten und genossen den riesigen Sandspielplatz. Wir redeten mit anderen Reisenden, und fotografierten weniger als am Tag zuvor. Weiches Abendlicht präsentierte die Sonne leider wieder nicht. Wie gestern verschwand sie in einer Wolkenwand bevor es interessant hätte werden können. Wir warteten nicht ab, bis die Beleuchtung des Turms angeschaltet wurde, sondern gingen früher zurück zum Mobil.
Infos zur Düne am Rhubjer Knude
Im Norden Jütlands wandert die größte Düne Europas an der Küste von Rubjerg herum. Auf dem 50 m hohen eiszeitlichen Küstenablagerungen liegt nochmal über 20 m Flugsand, die höchste Erhebung ragt 100 m über den Meeresspiegel.
Im Jahr 1900 baute man hinter der damals nur 3 m hohen Dünen einen Leuchtturm mit vier Wärterhäuschen, dessen Feuer anfangs mit Gas, ab 1906 mit Petroleum und von 1934 an elektrisch betrieben wurde.
Die Probleme mit dem Sand begannen schon einige Jahre nach der Einweihung. Der Wind blies riesige Sandmassen die Steilküste herauf und die Düne vor dem Leuchtturm wuchs unaufhörlich. Zeitweise wurde versucht, den Sand mit LKWs abzufahren, ein vergebliches Unterfangen. Schließlich war der Leuchtturm von einer 50 m hohen Düne vom Meer abgeschnitten. Notgedrungen musste man ihn 1968 abschalten.
Weitere Versuche, das Dünenwachstum aufzuhalten, scheiterten. Die Anpflanzung von Standhafer und der Versuch, die Sandwanderung mit Kiefernzweigwällen zu bremsen, ließen die Düne nur noch mehr wachsen. So taten die dänischen Offiziellen das einzig Vernünftige und erklärten den Sandhaufen zum Naturschutzgebiet.
Zur Zeit wandert die knapp 2 km lange und 400 m breite Düne Richtung Nordosten und wird langsam flacher. Der Leuchtturm liegt wieder frei am Meer, die Wanderdüne ist daran vorbeigezogen, und die Backsteine der ehemaligen Wärterhäuschen liegen weit verstreut um den Turm herum. Touristen bauen daraus kleine Türme und Mauern, deren Kinder legen damit ihre Namen in den Sand.
Lange wird dieser Zustand leider nicht anhalten. Die ständige Erosion durch Wind und Wasser untergräbt die Steilküste und nimmt dem Leuchtturm das Fundament. Irgendwann wird er sich dem Meer entgegenneigen und sich von der Welt verabschieden.
Hirtshals und Warten auf die Fähre
Auf dem Weg nach Hirtshals starteten wir ein neues Hörbuch: Herr aller Dinge von Andreas Eschbach. Im örtlichen Supermarkt kauften wir noch schnell ein: Brote, Obst und Lakritz. Dann stellten wir uns für die Fähre an. Und was war das für ein Chaos. Die Autoschlange vor dem Check-In bei Fjordline war lang. Immer wieder überholten uns Autos, andere parkten gemütlich in der Reihe, die Insassen gingen spazieren. Seltsam. Sollen wir jetzt reinfahren oder nicht? Esra lief nach vorne, um die Lage zu checken. Er kam schulterzuckend zurück. Schlauer waren wir nicht. Also sprang ich aus dem Mobil und fragte mich durch, was Esra nicht getan hatte. Wer will denn wo hin? Warten oder nicht warten?
Es stellte sich heraus, dass die Leute, die nach Stavanger wollten, zuerst einchecken mussten, die, die nach Kristiansand wollten, erst danach. Nur gaben die Hinweistafeln über dem Terminal keinerlei Hinweise preis. Um uns herum standen greifbar viele Fragezeichen in der Luft. Keiner wußte wohin und wann? Etwa 1,5 Stunden vor der geplanten Abfahrt fuhr ich auch einfach vor. Da leuchtete über den Schaltern in grellen orangenen Lettern der Name KRISTIANSAND auf. Warum erst jetzt?
Fährchaos
Wir wurden in Reihe 1 geschickt und warteten weiterhin. Neben uns in Reihe 2 stand ein erschöpft dreinschauendes älteres norwegisches Ehepaar. Ich lud die beiden zum Tee ein, meine Kanne war noch voll. Wir kamen ins Gespräch. Die beiden wollten nach Stavanger, das wunderte mich doch, denn standen wir nicht in der Schlange für Kristiansand? Nach dem Tee lief ich zu den Mobilen vor uns und erkundigte mich, ob die auch nach Stavanger wollten. Ob wir vielleicht im Chaos in die falsche Reihe gefahren wären? Nein, wir waren richtig, das müde Ehepaar war es nicht. Ich schickte die beiden schnell zu einem der Angestellten der Fährgesellschaft, denn die Fähre nach Stavanger war bereits dabei, die Luken zu schließen. Die beiden schafften es gerade noch so in buchstäblich letzter Sekunde.
Reihe 1 war für die extra hohen Fahrzeuge. Und wir waren die höchsten, die es gab. Keine Lastwagen, nur PKW und ein paar Wohnmobile. Das Chaos ging hier weiter. So kurzweilig war bisher keine unserer wahrlich zahlreichen Fährfahrten gewesen. Es gab offensichtlich zu wenige Angestellte. Die wenigen, die da waren, schafften es einfach nicht, die Autos in Zaum zu halten. Nun, vielleicht nahmen die Reisenden die Fähre auch nicht als solche wahr. Sie war sehr flach und klein, und sah ziemlich unscheinbar aus. Fast, wie ein flaches Gebäude des Hafengeländes. Noch fuhren die Autos von der Fähre hinunter, da wurden auf der zweiten Spur bereits Fahrzeuge eingeladen. Wir lachten herzlich, als ein Auto auf die Fähre zufuhr, dann weg lenkte und Richtung abfahrender Stavanger-Fähre davonschoss. Einer der Männer mit den neonleuchtenden Westen rannte wie der Blitz hinter her, um den Irrläufer wieder einzufangen.
Nachts rückwärts auf die enge Fähre
Ja, und dann verging mir das Lachen schnell wieder. Wir mußten rückwärts einparken, weil wir über drei Meter hoch waren. In der Dunkelheit eine Rampe rückwärts hochfahren war nicht das, was ich nach einem langen Tag machen wollte. Und eng war es noch dazu. Wir passten gerade so hinein in den dunklen Bauch des Schiffes.
Den Ausgang fanden wir mangels Beschilderung fast nicht. Nach etwas Herumgeirre konnten wir endlich unsere Sitzplätze einnehm. Gunter hatte die Spielkarten nicht mitgenommen und ich hatte kein Buch dabei. Naja, die anderen hörten alsbald auf, zu lesen. Die schnelle Fähre, ein Katamaran, hüpfte auf den Wellen und die Fahrt war extrem ruppig. Nach kurzer Zeit roch es überall nach Erbrochenem. Wir torkelten wie betrunken zum Shop und gönnten uns eine Flasche zollfreien Whisky – vielleicht würden wir die in den kalten Lofotennächten noch gut brauchen können. Amy war irgendwann ganz blass, Gunter wurde richtig grün um die Nase, wir schafften es aber alle, die Fahrt ohne Kotzbeutelnutzung zu überstehen.
Völlig geschlaucht kamen wir gegen 2:00 Uhr nachts in Kristiansand an. Ich hatte gelesen, dass man im Hafen übernachten könne. Aber, wir waren schneller aus der Stadt raus, als es mir lieb war. Kein Platz weit und breit. Dafür eine Baustelle nach der anderen. Wir fuhren müde und mit durchgeschüttelten Mägen im strömenden Regen durch das stockdunkle südliche Norwegen. Nach etwa 30 Minuten hielten wir am Straßenrand auf einem Rastplatz, bauten hurtig das Bett um und fielen direkt in einen tiefen Schlaf. Ich war seit 6:00 Uhr auf den Beinen gewesen. Ruhig war diese Nacht nicht, der Verkehr war laut, die nebenan parkenden LKWs liessen immer wieder die Motoren warm laufen. Wir blieben trotzdem bis nach 10:00 Uhr liegen, denn es schüttete immer noch.
Hirtshals und Rubjerg Knude – ruppige Fährfahrt nach Norwegen
Ich hatte gar nicht viel geschlafen, wurde trotzdem ohne Wecker wach als mir schon fast die Sonne in Gesicht schien. Da dauerte keine Minute und ich war in den Klamotten und vor der Tür. Es war kurz nach 6:00 Uhr und der Tag würde ein langer werden….
Fotografische Arbeit mit dem Tilt/Shift Objektiv am frühen Morgen – Leuchtturm Hirtshals
Nach einem regnerischen Tag ist Sonnenschein frühmorgens umso schöner. Ich genoss die ruhige fotografische Arbeit.
Für diese Reise hatte ich mir vorgenommen, mich endlich in das Tilt/Shift Objektiv einzuarbeiten. Ich hatte letztens das Buch von Rainer Mirau dazu gelesen, brauche aber dringend praktische Erfahrung mit der Linse. Beim Leuchtturm Rubjerg Knude hatte ich es im Sturm bereits ausprobiert. Es ist super scharf und es hat den Vorteil, dass ich weniger, dafür bedachter fotografiere, weil ich Schärfe und Belichtungszeit per Hand einstellen muss.
Ich denke, dass es mir daheim die Nacharbeit am Computer erleichtern wird. Außerdem ist es immer gut, von einer gewohnten Routine abzuweichen.
Der Leuchtturm von Hirtshals in Dänemark
Die Bunker am Leuchtturm Hirtshals
Die Bunker rund um den Leuchtturm von Hirtshals waren geöffnet, so informierten wir uns und lasen alle Informationstafeln. Esra und ich besichtigten den Leuchtturm und nutzten die Gelegenheit, die GoPro weiter zu testen. Da wir nicht die Actiontypen sind, müssen wir uns für das Gerät was Interessantes ausdenken. Was können wir aus diesem kleinen Ding an Kreativität und vor allem Spaß wohl herausholen?
Die GoPro für „Normale“ – Fotoinspirationen
Esra rennt , die GoPro auf dem Helm
Rubjerg Knude und Sand
Leuchtturm in Hirtshals
Leuchtturm in Hirtshals
Der Leuchtturm Rubjerg Knude nach dem Regen
Da die Sonne strahlte, fuhren wir nach dem Entleeren der Toilette – kostenlos an der Tankstelle östlich von Hirtshals – nach Rubjerg Knude zurück. Jetzt sah die Düne völlig verwandelt aus: überall Fussspuren im nassen, klebrigen und gar nicht mehr rieselfreudigen Sand. Es sah nicht wirklich besser aus! So ist das halt! Zwar war das Wetter nun heiter, aber der Sand zertrampelt. Es gab keinen Zentimeter Düne ohne Spuren. Wir hinterließen dann auch noch welche.
Hüpften, rannten und genossen den riesigen Sandspielplatz. Wir redeten mit anderen Reisenden, und fotografierten weniger als am Tag zuvor. Weiches Abendlicht präsentierte die Sonne leider wieder nicht. Wie gestern verschwand sie in einer Wolkenwand bevor es interessant hätte werden können. Wir warteten nicht ab, bis die Beleuchtung des Turms angeschaltet wurde, sondern gingen früher zurück zum Mobil.
Infos zur Düne am Rhubjer Knude
Im Norden Jütlands wandert die größte Düne Europas an der Küste von Rubjerg herum. Auf dem 50 m hohen eiszeitlichen Küstenablagerungen liegt nochmal über 20 m Flugsand, die höchste Erhebung ragt 100 m über den Meeresspiegel.
Im Jahr 1900 baute man hinter der damals nur 3 m hohen Dünen einen Leuchtturm mit vier Wärterhäuschen, dessen Feuer anfangs mit Gas, ab 1906 mit Petroleum und von 1934 an elektrisch betrieben wurde.
Die Probleme mit dem Sand begannen schon einige Jahre nach der Einweihung. Der Wind blies riesige Sandmassen die Steilküste herauf und die Düne vor dem Leuchtturm wuchs unaufhörlich. Zeitweise wurde versucht, den Sand mit LKWs abzufahren, ein vergebliches Unterfangen. Schließlich war der Leuchtturm von einer 50 m hohen Düne vom Meer abgeschnitten. Notgedrungen musste man ihn 1968 abschalten.
Weitere Versuche, das Dünenwachstum aufzuhalten, scheiterten. Die Anpflanzung von Standhafer und der Versuch, die Sandwanderung mit Kiefernzweigwällen zu bremsen, ließen die Düne nur noch mehr wachsen. So taten die dänischen Offiziellen das einzig Vernünftige und erklärten den Sandhaufen zum Naturschutzgebiet.
Zur Zeit wandert die knapp 2 km lange und 400 m breite Düne Richtung Nordosten und wird langsam flacher. Der Leuchtturm liegt wieder frei am Meer, die Wanderdüne ist daran vorbeigezogen, und die Backsteine der ehemaligen Wärterhäuschen liegen weit verstreut um den Turm herum. Touristen bauen daraus kleine Türme und Mauern, deren Kinder legen damit ihre Namen in den Sand.
Lange wird dieser Zustand leider nicht anhalten. Die ständige Erosion durch Wind und Wasser untergräbt die Steilküste und nimmt dem Leuchtturm das Fundament. Irgendwann wird er sich dem Meer entgegenneigen und sich von der Welt verabschieden.
Hirtshals und Warten auf die Fähre
Auf dem Weg nach Hirtshals starteten wir ein neues Hörbuch: Herr aller Dinge von Andreas Eschbach. Im örtlichen Supermarkt kauften wir noch schnell ein: Brote, Obst und Lakritz. Dann stellten wir uns für die Fähre an. Und was war das für ein Chaos. Die Autoschlange vor dem Check-In bei Fjordline war lang. Immer wieder überholten uns Autos, andere parkten gemütlich in der Reihe, die Insassen gingen spazieren. Seltsam. Sollen wir jetzt reinfahren oder nicht? Esra lief nach vorne, um die Lage zu checken. Er kam schulterzuckend zurück. Schlauer waren wir nicht. Also sprang ich aus dem Mobil und fragte mich durch, was Esra nicht getan hatte. Wer will denn wo hin? Warten oder nicht warten?
Es stellte sich heraus, dass die Leute, die nach Stavanger wollten, zuerst einchecken mussten, die, die nach Kristiansand wollten, erst danach. Nur gaben die Hinweistafeln über dem Terminal keinerlei Hinweise preis. Um uns herum standen greifbar viele Fragezeichen in der Luft. Keiner wußte wohin und wann? Etwa 1,5 Stunden vor der geplanten Abfahrt fuhr ich auch einfach vor. Da leuchtete über den Schaltern in grellen orangenen Lettern der Name KRISTIANSAND auf. Warum erst jetzt?
Fährchaos
Wir wurden in Reihe 1 geschickt und warteten weiterhin. Neben uns in Reihe 2 stand ein erschöpft dreinschauendes älteres norwegisches Ehepaar. Ich lud die beiden zum Tee ein, meine Kanne war noch voll. Wir kamen ins Gespräch. Die beiden wollten nach Stavanger, das wunderte mich doch, denn standen wir nicht in der Schlange für Kristiansand? Nach dem Tee lief ich zu den Mobilen vor uns und erkundigte mich, ob die auch nach Stavanger wollten. Ob wir vielleicht im Chaos in die falsche Reihe gefahren wären? Nein, wir waren richtig, das müde Ehepaar war es nicht. Ich schickte die beiden schnell zu einem der Angestellten der Fährgesellschaft, denn die Fähre nach Stavanger war bereits dabei, die Luken zu schließen. Die beiden schafften es gerade noch so in buchstäblich letzter Sekunde.
Reihe 1 war für die extra hohen Fahrzeuge. Und wir waren die höchsten, die es gab. Keine Lastwagen, nur PKW und ein paar Wohnmobile. Das Chaos ging hier weiter. So kurzweilig war bisher keine unserer wahrlich zahlreichen Fährfahrten gewesen. Es gab offensichtlich zu wenige Angestellte. Die wenigen, die da waren, schafften es einfach nicht, die Autos in Zaum zu halten. Nun, vielleicht nahmen die Reisenden die Fähre auch nicht als solche wahr. Sie war sehr flach und klein, und sah ziemlich unscheinbar aus. Fast, wie ein flaches Gebäude des Hafengeländes. Noch fuhren die Autos von der Fähre hinunter, da wurden auf der zweiten Spur bereits Fahrzeuge eingeladen. Wir lachten herzlich, als ein Auto auf die Fähre zufuhr, dann weg lenkte und Richtung abfahrender Stavanger-Fähre davonschoss. Einer der Männer mit den neonleuchtenden Westen rannte wie der Blitz hinter her, um den Irrläufer wieder einzufangen.
Nachts rückwärts auf die enge Fähre
Ja, und dann verging mir das Lachen schnell wieder. Wir mußten rückwärts einparken, weil wir über drei Meter hoch waren. In der Dunkelheit eine Rampe rückwärts hochfahren war nicht das, was ich nach einem langen Tag machen wollte. Und eng war es noch dazu. Wir passten gerade so hinein in den dunklen Bauch des Schiffes.
Den Ausgang fanden wir mangels Beschilderung fast nicht. Nach etwas Herumgeirre konnten wir endlich unsere Sitzplätze einnehm. Gunter hatte die Spielkarten nicht mitgenommen und ich hatte kein Buch dabei. Naja, die anderen hörten alsbald auf, zu lesen. Die schnelle Fähre, ein Katamaran, hüpfte auf den Wellen und die Fahrt war extrem ruppig. Nach kurzer Zeit roch es überall nach Erbrochenem. Wir torkelten wie betrunken zum Shop und gönnten uns eine Flasche zollfreien Whisky – vielleicht würden wir die in den kalten Lofotennächten noch gut brauchen können. Amy war irgendwann ganz blass, Gunter wurde richtig grün um die Nase, wir schafften es aber alle, die Fahrt ohne Kotzbeutelnutzung zu überstehen.
Völlig geschlaucht kamen wir gegen 2:00 Uhr nachts in Kristiansand an. Ich hatte gelesen, dass man im Hafen übernachten könne. Aber, wir waren schneller aus der Stadt raus, als es mir lieb war. Kein Platz weit und breit. Dafür eine Baustelle nach der anderen. Wir fuhren müde und mit durchgeschüttelten Mägen im strömenden Regen durch das stockdunkle südliche Norwegen. Nach etwa 30 Minuten hielten wir am Straßenrand auf einem Rastplatz, bauten hurtig das Bett um und fielen direkt in einen tiefen Schlaf. Ich war seit 6:00 Uhr auf den Beinen gewesen. Ruhig war diese Nacht nicht, der Verkehr war laut, die nebenan parkenden LKWs liessen immer wieder die Motoren warm laufen. Wir blieben trotzdem bis nach 10:00 Uhr liegen, denn es schüttete immer noch.
Rubjerg Knude – der Leuchtturm in der Wanderdüne
Rubjerg Knude, der Leuchtturm in der Wanderdüne, Dänemark. Fotos und Reisebericht.
Ein Reisestart mit vielen Pannen
Endlich sind wir auf dem Weg nach Skandinavien! Wenn es nach uns ginge, wären wir schon viel früher unterwegs gewesen, doch wie es sich bei jeder längeren Reise gehört, geht irgendetwas schief (gerne auch schon, bevor die Reise überhaupt erst angefangen hat). Zuerst hat sich mein Laptop in der Nacht vor dem geplanten Abfahrtstermin theatralisch verabschiedet und den Geist aufgegeben, und am folgenden Morgen trieb uns Gabis Kamera in den Wahnsinn, als ihr Sensor beim Säubern nicht sauberer, sondern schmutziger wurde. Als er nach der dritten Runde schließlich völlig eingesaut war, blieb uns nichts anderes übrig als einen Tagesausflug nach Mainz zu machen, wo wir die Kamera professionell putzen ließen und ich das Innere meines frisch geschlachteten Sparschweins für einen neuen Computer hinblätterte (glücklicherweise ermäßigte mir ein kleiner, kaum merklicher Kratzer den Preis um satte 70€, hehe).
Während wir so im Kamerageschäft standen, auf die Säuberung unserer Kamera warteten und mit dem Verkäufer laberten, sprang uns eine GoPro ins Auge. Wir liebäugelten schon seit einer halben Ewigkeit mit diesen kleinen, hochqualitativen Actioncams, und diese Gelegenheit schien uns gerade recht, eine solche zu unserer Ausrüstung zu gesellen. So war das ganze kaputte Equipment wenigstens für irgendetwas gut! Ich bastelte noch am selben Abend einen alten Fahrradhelm um (selbstverständlich mit viel Kordel, Klebeband und Gefluche), jetzt kann man sie auf dem Kopf herumtragen – macht euch auf ein paar interessante Videos gefasst, Leute!
Putzen in der Nacht
Als wir dann nach noch einem weiteren Trip nach Mainz endlich aus dem Tor rollten (wir mussten noch mal zum Media-Markt, Zubehör kaufen) fing es allerdings gleich wieder an mit den technischen Pannen! An der ersten Tankstelle fiel uns eine verräterische Pfütze unter dem Mobil auf, und bei näherer Inspektion stand die Wasserpumpe als Schuldige fest. Also durften wir nach nicht einmal 20km unseren ersten Servicestop einlegen. Der Nachmittag rieselte dahin, und es war bereits 6 Uhr abends, als wir endlich auf der Autobahn waren. Sonderlich weit kamen wir nicht an diesem Tag, aber immerhin … Moment mal Leute, was stinkt denn hier so nach Benzin?? Nachdem jeder mal seine Nase in die Luft gestreckt hatte, waren sich alle einig, dass der Duft seinen Ursprung im Kofferraum hatte, eine Minute später war die Klappe offen und unser Verdacht bestätigt – in einer der Kisten stand eine prall gefüllte Dose WD-40 … nur leider ohne Deckel, und nur leider in der unteren Kiste, was zur Folge hatte, dass aus der prall gefüllten Dose eine ziemlich leere Dose geworden war, und der komplette Schmieröl-Inhalt nun auf den anderen Sachen in der Kiste verteilt war. Wir hatten aber Glück im Unglück – es war kaum etwas besonders Empfindliches in der Kiste gewesen, ein paar Werkzeuge, Bauteile und dergleichen … nur ein ledernes Messerhalfter war übel in Mitleidenschat gezogen worden, jetzt stinkt es zehn Meilen gegen den Wind dass sich die Fußnägel kringeln, und es hat seine hübsche Leder-Farbe eingebüßt und ein ziemlich schwarzes Braun angenommen … mal sehen, was sich da jetzt machen lässt.
Unsere Laune hat all das zum Glück aber nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen, immerhin passiert so etwas auf jeder Reise, außerdem war gestern der 13. gewesen … nicht auszumalen was passiert wäre, wenn auch noch Freitag gewesen wäre! Naja, eigentlich sind wir gar nicht abergläubisch (das bringt Unglück!) aber es ist gut, wenn sich die Schuld auf etwas schieben lässt, haha. Jetzt hoffen wir mal, dass es das war mit den Pannen, wenigstens auf absehbare Zeit, und freuen uns auf Norwegen. Am Samstag geht die Fähre, bis dahin treiben wir uns noch in Norddeutschland und Dänemark herum.
Neue Fotogalerien und Titelseite
Ganz kurz: Ich habe zahlreiche Fotogalerien zusammengestellt. Die Fotos auf der Titelseite des Blogs habe ich auch ausgetauscht. Jetzt würde mich über Deine Meinung freuen!
St Ives, Cornwall
Folgende Galerien sind neu dazu gekommen:
Die Küste
Wellen
Schottland
Schweden im Winter
Norwegen im Winter
Orcas in Norwegen
Shetland
Südengland
Aurora Borealis
Die Seite www.gabi-reichert.de hat ein frisches Aussehen bekommen. Dort gibt es zur Zeit fast nur Fotos und der Text, der noch zu finden ist, ist sprachlich gemischt: Deutsch und Englisch.
Moving picture – aurora borealis
Dieses Motiv findet Ihr auf dem POLARLICHT 2014: Himmlisches Leuchten – Aurora Borealis Kalender
Das animierte Gif zeigt, wie schnell sich das Nordlicht veränderte. Es ruckelt etwas! Ruckelfrei wäre es zu gross für das Blog!
Wir laden Euch ein, uns zur nächsten Polarlichtreise zu begleiten. Es geht los….
Aurora borealis, moving picture
Die Vasa: Das einzige erhaltene Schiff des 17. Jahrhunderts, Stockholm, Schweden
Am 10. August 1628 sollte das grösste und mächtigste Schiff der schwedischen Flotte nach dreijähriger Bauzeit seine Jungfernfahrt antreten. Stadtdessen kenterte die Vasa nach einigen Metern noch im Hafen von Stockholm, und das wegen einer kleinen Windböe. Ganz Stockholm sah zu, wie drei Jahre Arbeit nach kaum einer Seemeile wegen eines Konstruktionsfehlers einfach untergingen.
Vasa Museum, Stockholm
Vasa Museum, Stockholm
Unsere damals noch kleinen Kids im Museum
Unsere damals noch kleinen Kids im Museum
Das Schiff war unten zu leicht und oben zu schwer. Um nicht einfach zu kentern muss ein Schiff eine bestimmte Menge an Ballastgestein im Kielraum haben und darf auf den oberen Decks nicht überladen werden. Die Vasa hatte viel zu wenig Ballast, jege Menge Geschütze (64 Kanonen und sechs Mörser) und riesige Segel. Im 17. Jahrhundert waren Konstruktionszeichnungen oder mathematichen Berechnungen im Schiffsbau unbekannt, nur eine Liste mit Zahlen, die man aus Erfahrung kannte, wurde von den Schiffbaumeistern benutzt. Die Vasa sollte größer und mächtiger als alles Bisherige werden, und man baute einfach Pi mal Daumen.
Der Untergang hätte allerdings verhindert werden können, denn die Stabilität der Vasa war vor dem Auslaufen überprüft worden, und es hat sich gezeigt, dass das Schiff nicht sicher war: 30 Männer sind von einem Ende zum anderen gelaufen, und schon beim dritten Durchgang wäre die Vasa fast gekentert. Klas Flenning, einer der einflussreichsten Männer der Flotte, war dabei anwesend und hätte das Auslaufen verbieten können. Doch der König drängte ungeduldig und das Schiff war fertiggestellt. Also liess man die Vasa aus falsch verstandenem Obrigkeitsgehorsam in ihr Unglück laufen. 30 Jahre später konnte der schottische Taucher Joseph Maule noch 53 der 64 Kanonen mit Hilfe einer simplen Taucherglocke bergen. Danach ging das Wissen über den Untergangsort verloren.
Die Vasa, Stockholm
Die Vasa, Stockholm
Die Vasa, Stockholm
Glücklicherweise ist die Ostsee sehr salzarm (nur Drei Kilo salz pro Kubikmeter Wasser; normales Meerwasser hat fast 30!) Dort gibt es keinen Schiffsbohrwurm, der das Holz der Schiffe zerfrisst, weil dieser sehr salzhaltiges Wasser benötigt (Eigentlich ist er eine Muschel, die ihre Schale als Bohrwerkzeug benutzt). Deshalb blieb das Schiff über 300 Jahre lang relativ gut erhalten.
1953 beginnt Anders Franzen nach der Vasa zu suchen. Dazu hat er ein selbst konstruietes Speziallot ins Wasser gelassen, weches dem Boden Proben entnimmt. Da man nicht genau aufgeschrieben hat, wo die Vasa gesunken ist, musste er an vielen Stellen suchen. Nach drei Jahren Arbeit findet er endlich ein Stück Eiche in seinem Lot und entdeckt den Unglücksort. Taucher können seinen Fund bestätigen und beginnen, die Bergung vorzubereiten. Unter dem Schiff werden Tunnel gegraben und Stahltrossen verlegt. Die Marine stellt Schiffe und Personal, die Firma Noctunbolgaret führt die Bergung kostenlos durch. 1959 wird das Schiff endlich in 16 Etappen in seichteres Wasser gehoben.
Bevor die eigentliche Bergung stattfinden kann, muss das Schiff allerdings noch abgedichtet und schwimmtauglich gemacht werden. Am 24. April 1961 erfolgt dann die entgültige Bergung, und nach 333 Jahren in der nassen Dunkelheit können sich endlich Archäologen der Funde annehmen. Nun muss die Vasa noch mit Konservierungsmitteln besprüht werden, um Risse im Holz zu vermeiden, denn wen durchnässtes Holz ein paar Tage lang im Trockenen liegt, wird es brüchig. In der Vasa waren pro Kilo Holz eineinhalb Liter Wasser enthalten, also bewahrte man sie in einem Nebel aus Konservierungsflüssigkeit auf bis das Wasser langsam verdrängt war und man sie trocken stehen lassen konnte. Das war 1979. 1988 wird sie in das neue Museum verfrachtet, wo sie auch heute noch steht. Archäologen haben die reichen Verzierungen und Skulpturen mit Mikroskopen auf Farbpigmente untersucht und sie rekonstruiert. Über das Leben an Bord anhand hat man anhand der Funde eine Menge herausgefunden und konnte zerstörte Teile nachbauen. 95% der Vasa bestehen noch aus Originalteilen, nur 5% des Schiffs musste rekonstruiert werden.
Wir hatten viel Spaß im Museum, und haben den alten Kahn gründlich unter die Lupe genommen, ausgiebig alle Informationen durchgelesen und Zeichnungen angefertigt.
Esra Merlin Reichert, 26. April 09